Indiana Tribüne, Volume 26, Number 273, Indianapolis, Marion County, 10 July 1903 — Page 4

Indianer Tribüne, 10. Juli 1903.

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Indiana Tribüne. HnauZzeAeben von der utenderg Es. Indianapolis, Ind. öarry O. Thudium .... Präsident. Geschäfts local: No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPH0E 269.

Muered at the Post Office of Indianapolis as second class matter. Kein neuer Dreibund. 'Man schreibt uns aus London: Der englische König in Paris, der französische Präsident in London und dazwischen ein Austausch herzlicher Telegramme gelegentlich eines UnglücksfaUeZ wer hätte das alle vor fünf Jahren für wahrscheinlich gehalten ? Obwohl man bestimmt weiß, daß die persönlichenZusammenkünfte der beiden Staatsoberhäupter keinerlei politische Abmachungen zum Zwecke hatten, so beweisen doch alle diese Vorgänge die Anbahnung freundlicher, fast freund schaftlicher Beziehungen. ES gibt aber Politiker, die noch weit über das Erreichte hinaus wollen. Es sind nicht nur gewisse, hier in London ansässige Journalisten, die seit Jahr und Tag ihre Feder der Verkündung eines neuen Dreibundes zwischen England, Frankreich und Rußland weihen, sondern kein Geringerer als Herr Telcasse verfolgt mit Eifer demselben Plan. Vielleicht gebietet ihm sein Ehrgeiz, eine politische Konstellation zu schaffen, die dem von Bismarck gegründeten mitteleuropäischen Dreibünde an Kühnheit und Schwierigkeit der Durchführung weit überlegen wäre, vielleicht erkennt er auch, daß ein englisch französischeZ Freundschaftsverhältniß so lange rein platonischer Natur sein muß, als der englische Löwe und der russische Äär sich gegenseitig anknurren; denn solange dies Verhältniß besteht, kann ein in erster Reihe doch mit Rußland! verbündetes Frankreich jeden Augenblick in die Lage kommen, die freundfchaftlichen Beziehungen mit England wieder abbrechen zu müsien. Welche Beweggründe aber auch immer Herrn Telcasse bestimmen mögen: Thatsache ist, daß Herr Telcasse danach lechzt, eine englisch-russische Ehe zustande zu bringen, und für sich und isein Vaterland die Vermittlergebühr einzustreichen. Spricht wohl die Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg der Bemühungen d?s franzosischen Staatsmannes ? Ein Bündniß zwischen zwei Staaten kann beruhen auf der Gemeinsamkeit matexrieller Jnteiessen, oder auf der Gleichcartigkeit der politischen Ziele, oder auf 'Schutz und Trutz gegen einen voraussichtlich gemeinsamen Gegner. Der noch immer allmächtige russische Finanzminister, Herr Witte, hätte gewiß nichts gegen eine Verbindung der englischen und russischen materiellen Interessen einzuwenden, nämlich so, daß England giebt und Rußland nimmt. Nach meinen Informationen besteht nun bei den englischen Großbanken nicht die mindeste Neigung, jetzt oder in Zukunft russische Anleihen zu nego ziiren. Ob bei dieser Abneigung die Furcht vor der Unsicherheit einer derartigen Kapitalanlage die erste Rolle spielt, entzieht sich meiner Beurthei lung. ich glaube aber, daß noch ein politisches, man darf vielleicht sagen, patriotisches Moment hineinspielt. Man weiß hier zu Lande recht gut, daß Herr Witte einen großen Theil der in den letzten Jahren durch Anleihen beschafften Riesensummen verwendet hat auf die Entwickelung der Verkehrsmittel Ostasiens und auf die Stärkung der russischen Flotte. Eben jetzt hat sich die russische Regierung entschlossen. einer Schiffahrtsgesellschaft in Odessa einen jährlichen Zuschuß zu geben für die Anbahnung direkter Handelsbe Ziehungen mit den Häfen am Pe.rsi schen Golfe. Alle diese Bemühungen sind den wirthschaftlichen und politi schen Interessen Englands schnurstracks entgegengesetzt und man wird es be greifen können, daß die englischen Großbanken sich düpirt vorkommen würden, wenn das von ihnen Herzuge bende Geld zum Nachtheil ihrer und ihres Vaterlandes Interessen verwendet würde. Damit kommen wir zu der Frage der Gemeinsamkeit der politischen Jnter essen. Diese Gemeinsamkeit ist aller dings vorhanden, insofern nämlich, als jede der beiden Mächte dasselbe anstrebt: die Vorherrschaft auf dem großen asia tischen Continente. Eine derartige

Gleichheit der Bestrebungen aber för

dert wohl bei idealen Zielen die Freund.!

schast, bei praktischen, materiellen Be sirebungen aber zerstört es sie und schafft erbittert- Gegnerschaft. Man sieht esZja, wie die englische Presse aus dem Häuschen geräth, sobald Nachrichten überlErfolge Rußlands in Ostasien oder Persien anlangen. Die englische Presse aber hat ganz recht, wenn sie auch die kleinste russische Äction in Ostasnn mit Mißtrauen und Besorgniß verfolgt; denn ohne der Bedeutung Canadas oder Australiens oder Südafrikas zu nahe treten zu wollen, so ist Asien doch der Mittelpunkt und StützPunkt der englischen Weltmachtsstellunq, und eine Verdrängung durch Rußland würde der Anfang vom Ende jener Machtstellung sein, deren Grund läge vor zwei ein halb Jahrhunderten durch Cromwell geschaffen woeden ist. Zwischen den beiden großen Mächten besteht also nicht eine Gleichartigkeit, sondern ein Gegensatz der politischen Interessen. Nun werden derartige Gegensätze manchmal gemildert, wenn eine dritte Macht vorhanoen ist, die von den beiden Gegnern noch mehr gehaßt wird, als sie einander hassen. Auch daran fehlt es beiden Mächten. Einen gemeinsamen Gegner haben sie überhüupt auf dem ganzen Weltall nicht. Und die Gegner, die jeder von ihnen einzeln besitzt, sind sozusagen Gegner zweiten Ranges, d. h., die erst in zweiter .Reihe in Frage kommen. Als Gegner ersten Ranges besitzt England nur Rußland und Rußland nur Eng land. Mangels der Gemeinsamkeit materieller Interessen, politischer Bestrebungen und politischer Gegner wird der Gedanke einer englisch-russischen Intimität immer ein Traum bleiben müssen. Damit verliert aber zugleich, wie wir schon dargelegt haben, die eng lisch-französische Freundschaft außerordentlich viel an praktischer Bedeutung. Aus Stadt- und Connty-Ver-waltung. Bookwalte r'Z Erwiderung. In Erwiderung auf die gestern b? richteten Resolutionen der 9 Commer-cial-Club-Directoren erklärte derMayor gestern, daß er den Stadtanwalt schon längst beauftragt habe, eine kurze Uebersicht der Beleuchtungs-Contract-Specisicationen auszuarbeiten für die Kenntnißnahme Solcher, die ein In teresse an der Angelegenheit nehmen. Sobald die Specisicationen erst angenommen worden sind, sollen genug Copien für allgemeine Vertheilung angefertigt werden. Soweit seien aber noch gar keine Specisicationen angenommen worden und Alles, was die Statt :n der Beziehung besitze, seien die Vorschläge des Stadt'Jngeneurs. Gestern ist die von der letzten Legistur gesetzte Frist für den Bau eines BlatternhospitaleZ in einer Entfernung von nicht wenige? als 1509 Fuß von einem Schulgebäude oder Hospitale und nicht weniger als 500 Fuß von einem Wohnhause verstrichen und die Stadtverwaltung hat soweit Nichts ge than, um diesen Bau zu beschleunigen und auszuführen. Die Gesundheitsbehörde hatte . 2 Bauplätze in Aussicht, doch hat sie noch keinen erworben. Man hat's auch offenbar nicht nöthig, jetzt mit dem Neubau eines BlatternHospitales zu beginnen. Im temporären Blatternhospitale liegt nämlich nur noch ein Patient, der auch bald entlassen werden wird. Und dann soll die alte Bude niedergerissen, resp, verbrannt werden. Wasserleitung - Verlängerungen. Auf Geheiß der Behörde für öff. Werke läßt die Jndpls. Water Co. gegtnwärtig ihre Hauptleitung durch Röhren von 80,000 Fuß Länge verlängern und zwar wie folgt : Das Fall Creek-, Brightwood- und JrvingtonSvstem, wofür Röhren von 5 Meilen Länge nöthig sind ; in der Meridian Str., von 34. bis 33. Str; in der 32. Str., von der Meridian östlich; in der Central Ave. südlich bis zum Creek; und in der New Jersey Str., von 32. bis 30. Str. Falls die Indianapolis Water Co. auch den neuen Armeeposten mit Wasser versorgen soll, wird sie eine neue Pumpstation, vermuthlich am FallCceek oberhalb der Fairgründe, erbauen müssen. Hat's nöthig. DaS.BidliothekZ-Gebäude in Haughville cuird demnächst auf städtische kostet (31000) reparirt werden.

Zwei Schurken wegen gemeiner

Verbrechen verhaftet. Cddy Crittenden von einer empörten Men fchmmenge verfolgt. An der Brookside Ave. spielte sich gestern Abend eine erregte Scene ab. Der Arbeiter Eddy Crittenden von No. 2310 Brookside Ave. hatte die' 16-jäh-rige Nellie Powell, welche in dem Nachbarhause wohnt, in der Nähe deS Parks vergewaltigen wollen. Auf ihre Hülferufe waren verschiedene Bewohner der dortigen Gegend herbeigeeilt und dieselben bemühten sich, sich des Burschen zu bemächtigen. Derselbe entfloh und jetzt entspann sich eine wilde Jagd, welche sich schließlich bis nach der Massachusetts Ave. ausdehnte. Hier wäre der Bursche seinen Ver folgern in die Hände gerathen, wenn nicht die Detectivs Lancaster und Kurtz erschienen wären, und ihn festgenommen hätten. Sie brachten ihn nach dem Hillside Ave. 'Spritzenhaus?, wo selbst die Feuerwehrleute bis zur An kunft des Patrolwagens eine Schutzwehr für ihn bildeten. Wäre er in die Hände ))er empörten Menschenmenge gerathen, es würde ihm schlecht ergangen sein. Er wurde in der Polizeistation unter der Anklage des thätlichen Angriffs, mit der Absicht zu vergewaltigen, gebucht. Unter derselben Anklage wurde bald darauf der 23jährige Bremser Gus. Clark von No. 1012 Harrison Avenue verhaftet. Seine Verhaftung erfolgte auf Veranlassung der Frau Normen von No. 1012 Harrison Avenue, auf deren 12-jährige Tochter Retta er angeblich einen criminellen Angriff ausgeführt hatte. Turnlehrcr-Tag. ; In der Schlußversammlung deS in Detroit abgehaltenen Turnlehrer-Ta-ges wurde beschlossen, dem Bundesvorort die Empfehlung zu machen, -daß der jetzige Musikunterricht im TurnlehrerSeminare insofern abgeändert werde, daß anstatt des drei- und vierstimmigen Gesangs die Theorie der Musik eingeführt wird, und zwar soll dieser Theil als Haupttheil behandelt werden wöchentlich eine volle Stunde. ;3: Ueber den Werth ' der Turnfeste konnte keine Debatte finden, da alle Anwesenden der Änsicht waren, daß Turnfeste die Turnerei nur heben können, besonders weim da? Preistnrnen möglichst beschränkt und Schau- und Mustertnrnen mehr zur Geltung kom-i men. Auch sollen Scküler-Klassen so viel wie möglich vorgeführt werden. Es wurde beschlossen, den nächsten Turnlehrer-Tag in St. LouiS abzuhalten. -mSeid sparsam mit dem Wassrr. Feuerwehr'Chsf Coots richtet diese Bitte an die Bevölkerung der Stadt. Die Jndpls. Water Works Co." hat den Feuerwehr.Chef benachrichtigt, daß von jetzt bis aus Weiteres von Nachmittags 2 Uhr bis 9 Uhr Abends der gewöhnliche Feuerdruck nur 7080 Pfund statt 120 Pfund betragen wird, da die Gesellschaft in Folge der Verschwendung, welche seitens eines großen Theiles der Bevölkerung beim Garten- und Rasen-Besprenkeln und durch beständiges Laufenlassen der Hydranten getrieben wird, kurz an Wasser ist. Sollte ein Großfeuer ausbrechen, so wird die Gesellschaft gezwungen sein, die Siegeln am Canal zu brechen, durch welche Maßregel für die Bevölkerung große Unannehmlichkeiten entstehen würde. Der FeuerwehrChef richtet aus diesen Gründen an die Bürger der Stadt die Bitte, recht sparsam mit dem Wasser u sein. Die Jndpls. Nennen. Das Haupt-Jnteresse des zahlreich erschienenen Publikums concentrirte sich gestern auf das 4. Rennen, das Hür den-Rennen. Es war das erstemal, daß ein solches hier abgehalten wurde. An demselben betheiligten sich folgende Renner: Mike Shelly, Phosphorus, Cravens, Learoys und SpurS Das Refsltat war folgendes,: 1. PhoZphoruZ,Wetten (23). - 2. Cravens, (23). 3. Spur, ., (6-1). Mit dem Jndpls. Handicap" morgen, enden die unter den Auspicien der Jndpls. Renn.Gesellschaft" auf den Staats Fairgründen veranstalteten Rennen.

Deutsches Haus-Gartenconcert.

Für das heute Abend unter den Auspicien des Deutschen Clubs und Musikvereins zu veranstaltende GartenConcert des Deutschen Hauses ist fol gendes Programm aufgestellt worden : 1. Marsch Kaiser-Wache" Element. 2. Einleitung zum 3. Act und Braut-Chor auS Lohengrin" I Wagner. 3. Japanesischer TwoStep" (Three little Maids) Haines. 4. Selection When johnny comes marching home) Edwards. 5. Ouvertüre Zanetta" Auber. 6 Eornet-Solo Musician astray in the forest" Tobani. Herr Ehas. I. Kiefer. 7. Potpourri Climax" , Bever. 8. Church Chimes" . ....SBUen. 9. Terzett und Finale Aida" ...... Verdi. 10. Dixie Girl" Haines. 11. The Strollers" Englaender. 12. Freaks of Blackville" DalbeY. Am Freitag, 24. Juli, wird an Stelle der MilitärCapelle der Deutsche Club und Musikverein mit Orchester concertiren. Jndpls. Liederkranz. Der Jndpls. Liederkranz empsing gestern Abend eine freundliche Einladung von Herrn Wm. Stoefflec, Sr., am nächsten Donnerstag die Probe in sein'em Heime, resp. Garten, No. 659 W. 31. Str., abzuhalten. Die Sangesbrüder beschlossen, der Einladung Folge zu leisten.' D e n Kundenschneidern und ande ren Geschäften, welche wie gestern berichtet beschlossen haben, ihren Angestellten während der heißen Monate Juli und August an den Samstag Nachmittagen einen Halbfeiertag zu gewähren, haben sich die L. S. AyreS Co., Chas. Mayer & Co., die BoöbsMerrill Co., Albert Gall, H. P. Wasson & Co., sowie alle AccidenzDruckereien angeschlossen. Die Jndiana Dry Goods Co." gewährt ihren Angestellten dieselbe Vergünstigung am Freitag Nachmitag. t Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt, Mucho's Longfellow". Grundeigenthums Uebertragungen. Mary A. Wendling an Fred. Hoff Herr, Lot 80, YeiserS, Vormund, Add. $1500. Chas. T. Boyer an Harry Meyer u. A., Lot McKinzie's Sud., Budds Add. S1800. Mary E. Losey an Wilhelmina C. Brackett, Lot 5, Loseys College Ave. Add. 82000. Henry Stolte, an Herman Z. Smith, Lot 27, GreerS Sub. von Außenlot 101. $2400. Jda OSgood Stanley an Katherine B. Jennings, Lots 32, 33, 34, 73 und 74, Clark k Osgood's 1. Add., West Indianapolis. S1600. Thos. M. Jden an Jos. E. Karns, Theil von Lot 31, Ritters Add., Jrvington. 2500. Government B. and L. Institution an Hannah Moore, Lots 125128, Chambers Sub', Jrvington. $3100. Chas. W. Meikel an Sallie P. Grubb, Theil von Lot 1, Woods Sub. von Außenlots 2 und 39. $7125. i Verbringen Sie ihre Ferien an der Seeküste. Rundfahrt von Indianapolis kostet nur $15.00, via Pennsylvania, am 6. August, nach Atlantic City, Cape May, Anglesea, Avalon, Holly Beach, Ocean City, Sea Jsle City, Wildwood, N. I. oder Rehobobb, Del. WeitereEinzelheiten durch W. W. Richardson. D. P. A., Pennsylvania Vandalia Linie. Nord Michigan Sommer Nesorts sind am besten mit den Pennsylvania Bahnen zu erreichen. Die Nordland Limited mit durchlaufenden Schlafwaggons verläßt In dianapolis täglich um 6.50 Uhr Abends über die Alte Lahn, via Richmond und G. R. & I. Die Fischer Linie". W. W. Richardson, D. P.A . - S1.25-Cincinnati u. zurück-8125 via C. H. & D. Eisenbahn. Sonntag, den 12. Juli. . Zwei spezielle Schnellzüge. Der erste fährt um 6:30 Morgens ab und fährt ohne Aufenthalt durch. . Der zweite fährt um 7:15 Uhr Morgens ab und hält nur in Rushville, Connersville und Hamilton an ; Retourfahrt von Cincinnatt um 6:20 Uhr Abends. Base-Ball Cincinnati vs. New Nork. Tickets und weitere Auskunft im Union Bahnhof und in der Ticket Ofsice 3 und 10 N. JllS.Str. Claypool Hotel. R. P. Algeo, D. P. A.

Kultur- und Modethorheiten. tluSwüchse bei den Naturvölkern im Innern Neukttuincaö. Den Anhängern der modernen, in Deutschland besonders hervortretenden Neformbestrebungen auf' dem Gebiete der derzeitigen Frauenklcidung gelten Korsett und Schleppe als die beiden schlimmsten Auswüchse. Gewöhnlich werden derartige Auswüchse mit dem Begriff Ueber-Kultur in Verbindung gebracht und die nahe liegende Schlußfolgerung ist die, daß es doch in dieser Hinsicht bei den sögenannten Naturvölkern und Wilden sehr viel besser bestellt sei. Thatsache aber ist es, daß die Schleppe schon in uralter Zeit ezisiirt hat, und daß das häßliche Einschnüren der weiblichen Taille zwar der klassischen Blüthezeit Griechenlands und der griechischen Kunst völlig fremd ist, wohl aber auf den sehr viel älteren Vasenbildern aus mykenischerZeit deutlich festgestellt werden kann. Hätte Rousseau, der begeisterte Lobredner der Natur, die Naturvölker aus eigener Anschauung kennen, gelernt, so würde er jedenfalls ganz anders über sie geurtheilt haben. Im Gegensatz nicht nur zu Rousseaus System, sondern auch zu den heutigen landläufigen Anschauun. gen kann bestimmt behauptet werden, daß die Mode-Thorheitcn mit steigender Kultur nicht etwa wachsen, fondern sich gewöhnlich sogar vermindern. Insbesondere darf trotz alles männlichen und weiblichen Gigerlthums von unserer Zeit gelten, daß sie weniger ModeFesseln und Mode-Sklaverei kennt, als die meisten früheren Jahrhunderte der uns bekannten Menschengeschichte. Wer Mode-Thorheiten und einen Mode-Zwang von der schlimmsten Art kennen lernen will, findet dergleichen gerade bei den sogenannten Naturvölkern. Sehen wir von der niedrigen Kultur entarteter Völker, wie z. B. der Australneger ab, so stellen die mit der Civilisation nicht im mindesten in Berührung gekommenen Papuas im Innern Neuguineas vielleicht die älteste und urwüchsigste Kulturstufe dar. die zur Zeit noch auf unserer Erde zu finden ist. Die geradezu unglaublichen Modethorheiten dieser Papua-Kultur erinnern insofern an Vorbilder aus dem Thierreich, als hier noch in erster Linie der Mann schön zu sein beansprucht, während bei den schon weiter fortgeschrittenen afrikanischen Negern der Löwenantheil des Schmuckes dem Weibe überlassen bleibt. , Wahrscheinlich nirgendwo sonst auf der Erde dürfte man solche Wespen-Taillen finden, wie bei manchen schwarzen Swtzern im Innern Neuguineas. In jungen Jahren hungern die Leute Wochenlang, um sich, wenn sie recht mager geworden sind, nicht etwa blos; einen Gürtel anlegen, sondern vielmehr einen breiten Gurt um den Leib flechten zu lassen, der ohne Durchschneiden mit dem Messer gar nicht entfernt werden kann. Werden die Leute dann wieder fetter, so quillt, was als besonders schön gilt, ober- und unterhalb des Gurtes in dicken Wülsten das Fleisch hervor. Daß der künstliche Haaraufbau mancher, sei es völlig nackt, sei es fast nackt, herumlaufenden Papua- und Negerstamme zu seiner Herstellung nicht blos Stunden, fondern Tage erfordert, ist ebenso bekannt, wie daß der Schmuck einer umfangreicheren Tätowtrung blos mit außerordentlichen Schmerzen erkauft werden kann, oder daß bei manchen Naturvölkern, sei es spitz gefeilte, sei es schwarz gefärbte Zähne für schön gelten. Ebenso wie die moderne Einschnüruna der weiblichen Taille in den Sitten oieser Papua-Neger ihr Gegenstück hat, so auch jene andere moderne Unsitte, bei Bällen und sonstigen Festlichleiten den weiblichen Körper weniger verhüllt zu zeigen, als es sonst für schicklich gilt. Geringer als bei manchen Naturvölkern sind die Mode-Thorheiten wohl schon bei den alten Egypiern und Babyloniern und noch geringer bei Griechen und Römern gewesen. Immerhin beruht auch die angebliche Einfachheit der altklassischen Gewandung theilweise auf Einbildung. Wird doch neuerdings behauptet,daß die römische Toga, über deren Einzelheiten wir merkwürdigerweise weniger als über die altrömische Frauenkleidung Bescheid wissen, eines der verwickeltsien Kleidungsstücke gewesen sei, die es jemals gegeben hat. Bekannt ist, daß togatragende Römer, denen auf der Straße der Faltenwurf in Unordnung gerathen war, eilig nach Hause zurückkehrten, um sich in langwieriger Arbeit von den Sklaven neu herrichten zu lassen. Trotz Korsett und Schleppe gebührt unserer Zeit, wenn auch leider nicht der Preis einer schönen, so doch sicherlich der einer Ungewöhnlich zwanglosen Kleidung. Verhangnißvoller Fall In Hartford, Conn., fiel jüngst Albert Larkum, ein Lineman, aus einer Höhe von 35 Fuß von einem Telephonpfosten und verletzte dabei nicht nur sich selbst, sondern noch drei andere Personen, die eine tödtlich. Lärkum wurde Innerlich verletzt, und feine beiden Beine waren gelähmt. Beim Pfosten standen im Augenblick seines Sturzes Frau Brewster und ihre 11jährige Tochter, sowie Frau Edwards. Der gegen 250 Pfund schwere Larkum stürzte mit seinem Hauptgewicht auf das Mädchen, dessen rechtes Bein gebrochen und das sonst schrecklich zerquetscht wurde. Auch die beiden Frauen erlitten bedeutende Quetschungen.

Unerhörtes Vorkommniß. Im Berliner Stadttheil Moaüit wohnte seit ungefähr einem Jahre der 37 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Schmidt mit seiner 35jährigen Frau und vier Kindern im Alter von zwei bis zwölf Jahren. Vor etlichen Wochen wurde dem Ehepaar noch, ein Mädchen geboren. Obwohl Schmidt stets Arbeit hatte, so blieb er doch für vier Monate die Miethe schuldig. ZTer Hauswirth hatte daher auf Räumung geklagt, die der Gerichtsvollzieher wegen des Zustandes der Frau auf 17 Tage verschob. Kurz vor Ablauf dieser Frist erkrankte das jüngste Kind und starb einen Tag nachher. Mährend nun der Hauswirth auf einem , Neubau beschäftigt war, holte Schmidt, der den Tod des Kindes angezeigt hatte, einen Wagen und rückte mit der ganzen Einrichtung. Als der Wirth nach Hause kam und die Polizei holte, war es schon zu spät. Bei der Vesichtigung der Wohnung entdeckte er aber, daß die Leute die kleine Leiche in dem Kinderbett hatten liegen lassen, ohne sich um ihr Schicksal weiter zu kümmern. Die Revierpolizei ließ dann die Leiche nach dem Schauhause bringen. Szene auf dem Bahng e l e i f e. Eine aufregende Szene spielte sich letzthin im Bahnhofe des österreichischen Städtchens Stadlau ab. Während der Ausfahrt des BrunnPrager Schnellzuges sprang in angeheitertem Zustand ein 21 Jahre alter Verschiebe! bei der' Bahnübersetzung vor der Lokomotive hin und her, so daß der Schnellzug zweimal angehalten werden mußte. Der Mann wollte durchaus nicht aus dem Geleise und bedrohte jeden, der sich ihm näherte, mit gezücktem Messer. Hierbei schrie er fortwährend: Heute bin ich der Herr, Habtacht müßt Ihr 'vor mir stehen." Den Schrankenwächter, der ihn durch Zureden zum Verlassen des Geleises bewegen wollte, packte er an der rechten Hand und drehte ihm den Daumen aus. Mittlerweile hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, gegen die der Exzedent große Steine warf. Es verging über eine Stunde, bis es endlich gelang, den Verschiebe! zu überwältigen und vom Bahnkörper zu entfernen, worauf er der Behörde übergeben wurde. Ein Opfer der Armenlasse. Die 63 Jahre alte Frau Julie Herzberg in Berlin, die Wittwe eines Feuerwehrmannes, verlor vor- vier Jahren ihren Mann durch den. Tod, bezog seitdem monatlich 25 Mark Armenunterstützung und wohnte bei einer Wittwe. Eine ihrer Bekannien theilte nun , der Armenkommission mit, daß Frau Herzberg Vermögen besitze und der Unterstützung gar nicht bedarf. Daraufhin wurde ihr das Armengeld entzogen. Frau Herzberg betheuert--daß die 'Anzeige nicht der Wahryclr entspreche, daß sie vielmehr nichts besitze, und bemühte sich, die Unterstützung wiederzubekommen. Bevcr jedoch auf ihre Eingaben eine Entscheidung getroffen wurde, machte sie ihrem Leben ein Ende. Die Wirthin fand sie als Leiche am Bettpfosten hängen. Die Aermste war zwei Monate mit der Miethe im Rückstände.

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