Indiana Tribüne, Volume 26, Number 276, Indianapolis, Marion County, 14 July 1903 — Page 6

6

Jildiana Tribüne, Juli 1903

990999999999

k ? B&3 Elfi der Itn Sicherheit, IP turirt 5 3 W St. Jakobs , Oel 1 I Uöckknschmcreu s K und Söstwch. 3: es o?-? Ön ein Fehlschlage ist nicht zu denken. Preis 25c und 50c ZZ 55 y 33 mmmmmm Venn Sie das Beste wünschen M (fSrn J.? "p;. cOÄM. ' 'Au. rf-c, 'iV'v .)?frfe ?m rr-f.; das es gibt in Möbeln, Teppichen ... .und .... ...Oefen... so gehen Sie zu WILLIG'S Möbel-Laden, 141 W. Washington Str. Saar oder Credit. LEttlÄNDÖ 142 Nord Pennsylvania Straße, Hauplquattler für Brillen und Operngläser. Hl TOKJWABIA i r5X(i 59 .VLrrrnx& N yiiwj V jnij w Stl3en werde nach öen besten Methoden den Äugt nzevaZt. o,ftliche Augen werden schmerzlos eingesetzt. FurnaceS, Eisen und Blech-Arbeiten, Jcsexh Gardner, 37 41 Kentuckq Aven, Telephon 322. Milchkannen, Oelbehälter und Aschenbehälter auf Bestellung gemacht. Jos. A.LeLTX& ...Pamter... Spezielle Aufmerksamkeit wird Training, Ealcnmning, Tinting und Glaser Arbeit ge Zcheutt werden, No. 11 Hudson Str. Clct Telephon s9leaj 751. Wohnung Telephon Jltu 6504 ohle. Ion Anthracue. 5 7.00 Rauchlose 8 00 4iCToit 4 50 Pittsburg 4.25 Raymond City 4.75 Wmifrede 4.25 Kanmvha 4.25 Lubriz 4 76 Dnrzi! Block 3.76 Vrnne County.... 3 25 Jndiana Lump 3.25 Lloßöurg 5.50 tzockmz Valley 4.50 C!it?"3nbianfl..............M .. 225

MWT Va S. MWM aw-MOnM-TRÄCE AR

ve

V ""-"

V..

mm WM

mm

IOSP

z 44 5 " iMi per xv ei sz e

4 'I o 6 : . ! 1. K a p i t e l. mchtung! Stemschlag!" Sie blieben stehen. Der Fels"w zacken hart an Rande deZ jäh an ihnen vorbei abschiebenden Eishanges gab ihnen Schutz, während von oben das unheilverkündende Ge polier näher und näher kain. Lange Stunden hatte da die Augustsonne an dem Eiskitt genagt und geleckt, der die Steintrümmer der Jerge in halb schwebender Lag: unbeweglich festhielt. Jetzt war das Band geschmolzen und strömte in milchigen Wassern zu Thale. Vor ihm her aber flog und kollerte in jauchzenden Sprüngen der frei gewordene Koloß über die steile, spiegelnd glatte Fläche hinab. Wie eine Schaar geschäftiger Gnomen huschte allerhand kleines Geröll und Trümmerwerk hinter dem ungeschlacht niedcrtanzenden, rechts und links auf den Firn aufschmetternden Gebieter. Und hinter dem eilfertigen Gezindel endlich saujie. als athemlcs keuchender Nachzügler, ein dritter schwarze? Block und stürzte sich, den Genossen folgend, vom Nand des EisHanges kopfüber in die Tiefe. Dort nahm der Schnee sie auf. Er ballte sich um die rollenden Steinmassen, er häufte sich vor ihnen in stiebenden Hügeln, weithin begann die ganze weie Tecke zu rucken und zugucken, sie gerieth in gleitende Bewegung, sie vermischte sich mit dem niederstrebenden Gestein zu einer Wolke von krachendem els und klirrendem Eis und rieselndem Schnee, und unter weithin hallendem .Donner fuhr die Lawine zu Thal. Die Felswände warfen den Schall zurück. Ein Heulen und Dröhnen -erhob sich aus der uebelverhanqenen Tiefe, ein Brüllen, das sich von Tha! zu Thal durch die Hochgebirgsschlünde fortpflanzte, um dann langsam in dumpf rollendem Grollen zu ersterben. Noch einmal stöhnte es in einer Weltenfernen Klufi. irgendwo aus dem Nebel knurrte es tückisch dagegen. Dann wurde es still. Starres, feierliches schweigen lag wieder über dem ewigen Sckinee und seinen wolkenumzogenen Givfeln. Den schlanken Leib hart an die Felsen gepreßt und unwillkürlich an deren Rippen sich mit den Händen festklammernd, hatte sie auf das Schauspiel herabgeblickt. Die tiefblauen, kalt glänzenden Augen schienen größer uno großer zu werden, wie sie über das Firngeglitzer in die gähnende Tiefe sah, in der die Nebelschwaden brauten und wogten. Sie stiegen empor, sie schwebten über ihrem schönen Haupte in gespenstisch fluthenden Schleiern und hüllten Welt. Erde und Menschen in ein graues Nichts, aus dem eintönig und unermüdlich das Rauschen der Gletscherwasser drang. Undeutlich hoben sich im Nebel die wildgezackten kahlen Felsklippen, die pfadlosen Schneeflachen ab, und wo der graue Dunst sich einmal theilte, da lugten hoch vom Himmel her wie bleiche Riesen die Bergeshaupter der Werner Alpen hinab in die Trümmerwelt der Thalgletscher mit ihren phantastischen Schrunden und Hügeln von Eis, ihren halbeingestürzten, reihenweisen Schneemauern und den schwarzen, scheußlich klaffenden Spalten, in denen die unterirdischen Ströme brausten. Das war keine Welt wie die da unten, wo die Menschen lebten und starben. Dies feierliche Gebäude aus Fels und Eis und Schnee, aus wogendem Nebel und rauschenden Fluthcn war eine Welt für sich, eine Wüste, durch deren Schweigen Stein und Sturm in mächtigen, geheimnißvollen Zungen zum Menschen sprachen. Noch verstand s:e diese Sprache nicht. Zum ersten Mal befand sie sich heute im Herzen der Alpenwelt. Aber ein Beben der Ergriffenheit hatte sie erfaßt und legte Wachsblässe über die herbe Schönheit ihrer Züge. Sie athmete schwer, mit halboffenem Munde. Es war keine Furcht, was sie empfand. Die Schauer des Hochgebirges gingen durch ihre Seele. . .Brrruumm!" machte der alte Cbriften 5Zum Brunnen vor Tick bin. Diele Nachahmung des Lawinendonners war beinahe der einzige Laut, den man von dem greisen Bergführer zu vernehmen pflegte. Wie er da so kauerte, den langen, klapperdürren Leib und die hageren endlosen Glieder auf unbeschreibliche Weise in die Lücken der Felswand geschmiegt, mit dem listig blinzelnden, von tausend Runzeln durchfurchten, zahnlosen Ledergesicht, das spärliche graue Haarbüschel umrahmten da erschien er selbst rnehr wie ein abenteuerliches Gebilde der Hochwelt als wie ein Mensch von Fleisch und Blut. Und doch wohl dem Touristen, den in einem kritischen Augenblick deralte Zum Brunnen am Seil hatte, dieser Glctschermann ersten Ranges, der mehr als bundert Mal die unafrau bestiegen. sieben Mal dem Täuöchen" des!

v4

,. Vr H K ; :: Uoman aus drr fchcrmclt Glct- !"! von 3iui)os)(j Slrakz ;$ l". M . z. Großen Schreckhorns den Fuß aus den Nacken gesetzt hatte, und hinter dessen v Q-.:?.t. w : . . yiuii'cn uic iciti;uuuuuu.;et rn ctci sagenden Klammern die Worte Kau kasus" und Himalaya" lesen ließen. Er war längst ein wohlhabender Mann, die verheirateten Töchter be saßen ihre eianen aut aebenden irtysyaujer, ftine oyne, die Äerg c.: i y. i . i-v- " mj , suyrer, oraucyien vor oem iöjx m Grindelwald nie lange auf Zuspruch zu warten, aber immer und immer wieder zog es den Alten hinaus in die Erhabenheit jener Welt über den Wol ken. in der sem Leben und allem menschliches Ermessen nach dereinst sein Grab war. Heute freilich ärgerte er sich, daß er ausgegangen! Mit einem Frauenzimmer, das trotz aller Kourage so wenig vom Bergklettern verstand, und bei schlechtem Wetter dazu das liebte der Alte nicht. Auch Kaspar Wägi, der zweite Führer, ein rothbäckiger, stämmiger Bursche. mit beinahe thierischer Kraft begabt und nach Gletscherbegriffen etwas stutzerhaft, in ganz neue, chokcladefarbene Loden gekleidet, mit einer SpielHahnfeder am Hut auch Kaspar Wägi machte ein finsteres Gesicht. Es lag ihm. dem Katholiken, schwer auf dem Herzen, daß er neulich drüben im Wallis den Dollarlockungen eines gottlosen Fankees gefolgt und am Sonntagmorgen statt in die heilige Messe auf den Monterosa gegangen war. Heut; konnte er feine 'Sünd? abbüßen! Inmitten dieses tückischen Nebels, der wider alles Erwarten eingefallen war, ein paar Stunden vor SonnenUntergang mit einer ermüdeten, unerfahrenen Dame am Seil tausend Meter über der Schutzhütte, zu der nur ein gefährlicher und schwieriger Abstieg hinabführte. Kaspar Wägi schwieg und fpuckte gedankenvoll aus. Auch der Alte stand stumm da und bewegte im Nachdenken leise schmatzend den faltigen Mund hin und her. Zum Glück war die Dame guter Dinge. Wetter!" rief sie mit Heller Stimme und faßte en alten Zum Brunnen am Arm. Der greise Bergführer drehte sich mit einem seltsamen Greinen seiner verwitterten Züge zu ihr um und wies mit der Hand nach rückwärts. Wir müssen wieder hinauf," ergänzte Wägi, von wo wir gekommen sind hier geht's nickt weiter!" Und' grimmig überdachte er dabei die Ereignisse dieses wunderlichen Tages. Sie hatten auf die Jungfrau ge wollt, aber schon nach Ueberwindung des Kalli," dieser greulichen Knochenmühle, auf dem Fiescherfirn des schlechten Wetters wegen umkehren müssen. Unverrichteter Dinge aber nach Grindelwald zurückzukehren, das lehnte die Dame rundweg ab. Sie wolle wenigstens in einer Klubhütte übernachten! Nun war man auf dem Wege zu der entlegenen Gletscherhütte vom Nebel überrascht worden und stand da. Wieder zurück?" Die Touristin setzte sich auf einen Stein und stützte das Kinn in die Hände. Machen Sie, was Sie wollen, aber ich gehe keinen Schritt mehr aufwärts. Meine Beine zittern wie Espenlaub. Uebrigens ist es hier herunter ja ganz hübsch!" Aber gefährlich!" versetzte Kaspar Wägi eindringlich. Wir müssen über den Eishang hin Stufen hauen, und unter dem können Steine von oben kommen!" Gefährlich! Sie konnte sich das gar nicht recht vorstellen, wie das eigentlich möglich sei: sie, die elegante Weltdame, die man sorglich vor jedem Lufthauch, jedem Sonnenstrahl bewahrte und kaum ohne Schutz im Garten des Hotels promeniren ließ, sie in Lebensgefahr! Sie mußte beinahe lachen, so drollig erschien ihr das. Aber sie blieb ernst, während sie in die starre Wildniß hinaussah, die sie rings umgab. Das hatte sie ja gerade gewollt und im günstigen Augenblick ausgeführt! Heraus, nur einmal heraus aus allem, was sie ihr ganzes Leben hindurch eingezwängt hielt, heraus aus der lauen Salonluft, aus Korsett und Stöckelschuhen, aus der steten Aufsicht und Bevormundung und einmal selbstständig handeln und ein freier Mensch sein. Und zur Freiheit gehört auch die Gefahr! Wenn die Männer der Gefahr trotzten, ja sie aufsuchten, warum sollte sie es nicht auch? Eigentlich hatte sie auch gar keine so große Angst. Sie stand auf und sagte mit schwankender Stimme: Es wird schon nicht jeder Stein treffen! Machen Sie nur vorwärts!" Die beiden Führer sahen sich an. Mit der ermüdeten Touristin den großen Umweg zur Vermeidung des EisHangs niachen, war bei dem Wette: und der späten Stunde auch nicht ohne Be-

AJ.

t'cracn. uno anoererseiis war die ae-

fahrde.'.' Stelle ja nur kurz. Der alte Zum Brunnen schielte von der Seite auf seine schöne Schutzbefohlcne und entschloß sich, ein paar Worte zu sprachen. Koucage hat sie schon !" knurrte er. und der Wägi nickte und sagte nachdenklich: Die Dame ist schon guet!" Eine kurze Pause. Dann hob der Alte plötzlich seinen Pickel, warf einen mißgünstigen Blick nach oben und begann wie rasen-d Stufen in den Eishang zu h'üucn. Erst scklua er mit der Stablsdin, von der Seite her eine Kcrde in den Firn, dann drehte er die Axt um und ließ sie von oben in die eingeschlagene Stelle niedersausen, bis ein breiter, becuemer Tritt für den genagelten Bergschuh entstand. Zwischen ihm und seiner Begleiterin schaukelte das roth durchwirkte Hansseil und spannte sich, wie er fortschritt, mehr und mehr an, bis es endlich ganz straff war. und sie, sich mit einer Hand am Tau haltend, mit der anderen den Bergstock auf der schrägen Eisfläche aufstützend, vorsichtig von einer Stufe zur anderen stieg. Im selben Tempo hinter ihr Kaspar Wägi. Er zog das Seil so elastisch an, daß es in seiner Linken zitterte, um ihr beim Ausgleiten sofort Widerhalt zu gewähren. Nur ab und zu schaute er. sich mit der Eisaxt längs des Hanges hinschiebend, rasch nach oben. Sonst verwandle er kein Auge von der schlanken, biegsamen Gestalt vor ihm, die in der Erregung des Au genoucks sich nervös fröstelnd zusam menduckte und mit katzengleichen Schritten in den ungefügen Fußstapfen des alten Zum Brunnen schlich. Jetzt stand sie wieder dicht hinter dem Alten, der in so wüthender Has das Eis bearbeitete, daß selbst seine ausgemergelte und ausgedörrte Hau von Schweiß zu glänzen anfina. Wo seine Axt sich niedersenkte, sprühte? krystallgleich kleine flimmernde Eisstücke umher und umschwirrten wie ein Hagelwetter ihren vorgenemten Kopf daß sie Augen und Mund schließen mußte. Eine seltsame Laae! Das Klirren der Axt. das Surren der Eissplitter das leise Fächeln des Windes um ihre Wangen, der Tabakdunst, der beißend aus dem Lodenrock des Alten aufstieg. das schwere Athmen der beiden Man ner ihr Herz pochte wohl etwas aber eigentlich Angst, nein Angst war das nicht. Achtung!" schrie es da plötzlich hinter ihr mit greller Stimme, und sie fühlte, wie eine eiserne Knochenhand ihren Arm umspannte. Sie schaute auf. Ueber ihnen am oberen Rande des Eishangs hatte sich em Felsblock aelöst. Erst langsam, dann mit rasend zunehmender Geschwindigkeit schoß er herab, in dumpfem Brummen dahingleitend, wie eine gereizte Bestie sich auf den Feind stürzt. Die Führer standen unbeweglich, be reit, im letzten Augenblick durch einen Seitensprung sich und ihre Schutzbefohlene dem Unheil zu entziehen und im Niedergleiten auf dem Hange mit dem eingeschlagenen Eispickel wieder zu verankern. Ein Sausen und Krachen. Zehn Schritte vor ihnen fuhr blitzschnell ein donnernder Schatten über das Eis und verschwand, ehe sie ihm nachgeblickt, über dem Abhang. Eine Pause. Dann klatschte es unten drohnend in emem Schneeloch, und alles war still. Also das war der Tod! Das unbekannte Ding, das da als Felsblock dräuend an ihr vorbeiitrich. Ein heftiges Zittern überlief ihren Korper, und sie suhlte, daß kalte Per len auf ihre Stirne traten. Und doch konnte sie frei gehen, sich sicher bewegen, ja, es schien ihr, als wüchsen ihre Kräfte und schwände jede Ermüdung aus den Gliedern. Das war keine Angst! Etwas Befreiendes, etwas Erlösendes brachte die Nähe des unsichtbaren Gespenstes mit sich. Alle Fibern und Fasern sträub ten sich gegen diese drohende Bernich tung und gaben dem Leib ein Gefühl ungewohnter Spannkraft und seitsamer, sie selbst fast erschreckender Ruhe. Dabei dachte sie freilich unter ihrem stoßweisen Athem doch ununterbrochen: Q wär' es schon vorbei!" . Der Alte arbeitete, ohne aufzusehen, in fliegender Hast. Man begriff oft kaum, worauf sein Fuß, der mit dem glitschrigen Eis wie verwachsen schien, noch stehen konnte, während die mageren Arme den Pickel schwangen. Aber langsam, endlos langsam ging es dahin! Wie Fliegen, die über einen steil geneigten Spiegel kriechen, erschienen die dunklen, vermummten Eestalten im Nebeltreiben des Augustabends. Langsam von Stufe zu Stufe jetzt noch sechs Stufen jetzt noch vier noch zwei und da winkt die schützende Felswand auf der anderen Seite. Tief aufathmend lehnte sich Elisabeth an die wagrecht geschichteten Platten. Nun hatte sie endlich etwas erlebt, etwas Großes. Sie hatte dem Tode in's Angesicht geschaut. Dem Tode, der eben jetzt wieder als faustgroßer Bruchstein da vorn in Sätzen über den Eishang dahinsprang. Ihr war es, als ob sogar der alte Zum Brunnen sie wohlwollend ansähe, während er ihr einen Schluck mii Wasser verdünnten Kognak reichte. Komm! noch so ein Eishang?" fragte sie mit innerlichem Grauen, .während sie die Flasche zurückgab.

Er schüttelte 'den Köpf, und Wägi fegte: Jetzt geht's in einem da hinunter!" Dabei wies er direkt vor sich in die Tiefe. Wo denn hinunter um Gottes willen?" Sie bog sich vor. Da war nichts zu sehen, als die beinahe senkrecht abfallende Fclswand, nach unten durch lange Ncbelstreifen abgeschlossen. Sie werden mir doch nicht zumuthcn, daß ich da hinunterfliegen foll?" sagte sie kühl. Kaspar Wägi grinste: Dann müssen wir umkehren und wieder über den Eishang zurück! Einen anderen Weg gibt's nicht." Nein, wahrhaftig. Ringsum starr aufschießende Felsen und zur Linken die tückische Firnfläche. Sie liefe sich auf den Boden nieder und starrte vor sich hin. Eine nette Lage! Zum ersten Mal erfaßte sie die Reue. Was hatte sie denn nur hier oben zu suchen, in dieser abscheulichen Wüste, die Ter Wägi kniete neben ihr nieder und untersuchte den Knoten, der das Seil unter ihren Armen verknüpfte. Da hat's jetzt gar keine Gefahr!" sagte er in seinem rauhen Bernerdeutsch, ich steig' voraus und zeig' den Weg. und der Christen hält die Dame am Seil. Der hat schon ganz andere Leute gehalten." Damit begann er über den Rand des Felsens zu steigen und verschwand in einem senkrecht hinabführenden Spalt. Nach einiger Zeit zuckte es am Seil.

Komm' die Dame zetzt! rief e:ne Stimme aus der Unterwelt. Der alte Zum Brunnen trat neben sie und wies hinab. Schöne Griffe im Kamin!" murmelte er und deutete auf die Felskanten und Vorsprünge, die sich reichlich in dem Gestein befanden, Fuß da dann dort mit den Händen festhalten Stock oben lassen" Ich werde mir's Genick brechen!" sagte Elisabeth, setzte sich auf den Rand und suchte tastend mit dem Fuß den ersten Absatz. Wahrhaftig auf dem stand sich's ganz gut. Ebenso auf dem zweiten. Und ihre Hände umschlossen mühelos da und dort einen Felsvorsprung im Gestein. Dabei hatte sie fortwährend das beruhigende Gefühl, als ob sie Jemand zwischen den Schulterblättern hielte. Ter alte Zum Brunnen hatte sich oben hingekauert, die Füße gegen einen Felsblock gestemmt, undließ das Seil langsam, in scharfer Spannung aus den Händen gleiten, so daß sie stets daran einen Rückhalt fand. Jetzt war sie schon beinahe unten. Da hörte Plötzlich die Welt auf. Keine Zacken mehr, keine Felsvorsprunge, mchts in der acht Fuß hohen Steinrinne, woran man sich hätte halten können. Vorwärts!" tönte oben eine heisere Stimme. Ja wie denn um Gottes wil len?" Wägi stand unten und lachte: Laß sich die Dame einfach rutschen. Das Seil hält schon!" uno wayryastig auch das ging. Ganz gemächlich glitt sie nieder und erfaßte hell auflachend Wägis Hände. Das ist großartig!" sagte sie aufgeregt und schaute im Kreis umher, was kommt jetzt? Jetzt kamen die Platten," Felsen schichten, die sich übereinander thürm ten, und an deren Kanten und Rissen man vorsichtia herabkletterte. Wenn sie wartend stehen blieb, bis das. alle Augenblicke m den Vor sprüngen des Gesteins verfitzte Seil durch einen Schwung wieder rrei ge macht war, sah sie beinahe unter ihrer Stiefelspitze Kaspar Wagis zerknitterten, mit Edelweiß und einer SpielHahnfeder geschmückten Hut, und dicht über ihrem Kopfe scharrten und tasteten die mächtigen Bergschuhe des Alten, der behende und geräuschlos wie ein greiser Affe die senkrechten, glatten Wände herabglitt. Dann verschwand Wägi. Eine Schneerinne, die in Form eines dreieckigen Risses von oben nach unten durch den Bergsturz ging, nahm ihn auf. Sie hörte, wie er, am straff um einen Felsen geschlungenen Seil, Stufen schlug und leise fluchte. Komm' d'e Dame jetzt!" Elisabeth lachte auf. Jedes Gefühl der Unruhe war in ihr geschwunden, während sie in die erste der auffallend großen Stufen trat. Die Schrecken der Berge bestanden doch eigentlich mehr in der eignen Einbildung, nicht in dem, was wirklich Der durchweichte Schnee der dritten Stufe, auf den sie achtlos den Fuß setzte, glitschte schnell und tückisch als nasser Klumpen unter ihr hinweg. Sie trat in's Leere. Ein dumpfer Ausruf des Entsetzens kam aus ihrem Munde. Aber schon suhlte sie, wie sich das Seil unter ihren Achseln mit schmerzhaftem Ruck zusammenzog und sie in der Schwebe erhielt. Ueber ihr auf der Felsklippe saß rittlings der alte Zum Brunnen und hielt, sie fest. Keine Faser an seinen dürren Spinnenarmen, kein Fältchen des Gesichts zuckte dabei. Nur ein mißbilligendes Knurren, das wie Du chaibi Chrott!" klang, kam von oben. Am Stiel der Eisaxt, die ihi Wägi hinhielt, fand sie Widerhalt und erreichte die nächste Stufe. Dort blieb sie stehen. Da war wieder der Tod! Der uncheinbare Ballen Schnee, der, wie eine weiße Ratte zwischen den Felsenzacken

durchglitt und endlich ermattet in einer Mulde liegen blieb. Das Gebirge litt keinen Scherz. Sie war blaß und ernst geworden, während sie sich mühsam durch den Rest des schwierigen Schneeeoulcirs am straffen Seil herabarbeitete und tief aufathmend endlich auf dem Schncefeld unten stand. Dali Seil surrte hinterher, und mit ihm rutschte, Bergstock und Eisaxt in der Hand, Zum Brunnen in räthsclhafter Geschwindigkeit denselben Weg herab. Inzwischen zeigte der zweite Führer der Touristin, wie man es machen müsse, um nach allen Regeln der Kunst über das scharf geneigte Schneqeld vor ihnen abzufahren." Den Stock fest nach hinten auf den Boden gepreßt, mit der Rechten darauf gedrückt, die Linke weiter oben um da3 Holz, den Oberkörper weit zurück, die Hacken tief in den Schnee gestemmt und los! (Fortsetzung folgt.)

TieRegettvogcnforrNe. Kein andern Fisch hat während der beiden letzten Jahrzehnte die freunde der Fischerei so lebhaft beschästigt. wie die Regenbogenforelle, fcvümo iridcms. von anderen Tnita iridea genannt. Sie ist in den Zuflüssen des Stillen Oceans längs der ganzen Westküste der Bereinigten Staaten einheimisch. Dort ist sie besonders Bewohner der mittleren Flußläufe mit ruhigem Wasser, steigt aber auch in die Unterläufe, und sogar in das Brackwasser ab. Der 12 bis 20 Zoll lange, schöne Fisch hat einen blaugrauen Rücken mit vielen kleinen, dunklen Flecken, die auf die Rückenund Schwanzflosse übergehen. Längs der Seitenlinie zeigt sich ein röthliches. in Regenbogenfarben schillerndes Band, das zur Laichzeit bei den Männchen besonders lebhaft ist. Die Regenbogenforelle ist ein Frühjahrslaicher. und laicht je nach der Temperatur vom Januar bis Mai. Das Laichgcschäft ist wie bei der gewöhnlichen Bachforelle. Die Eier 500 bis 3000 sind 1-3 Zoll groß. Die künstliche Zucht ist leicht. Salino irideus ist sehr schnellwüchsig und ein vorzüglicher Speisefisch, zur Zuckt und Mästung sogar in wärmerem Wasser geeignet. Aus der Forellenregion wandert er tiefer hinab. Es wird darüber gestritten, ob er oder die deutsche Bachforelle die schmackhaftere ist. Kürzlich hat der Fischschutzverein Köln (1902) eine von Georg Musseleck bearbeitete Schrift über die Regenbogenforelle herausgegeben. Aus der interessanten Zufammenstelluna ergibt sich: 1) Die Regenbogenforelle hat sich allgemein als Teichfisch vorzüglich bewährt. Für die Teichwirthschaft gibt es keinen Salmoniden, der sich mit ihr messen könnte. 2) In offenen, fließenden Gewässern ist die Regenbogenforelle bereits in vielen Flußgebieten des Deutschen Reiches und seiner Nachbarlände: heimisch geworden und pflanzt sich dort natürlich fort. Die Schrift fordert am Schlüsse zur Einbürgerung dieses werthvollen Fisches auf. Eine Krankheit unter dem Rindvieh, die man auf den zu reichlichen Genuß frischen Klees zurückführt, herrscht in Scott Eounty, Ja., und nimmt in manchen Fällen , einen tödtlichen Verlauf. Es sollen innerhalb zwei Wochen etwa 300 Stück Vieh daran krepirt sein. Die Krankheit erstreckt sich über das ganzeEounty von den Niederungen am Wapsipiniconflusse bis zur südwestlichen Ecke und in diesem Theile soll sie besonders viele Opfer' gefordert haben. Auch in den Nachbar - Eounties von Scott ist die Krankheit aufgetreten und hat ihre Opfer gefordert. Man hofft, daß sie mit Eintritt trockener Witterung schwinden wird. Ersparnis an Lamvency lindern. Das häufige Springen der Lampencylinder beruht auf der ungleichmäßigen Ausdehnung derselben durch die plötzliche Wärme. Man kann dem Springen der Evlinder vorbeugen entweder durch Verhüten eines schnellen Temperaturwechsels, oder dadurch, daß man ihnen Gelegenheit gibt, sich beliebig auszudebnen oder zusammenzuziehen. Da ersteres unmöglich oder sehr schwierig ist, so nimmt man das zweite Hilfsmittel in Anspruch und bringt dies so zur AnWendung, daß man mittelst eines Glasdiamanten den EYImder der Lange nach aufschneidet. Solche Cylinder werden niemals svrinaen. weil der Spalt dem Glase Gelegenheit gibt, sich nach allen Seiten hin auszudehnen. Jmmerlm Beruf. Schau spieler: Sie sind die Erste und Ein zige, die ich vom ersten Augenblick an wahrhaft liebte." Sehr schön, aber vorige Woche sagten Sie dasselbe zu meiner Freundin ich weiß es von ihr selbst." Schauspieler: Das war bloß die Generalprobe, die Premiöre ist heute." Ern gutes Kind. Mama: Was habt Ihr denn, Kinder?" Max: Der alte, häßliche Karo hat mir meinen Pfannkuchen weggefressen! Mama: Du hast den Pfannkuchen ja noch in der Hand und willst ihn ja eben gerade selbst essen. Max: Aber nein, Mama, das ist ja Else's Pfannkuchen, den hab' ich ihr bloß wegge-