Indiana Tribüne, Volume 26, Number 273, Indianapolis, Marion County, 10 July 1903 — Page 6

Jttdimm Tribüne, 10. Juli I903

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Europäische Nachrichten.

Srdcnonrg. Oldenburg. Das Fest der silbernen Hochzeit begingen Herr Adolf Meyer und Frau. Das Silberpaar erfreut sich noch bester Gesundheit. Delmenhorst. Bei der in der evangelischen Kirche in Delmenhorst stattgefundenen Pfarrwahl wurde Pastor Meyer aus Elsfleth mit etwa 360 Stimmen gewählt, während Pastor Hollje 26 Stimmen erhielt. H e p p e ns. Unsere Gemeinde hat nach der Anfang Mai d. I. erfolgten Personenstandsaufnahme eine Einwohnerzahl von 10.384. Varel. Die Pferde des Landwirths Johann Meyer aus Neudorf gingen durch. Herr Meyer wurde von dem Wagen geschleudert und erlitt dabei erhebliche Verletzungen am Kopf und Rücken. Z w i s ch e n a h n. Baurath Klingenberg hat die sog. Stamer'sche Hausmannsstelle (Meyrose) für ca. 100,000 Mark im zweiten öffentlichen Verkaufstermine erworben. vctc gtäM. Hamburg. Senator Oswald hat sein Amt als Rathhausherr, das er nach dem Tode von Senator Möring seit Februar 1900 verwaltet hat, niedergelegt und soll Senator Westphal das Amt eines Rathhausherrn. übernommen haben, der auch anStelle von Senator Möring in den Senat gewählt worden ist. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten das Ende der 70er Jahre stehende Ehepaar Stolt, Haimerbrook wohnhaft. Infolge langjähriger Kränklichkeit befindet sich das Jubelpaar in recht ärmlichen Verhältnissen. H. E. NLltinz, Seniorchef der bekannten Agenturund Commissionsfirma H. C. Nölting, ist nach längerer Krankheit im 72. Lebensjahre verschieden. Das Fest der silbernen Hochzeit begingen A. Stefanski und Frau. Stefanski ist Inhaber der Buch- und Papierhandlung am Steindamm No. 80. Johannes Kuhrt, Mitglied der Bürgerschaft, und Frau, geb. Ohmsen, Brauerknechtsgraben 21, feierten ihre silberne Hochzeit. Lübeck. Die weit über die örenzen unserer Stadt als Landschafterin bekannte Malerin Elisabeth Reuter, Tochter des verstorbenen Dr. med. Reuter hier, ist in Heidelberg auf einer Studienreise nach kurze: Krankheit an Lungenentzündung gestorben. Die Verstorbene hatte auf Helgoland ein eigenes Atelier. Ihre Strandbilder und Marinen hatten einen besonderen Reiz und wurden gern gekauft. Bremen. Dr. Schurtz, Assistent am städtischen Museum, ein bekannter Ethnologe und Gelehrter, ist im Alter von 40 Jahren plötzlich gestorben. Schurtz war Mitarbeiter an der Helmholtz'fchen Weltgeschichte. Ein schwerer Unfall ereignete sich im zweiten Freihafenbassin. Dort wurde der auf einem Bagger beschäftigte Vormann Jürgen Bradt aus Westrhaudersehn durch eine zurückschnellende Windenrurvel io ungluckltcy gegen ven ttopj getroffen, daß er einen Schädelbruch erlitt. Bradt ist nach seiner Aufnahme im Diakonissenhause gestorben. Auf dem Güterbahnhof neben dem Stationsgebäude an derHemmstraße ist der Eisenbahnarbeiter Aug. Detering aus der Gösselstraße, 26 Jahre att, zu Tode gekommen. Schlvciz. Bern. Auf einer Tour mit dem Fahrrad verunglückte in der Nähe von Word der hiesige Storchenwirth Kammermann von Deutenberg. Er erlitt derartige innere Verletzungen, daß er Abends starb. G l a r u s. Die Schulbehörden der Stadt Glarus haben beschlossen, die Schulen bis auf weiteres einzustellen, um einer Weiterverbreitung der hier überhandnehmenden Diphreritis vorzubeugen. Lausanne. Hier starb an einer Blutvergiftung, die infolge einer unbedeutenden Stirnverletzung eingetreten war, der Ingenieur Äloys von Muvden. M a t r a n. Im Alter von 76Jahren verstarb hier das langjährigeKantonsmitglied Frandois Corpataur. Der Verstorbene gehörte dem obersten Gerichte des Kantons 22 Jahre lang an. N y o n. Ein Opfer des Staatsstreichs vom 2. December 1852 ist h'er zu Grabe getragen worden in derPe:son des 90jährigen Dr. Ernest Bouchet. eines gebürtigen Franzosen von Dole. Er hatte nach dem Staatsstreich Napoleons des Dritten vernommen, daß ihm als einem politisch Verdächtigen die Deportation drohe. Diesem Geschick entzog er sich, indem er von St. Etienne mit Seidenbändern hausirend. mit dem Paß eines Trödeljuden zu Fuß die Schweizergrenze gewann. In Jussy (Genf) hat er dann bis 1883 praktizirt und einen langen, ruhigen Lebensabend in der Nähe unserer Stadt zugebracht. Täger weilen. Frau MüllerRüber hier ertränkte in der Jauchegrübe ihren sechsjährigen Knaben und sich selbst. Die Ursache ist Geistesstörung. S p i tz e n - H i r z e l. Die Scheune des hiesigen Wirths Walter Hauser zur Krone" ging in Flammen auf. Der Brand wurde verursacht durch Kinder, die mit Zündhölzern gespielt batten.

Barthold über den Erfolg grosse!

öeutschamerikattischer Sän aerfeste. Nachträglich ist uns der Wortta der Ncde utacfoinmcn. ruelcbc öon den Deutsch Amerikaner Nichar B a r t n o I o t. oer im tionacn .sxtM zum sechsten Mal in 3t LouiS in oai i'irijeorimercmiaitv ce coinireue ge wäolt worden in und aH Nationalge seygeber dem Deutfchtbum Ehre ge madrt bet. beim Abschlüsse des aros'.ei St. Louiser Ee'angöfesteö gebalter würd:. Besonb:rv bemerkenowertt ist Tas. was er über die Wvi a ch e n d e s E r f o l g s der e st e ir St. L o u l s und B ci 1 1 1 in o v c gesprochen bat . Darum folgt hier diese: öanpt!hell cer iede. Worin bestand der große Erfolg der ncftc in St. Loniö und Baltimore? n der glnälicren ernbai tuna iene? S ckrecka eir enües der Sem gerfeste, so man mit dem häßlicher Fremdwort Defizit" bezeichnet? (Äcwiß. denn der Mammon hat leide: auch hier seine Rechte. Worin nock In der künstlerischen Wertigkeit der a-v m s. c ff C i s 'fnttcr, dem wonirercicntcn nynti hrr irrrtoittPit und pMistnpn ittt! hur Meifterstöaft der Sänger? Sicherlich! Denn die errungenen hmmenjchei' Erfolge verdienen, weil sie soweit wobl unerreicht daneben, mit der Sie aeövalmc aet'ront u werden. Den noch sind auch sie nur Mittel zu unse-. rem Zweck, eveino wie die rühmen? werthen, fast vollkommenen Vorberei wngen für das sveft. mit denen sich dii cinbeimischen Sänaer und ibre acn ansschüsse den warinen Dank Aller so reichlich verdient baden. edeS na tionale Sängerfesl ist schon an sich eine Errungenschaft, indem es die deutichen Säiiaer immer aus's Neue mit stolzem Selbstbewußtsein erfüllt und ie daran erinnert, dan sie es waren, die als Missionäre deS deut schen Liedes die amerikanische Kultur beschenkt lind bereichert haben. In diesem Selbstbewußtsein und der Er kcnntniß des eigenen inneren Wertbe) lieat ualeich die sichere Cewäbr für den Fortbestand und das zukllnftigeGeoelben der oeutfaen angeovereui: gungen in Amerika. Auch in dieser Einsicht darf ich wokl sagen, bat da-5 St. Louiser Säncrsest und das Bal timorer seinen Zweck voll und ganz erfüllt. Der große Hanpterfolg dieser este bekundet sich aber doch darin, daß sie die englisch- und die dentschfvrechend Bevölkerung des Lande? wieder um einen bedeutenden Schritt näher cm bekundet sich aber doch darin, daß sie Achtung des Amerikaners vor dem Deutfchtbum des Landes erhöht und ihni eine gerechtere Würdignng der herrlichen Gaben ermöglicht haben, welche die alte Mutter Germania für unsere Braut Eolumbia uns mit über's Moor aeacben. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: das deutsche Lied bat. alle Porurtheile überwindend, nicht nur sein amerita nisches Bürgerrecht behanvtet, sondern sich siegreich Bahn gebrochen in d!e Herzen des amerikanischen Volks thums: und immer tiefer darin Wurzel schlagend ist beute der deutsche Schatz näber denn je daran, zum Ge meingut der gesammten Nation zn werden. Und diesem Hauptziele uns bedeutend näber nobrackt ut haben, ist. meine ich .die vornehmste Errungen schau dieser Festwochen. Blicken wir uns um! Was sich in unseremAdoptiv-Vatcrlande gerade auf viejem (ÄLbletc abspielt, ist wohl dazu angethan, die Brust eines ieden Vio niers deutschen Gesanges höher schwelien zu machen. Der Amerikaner ist bei Sängerfesten unser treuer Qelfersbelfer und Bundesgenosse geworden. ayrend diese Feste sich früher in eng gezognem deutschem Kreise absvielten. nimmt jetzt die ganze Bevölkerung unserer Ri?senstädte daran theil. Weißgekleidete Jungfrauen befleißigen sich zu Tausenden des deutschen Wortes, um bei den Massenchören mitzusingen; und Häuser und ganze Straßen enrbieten im Flaaaenschmuck den Sänaergästen den Willkommengruß. Ueberall im anve sind amerikanische Gesangvereine im Entstehen. In der BundesHauptstadt Washington kenne ich einen solchen, der sich, ausschließlich aus Englisch - Amerikanern bestehend, Franz Abt Club" nennt und fast nur deutsche Lieder singt. Während in früheren Zeiten die Gesangsperlen eines Abt und Koschat nud Zöllner nur im engen Dachkämmerlein zur Geltung kamen, wo der arme deutsche Einwanderer wobntc oder in der Werkstatt, wo deutscher Fleiß sich bethätigte, glänzen uno enlzucken sie ickt vor aewabiten Hörerschaften in kellen Vrunk- nb Prachtsäälen. Damals war die Theilnanme angeietener Bürger an Festen ein freudiges Ereianiß. beute reist der Präsident der Ver. Staaten nach Balttmore. um das dortige Sangerfest mit seiner Anwe,enheit zu beehren und den deutschen Sanaesbrüdern und ihre Vereinen Loo und Preis zu zollen. Auf des Präsidenten Wort in Baltimore können die deutsch-amerika-Mjcyen langer stolz sein! Es bed:utet. daß das Rutsche Lied einen ganzen Continmt und alle 5)er,?en. die harrn schlagen, erobert hat. Das hätte sich frellicy unsere Mutter nicht träumen lassen, als sie uns das Schlaf. Kindlein schlaf- m de Wiege fang. Noch hätte es der einstige Einwanderers ahnen können, der beim Betreten des amerikanischne Bodens nichts besaß und nur aus voller Brust singen konn-

te: Mein einziger Reichthum ist mein Lied." Und selbst nachdem er sich hi?: t.i ! r t i , l ' m .

yclllli,a) gemacyi uno Mll vem zrus!ton überschwänglichen Gefühls singen konnte: Ein traut's Weib, ein herzig Kind, das ist mein Himmel auf bei Erde." selbst da wurden die Sängerfeste noch in bescheidenen Räumen, ir Turnhallen u. s. w. abgehalten. D g.?gen heute? Heute ist in St. Loui der größte Kunstpalast der Welt de7. deutschen Lied als Heim eingeräumt worden; unser Lied hat denselben ge wissermaßen geweiht für die großer Zwecke, denen er bei der nächstjähriger Weltausstellung dienen soll. Und aui den kleinen kärglichen Glossen, mit de nen die englische Presse früher diesk Feste abzumachen pflegte, sind fulminante Leitartikel geworden, in dener der deutschen Sängerlust Lobeshymner c.?sungen und die Zwecke und Ziele des Nordamerikanischen Sängerbundes unv des Oestlichen Sängerbundes aU nachahmungswerth und ideal gefeier: werden. Wenn aber die Teutschen auf amerikanischem Boden ihrer Eigenart nicht treu geblieben wären, wenn sie da Erbtheil ihrer Väter und die reichk Mitgift der Mutter al5 überflüssig! Bürde ins Meer gesenkt oder hier in die Rumpelkammer des Völkermischmaschs geworfen hätten, verdienten sik dann wohl den Ehrennamen Kulturträger," und würde ihnen dann jene Achtung und Würdigung seitens des Amerikanerthums zutheil werden, von denen wir soeben Zeuge waren? TetttsS,.amcrikattisl!,c Kämpen im Streit um Vabcl und Bibel. Der Streit zwischen dem deutschen Vabylonien-Erforscher oder, wie's vornehmer klingt, Assyriologen" Frie)r i ch Delitzsch. welcher einen großen Theil des Alten Testaments als einen bloßen Abklatsch altbabylonischer Weisheit hinzustellen suchte, dabei die altjüdische Kultur verkleinernd, und zwischen Vertheidigern des Alten Testaments erregt in der ganzen gebild?ten Welt Aufsehen, seit Kaiser W i lHelm der Zweite in einer maßvollen Kundgebung gegen Delitzsch auftrat. Auch von deutsch - amerikanischer Seite sind gewichtige Beweisgründe gegen Delitzsch vorgebracht worden, so von dem ausgezeichneten Assyriologen der Universität von Pennsylvanien, Hermann Vollrath H i l p r e ch t, welcher Babylonien auf's Gründlichste durchforscht und höchst Werthvolles dort gesammelt und darüber geschrieben hat. Er befand sich zufällig in seiner alten deutschen Heimath, als dort der Kampf um Babel und Bibel" entbrannte, und in einer Reihe gediegener Vorträge in Deutschland wahrte er dann die Selbstständigkeit der althebräischen Kultur gegenüber der babylonischen. Ient ist ein anderer deutsch-ameri-kanischer Orientalist, Dr. Kaufmann Kohler, Rabbiner in New Aork, der auch in Chicago, wo er von 1871 bis 1879 wirkte, noch in gutem Andenken steht, dem Professor Delitzsch entgegengetreten. Dr. 5iohler steht durchaus nicht auf dem strenggläubigen jüdischen Standpunkt, sondern ist ein Vorkämpfer des Reformjudenthums, und unter seinen zahlreichen Schriften befinden sich auch solche kritischen Inhalts über das Alte Testament. Aber in der in den letzten Tagen zu Detroit abgehaltenen Conferenz amerikanischer Rabbiner trat er sehr entschieden gegen Delitzsch auf. Er erkannte in seinem Vortrage die Bedeutung der altbabylonischen oder chaldäischen Civilisation und auch lhren Einfluß auf die jüdische Geschichte bereitwillig an. Doch ebenso entschleden legte er dar, daß Delitzsch keinerlei Ursache und Recht habe, das Alte Testament und den jüdische Gottesbegriff von dem einen Gotte in den Staub zu ziehen und Judenhaß zu fördern. Die besagte Conferenz in Detroit erhob die Darlegungen des Dr. Kohler u einer offiziellen Kundaebuna ihrer Seits und beschloß, dieselben als solche dem deutschen Kaiser zu überschicken. Der wird wohl auf seiner mehrwöchigen Nordlandfahrt Muße genug finden, diese interessante Arbeit eines Deutsch-Amerikaners zu studiren. Die blutigen Juden mißHandlungen bei Lodz, bei denen angeblich zehn Juden von der Polizei erschlagen und an 200 schwer verletzt worden sein sollten, schrumpfen zu einer aanz bedeutunaslofen Affaire zusammen. Der Kölnischen Zeitung" wurde unter dem 1o. Jum aus Lodz darüber gemeldet: Gestern Abend veranlaßten einige Hundert Arbeiter, jüdische halbwüchsige Burschen, in einigen Straßen Kundgebungen. Die rasch einschreitende Polizei zerstreute die Leute. Ein Revierauffeher wurde verwundet. In der Stadt ist Alles ruhig." Das Berliner Tageblatt" bringt über den Vorganz eine ganz ähnlich lautende Meldung. D i e p ä p st l i ch e N u n c i a t u r ! zu Wien bestätigt, daß der Erzbischof ohn von Clnüils beim Papste einen strengen Verweis erhalten ka be, daß die Untersuchungen geen ihn fortdauere und nach deren Abschluß der Prozeß eingeleitet werden wird. Man glaubt, der Erzbischof werde, da die feindselige Haltung feines Klerus fortdauert, auf daö Erzbistbum ver zichten. wofür er als kardinal nach Rom berufen werden würde.

Tcr Staalömlniftcr des Kongo stantcö, sonEctrelde, der jetzt mit der englischen )cZierung über den Rückzug der Bclzier aus der ägyptischen AequatorialProvinz verhanoe.t, ist con einem Mitarbeiter des 'iatin" über den Stand Der Sache ausgefragt worden. Die Stellung des ö.ongostaates wird von ihm folgendermaßen dargelegt: Wir terlangcn die ' Ausführung Uz Konvention (von 1894), wir sind aber bereit, die Frage inem Schiedsgericht zu unterziehen, da wir von unserem Recht unbedingt überzeugt sind und da unser Vertrauen auch ein unbedingtes war. Wir haben ein solches vorgeschlagen und bestehen darauf; die englischeRegierung hat den Vorschlag aber bisher nicht angenommen. Doch um unser Entgegenkommen zu zeigen, sind wir bereit, ein neues Abkommen zu schließen, indem wir der neuen Thatsache Nennung tragen, die im Sudan durch den Fall von (ibartum entstanden ist. Da es keinen 2nceren Grund giebt, als das Recht des Stärkeren, so bleibt die Konvention von 1894, welche niemals in Uebereinstimmung der beiden Unterzeichner abgeändert worden ist und noch ihre Unterschriften trägt, das Pfand für die loyale Ausführung ihrer Verpflichtunken." Auf die Frage nach den kongolesischenGrausamkciten sagte van Eetvelde Eine Streitsache, für die man keinen Ausdruck findet. Peinlich ist es. die große englische Nation einem Burrows folgen zu sehen. Die geringsten Ereignisse zu entstellen, Vorgänge ohne Bedeutunz zu vergrößern, einzelne Vergehen zu verallgemeinern, ist das gewohnliche Werk von Verleumdern. Wenn das, was Burrows erzählt, wahr ist. wie kommt es, daß dieser ehrenwerthe Mensch sechs Jahre im Dienste dieses barbarischen Staates geblieben ist?" Nach allen dicsen Aeußerungen des Staatsministers scheint eine Vereinbarung zwischen dem Kongostaate und England noch in weitem Felde zu sein.

?cr Minister im Nsuchabtlicil. Der preußische Eisenbahnminister Budde saß vor Kurzem auf einer Inspektionsreise in einem Abtheil erster Klasse. Ein Mitreisender zündete sich mit der vielen Leuten eigenen Seelenruhe eine Cigarre vor den Augen des darob erstaunten Ministers an. Vudde machte den Herrn in kurzen Worten darauf aufmerksam, daß das Rauchen in einem Abtheil erster Kasse nur unter Zustimmung der Mitreisenden gestattet fei. Der Herr nahm von dieser Belehrung durch eine kurze Handbewegung Notiz und rauchte weiter. Den Rest der Cigarre warf er aus dem Fenster, um sich sofort eine zweite anzustecken. Der hierdurch stark gekränkte Minister erklärte dem Herrn, daß er ein gewisses Interesse an der strikten Jnnehaltung der Verordnungen der Eisenbahnbehörde habe, da er der Minister Budde sei. Bei diesen Worten überreichte er seinem vis-a-bis" die Karte, die dieser nur eines flüchtigen Blickes würdigte und unter kräftigen Zügen aus seiner Cigarre wortlos in die Tasche steckte. Der Zug hielt auf der Station H., auf welcher der Herr, ohne den Minister zu beachten, ausstieg. Hierdurch gereizt, forderte Budde den diensthabenden Stationsbeamten auf, den Namen des Herrn festzustellen. Auf Aufforderung des Beamten griff der Herr in die Tasche und überreichte ihm die eben erhaltene Karte des Ministers und ver. schwand in der den Bahnhof verlassenden Menge. Der Beamte schaute zuerst erstaunt die Karte an, warf einen langen Blick hinter den Herrn her und trat langsam auf Herrn Budde zu mt den Worten: Ja, verehrter Herr, da wird wohl wenig zu machen sein. Das war ja der Herr Minist;? selber!" Wenn nicht wahr, so doch hübsch erfunden. Festungen, schöne ftestrntgeti zn billigen Preisen! Immer zu, meine Herrschaften!" So etwa lautet, in die Vulgärsprache übertragen, die Einladung der Geniedire!tion Verona, die etwa ein Dutzend fefter Plätze und Forts aus der großen Aera" zum Verkauf aussetzt. Diese heute überflüssig gewordenen Forts sind seinerzeit von Oesterreich erbau! worden, und an ihre Namen knüpfen sich theilweise blutige Waffenthaten aus der italienischen Befreiungsgeschichte. Die moderne Prosa nimmt aber auf die alten Reminiscenzen nicht die allermindeste Rücksicht, und die glorreichen Orte, wo so viele tapfere Italiener und Oesterreicher gefallen, werden heule um wahre Bagatellen losgeschlagen. Am billigsten ist das berühmte Fort Polviera, wo sich die Legion Manara 1848 so hcldenmüthig gegen überlegene österreichische Streitkräfte vertheidigte; 5s soll nur 5670 Lire kof.i. Das Fort Salvi bei Peschiera kostet 6100 Lire, das Fort-Mandella 8100 Lire u. s. w. Am theuersten ist Fort Montecroce, das auf 16,800 Lire zu stehen kommt. Die meisten Forts sind mit Blockhäusern und anderen Gebäuden versehen, und zu allen gehören umllezende Terrains. Alterthumsfreunde" und andere Liebhaber, die auf billige Weise in den Besitz historischer Liegenschaften kommen wollen, sind hiermit nach Verona geladen, wo die Versteizerung stattfinden wird.

Luise von Taökana. Ueber die Prinzessin Luise 1?on Toscana bringt der Fränk. Kurier" weitcre, offenbar wieder von toskanischcr Seite stammende Mittheilungen, aus denen wir Folgendes entnehmen: Die Prinzessin Luise wird ihren Aufenthalt im Schlote Rcukao im französischen Departement Girone nehmen. Mit dieser Zurückziehung ist aber wahrscheinlich noch nicht der letzte Akt des Ehedramas gekommen, da die Zustimmung der Nrinzessin zu dem AufentHaltsorte nur versuchsweise erfolgte, im höchsten Mißtrauen zu der Wahl und auf Empfehlung des Beichtvaters. Die Eigenthümern! des Schlosses, Gräfin Vesaint-Viktor, ist als sehr fromm bekannt, und wird durch ihre Pensionärin eine gute Einnahmequelle erhalten. Die Prinzessin hat der Wahl des Schlosses bedingt zugestimmt, weil sie darauf rechnet, daß 'die französische Regierung, unbekümmert um politische Rücksichten, einer schutzlosen Frau gegen Uebergrisfe. die ihre persönliche Freiheit beengen würden, Schutz verleihen wird. Die toskanische Familie (der sächsische Hof übte nach der Scheidung hierauf gar keinen Einfluß aus), wollte der Prinzessin auf einem toskanischen Gut in Böhmen den Wohnsitz anweisen. Da jedoch der Kaiser von Oesterreich der Prinzessin nur dann den Aufenthalt in den lrblanden gestatten wollte, wenn sie freiwillig dem Monarchen die Bitte unterbreiten lasse, ein Frauenkloster aufsuchen zu dürfen, was die Prinzessin sofort ablehnte, so kam eine ehemals toskanische Besitzung, welche die Prinzessin beziehen wollte, Zn Frage. Aber hier stellte sich die Schwierigkeit heraus, daß der Großherzog bei irgend einem Vorfall die italienische Regierung in einem Lande, das er noch als fein rechtliches Eigenthum betrachtet, hätte anrufen müssen, was einer indirekten Anerkennung gleichgekommen wäre. Da die Prinssin selbst die Schweiz nicht wieder aussuchen wollte, so nahm sie nach langen Verhandlungen den Vorschlag des weiteren Aufenthaltes nur unter der ausdrücklichen Verbürgung an, daß sie daselbst in keiner Weise beschränkt werde. Von einem bleibenden Aufenthalte der Prinzessin auf Schloß Roucao kann vorläufig nicht die Rede fein, da sich die Prinzessin über die Bestimmung ihrer Person und Zukunft vollständig freie Hand gelassen habe". Ein neuer Akt des Ehedramas steht jedenfalls bevor, wenn man der Prinzessin ihr jüngstes Kind nehmen oder ihr dauernd rerwehrcn würde, ire anderen Kinder zu sehen. Für jetzt hält sie an dem Glauben fest, daß dies nicht der Fall sein wird. Die Frage, ob die Prinzessin etwa wieder zu .Andr6 Giron zurückkehren . würde, kann mit ziemlicher Gewißheil" verneint werden. An der früheren Nachricht, daß zwischen dem sächsischen Hofe und der Prinzessin Luise von Toskana ein Abkommen getroffen worden fei. daß ibr das Kind bis zum 6. Lebensjahre belassen werde, ist kein wahres Wort. Es ist bisher keinerlei Abkommen getroffen worden.

Ein kiaarstrüttvcn)cr Fall von Justiz" erregt in ganz Italien Aufsehen. Ein 14-jähriger armer Junge, Ausläufer in einem Luzusgefchäfte zu Venedig. hatte seinem Prinzipal einige SilberWaaren von minimalem Werthe unterschlagen. Man fand bei ihm die gestohlenen Gegenstände und einen Brief seines Vaters, eines arbeitslosen Mannes. der dem Jungen anbefohlen hatte, sich einen Vorschuß auf seinen kleinen Lohn geben zu lassen, anderenfalls die Familie heute nichts zu essen hätte. Der Vorschuß war verweigert worden, und der arme Junge hatte, um seine Angehörigen nicht darben zu sehen, die paar Kleinigkeiten gestohlen. Obschon nun die nahezu wertlosen Gegenstände dem Besitzer zurückgegeben wurden, vcrurtheilte das Gericht ohne Zubilligung mildernder Umstände! den 14-jährigen Burschen zu 58 Tagen Gefängniß. Als der im Zuhorerraume anwesende Vater bei diesem Urtheile in Verwünschungen des harten Prinzipals ausbrach, wurde -auch'er auaenblicklich zu 24 Tagen Gefängniß verurtheilt! Und das geschieht in Jtalien. wo die Richter als sentimental und humanitätsdusclig verschrieen sind. U Haltung kcr LZ ren. Aus Kapstadt wird gemeldet: De? Entschluß der Burenführer Transvaals, sich nun doch wieder an dem politischen Leben thätig zu betheiligen, ist eine Folge der Rathschläge, welche die Afrikanderpartel der Kapkolome den Buren ertheilt hat. Schalk Burger und Louis Bctha haben sich diesem Schritte angeschlossen, jedoch unter der Voraussetzung, daß noch eine Anzahl der jetzigen Ausnahmegesetze aufgchoben wird. Der Hauptgrund desWech-

sels in der ltung der Buren ist die Frage der Zulassung asiatischer Arbeiier.'sür welche die Johannesburger Minenspekulanten ihren ganzen Einfluß aufbieten. Die Kaprezierung und der Afrikanderbond stehen dieser Maßregel schroff ablehnend gegenüber, indem "sie barin eine schwere Schädigung der gesammten weißm Bevölkerung Südafrikas erblicken. Wenn die Buren in Transvaal den Widerstand gegen die Kuli-Einwanderung nicht mit allen Kräften unterstützen würden, so wäre die Opposition des Kaplandes dagegen nicht ausreichend.