Indiana Tribüne, Volume 26, Number 262, Indianapolis, Marion County, 26 June 1903 — Page 7

Jndiana Tribüne, 36. Juni 1903.

Eine vom Brett l.

Roman von Heinrich Lee. (Fortsetzung) r gerne men ausnehmend sympathischen Eindruck auf sie gemacht. Seine Manieren, sein tadelloses Aeußeres und auch sein feines, hübsches, etwas zartes Gesicht wiesen beim ersten Blick auf das gute Herkommen hin. Seine Sprache verrieth ein wenig den Ausländer, und in der That stammte n auch, wie auf der Karte unten rechts in der Ecke zu lesen war. aus Amsterdam. Also ein Holländer. Was er in seinem Beruf war, hatte Adah bei dieser erften Gelegenheit noch nicht von ihn erfahren. Ueberhaupt schien etwas in seinem Wesen zu liegen eine Art Zurückhaltung, Scheu oder wie man es nennen mochte, was aber mit seinen übrigen Manieren in gutem Einklang stand. Nun?" fragte die Räthin, als sie wieder zu Adah in die Stube trat. Adah reichte ihr die Karte, und erzählte, daß sie mit dem Herrn alles abgemacht habe und daß er noch im Laufe des Tages einzuziehen wünsche. Gott sei Dank!" seufzte die Räthin. Ja, Gott fei Dank! Wenn die Pension nur von Onkel Malthus und seinen Cafebekanntschaften, namentlich Herrn Jagenberg, bestehen sollte, dann konnte man einpacken. um aatx Tcaa)t war nun der JQeron gekommen. In den vornehmen, stillen Stratzen des Thiergartenviertels wurden die Rolljalousien von den Fenstern und Loggien, die sie während der schönen Jahreszeit hermetisch abgeschlossen hatten, wieder hochgezogen. Die Ställe des Tattersalls. wo die reichen Leute, so lange sie auf Reisen waren, ihre Reit- und Wagenpferde in Pension eingestellt hatten, so daß jede Box besetzt war. leerten sich wieder, und vor den Haus- und Gartenthoren standen die bedeckten Wagen der TeppichklopfGesellschaft und lieferten die ihr anvertraut gewesenen Güter zurück. Durch die Straßen der inneren Stadt rollten wieder die Equipagen, an den Säulen klebten die Zettel der wieder vollzählig eröffneten Theater, in den Schaufenstern der Delicatessengeschäfte prangten in Appetitlichkeit die Eingänge der Saison", und die Post trug kleine Karten aus, auf denen zu lesen stand, daß Frau Commerzienrath A. oder Frau v. A. an dem und dem Tage in der Woche um die und die Stunden empfing". Verschiedene derartige Karten fand auck Max, wenn er aus seinem Bureau oder von den Repetitionsstunden. .'ie er nun gab, in seine kahle Junggesellenstube heimkam, auf seinem Schreibtisch vor. Im allgemeinen hatte er den Verkehr in der sogenannten Gesellschaft" bisher das hieß also bis zum Ausgang der verflossenen Winter saison nur gerade so weit gepflegt, als ein junger Mann seines Standes dem nicht ganz entgehen konnte. Denn schon ans Heirathen zu denken und aus diesem Grunde Verkehr anzubahnen, das war ihm bisher nicht im Traume eingefallen. Das Heirathen kam zurecht, wenn man mal dreißig war wenn man den Regierungsrath hatte". Jetzt aber war der Verkehr mit der Gesellschaft, das Sich-umthun nach tu ner guten Partie für ihn zu einer brutalen Nothwendigkeit geworden. Was er mit den Repetitionen verdiente, das hielt ihn gerade nur über Wasser. Zwar, Juristen wurden heutzutage überall gesucht, und man brauchte nicht unbesoldeter Assessor zu bleiben aber auch dazu gehörten Connexionen, und diese hatte er eben sträflich vernachlässigt. Frau Siegfried Engel" las er auf einer dieser Karten und darunter in der Ecke: Empfängt jeden ersten und dritten Dienstag im Monat, 5 7." Frau Engels Gatte war Bankdireciuc. e: allen Premieren say man vre hochblonde, noch immer hübsche, nur schon etwas wohlbeleibte und stets mit Brillanten geschmückte Frau, von einer Schaar von Freunden ihres Hauses umgeben, in einer Ersten-Rang-Loe sitzen; in keinem, wenn nur von irgend einer hohen Welt patronisirten Wohlthätigkeitsbazar fehlte sie. und von ihren Toiletten auf den Subscriptionsbällen brachte ein bekannter Ballberichterstatter stets die eingehendsten Schilderungen. Max stöberte in seinem Gedächtniß herum wo war er doch Frau Engel vorgestellt worden? Richtig, auf dem Juristenball und dann hatte er freundlich und immer wieder von ihr aufgefordert, mehrfach ihren 3 out" besucht, auch einer So'l-per-Einladung war er einmal nachgekommen, und bei allen diesen Gelegenheiten war er einer Menge Menschen in ihrem Hause begegnet. Es war ein Haus, für seine Zwecke wie geschaffen. Frau Siegfried Engel sollte die Erste sein, der er mit dem Beginn der Saison seine Aufwartung machen wollte. So. mein Fräulein, und bitte ganz zwanglos. Wir können uns dabei unterhalten! Nur ein recht süßes Schnutchen gemacht". Herr Jagenberg, solche Ausdrücke muß ich mir verbitten", erwiderteTilly ernstlich entrüstet.

Was denn für Ausdrücke?" Das brauch' ich Ihnen nicht ZU wiederholen." Das sind Künstlerausdrücke. Also sagen wir Mündcken". Sagen wir das reizendste, rosigste, verführerischste Mündchen, öas mir in meiner Praxis vorgekommen ist." Tilly mußte über den komischen Menschen und seine Schmeichelei, die ihr aber deshalb r'cht weniger wohlthai, lächeln. Jagenberg stand vor der Staffelei, neben sich eine umgekehrte Holzkiste mit einer Unmasse von ausgewaschenen Pinseln und Tuben, und malte, in der Linken die Palette, auf einer Leinwand, auf der schon mit dem Kohlenstift die Umrisse skizzirt waren, an ihrem Kopf. Zu diesem Zwecke hatte sie sich auf seine Anordnung an das einzige, nach Norden gelegene, unten mit einem grünen Tuch verhangene Fenster im Zimmer setzen müssen, um ihre Gchultern trug sie den von ihm dazu ausgewählten, schwarzen Spitzenshawl, und nun malte er drauf los. Sobald das Bild fertig war. sollte es zur Ausstellung kommen in einem Kunstsalon, der eben von seinem Besitzer neu eröffnet worden war. Die Sache war die: Jagenberg hatte mit seiner Zeitung einen Krach" zehabt, er hatte seine Stellung verloren und am Monatsletzten einen Theil seiner Miethe schuldig bleiben müssen. Frau Sanitätsrath", waren feine tröstenden Worte gewesen, dafür male ich Ihre Töchter ; und Ihr Geld kriegen Sie von mir. Darauf können Sie Gift nehmen. Ich leg' mich jetzt auf die Porträtmalerei. Mit der Porträtmalerei verdient man heut' das meiste Geld. Mit Fräulein Tilly fang' ich an." Jagenberg, das sind faule Fiscke". warf Onk;l Malthus ein , wir haben Ihnen mit dem Zahlungsmodus ohnehin Concessionen gemacht. Sie haben jetzt Ihre Verpflichtungen einzuhalten." Kommi alles noch, Herr Hauptmann. Dicke kommt's, Verlassen Sie sich darauf." Was blieb ihnen anderes übrig, als ihn zu behalten? Setzte man ihn an die Luft, so war nachher erst recht nichts mehr von ihm herauszubekommen. Das glänzende Prognostiken, das Onkel Malthus seiner Schwägerin gestellt hatte, wollte sich noch immer nicht erfüllen. Die Penjionäre kamen nicht und kamen sie, so war ihnen der Preis zu hoch. Nur noch eine Engländerin hatte man bekommen, wohl die unangenehmste Person, die jemals über den Kanal geschwommen war Miß Spatterdash. Nicht allein, daß sie sich über jeden Punkt der von Onsei Malthus sorgfältig ersonnenen und aufgestellten Hausordnung hinwegsetzte daß sie zu allen Mahlzeiten zu spät kam und deshalb immer extra die Speisen für sie noch gewärmt werden mußten daß sie fortwährend die beiden Dienstmädchen für sich in Anspruch nahm, als wären diese für sie allein da damit keineswegs genug. Den ganzen Tag drang noch außerdem Klaoiergeklimper aus ihrem Zimmer. Denn Miß Spatterdash war nach Berlin gekommen, um hier das Conseroatorium zu besuchen. Eben hörte man sie wieder. Es fehlte bloß, daß ihretwegen noch die anderen Pensionäre rebellisch wurden. Die anderen", das war freilich im Grunde nur Herr van den Meulen." Merkwürdig, auch Jagenberg mußte jetzt an diesen jungen Mann denken. Sagen Sie, Fräulein Tilly," sprach er, während er sich wieder umwandte, um einen Blick auf ihre Stirn zu werfen, und aus Miß Spatterdash's Zimmer zum so und so vielten Male eine gewisse Passage hinüberklang was ist mit diesem Herrn van den Meulen los? Ich gebe mir alle Mühe, seine Freundschaft zu gewinnen, aber er bleibt mir gegenüber gefühllos wie ein Ziegelstein. Dabei hat er einen guten Kopf, ich meine äußerlich, einen Kopf, der gemalt zu werden verdient. Ich glaube, daß er viel Geld hat. Glauben Sie auch? Jagenberg war heute langweilig. Jetzt sollte sie sich noch für seine Geldgeschichten interessiren. Was ging sie Herr van den Meulen an? Ein junger Mensch, der Volontär in einem Bankgeschäft war. Was weiß denn ich?" erwiderte sie.

Es giebt ein Geheimniß mit ihm," I fuhr Jagenberg fort, indem er seinen Pinsel in einem Tupfen Kremser Weiß herumdrehte, er ist still, zurückhaltend, verschlossen. Ich gehe jede Wette da rauf ein: Er ist verliebt. Und wissen Sie, in wen? In Sie!" Sieben Sie doch bloß nicht solchen Unsinn!" Unsinn! Angenommen selbst, er wäre es bisher noch nicht, so wär' es für Sie doch eine Kleinigkeit, ihn in sich verliebt zu machen." Was wollte Jagenberg von ihr mit solchen Redensarten? Jagenberg nahm wenigstens wenn sie miteinander allein waren einen Ton gegen sie an, der für sie etwas ganz Neues, Fremdes war. Aber freilich, ihr war ja bisher so vieles fremd gewesen erst hier in Berlin gingen ihr die Augen dafür auf. Ohne ihre Antwort abzuwarten, redete Jagenberg weiter. Haben Sie schon mal über's Heirathen nachgedacht, Fräulein Tilly?" fragte er ganz ruhig und gemüthlich. Sie sind doch so ein schönes, nettes Mädchen. Was meinen Sie, wenn ich Ihnen nun dazu behilflich bin, wenn

icn Zonen einen recht retcyenllicann verschaffe so einen, der draußen im Grunewald eine Villa hat, und der Ihnen jeden Tag ein neues, seidenes Kleid schenkt, was?" Er griff nach einem anderen Pinsel und sah ihr fest, ungenirt in die Augen. So sicher sie sich bisher vor seinem anmaßenden Wesen gefühlt hatte jetzt stand sie auf. Ich will mich nicht von Ihnen malen lassen. Ich danke dafür." Aber bleiben Sie doch sitzen." Er trat zu ihr heran und drückte sie wieder auf den Stuhl zurück. Sie denken vielleicht, daß ich Spatz mache? Aber im Gegentheil, es ist mein bitterer Ernst. Ich male Ihr Bild, wir stellen es aus, taufende Leute werden es sehen na und wär's denn so ein Wunder, wenn sich wirklich einer 'rein verschießen würde ? Er braucht ja nicht gerade aus dem Grunewald zu kommen es kann auch ein Amerikaner sein, der die genügenden Dollars hat. So und jetzt den Kops ein wenig nach rechts." Es waren ganz gewiß nur dumme Redensarten von ihm, und doch weckte er in ihr damit Gedanken, die schon lange traumhaft auf ihrer Seele geruht haben mußten. Wie aber kam er dazu? Welches Interesse hatte er daran, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen? Es schien, als hätte er ihre Frage bereits errathen. Ich weiß," fuhr er fort, Sie werden sich dann fragen, wie Sie sich dem Manne, der Ihnen zu Ihrem Glück verholfen hat, dankbar zeigen sollen. Aber meine Forderungen werden sehr bescheiden sein. Ich werde nur für mich ein Plätzchen in Ihrem Salon und an Ihrer Tafel verlangen. Im Uebrigen werde ich mich mit dem Ruhme begnügen, der Maler Ihres Bildes zu sein. Um aber auf Herrn van den Meulen zurückzukommen so könnte er mir jetzt nützlich sein. Denn wieso? Ihnen gestehe ich's, Fräulein Tilly, denn ich betrachte uns zwei hiermit als Kameraden. Die Manichäer sind mir auf dem Halse, und es könnte der Fall eintreten, daß ich Ihrer Frau Mutter wieder die Miethe schuldig bleiben würde. Herr van den Meulen ist ein wohlhabender junger Mann, er braucht sich also nur t on mir malen zu lassen, und mit dem Honorar wäre mir für den Augenblick geholfen. Dazu ist aber Jemand nothwendig, der ihm den Gedanken dazu eingiebt, und Niemand würde sich besser dazu eignen, als eine junge, schöne Dame, die ihm ein Interesse an seinem Bildniß vorspiegelt und deren Schönheit und deren Bitte er nicht widerstehen könnte. Unter dieser jungen Dame, Fräulein Tilly, verstehe ich Sie! Was haben Sie denn?" Tilly war aufgestanden. Jetzt verstand sie ihn und seine Frechheit als Köder, als Lockspeise sollte sie ihm dienen, wenigstens was den Holländer betraf. Ich will mit Ihnen nichts mehr zu thun haben," stieß sie hervor. Aber Fräulein Tilly!" Lassen Sie mich, oder ich erzähle alles meinem Onkel!" Sie ließ ihn stehen, wie einen dummen Jungen, rauschte durch die Thür, und er befand sich allein. Was war daS mit ihr? Hatte er sich in ihr verrechnet? Unsinn. Sie war und blieb das hohle, schöne, eitle Ding, als das er sie mit seiner Menschenkenntniß, die er sich Gott sei Dank in dieser Stadt der zusammengewürselten Existenzen erworben hatte, beim ersten Blick erkannt hatte und das ihm nun dazu verhelfen sollte, aus seiner verdammten Misere herauszukommen. Nein, verrechnet hatte er sich nicht, nur wie :in Dummkopf hatte er sich benommen er war bei ihr mit 'ber Thiic in's Haus gefallen. Dummkopf!" murmelte er noch einmal zu sich selbst, und er "warf sich auf die Chaiselongue, drehte sich eine Cigarette und sah den blauen Rauchwölkchen nach. Bah sie würde sich wieder versöhnen lassen. Er dachte an die Zukunft wahrhaftig, er hatte sich bisher in seinem Leichtsinn verdammt wenig darum gekümmert. Jetzt, mit Hilfe dieser Tilly, war die Gelegenheit, einen Sprung zu machen, da. Und die Rauchwölkchen formten sich zu bezaubernden Bildern vor ihm zu einen luxuriösen Atelier mit kostbaren, alten Möbeln, Gobelins und Polstern, dazwischen aus Sammet- uno Seidengewändern hervorschauende schöne Frauenköpfe, die er auf die Leinwand bannte, und jedes Bild brachte so und so viel tausend Mark. Währenddessen saß Adah nebenan im Empfangszimmer" am Schreibtisch, auf dem vor ihr kleine, blaue Rechnungshefte ausgebreitet lagen. Bei dem Eintritt Tilly's sah sie auf. Nun, Eure Sitzung schon aufgehob?n?" fragte sie mit merklichem Spott. Tilly hatte ihre Schwester hier nicht vermuthet. Sie wäre ihr sonst sicherlich aus dem Wege gegangen. Immer mußte sie die Schwestern mit irgend einer Arbeit beschäftigt sehen, Adah am Schreibtisch und Trude in der Wirthschaft während sie selbst in dieser ungemüthlich großen Wohnung sich ganz zwecklos vorkam. Niemand verlangte ja auch etwas von ihr abgesehen davon, daß sie sich in derWirthschaft auch ihre wohlgepflegten Hände ruinirt hätte. Ein wahres Glück für sie in diesen letzten Tagen war es noch, daß Mama nicht ganz wohl war. Bei dem regnerischen Wetter, das eingetreten war, hatte sie sich eine Influenza

Auszogen, uno nun lag sie in einem der beiden Schlafzimmer auf dem Sopha, und Jemand mußte sich um sie kümmern, ihr das Kopfkissen zurechtrücken, die Decken in Ordnung bringen. Indem sie sich so mit Mama und ihrem Unwohlsein beschäftigen konnte, hatte sie wenigstens etwas zu thun. Das gab ihr in diesem Augenblick auf Adah's Frage eine passende Ausrede. Denn eigentlich that es ihr schon leid, Jagenberg davongelaufen zu fein. Oder sollte sie ihn vielleicht bei Adah verklatschen? Adah wandte sich, während Tilly im Nebenzimmer verschwand, wieder ihrer Arbeit zu. Sie rechnete. Es waren Zahlen, nichts als Zahlen, die vor ihr lagen eingetragen in den kleinen Heften, denen des Bäckers, deS Fleischers, des Kolonialwaarenhändlers. Mama in ihrer Art konnte sich in den großen Vauöitanv nun einmal mcyt finden, die Zahlen machten ihr so viel Kopfzerbrechen. Wer von ihnen sollte sich also um diese Dinge anders kümmern als sie die Aelteste? Oder der Onkel vielleicht? Außer den kleinen, blauen Rechnungsbüchern aber sah man in einer Ecke des Schreibtisches noch einen Stoß beschriebener, loser Quartblätter. Es war eine von ihr begonnene Uebersetzung aus dem Englischen, die sie nach Beendigung zuversichtlich zu verkaufen hoffte. Die Thür ging auf. Trude mit dem Mädchen trat ein, beide mit dem Tischzeug beladen. Die Uhr zeigte auf sieben, und es war Zeit, an das Abendbrot zu denken. Es fiel Adah dabei ein, während Marie erst über dem langen Ausziehtisch die große Hängelampe anzündete, daß sie sich auch noch um die Wäsche zu kümmern hatte, die der Waschmann aus Coepenick heute Abend mit seinem Wagen noch abholen wollte, und sie begab sich hinaus. So," sagte Marie jetzt, die von dem taghellen Gasglühlicht bestrahlte Tafel musternd, in ihrem breiten Schlesisch vergessen hätten wir doch nichts, Fräuleinchen. Aber richtig, die saure Milch für die englische Madame." Miß Spatterdash verlangte, daß jeden Abend neben ihrem Gedeck ein Glas saure Milch stand ihrer S3tr dauung wegen, ein Umstand, der ihr auch noch die Sympathien Mariens entzog, denn man mußte die Milch, damit sie sauer wurde, immer erst ein paar Tage in der Küche herumstehen lassen, und das machte dann allerhand Wirthschaft. Marie mußte also noch einmal hinaus, den odiösen Trank für Miß Spatterdash zu holen und dann war Trude in dem großen Zimmer allein. Sie hatte noch die Schürze vor, keine zierliche Tändelschürze, sondern eine richtige, große Küchenschürze. Noch immer hörte man Miß Spatterdash's Klavierspiel, Läufer, Triller, Tonleitern, und Trude horchte auf, ob sich nicht eine lustige Melodi: daraus entwickeln würde aber nein, es war eine langweilige Etüde.. Am liebsten hätte sie sich die Ohren davor zugestopft. Dann verfiel sie, an den Tifch tretend, in allerhand Gedanken und Träumereien, und wieder summte und sang sie etwas vor sich hin mit leiser, aber glöckchenreiner Silberkehle sie plötzlich zusammenfuhr. W Cntreellgel erscholl. Gleich darauf wurde von draußen eine wohlklingende, helle Männerstimme vernehmbar. und Trude stand bei ihrem Klänge still. Dann aber riß sie sich plötzlich die häßliche, große Schürze ab, als sollte sie der, von dem diese Stimme kam, in einer solchen Verunstaltung nicht sehen. Bevor sie jedoch noch ganz das Band davon gelöst hatte, öffnete sich die Thür, und herein trat Herr Dolf van den Meulen. Er kam aus seinem Geschäft, wie jeden Abend um diese Zeit. Diesmal hielt er in seiner Hand einen Brief, der während seiner Abwesenheit für ihn angekommen war. Trude hatte den Brief schon gesehen. Er war aus Amsterdam und von seinem Vater. Guten Abend!" sagte Dolf. Sonst, wenn er nach Hause kam, ging er zuerst auf sein Zimmer, aber dort hätte er Licht machen müssen, um den Brief zu lesen, und er hatte es wohl mit dem Lesen eilig. Im Speisezimmer, das wußte er, brannte schon die Lampe, und so setzte er sich auf seinen gewohnten Platz am Tisch und vertiefte sich in den Inhalt des Briefes. Guten Abend!" hatte er nur bei ihrem Anblick gesagt. Weiter nichts. Und so war er immer zu ihr. So kurz und so voll Nichtachtung. Darum haßte sie ihn auch so gräßlich. Voll fiel der Schein der Lampe auf ikn herab, wie er jetzt so dasaß und las. Auf seine schlanke Gestalt, auf sein blondes, junges Gesicht. Jetzt zuckte in seinem Gesicht etwas auf wie Schmerz, wie Bitterkeit, oder war es Verachtung? Dann glättete es sich wieder, und ruhig las er den Brief bis zu Ende, um ihn dann zusammenzufalten und in die Tasche zu stecken. Trude hatte währenddessen in der Ecke dor dem Schreibtisch gestanden. Sollte sie vielleicht vor ihm" davonlaufen? Damit er sich darauf noch etwas einzubilden hatte? Und daß sie ihre Augen dabei auf sein Gesicht gerichtet hielt! Irgendwo mußte sie doch hinsehen. Natürlich konnte ihr auch nicht der sich so plötzlich verändernde Ausdruck darin entgehen. Etwas in dem Briefe mußte ihm Schmerz und Leid bereiten. Fast freute sie sich darüber. Warum hatte er solche

, icoeimnine, uoer die er mtt Nteman- ! dem sprach? Und sie sie hielt er ja ! noch für ein Kind, für einen dummen j Backfisch. Auf der Straße würde er

vielleicht nicht einmal den Hut vor ihr abnehmen. Auch jetzt, nachdem er mit dem Briefe schon längst fertig war, achtete !er nicht auf sie und ließ sie ruhig in ihrer Ecke stehen. Er starrte auf die Wasserflasche, und wieder schwebte der bittere Hauch von vorhin über sein Ge- ! sicht. Dann aber stieß er ein kurzes Aachen aus, wie um damit einen Gedanken zu verscheuchen, stand auf und ging, die Hände auf dem Rücken, im Zimmer auf und ab. Sie war Luft für ihn! Fast wollten ihr vo. Haß auf ihn die Thränen in die Augen treten. Aber nein auch sie wollte ihm zeigen, daß er Luft" für sie war. (Fortsetzung folgt.) m m m - 5 in Haien von Genua fanden Fischer ein in Packpapier gewickeltes Leinenpacket, das einen in Stücke geschnittenen menschlichen Körper enthielt. Da die Körpertheile in Zeitungspapier des Mailänder Corriere della Sera gewickelt waren, lenkte sich der Verdacht sogleich nach der Lombardei. Dort ermittelte man denn auch den Thäter. Es ist ein Correspondent in einem großen Geschäft in Mailand, Alberto Olivo. Sein Opfer ist seine eigene etwa 27jährige Frau, die er in der Nacht zum 17. Mai ermordete und in Stücke schnitt; die eingewickelten Leichentheile warf er in Genua in's Meer. Bewohner des Hauses hatten in jener Nacht einen entsetzlichen Schrei in der Wohnung der Eheleute Olivo gehört. Da sie die Frau seitdem nichi mehr sahen, schöpften sie Verdacht, zumal die Frau mit ihrem Manne in recht unglücklicher Ehe lebte. Der Mann erzählte aber, seine Frau habe ihm in heftigem Streit eine Messerwunde am Unterarm beigebracht und in aller Frühe das Haus verlassen, um nach ihrer Heimath Biella für immer zurückzukehren. Olivo scheint am Morgen nach der That die Eingeweide und einige Tage später in zwei Koffern den Rest des Körpers fortgeschafft zu haben. Nun besteht in Genua der Stadtzoll, und bei seiner Ankunft soll er den Inhalt der Koffer als Schweinefleisch angegeben haben. JnderrussischenStadt Jelissawetgrad ereignete sich bei der von einer kleinrussischen Truppe ver anstalteten Aufführung des Dramas Talent" von Staritzki ein tragikomischer Zwischenfall. Im vierten Akte soll Theater im Theater" gespielt werden. Hierbei muß sich ein Theil der Schauspieler unter das Publikum in die Logen, das Parterre und auf die Gallerie begeben und Kundgebungen des Mißfallens veranstalten, worauf die Heldin in Ohnmacht fällt. Als nun die Schauspieler unter dem Publikum das Stück auszupfeifen begannen, wollte einer der diensthabenden Polizeibeamten mit aller Energie diese Unordnungen" unterdrücken. Er eilte auf die Gallerie, von wo das Pfeife und Protestiren gegen das Stück" am lautesten erschallte, und verhaftete daselbst einen der mitwirkenden Schauspieler, wegen des Lärmens". Gegen alle Erklärungen der übrigen Schauspieler und des Publikums blieb er taub und hatte für sie nur die eine Antwort: Die Polizei wird die Sache schon aufklären!" Infolge dieses Vorgehens des Beamten entstand aber nun erst recht Lärm unter dem Publikum, das energisch die Fortsetzung der Vorstellung verlangte. Der Theaterdirector war schließlich genöthigt, mitten in der Nacht zur Polizeiverwaltung hinzufahren und daselbst die verdächtige", allzu realistische Scene vorzulesen. Erst dann wurde der völlig unschuldig verhaftete Schauspieler wieder in Freiheit gesetzt, und auch das Stück selbst konnte'weitergespielt werden, obwohl bereits der größte Theil des Publikums das Theater verlassen hatte. Die Vorstellung erreichte erst um 3 Uhr Morgens ihr Ende. Eine geradezu klaff ische amtliche Verfügung wird aus Petersburg mitgetheilt. Im Jahre 1902 wurde eine Anzahl Studirender infolge politischer Demonstrationen nach den unwirthlichen Steppenregionen Sibiriens verbannt, und zwar wie es im Dekret des Ministers des Innern damals hieß ohne Erlaubniß, nach dem europäischen Rußland zurückzukehren." Als vor einigen Monaten durch ein Manifest des Zaren diese Verfügung aufgehoben wurde, weigerten sich die nach der Steppe verbannten Studenten, von der Gnade Gebrauch zu machen. Alles höfliche Zureden und weniger höfliches Befehlen seitens des sibirischen Gou verneurs hclf nichts: die Verbannten blieben ruhig in der Verbannung. Der rathlose Gouverneur wandte sich in seiner Herzensangst an den Minister des Innern, und Her? von Plehwe wußte auch wirklich Rath: durch ein Dekret snb No. 719 wurden die hartherzigen Studiosi zur Rückkehr nach dem europäischen Rußland verurtheilt", und zwar ohne Erlaubniß, nach den Steppenregionen Sibiriens im Laufe eines Jahres zurückzukehren Berechtigung. A.: Und von dem Kerl lassen Sie sich Lump" schimpfen?" B.: Der darf's; wir haben gestern Brüderschaft zusammen aetrunken!"

Feuer - Signale.

i Pennshlv und startet 6 English's Opan-Haus 6 East und R Fort 7 Noble und Michigan 3 N. Jersey u. Maff Ave 9 Pin und North 0 Startet und Pin 11 Vermont nah Eaft 12 91$. 8 Eprihenhaus Mass, Ave nah Robk 13 Delaware und Walnut 14 . Jerscy u Ctntral A. (6 Mass, und Cornell Ave fh ch . Strafe 7 Park A und 12 Str ,6 Columbia undHillfid 9 Highland Av u. Prtt ii Illinois und St. I .i Pennfyl. und Pratt i Meridian und 11. Str '5 No.5Spri?enhauSl5. nah Jllmoi :s Senate Zlvu. StSlair ? Jllino und Michigan Pe svlvania und 14. !9 Senate Ave. und l. (l No. I Spritzenhaus Jnd Ave nahsRichiga !2 Meridian und Walnut M California u Vermont Blake und New Kork 13 Jnd. Av. u. St. Clair 17 City Hospital n Blake und Norch i9 Michigan und Agnes U No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West t2 Gsendorf u Wash. ,3 Missouri u New Ark tö Meridian u Wash 16 Illinois und Ohio 17 Capitol Av. u Wash 18 Kingan'S Porkbau t9 Straßenbahn Ställe W. Washington Str 61 No. io Spritzenhau Illinois u Merrill 52 Illinois u Louisiana 53 West und Couch 64 West und McCarty 5 Senate Av. u Henry 67 Meridian und Ray 68 Ro. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Morvts 69 Madijon Av.u Dunlop 61 No 2 Haken Leiterhaus South nahe Telawar, 6 Penn, u Mernll 63 Delawar u. McCartv 4 ast und McSarty 66 New Jersey u. Merrill 67 Birg. Av. u Bradsha SS Sast und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus ir Ave. mche Hur, 72 East und Georgia 73 edar und (ihn 74 Davidson u Georgt 76 Snglish Av. u Pine 75 Sbelby und Bates 7? No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelb H Fletcher Av. u Sbelby ?l Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. 93 East u Washington 4 New Nork u. Davidsoe 6 Taubstummen Anstatt 36 Ber. Staaten Arsenal 7 Cnentdl und Wash. 59 ?rauen-Retormat. 91 No. 13 Spritzenbaus Marvland nabe Mer. -2 Meridian u. Vrqia. 3 Meridian und South 14 Pennsvlv u. Louisiana 91 Virginia Ave u. 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