Indiana Tribüne, Volume 26, Number 274, Indianapolis, Marion County, 11 July 1903 — Page 5

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?j tagte frei nach Komg Philipp Hans v. Pelnitz, Leutnant im 14. Husaren-Regiment und kommanfcirt bei der Gesandtschaft in Tokio, als cr sich d:ingender Familienangelegenheiten" halbe? schon einige Wochen vor Ablauf seines Kommandos Urlaub erwirkte, um auf der Liebe Schwingen, d. h. mit dem nächsten Lloyd-Dampfer, die Fahrt in die Heimath anzutreten. Amalle erwartete ihn erst Enbe September. Und nun konnte er ihr schon vier Wochen früher in die Arme fliegen. Tas war doch eine Sache! Aber nicht jedem Odysseus beschieden die Götter eine Penelope! Während der heimkehrende Held den Kutscher, den er im nächsten Städtchen zur Fahrt nach dem Gute der geliebten Kousine angeworben hatte, zu einem Tempo antrieb, das in dieser friedlichen Gegend nicht einmal die Eisenbahnen innezuhalten Pflegten, saß Amalie mit ihrer jüngerenSchwester Ella auf der Gartenterrae ihres Stammschlosses und erwartete mit Ungeduld ihren Gatten. Graf Warburg Pflegte, nachdem er den Vormittag übe? ein bischen den nothleidenden Agrarier gespielt hatte bei seiner Rente und dem Vermögen seiner Frau übrigens ein Prioatvergnügen den Damen bis zum Lunch Gesellschaft zu leisten. Heute aber blieb er auffallend lange aus, und Amalie hatte eben die Jungfer abgeschickt, um im Hofe nach ihm zu fragen, als das Mädchen in heller Aufregung zurückgelaufen kam, um die Ankunft des Herrn Leutnants aus Japan zu melden. Ganz erstarrt vor Ueberraschung blickte Amalie auf die ihr dargereichte Vistteukarte Was? Nach dem, was inzwischen geschehen war? So ohne Weiteres? Das war doch ein etwas starkes Stück! Noch überwältigender schien die Nachricht auf Ella gewirkt zu haben. Sie bekam förmlich einen Ohnmachtsanfall, so daß ste sich am Stuhl festhalten mußte. Aber schon erschien mit militärischem Gruß, obwohl in Civil, die Prachtgestatt des jungen Offiziers in der Thür. Gnädigste Kousine, habe die Ehre zu melden: Leutnant von Pelnitz aus Tokio zurück," rief er und eilte auf die Gräfin zu, um ihr stürmisch die Hand zu künen. Entsetzt zog die Gräfin die schlan-

liTi weißen Finger zurück, und der

Alick, frjx sie dabei auf den unverhofften An'ommling richtete, hätte diesem eigentlich sagen müssen, daß hier etwas umging, wovon er sich in seiner verliebten Leutnantsweisheit nichts hatte träumen lassen. Aber im Ueberschwang seiner Gefühle antwortete er darauf nur mit einem Lächeln des Triumphes. Er hatte sich's ja gleich gedacht: die Ueberraschung! Amalie würde gar nicht winen, was sie vor Glückseligkeit sagen sollte. Tann wandte er sich in unerfchüttertem Siegesbewußtsein der jüngeren Kousine zu, um auch ihr den HuldigungZkuß auf das Händchen zu drücken, wobei er nicht wenig verwundert war, statt des Backfischchens, von dem er sich vor zwei Jahren mit ein paar herzhaften Küssen verabschiedet hatte, eine ausgewachsene allerliebste junge Dame vor sich zu sehen. Inzwischen hatte die Gräfin ihre bei der Ueberrumpelung auseinander gesprengten Gedankentruvpen einigermaßen wieder gesammelt. Es war klar: der Vetter hatte den Brief nicht erhalten, in dem sie ihm damals ihre Verlobung angezeigt hatte er wußte also gar nicht, daß ste verheirathet war! Eine schöne Geschichte! Bei Warburgs Eifersucht! Es gab überhaupt nur eine Rettung: so peinlich es auch war, sie mußte es ihm nun in's Gesicht sagen jetzt sofort noch ehe Warburg zurückkehrte. Zweimal setzte sie mit heldenmüthigem Entschlüsse an. Aber wenn er dann in Erwartung irgend einer Liebenswürdigkeit seine hübschen, unverschämten Augen funkeln ließ, brachte sie es nicht über die Lippen. Verwirrt stotterte sie endlich ein paar Worte der Begrüßung, suchte sich durch den Vorwand, ihm ein Zimmer anweisen lajzen zu wollen, einen ehrenvollen Rückzug zu sichern und schloß sich in ihren Salon ein, um zunächst erst einmal die Rückkunft ihres Gatten abzuwarten. Enttäuscht blickte ihr der Leutnant nach. Das hatte er sich doch anders vorgestellt! Ueberhaupt: hatte sich Amalie verändert! Verlegen an seinem c?chnurrbart drehend, sah er sich nach Ella um. Sie hatte sich auch verändert. Aber wahrhaftig! nicht so zu ihrem Nachtheil. Und wenn er sie sich recht ansah, so war sie eigentlich jetzt die Amalie, deren Bild ihm immer vorgeschwebt hatte, nur in neuer, verbes serterLluflage. Aber was nützt einem die derbessertste Auflage, wenn sie vergriffen ist? Und Ella schien in der That für nichts zu haben zu sein. Mit niedergeschlagenen Augen stand sie da und hatte für seine zierlichsten Artigkeiten kaum ein erzwungenes Lächeln, so daß es ihn sehr angenehm berührte, als der Die-

'nc? mit der Meldung, daß das Zim mer bereit sei, der einseitigen UnterHaltung ein Ende bereitete. Auch Ella schien diese Störung sehr willkommen zu sein; denn kaum war der Leutnant im Hause verschwunden, als sie in den Garten eilte, wohin sie das' Mädcbcn zur Entaeaennabme aeheimer Befehle bereits vorausgeschickt hatte. Eine Weile sah man ihr weißes Morgenkleid durch das Gezweige einer 'verschwiegenen Jasminlaube schimmein. Dann schlich sie vorsichtig, um nur ja dem Husarenvetter nicht in die Arme zu laufen, durÄ'en Garten und seitwärts über den Hof in das Haus zurück und verschloß sich ebenfalls in ihrem Zimmer. Als Hans v. Pelnitz nach beendeter Toilette wieder auf der Terrasse erfchien, war er in ganz ungewöhnlichem Maße mit seinen Gedanken beschäftigt. Nicht, daß die unverhoffte Kühle des Empfanges sein stolzes Husarenherz gebeugt hätte darüber war er schon ziemlich hinweg. Er schob es auf die Nerven der Damen, machte sich höchstens Vorwürfe darüber, daß er den Worten des Königs Philipp zu viel vertraut und die Ueberraschung nicht doch lieber durch einen leisen Wink wirksam vorbereitet hatte. Aber es war etwas anderes, was seine wilde Kraft aus den Schranken der Wahrheit schweifen ließ und seine Gedanken hinaustrieb auf das Meer der Leidenschaft." Mit der Wahrheit im Herzen, daß Amaliens Bild in unbestrittener Herrlichkeit in seinem Busen thronte, hatte er eine Viertelstunde vorher das Schloß seiner Kousinen wieder betreten, und schon fühlte er, wenn auch noch unklar, eine neue Wahrheit in sich keimen; die Wahrheit nämlich, daß er sich Amalien nach der Erinnerung und den Briefen, die sie ihm nach Japan geschrieben, doch ganz anders vorgestellt hatte, und daß ihm die kleine Ella eigentlich viel besser gefiele. Solche seelische Wickingerfahrten mögen für romantische Naturen ihren Reiz haben. Aber Hans v. Pelnitz war nicht romantisch, und da HusarenOffiziere in dieser Beziehung überhaupt nicht allzu seefest zu sein pflegen, berettete ihm der so jäh hereingebrochene Zwiespalt d?r Gefühle einiges Unbehagen. Da kam ein Herr durch den Garten auf dfe Freitreppe zugeschritten, nicht mehr ganz jung, aber noch stattlich und von tadelloser Haltung. Am Fuße der Treppe blieb er stehen und blickte fragend zu Hans empor. Jedenfalls ein Fremder, der die Kousinen zu sprechen wünscht, dachte der Leutnant, und sich als künftigen HausHerrn fühlend, forderte er ihn auf, näher zu treten. Aber der Fremde rührte sich nicht vom Fleck, sondern fragte, langsam seinen Hut lüftend, in einem Tone, der eigentlich ausdrücken sollte: Was willst denn Du eigentlich hier? Verzeihung, mein Herr, aber mit wem habe ich die Ehre?" ' Leutnant von Pelnitz, Kousin der Fräuleins von Roden." war die Antwort. Ueber das kluge, ernste Gesicht des Fremden huschte ein leises Zucken. Die lebhaften Augen maßen den seinerzeit viel genannten Husarenvetter mit dem scharfen Blick des Menschenkenners. Und mit einem etwas sarkastischen Zug um den feinen, von einem spitz geschnittenen Vollbart umrahmten Mund sagte er: Ah! Der Herr Vetter aus Japan! Mein Name ist Gras Warburg." Jawohl, der Vetter aus Japan." antwortete der Leutnant heiter. Wie ich sehe, haben die Damen bereits von mir gesprochen. Der Herr Graf sind jedenfalls ein Nachbar?" Ein 'Nachbar?" Der Graf, der jetzt die Terrasse betreten hatte und eben im Begriff war. den Gast zum Sitzen aufzufordern, hielt verwundert inr.e. Der Husarenvetter hielt ihn in seinem eigenen Hause für einen Nachbar? Das war nicht schlecht! Aber als alter Diplomat an Ueberraschungen gewöhnt, war er stets bereit, ihnen mit unerschütterlicher Ruhe zu begegnen. Er ging also ohne Weiteres auf das Mißverständniß ein, das ihm am leichtesten Klarheit darüber versprach, wie er eigentlich mit dem Hufarenvetter daran war, und sagte lächelnd: Allerdings, ein Nachbar, und zwar der allernächste!" Sehr angenehm, schon jetzt Ihre Bekanntschaft zu machen," entgegnete der Leutnant, sich trotz der Betrachtungen von vorhin immer mehr in die Rolle des Hausherrn hineinfühlend. Mich wundert nur, nicht schon früher die Ehre gehabt zu haben." Sehr begreiflich. Ich habe mich erst nach Ihrer Abreise hier niedergelassen." Als Landwirth vermuthlich? Ah! Sehr achtbarer Stand! Der Bauer ist gewissermaßen die Amme des Staates. Herr Graf, ich hoffe, Sie recht oft hier begrüßen zu können! Dennwie die Damen Ihnen wohl auch schon unter dem Siegel der Verschwiegenheit verrathen haben werden stehe ich im Begriff. Fräulein von Roden zu heirathen." Der Graf war nun doch etwas verblüfft. Wußte dieser junge, Mensch denn gar nicht, daß Amalie, denn die meinte er offenbar, inzwischen einem Anderen ihre Hand gereicht hatte? Oder trieb Amalie da gar ein leichtfertiges Spiel,

das ihm nun ein -glücklicher Zufall offenbarte? Da hi:ß es doch, auf der Hut sein! Er that alsz sehr erstaunt und fragt? den Leutnant, welcher von beiden Fräuleins, v. Roden denn sein Herz sich zugewandt habe. Jetzt war es an Hans, verdutzt dreinzuschauen. Donnerwetter! Welch: von Beiden? Nannte er jetzt Amaliens Namen, so war er ein für allemal gebunden und eigenttich gefiel ihm die Kleine doch vic!"öejier. Er suchte sich also mit einer g?heimnißvollen Andcutung und dadurch aus der Affäre zu ziehen daß er ncn in zuvorkommender Weise erbot, den geschätzten Besuch" persönlich bei den Damen anzumelden. Noch ehe der Graf etwas einwenden konnte, war der Leutnant im Hause verschwunden. Fast in demselben Augenblick hörte Warburg von oben her leise seinen Namen rufen. Er blickte in die Höh-. Seine Gattin lehnte sich mit angstvoller Miene zum Fenster hinaus. ..Waröurg!" flüsterte sie. Um Gottes willen sei nicht böse. Er hat ja meinen Brief nicht erhalten! Er weiß gar nicht, daß wir verheirathet sind!" Der Graf, den anfangs doch die Eisersucht etwas gepackt hatte, war durch diese Erklärung vollständig beruhigt. Um seine Frau aber ein bischen zu necken, antwortete er in drohendem Tone: Das ist ja eine nette Geschichte! Na, dem werde ich aber ein Licht aufstecken!" Du?" rief Amalie entsetzt. Bei Deiner Heftigkeit!" Zum Kuckuck! Einer muß ihn doch schließlich aufklären!" Gewiß. Aber nur Du nicht! Ella! Die ist unbeteiligt. Die soll mit ihm reden." Na meinetwegen." Im Gartensalon ging die Thür. Amalie verschwand, während der Graf mit der Miene vollkommenster Harmlosigkeit den Zurückkehrenden erwartete, entschlafen, den allzu Siegesgewissen wenigstens noch ein bischen zum Besten zu haben. Sie scheinen ja hier im Hause bereits recht gut Bescheid zu wissen?" be-' gann er. sobald Hans mit der Mittheilung, daß er die Damen zwar nicht selbst gefunden, sie aber durch die Jungfer habe unterrichten lassen, wie, der auf die Terrasse getreten war. O ja!" antwortete der Leutnant,' sich selbstgefällig den Schnurrbart drehend. Das heißt, seit meiner Abreise scheint stch doch manches hier verändert zu haben. Merkwürdig, das ganze Milieu sozusagen kommt mir an. ders vor. So, als ob schon 'was Männliches hier im Hause wäre." Nun. vielleicht eine zarte Aufmerksamkeit für Sie?", sagte der Graf. mit feinem Lächeln. Meinen Sie?" antwortete der Leutnant, den Grafen nur einen Augenblick etwas ungläubig ansehend. Na ja, allerdings, zuzutrauen wäre es Amalien schon." fuhr er ganz unbefangen fort. Wenn ich an die Briefe, denke, die sie mir nach TUio geschrieben hat." Sie hat Ihnen nach Japan ge? schrieben?" rief der Graf. In diesem Augenblick erschien di Jungfer mit der Meldung, das gnä-. dige Fräulein lasse den Herrn Leut-, nant für einen Augenblick aus ihr Zim-, mer bitten. Mit triumphirendem Lächeln verabschiedete sich Hans, während der Graf, durch die Dazwischenkunft des Mäd chens verhindert, den Leutnant sofort zu stellen, in den Garten eilte, um sich nach der furchtbaren Ueberraschung zu sammeln, die ihn um so schwerer betroffen hatte, als er vorher ganz arglos gewesen war. HanS war sehr verwundert, in dem Zimmer, zu dem die Zofe ihn führte, nicht Amalie zu finden, sondern die Kleine." w'e Ella bei seiner Abreise noch genannt wurde. Sie stand, ihm den Rücken zukehrend. am Fenster und trommelte auf den Scheiben. Er machte seiner Verwunderung, die übrigens keineswegs unangenehm war, Luft und sagte: Du bist es, Ella?" Und als ste nicht antwortete, fügte er, um das etwas unsicher scheinende Gelände zu erkunden, hinzu: Sie wünschen mich zu sprechen? Tonnerwetter! Jetzt weiß ich wahrhaftig nicht, ob ich ZU Dir Du oder Sie sagen soll." Das ist doch ganz gleich!" rief sie. sich plötzlich ärgerlich umdrehend. Merken Sie denn gar nicht, daß es frier um Kopf und Kragen geht? Nein! Daß sie auch gerade mich dazu ausersshen müssen! Aber na ja !" Sie ging entschlossen auf ihn zu, stellte sich dicht vor ihn hin und sagte: Kennen Sie Enoch Arden? Natürlich nein! Na also: Enoch Arden war ein Mann, der a u ch der auch nach Asien reiste. Und als er zurückkehrte war s i e mit einem Ankeren verheirathet." Ach. die olle Geschichte!" rief der Leutnant lachend. Na. ob ich diekenne! Der schlappe Civilist hat sich ja nackber das Leben genommen." Mit verzweiflungsvollen Blicken ließ sich Ella in einen Sessel fallen. Sie, hatte sich das so schön ausgedacht. wie sie es ihm schonend, durch die Blume beibringen wollte. Und er verstand nicht! 2lbe? er verstand doch. Wenn auch in seinem Selbstbewußtsein, das ein

Nutzanwendung zuerst für ganz un möglich hielt, nur allmälig. Plötzlich xurte er ernst und fragte: Sagen Sie 'mal, 5loustnchen, weshalb haben Sie denn den ollen ehrlichen Seemann a u ch nach Asten gehen lassen? Soll das etwa heißen, daß hm" Na. wenn Sie das noch nicht begreifen!" rief Ella aufspringend und wieder zum Fenster laufend. - Mit zusammengekniffenem Munde und düsteren Blicken schaute ihr Hans nach. Also Amalie." saate er endlich, Amalie ist verheirathet?" ..Ja," klang es leise vom Fenster zurück. Seit Weihnachten vorvorigen Jahres mit dem Grafen von Warbürg." Mit bitterem Lachen sank der Leutnant in den Sessel. Es klang so fürchterlich! Acnastlick schaute Ella sich nach ibm um. Was würde jetzt geschehen? Was würde er thun? Würde er den Schlag überwinden oder die schreckliche Drohung, stch eine Kugel vor den Kopf zu schießen, wahr machen, 'intt der er beim Abschied Amalie bestürmt hatte, ihm treu, zu bleiben? Aber während das junge Mädchen ihr Herz nch mit Sorgen marterte, hatte der Herr Leutnant den unverhofften Stoß schon überwunden. Er hatte keine edleren Theile verletzt, blos die Eitelkeit. Das Herz aber war nicht getroffen worden; denn er fühlte immer mehr, wie sehr Amalie ihn enttäuscht hatte. Und aus dieser Empfindung heraus fragte er plötzlich:, Und Sie. Ella? Sind Sie vielleicht auch schon verrrathet?" Ella wußte gar nicht, wie ihr geschah. Halb empört, halb erstaunt, sah ste ihn mit großen Augen an. Aber instinktiv antwortete sie doch: Nein." Na. Gott sei Dank!" sagte er vor sich hin. Aber plötzlich schien ihm Amaliens Verlust doch erst recht zum Bewußtsein zu kommen. Denn mit einem Ruck stand er auf und mit langen Schritten das Zimmer durchmessend, rief er: Aber die Briefe! Wenn sie schon seit anderthalb Jahren verheirathet ist, wie konnte ste mir dann noch solche Briefe, schreiben?" Ella fuhr zusammen. Du hattest doch gedroht. Dich todtzuschießen!" brachte ste endlich leise, mit abgewendetem Gesicht hervor, vor Aufregung in das Du von früher zurück fallend. 'Ach Unsinn!' So was sagt man wohl, aber Blos diese schlappe Hinhalterei! Davon kommt nachher der größte Kladderadatsch. Nu sitzen wir schöne drin in der Patsche! Ich habe ja dem Grafen in meiner Ahnungslosigkeit verrathen, daß ich mit seiner Frau' in Korrespondenz gestanden habe." Hans! Um Gottes willen!" Na ja! Woher sollte ich denn wisscn, daß dieser nachbarliche Talleyrand ? Warum hat cr mir's denn nicht gesagt? Warum habt Ihr mir's denn nicht gesagt? Jetzt kriege ich am Ende noch Vorwürfe , dafür, daß ich mich für. Eure Angstmeierei todtschießen lassen muß?" Todtschießen? Hans!" rief Ella. Thu': mir das nicht an! Rede dem Grafen die Briefe wieder aus. Nie, nie darf ein Mensch etwas davon erfahren! Und wenn es gar zum Duell käme, das würde ich nicht überleben!" Ella!" rief der Leutnant, auf sie zueilend. Aber sie wich ihm aus. Mit Entsetzen wurde ihr inne, wozu sie sich hatte hinreißen lassen, und so schnell sie konnte, lief sie aus dem Zimmer. Vergeblich suchte er sie festzuhalten. Wozu brauchte er sich jetzt noch zu gemren? Jetzt konnte er ihr ja sagen, daß ihm Amalie überhaupt gar nicht mehr gefallen habe, und daß eigentlich sie, das liebe, kleine Kousinchen, dem Bilde entspräche, dem er drüben die schmachtenden Töchter der Sonne zu Dutzenden geopfert hatte. Daß sie auch gerade jetzt davonlaufen mußte, wo ihm das alles selbst erst recht zum Bewußtsein gekommen war, und wo ihr eigenes Benehmen verrathen hatte, daß auch er ihr nicht gleichgiltig sein konnte! Wenn er stch gleich jetzt auf dem Fleck mit ihr hätte verloben können, das wäre die richtige Antwort auf Amaliens Treulosigkeit gewesen. Das hätte er ihr gegönnt! Aber das sollte schon bald nachgeholt werden! In hoffnungsvollster Stimmung eilte er hinunter, dem Grafen entgegen, den er eben vom Fenster aus durch den Garten hatte daherkommen sehen. Es dünkte ihn jetzt so leicht, ihm den BriefWechsel wieder auszureden, an dem er selbst ja doch gar kein Interesse mehr batte. (Schluß folgt.)

D e r größte Bau.mwollmarkt in Europa ist nach, Liverpool Bremen. Reiste mit Jenny Lind. In Melbourne starb unlängst einer der bedeutendsten Musiker Australiens, Julius Siede, im Alter von 78 Jahren. Er war von Geburt ein Deutscher, machte in jungen Jahren ausgedehnte Reisen mit der Sängerin Jenny Lind und war von 1872 bis 1890 Dirigent der Melbourne? Lieder tafel, die damals an der Spitze aller australischen Gesangvereine stand. Siede war einer der ersten Flötenspie ler seiner Zeit.

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