Indiana Tribüne, Volume 26, Number 264, Indianapolis, Marion County, 29 June 1903 — Page 7
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Eine vom Brett'!. Roman von Heinrich Lee. (Fortsetzung) Trotzdem! Mademoiselle Favroll-Z tocr eine Berühmtheit, und sie kam aus P.'.ris. Alle Welt bewunderte sie, alle Welt sprach von ihr. also mußte es mit ilirer Kunst seine Richtigkeit haben und als sich jetzt nach ihrer Produktion Mademoiselle Favrolles wieder in die Coulissen zurükzog, da erhob sich ein so tumultartiger Beifall, wie er noch am ganzen Abend nicht das Haus erschüttert hatte. Auch die beiden Her.ren in Onkel Malthus' Loge klatschtea begeistert, namentlich der Dicke. Patente Person." näselte er ist eben französischer Chic. Schon die Frisur!" Der andere lachte. Vielleicht hat sie einen guten Grund dazu, ihre Ohren zu verstecken. Vielseicht sind sie zu grotz." Famoser Witz! Hahahaha! Aber chic ist sie doch!" Hierauf entfernten sich beide, wobei der eine dem Logendiener, der die Herren untcrthänigst mit Herr Baron" und Herr Graf" anredete, ein Trinkgeld zuwarf. Auch ein großer Theil des übrigen Publikums hatte sich von den Plätzen erhoben und verließ nun den Saal. In der That schien mit dem Auktretsn der französischen Tänzerin sich das Hauptinteresse erschöpft zu haben. iine oa!ve'Viunoepaierwar"ole Vorstellung zu Ende, und als Malth'ls mit dem ihn fortziehenden Strom auf den Kassenkiosk zusteuerte, stano Kusey bereits dort, jetzt wieder in seinem glänzenden Cylinderhut und seinem hellen Ueberzieher, beinahe wie ein gewöhnlicher anderer Mensch und wartete auf ihn. Wir könnten runter in den Tunnel." fagte er aber dort treffen wir mit der ganzen anderen Bande zusammen (unter dieser Bezeichnung verstand Kusey offenbar seine College und Colleginnen). ich schlage also vor, wir gehen in ein Lokal, wo wir ungestört sind." Bald darauf saß man denn auch in einem gemüthlichen, wenn auch gedrängt vollen Restaurant an einem hübschen, weiß gedeckten, kleinen Tisch, der Kellner brachte Bier und die Speisenkarte, und man konnte sich nun unterhalten. Nun. Herr Hauptmann," begann Kufey wie hab' ich Ihnen gefallen? Seien Sie aber ganz offen. Geniren Sie sich nicht." Sie waren ausgezeichnet. Vorzuglich waren Sie. Herr Kusey!" Der Künstler schien auch durchaus keine andere Antwort erwartet zu haben. Eben gingen einige Gäste an ihnen vorüber, Herrn und.Damen, die sich nach einem Platz umsahen. Einer von ihnen machte die Damen offenbar aus Kusey aufmerksam, und interessirt sahen sie sich nach dem Bezeichneten die Herrfchaften kamen wohl gleichfalls aus dem Minervatheater um. Haben Sie bemerkt?" fragte Kusey. Malthus hatte es bemerkt. Und doch sag' ich Ihnen." fuhr Kusen fort, wobei sich eine Wolke von UnZufriedenheit über sein Gesicht legte offenbar hatte er das Bedürfniß, sich einmal gegen einen vernünftigen und gebildeten Menschen ordentlich auszusprechen man ist, man bedeutet nichts mehr heute. Was wollen die Leute, wenn sie ins Theater kommen, heu:e sehen? Kunst wirkliche Kunst? Das fällt ihnen nicht mehr ein. Weider wollen sie sehen. Eine wie die Favrolles." Obwohl Malthus bei dieser Klage seines neuen Freundes an die beiden Herren in der Loge denken mußte, so erwiderte er doch jetzt, um ihn zu beruhigen: Ich glaube, mein lieber Herr Kusey, Sie sehen darin zu schwarz." Ich sehe nicht zu schwarz," antwortete Kusey entschieden, fast heftig jeder Artist weiß das heutzutage. Die Direktoren sagen es einem selbst. Man ist einfach eine Null geworden. Was meinen Sie, triegt dieses Weid, die Favrolles, monatliche Gage?" Malthus mußte gestehen, daß ihm in dieser Beziehung jedes Maßstab abging. Zehntausend Mark." kam es von
Kuseys Lippen. Was? Wie viel?Zehntausend Mark!" Zehntausend Mark?" Zehntausend Mark!" Pro Jahr?" Pro Monat!" ' Pro Monat?" War so etwas denkbar? Also jeden Abend für das bischen Herumtanzen dreihundertunddreißig ein Drittel Mark. Ein aktiver General bekam fürs ganze Jahr, wcs Mademoiselle Favrolles für den Monat bekam. Wissen Sie, was meine Gage ist pro Monat?" setzte Kusey. sich mühsam bezwingend, die Unterhaltung fort. Sechshundert Mark," lächelte et bitter. Allerdings, der Unterschied war enorm. Aber dennoch mußte sich Malthus sagen, daß dies immer noch unge fähr dem Gehalte einesObersten gleich kam und zwar hatte ein Oberst den ganzen Tag dafür zu arbeiten, Kufty aber nur am Abend und auch dann nur ein kurzes Viertelstündchen. .l5rst möcbt' ick mal von klönen bö-
ren," naym uey wiener oas zsotz, nachdem der Kellner das bestellte Essen auf den Tisch gesetzt hatte wie Jhnen die Favrolles gefallen hat." Der Herr Hauptmann mußte offtn gestehen, daß er das allgemeine Entzücken des Publikums über die Dame ourchaus nicht theilen konnte im Gegentheil. Kusey schnitt sich gerade ein Stück Brot ab, aber voll Genugthuung hieU er inne. Herr Hauptmann," sagte er, ich erkläre Sie hiernnt für den einzigen Menschen im Publikum, der sich keinen Dunst vormachen läßt. Gewiß ist sie nichts als eine erbärmliche Stümpcrin. Darüber sind sich alle Fachgelehrten einig. Soll ich Ihnen aber mal erzählen, wie der ganze Schwindel mit dem Frauenzimmer entstanden ist?" Und Kusey erzählte. Er erzählte nur die pure Wahrheit, wie sie in Fachkreisen allgemein bekannt war. Allerdmgs war Mademoiselle FavrollcI Tänzerin an der Großen Oper in Paris aber welche Nummer? In de? letzten Quadrille hatte sie dort getanz:, mit hundert Franken Monatsgage. Da machte einmal das Pariser Ballet ei-
nen Gastspielausflug nach Brüssel. Eines Adends erschien dort hinter den Coulissen ein Gast der König von Belgien und angezogen durch Mademoiselle Favrolles' eigenthümliche Frisur, beehrte er die Dame mit einer längeren Unterhaltung. Dieser Borfa7 kam in die Zeitungen, erst in die Brüsseler, dann in die Pariser, und damit war das Glück der Dame g:macht. Mit einem Schlage war sie zu einer Merkwürdigkeit geworden, die man gesehen haben mutzte. Statt de? hundert Franken, die sie LN der Oper gehabt hatte, bot ihr ein Variete-Di-rektor das Zehnfache, und ganz Paris strömte zu dem neuen Sterne hin. Was eigentlich an der Dame Merk" würdiges war, außer der Haarfrisu? niemand wußte es, aber genug, ihr Renomme stand fest, Mademoiselle Favrolles war ein Pariser Modeartils! geworden und damit zugleich ein Modeartikel für alle Welt. So war si? denn auch nach Berlin gekommen, unv sie erwies sich als eine 'so starke Zugkraft, daß die Direktion auch für die nächste Saison bereits mit ihr abgeschlössen hatte. Reden wir nicht mehr davon, Her: Hauptmann," so schloß Kusey seine Erzählung, der Appetit könnte einem dabei vergeben. Prot!" Er spülte feinen Aerger hinunter, und voll Mitgefühl that ihm Malthus Bescheid. Noch lange faß man zusummen und Kusey erzählte aus sei nem so interessanten und sonderbaren Beruf noch vielerlei. Endlich aber war es spät geworden, und das Lokal hatte sich schon fast gänzlich geleert. .Zahlen!" rief Kusey. Den ganzen Schwamm!" fügte er hinzu, als der Kellner getrennte Rechnung machen wollte. Herr Kusey, das kann ich nicht zugeben," protestirte Malthus. Aber der Kellner, an diese Art von großmüthigem Mettstreit durch seine Praxis gewohnt, .ächelte nur dazu und beachtete den Protest nicht weiter. Bisher hatte Herr Kusey im Hot: wohnt, und als man sich an diesem Abend von einander trennte und Malthus in dem überfüllten, engen, stickigen Omnibus saß, der ihn der Kurfurstenstraße zuführte, ging ihm manches im Kopfe herum. Diese Favrolles! Ein monatliches Einlommen von zehntausend Mark! Machte in zehn Jahren also eine Million. Dazu das freie, sorgenlose Leben, das diese Leute führen. Auch dieser Kusey! Kusey mußte der Pension gewonnen werden und richtig, eine Woche später hielt er in der Pension Denhardt seinen festlichen Einzug. Tillys von Jagenberg in Angrifs genommenes Bildniß war nun vollenbet. Er hatte ihr feierlich versprechen müssen, sich nicht noch einmal solche Redensarten" gegen sie herauszunehmen, und darauf war zwischen ihnen die Versöhnung erfolgt. Uebrigens war Tilly mit dem Bilde sehr zufrieden es sah aber auch wirklich reizend aus. Nur was die Idee, das Bild öffentlich auszustellen, vetraf, so stieß sie, w?nigstens von feiten Adahs, auf energische Widerstand. Wenn eine 6e rühmte Persönlichkeit dergleichen mit sich machen ließ, so war das gerechifertigt. Aber als eine ganze belanglose Privatperson sich den Augen der Menge so preiszugeben, nur weil man eine hübsche Larve hat Adah fand das geradezu taktlos. Ganz abgesehen bavon, daß man noch in Trauer war. Ich hoffe. Mama," wandte sie sich an die Mutter, daß Du darin meimr Meinung bist." Die Räthin war noch immer leidend, wozu auch besonders die schlechte Witterung beitrug. Wenigstens äußerte sich so der Arzt. Er v"dnete für sie auch weitere vollständige Ruhe an, besonders Fernbaltung von der Wirthschaft, von Sorgen und Aufregungen und dazu stärkende Weine und eine besondere Kost. Am besten, sie blieb auf demSopha und kümmerte sich sonst um nichts. Gewiß. Du hast ja recht, mein Kind", erwiderte sie dann schwach und müde, wenn Adah ihr die Sache so vorstellte. Das Gleiche sagte sie aber auch, wenn ihr die Sache von einer anderen Seite aus gezeigt wurde so durch den Schwager. Adah, liebe Schwägerin", sprach er zu ihr. ist solchem vernünftigesMädchen, und ich habe nie ein Geheimniß vor Ihnen daraus gemacht, wie hoch
tcy ste schätze. In diesem Punkte aber huldigt sie philiströsen Ansichten. Ein Bild ist ein Kunstwerk, und ein Kunstwerk muß sich von der Welt besehen lassen. Ueberdies haben wir auch Rücksichten materieller Art zu nennen. Das Bcld kann Jagenberg nützlich werd::i, es kann seine pecuniären Verhältniss' verbenern, und dann kann er seine Schulden bezahlen. Es ist dies ein Punkt, er nach meiner Meinung allen anderen vorangeht." Was Max. der sich einige Tage mich seiner Begegnung mit Adah an dem Krankenlager der Mutter einfand, betraf, so hatte es überhaupt niemand von ihnen der Mühe werth gehalten, ihn um seine Meinung darüber zu befragen. Ohnehin schien er froh zu sein, sobald wie möglich wieder davonzukommen. Tilly hatte Adah's Gründen zua? hört, was ihrem Grolle gegen sie nur neue Nahrung gab. Bloß gönnen willst Du mir nichts, bloß neidisch bist Du auf mich, das ist Dein ganzer Grund", rief sie am Ende der ziemlich aufgeregten Auseinandersetzung. die zwischen ihnen stattfand, der Schwester in's Gesicht. Daraufhin sah Adah sie mit lab tem Blick an. . Thu' von nun an, was Du willst. Ich störeDich nicht mehr," erwiderte sie und verließ damit das Zimmer. Die Sache war entschieden, und seit acht Tagen hing das Porträt in einem bekannten Kunstsalon der Leipziger Straße, zu dem auf Grund cmpfanae
ner Vorschüsse Jagenberg seit Jahren bereits in Beziehungen stand. Es ist Kitsch", sagte der alteKunstHändler mit dem Zwicker auf der Nase, das Bild, als er es von dem MaIer in Empfang nahm, betrachtend aber es sieht süß" aus. Mir tooU len's an eine gute Stelle hängen." Auch in einigen Zeitungen war e schon besprochen worden nur daß Jagenberg wenig zufrieden damit war, bis er eines Morgens von dem KunstHändler einen Brief erhielt, er möchte sofort in Sachen des Porträts zu ihm kommen. Vielleicht war es am End' gar verkauft! Als der Maler gegen Mittag zurück kam, brachte er eine überraschend: Nachricht mit. Unter den Besuchern des Salons hatte sich eine vornehme, ältere, ausländische Dame befunden, eine russische Fürstin. Der Anblick des Bildes hatte sie auf eine räthselhafte Weise ergriffen, und sie hatte sich bei dem Händler erkundigt, ob das Bild thatsächlich nach der Wirklichkeit gemalt sei. Der Händler bestätigte ihr das. Daraus drückte die Dame den dringenden Wunsch aus, das Original des Bildes kennen zu lernen, und da sie ein paar theureEinkäufe gemacht hatte, so versprach ihr der Händler nach Möglichkeit dazu behilflich zu sein. Was das Bild selbst betraf, so war si? bereit, es zu erwerben vorausgesetzt. daß es verkäuflich war. Tilly las die Karte, die ihr Jagenberg von der Dame brachte. La princesse de Mccnsk" stand darauf und unten in einer Ecke St. Petersburg". Jagenberg fügte noch hinzu, daß er die Dame persönlich nicht gesprochen habe, und daß sie diese Karte dem Kunsthändler zurückgelassen. Sie wohne im Kaiserhof", werde dort den ganzen Tag zu Hause sein und bäi: dringend die junge Dame, ihr dort einen Besuch abzustatten. Tilly wußte nicht, was sie aus die ser seltsamen Geschichte machen sollte. Und eine russische Fürstin! Russische Fürstinnen hatte sie bisher nur immer aus Romanen kennen gelernt. War es nicht, als ob das Schicksal ihrem heimlichen Sehnen damit entgegenkommen wollte? Selbst einnral in diese große Welt, von der sie immer nur in Büchern gelesen, und deren Schimmer ihr hier in der Riesenstadt nur aus den verschlossenen Palästen unerreichbar entgegenglänzte, hineinzutauchen! Nun bot sich ihr auf wunderliche Art vielleicht der Weg dazu. Und welche Gefahr denn lief sie dabei? Gar keine. Auch war sie auf diese Dame, die sich so für sie interessirte und warum? doch neugierig geworden. Uebrigens brauchte sie ja niemand etwas davon zu sagen außer Onkel Malths. und der würde ihr von dem Besuch nicht abrathen. Hm", sagte er, als er kurz vor Tisch nach Hause kam und sie ihm erzählte, wie sich die Sache mit dem Bild erledigt hatte, nach einigem Nachdenken ich kann nur wünschen, daß Du der Einladung der Dame nachkommst. Sie wohnt in einem theuren Hotel, und außerdem ist sie Fürstin. Sie wird also nicht nur fremd, sondern auch reich sein. Als Dame wird sie sich in einem Pensionat jedenfalls behaglicher fühlen als in einem Hotel. Ich hoffe, Dein Besuch giebt zwischen ihr und uns eine nützliche Anknüpfung. Es ist recht, daß Du mit niemand sonst, vor allem nicht mit Adah, davon gesprochen hast. Geh'!Was sollte sie zu dem Besuche anziehen? Aber richtig sie hatte ja noch Trauer. Nur das andere. bessereKleid und zum Hut sie wollte den größeren nehmen den Schleier mit den großen Punkten, der ihr etwas Distinguirtes gab. Im übrigen sagte ihr der Verstand, daß Einfachheit bei ihrer Jugend und außerdem einer solchen Dame gegenüber das Passendste sein würde. Auch wollte sie nicht gleich nach Tisch, sondern erst am spateren Nachmittag gehen, wenn schon Licht brannte. Sie hc tte jetzt so gesunde, rsifa Backen, die ordentlich ordinär
aussahen, und das Licht dämpfte sie etwas. Das Mittagessen verlief wie ae-
wöhnlich, nir daß Mama noch nicht dabei war. weil sie noch immer in ihremZimmer auf demSopha iag. Adah, ! die zu oberst am Tisch saß und den j Sonner. mit der Küche aufrecht hielt. I sorgte für das richtige Herumreichen ! der Schüsseln; der Onkel suchte, wie er es für seine Pflicht hielt, die Pcnsionäre durch allerlei Erzählungen zu unterhalten. Herr Kusey erzählte von dem Applaus, den er gestern wieder gehabt, und Trude giug in ihrem Aschenbrödelkleide mit der Schürze wie es ihr als Jüngster, die sonst zu nichts zu gebrauchen war, ja auch zukam auf einen Befehl von Adah der j Köchln mit an die Hand und half ihr die Schüsseln berein- und binaustragen. Miß Spatterdash beschwerte sich darüber, daß ihr Beefsteak nicht blutig genug war. Ein für alle Mal hatte sie sich ausbedungen, daß ihr Stück in der Pfanne auf jeder Seite nur drei Minuten braten sollte es war wieder nicht geschehen. Wenn das noch ein einziges Mal vorkam, dann w"de es mit ihrer Geduld zu Ende sein, dann würde sie sich wo anders eine Pension suchen. Den Schmerz, Miß Spatterdash. werden Sie uns doch nicht anthun", bemerkte Jagenberg in seiner frivolen Art dazu ich wüßte wenigstens nicht, wie ein Mensch die Trennung von Ihnen überstehen sollte." Natürlich entging esMiß Spatterdash nicht, daß dieser Mensch sich bloß wieder über sie luftig machte. Herr Hauptmann", fuhr sie außer sich aus - entweder Sie werden mich beschützen vor diesem Herr oder ich werde verlassen dieses Haus auf der Stelle!" Miß Spatterdash' Auszug hätte für die Pension einen höchst empfindlichen finanziellen Schlag bedeutet. Herr Jagenberg , rief der Herr Hauptmann feierlich über den Tisch - ich verbiete Ihnen ein solches Benehmen. Miß Spatterdash, es wird mir icder Zeit eine Ehre sein, Sie zu vertheidigen, gegen jeden, der Sie auch nur anzutasten wagt." Trude trat wieder herein, die Salatschüssel bringend, aber dabei stieß ihr ein Malheur zu. Indem sie die Schüssel auf den Tisch setzte, gerade an der Ecke, wo Dolf saß, fiel ihr dabei das Bierglas um. das vor ihm stand, und der ganze Inhalt ergoß sich ihm Über Weste und Beinkleider. Trude stieß einen leisen Schrei aus, aber auch Onkel Malthus war schon aufgcsprungen. Dummes Ding", rief er scheltend wo sie ihre Gedanken hat! Herr van den Meulen, ich bitte Sie um Entschuldigung. Wenn Flecke entstehen sollten, so ist es selbstverständlich. daß wir sie auf unsere Kosten heraus bringen lassen werden. Dafür leiste ich Ihnen Garantie." Trude war puterroth geworden, und plötzlich standen ihr die Thränen im Auge. Ob nun deshalb, daß sie vor. dem Onkel vor der ganzen Tischgesellschaft angefahren wurde aber nein, an das Gescholten- und Geschubstwerden hatte sie sich in den letzten Zeiten ja schon gewöhnt oder deshalb, daß ihr das Unglück gerade mit Herrn van den Meulen passiren mußte. War sie roth geworden, so wurde Dolf bei den Scheltworten, die ihr der Onkel zuwarf, ordentlich blas-, und ohne, wie es doch das Natürlichste war, zu allererst daran zu denken, die Serviette zu nehmen und sich abzutrocknen, sprach er zum Onkel mit fast vor Erregung zitternder Stimme: Fräulein Trude hat keine Schuld daran, Herr Hauptmann. Ich habe das Glas nur so ungeschickt hingestellt. Mich allein trifft die Schuld. Verzeihen Sie, Fräulein Trude", wendete er sich dann an sie selbst. Dabei begegneten sich ihre Blicke, zwar nur einen kurzen Moment, aber die Augen, mit denen er sie ansah gute, blaue Augen, in denen noch die Empörung blitzte und doch auch zugleich ein warmer, ihr geltender Glanz trafen sie in's Herz. Fast wären ihr die Thränen von Neuem gekommen. Warum? Sie wußte es ja nicht. Bald nach Aufhebung der Tafel klejdete Tilly sich an. Zu Adah sagte sie, daß sie eine Besorgung in, der Stadt hätte. Dann machte sie sich es wurde jetzt, wo man im Dezember stand, schon zeitig finster auf den Weg. Eine halbe Stunde später trat sie im Hotel in das elegante, mit dicken Teppichen belgte Vestibül. Die in braune, vielknöpfige Jacken gekleideten Pagen, die vor der Thür standen, rissen vor ihr die Mützen von den Köpfen, der Portier trat auf sie zu, und als sie die erhaltene Bisttenkarte ihm zeigte und fragte, wo die Frau Fürstin zu sprechen wäre, wies er sie in höflichster Weisk nach dem ersten Stock. Dort in dem stillen, matt erleuchteten. mit rothen Teppichen, großen, goldenen Spiegeln und allerlei Blattpflanzen geschmückten Corridor stand in tadellosem Frack ein Kellner, der hier in geräuschloser Weise die AufWartung zu haben schien. Er verbeugte sich vor Tilly. und auf ihre abermalige Frage nach der Fürstin erwiderte er zuvorkommend: Durchlaucht warten bereits. Wenn ich bitten darf!" Damit ging er ihr voraus. klopfte leise an eine Thür, aus der eine schwache Stimme heraustönte, öffnete in der lautlosen Art.
aus mt hier alles gestimmt schien, und ließ sie eintreten. Es wat ein großer, nur spärlich von einer im Hintergrunde stehenden rothen Lampe erhellter, voll Bornehmheit ausgestatteter Raum, in dem sich Tilly jetzt sah. Von einem Polstersessel, der dicht vor der Lampe stand, erhob sich in dem Augenblicke ihres Eintritts eine weißgekleidete, hohe, weibliche Gestalt. Vielen, vielen Dank, mein liebes Fräulein, daß Sie gekommen sind", sprach sie mit einer sanften, aber fremdartig klingenden, halb von Freude, halb von tiefer Wehmuth durchzitterten Stimme, ihr entgegentretend, vor allem aber lassen S mich erst Ihr Gesicht sehen." Damit trat sie an die Wand, serührte dort einen kleinen Messinghahn, und von der zierlichen Glaskrone, d in der Mitte des Zimmers hing, ergoß sich der taghelle Schein elektrischen Lichtes berab. (Fortsetzung folgt.)
Gefälschte Schmetterlinge Heutzutage giebt es wohl kaum einen Handelsartikel, den geschickte Be trüger verschonten. Auf dem Gebiete der Naturalien bilden bisher noch nie gesehene, selbst dem Kundigsten ganz unbekannte farbenprächtige Schmetterlinge in den seltsamsten Spielarten den neuesten Schwindel. Selbst ganze Gattungen, die noch niemals hinter den Glasscheiben einer Sammlung zu sehen gewesen, find auf einmal vor den erstaunten Blicken der Kenner aufgetaucht. Selbstverständlich haben sich aber diese nur kurze Zeit irreführen lassen und sind sehr bald hinter die Täuschung gekommen, die auf einem höchst einfachen Verfahren beruht: es genügt ein leichter Hauch auf eine feinpulverisirte Pastellfarbe, um diese auf eine zarte Gummilösung zu übertragen, mit der die Schmetterlingsflügel bestrichen sind, und so den gewohnlichsten Falter, wie einen KohlWeißling, einen Citronensalter u. dal. in ein farbenschillerndes exotisches Exemplar zu verwandeln. Ein eigenartiger Fall wird aus La Crosse, Wis., gemeldet von einer alten Frau, die bei den Behörden um Beistand nachsuchte und in die Anstalt für Arme geschickt werden mußte. Ihr Mann starb im April und hinterließ ihr den größten Theil seines Vermögens im Betrage von $12,000, darunter auch eine Farm. Später ließ sie sich von ihren Söhnen überreden, denselben das Eigenthum zu verkaufen, für welches ihr Noten ausgestellt wurden. Nach Verlauf einer weneren Frist will sie angeblich aus dem Hause getrieben worden sein, und als sie dann die Noten einlösen wollte, stellte es sich heraus, daß dieselben erst zehn Tage nach ihrem Tode zahlbar waren. In Trempeleau, Wis., schoß kürzlich der Redakteur Elarence Utter, von der dortigen Tribune" auf seinen Nachbarn James vbilipvs. Letzterer hatte einen Kehrichiaufen angezündet, worüber sich Utter ärgerte, da er glaubte, Philipps habe verfucht, sein Eigenthum in Brand zu steden. Der Schuß traf Philipps in das Handgelenk, die Verwundung war jedoch keine gefährliche. Utter wurde nach dem Gefängniß abgeführt, und als man sich bemühte, ihn gegen Bürgschaft in Freiheit zu setzen, fand man, daß der einzige außer ihm vorhandene Friedensrichter der Gegend, Thomas Bohen, Redakteur der Gazette", ebenfalls inHaft war, weil er ein Zwangsurtheil zu zahlen sich geweigert hatte. Eine Sendung von Eigarren, welche 54 das Stück kosten, hat kürzlich das New Yorker Zollhaus passirt. Die an einen dortigen HändIer consignirte Sendung besteht aus etwa 1500 Stück, für deren jedes an Zoll 69 Cents bezahlt werden mußten. Der für diese kostbaren Glimmstengel verwendete Tabak ist in dem Vuelta de Abajo - Distrikte in Central-Cuba gewachsen und stammt von seit Jahren mit großer Sorgfalt gezogenen Pflanzen. Selbstverständlich werden für diese Cigarren nur vollständig fehlerfreie Blätter der besten Qualität verwendet, und die Cigarren werden von erfahrenen Arbeitern hergestellt, d nicht mehr als acht Cigarren im Tag fertig stellen. Diese Cigarren sind 16 Zoll lang und das Tausend wiegt 60 Pfund. Jede Cigarre ist in japanisches Papier gehüllt und befindet sich in einem luftdichten Kästchen aus parfümirtem Holz. Seit einiger Zeit hatte Joseph Girard, ein Farmer in Commack, in der Nähe von Northport, N. viel von Hühnerdieben zu leiden, die ihm werthvolles Federvieh gestohlen hatten. Eines Morgens früh hörte er Lärm im Hühnerstall und eilte, mit seiner Schrotflinte bewaffnet, in den Hof, wo er Jemand im Hühnerstall sah. Ohne sich erst zu überzeugen, wer es sei, feuerte er seine Flinte ab, und hörte die Schmerzensrufe einer weiblichen Stimme. Als er hinzueilte, fand er seine Frau stöhnend auf dem Boden liegen. Die Frau war an beiden Fußgelenken schwer verletzt. O w e h ! Junger Geck: Nathen Sie einmal, Herr Professor, welche Blume mir die liebste ist." Professor: .Die Distel."
Feuer - Signale.
i Pennshlv irnb Wartet 5 English's Opern-Hau 6 East und N- Dort 7 Noble und Michigan 8 R. Jerjey u. Maff Ad 9 Pin und North 10 Mavket und Pine 11 Vermont nah East 12 8 Spritzenhaus Maft. ve nahe Noble 13 Dettvare und Walnut 14 . Jersey u Eentral. 16 Mass und Cornell Ave 6 Ash m d 11. Straße 7 Part ve und 12 Str .6 Columbia und Hillfid .9 Higbland Ave u. Pvatt zi Illinois und Et. Jo ü Pennshlv. und Pratt u Meridian und 11. Str ib o.kTpntzMhausld. nahe Jllinor : Senate Ave u. EtLla x Illinois und Michigan Pesvlvania und 14. n Senate Ave. und i. " No. 1 Spritzenhaus Jnd Ave nabichiga Meridian und Walnut a California u nmont !5 Blake und Rcw York 15 Ind. v. u. St Cla 37 Eich Hospital :8 Blake und Norch i9 Mchlgan und Agnes n No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West Gsendorf u Wash. 43 Missouri u New Dort 4S Meridian u Wash 16 Jllmois und Ohio 47 Eapitol Av. u Wash 4 ,nga'S Porkhau Straßenbahn Stüll W. Washington Str äl R. i Spritzenhaus Illinois u Merrill Si Jllinoii ii Louisiana 53 West und South 54 West und McCarch s Senat Ave. u Henry 67 Meridian und Rav 68 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Mor.-is 69 Madiion Av. u Dunlop 1 No 2 Haken Leiterhaus South nahe Delawar, 62 Penn, u Merrill 63 Delaware u. McEarth 4 aft und VeEarty 6 New Jersey u. Merrill 67 Lirg. Av. u Bradsha 38 Saft und Prospekt 69 Biiking und High 71 No. 11 Epritzmhau Vir Ave. nt Huron 7k Säst und Seorgia 73 Keda, und Elm 74 Davidson u Seorat 76 Snglish Av. u Pine 7 Shklöt) und Bates 7? No, 3 Spritzenhaus Prosvcct nahe Shelby ?4 Aletcher Av. u Shelby 31 Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. 53 East u Washington ?4 New Dort u. Davids ? Taubstummen Anstalt 36 Ber. Staaten Arsenal S7 Onental und Wash. 9 rauen-Reformat, 91 No. 13 Spritzenhaus .arvland nahe &ec 2 Meridian u. Vcorqia. 33 Meridian und South 4 Pennshlv u. Louisiana 35 Virginia Ave u. Alah. 36 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Dhi 13 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 24 Alabama und 16. m Central Ave und IL. 126 PandeS und 15. 127 Brookside und Jupiter 4-28 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellefontaine und W. 34 College Av und 26. 136 Delaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 138 College Ave und 14. 139 Cornell Ave und 13. 141 Dandes uno 19. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 1. .46 5.ew Jersey nd 2. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hil.fide Ave und 16. 148 College Ave und 22. 149 College Av und 27. 152 Part Ave und 2. 15. L E u. W Bahn u. 2. l:4 Ramseh Av und 10. 156 Stoughton u Newman 157 Atlas und Pike. 158 Bloyd und Pawvaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood ,2 Arden und Depot 163 Brightwood und 26, 164 Rural und Bloyd i5 St. Clair u. eystone 167 Arsenal Ave und 23. i8 BUesontaine und 28. 169 Part AM und 10. 212 Capital Ave nb 17. 213 Pennfvl. u.' 214 JllinotS und 20. 215 Senate Ave und 1 216 Pennsvlvania und tt. 217 Mendian und 16. 218 Capital Ave und 9C 219 Broadioay und 10. 31 Jlli.iois und McL 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und so. 236 Illinois und 33. 2-36 Annetta und 30. 237 No. 9. Spritzend, s Udell und Ru 238 Udetl Ladder Wort 2S9 Jsabel und 7. 241 Meridian und 24. 242 Illinois u St. Cte 243 Cldndge und 23. 312 West uud Walnut 313 West und 2. 314 Howard und IC 815 Torbet und Paca 316 Capital Av und I. 317 Northwestern Ave u 318 Gent und 18. 819 Canal und 10. 324 Cerealine Wert! 824 Vermont und Lhim 25 Bismarck u SrandVieK 326 No, 29 Spritzenhaus Hauahmlle. 327 Michigan u. H,lmes, 828 Michigan u. Concord 841 West und McJnthre 412 Miffouri u. Marhland 413 Missouri und Hhi 415 Capital Ave 4eergta 416 Missoun u entucky. 417 Senate Av u. ash. 421 P und E im W. Washington. 428 Jrren-Hospital. 424 Mi.-Y U. I DuW 426 Wash und Harris 426 No. 1 Cpritzenhaut W Washington 427 Oliver und Birch 428 Oliver und Qsqood 429 Rordyke und Dort 431 Hadlev Ave u. Morris 432 River Ave u. Morris 484 River Ave und atz 436 Harding u. Big 4 X ? 436 Harding und Oliv 487 Ro. 19 Spritzenho-Z MorriS und Harbins, 488 ward iii Mi 439 tocky 461 eisner und kr 452 Howard und See 463 Morns und Äavw 466 Lsmbert und Bettln 457 Nordyte Ave u. mon Works 12 West und Ray 513 entucky Ave u. 1 614 Meridian und Morris 51 Illinois ani ftansa 517 Morr und Dakota 518 Morris und Church 51 Capital A. u McCarty 621 Meridian und Pal 28 Pine unk, Lord 24 Madttor Ave u kincok, 26 Rendian und Belt R 27 Carlos und Ratz 528 Meridian und Arizona 629 Meridian u. Aaymond 631 Meridian u. 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