Indiana Tribüne, Volume 26, Number 272, Indianapolis, Marion County, 9 July 1903 — Page 1
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Der Papst licrbrachtc eine ruhige Nacht. Ein Sterbefall im Vatikan.
Rom. 9. Juli. Einem heute Vormittag 10.10 ausgegebenen Bulletin zufolge verbrachte der Papst eine ruhige Nacht. Das Allgemeinbefinden war gut. Derselbe empfing heute Vormittag den papstlichen Staats-Secretär Gar dinal Rampolla. Der Papst sagte ihm, daß er mit großer Freude bemerkt hätte, wie sehr das Heilige Kollegium sich für ihn interessire, auch hätten die Manifestationen der Bevölkerung von Aom seinem Herzen gut gethan. Hierauf fragte er den Cardinal, ob irgend welche wichtige Geschäfte zu erledigen wären, worauf der Vrälat ihm ein kurzes Summarium über die wich tigsten schwebenden Fragen gab. Der Papst legte großes Interesse dasür an den Tag. Als Dr. Lapponi heute Nachmittag um 1 Uhr den Papst verließ, sagte er : Ich kann jetzt noch nicht sagen, daß ich hoffe, aber ich verzweifle nicht län ... u ger. f M o n s i g n o r e VolponZ t R o m. 9. Juli. Monsignore Volponi, Secretär der Consistorialen Con gregatton, welcher gestern einen Schlagansall erlitt, ist heute Vormittag dem selben erlegen. Die Nachricht von dem Tode des Prälaten, welcher einer der intimsten Freunde des Papstes war, kann dem selben nicht vorenthalten werden, da das Amt, welches der Verblichene innc hatte, unverzüglich im Hinblick auf dir Möglichkeit eines päpstlichen Jnteregnums neu besetzt werden muß. Von dem Augenblick an, in welchem der Papst seine Augen für immer schließt, hört der päpstliche StaatsSecretär mit der Ausübung seiner Functionen auf und dieselben gehen dann in die Hänse des Secretärs der Conststorialen Congregation über, welcher während des Conclaves als Stäats-Secretär fungirt. Es ist seine Pflicht, wenn ein neuer Papst erwählt worden ist, vorzutreten 'und knieend dem neuenPapst das weiße Käppchen. das Emblem der päpstlichen Würde zu überreichen. Der Papst nimmt dann das rothe Cardinalsküpp' chen ab und übergiebt es, während er vor dem Secretär niederkniet, densel ten, als Zeichen, daß er ihn bald zum Cardinal erheben werde. Z w e i F a c t i o n e n i n K i r ch e n k r e i s e n. Rom. 9. Juli. In den hohen Kirchenkreisen eristiren zwei Factionen, von welchen die eine alles ausbietet, um den Papst so lange als möglich am Leben zu erhalten, während die andere sich der Ansicht hinneigt,daß ein Wechsel toi Allem ihrem eigenen Interesse zu Stattenkommen würde. Diese Partei besteht aus denjenigen, welche bisher mehr im Hintergrunde standen, und deren Hoffnung aus Beförderung in einem Wechsel der Administration liegt. Die andere Partei besteht aus den Freunden von den Prälaten, welche zur Zeit die höchsten Aemter und Wür - den bekleiden. Ein neuer Papst pflegt in der Regel alle höheren Aemter neu zu besetzen. BekannterBrauer gestorben. L o u i s v i l l e, Ky., 9. Juli. Frank E. Walter, einer der Inhaber der Elaystraße Brauerei und einer der bekanntesten Teutsch'Amerikaner florns ville's, ist gestern im Alter von 40 Jahren aus dem Leben geschieden. ! i Wollte Leiden und Leben enden. Aus Verzweiflung über ein längeres Leiden versuchte in der Dienstag Nacht ser 23'jährige Fred. Ulrey von No. 404 Massachusetts Ave. sich mittelst Morphium aus der Welt zu schaffen. Doch wurde er von Dr. Mackey vom Dispensarium nach mehrstündiger, schwerer Arbeit dem Leben erhalten.
elbstmord?
Tr. Wm. I. Byrne todt im Bett gefunden. Dr. Wm. I. Byrne von Peaksmill, Ky., wurde heute Vormittag in einem Zimmer im Hause des W. A. Hall, No. 426 Downey Str., welches er gestern Abend bezogen hatte, todt aufgefunden. Die Umstände deuten darauf hin, daß er seinem Leben ein freiwilliges Ende bereitete. Der Verstorbene kam vor einigen Monaten von Peaksmill nach hier. Er war 45 Jahre alt und verheirathet. Seine Frau und zwei Kinder weilen zur Zeit bei Verwandten in Switzer, Franklin Eounty, Ky. Er war stark dem Trunke ergeben. Feuer. Inder Küche von Henry Smith's Restaurant an der Nord Illinois Str. gerieth heute Vormittag das Holzwerk in Folge eines außer Ordnung ge rathenen electrischen Fächers in Brand. Das Feuer wurde prompt gelöscht. Schaden unbedeutend. Der Sampton West-Prozek. Noblesville, 9. Juli. Mit der Auswahl der Geschworenen in dem Falle des wohlhabenden Farmers Hampton West, welcher des Leichen raubs angeklagt ist, wurde heute Vor mittag im Kreisgericht begonnen. Der Angeklagte wird durch den Anwalt Newton Harding von Indianapolis vertheidigt. Die Hauptzeugen des Staates sind die Grabschänder Rufus Cantrell, Martin und Hubbard. i Jgnatius Vrown. i Im Alter von 72 Jahren ist am Mittwoch Jgnatius Brown, einer der Pioniere der Stadt, aus dem Leben geschieden. Er war Secretär der Staats-Behörde für Landwirthschaft in den Jahren 1856 und '57 und organi sirte mit Dr. Richard I. Gatling. dem Erfinder der nach ihm benannten Kanone, die Handelskammer. Im Jahre 1873 arbeitete er auf Ersuchen eines Comites des Stadtraths ein mit Plänen versehenes Pamphlet üo:r die Stadt Indianapolis aus. welches als eine Reclame für Jndiana polis weit verbreitet wurde. Im Jahre 1856 schrieb er die erste Geschichte der Stadt. Seit 1863 beschäftigte er sich hauptsächlich mit dem Ausarbeiten von Abstracten, auf welchem Gebiete er eine Authorität ersten Ranges war. Local-PolitischeS. Herr John W. Losh. der bekannte Grundeigenthums - Agent von 612 Hudson Str., ist als Candidat für Stadt-Clerk auf dem demokratischen Ticket aufgetreten. Staats Arbeits-Commis sär McCormack hat sich heute nach Syracuse, Kosciusko Co. begeben, um einen Strike zu schlichten, welcher in den SanduskySyracuse Werken aus gebrochen ist. JudianaAddocaten-Bereinigung. In der gestrigen Sitzung der Advocaten'Vereinigung hielt Allen Zollars von Fort Wayne einen Vortrag über .Internationales Schiedsgericht" und John L. Rupe von Richmond sprach über Der Wahrspruch der Jury". Am Abend fand im Clay Pool. Hotel ein Banquet statt. In der Schlußsitzung wurden fol gende Beamte erwählt: Präsident, Wm. P. Breen von Fort Wayne; Vice-Präsident, Oscar H. Montgomery von Seymour ; Secre tär, Merril Moores von Indianapolis; Schatzmeister, Frank E. Gavin ; Exe cutivComi!e, Ephraim Marsh, Greensield ; John L. Rupe, Richmond; Addison C. Harris und John W. Kern von Indianapolis.
Aus den Gerichtshöfen.
Crimin algericht. Auf Antrag des Staatsanwalts schlug Richter Alford die zwei Anklagen gegen Daniel Jackson, welcher des Verkaufens von gepanschter Milch beschul digt war, nieder. Der Staatsanwalt hatte den Antrag gestellt, weil das Be Weismaterial zu fadenscheinig war. NureineKlage. Nur eine Klage wurde gestern in der Office des County-Clerks eingereicht und diese war eine Scheidungsklage, welche Lottie McCoy gegen ihren Gatten Wm. McCoy erhoben hatte. Das Paar lebt schon seit fünf Jahren nicht mehr zusammen. Wie sie sagt, hat er nie für sie gesorgt und sie hat sogar noch während ihres ehelichen Zusammenlebens für seinen Unterhalt Sorge getragen. Die Duhme's sollen abrechnen. Vor Bundesrichier Anderson werden heute Charles H. und Ophelia Fowler Duhme zu erscheinen haben, um demselben auseinanderzusetzen, welche Ge-schäfts-Transactionen zwischen ihnen und dem jungen irrsinnigen Moses Fowler Chase in der Zeit, während welcher er unter ihrer Obhut war, stattgefunden hatten. Eine diesbezügliche Klage hatte Fred. S. Chase, der Vater und Vormund von Moses F. Chase gegen die Duhmes eingereicht. In der Klage heißt es, daß dieselben von Moses Chase 100 Actien der Fowler National Bank und 186 Actien der Continental National Bank und Zin sen tragende Bonds im Gesammtwerthe von $194,925 sowie Noten im Betrage von 823,355.57 vorenthielten. Ferner hatten sie an Miethen, Zinsen etc. S83.000 eingenommen. W. G. Gale's Klage gegen seine P f l e g em u t te r. Vor Richter Leathers wurde über die Klage verhandelt, welche Wm. T. Gale gegen seine Pflegemutter einge reicht ha'. Dieselbe hatte 30 Acker Land an Henry ElliS und Frau, welche ihre Nichte ist, übertragen und zwar unter der Bedingung, daß dieselbe sich ihrer Tante bis an ihr Lebebensende anneh men soll. Gale verlangt, daß die Ue bertragung des Grundeigenthums rück gängig gemacht werde, da er seiner Ansicht nach zu demselben berechtigt ist. Er war, als er noch ein Knabe war. von Frau Williams und deren jetzt verstorbenen Manne an Kindesstatt an genommen worden und hatte für seine Pflegemutter, seit 10 Johrcn, seitdem sie Wittwe war, gesorgt. Bankerott. Byers, Boyd & Co., Kaufleute von Bedford, meldeten im Bundesgerichte ihren Bankerott an. Die Passiva be laufen sich auf S2347.75 und die Ac. tiva auf S2807.84. Die einzelnen Mitglieder der Firma meldeten sich ebenfalls bankerott. Im Polizeigericht wurde der Fall des Edward Bottom, welcher vor einigen Abenden James Butler erschoß, auf d. 16. Juli verschoben. Dan Fields und Richard Parker, welche kürzlich sich an der Jndiana Ave. gegenseitig vermöbelt hatten, wurden jeder zn 90 Tagen Arbeitshaus und Zahlung von $100 nebst Kosten verurtheilt. 11 Farbige, welche in einer Wirth schaft an der Jndiana-Ave. bei einem Crap-Spiel überrumpelt worden waren, hatten je $5 und Kosten zu zahlen. Personal-Notizcn. HerrCarl Risch, Vertreter der Amer. Turnzeitung und Nachfol ger des jüngst verstorbenen Herrn E. Knauer, weilt gegenwärtig in Ge schäften in Indianapolis. Jährliches Picnic des Deutschen Gärtner Un tcrstützungs - Vereins im Germania Park, am Donnerstag,den 16. Juli. Lusik vei Mayers Militar-Kapelle.
Die Lage in Evansville
Gouv. Durbin's Protest gegen sofortige Prozessirung des Mörders Brown. EvanSville. Ind., 8. Juli. Alle Arrangements waren getroffen worden, um den Mörder 2tt Brown von dem Reformatorium in Jeffersonville nach hier zu bringen, damit er, solange die Truppen noch hier sind, prozessirt werden sollte. Richter Rasch hatte, nachdem er eine Consultation mit anderen lokalen Authoritäten und General McKee gehabt und nachdem Superintendent Beyers ihm telegra phirt hatte, daß Brown die Reise unter nehmen könne, befohlen, denselben nach hier zurückzubringen. Sheriff Kratz, in Begleitung von Dr. Wm. Gilbert reiste am Abend nach Jeffersonville rb, um den Befehl des Richters auszuführen. Mittlerweile hatte jedoch Gouverneur Durbin Mittheilungen von diesem Be schluß des Richters erhalten und in der Nacht noch sandte er eine Depesche an den Richter, in welcher er in energischer Weise gegen die sofortige Prozessirung unter dem Schutze der militärischen Mannschaften des Staates protestirt und in welcher er die Sanctionirung dieses Planes verweigert. Der Mör der sei schwer verwundet und er müsse erst soweit hergestellt sein, um einen Prozeß aushalten zu können. Ein derartiges summarisches Gerichtsverfahren müsse den Glauben erwecken. daß in der zweiten Stadt des Staates die Gerichte ihre Geschäfte nicht in gesetzmäßiger Weise erledigen können, wenn nicht zum Schutze derjenigen. deren Pflicht es ist. Gerechtigkeit auszu üben, militärische Mannschaften vor Handen sind."' Nach Empfang dieser Depesche tele graphirte Richter Rasch an den Gou verneur zurück, daß er unverzüglich die Ordre, Brown nach hier zu bringen. widerrufen hätte. Er sandte sodann eine Depesche nach Jeffersonville an Sheriff Kratz, in welcher er denselben instruirte, den Farbigen im Reformatorium zu lassen. Das Gerichtsgebäude und das Gefängniß werden noch von den Truppen bewacht, es ist aber jetzt alles ruhig in der Stadt. Während des Tages wurden fünf Personen wegen Theilnahme an den Krawallen vom Sonntag Abend von den Großgeschworenen in Anklagezu stand versetzt. Es sind dies : I. T. Ziegler, Wm. Trimble, James Steele, der Möbelhändler A. P. Cardwell und Richard Grosbeck, welcher im Frühjahr der Candioat der Socialisten für das Amt des Stadt-Clerks war. Die Polizei sagt, daß wenn auch viele von den Personen, welche am Montag von Milizsoldaten verwundet wurden, anständige Leute waren, welche sich ohne Zweifel lediglich aus Neugierde dem Pöbelhaufen angeschlossen hatten, doch zwei oder drei der Getödteten bekannte .Friedensstörer waren, welche schon öfters mit der Polizei zu thun gehabt hatten. Ein Revolver, welcher welcher an einem der Getödteten gefunden wurde, enthielt drei leere Kammern und die Patronen waren erst kurz zuvor verschossen worden. Eine Eisenwaarenhandlung, aus der am Abend des 5. Juli alle Revolver und Patronen gestohlen wurden, hat am Mittwoch in den hiesigen Zeitungen die Rückgabe der gestohlenen Sachen verlangt und erklärt, daß, wenn die Waffen zurückgebracht würden, keine Fragen gestellt, alle Leute aber gerichtlich versolgt werden würden, bei denen man später etwa der Firma gehörige Revolver finden würde. Die Liste der Opfer von der Schreckensnacht schwoll letzte Nacht auf 10 an, indem John Barnett, ein Jüngling von 13 Jahren, welcher in die Seite geschossen wurde, letzte Nacht gestorben ist. Drei oder vier von den Verwundeten sind noch immer nicht außer Gefahr. Die von den Großgeschworenen angeklagten Personen wurden dem Richter Rasch vorgeführt; sie erklärten sich nicht
schuldig und wurde gegen Bürgschaft von $500 entlassen. Ob dieselben je
prozessirt werden, ist noch sehr die Frage. Das Leichenbegängniß des illugufl Jourdan. welcher in der Montag Nacht erschossen wurde, fand heute Nachmittag statt. Während der Geistliche die Leichenpredigt hielt, brach ein furchtbares Gewitter los, unaufhörlich rollte der Donner' und zuckten die Blitze, wodurch der Ernst der Situation nur noch vertieft wurde. Im Uebrigen herrscht Ruhe in der Stadt und wenn nicht die Milizsoldaten wären, so deutete nichts darauf hin, daß dieselbe sich erst vor wenigen Tagen in den Händen eines rasenden Pöbelhaufens befunden hatte. Die Untersuchung des Coroners. Von dem Coronei Walling und feinem Assistenten Tupman kann man gegenwärtig ohne jegliche Uebertreibung sagen, daß sie im Schweiß ihres Ange sichts amtiren. Sie hatten seit Montag weder Ruhe noch Rast, mußten sich mit wenigen Stunden Schlaf begnügen und hatten es eilig mit ihren Mahlzeiten. Der Beamte ist natürlich bemüht, zu ergründen, wer verantwortlich für die schreckliche Tragödie ist, welche sich am Montag Abend abgespielt und der so viele Menschen zum Opfer fielen. Der Coroner erklärte, daß es ihm hauptsächlich darum zu thun sei, die Aussagen von bekannten und angesehenen Bürgern zu Protokoll zu bringen. Es komme hier nicht so sehr auf die Zahl derZeugen als auf derenCharakter an. Er könne Beweismaterial, oder was man so nenne, genug bekommen, lege aber nur Gewicht auf die Angaben wirklich zuverlässiger Leute. Der Beamte erklärte ferner, er halte eS nicht für angebracht, schon jetzt die Namen der von ihm verhörten Zeugen anzugeben, er wolle vielmehr mit sol cher Veröffentlichung warten, bis das ganze Beweismaterial vorliege. Er nehme jedoch, sagte der Coroner ferner, keinen Anstand, schon jetzt einen kurzen Ueberblick über dcs so weit vorliegende Beweismaterial zu geben, und er neige nicht zur Annahme hin, daß viele blinde Patronen, wenn überhaupt welche, verschossen worden seien. Nach der Beschreibung von mehreren Personen sei ein Hagel von verschiede nen Geschossen über Miliz und Tumultuanten nieder gegangen. Zu den fingerlangen und dicken Geschosse aus den Milizgewehren seien von anderswo her die Schrote gekommen. Einer der Zeugen war der Hand lungsreisende Hunter von Jndianapo lis, der mit einem der Miliz-Soldaten bekannt sei. Er habe sich eine Zeit lang neben seinen Bekannten gesetzt und mit diesem geplaudert, bis die Situation immer schlimmer geworden sei für die Miliz. Dann habe er den jungen Soldaten gefragt, ob, wenn es so weit überhaupt kommen würde. blind geschossen werden solle, worauf der Milizmann erklärt habe, daß scharf geladen worden sei. Daraufhin habe sich der Reiseonkel schleunigst empfohlen, da ihm die Luft in der Nähe vom Courthaus ungesund vorgekommen sei. Mehrere der Zeugen beschrieben, wie die Miliz mehr und mehr von den Tumultuanten zurück und schließlich in die Enge getrieben wurde. Zuletzt seien die Leute zurück in den Gefäng nißhof gedrängt worden, nachdem sie zuvor Stunden lang von der Menge verhöhnt, verspottet und drangsalirt worden seien. In wiefern die dem Führer der hiesigen Compagnie Miliz-Soldaten, dem Hauptmann Blum, gemachten Vorwürfe berechtigt sind, kann erst festgestellt werden, wenn alle Aussagen vorliegen, oder doch mehr, als bis jetzt der Fall ist. Der Hauptmann, so heißt es, soll das Kommando zu lang, und sogar noch zu der Zeit, als die Situation immer kritischer wurde, einem sei ner Lieutnants überlassen haben, und diese Herren sind sehr junge Leute. Man habe den Hauptmann mehrmals aufgefordert, er solle sich draußen zei gen, er sei aber längere Zeit im Courthaus verblieben, wo er sich mit einem
Freunde unterhalten habe. Er soll einem bekannten Bürger, dem Doktor Gilbert erklärt haben, daß er in einer Minute draußen sein würde, als der Doktor ihm Vorstellige wegen der draußen herrschenden, überaus kriti schen Situation machte, worauf der Doktor bemerkt habe, daß es in einer Minute vielleicht zu spät sei. Eine kostspielige Affaire. Der Aufruhr dürfte sich auch als eine sehr kostspielige Affaire erweisen und die County'Commissäre haben bereits von einer Gesammtsumme von S20,000 gesprochen. Den größten Theil der Kosten wird jedenfalls das County zu tragen haben, da der Staat von denselben nicht mehr übernehmen wird, als er muß.
Nachrichten aus Jndiana. Alter Pionier gestorben. Teil City.. Im Alter von 80 Jahren ist Joseph Bauer, einer der äl testen deutschen Pioniere der Stadt am Mittwoch aus dem Leben geschieden. Er hinterläßt seine Wittwe und eine Tochter. In den Händen der Ge schworenen. Co vingt o n. Der Fall der Frau Elmira Drake, welche angeklagt ist, ib ren Männ vergiftet zu haben, wurde am Donnerstag den Geschworenen zur Berathung übergeben. Es hat den Anschein, als ob die Angeklagte freige sprochen werde. . Dr. Kar st e n muß resign i r e n. . B l o o m i n g t o n. Die Trustees der Jndiana Universität haben dem Dr. G. F. Karsten, Professor der Deutschen Philologie, mitgetheilt, daß seine Dienste nicht länger gewünscht werden. Sollte er bis zum 1. August seine Resignation nicht eingereicht ha ben, so wird er entlassen werden. Schon im März wurde er aufgefordert, zu resigniren. Eine Kammerzofe der Brandstiftung beschul-' d i g t. Richmond. Ella Kirkman, ttel ehe bis vor Kurzem im Arnold Hotel als Kammermädel beschäftigt war, ist unter der Anklage, den Versuch gemacht zu haben, das Hotel in Brand zu stecken, verhaftet worden. Der Weißkappe n-P r o z e ß zu Gunsten der Angeklag. ten verlaufen. Bloomington. In dem Falle des Joe Britton, welcher 13 angesehene Bürger von Greene County, die ihn und seine Frau vor etwa -vier Jahren nach Weißkappen Art gezüchtigt hatten, auf S10.000 Schadenersatz verklagt hatte, gaben die Geschworenen am Mittwoch einen Wahrspruch zu Gunsten der Verklagten ab. Vor einem Jahre endigte ein Prozeß, welchen Frau Britton gegen dieselben Leute angestrengt hatte, mit dem nämlichen Resultat. Es wird angenommen, daß beide Prozesse etwa S2000 gekostet haben. Wieder eine Neger - Stecherei. An Illinois und VermontZStraße wurde letzte Nacht gegen 12jUhr der Neger Bartlett Figgs von seinem Rassegenossen Lee Worthington vermessert. Er fand Pflege im Stadt Hospitale, der Messerheld wurde von der Polizei eingesponnen. Der heißeste Tag im heurigen Sommer. Der heißeste Tag in diesem Sommer war der gestrige Mittwoch. Um 7 Uhr Morgens registrirte das Quecksilber im Thermometer der Bundes-Wetterwarte 76 Grad, um Mittag stand es auf 92 Grad und später stieg es sogar auf 93 Grad. Die Schwüle' war eine schier erdrückende. Abends um 7 Uhr hatten wir, gemäß den Angaben des Wetter mannes Blythe, immer noch 83 Grad zu verzeichnen.
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