Indiana Tribüne, Volume 26, Number 261, Indianapolis, Marion County, 25 June 1903 — Page 7
7
Indianer Tribüne, Z. Juni 1903.
r , m
7
Eine vom Brett l.
Roman von Heinrich Lee. (Fortsetzung) üUter Wochen waren seit jenem Begräbnißtage vergangen, als Hauptmann Denhardt eines Abends in ge wohnter Weise von seinem Cafe zurückkehrte in oer einen Rocktasche ein halbes vttrtel Pfund gekochten Schinken, in der anderen ein halbes Pfund Butter, denn er pflegte seine Einkäufe zum Abendessen persönlich zu erledigen und in seinem bescheidenen Garonzimmer mit den etwas wacklig gewordenen alten Mahagonimöbeln und dem großen Oelgemälde König Friedrich Wilhelms des Vierten, daZ über dem schmalen Bett hing, auf dem runden Sophatisch einen Brief vorfand den erwarteten Brief von seiner Schwägerin. Sie schrieb, daß nach so langem, wochenlangem Hinund Herüberlegen seine Idee mit dem Pensionat sich als der einzige Rettungsanker für sie alle erwiesen habe. Zwar hätte sich Max noch bis zu allerletzt dagegen gesträubt, und auch von Ludwiga sei ihr noch ein eindringlicher Warnungsbrief zugegangen, aber etwas anderes und nun gar Besseres konnten sie beide ihr auch nicht rathen. Ein Kaufmann aus der Stadt hätte ihr auf Haus und Garten ein Baargebot gemacht, bei dem sie nach Abzug der Hypotheken noch einige tausend Mark herausbekommen würde. Noch im Laufe der Woche würde die Zahlung erfolgen, und dann könnte sogleich die Uebersiedelung nach Berlin vor sich gehen. Vorläufig bäte sie den Onkel darum, da Max doch zu beschäftigt dazu sei, ihr mit den Mädchen ein billiges Absteigequartier zu sichern wenn es möglich sei, ein Zimmer mit vier Betten, vielleicht im Evangelischen Vereinshause. Jedenfalls würde sie an den Onkel noch eine Postkarte schreiben oder sollte sie lieber telegraphiren? und dann bäte sie darum. daß er sie auf dem Bahnhofe erwarten möchte. Onkel Malthus verzehrte, nachdem er aus der Ofenröhre die von Frau Erbstroh dort aufbewahrte Serviette, den Porzellanteller und das dazu gehörige Besteck hervorgeholt hatte, auf dem runden Tisch sein einfachesAbendessen, dann ließ er Herrn Erbstroh zu sich ins Zimmer kommen und eröffnete dem betrübten Manne, dessen Geschäft seit der Zeit, wo die Dame keine Chignons mehr trugen, ohnehin flau ging, daß er sein bisheriges Verhältniß zu ihm lösen müsse. Familienpflichten und Rücksichten geböten ibm, zu Verwandten überzusiedeln. Seit ganzen acht Tagen weilte nun schon die Räthin mit ihren Töchtern in Berlin. Onkel Malthus hatte für alles, was den Empfang betraf, aufs beste gesorgt auch für das Unterkommen im Hospiz. Gleich nach dem Tage ihrer Ankunft war er mit ihr Wohnung suchen gegangen natürlich draußen im Westen während die Mädchen sich unter Begleitung von Max bereits einigemal das Leben auf den Straßen, Unter den Linden" und im Thiergarten angesehen hatten. U?brigens hielt er dabei weder vor den Geschwistern noch vor der Mutter den Verdruß zurück, daß sie nun doch nach Berlin gekommen waren. Er schien in seiner Art damit freilich nur zu beweisen, wie besorgt er um ihr Schicksal war, und außerdem hatte er ja mit der Sorge um sich selbst genug zu thun. Für die freienAbendstunden hatte er 'nzwischen eine sogenannte Einpaukerstelle" angenommen, das heißt, er bereitete junge- Studenten und Referendare zum Examen vor. Damit hielt er sich wenigstens nothdürftig über Wasser. Es ließ sich beobachten, wie verschiedenartig die Eindrücke des Neuen, Fremden und Großartigen, was sie in diesen ersten Tagen auf ihren Spaziergängen sahen, auf die drei Mädchen waren. Tilly zeigte sich entzückt namentlich, was die prachtvollen Schaufenster und speziell die der Modemagazine, der Putzgeschäfte und der Juweliere betraf, von denen sie kaum loszureißen war. Alle ihre Träume waren davon übertroffen. Eine eigenthümliche Veränderung ging mit Adah vor. Von der Beklemmung, die sie vor Berlin gehabt hatte, war keine Spur mehr in ihr. Im Gegentheil, die Ordnung und Reinlichkeit überall übte auf ihre verftandesmäßige und nüchterne Natur eine beruhigende Wirkung. Aller Orten erblickte sie geschäftige Menschen. jeder hastig seiner Arbeit nachgehend, jeder von einem Lebenszweck erfüllt. Nur daß sie damit gleichzeitig auch an die eigene ungewisse Zukunft erinnert wurde, der sie entgegen gingen. Was kümmert das uns", sagte Tilly leichten Herzens, wenn unter den beiden Schwestern zu Hause in ihrer vorläufigen Wohnung, die am Gendarmenmarkt lag, in Abwesenheit der Mutter das Gesvräck darauf kam .das wird Onkel Malthus doch alleS machen." Dabei sah sie schon wieder in den goldumrahmten Spiegel, der zwischen den Fenstern hing, lächelte ihr Ebenbild darin selbstzufrieden an und schob sich die Haarfrisur zurecht. Je älter sie wurden, desto mehr trat auch die Kluft zwischen den beiden Schwestern hervor. Von einer harmlosen geschwisterlichen Vertraulichkeit
war zwischen ihnen schon längst keine Rede mehr. Tilly hatte Dinge im Kopfe, von denen Adah wußte, daß sie ihr nichts davon sagen mochte. Es waren Dinge, die aus den unappetitlichen Romanbänden stammten, die sie sich heimlich, ohne Wissen der Eltern, aus der Leihbibliothek holte. Dies und wie sie sich einen Hut immer wieder umgarnirte oder mit ein paar seidenen Lappen, die sie weiß Gott wo aufgetrieben hatte, sich einen alten, wolle nen Unterrock unten aufputzte, daß er raschelte, und daß man den ganzen Unterrcck für Seide halten sollte das war das einzige, womit sie ihren Kopf beschwerte. .Selbstoerstanilich! Um Mama brauchst Du Dir ja keine Sorgen zu machen!" antwortete Adah mit nur schwer verhaltener Entrüstung. Wenn Dir nur Deine Frisur gefällt!" Tilly ließ sich in dem Anblick, der ihr so wohlgefiel, durch die Worte der Schwester nicht stören. Auch reizten und kränkten sie diese Worte in ihrem zufriedenen Gemüthszustande nicht. Wenn sie sich über etwas ärgern sollte, dann mußte es noch ganz anders kommen".
Ach Gott", sagte sie. Du willst bloß wieder mit mir zanken. Mir ist es um Mama genau so wie Dir. Ich spiel' mich bloß nicht damit auf." Tillys Laune war heute ganz be sonders schwer niederzudrücken. Sie dachte daran, mit welcher Aufmerksamkeit heute auf der Straße wieder alle jungen Herren sie angesehen hatten trotz der einfachen, häßlichen Trauerkeidung. Natürlich hatte sie so gethan, als merkte sie es nicht. Adah schwieg. In welchen nutzlos sen Streit sollte sie sich mit der Schwester einlassen. Jedes Wort an sie war in den Wind gesprochen. Sie stand am Fenster und sah auf die davorstehende Kirche und be; weiten Platz hinaus, über den sich schon die Dämmerung breitete. Wo Mama mit Onkel Malthus heute nur blieb. Sie waren wie der auf Wohnungssuche gegangen. Sonst waren sie um diese Zeit schon immer zurück. Und wo steckte Trude? Sie konnte nur im anderen Zimmer sein. Was machte sie dort? Adah trat auf die Thür zu. um sie zu öffnen. Im letzten Augenblick aber ließ sie die Hand von der Klinke wieder sinken. Aus dem Zimmer hinter dieser Thür klang eine helle, reizende Mädchenstimme terau erst ein tiefes Summen, wie in selbstvergessenheit, dann immer lauter. Was siö sang, war ein einfaches, schlicht Volkslied. Trudens hübsche Stimme hatte ihnen allen im Hause immer Freude gemacht und der alte Cantor, bei dem sie in der Schule Gesangsstunde gehabt, hatte Papa sogar den Rath gegeben, das Kind ausbilden zu lassen, eine bessere Stimme habe er überhaupt noch nicht unter seinen Schülerinnen gehabt. In der That hatte Trude bei einer früheren Opernsängerin, die sich als Lererin in die kleine Stadt zurückgezogen hatte, auch noch etwa ein Jahr lang weiteren Unterricht genossen bis zu des Vaters Tode. Seitdem waren ihre frohen Lieder, die bisher das Haus durchklungen hatten, verstummt. Nun fing sie zum ersten Mal mit ihrem Singen wieder an. Wie sich die helle Stimme aus der jungen Kehle losrang, erst sich selber unbewußt, dann immer sicherer und fröhlicher, so schien sich von der jungen Seele auch allmählich der große Schmerz zu lösen, der erste, der in sie hereingebrochen war und sie bisher umklammert hatte. 2a paßt sich doch hier für das Kind nicht", sagte Tilly, mit einem letzten befriedigenden Blick von dem Spiegel sich wieder zu ihrer Schwester wendend wenn jemand das hier im Hause hörte. Hier wohnen doch lauter fromme Leute." Es kam Adah nur komisch vor, daß gerade Tilly sich ein Urtheil darüber aneignen wollte, was sich in diesem frommen Hause schickte und was nicht. Fast wie eine Sünde schien es ihr. ba3 Kind, nachdem es sich in seinem Schmerze so lange verzehrt, nun in seiner wieder erwachenden Lebensfreude zu stören. Aber eben brach die hellklingende Stimme drinnen ab plötzlich, wie über sich selbst erschreckend und das machte Adahs Zögern ein Ende. Was machst Du hier?" Trude stand, das betroffene Gesicht auf die Schwester gerichtet, wie eine ertappte Sünderin vor der offenen Commode, in der sie ihre Puppe. es war die letzte und einzige, von der sie sich noch nicht hatte trennen können ihre Aufklebebilder und ihre sonstigen Spielsachen, die sie nach Berlin frntte. mitnebmen dürfen, axtfbr'mnhrkp Sie hatte, um ca die Langeweile zu vertreiben, eben darin herumgekramt und mochte nun selber fühlen, wie unschicklich ihr Singen, das ihr unwillkürlich beigekommen, war. Nur vier Wochen waren seit jenem Tage des Begräbnisses vergangen, aber Trude stand in dem Alter, wo der jugendliche Körper fortwährend in der Entwickelung ist. Sie sah seit jenem Tage größer und noch magerer geworden aus. Der jungenhafte Zug in ihrem spitz gewordenen Gesicht mit den ungebändigten Locken, die ihr über die Stirn quollen, und den schwarzen, glänzenden. halb verschüchtert, halb trotzig der Schwester zugewandten Augen trat jetzt noch mehr als früher hervor. Viel leicht schämte sie sich auch der Puppe wegen, mit der sie als so arokes Mäd-
cyen noch spielte. Früher war sie gegen jedermann wie ein unbefangenes Kind, gewesen. Jetzt hatte sie etwas Befremdendes bekommen auch in ihrem Wesen gegen die Schwestern etwas Scheues, als hätte sie sich vor allen Leuten zu fürchten. ..Nichts", erwiderte sie hastig auf der Schwester Frage und stieß das Schubfach zu. Udah faßte sie an beiden Händen. Auch ihr fiel jetzt die Veränderung des Mädchens auf. An dkm Fenster, das auf den stillen, leeren, sauber asphaltirten Hof hinausging, stand ein Stuhl. Zu diesem zog sie die Schwester heran und setzte sich. Kind", begann sie in fast mutier lichem Ton mit Dir ist etwas zeschehen. Was ist es denn? Nun. wirst Du's sagen?" Trude war bisher wenig daran gewöhni, daß sich die ältere Schwester um sie bekümmerte. Dazu war zwischen ihnen schon der Abstand der Jahre zu groß und warn sie etwas auf dem Herzen gehabt hatte, so wandte sie sich nie damit an die Schwestern, sondern an den Papa. Statt einer Antwort traten ihr nur wieder die Thränen in die Augen zwei dicke, runde Thränen, die ihr schwer und langsam über die hagrren Wangen kugelten. Das war es ja daß sie. seit Vater nicht mehr lebte, so allein mit sich war. Das einzige Wesen, das mit ihr zusammenhielt, war ihre Puppe. Nun?" wiederholte Adah ungeduldiger. Aber Trude schwieg. Wie hätte sie auch das, was in ihr vorging, jemand erklären können! Und der ungeduldige, strenge Ton, den jetzt Adah gegen sie anschlug, machte sie vollends verstummen. ,.Du bist ein eigensinniges, verstockteö Ding", kam es jetzt ungehalten von der Schwester Lippen Du bist es qar nicht werth, daß man Dich lieb hat!" Sich ein kindliches Vertrauen zu gewinnen, war nun einmal nicht Adahs Art. Da wurden draußen auf dem teppichbelegte Corridor Stimmen vernehmbar. Es war Mama und mit ihr der Onkel, die zurückkamen. Nun. habt Ihr was gefunden?" rief Tilly ihnen schon entgegen. Die Räthin. mit einer großen, schwarzen Tüllschleife an der Brust, die für Tilly einen beständigen Aerger bildete, weil sie, wie sie meinte, der Mutter gleich so etwas Provinziales gab. ließ sich erschöpft und klagend von der wieder gehabten Anstrengung auf das Sopha sinken. Um so frischer und zufriedener sah Onkel Malthus aus. Eure Mutter hat gemiethet." sagte er. Endlich hatte man das Passende gefunden. Ein großartiges Quartier dicht am Kurfürstendamm wie für ein Pensionat geschaffen. Erster Stock. Balcon. Loggia. Gas. Bad und jede Stube vom Entree aus mit einem besonderen Eingang. Wie viel Zimmer?" fragte Adah. Zehn." wimmerte die Sanitätsräthin aus ihrer Ecke. Zehn? Aber um Gottes willen, Mama " Ich weiß, was Du sagen willst", fiel indessen Onkel Malthus ein. Zehn Zimmer sind etwas viel; man wird noch Mobiliar anschaffen müssen, und auch die Miethe will natürlich verdient sein. Eine so ausgezeichnet passende Wohnung wie diese bietet sich aber in ganz Berlin nicht wieder. Sie ist ein Glück für Eure Mutter. Und die Miethe werden wir 'verdienen. Dafür sorge ich." Es war ein großes, stattliches und feines Hau?. Kurfürsten-Straße 46. Ein Haus mit einer Tbür, bei der man erst an einem messingnen Knovf ziehen mußte, wenn sie sich öffnen sollte, was durch den in einem Keller am Hausflur wohnenden und nebenbei das Schuhmacherhandwerk treibenden Portie? geschah. Schon mehrfach hatte die große Wohnung im ersten Stock zu Pensionaten gedient, und eigentlich hatte sich der Besitzer des Hauses vorgenommen, sie niemals mehr zu einem solchen Zwecke herzugeben. Die vielen Menschen, die dadurch ins Haus ?amen. ruinirten die Teppiche auf den Treppen, in jedem Jahre mußte man oesyulv neue anicyaffen. was yaus stand gegenüber dem Zoologischen Garten. Man hatte also aus dem Hause eine herrliche Aussicht, und Onkel Malthus hatte von derselben eine sehr effectvolle Photographie herstellen lassen, und zwar in hundert Eremplaren, die er, hübsch in Glas und Rahmen, nach auswärts un die verschiedensten Stellen Hotels, Bahnhofsrestaurants, Sanatorien geschickt, damit sie so in geeignetster Weise die nöthige Reclame für daS Unternehmen machten. Auch die Beschaffung deS Mobiliars für die zehn Zimmer hatte nicht die geringsten Schwierigkeiten verursacht. Nicht einen einzigen baaren Pfennig hatte die Sanitätsräthin von dem mitgebrachten Gelde dazu hinzugeben brauchen. Der Schwager hatte ganz einfach einige Wechselformulare gekauft zehn Pfennig kosteten sie alle zusammen , diese füllte er mit einigen beliebigen Zahlen aus. und sie brauchte nur ihren Namen darunter zu setzen. So bequem machten es einem di: Leute in Berlin. Und tük vornehm sich das kleine, cle-
game Porzenanschtld machte, das nun unten an der Hausthür hing: Pension Denhardt Pensionat für In- und Ausländer." Allerdings, die zehn Zimmer waren noch keineswegs vollständig besetzt. Im Gegentheil, die Hälfte stand noch leer. Zwei davon wurden von den Kindern" und ihr. der Räthin selbst, bewohnt, ein drittes, das größte, diente als gemeinsames Wohn-, Speise-, Gesellschafts-, Empfangszimmer, das vierte gehörte eben Onkel Malthus. so daß bisher richtig vermiethet also nur ein einziges Zimmer war. das fünfte. Herr Jagenberg hieß dieser bisher einzige Miether und Pensionär. Seines Zeichens war er Maler, eigentlich nur Zeichner, er arbeitete für eine illustrirt erscheinende Tageszeitung. Herr Jaaenbera war eim von Onkel Malthus' Cafebekanntschaften. Bevor der Künstler aber seinen Einzug in die Pension gehalten, hatte der Onkel erst seiner Schwägerin folgendes gesagt: Es bleibt dabei, und das muß festgehalten werden, daß jeder Pensionär pränumerando zahlt. Nur mit Jagenberg wollen wir eineAusnahme machen, er wird postnumerando zahlen, er hat das mit mir bereits vereinbart. Du lieber Gott, es waren seit der Eröffnung des Unternehmens ja auch erst acht Tage her. In vier Wochen", so hatte der Onkel zum Trost für seine Schwägerin hinzugefügt, haben wir die Zimmer voll. Dafür garantire ich Jhnen." Wenn nur dieses Warten nicht g?wesen wäre. Wohl zehn- und zwölfmal ging am Tage die Klingel ohnehin hatte sie noch einen so entsetzlich schrillen Klang, daß man immer dabei zusammenfuhr. Dann stürzte womöglich alles an das Guckloch. Immer aber war es nur der Briefträger oder jemand, der einen Prospect abgab oder sonst eine Enttäuschung. Einmal war auch Max gekommen, aber nur ganz flüchtig zu einem Besuch. Adah meinte, wie es denn wäre, ob er denn nicht auch zu ihnen ziehen möchte. Aber Max schien auf diese Frage schon vorbereitet zu sein. Damit wir uns ein- für allemal über diesen Punkt v:rständigen, Mama", erwiderte er, die Sache ist für mich unmöglich. Ganz einfach schon wegen der kolossalen Entfernung." Sag doch lieber die Wahrheit", warf Adah mit verhaltenem Höhne ein. Du schämst Dich jetzt Deiner Jamilie." Das Blut schoß ihm ins Gesicht. Seit dem Tode des Vaters hatte Adah sich schon mehrfach diesen Ton gegen ihn herauszunehmen erlaubt. Ich muß mir doch solche Jnsinuationen. liebe Adah. energisch verbitten". erwiderte er scharf, sich das Monocle ins Auge klemmend, das hier in Berlin die Schwestern zum ersten Mal an ihm bemerkten, weil er es bei seinen Besuchen im Vaterhausä niemals zum Vorschein gebracht hatte. Aber Adah ließ sich keineswegs durch das Stückchen rundes Glas, mit dem er ihr zu imponiren versuchte, einschüchtern. Denk doch nicht." fuhr sie in kalter Ruhe fort, daß ich Dich nicht durchschaue. Es ist ja freilich zwischen Dir und uns ein Unterschied. Du bist Mann und für Dein Fonkommen, für Deine Carriere ist gesorgt. Wir aber, Deine Schwestern, und arme, mittellose Mädchen, und was unsere Zukunft sein wird, weiß der liebe Himmel. Nur fürchte nicht, daß wir Dir zur Last fallen toerlxn. Ich ganz gewiß nicht. Darauf gebe Ich Dir hiermit mein heiliges Wort." Die beiden anderen Mädchen waren nicht zugegen. Adah schien auf diesen Augenblick des Alleinseins mit ihrem Bruder nur gewartet zu haben. Bloß die Mutter war noch da, und gerade vor der Mutter sollte er es von ihr zu boren bekommen. Uno Du. Mama", stieß er hervor und zog hastig das Glas wieder aus seinem Auge. Du läßt mir das vor Dir bieten? Du hast dafür gegen Adah kein Wort? Mama, unter solchen Umständen noch länger dann bei Dir zu bleiben, verbietet mir mein Selbstgefühl. Ich werde Dich wieder besuchen, wenn ich die Gewißheit habe, bei Dir keinen Beleidigungen ausgesetzt zu sein. Bis dahin muß ich Dir Lebewohl sagen." Aber, Kinder, was ist denn nur mtt Euch!" kam es verzweiflungsvoll aus dem Munde der kleinen, schwach? ffrau. Aum ernen Mal in ihrem xt ben wurde sie von den Kindern in die Rolle einer Autorität hineingedrängt, die bis dahin nur dem Vater gehört hatte. Zwischen sie stellen sollte sie sich. Was verlangten sie denn von ihr? Max aber hatte schon seinen Hut vom Stuhle genommen, und heftig schloß er hinter sich die Thür. Mein Gott ,was ist denn bloß mit Euch vorgekommen?" Adah suchte ihre Mutter zu beruhtgen und damit zu trösten, daß Max schon wiederkommen würde. Sie wußte, daß er nur nach einem Vorwände gesucht hatte, um sich von ihnen fernhalten zu können, und von nun an hatte sie nur noch ein einziges Gefühl für ihn das der Verachtung. An einem Vormittage klingelte eö abermals, und diesmal brachte Marie, das Mädchen für alles", das noch neben der Köchin engagirt worden war, der Frau Sanitätsrath die Meldung, daß ein junger Herr da sei, wegen der Pension". Ich werde ihn empfangen. Mama". sagte Adah. indem sie eineNähar-
oei! sottlegte und dem Mädchen den Auftrag gab, den Herrn eintreten zu lassen. Sie war mit der Mutter wieder allein. Tilly befand sich, wie fast immer, in der Stadt", um dort Besoraungen auszuführen, was, seit sie in Berlin waren, ihre Lieblingsbeschäftigung war,und Trude half draußen in der Küche. . . Dolf van den Meulen" stand auf der Visitenkarte, die Adah in der Hand hielt, nachdem sich der junge Mann von ihr verabschiedet hatte. (Fortsetzung folgt.)
Des Kindes Engel. Als jüngst der von Naumburg nach Erfurt fahrende Schnellzug Groß-Heringen. ohne anzuhalten, durchsuhr, bemerkte der dortige Bahnhofsvorsteher auf dem Dache eines Wagens ein kleines Kind. In Stadt-Sulza, der nächsten Statwn, wurde der Zug angehalten und das Kind wohlerhalten heruntergeholt. Es stellt: sich heraus, daß das Kind, einem Bahnbeamten in Kosen gehörig, auf einem Ueberführungssteg über der Bahn kurz hinter Kösen gejpielt, von dort auf den bereits wieder fahrenden Schnellzug abgestürzt ist, sich dann aber auf dem Dach des Wagens ganz wohl befand. Bemerkt hatte den Vorfall Niemand, und so mußte das Kind mitfahren und hat auf dem Dach bis Sulza eine Fahrt von acht Kilometern mitgemacht, die der Schnellzug in elf Minuten, nämlich täglich von 5 Uhr 7 bis 5 Uhr 18 Minuten, zurücklegt; Um 6 Uhr 39' Minuten war das ftinb schon wieder in Kösen. Die Eltern hatten e' bis dahin gar uicht vermißt. Ein Familiendrama. In der van Swietenstraße im Haag wohnte ein pensionirter Major des indischen Heeres mit seiner Frau und einem Töcherchen, das hinsichtlich seiner geistigen Entwicklung arg zurückgeblieben war. Da es dem Unterricht in der Schule nicht zu folgen vermochte, wurde es vom Vater selbst unterrichtet. Der Major, der durch die Sorgen, die er sich um die Zukunft seines Kindes machte, während der letzten Wochen trübsinnig und in sich gekehrt war, schoß dem Kinde, während er ihm den gewöhnlichen Unterricht ertheilte, mit emem Revolver, den er einige Stunden vorher gekauft hatte, eine Kugel durch den Hals und jagte sich dann selbst eine Kugel durch den Kopf. Als seine im unteren Stockwerk befindliche Frau nach oben eilte, lag der Major entseelt auf dem Boden, während das Kind bewußtlos in seinem Blute lag. Es starb noch an demselben Abend. Verheerende Feuersb r u n st. Durch eine gewaltige Feuersbrunst wurde letzthin in Neapel das in der Altstadt gelegene städtische Leihhaus, as einen Werth von 11,000,000 Lire ($2,068,000) repräsentirte, gänzlich zerstört. Auch das Staatsarchiv war bedroht, ebenso das Kloster San Filippo, dessen eingeschlossene Nonnen, etwa 100 an der Zahl, nur mit Mühe gerettet werden konnten, nachdem man die Eisengitter der Thore und Fenster zertrümmert hatte. Es wurden zwei Feuerwehrleute durch Abstrrz von der Leiter getödtet, vier schwer verwundet. Der dem Brande zuschauende Marquis Sermiento v. Aaedern wurde von einer Feuersprine im Gedränge erdrück'. Durch den Brand sind zahllose arme Leute, die ihre Habseligkeiten im Leihhause hatten, schwer geschädigt ode? ruinirt wirden. NochlebtderalteZopf. Ein höherer großherzoglich hessischer Steuerbeamter, der jüngst eine Dienstreise unternahm, benutzte zu diesem Zwecke den Wagen eines Steuerinspektors und stellte dem Staate zwei Mark Trinkgeld in Rechnung, die er dem Kutscher verabreicht hatte, anstatt der 14 Mark, die er für die ihm freistehende Benutzung irgend eines beliebigen Miethwagen zu fordern gehabt hätte. Diese edle That, die der Staatskasse eine Ersparnis von zwölf Mark eingebracht hätte, fand aber keine Gnade vor der Oberrechnungskammer, die ihm nämlich eröffnete, daß sie nicht befugt fei, zwei Mark Trinkgelder für einen Kutscher zu bezahlen. Der nach dieser Richtung hin belehrte Beamte wird natürlich wissen, was er in Zukunft zu thun hat. Glück im Unglück hatte der Fuhrmann Keller in Chicago, dessen Pferde durchbrannten, als er auf einem Bahnhofe von einem Frachttt igen Eis lud. Keller fiel zu Boden und schlug mit dem Kopf gegen einen Stein, während seine Beine eingeklemmt wurden. So wurde der Fuhrmann mehrere hundert Fuß mit fortgeschleift, ehe die Durchbrenner von Bahnbeamten zum Stehen gebricht wurden. Der Verunglückte fand im Hospital Aufnahme, wo die Aer'te erklärten, daß er keine g?fahrliche Verletzungen erlitten habe. Aus Familienliebe verhungert. Nathan Longbart, ein 45jähriger armer russisch-jüdischer Schneidegeselle in New Aork, verdiente $8 in der Woche und sandte je $7 davon nach Rußland. Er hungerte, um seine aus Frau und fünf Kindern bestehende Familie herüberkommen lassen zu können. Man gab ihm oft den Rath, sich satt zu essen, doch Longbart weigerte sich, einen Cent des für seine Familie bestimmten Geldes anzurühren. Er wurde dadurch immer schwächer, und als man letzthin an einem Morgen in sein Zimmer trat, war er todt.
Feuer - Signale.
4 Pennst)! und artet 5 Englifh'SOyan-Hau East und Nw Z)ork 7 Noble und Michigan S 91. JeN? u. Mag Ar 9 Pin und Rvrch 10 Maitet und Pine 11 Vermont nahe Saft 9ty. 8 Spritzenhaus Mass, ve nah Robie 18 Deaware und Walnut 14 . Jersey u Eentral A. 15 Mass und Eorneü ix sd u, d 11. traft i7 Park fit und 12 Str 4 Columbia undHivftd i High land Ave u. Ptt kl Jllinoi und St. J Pennal, und Pratt Meridian und 11. Str 25 No. 5 Spritzenhaus 15. nah Jllinot 26 Senate Ad u. StSlatr 2? Illinois und Michigan if Pe svlvania und 14. ' Senate ve. und iz. 31 92o. 1 Spritzanbaus JndvenahMchiga 32 Meridian und Walnut 14 California u nnont 35 Blake und New Kort Z6 Ind. Av. u. St. Elair 37 Eitv Hospital LS Blake und Norty 39 Michigan und Agnes tl No. Svrttzenhau Washington nah WH 2 Gsendors u Wash. 43 Missouri u New Kork 45 Meridian u Wash 4 JllmoU und Ohlo 47 Capital v. u Wash 48 Jltnaan '6 Porkhaus 49 Straßenbahn Stall 28. Washington Str 61 No. io Spritzenhau Illinois u Merrill M Illinois u Louifiana 5 WeK und Eouch 54 West und VcCarty 5 Senate Lve. u Henry 57 Meridian und Ray tt No. 4 Spritzenhaus Madtfon v. u or-.-U 59 Madiion Av.u Dunlop 1 Ro Haken Leiterhaus South nah Telawar Penn, u Merrill 53 Delawan u, McCarth 4 ast und car9 66 New Jersey u. Merrill 47 Birg. Zlv. u Bradsha 88 Gast und Prospect 9 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhau Bir Ave. nahe Huron 7 Gast und Georgia 78 keda, und Elm 74 Davidson u Georgia 75 Snglish Av. u Pine 7 Sbelby und Bares 78 No. 3 Cpritzenhau Prospect nahe Shelb, 79 Fletcher Av. u Sbelby Sl Market u. New Jersey 82 Delatvare und Wash. 83 East u Washington 84 New Dork u. Davids 86 Taubstummen Anstalt 86 Ver. Staaten Arsenal 87 Oriental und Wash. 39 ??rauen-Reformat. 91 No. 13 Spritzenhau Marpland nahe Mer. 2 Meridian u. Gcorqia. S3 Meridian und South 4 Pennsylv u. Louifiana 95 Birgini Ave u. Alab. 9 Hauptquartier. 97 Grand Hotei. 93 Capital Ave und Ohl ,23 No. 16 Epritzmhaus l. und sh. 124 Alabama und 1. 125 Central Av und il. 126 Handes und 15. 127 Brookfide und Jupiter 128 Central Av und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellesontaine und W. 134 College Ave und M. 135 Delawan und 13. 136 Alabama und Rorth 137 Newmann und 19. 138 College Av und 14. 13 Cornell Ave und 13. 141 DandeS und 1. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey und 22. 146 Slloord und 17. 147 No. 2 Spritzenhau Hilfide Av und is. 148 College Av und 12. 149 College Ave und 27. 152 Park Ave und 2. 15. L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey Av und 10. 15 Stoughton u Netoman 167 Atlas und Pike. 153 Bloyd und Patrvaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood 2 Arden und Depot 163 Brightwood und 26, 154 Rural und Bloyd 165 St. Elair u. Keyston 167 Arsenal Av und 23. i8 Bellesontaine und 28. 1 Park Ave nd lo 1, Capital Ave und 17. 213 Pennsylv. u. Uichlg 214 Jllinms nd 0. 215 Senate Ave und 21. 1 Pennsvlvanta und 2. 217 Vkridmn und 1. 218 Capital Ae und 9. 219 Broadway und 10. 231 Illinois und McLean 254 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 30. 235 Illinois und zz. 236 AnneU und M. 237 No. 9. Epritzrnhiut Udell Mb Kaixx 236 Udl Lad der WN IM Jiadel und 27. 141 Züeridi und 24. 94 JUinoi u St. Ur 243 Eldrioge und 23. 31 Wkst uud Walnut 13 st Nd 12. 514 Howard und 16. 515 Torbet und Paca 81 Capital Ave und N 17 Rvrthwrftern Ave u9 18 Gent und 18. 19 Canal und l. 24 Eerealink Wo? 824 Vermont und Lyren 25 Bisma,k u SrandvieU 2 o. 29 Spritzenhaus Haughtnlle. 827 Michigan u. Holme, 28 Mich,, u, Concord 841 West und VcJntyre 412 Missouri u. Vary land 413 Missouri und 'hio 416 Capital Ave Aeorgic, 41 Miflounu KenruyA 417 Senat Ave u. Wasy. 421 P und 9 Rand . Washington. 428 rren-Hosvital. 424 Mi.ey Av u. I D uk 425 Wash and Harr, 426 No. 18 Spritzenhaus W. Washington 427 Oliver und Birch 28 Oliver und Osgood 429 Nordyke und York 4Z1 Hadlc Ave u. Morris 2 Niver Ave u. Morris i A Niver Ave und Ratz 435 Harding u. Big 4 R 7 436 Harding und oliv 487 No. 19 Eprttzenha j Morris und Hart: na, 439 Stoeevard 451 Relsner und Milkr 46 Howard und 8 458 or und Kapp 45 Lambert und TVIml 467 ordtM Av u. dr txon Works 618 West uud Ray 613 enrucky Ave u. Merr 614 Meridia und Morrtz 51 Illinois ant rsas 517 Morris und Dakota 618 Morris und Church 19 Capital . u cCarty 621 Meridian und Palm 623 Pine urC Lord 624 Madisor, Ave u Lincoln 426 Meridian und Blt RR 627 Carlos und Ray 626 Meridian und Arizona 629 Meridian u. Raymond 21 Meridian u. McCarry 63 No. 17 Spritzenhaus Morrrs nahe West l McKernan und Dovgk 613 East u. Lincoln in 14 East und Bescher 16 Wright und Sanders 17 McCarry und Bcaty 18 Rew Jersey u Bir Wm 71 Spruce und Prospect 71 Sngllsh Ave. u. Laurel 714 LtaAvt U. Belt N 716 Shclby und cher 71 State Ave und OrangF 71 Orange und Laurel 7 Sbelby u. Cvaaae Av, 7l Lerington A u Lrnire? 71 Fletcher Ave u. Cpnic 724 State Ave. Pleasan726 Prost nd "Manl 78 Orange und Harun 728 Liberty und Vktx 729 und South 81 No. 1 SlmtMhau Oft Washington VU l Market und Noble 814 Ot,io u. Highland 816 Michigan u. Highlant 816 Market u Arsenal Av. 817 Ost Clatr und Union Bahn eins. 821 Pan Handle She? g? Vermont und Walco 4 Wash. und State Ad 9tS Madden's Lounge Fab. 82 Türke? und Dorsey 827 ash. und BeviSe Av, 829 No. 1 prrtzenbaus Beville nah Michtga, 881 Soui heaftern Wh und Woodfid. 839 ash. und Dearbor, 884 Southeastern uk d Arsenal vs. 886 New fort und Ternpk 12 Illinois und Maryl. i Illinois und Markt 14 Penn, und asd. 15 Delawan nd ? Spezial, Signale. Ersten Schlag, zweiter Alarm, Iwrit, Schlag, dritter Alarm, Dritten Schlag, vierter Alarm. 1-9-1, Feuer au und Schlauch aufgerollt. 3 Schlage. Wasserdruck ab. l Schlag. 1 Uhr Mittagd. Die so bezeichneten Signale werden nur vom Ddur wacht angegeben da an den betreffenden Slrc: kreuzungen feine AlarmUNen angebracht find. Chicago nnd der große Nordwefte te A r mm laa-awati-Pbilivvtae Ssel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. fW Bon der Monon 47. Str. Station, Sbicago, ftnd nr 6 inMten mittelst elektrischer ar nach den Union tehdösen French Lick Sprinijg, In dem Orange Kounty Hochland. ffamilien-Hte anter neuer eschaftsleituna. Pluto, Proserpinr md Bowle Quellen. Bestes Mineralwasser der Welt. Zwei Züge täglich via reevirastte. licket-Officen : Union Stalion, afsachusett? ftt nd A West Washington Strage. . P. l e Distrikt Baff, gent, Indianapolis. Ind. , H. M cDo e l. . H. o S well, Prüs. und en. Mgr. Vetriebslitn 8r a n k I. e e d. ist. gent. bicago. Jll.
