Indiana Tribüne, Volume 26, Number 267, Indianapolis, Marion County, 2 July 1903 — Page 7
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Eine vom Brett'l.
Roman von Heinrich Lee. (Fortsetzung) (Sie hatte ih2 nach diesen Einzelheit ten nicht gefragt, aber er sagte sie ihr, dann war es still zwischen ihnen. So still war es in dem Zimmer, daß man nur das Gas in der Lampe singen hörte. Adieu Trude!" flüsterte er. Und Trude fing krampfhaft zu schluchzen an leise, damit die Mutter nicht wach davon würde. Er preßte sie an sich, er küßte sie aus den unentweihten Mund, er küßte ihr die Thränen fort und sie sträubte sich nicht mehr gegen ihn. Trude, Trude," flüsterte er ihr in 3 Ohr liebe Trude, wirst Du warten. bis ich wiederkomme?" Eie mclte heftig. i " Trude. es ist ein Ring." er zog das kleine Ding wieder aus der Tasche hervor willst Du ihn jetzt behalten?" Wieder nickte sie krampfhaft, und er drückte ihr das Andenken in die Hand, mit der sie es fest umschloß. Von der Thür des Corridors her kam ein Geräusch. Es war Adah, die zurückkehrte das Zeichen, daß sie auseinander mußten. Heiß und heftig küßten sie sich noch einmal, und keiner von ihnen sprach ein Wort mehr. Dann floh sie durch das Zimmer der Mutter in ihr eigenes, wo sie seit Tillys Entfernung mit Adah schlief und Tols blieb allein zurück, um noch heute Abend Adah von seiner morgigen Abreise zu verständigen. 5 Das alte Jahr war vergangen, das neue gekommen, und es war März geworden. Vom Frühjahr war aber noch nichts zu spüren. Ein naßkalter Regen sprühte durch die Straßen 23 lins. Wer Muße und Geld dazu hatte, machte die seit einigen Jahren aufgekommene Mode mit, um diese Zeit dem nordischen Klima den Rücken zu kehren und an die Rioiera zu reisen. Allerdings auch die Riviera war schon nicht mehr ganz, ganz modern, sie war für die ganz feinen Leute bereits etwas zu gewöhnlich geworden, und wer sich zur ersten Klasse rechnen wollte, der mußte mindestens nach Kairo und nach den neu aufgekommenen Bädern in der Wüste Sahara reisen. Auch Herr Bankdirector Engel war mit Frau und Tochter abgereist, und die schmucke Cottage in der Bendlerstraße mit dem hübschen Vorgarten, in dem die Bäume jetzt allerdings noch mit Stroh und die Blumenbeete mit Cocosdecken verhüllt jwari, lag wieder so still und verlassen wie in der heißen Hochsommerzeit. 1 Als Max an einem Dienstag sich ahnungslos in der Villa wieder zum Jour" einfinden wollte und von dem Portier die plötzliche, infolge der schlechten Witterung schnell beschlossene Abreise der Herrschaft erfuhr, war er auf's Unangenehmste davon berührt. Zu einer Entscheidung zwischen ihm und Cccile war es bisher nicht gekommen. Die Eisbahn der einzige Ort, auf dem er seine Bewerbung um sie weiterführen konnte hatte sich schneller in Wasser aufgelöst, als für seinen Zweck gut war, und nun hatte er seine Hoffnung auf den Frühling und auf den Tennisplatz, auf dem Cecile zu treffen sein würde, geset,:. Sein einziger Trost konnte noch der sein, daß es auch keinem seiner Mitbewerber bisher gelungen war, sie einzufangen. In vier Wochen, so berichtete der Portier, würde dieHerrschaft wieder zurück sein, dann konnte er seme Thätigkeit von Neuem beginnen. Dabei aber kam ihm ein Verdacht: Wenn Cecile aeaen ihre M rw i M . M littii. fei .tOTA. z. n nT I htt. n 1 1 ajiu.iti uuu iiutu jjuiiiiiiuivuvyutinissen. die sie nun kannte, geplaudert hatte? Wenn der Grund ihrer Abreise von Frau Natalie ausging, indem sie Cecile dadurch nur von ihm trennen wollte? Aber nein, so viel brauchte er sich von ihr nicht einzubilden. Frau Natalie hätte, wenn sie diese Absicht gehabt, unzweifelhaft eines weniger umständlichen Mittels sich zu tthjzmn gewußt. Uebrigens nahm, Gott sei Dank, diese Geschichte mit dem Pensionat jcht ein Ende. Er hatte sich neulich wieder einmal bei der Mutter nach ihrem Befinden erkundigt, und bei dieser GeleEinheit sagte man es ihm. Zum ersten April sollte die Pension, weil es mit ihr miserabel ging und weil nur Geld dabei verloren wurde, aufgelöst werden. Und was hatte er ihnen damals im voraus gesagt? Aber natürlich, sie hatten sich ja beschwatzen lassen müssen. Und von wem? Von einem Onkel Malthus. Mochten sie sich von dem lieben Onkel, nachdem sie sich von ihm hatten m's Unglück reiten lassen, auch wieder heraushelfen lassen. Vor dem Hause in der Kurfürstenstraße hielten, vom Regen umsprüht, eine Anzahl Möbel- und anderer zum Transport dienender Wagen. Die Thorflügel des vornehmen, sonst imrar verschlossenen Hauses standen heute weit offen, und in gewissen Zwischenräumen kamen Männer in Hemdsärmeln und mit allerhand Hausgeräthen, Stühlen, Tischen, spiegeln und auseinandergenommencn Bettstellen beladen, heraus, um diese Lasten auf die Wagen zu verstauen und darnach zu einer Herzstärkung nach dem mächtigen Weißbierglas zu
preisen, cas aus zeoem iZagen stand. Einige andere Gestalten. Männer und grauen, die mit den vollgepackten Wagen dann davonfuhren, verriethen jedem Kundigen schon durch ihre bloße Erscheinung, daß in dem Hause eine Auction stattfand. AuctionZhlzänen" wurden diese Leute im Volk-Zmunde ge nannt, denn sie bildeten alle untereinander einen Ring mit der Abmachung, nur bis zu einer gewissen, ganz geringen Höhe auf die Verjteigerungsobjecte zu bieten jeden Fremden aber, der zu ihrem Ringe nicht gehörte, durch bestimmte Manöver vom Mitbten abzuschrecken. Wehe denjenigen, die ohnehin schon von Noth und Armuth verfolgt und dazu getrieben, ihre Habe zu verkaufen, unter sie fielen. Die Hyänen kannten kein Mitleid mit ihnen und raubten ihnen gegen ein hingeworfenes Almosen das Letzte. Es war die Pension Tenhardt, wo die Versteigerung stattfand. Eigentlich war es ein Räthsel, daß das Unternehmen ein solches Ende nehmen mußte. Es gab so viele Pensionate in diesem Stadttheil, die gut und dauernd bestanden. Aber manche Menschen haben sie mögen ansängen, was sie wollen eben Pech. Zuerst war Dolf geschieden, dann Miß Spatterdash nach einer großen Scene bei Tisch, die damit begann, daß die Dame wieder über das ihr vorgesetzte Beefsteak in heftige Klagen auszubrechen Veranlassung hatte und daß Adah bei dieser Gelegenheit einmal der Geduldsfaden riß und Miß Spatterdash eine gesalzene Antwort von ihr bekam. Als Nummer Drei war Jagenberg gefolgt. Von der respektablen Summe, die er damals von der Fürstin für das Porträt Tillys erhalten hatte, war seinen Gläubigern nur ein verschwindend kleines Theilchen zu gute gekommen, das Uebrige davon war bei ihm spurlos versickert wie ein Strahl Wasser im Wüstensande, und man hatte ihn eines Tages direct vor die Thür setzen müssen. Blieb nur noch Kusey. Aber sein Engagement lief ab. und er mußte nach Dresden. Noch immer, auch jetzt in dem großen Unglück, mußte Malthus an den Abschieds - Sect denken, den Kusey am Vorabend seines Scheidens im Kapkeller" hatte auffahren lassen, und an eine gewisse Bemerkung, die er ihm gegenüber geäußert. Kusey hatte näm!ich während seines Aufenthaltes in der Pension einmal aus der Küche eine helle, zarte und sehr liebliche Singstimme gehört. Es war diejenige Trudens. Ich sage Ihnen." so ließ Kusey sich darüber aus die richtige Chansonnettenstimme. Wenn's meine Nichte wäre, ich wüßte, was ich mit ibr anfinge. Sie müßte auf's Brett'l." ' Ernstlich konnte Kusey das wohl nicht gemeint haben. Kuseys Collegen waren gewiß ganz ehrenwerthe Leute, und sie hatten damals im Verein Sicher wie Gold" ein durchaus anständiges Benehmen an den Tag gelegt. Wie aber stand es mit seinen Colleginnen? Ganz abgesehen davon, daß für ein junges Mädchen von der Herkunft Trudens die von Kusey angeregte Idee überhaupt nicht in Frag kommen konnte. Die Auction war vorüber. Auf einem kleinen Tisch im Salon" wie nackt und öde und groß dieser jetzt nach Entfernung der meisten ML bel aussah, jeder Schritt hallte darin von den leeren Wänden zurück hatte der Auctionator auf einem Bogen Papier, der das Verzeichniß der verkauften Gegenstände enthielt, das gelöste Geld aufgezählt, und von Adah waren trotz des Regens, der herenistob, alle Fenster aufgerissen worden, damit der Dunst der Menschen hinauszog, die hier versammelt gewesen, den Hut auf dem Kopf, ordinäre Witze einander yi rufend und mit ihren schmutzigen, gemeinen Händen die Beutestücke be, tastend. Endlich waren sie wieder allein. .Noch nicht tausend Mark", sagte oay, vie Geldsumme nocy emmal überfliegend, voll ironischer Bitterkeit. Es war kaum der sechste Theil dessen, was die Anschaffung gekostet hatte. Außerdem waren noch die fälligen Wechsel zu bezahlen und das Abstandsgeld auf den für noch mehrere Jahre lautenden Miethscontrakt, denn
natürlich mußte man sich nun ein anderes Quartier suchen, eins mit zwei Stuben und Küche. Wenn man blos schon aus der Wohnung wäre, wenn man blos schon wüßte, was der liebe Gott nun mit uns thun wird," seufzte die Räthin, die Hände in den Schooß faltend, aus der Sophaecke, in der sie kauerte, gramvoll vor sich hin. Mit ihrer Gesundheit war es nicht eben besser geworden, aber das Liegen half auch nichts und nun gar heute! Wie hätte sie es dabei aushalten sollen. Onkel Malthus ging, die Hände auf dem Rücken, im Zimmer auf und ab. Was in seiner Seele vorging wer wußte es? Niemand. Endlich hielt er in seiner schweigenden, rastlosen Wanderung an, gerade vor dem Sopha, wo die schwarze, verkümmerte Gestalt saß. Zuvor eine Frage, liebe Schwägerin," begann er haben Sie von dem Ereigniß Ihrer Schwester, er Stiftsdame, etwas mitgetheilt?" Die Räthin bewegte, wieder seuf zend, ihren Kopf. . Nein!" Das 'ist gut, daS ist zartfühlend von Ihnen. Jetzt weiter. Wissen Sie, wer der Bursche ist, der Sie und!
-zyre mnder nr ungrnct gestoßen hat?" Nein." ' Onkel Malthus pochte erst stumm, als mützte er an jedem Wort dabei tu würgen gegen seine Brust. Ich, ich bin der Bursche," rief er dann heftig. Ich, ich, ich und noch tausendmal ich! Ich habe Ihnen gesagt: Gründen Sie ein Pensionat, und Sie sind mir gefolgt. Das Resultat ist da. Ihre Lage. Frau Schwägerin, ist rund heraus gesagt und ohne Illusion miserabel, hoffnungslos. Das Geld, das Ihnen noch verblieben ist, reicht aus kein Vierteljahr mehr. Bleiben noch Ihre Kinder. Aber ich wüßte nicht, aus welche Weise sie Ihnen nützlich sein könnten. Ihr Sohn Max hat mit sich selbst zu thun. Und Ihre Töchter? Wenn sie mein Bruder etwas hätte lernen lassen! Ich meine nicht Englisch und Französisch und Kunstgeschichte und was sonst unsere modernen höheren Töchter ziert, sondern ich meine etwas, womit sie ihr Brot verdienen können, geprüfte Lehrerin. Buchhalterin, und wenn's Schneiderin oder Putzmacherin gewesen wäre. Aber natürlich, daß er einmal sterben und daß seine Familie dann erwerbssäbige Hände brauchen würde, das hat mein Herr Bruder niemals in Rechenschaft gezogen." Adah unterbrach ihn. Ich kann nicht dulden. Onkel.sagte sie daß Tu auch noch unseren Vater anklagst." Hm!" Er räusperte sich, dann fuhr er rn energischem Tone fort: Du hast recht, mein Kind. Nur mich selber hab ich anzuklagen. Aber das hätte nunmehr weiter keinen Zweck. Darum, Frau Schwägerin, hören Sie, was ich Ihnen anzukündiqen habe: Ich besitze ein Sparkassenbuch, dieses Buch steht zu Ihrer Verfügung. Danken Sie mir nicht. Ich thue damit nur meine Schuldigkeit!" Es lag etwas Großartiges in der Art und Weise, mit der er seiner Schwägerin diesen Entschluß kundgab, aber Adah lächelte nur wieder bitter dazu. Für den Fall selbst," sagte sie, daß Mama sich dazu verstehen könnte, Dein Anerbieten, Onkel, anzunehmen wus wird aber dann mit ihr und uns. wenn auch Dein Geld zu Ende ist?" Sie dachte an ihre Uebersetzung, mit der sie von Redaktion zu Redaktion gelaufen war, und an ihre sonstigen literarischen Versuche, die ihr Niemand hatte abnehmen wollen. Die Hoffnung, auf diesem Wege Geld zu verdienen. hatte sie aufgeben müssen. Der Onkel hattenur recht: wenn sie der Vater etwas Praktisches hätte lernen lassen! Auch mit Stickereien und anderen Handarbeiten für Geschäfte hatte sie es bereits versucht, aber die Bezahlung dafür war so schlecht, daß nicht viel mehr als die Auslagen für das Arbeitsmateria! damit gedeckt wurden. Von Tilly war ebensowenig eine Unterstützung zu erwarten; ihr 'ganzes Gehalt ging, wie sie schrieb, trotz der Trauer, für die eigenen Toilettenbedürfnisse auf, für Handschuhe, Wäsche und Schuhwerk, auf dessen tadellose Haltung ein junges Mädchen, und zumal bei ihrer Stellung in dem eleganten Paris, immer bedacht sein mußte. An Trude, die überhaupt nichts war und überhaupt nichts konnte, nicht einmal zu denken .... Was dann? Was dann? Trude wo steckt sie denn?" fragte die Räthin, als wäre sie von dem Unglück schon zu schwach geworden. um überhaupt noch ihre Gedanken zusammenhalten zu können. Adah hatte Trude hinauf nach dem Boden geschickt, um dort Holz und Kohlen zu holen. Dort zwischen alten Kisten und altem Packpapier, altem Gerümpel und verstaubten Bierflaschen stand Trude an der offenenDachluke, an welcher der Wind und der Regen vorbeitrieben. Hier war sie allein, hier hielt Niemand die forschenden Augen auf sie gerichtet, hier konnte sie, hinaus über die hohen Dächer, auf die tiefen Straßen unten starrend, an ihr Elend denken... In ihrem Schubfache verwahrte sie einen Ring, und in ihrem Herzen verwahrte sie ihre Liebe. Ter aber, den sie liebte, dachte nicht mehr an sie. Kein Brief, kein Lebenszeichen war, seit er fortgegangen, von ihm an sie gekommen. Er hatte sie verlassen und vergessen ... Auch er! ... In dem komfortablen Directionsbureau des weltbekannten Berliner Vari6t6theaters Zum Winterpalast" saßen in schwerer Sorge die beiden
'Directoren und hielten Berathung ab. Die gemeinsame Zukunft, die ganze Existenz des Winterpalasies" stand auf dem Spiel ein Object von Hunderttausenden von Mark. Das Gespenst, das sich drohend vor ihnen erhob, war die Concurrenz. Noch wenige Wochen, und in dem concurrirenden Minervatheater zog wieder die Favrolles ein, und es war kein Zweifel, daß sie in diesem Winter wieder dasselbe kolossale Geschäft machen würde wie im vorigen. Es handelte sich also darum, dem Minervatheater ein Parolk zu bieten er handelte sich darum, sich vom Minervatheater sein Renommee als das des ersten Vari6t6theaters auf dem Continent nicht rauben zu lassen. Man braucbte einen
Headliner". TöaS ein Heaonner t t Ein Headliner ist eine Person, männlichen oder weiblichen Geschlechts, die aus den Anschlagzetteln mit großen, dicken, weithin sichtbaren Buchstaben oben auf der Kopslinie" steht. Ein Headliner ist die Sensationsnummer des Programms. Ein solcher Headliner war die Favrolles und nach einem Headliner fahndete der WinterPalast schon seit Monaten. Was konnte man dem verwöhnten Publikum noch Neues bieten? Alles war schon dagewesen, alle Genres waren erschöpft, und immer verlangte die Menge wie ein gieriger Moloch nach etwas Neuem, sonst blieb sie eben weg. Director Karoly war sonst in der ganzen Artistenwelt dafür bekannt. daß er sich auf sein Geschäft verstand. Er war ein untersetzter, neiner. Dieter, beweglicher Herr, Enve der Fünfzig, mit braunem Teint, gewichstem, schwarzem Schnurrbart und funkelnden, klugen Aeuglein, der aus Ungarn stammte und nach einem Leben voll der wunderbarsten Wechselfälle mit straffer Energie und Schlauheit den Winterpalast", der früher ein ödes, gemiedenes Concertlokal gewesen war. zu seiner jetzigen Bestimmung und Bedeutung erhoben hatte. Einen strikten Gegensatz zu ihm bildete sein Compagnon. Director Graff schon äußerlich. Denn er war ein großer, breitschultriger, blonder Berliner, auf dessen Gesicht eine Vertrauen erweckende Gemüthlichkeit stand und daneben auch wohl das Bewußtsein, daß er am besten that, die Zügel der Regierung seinem Socius nach Möglichkeit allein zu überlassen und sich friedfertig auf die angenehmeren Seiten seiner Stellung zu beschränken. Es war eine schlimme Lage für die Directoren. Schon jetzt stand man im September, die Hochsaison würde kom men, und man hatte keinen Headliner. So schnell der Winterpalast auf seine Höhe gekommen war, so schnell konnte er wieder sinken. Dabei hatte man noch eine Unmasse Geld in dem eben vollendeten Umbau des Saales stecken und mit der Hotelgesellschaft, der er gehörte, einen neuen, um mehrere zehntausend Mark erhöhten Miethscontrakt abgeschlossen. Da lagen auf dem großen, grün überzogenen Schreibtisch, der in der Mitte des Bueraus stand, und der so feierlich wie ein Ministertisch aussah, die mit der Morgenpost angekommenen Briefe. Ganze Stöße von Billet-Vor-ausbestellunzen. darunter welche aus den ersten gesellschaftlichen Kreisen, waren früher eingelaufen. Heute befand sich unter den Einkäufen nicht eine einzige . Solange der WinterPalast überhaupt existirte, war so etwas nicht vorgekommen und eben das war das drohende Mene Tekel, das zu dieser Berathung" zwischen den beidenChefs Veranlassung gegeben hatte. Etwas Neues mußten sie haben. Aber was? Seit Stunden nein seit Wochen zermarterte sich Karoly darüber den Kopf. Wie wär's," ermannte sich jetzt Graff zu bemerken, und dabei zündete er sich eine neue Cigarre an wenn ich mal schnell nach Paris reiste. Vielleicht findet sich dort wieder was." Mit einem unsäglichen Sarcasmus sah Karoly auf seinen lieben, bequem
dahingestreckten Socius herab. Graff auf Geschäftsreisen! Graff in Paris! Was würde er anderes in Paris thun, als sich amüsiren auf den Boulevards bummeln! Von irgendwelchem geschäftlichen, sittlichen Ernst nach Karoly'schen Begriffen war ja. in ihm nicht die Spur. Das wirst Du nicht," erwiderte Karoly kalt. Er hat das Scepter in der Hand. Aber vielleicht findet sich doch in Paris was." Nein. Ich habe die Berichte aus Paris gelesen. Es ist nichts los. Und außerdem wieder und immer wieder die Französinnen. DaS Publikum muß sie endlich im Magen haben." Aber die Favrolles " Eben wegen der Favrolles. Eben deshalb müssen wir was anderes haben, was Nichtpariserisches." Ich könnte ja auch -nach London "S, --'-'- Von London hatte Karoly nach den gemachten Erfahrungen mit Mister Bob gerade genug. Ueberdies waren auch die Engländerinnen eine überstandene Mode. Auch an ihnen hatte sich das Publikum übersättigt. Daß es im übrigen nur ein Stern weiblichen Geschlechts sein konnte, von dem der Winterpalast seine Rettung erhoffen durfte, das stand für jeden, der auch nur eine Ahnunq vom Geschäft hatte, selbstverständlich unerschütterlich fest. Was blieb außer den Damen französischer und englischer Zunge aber noch übrig? Seit man sich erinnern konnte, hatten nur solche die Herrschaft auf den großen Vari6t6bühnen geführt. Alle anderen Nationalitäten kamen dabei nicht in Betracht. Aber da fällt mir doch ein sagte Graff Du hast doch mal so 'ne Idee gehabt mit einer deutschen Sängerin." Narr!" murmelte Karoly für sich. Natürlich hatte er diese Idee schon seit Jahren. Unter den ewigen Ausländerinnen einmal ein deutscher Star das würde etwas Neues, das würde eine Sensation sein. Aber woher so einen Star bekommen? Was von den Agenten auf diesem Gebiete
angeboten wurde, das war durch die Bank kümmerlicher Durchschnitt, gut genug für Institute zweiten bis letzten Ranges, aber nicht gut genug für den Winterpalast. Für den weiblichen
Coupletvortrag schien die deutsche Rasse kein Talent zu haben. Eine die ser deutschen Sängerinnen war genau so wie die andere mit ihrer von einem Kapellmeister eingepaukten, schablonenhaften Vortragsart, dem schablo nenhaften Lächeln und den schablonenhaften Bewegungen. Von irgend einer persönlichen Eigenart, die dem Auftreten erst den Reiz gab, keine Spur. Eme Ausnahme machten noch allenfalls die Oesterreicherinnen, aber auch solche gab es schon auf dem Theater genug. So paradox es klang eine deutsche Brettl-Diva war in den Annalen der deutschen Reichshauptstadt etwas nock nie Daaewetenes. (Fortsetzung folgt.) In ocn Zielen" genorven. Auf dem Theater ist es nichts Ungewohnliches, wenn der Held semen na henden Tod selbst verkündet, und die Worte Hamlet s: Ich sterbe, Hora tio!" klingen natürlich genug. Hier und in ähnlichen Fallen wendet sich der mit dem Tode Ringende direct an die Umstehenden. Die Dichtung folgt darm nur dem Vorbild des Lebens. Dagegen ist bei einer besonderen Art von Mittheilungen Sterbender die Buhne der Wirklichkeit vorausgeeilt. In dem bekannten franzosischen Sen sationsstllck Am Telephon" meldet die sterbende Gattin ihrem Manne ihr Sterben mittelst des elektrischen Drahtes. Die Idee war neu und originell. Dieser Tage hat sich etwas Aehnliches in New Jork in der Wirklichkeit wiederholt. Dort wurde des Nachts die Central - Polizeistation von einem patrouillirenden Polizisten rn Brook lyn angeklingelt, welcher um schleunige Ablösung bat, da er im Sterben liege. Der Mann hatte aber noch vermocht, sich an das Telephon zu schleppen und sein Todesringen zu melden, und war dann verschieden. Als die Ablösung anlangte, fand sie den Beamten .todt vor. Es war em Beispiel erschüttern der Pflichttreue. Solche Treue steht aber in der Geschichte nicht vereinzelt da, und viele wackere Menschen sind rn den Sielen gestorben, ein Tod, den sich mancher unermüdlich Thätige geradezu wünscht. Während eines der letzten Londoner Nebel erstickte ein Omnibuskutscher auf feinem Kutscherbock, aber er ließ auch im Sterben die Zügel seiner Pferde nicht los. Ein Maschinist, der Bergleute in einen Schacht in Lancashire hinabließ, wurde plötzlich vom Schlag getroffen. Er drehte noch schnell die Bremse an und rettete seme Kamera den vor einem schrecklichen Sturze in die Tiefe, ehe er selbst todt zurücksank. In Sydney fiel ein Radfahrer in dem Augenblick, da er das Rennen gewon nen hatte und durch das Ziel ging, todt von seinem Rad; und auf der Locomotive eines Chicagoer Schnellzuges, der plötzlich mitten auf der Strecke zum Stehen kam, fand man den Führer der Maschine todt, aber noch aufrecht stehend, die Hände fest auf Signalpfeife und Stellkolben gelegt, vor. T) t e Braut. Vie Briefe von Hans lasse ich meine Eltern nicht lesen. . . Sie würden die überschwanglichen Ausdrücke seiner glühenden Liebe doch mcht verstehen und außerdem pumpt er mich immer an! Im Gegentheil. Auf meiner Amerikatour kam ich nach Ha vanna. . Ei, da haben Sie ge wiß alle Tage echte Importen geraucht?" 3rn Geaentbeil nur einheimisches Gewächs!" Berechnend. Bekannter: Wollen Sie denn keinen Arzt zu dem erkrankten Knechte holen?" Gutsbe sitzer: Noch nicht; die Krankheit soll nämlich ansteckend sein. . .da warte ich. ms mehre krank findl" Einzig. Fräulein: Alle Wörter sucht man zu verdeutschen; daß man für den Leutnant" noch kein entsprechendes Wort gefunden hat!" Leutnant: ..Sehr einfach, meine Gnädige, weil Leutnant einzig ia feiner Art ist!" Sehr wahrscheinlich. Feldwebel: Na, Einjähriger, waS haben Sie denn gethan, als Sie auf Üt laub waren?" Einjähriger: Egal Parademarsch geübt, Herr Feldwebel!" Geistesgegenwert. Schauspieler, welcher den Wilhelm Tell" darstellt, als Geßler nicht er, scheint: Wie, sollte der den Weg durch die hohle Gasse verfehlt haben? Da muß ich doch gleich mal nachsehen!" Für reiche Raucher. Eine Sendung von Cigarren, welche 1 das Stück kosten, hat jüngst das New Yorker Zollhaus passirt. Die an einen bekannten Händler konsignirte Sendung bestand aus etwa 1500 Stück, für deren jedes an Zoll 69 Cents bezahlt werden mußten. Der für diese kostbaren Glimmstengel verwendete Tabak war in dem Buelta de Abajo Distrikte in Central-Kuba gewachsen und stammte von seit Jahren mit großer Sorgfalt gezogenen Pflanzen. Die Cigarren wurden von erfahrenen Arbeitern her gestellt, die nicht mehr als acht Cigarren im Tag fertig stellten.. Jede Cigarre war in japanisches Papier gehüllt und befand sich in einem luftdichten Kästchen aus parfümirtem Holz.
euer - Signale.
4 Pknnsyl nd Wartet 5 Ekglish'z Opmi-Haui 6 Last und N-w Fork 7 Noble und Wichigan SN. Jechyu.NassAce S Pine und North 10 Kartet und Pine 11 Lcrmont nah Säst 12 Sl. 8 Spritzenhaus Maff. Ave nse Noüe tt.TttZwareund Walnut l . Jersey u Eentral A. 15 Masi. und Connä Ävt IS Ash m,d 11. Ttrcße ;7 Park Ave und 12 Str .3 Columbia undHillsUk 19 Highland Ave u. Patt il Jllinoi und St. Joe 23 Pennsylv. und Pratt 24 Dlmduni und 11. Stt 25 No. 6 TpriycnhauS 15. . nahe JllinoiS 26 Senate Ave CuTlair ?7 Illinois und VXchigan Pesylvania und 14. 29 Senate Ave. und 15. si No. l SpritzHauS IndAvenalMichiga 32 Meridian und Walnvi 54 California u Vermont 35 Blake uud New Jork 3 Ind. Llv. u. Et. Clair 37 City Hospital 28 Blake und Norty 39 Michigan und AgneS ti No. 6 Sxrltzenhauk Wajhmgton nahe West 4 Ssenrerf u Wash. 43 üftfornri u New Dort 45 Meridian u Wash 4 JllmoiS und Ohio 47 Capitel 2lv. u Wash 43 lngan'S PorkhauS 4S Straßenbahn Ctölle 23. Washington Ctr 61 N. 10 Spritzenhaus Illinois u Merrill 62 JllinoiS u Louifiana 63 Wett und South WestundMcCarty 6 Senat Llv. u Henry 67 Meridian und Rah 68 No. 4 Spritzenhaus Madifon Av. u MorviS 55 Madiion Av.uDunlop 1 No 2 Haken LeiterbauS South nahe Telawar ti Penn.u Werrill 63 Telaware u. McCart 4 ast und SfcSttty 65 New Jersey .Merrill 67 Birg. Av. u Bradshaw L3 East und Prospect 69 Bicking und High 71 No. ii Spritzenhaus Lir Ave. nhe Huron 72 East und Georgia 73 keda, und Elm 74 Davidson u Eeorgia 75 English Av. u Pine 76 CbclI'y und BateS 75 No. S Spritzenhaus Prospcct nahe Chelby i-i Fletcher Av. u Shelby Ll Market u. New Jersey 2 ?elaware und Wash. 83 East u Washington 84 New Dork u.Iavidsor k5 Taubstummen Anstalt 86 Per. Staaten Arsenal 87 Oriental und Wash. S9 Frauen-Rcormat. 1 No. 13 Spritzenhaus Marvland nahe Mer. 2 Meridian u. Scorqia. S3 Meridian und South 4 Pennsylv u. Louisiana 95 Lirgini Ave u. Llab. 96 Hauptquartier. 97 Erand Hotel. 93 Capital Ave und Ohi ,23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. ,24 Alabama und 1. 125 Central Ave und l. 126 3)nre3 und 15. 127 Brockside und Jupiier .28 Central Ave und 17. 129 Telaware und 19. 1Z1 Alabama und 11. 132 Bcllesontaine und 7. .34 College Ave und 2S. 135 ?Iatvart und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann unb 19. 138 College Ave und 14. IZ9 Cornell Ave und 13. 141 Fandes rnti 19. 142 High land Ave und 10. 145 Tecumseh und 10. U5 New Jersey änd 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hilside Ave und 16. l3 College Ave und 22. U9 College Ave und 27. t52 Park Ave und 22. 16. Eu. W Bahn u. 22. 154 Namsey Are und 10. 156 Stoughton u Newman 157 AtlaS und Pike. 153 Blohd und Patrpaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood i2 Ardcn und Depot 163 Brightwood und 25. 104 Nural und Bloyd 165 St. Clair u. Keystone 167 Arsenal Ave und 23. 163 Bellefontain und 3. l9 Park Ave nd 10, 212 kapital ttt und 17. X13 Pennfyl. u. 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Washington 427 Oliver und Birch 3 Oliver und OSgood 429 Nordzke und Fork 431 Hadlev Ave u. Morril 432 River Zlve u. MorrS S4 River Ave und q 435 Harding u. Big 4 R 1 436 Harding und Clivci 4Z7 No. 19 Epritzenha MorriS und zardiva, 439 $3XU 13 m&Xß 439 Stockt) 451 ReiSner und Mi2er 452 Howard und Lee 453 Mcrni und ftapVtfS 456 Lambert nd Belient 457 Nordyke Ave u. btax mon WorkZ 612 West und RY 513 5entm?y Ade u.MerrL. 614 Meridian und MorriS 61 JllinoiS wü KansaZ 617 Morris und Takota 613 MorriS und Church 619 Capital X u McCarty 621 Meridian und Pakner 623 Pine un, Loid 624 Madisor.Aveukincok, 26 Meridian und Belt RZi 527 Carlo und Ratz 623 Meridian und Arizona 629 Meridian u. Aaymond 631 Meridian u. McCsrty 632 No. 17 CpritzcnhtS MorriS nah West 612 Mlernanund Dough. 613 East u. Lincoln fcne 614 East und Beecher 615 Wright und Sander 617 McCarty und Leaty 613 New Jersey u Lir Av 712 Spruce und Prospect 713 Engllsh Ave. u. Laurel 714 State Aveu.Belt R 715 Chelby und Beecher 716 State Ave nd Orang 713 Orange und Laurel 7 Shelby u. C.laae Tvi 721 Lernzton A.u Laur? 723 Fletcher Ave u.Svrua 724 State Ave u. Pleasan 725 ProspoK und 7leasU 726 Orange und Hark 723 Liberty und Mea 729 Nblle und South 812 No. 15 Spritzenhaus Ost Washington fc'tt 813 Market und Noble Llt Ohio u.Highland Z 815 Michigan u. Highlant 816 Market u Arsenal Av, 817 Ost 25. Clair und Union Bahn Geleise. j 821 Pan Handle Shop? L25 Vermont und WaKott 824 Wash. und Stat Afc. 25 Madden'itounge FaK 826 Tuck und Torsey 827 Wash. und Devile Lv 822 No. 12 Spritzenhaus eville nah Michigan 881 Southeastern ZH im) Woodstde. 32 Wash. und Tearbor, 834 Southeastern und Arsenal SveS. 856 New Fork und Tempd 912 JllinoiS und Waryl. Sis JLinoiS und Nsrket, 14 Penn, nd Sssh. 915 Telaware nd ai Cpezial.Signale. Ersten 2 CchlZge, zweiter Alarm, Aweiten 2 Schlage, dritter Alarm, Dritten 2 SchlSge, vierter Alarm. i-2-i. Feuer aus und Schlauch aufgerollt. s Schlage, Wasserdruck ab. 12 SchlZge, 12 Uhr Mittag. Die Zo bezeichneten Cignas werden nur vom ?hur Ichter angegeben da an deu betreffenden Ctraße? reuzunge seine Alarmköstep angebracht find Chicago und der große Nordweften via e)) HW54MVV? Hr.T?mU teg ((a laSka Hawaii Pdiltppine Inseln. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. VW Bon der Monon 47. Str. Etation. Cbicaa. flnd S nurö Minuten mittelst elttuischer Tar vaÄ den Union Lieh bösen rreuek QleK Spring, indem Orange County Hochland. ffamiliemHotei unter neuer GeschSftSIeiluna. Pluto, Proservine ind BowleS Quellen. Beste Vimeralwasser der 4Lelt. Zwei Züge täglich via Sreeucaftle. rtckct-Ofstckn : Union Station. Massachusetts ve nd 25 West Washington Straß. R. P. A 1 g e 0, Tistrtlt Vass. aent. Indianapolis. .T. d. . H. McDoel. .H.Rock well. ras. und Sen. Mgr. Bttriebkleiler Frank I. Reed, Gen. Piss. Agent. Tbi:ago. J5.
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