Indiana Tribüne, Volume 26, Number 275, Indianapolis, Marion County, 13 July 1903 — Page 3
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Anhaltende Besserung im Gesundheits-Zu-stände des Papstes.
Beim Empfange von Cardinalen zeigt er überraschende Frische. Ein Aild aus der Peterskirche wäh. rend der Vesper. Nachfolger Leo's wird kein auswär tiger Cardinal. Der Besuch des amerikanischen Geschwaders in Portsmouth. Zusammenstak türkischer und bulga rischer Grenztruppen. Bu Hamara angeblich wieder ge schlagen. Italien. Besserung hält an. Rom, 13. Juli, 6 Uhr 45 Morgens. Das Befinden des Papstes blieb während der Nacht unverändert. Er schlief in Zwischenräumen, war aber nicht völlig ruhig. Rom. 12. Juli. Heute Abend 8 Uhr gaben die behandelnden Aerzte des Papstes das nachstehende Bulletin aus: Während des Tages ereignete sich nichts von Bedeutung und der Zustand des Papstes ist so befriedigend wie heute Morgen. Puls 86, Nthmung 30, Temperatur 33.8. (Unterz.) Lapponi. Mazzoni. Rom, 12. Juli, 11 Uhr 20 Nachts Der Papst konnte jetzt ohne Beschwer den ruhen. Zum erstenmale fühlt er er kein Unbehagen von seiner liegenden Stellung und die Aerzte schließen daraus, daß sich die Flüssigkeits-Ansamm-lung in der Brusthöhle, welche bisher bei liegender Stellung des Patienten gegen die Lunge drückte, nicht wieder holt. Der Papst hat jetzt einen weiteren Sonntag erlebt und die Feiertagsruhe, die über Rom kam, brachte auch Frieden und selbst Fortschritt für den Pon tiser. Der Morgen begann mit entschiedenen Zeichen der Besserung und diese hielt den Tag über an. Dr. Lapponi gab nachstehende bezeichnende Antwort auf die Frage, ob er die Besserung für dauernd halte: Ich glaube, falls die Besserung bis zum 21. Juli andauert, so erzielen wir vielleicht keine absolute Heilung, aber doch einen derartigen allgemeinen Gesundheitszustand bei dem Patienten, der unsere Besorgnisse zu lindern vermag." Vormittags nahm der Ponti fez an der Feier der Messe theil. Die Ceremonie fand in der Kapelle neben dem Krankenzimmer statt unter Leitung von Mgr. Marzoni. Die Ver bindungsthüre vom Krankenzimmer zu der Kapelle wurde geöffnet, so daß der Papst dem Gottesdienste folgen konnte. Er bestand darauf, daß Dr. Lapponi und sein KammerdienerCentra ihn verließen und in die Kapelle gingen, um die Messe besser zu hören. Die Geschichte des Tags war ?reignißlos. Der Pontifex genoß mehrere Stunden Schlaf, indem Dr. Lapponi Nachts in der Nähe von ihm ruhte und ihm zweimal Einspritzungen machte. Die eine bestand aus Digitalis, um das Herz zu kräftigen und die andere aus CampherCassain, um die wach sende Depression des Patienten zu befettigen. Der Morgen fand den Pon tifex in günstiger Stimmung und sei nen Zustand gebessert. Kurz nach 3 Uhr erschien Dr. Mazzoni und nach kurzer Conferenz wurde ein Bulletin, das bis jetzt am ermutigendsten lautende, ausgegeben. Die Aerzte gaben darin die frohe Kunde, daß sich des Papstes Besinden offenkundig gebessert habe. Der Puls, der gestern auf 82 herabgegangen war, war auf 85 gestiegen, während Temperatur und Athmung keine abnormalen Charakter!stika aufwiesen. Der Papst nahm sein übliches leichtes Frühstück und Dr. Lapponi, der in letzter Zeit ständig im Dienst war, fühlte sich genügend beruhigt, um zum ersten male den Vatikan zu verlassen und nach seiner fieberkranken Tochter zu Hause zu sehen. Er wurde beim Verlassen des Vatikan von zahlreichen Cardinälen umdrängt, die er bat, sich keinen übertriebenen Hoffnungen hinzugeben, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden. Auch Maz zoni war vom Lager des PapfteS eine Zeitlang entfernt, während Dr. Roffoni fieberkrank ist und den Papst Abends nicht besuchen konnte.
Nachmittags fühlte sich der Papst kräftig genug, um aufzustehen. Er kleidete sich allein in Weiß an und setzte sich dann für einige Zeit in seinen
Armstuhl. Dann wurden die Fenster geöffnet, die Sonne strömte herein und zugleich kam eine erfrischende Brise vom Mittelmeer her. Am Spätnachmittage empfing der Papst die Cardinäle Mathieu, Steinhuber, Agliardi und Casati. Er zeigte seine gewöhnliche Geistesfrische und sprach zu allen ohne Ermüdung. Zu Mathieu sagte er : Ich bete ohne Unterlaß zu Gott, er möge Frankreich schützen und den gegenwärtigen Beherr schern des Landes Reue einflößen, damit sie in der Verfolgung der Kirche inne halten." Später schlief der Papst kurze Zeit und um 8 kehrten die Aerzte zurück, das Abend-Bulletin aufzustellen. Eine der größten Schwierigkeiten besteht darin, den Papst am Izu vielen Sprechen zu verhindern. Seinen Besuchern gegenüber beschreibt er sofort die Befriedigung, die er über die Botschaften bei seinem letzten Jubiläum oder die Sympathiekundgebungen bei seiner jetzigen Krankheit empfindet, indem er der Ansicht ist, der Einfluß der katholischen Kirche werde in der Person ihres Hauptes gestärkt. Dann erscheint entweder der Arzt oder einer seiner Neffen und nimmt die Unterhaltung an sich, den Papst hierdurch zum Schweigen zwingend, was ihm durchaus nicht gesällt. In der Peters ki rch e. Rom, 12. Juli. In der St. Peters Kirche konnte man heute Abend ein fesselndes Bild beobachten. Während der Vesper betraten die deutschen Studenten, alle in scharlachrothem Gewände, den Dom, hinter ihnen deutsche Mönche und nachher deutsche Nonnen in ihren üblichen schwarz und weißen Costümen. Alle bildeten dann eine Procession und knieten vor Altaren nieder, laut sowie schweigend für Papst Leo betend. Die Gemeinde schloß sich dem Zuge an und als das Grabmal des hg. Peter erreicht war, folgten viele Hunderte dem Bilde des Erlösers, das ein Mönch in die Höhe hielt. Auf der einen Seite des Gitters vor dem Grabmal knieeten die Nonnen, in der Mitte die jungen Studenten und fast eine Stunde lang hörte man aus den Reihen dieser Beter kein Wort außer der häufigen Wiederholung der eintönigen Ruse Ora pro nobis." Rückkehr des Königs. Rom, 12. Juli. König Victor Emanuel hat Befehl ertheilt, den Qui-rinal-Palast in Bereitschaft zu halten, da er jederzeit anläßlich der Krankheit des Papstes aus seiner Sommervilla bei Turin zurückkehren kann. Jedenfalls kommt das Königspaar bis zum 29. Juli nach Rom zurück. Außer Dr. Rossoni sind auch fünf Zcitungs-Correspondenten am Fieber erkrankt. Depeschen von fremden Regierungen treffen noch fortwährend ein. Heute kamen Anfragen aus Bolivia, Argentinien und Peru. Das Krankenzimmer. Rom, 12. Juli. Da viele phantastische Beschreibungen über das Krankenzimmer der Papstes in Umlauf sind, so unterzog sich der Vertreter der Associirten Presse der Mühe, einen der Neffen des Papstes, der seinen Onkel täg' lich sieht, um eine Beschreibung zu bitten. Der Raum ist groß, hell und luftig, durch einen großen, meist offenen Vorgang getheilt. Zur Rechten sieht man das einfache eiserne 33ett mit einer rothen Damast-Decke. Selbst in seinem gegenwärtigen verzweifelten Zustand verwendet der Papst große Sorgfalt auf seine Person, er macht wenn immer möglich vollständige Toilette und wechseit täglich sein feines weißes BatistNachthemd. Am Kopfe des Bettes befindet sich ein gutes Bild der Madonna, an der Mitte der gegenüberliegenden Wand ein großes Crucifix, mit einer Elfenbein.Figur von Christus. Am Fuße des Bettes steht ein sehr einfacher Schreibtisch, an dem der Papst seine besten lateinischen Gedichte verf 't hat". In der Nähe befindet sich der j ,c berühmt gewordene, sehr bequeme Lehnstuhl, ein kleiner Tisch und einige kleine Bücherständer mit den Lieblingswerken des Papstes. Das Zimmer macht den Eindruck größter Einfachheit und jeder Luxus ist streng verbannt. Der künftige Papst. London, 13. Juli. Der Correspondent des Daily Telegraph" in Rom telegraphirt:
Zwei Cardinäle, von denen einer selbst Candidat ist. ermächtigen mich zu der Mittheilung, daß weder Cardinal Gibbons noch sonst ein auswärtiges Mitglied des heiligen Collegiums auch nur die entferntesten Aussichten besitzt, Nachfolger Papst Leo's zu werden." Großbritannien. Das amer. Geschwader. Portsmouth. 12. Juli. Der Prinz v. Wales traf heute Abend ein. um morgen da Flaggschiff des ContreAdmirals Cotton, die Kearsarge", zu besichtigen. Mit demselben Zuge fuhren Botschafter Choate' und die amer. Botschaftssekretäre White und Carter. Auf dem Bahnhof wurden die An kömmlinge vom Admiral Hotham empfangen, der später zu Ehren des Prin zen ein Diner gab. Unter den Gästen befanden sich die Offiziere des amer. Geschwaders. Türkei. Zusammenstoß der Grenzt r u p p e n. Paris, 12. Juli. Nach einer Depesche aus Constantinopel fanden Zusammenstöße zwischen türkischen und bulgarischen Grenztruppen statt. Die Türken beschuldigen die Bulgaren, sie hätten die Grenze überschritten, während die Bulgaren versichern, daß die Türken den Versuch machen wollten, das neutrale Gebiet zu besetzen. Im Dildiz - Kiosk wurde gestern Nacht, wie die Depesche hinzufügt, ein eiliger Ministerrath abgehalten und weitere Truppen zu den Fahnen gerufen. NeuerProphet. Constantinopel, 12. Juli. Gerüchten zufolge sind in der Provinz Vemen, Arabien, durch das Auftauchen eines neuen Propheten frische Unruhen ausgebrochen. Marokko. Prätendent geschlagen. Tanger, 12. Juli. Es wird bestätigt, daß Kriegsminister El Monobhi am 7. Juli Taza, den Hauptstützpunkt öes Prätendenten Bu Hamara, nach siebentägigem Kampfe einnahm und daß die aufrührerischen Stämme völlig geschlagen sind. Oesterreich-Nngarn. Ernste Excesse. Budapest. 12. Juni. Auf einer Wählerversammlung in Nagyvarad, Hauptstadt der Provinz Bihar, wo der Führer der äußersten Linken im Reichstag Dr. Barabas sprach, kam es heute zu Unruhen. 17 Personen sind verletzt und das Militär mußte aufgeboten werden. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Teutschland. Neue Marinevorlage. Berlin, 12. Juli. Aus sicherer Quelle verlautet, daß die Gerüchte, es werde in diesem Jahre eine neue Ma rinevorlage von der Regierung eingebracht werden, sich bewahrheiten. Ein Gewährsmann meint, im Etat für 1904 werden im Gegensatz zu den letzten Jahren Neuforderungen für SchiffsNeubauten im Vordergrund stehen. Da gegen werden als Ersatzbauten, die sich aus dem Flottenplan ergeben, nur zwei Kreuzer eingestellt werden. Nach dem Etat legt die Marine-Verwaltung hohen Werth auf zahlreiche Jndienststellungen. Die Mehrforderungen im diesjährigen Etat beruhen fast ganz auf ihnen. Sieht man genauer hin, so kommen sie auf die Indienststellung eines neuen Geschwaders von acht Linienschiffen hinaus, das im Herbst formirt werden soll. Man legt aber fast noch mehr Werth auf die Ausbildung des Personals, als auf das Material selbst. Aber auch im Etat 1904 werden keine Credite für Unterseeboote gefordert werden; man legt in deutschen Marinekreisen denselben nur einen sehr bedingten Werth bei. ES werden zwar Versuche mit verschiedenen . Constructionen solcher Boote gemacht, doch sind dieselben in dem Etat nicht zu erkennen, da die Kosten dasür in verschiedenen Budgetposten versteckt sind. Dagegen bleibt die Marineverwaltung auf ihrer Ansicht über den Werth von Torpedobooten bestehen. Nicht nur wecden wieder die Kosten für eine ganze Division großer Torpedoboote gefordert, sondern auch, große Indienststellungen geplant. Die deutsche Marineverwaltung sucht bei Offizieren und Mannschaften der Torpedoboote durch viele Uebung den in der Marine schon vorhandenen Schneid noch zu steigern. Wanamaker nach Berlin. Berlin, 12. Juli. William Wanamaker von der bekannten großen
Firma in New $ork und Philadelphia, befindet sich augenblicklich, eine Cur gebrauchend, in Wiesbaden. Er wird in nächster Zeit hierher kommen, um -die hiesigen großen Waarenhäuser zu stuMren. N e ß l e r v e r u r t h e i l t. Berlin. 12. Juli. Maximilian Neßler, der im Dezember nach der Schweiz flüchtete, aber gefaßt und ausgeliefert wurde, wurde hier wegen Be trugs und Urkundenfälschung zu fünf Jahren Gefängniß verurtheilt. Neßler wa? seit 21 Jahren bei der hiesigen Darmstädter Bank angestellt, ist 40 Jahre alt und in kinderloser Ehe verheirathet. Er ist ein Sohn des Predigers Neßler von der hiesigen französischen Gemeinde. Er hat durch Fälschungen der Bücher lange es verdecken können, daß er die ihm andertrauten Depots der Bank systematisch in Höhe von über 700,000 Mark bestöhlen und die gestohlenen Werthe an der Börse verspetulirt hatte. Walpurgis"auf dem Hexentanzplatz. Berlin, 12. Juli. Auf dem zwischen dem Bode- und Steinbachthale emporragenden Höhenrücken bei Thale im Harz ist in der Nähe des HexentanzPlatzes das Harzer Bergtheater" erbaut und mit dem Festspiel Walpurges" von Dr. E. Wachler in Weimar eröffnet. Darsteller waren die Mitglieder des Weimarer Hoftheaters. Das Spiel gefiel im Allgemeinen ausgezeichnet, doch bestreitet die Kritik einzelne Theile des Erfolges. Die Befürchtung, daß der Theaterbau die schöne Gegend verunzieren würde, ist nicht eingetreten, denn der Bau ist der Gegend ebenso gut angepaßt, wie der Text der im Harz spielenden Walpurgis". Nukland. Hilfs-Fond für Kishineff. St. Petersburg, 12. Juli. Die Kishineff Hils-Commission hat aus America 192,500 Rubel und aus Rußland 363,700 Rubel erhalten. Im Ganzen sind bis jetzt eingegangen 736,500 Rubel; die Gesammtauslagen betragen 464,500 Rubel. Serbien. Peter's Geburtstag. Belgrad, 12. Juli. Der Geburtstag König Peter's wurde heute gefeiert und Dankgottesdienste wurden im ganzen Königreiche abgehalten. Der König hielt einen Empfang im Palast ab und gewährte eir;c Amnestie, in welche zahlreiche militärische Gefangene eingeschlossen sind. Wie mitgetheilt wird, will der König im Sept. voraus sichtlich dem Zaren einen Besuch abstatten. Es wird eine CrisiS erwartet, bei der es zu einer Neubildung des Ca' binets kommt. Colombia. Untergegangen. Colon, 12. Juli. - Der britische Schooner Goldseeker" ging am 2. Juli während eines - Sturmes in der Nähe der Fichten-Jnfel unter. 3 Mitglieder der Bemannung sind ertrunken. Das Schiff war 1895 in Liverpool gebaut und hatte 199 Tonnengehalt.
Behandlung derFußbodenteppiche. Um beim Kehren der Teppiche den Staub abzuhalten und die Farben aufzufrischen, ist das beste Mittel, kurzes Wiesengras, so lange es noch feucht vom Tau ist, darauf zu streuen. Ausgelaugte feuchte Blätter von grünem Thee sind bei dunklen Teppichen ebenfalls anwendbar, bei hellen aber nicht zu gebrauchen, weil sie dieselben fleckig machen. Für Aquarien. Um den Wasserpflanzen in den Aquarien ein üppiges Gedeihen zu sichern, verwende man Regenwasser, das zuvor abgekocht wurde, sowie auch destillirtes Wasser, erneure es alle 14 Tage und fetze auf 1 Quart Wasser V2 Gramm schwefeloder falzsaures Ammoniak und y2 Gramm phosphorsaures Natron hinzu. Das Fauligwerden des Wassers wird vermieden, wenn Salicylpulver in etwas Wasser aufgelöst und dem Aquarium von Zeit zu Zeit davon etwas zugesetzt wird. WeitzePelze zureinigen. Man reibt die Pelze mittels eines reinen weißen Tuches recht tüchtig mit Benzin ab, bestreut sie dann mit pulverisirter Kreide und legt sie in die Sonne. Ueber .den am Pelz befindlichen Stoff wird sorgfältig ein Tuch geheftet, damit er beimReinigen nicht leidet. Haben die Pelzsachen mehrere Stunden in derSonne gelegen, so werden sie ausgeklopft und mit einer reinen Bürste gebürstet. Die Vorsichtige. Du, Emma, laß dir das von Emil nicht gefallen und sage dem losen Strick Bescheid Nein, das thue ich lieber nicht, mit einem losen Strick, soll man nicht anbinden."
Julias Kuß. Eine wahre Geschichte von C. Spielmann. Kein Professor fällt vom Himmel. So war denn auch ein jetzt in der Gclehrtenrepublik hochberühmter Professor der altklassischen Philologie, der demnächst sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum begehen wird, einmal ein blutjunger, unbekannter Privat - Dozent der Berliner Universität, der nach Hörern für seine Collegien und danach strebte, seiner. Namen in der wissenschaftlichen und möglichst auch in der , Profanwelt bekannt zu machen. Um zunächst wenigstens die erste Staffel der Leiter zu erklimmen, die ihn hierzu cmportragen sollte, schrieb er eine, ästhetisch - wissenschaftliche Abhandlung, für welche er einen zahlenden Verleger suchte, leider aber nicht fand. Wo er auch anklopfte, überall hatte man für sein Angebot nur ein bedauerndes, höfliches Achselzucken. Er mußte sich deshalb entschließen, die Abhandlung, wollte er sie eben veröffentlichen, auf seine eigene Kosten in Druck zu geben. Bereitwilligst nahm die fertige Bro, schüre ein Verleger, der auch eine Sortimentsbuchhandlung hielt, in ComMission, da er ja bei der Sache nichts verlieren, wohl aber, fand das kleine Werk Absatz, dabei verdienen konnte. Alle acht Tage sprach der Verfasser bei dem Buchhändler vor, sich nach dem Gehen" seines Büchleins zu erkundigen. Immer aber sprach man ihm auch hier nur das Bedauern aus, daß weder Bestellungen eingegangen noch auch im Verkaufsladen die Broschüre gefordert sei. Das war recht trostlos für den Verfasser. Zu gleicher Zeit, als sich diese Begebenheiten im Leben des jungen Privatdozenten abspielten, hielt Fräulein B., ein sehr wohlhabendes, sehr lienswürdiges und sehr schöngeistiges, älteres Jungfräulein, allwöchentlich in ihrem Salon ein Lesekränzchen, wo man Stücke klassischer und moderner Autoren mit vertheilten Rollen las Ai das sich allzeit des regsten Besuches der Herren und Damen, jüngerer und älterer Jahrgänge, erfreute. Allerdings wurde im Salon der Dame neben den feinen geistigen Genüssen auch der duftigste Thee mit verschwenderischer Beigäbe von Cognak erster Marke servirt, den köstliche Vanillezwiebäcke, appetitliche Sahnentörtchen und schmackhaftesie. mit' den ausgesuchtesten Delikatesfen belegte Sandwiches begleiteten. Auch der junge Privatdozent war ein ständiger Besucher dieser Lesekränzchen. Eines Abends hatte man Shakespeares Romeo und Julia" gelesen. Man war eben damit fertig geworden und unterhielt sich in lebhafter Hinund Herrede noch über das Drama, während der Thee gereicht wurde. Seltsam," sagte eine junge Dame, seltsam. Julia flüstert dem sie küssenden Romeo zu: Ihr küßt recht nach der Kunst!" nachdem sie doch kurz vorher erklärt hat, noch keines Mannes Mund habe je ihre Lippen berührt. War dies die Wahrheit, was doch bei der erst vierzehnjährigen Julia anzunehmen ist, woher kam ihr dann die Erfahrung, zu beurtheilen, daß Romeo recht nach der Kunst" küsse?" Und die Sprecherin richtete hierbei ihre fragenden Blicke insbesondere auf den jungen Privatdozenten. Vielleicht waren sie Prometheusfunken, diese Blicke. In dem Geiste des jungen Gelehrten blitzte ein genialer Gedanke auf. Dann sagte er mit dem Ernst eines römischen Auguren. wenn es dabei auch in seinen Augen verschmitzt leuchtete und schallisch um feinen zierlichen Schnurrbart zuckte: O meine Gnädige, das wird sich sehr einfach erklären lassen. Fräulein Julia Capuletti wird sicher meine Abhandlung: Der Kuß bei den Alten und seine Bedeutung" gelesen und daraus theoretisch ihre Erkenntniß geschöpft haben. Denn in dieser AbHandlung ist das alles klar und anschaulich geschildert und auseinandergesetzt. Sie ist ja für jedermann in der Buchhandlung von M. in der Friedrichstraße für fünf Groschen zu kaufen." Verblüfft starrten alle ein paar Minuten auf den Sprecher, der mit unerschlltterlichem Ernst den erstaunten Blicken standhielt. Dann aber brach die Gesellschaft in lautes Lachen aus. Am nächsten Morgen aber holten sich alle Männlein und Fräulein des Lesekränzchens aus der Buchhandlung das Buch des jungen Privatdozenten: Der Kuß bei den Alten und seine Bedeutung". Die Abhandlung war sehr wissenschastlich geschrieben, aber sie athmete lebendigen Geist und lebendiges Leben, wodurch sie anzuziehen und zu fesseln wußte, sie war reich an witzgewürzten Parallelen, prickelnden Analogien und pikanten Schlüssen. So kam es denn, daß alle Leser und Leserinnen die AbHandlung ihren Freunden und Freundinnen als eine reizende Lektüre empfählen, und in kürzester Frist wurde nunmehr die ganze Auflage des Werkchens zur großen Verwunderung des Buchhändlers nicht nur vollständig vergriffen, sondern auch der Name des Verfassers in allen Gesellschaftskreisen bekannt. Und aller dieser Wirkung Ursache war doch nur: Julias Kuß".
Malitiös. Denk' Dir, die Baronesse tanzte gestern fast alle Touren mit mir!" Na, es war ja auch ein Wohlthätigkeitsball!"
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