Indiana Tribüne, Volume 26, Number 272, Indianapolis, Marion County, 9 July 1903 — Page 5
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z I . , S .i 5 r i-i't 8$$3SS$ fj du blauer Frühlingshimmel, o du tf 1 blühende Erde und o du Seligteit der ersten. schüchternenLiebe! Auf dem schmalen Wiesenpfade schritten sie dahin, verbunden durch ein starfe, geiuemsameZ Band. Kein Blüthenzrcig, den sie mit zärtlich tändelnden Fingen zwischen sich hielten, nein, ein fqrrere: Sack war's, den sie selband:r trugen, ein Sack mit Viehsalz gefällt. Tcch das triviale Bindeglied that der Poesie der Stunde keinen Ablrruy, denn während ihre kleinen, derben säusle fest den Sack hielten, schauten Trudcs blaue Augen verzückt zürn Himmel empor, und ihre Lippen hauchtcn wonnerergehend: Q Gott, ist das fJ-'A" u;... Auch ihr Gefährte bog den langen Hals zurück, blinzelte durch den Kneifer in die Sonne und seufzte: 2öun dervoll! Wollen wir uns nicht ein biscken ausruhen, Trude?" Aue ruhen? Bist Du denn schon rnüde?" Keine Spur! Aber weil's doch so schön ist!" Ter Sack fiel zu Boden, und am Wiesenrain, wo Himmelsschlüssel und Krokus blühten, setzten sie sich nieder, Oberförsters Trude und Pastors Fritz. Zu den Ferien war er heimgekommen, eine karmesinrothe Mütze hatte er schief auf's Chr gerückt, und an dreitem Band? trug er einen Kneifer. Turch den hatte er sie schon gestern Abend verzückt angesehen und gesagt: Michaeli komme ich nach Prima, dann noch zwei Jahre, dann geh' ich zur Universität. und dann, Trude dann " Tann dann der Vollmond stand über dem Garten und im Busch sang die Naütiaall, als sie über dieses dann" na-achte. Es war kein klar abgegrenzte- Bild, das sich ihr daraus formte, nur wie eine weite, weite, sonnize Flur mit lauter blühenden Rosen, wi: ein blauer, schimmernder See, auf dem in lautlos gleitendem Kahne Hand in Hand zwei Selige sich treiben ließen. Sie dachte sich nickts Bestimmtes, hatte keinen bewußten Wunsch, aber von ihrem Munde zitterte es in die Nacht hinaus: Ach Fritz!" Als sie ani nächsten Morgen sich begegneten und sich die Hände reichten, da waren sie beide erröthet und wußten sich nichts zu sagen. Aber als sie etwas später im Garten die Gemüsebeete ja tete. da war er gekommen und hatte ge fragt, ob er ihr helfen dürfe. Geholfen hatte er zwar nicht viel, denn der Kneifer fiel ihm beständig von der Nase, und statt des Unkrauts zog er Petersilie und Mohrrüben heraus. Aber einzig schön war's doch gewesen! Dann hatte er sie geschaukelt und sie ihn. Doch das hatte er nicht gemocht, denn er war schwindlig geworden, wie sie ihn gar so hoch durch die Luft
schleuderte. Einen Augenblick hatte sie da die Lippen aufgeworfen. Ein Mann, der schwindlig wurde! Geringschätzend hatte sie von unten herauf seine dünngliederige, lange Gestalt gemessen, aber als sie bis zur Nase kam, worauf der Kneifer saß, bis zu der schiefgerückten, karmesinrothen Mütze, da breitete sich vor ihrer Seele wieder die rosenblühende Flur aus, der schimmernde See mit dem Nachen der beiden Seeligen. , In Oberförsters Laube saßen sie dann am Nachmittage, sie häkelte, und er übersetzte ihr Stellen aus dem Virgil, Stellen, in denen viel von Liebe die Nede war. Da war die Mama Oberförsterin gekommen und hatte gemeint: Trude, & ist kein Korn Viehsalz mehr da, und die Leute haben auf dem Felde zu thun. Da kannst Du 'mal 'rüber nach Kranitz gehen, einen halben Centner bestellen und gleich ein paar Pfund davon mitbringen." Wie über einer Missethat ertappt, war Trude aufgesprungen. Ja, Mama, gleich." Mit kaum minderer Eile hatte Pastors Fritz sich erhoben, und die Mütze in den Händen hin und her drehend, wagte er es gesenkten Blickes zu sprechcn: Ich will gern Trude tragen helfen, wenn es Ihnen recht ist, Frau Oberförsterin." Ein paar Sekunden sah die stattliche Frau die Beiden prüfend an und sagte dann mit einem kuriosen Lächeln: Meinetwegen könnt Ihr zusammengehen und den halben Centner gleich mitbringen." Nach Kranitz eine gute Wegstunde war's bis zu dem Nachbarstädtchen, und über Wiesen und zwischen grünwogenden Getreidefeldern hindurch führte der Fußpfad. Vor einem Erlenbusch hatte Pastors Fritz auch auf dem HinwegeHalt gemacht und gesagt: Wollen wir uns nicht erst ein bischen lagern, Trude?" Meinetwegen," hatte sie zugestimmt, sich auf den Nasen niedergeworfen und die Arme unter dem Kopf verschränkt. Er streckte sich an ihrer Seite aus, und eine Weile starrten sie so schwcigend durch das Erlengezweig zum Himmel auf. Trude!" flüsterte dann Fritz ganz leise. Was denn?" fragte sie ebenso gedämpften Tones zurück. Ach Trude!" ein Seufzer, während er sich auf den Ellenbogen etwas näher zu ihr hinschob. Dann ein scheues 2a
?::n nach d:: disen blonden L'ps, ihr über die Schulter hing. Was für schönes Haar Tu hast, Trude." Ach. die Zotteln!" war ihre derächtlichc Entgegnung. Aber sie ließ es doch geschehen, daß seine Finger die blaue Schleife festhielten, die den Zopf zusammenband. Daraus rcucer ein Scbweizen. und tarm fragte sie: Tu. Fritz, wenn Tu ein Gelehrt:- werden willst, mußt Tu doch den aanzen Tag in der Stube sitzen und studiren. Möchtest Du da licht lieber manchmal etwas sein, woöei Du Dich draußen tüchtig austummein kannst, ein Forstmann zum Beispiel, oder ein Landwirth?" Aber stolz schüttelte der künftige Gelehrte den Kopf. Die Wissenschaft ist das Höchste!" Ja freilich," bestätigte Trude in Demuth vor diesem Höchsten. Nur, weißt Du, Fritz, ich glaube, ich traute mir's dann nicht mehr, mit Dir zu reden, weil ich doch so ein furchtbares Sckaf bin." jills habe sie ihn persönlich beleidigt, so fuhr Fritz auf. Tu bist kein Schaf. Und wenn ein Mann eine Frau liebt, so hebt er sie auch geistig zu sich empor." Zu sich empor. In den Himmel hinauf schauten Truoes Blauaugen, und ihr war's, als gewahre sie da droben einen Thron von laurerem Golde, auf dem sie selber saß. emporgehoben oon einem einem, der sie liebte. Sie drückte die 5)ände vor das Gesich:, als könne sie so viel Glanz nicht ertragen, und kehrte sich mit einer kuzelnden Bewegung von Pastors Fritz ab. Da fragte es ganz dicht an ihrem Ohr: Trude, bist Du mir denn auch ein bischen aut?" Na. sonst säß' ich doch nicht hier mit Dir zusammen!" lautete die überzeuacnde Antwort. Aber sieh 'mal, Trude," fuhr Fritz fort, wenn Du mir also gut bist, dann mußt Du mir auch treu bleiben, wenn ich wieder fort bin." Natürlich bleib' ich Dir treu. Aber wann kommst Du denn wieder?" Zum Herbst. Und dann bin ich schon Primaner." Ach ja. Primaner und dann bald Student und dann, dann" Wieder eine Pause, in der schüchtern, zaghaft ihre Hände sich fanden, schüchtern zaghaft sich drückten. Plötzlich aber war Trude aufgesprungen. Nun müssen wir aber weiter!" Und bei den Händen sich haltend, gingen sie weiter, keine andere Rede wechselnd als zuweilen ein leises Trude !-Fritz!"Jn Kranitz beim Kaufmann hatten sie dann ihren halben Centner Viehsalz in Empfang genommen. Laß nur. ich trag's allein," sagte Fritz galant. Aber kläglich versagte seine Kraft, als er mit renommistischer Leichtigkeit den Sack hatte aufheben
wollen. Trude hatte bereits zugepackt. I was, zusammen tragen wir's! So viel Kraft wie Du hab' ich schon lange." Er ließ es geschehen, daß sie anfaßte, und als sie nach einer kleinen Wegstrecke, den Sack fidel bin und her schlenkernd fragte: Ist das nicht furchtbar fein, was?" da stimmte er eifrig bei: Furchtbar fein!"
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Nun also saßen sie. den Salzsack vor sich, am Wiesenrain. Da schien es Trude. als taste Fritz heimlich an seinem Arm herum, so daß sie fragte: Thut Dir der Arm weh? , Hast Du so schwache Muskeln? Da sieh 'mal meine!" Tie Faust einziehend, reckte sie ihm den Arm entgegen, der besseren Eindnnglichkeit halber mit der anderen Faust gegen den prall sich aufwölbenden Muskel hämmernd. Fritz zuckte die Schultern. Ach was. wenn ich erst wollte! Aber wozu? Ich will Gelehrier werden, nicht HolzHacker." Jählings sank Trudes Arm herunter, ihr Gesicht ward dunkelroth. Holzhackerarme! Das traf, traf mitten hinein in die Seele, wo sie schon des Oeftcren ein Lei) getragen, daß sie so rothbäckig und kugelrund und keine schlanke, schwanke, blasse Lilie war. Sie blickte von unten herauf Fritz an. Er saß steif da, in stolzer Würde. Hatte sie ihn verletzt? Im Wunsche, ihn wieder zu versöhnen. griff sie in die. Kleidertasche und zog ein großes, dick mit Wurst belegtes Butterbrcd hervor. Du. Fri, hast Du vielleicht Hunger?" Der Stolz auf Fritzens Antlitz wich milder Freundlichkeit. Hunger gerade nicht, aber meinetwegen gib's her." Und ihr das Brod aus der Hand nehmend, grub er voll Eifer und Energie seine Zähne hinein. Mit immer qrößer werdenden Augen
schaute Trude ihm zu. und als der letzte Bissen verschwunden war. sagte sie vorwurfsvoll: Na. weißt Du. ein kleines Stück hättest Du mir schon übrig lassen
können.
Ueber Fritzens Gesicht lief ein Zucken. Warum hast Du's dann nicht selber aeaesscn? dachte, ich thäte Dir
einen Gefallen damit." sagte er beinahe
arob.
Aber Trude lachte gutmüthig. Man
merkte Dir's an. daß Du mir den Ge fallen recht aern thatest."
Frin war aufgesprungen. Du
weißt Du" aber sein Ton schwenkte plötzlich um. wie er Trudes staunendem
Llick beaeanete. Kleinlaut, beschämt
legte er: lüttifci 2)u, :cy glauoe, wir gehen jetzt wieder weiter." Sie nahmen den Sack wieder auf und gingen eine Weile scheinbar einträchtig vorwärts. Nur waren Fritzens Mundwinkel etwas herabgezogen. Trude schielte ihn vorsichtig an, bis sie fragte: Tu, Fritz, bist Du etwa übelnehmerisch?" Ihre Frage schien in's Schwarze getroffen zu haben, denn er wurde sehr roth. Ucbelnehmerische Menschen sind mir nämlich ein Greuel," fuhr sie fort. Und Rhinozerosse haben ein dickes Fell." war seine prompte Entgegnuna. Du" fragte Trude, blieb stehen und sah ihn starr an, war das auf mich gemünzt?" Er zuckte die Schultern. Wer sich getroffen fühlt " Ein paar Sekunden starrte sie ihn völlig sprachlos an, dann stieß sie hervor: Du Du bist ja ein ganz unverschämter Bengcl!" Im gleichen Augenblick plumpste, von beiden Händen losgelassen, der Salzsack zwischez ihnen schwer zu Boden. Und über diese Barriere hinweg funkelten ihre Auaen sich feindselig an. Was?" schrie Pastors Fritz. Ich dächte. Deine Ohren wären lang genug," höhnte Oberförsters Trude. Na, Dein Glück, daß Du eine Göre bist!" knirschte mit fürchterlichem Augcnrollen Fritz. Im Nu hatte Trude die Aermel aufgekrempelt und hielt ihm die beiden derben Fäuste hin. Meinst Du's so? Ich nehm's im Boxen schon noch auf mit Dir. Aber Du traust Dich ja gar nicht. Du Hampelmann." Ein schnödes Lachen klang auf. Zum Anschmachten war Dir der Hampelmann doch aerade aut genug.
Du verliebter, dicker Pumpenschwengel
.ruoe itien einen erincnen zu:y-
schrei aus. Das wirst Du zurückneh-
men, augenblicklich wirst Du das zu-
rücknehmen!"
Fritz drückte den Kneifer, der ihm
von der Nase gefallen war, umständlich
wieder zureazt, fizirte mit kaltem Hohnlächeln die an allen Gliedern Bebende, zog die karmesinrothe Mütze mit weiter Armschwenkung vom Kopf, machte eine
tiefe, tiefe Verbeugung und sprach:
Mein hochverehrtes, gnadigstes Fraulein! Ich babe die Ehre, mich Ihnen
allerunterthänigst zu empfehlen." .
Damit schritt er wurdevoll davon. . Wie entgeistert starrte Trude ihm nach. Sie dachte nicht daran, ihm zu folgen, ihm die Fäuste, die sie geballt hielt, in's Gesicht zu schlagen, bis sie mit seinem Blut die Schmach hinweggewaschen, die er ihr angethan. Noch dachte sie nicht daran, sich zu rächen, noch empfand sie nichts anderes als ihre Schmach, ihre Schande.' Und unter der zerschmetternden Wucht dieser Schande sank sie zu Boden, warf sich über den Sack und feuchtete seinen salzigen Inhalt mit der hervorstürzenden Fluth ihrer Thränen. Dann saß sie mit einem plötzlichen Ruck wieder aufrecht da. Der Sack mit dem hatte er sie ja nun sitzen lassen! Das war der Gipfel der , Gemeinheit. Sie konnte doch den halben Centner nicht allein nach Hause schleppen. i Aber er sollte den erhofften Triumph nicht haben. Aufspringend, die Kraft von wilder Empörung gestählt, packte sie den Sack und schleppte ihn eine Weile dahin. Doch ob auch die Empörung anwuchs, die Kraft versagte, der Sack plumpste wieder zu Boden, und neben ihm am Feldrand saß Trude. Sie weinte jetzt nicht, aber in ihr fieberte der Haß. Und so einen, s o einen hatte sie zu lieben gewähnt! Lieben bah! Gelangweilt hatte sie sich, und da war er ihr gerade gut genug geWesen. Gerade gut genug ja, das war's ja eben, waö ihm Ursache gegeben, sie so zu behandeln. Er war ein Elender, aber sie sie! Todtschämen mußte sie sich hinfort vor sich selber. Und als ertrüge sie es nicht, dem hellen Tag in's Angesicht zu sehen, so drückte sie das ihre von Neuem gegen den Sack, und von Neuem träufelte Salziges auf Salziges hernieder. Schritte näheren sich rasch. Ob er zurückkam, ihre Verzeihung zu erbetteln? Und wenn er stürbe zu ihren Füßen: ihm verzeihen niemals! Er war es aber nicht. Hochgewachsen, breitschulterig, der braune Vollbart bis zur halben Brust Herabreichend, kam, schon von Weitem den Hut schwenkend, eine Männergestalt daher. Aber. Fräulein Trude. was machen Sie denn hier?" Vom Gutshofe drüben der Verwalter war's. Sie ließ ihn ruhig herankommen. Mochte er denken, was er wollte! Er war keiner von denen, nach dessen Meinung sie bisher nur im Geringsten gefragt hatte. Ein alter Hagestolz, der bisweilen zu Papa kam. Einunddreißig oder gar schon zweiunddreißig Jahre alt der reine Großvater. Was haben Sie denn da. Fräulein Trude?" fragte Rudolf Lübke. auf den Sack deutend. Viehsalz." gab Trude zurück. Pastors Fritz sollte mir tragen helfen."
Und ist aus gekniffen?" ergänzte versiändnißinnig der Verwalter. So
ein infamer Bengel!" Und dann setzte
cr lachend hinzu: Freilich, der dürre Jammerlappen hat ja nicht mehr Kraft
in den Knochen w:e ein Zwirnsfaden.
Wie linder Balsam sielen die Worte auf Trudes wundes Gemüth. Eine Pforte in ihrem Innern that sich aus. die bisber für Rudolf Lübke hl vei-
iqloncn gewesen war. Voll warmen Vertrauens blickte sie zu ihm auf und sagte: Ja, und wissen Sie, wie er mich genannt hat? Dicker Pumpenschwengcl!" m Ten Ausdruck verliebter" brachte sie denn doch nicht über die Lippen. Pumpenschw " Rudolf . Lübke Wiegte den Kopf hin und her. Na, das kann ich so gar fürchterlich nicht finden.' Schwengelchen das klingt eigentlich ganz nett. Es klingt beinahe wie Engelchen!" Wie er das sagte und wie er sie dabei ansah lächelnd, aber, doch nicht, als ob er sie auslache. Sie hatte sich plötzlich zu ihrem Scick niedergebeugt und zerrte ihn empor. Mama wird schön auf mich warten." Na, dann geben Sie also mal Ihren Sack her, Fräulein Trude." Und als ob's ein Federbündelchen Ware, so hatte er den halben Centner emporgeschwenkt, über die Schulter gewarfen und schritt nun neben ibr ber. Kraft ja, das war ras!, eine Kraft, die sie ordentlich mit Ehrfurcht erfüllte. So mußte ein Mann sein, kein zwirnsfädiger Gelehrtensimpel. Und so sehr alt sah der Verwalter eigentlich noch gar nicht aus, und wenn er so sprach und lachte, da konnte man ihn beinah für jung halten. Freilich sein Bart Trude hatte solchen langen Bart immer gräßlich gefunden slcr wenn man sich daran gewöhnte Ach, dort kommt unsere Rieke." rief sie plötzlich, auf die querfeldein kommende Magd deutend. Nun brauchen Sie sich nicht mehr mit dem Sack abzuschleppen." Und dahinten scheint der Jochen mit meinem Gaul zu kommen," sagte er, auf einen in scharfem Trabe sich nähernden Reiter deutend. Rieke hatte den Sack in Empfang genommen und schritt stetig weiter, der Oberförsterei zu. Trude reichte dem Verwalter zum Dank für seine Mühe die Hand. Er hielt sie fest. Leben Sie wohl und auf Wiedersehen, Fräulein Trudchen!" Es blinkerte in seinen Augen, und aus dem Tonfall, wie er das letzte Wort sagte, klang es ihr heraus: Schwengelchen!" Sie riß ihre Hand aus der seinen. Ach Sie!" und sprang in flinken Sätzen davon. Mitten im Lauf aber blieb sie stehen. Es war ihr plötzlich eingefallen, daß doch ihr Rock schrecklich ausgewachsen
sei und daß sie in einem Monat sechzehn Jahre' alt werde. Ganz scheu wandte sie 'den Kopf zurück und sah gerade, wie Rudolf Lübke sich auf sein Pferd schwang. Und nun schwenkte er den Hut gegen sie zurück, winkte mit der Hand und sprengte davon. ' Ein Weilchen sah Trude ihm gedankenverloren nach, dann kehrte sie sich ab und ging langsam, mit. kleinen, sittsa-
men Schritten heim.
Wsenbukn 5 Fuhrplzm. Cleveland, Cincinnati, Chicago & 5t. Couis Railway.
Am nächsten Tag war's Sonntag. In ihrem Stübchen vor dem Spiegel stand Trude und kämmte und flocht den dicken blonden Zopf. Das heißt, sie flocht heute ihrer zweie, denn es war ihr so gekommen, daß es für eine, die in'' einem Monat sechzehn Jahre alt wurde, doch am Ende an der Zeit sei, sich das Haar hinfort, fein säuberlich aufzustecken wie andere erwachsene Leute. Und während sie so probirte, ob wohl eine um denKopf gelegte Flechtenkröne oder ein abstehendes Nest kleidsanier sein möge, gewahrte sie, wie unten Pastors Fritz um das Haus strich und zu den Fenstern emporschielte. Die erhobenen Arme sanken ihr jäh herab, ein paar Sekunden hielt sie wieder die Fäuste geballt, und der Haß, der blutbürstende Haß flammte in ihr empor. Doch es war Flackerfeuer, das alsogleich verkühlte. Ein Lächeln kräuselte ihre Lippen, und sie murmelte: Spindeldürrer Jammerlappen!" Verachtung, die zugleich Vergessen in sich trug, hatte den Haß abgelöst. Und plötzlich schmetterte sie hell hinaus: Xtnn wemiich einmal einen heirathen thu'. Muß eö sein ein Reiter zu Roß, Noch mal so lang und breit wie du. Sein Bart drei Ellen großJäh brach sie ab, und mit einer Art scheuer Hast zog sie das schwarze Konfirmationskleid an. In dem lehnte sie dann am Fenster und schaute hinaus in den Garten. Da flötete nicht sentimental die Nachtigall, da täuschte kein blasses Mondlicht romantischen Flimmer vor; goldklar leuchtete die Sonne über der jungen Frühlingserde, und etwas von der werdenden Naturkraft fühlte Trude warm und blüthentreibend in ihr sich regen.
wie sie die Arme reckte, als wolle sie die
Sonne, den Frühling sich hereinziehen in's Stübchen, in's Herz hinein. Ccltsame Buchführung. TieGräfin Lamödorff, welche vor etwa 50 Jahren in der St. Petersburger Gesellschaft die erste Rolle als Ballkönigin spielte, hat sich die Mühe gegeben, über ihre Ballverhältnisse Buch zu führen. Wir lesen da: Bällen wohnte
ich bei bis zu meiner Verheirathung
225. Getanzt habe ich 1720 Kontertäne und 1105 Walzer und Polkas
mit zusammen 765 Herren. Unter den
765 Tänzern waren 639 dumm, 73 lanaweilia. 11 arob und 37 liebens-
würdig. Liebeserklärungen haben mir
nur 18 gemacht. Gute Ausbildung. Sagen Sie, Ihr Sohn ist doch bei mffi. Jtr sin die estern ihren Kon-
JJMLH. -W, O- I ' . kurs angesagt haben, m der Lehre? crrtr.rM trft hab meinem Jungen
O I - schon gesagt, er soll jetzt aufpasse, daß
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