Indiana Tribüne, Volume 26, Number 260, Indianapolis, Marion County, 24 June 1903 — Page 7
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Roman von Heinrich Lee. Trotz der weit geöffneten Fenster, durch welche aus dem Garten die schon kühle Luft des SpätsommerabendS hereindrang, machte sich in der Wod nung noch immer der scharfe, gemischte Geruch des Chlors, der herabgebrannten Kerzen und der verwelkten Blumen bemerkbar. Im Trauerzimmer, wo noch bis vor wenig Stunden der jetzt in die Erde gesenkte Sarg aufgebahrt gewesen, stand noch, von den hohen Blattpflanzen, den silbernen Candelabern und den schwarz drapirten Wänden umgeben, der luxuriöse Catafalk. Eigentlich wollte dieser ganze splendide Trauerprunk zu der schlichten Persönlichkeit des Verewigten wenig passen, und fast sah es aus, als wollte der Sanitätsrath Denhardt, ein froher und allbeliebter Mann, wie er im Leben gewesen, auch noch im Tode den Leuten durch diese Auqenweide em ze wisses Vergnügen bereiten. Ganz plötzlich war er gestorben. Er hatte noch denAbend am gewohntenStammtisch zugebracht, war dannPunkt halbzehn nach Hause gegangen, und eine halbe Stunde später beim Auskleiden, nachdem ihm mit einem Mal etwas unwohl geworden war, hatte ihn der Schlag getroffen. Als der ärztliche G.ntttat kam. war er todt. In den Geruch der Trauer, der die Wohnung erfüllte, mischte sich jetzt der liebliche Duft eines guten Kaffees und frischen Kuchens, der aus dem halbgeöffneten, weiten Hinterzimmer kam. Um den gedeckten, runden Tisch herum saßen sieben Personen: die Sanitätsräthin mit ihren drei Töchtern Adah. Tilly und Trude, Max, der Sohn, der jetzt Assessor in Berlin war, dann Tante Ludwiga, das adlige Stifisfräulein. die einzige Schwester der Räthin, und schließlich Onkel Malthus. der Bruder des Verstorbenen. Onkel Malthus hatte gedient und war nun Hauptmann a. D., aber sein sorgfältig gebürsteter Scheitel, sein martialischer Schnurrbart, in den sich nun allerdings schon graue Fäden mischten, und die Stege an seinen ftra-ffgezogenen. bereits etwas blank gescheuerten Beinkleidern erinnerten noch immer an die verflossene Glanzzeit seines Lebens. Wie Max waren auch Tante Ludwiga und Onkel Malthus von auswärts gekommen Tante Ludwiga aus ihrem Stift, das in der Mark Brandenburg lag, und Onkel Malthus aus Berlin, wo er seine Pension verzehrte. Der Schwärm der Trauergäste war zerstoben, man befand sich nun endlich allein und hielt Familienrath ab. was nun, nachdem man den Vater und Ernährer nicht mebr batte. werden sollte. Vermögen hatte Rath Denhardt nie besessen. So sah er sich mit den Seinigen ausschließlich auf das Einkommen aus seiner Praxis angewiesen. Davon hatte er seinen Sohn studiren lassen, ihm nach den bestandenen Eramina noch Zuschuß gewähren müssen und seinen Töchtern eine angemessene Erziehung gegeben. Ersparnisse hatte er nicht machen können. Aber er war ein gesunder, kraftstrotzender Mann, an seinen Tod brauchte er so rasch nicht zu denken. Und nun war der Tod doch gekommen, und zu dem schrecklichen Trennungsschmerz gesellte sich jetzt, nachdem sich draußen das theure Grab geschlossen hatte, die plötzlich drohende Sorge um die nächste, unmitt'elbare Zukunft. Noch hatte keines von ihnen am Tiscke über diese sich jetzt aufdrängende Frage den Mund aufgethan. So ernst, so schwer war sie. Erst wollte man Kaffee trinken. Wriß, liebe Tante?" fragte Tilly, den Sahnentopf in der Hand, die Stiftsdame, während die Räthin, stumm und erschöpft in der Sophaecke sitzend, alles um sich her willenlos geschehen ließ. Von den drei Schwestera fand Tilly sich inmitten der herzbedrückenden Stimmung zuerst zu dem prosaischen Geschäft, den Kaffee einzuschenken, bereit. Sowohl von der iU teren als auch von der jüngerenSchwester unterschied sie sich äußerlich schon durch ihre auffallende Schönheit ein weiches, rundes süßes" Gesicht von mattem Elfenbeinteint mit tiesschwarzeu Augen, ebensolchem Haar und einer schwellenden, schlanken ebenmäßißen Gestalt. Beeinträchtigt wurde die Wirkung dieser Schönheit nur durch einen Mangel geistigen Ausdrucks. Etwas reizend Phlegmatisches lag darin, was etwa besagte: Wollt Ihr noch mehr von mir? Ist Schönheit nicht genug?" Auch in der Kleidung zeigte sich dieser Unterschied. Man hat die Trauercvstüme der Eile wegen fertig und durch Vermittelung von Onkel Malthus aus einem bekannten Berliner Trauermagazin bezogen. Während bei Adah und bei Trude der gute Sitz noch fichtlich zu wünschen übrig ließ, weil die Mädchen zu den nöthigen Abänderungen noch keineZeit und auch wohl keinen Sinn gefunden hatten, mußte Tilly diesem kleinen Fehler jedenfalls schon abgeholfen haben. Das Kleid umspannte ihre knospende Gestalt so tadellos, als hätte ihr der beste Schneider dazu Maß genommen. Ja. bitte. Danke! So ist's gut-, erwiderte Taute Ludwiga und zählte sich dann drei Stück Zucker in die Tasje. Zu der Erscheinung der Räthin bildete die Stiftsdame einen starken
Gegensatz. In ihrem hageren, ?nochi gen, altjüngferlichen Antlitz war eine stark entwickelte Bestimmtheit zu lesen. Sie war eine geboren von Sattler, und, Gott sei Da??, eine von Sattler war sie auch zeitlebens geblieben, wäh rend sich Amalie an einen Bürgerlichen weggeworfen hatte. Nun kam für sie das Unglück nach. Warum hatte sie geheirathet! Und der Skandal! Was sollte jetzt aus ihr und den Mädchen werden. Das hatte man nun dem Herrn Schwager noch im Tode zu danken. Tante Ludwiga hatte übrigens die Mädchen seit langem nicht gesehen sie liebte es nicht, mit dem Schwager zusammenzutreffen. Am meisten von den Dreien gefiel ihr noch Adah. Erstens, weil sie als die einzige von den Schwestern ein ganz von SattlerscheZ Gesicht hatte, und zweitens, weil Adah auch in ihrem Wesen etwas Gesetztes. Würdiges besaß. Wenn Adah, wie nunmehr zu erwart stand, als vermögensloses Mädchen keinen Mann fand, so wollte Tante Ludwiga dazu war sie bereits entschlossen ihre Fittige über sie breiten. Nur auf eine Stiftsstelle hatte Adah nicht zu rechnen das hatte sie eben ihrer Mutter zu danken, die einen Bürgerlichen genommen hatte. Kann ich einen Cognac zubekom, men?" unterbrach jetzt Max, der Assessor, während die Uebrigen mit ihren Tassen beschäftig waren, das Schweigen. Den Cognac beim Kaffee war er von Berlin her gewöhnt. Außerdem fühlte er sich, ganz abgesehen von der Trauer um den Vater, in einer höchst deprimirten Stimmung. Wenn er fortan keinen Zuschuß mehr bekam, was sollte aus seiner Zukunft werden? Die Cognacflasche stand im Nebenzimmer auf dem Büffet. Trude ging und holte sie. Von ihnen allen hatte sie in diesen letzten Tagen am meisten geweint. Sie war des Vaters Liebling gewesen. Noch jetzt waren ihr von den vielen Thränen die Augen vecquollen, und unordentlich hing ihr dj3 dunkelbraune, in eigensinnigen Locken aufgelöste Haar in das magere, noch ganz kindcrhafte. fast knabenmäßige Gesicht. Endlich waren die Tassen geleert.
Aber wer sollte in der Berathung zuerst das Wort ergreifen? Diese Aufgäbe, das fühlte jedes, fiel Onkel Malthus zu, er war der Aelteste. Das empfand er wohl auch selbst. Er räusperte sich und stand in einer gewissen feierlichen Weise auf. Darauf räusperte er sich abermals und begann in dem eigenthümlichen, gemessenen Redeton, der seine Gewohnheit war: .Betrachten wir nunmehr die Lage, liebe Schwäherin, mit aller Nüchternheit. Ich möchte dieses Wort, das Wort Nüchternheit", mir noch ganz besonders zu betonen erlauben gerade ich. Eine nennenswerthe Summe, von der Sie und die Kinder l?b?n können, hat Ihnen mein Bruder nicht hinterlassen. Freunde und Verwandte, die mit den nöthigen Mitteln versehen sind, um für Sie zu sorgen, besitzen Sie gleichfalls nicht. Wir müssen uns also nach einer Existenz für Sie umsehen. Dazu aber ist vor allem nothwendig, daß Sie dieses elende Nest hier, in dem nichts für Sie zu Hoffen ist, verlassen . Es giebt nur eine Stadt, in der ich Ihnen eine künftige Existenz verbürgen könnte das ist Berlin." Berlin?" fuhr Tante Ludwiga, wie von einem Skorpion gestochen, aus ihrer Ecke. Was sagen Sie, meine Schwester soll nach Berlin?" Es war bei dieser trauigen Veranlassung das erste Mal, daß sie mit Onkel Malthus zusammentraf Bereits vom ersten Augenblicke an hatte sie diesen Herrn mit Mißtrauen betrachtet, allein schon, deshalb, weil er der Bruder des Verstorbenen war. Nur daß er Officier gewesen war. ließ ihm in ihren Augen einiges Ansehen. Im Nu fiel jetzt aber, wo er den Namen Berlin" aussprach und noch dazu in solcher Absicht, auch dieser Schimmer von ihm ab. Jedenfalls hatte sie das Mißtrauen, das dieser Mensch schon bei seinem ersten Anblick in ihr hervorgerufen, nicht getäuscht. Berlin! Das war die Stadt der Sozialdemotraten, das Sodom und Gomorrha. wo alle Sünden und jeden Tag Mor) und Todtschlag passirte. Onkel Malthus hatte dieser Schwester seiner Schwägerin, deren Bekanntschaft er heute zum ersten Mal machte, noch keine sonderliche Beachtung geschenkt. Jetzt, als sie auf ihn losfuhr, sah er sie sich genauer an. Die Dame gefiel ihm nicht. Allerdings sage ich dies, meine Gnadigste", erwiderte er mit fester Stimme Berlin ist die Stadt, wo man, wenn man nicht genügen Geld besitzt. noch am ungenirtesten vor fremden Blicken leben kann. Nirgends fan:t man bei beschränkten Mitteln sein Dasein billiger einrichten als in Berlin. Auch bieten sich in Berlin einem noch verhältnißmäßig die besten Chancen, sein nöthiges Fortkommen zu sin den." So?" Tante LudwigaS graue Augen sprühten ihr Gegenüber feindlich an. Vielleicht haben Sie auch schon be dacht", fuhr sie höhnisch fort, was meine Schwester in Berlin zuerst anfangen soll." Gewiß, meine Gnädigste." entgegnete der Hauptmann a. D. furchtlos, ich habe mir gedacht, daß sie eine Pen-
sion eröffnen soll. DaS ist eine sehr ehrenwerthe Profession, von der sich auch viele andere vornehme Damen ernähren, verwittwete Pastorinnen, Majorinnen u. s. w." Eine Pension! Hergelaufene fremde Menschen in ihre Wohnung nehmen. Für sie kochen, die Stuben für sie aufräumen! Das muthen Sie meiner Schwester zu?" Tante Ludwiga lachte nervös auf. Bitte, meine Gnädigste, ich über lasse es Ihnen, etwas Besseres in Vorschlag zu bringen," antwortete Onkel Malihus mit gemessener Höflichkeit, wenn Sie etwas wissen." Die Räthin saß, noch immer in ihren Schmerz versunken, still mit gerungenen Händen da. Seit die Kinder erwachsen waren, war sie daran zewöhnt, in ihrem Hause nach nichts mehr gefragt zu werden. Sie fühlte sich stumpf und dumpf im Kopf, sie fühlte sich überhaupt nicht fähig, an etwas anderes zu denken, als daran, daß sie der geliebte Mann nach mehr als fünfundzwanzigjähriger Ehe so allein in der Welt hatte zurücklassen können. Aber von Onkel Malthus' Lippen war das Wort Berlin" gefallen, das Zauberwort. Als solches klang es wenigstens in Tillys Ohren und weckte dort mit einem Schlage eine Welt von sinnverwirrenden Vorstellungen, von glänzenden Palästen, von breiten, prachtschimmernden Straßen, von Concerten, Theatern und strahlenden. musikdurchrauschten Ballsälen. Berlin! Auch in Adah rief der Name sogleich bestimmte Begriffe wach, die aber von denen der Schwester sehr verschieden waren. Im allgemeinen stimmten dieselben wohl mit denen der Tante überein. Der Unterschied war nur der, daß sie bei ihren vorwiegenden Verstandesanlagen auch daran dachte, welches große Feld sich dort dem nach Bildung und intellectueller Bethätigung ringenden Menschen, namentlich aber der modernen Frau, eröffnete. Rief so dieser Vorschlag des Onkels in ihr einen merkwürdigen Widerspruch hervor, so erregte er in Trudes jungem Gemüthe, geradezu einen fürchterlichen Schreck. Awar was wußte sie mit ihren fünfzehn Jahren von Berlin! Aber eins war dabei für
sie klar: Fort sollten sie von hier und im Garten ihre Beete, ihre Bohnen? In diesem Jahre hatte sie Feuerbohnen gepflanzt, aber erst im Herbst wurden sie reif, und dann sollte sie nicht mehr da sein? Und ihre Freundinnen und die Jungen, mit denen sie obwohl es ihr seit ihrer Einsegnung verboten worden war, selbst von dem sonst so nachsichtigen Papa noch immer heimlich auf dem Speicher und den im Hofe stehenden leeren Frachtwagen herumzutollen pflegte? Von denen sollte sie fort, weit fort in eine fremde 'Stadt? Und auf dem Kirchhof Papas Grab, das sie zu pflegen und und mit Blumen zu bestecken und jeoen Tag zu begießen sich vorgenommen hatte? Ach, warum hatten sie die schwarzen Männer nicht auch so fortgetragen, wie den lieben Papa! Tante Ludwiga hatte auf die suffisante Bemerkung des Menschen" vor Aerger noch keine Erwiderung gefunden. Zum Glück legte sich jetzt Ma? für sie ins Mittel. Mit Schauder übersah er, wie seine ohnehin schon schlimm gewordene Lage sich durch den Vorschlag des Onkels, wenn ihn die Familie befolgte, nur noch mehr verschlimmert würde. Soweit er seine Zukunft vorläufig überHaupt taxiren konnte, war seine einzige Rettung eine reiche Heirath. Die Mmter und die Schwestern aber, ohne nennenswerthe Mittel, wie sie jetzt in der Welt dastanden welcher etwaige künftige Schwiegervater von ihm würde sich vier solche unversorgte Wesen als Zugabe ersehnen? Vorläufig also mußten sie nach Möglichkeit im Hinterqrunde bleiben. Berlin, das war der reine Präsentierteller für sie. Mithin durfte davon gar keine Rede sein. Er hatte dort gerade an diesem Onkel Malthus schon genug, trotz seines großartigen Hauptmannstitels. Ich muß Tante Ludwiga recht geben". sagte Max, ich halte Deine Idee, Onkel, einfach für unausführbar. Mama ist in Berlin total fremd, und die Mädchen sind es erst recht. Wie sollen sie sich überhaupt dort zurechtfinden? Man müßte sich den ganzen Tag um sie kümmern, und dazu habe ich keine Zeit." Ich habe welche", antwortete Onkel Malthus lakonisch, wobei es in seiner Miene und seinem Tone dahingestellt blieb, welcher innerlichen Meinung er über seinen Neffen war und ob er etwa dessen Gründe durchschaute. Max wurde unwillkürlich heftig. Berlin das ist aber einfach Unsinn", rief er. Und für eine Pensionsmutter eignet sich Mama nicht. Tante Ludwiga hat darin das einzig Richtige gesagt. So etwas zuzugeben, verbietet mir schon einfach meine kindliche Liebe zu Mama. Außerdem hat Mama keine Ahnung von dem Geschäft. Ich möchte auch wissen, wie sie es anfangen soll. um'Pensionäre bloß zu bekommen. Ganz abgesehen von den Schwindlern und Betrügern, denen sie unfehlbar dabei in die Hände fallen Würde." Es versteht sich von selbst", ließ sich Onkel Malthus vernehmen, daß ich Deiner Mutter mit Rath und That s.ur Seite stehe, daß ich sozusagen das Unternehmen lancire. Es würde sich nur darum handeln, ob Sie mir Ihr
Vertrauen schenken wollen, meine liebe Schwägerin. Ich habe einen Plan dazu schon durchgedacht, und ich darf wohl sagen, daß wir unter allen Umständen damit Erfolg haben würden." Dort also lag der Hase im Pfeffer. Onkel Malthus selber wollte die Sache unternehmen. Seit er pensionirt war. jagte er den merkwürdigsten Plänen nach, von foenen ihm aber bisher kein einziger zum Glück ausgeschlagen war. Was hatte er nicht schon alles angefangen. Nun also wollte er auch noch Mama in seinen Kreis hineinziehen. Max lächelte höhnisch.: Entschuldige, lieber Onkel, aber derartige Erfahrungen kennt man doch von Dir. Ich protestire jetzt aus doppelten Gründen gegen diese Idee." Onkel Malthus zog seine Uhr auS der Westentasche, eine dünne, silberne, altmodische Cylinderuhr. Wenn ich so jung wäre wie aewiste zunge Leute", sagte er in einem Tone, aus dem man unschwer hören konnte, daß Max ihn tief beleidigt hatte, so würde ich gegen ältere Personen, namentlich aber ältere Verwandte, mich überhaupt eines größeren Respects befleißigen. Frau Schwägerin, ich habe Ihnen meine Ansicht gesagt. In einer haben Stunde geht mein Zug, ich kann nicht länger bleiben, denn mein Retourbillet läuft ab. Ueberlegen Sie sich also meinen Vorschlag, und wenn Sie damit einverstanden sind, so schreiben Sie an mich." Entschieden der Onkel war aufs allerempfindlichste gekränkt. Als er sich jetzt empfehlen wollte, umringte ihn alles seine Nichten, die ihn mit lieber Onkel" anredeten und doch noch zu bleiben baten, seine Schwägerin, welche die flehenden Augen auf ihn richtete, und sogar Tante Ludwiga erhob sich steif, wenn auch mit einem eisigen, steinerenen Ausdruck aus ihrer Ecke. Aber zum Bahnhof war wenigstens eine halbe Stunde. Kurz. Onkel Malthus war auf keine Weise mehr zuückzuhalten ob wirklich deshalb, weil er den Zug zu versäumen fürchtete. oder weil er beleidigt worden war? ZumUeberfluß ließ sich schließlich sein Hut nicht finden, dabei schlug es
vom Rathhaus schon dreiviertel. Alles suchte. Endlich wurde der Vermißte von Trude herbeigebracht, er hatte unter Papas schon fortgeräumten Kleidungsstücken gelegen. Für die Begleitung, die ihm Max anbot, dankte der ausgediente Officier frostig, nachdem er noch einmal alle Hände gedrückt hatte, nur nicht die von Max und Tante Ludwiga, da er dazu in der Eile keine Zeit mehr zu haben schien, entfernte er sich hastig, und der übrige Familienrath blieb allein zurück. Hauptmann Denhardt wohnte in Berlin in der Lindenstraße in einem niedrigen, schmalen, alten Hause, das unter den angrenzenden Neubauten eines der letzten Ueberbleibsel aus längst vergangenen Zeiten bildete. Erbstroh, Haarflechter und Perückenmachen" stand auf einem neben der offenen Hausthür, durch die man auf einen altmodischen Flur mit einer dunt len, hölzernen Wendeltreppe sah, angebrachten Aushängekasten, in dem man verschiedene Damenzöpfe und ine aus weiblichen Haaren kunstvoll gefertigte Gebirgslandschaft erblickte. Bei diesem Manne wohnte Hauptmann Denhardt seit seiner Pensionirung, vor NUN zwölf Jahren, als er damals nach Berlin gezogen war. (-w Mann im Alter von sechsunddreißig Jahren zum Mllßiganz verurtheilt, weil er sich nicht des Wohlwollens gewisser Vorgesetzter zu erfreuen gehabt hatte! Hätte er es damals bei seiner Pensionirung darauf angelegt, so hätte er heute eine bürgerliche Versorgung haben können als Beamter im deutschen Officiersverein. Seinen früheren Kameraden Wein und Cigarren verkaufen! Man hatte ihm so etwas angeboten! Er hatte dafür gedankt! Eine Eigenthümlichkeit von Berlin sind die vielen Wiener Cafes. Wer die nöthige Zeit hat, kann hier zu seiner Unterhaltung und Zerstreuung den ganzen Tag verbringen. Die damit verknüpften Kosten sind gering fünfundzwanzig Pfennig für eine Tasse Kaffee und fünf Pfennig Trinkgeld. Das Stammcafe von Hauptmann Denhardt war der Kaiserhof". Vor allem wurde hier viel Schach gespielt, und man konnte an einerPartie stundenlang sitzen. Auch lernte man hier die verschiedensten Leute und Berufsklassen kennen. Im Anfange war Hauptmann Denhardt, noch befangen in den Anschauungen seines früheren Standes, gegen diese Leute etwas mißtrauisch gewesen. Jetzt bewegte er sich unter ihnen wie einer thresgleichen. Das königliche Spiel der vierundsechzig Felder glich alle sozialen Unterschiede aus. Aber man konnte nicht den ganzen Tag am Schachbrett sitzen und eine genügend standesgemäße und dabei lohnende Beschäftigung wollte sich für den verabschiedeten Officier nicht finden. So versuchte sich Onkel Malthus hintereinander an allerlei merkwürdigen Dingen, an dem Problem eines neuen Gewehres aber dafür hatte er nicht die genügenden Geldmittel; an einer Vorbereitungsschule für den Einjährigendienst aber da war wie der die Concurrenz da; an der Herausgäbe einer Armeezeitung von ganz neuen Gesichtspunkten aus, aber kein einziger von all den Verlegern, mit de-
nen er deshalb in Verbindung trat, zeigte in seiner Beschränktheit auch nur das geringste Verständniß dafür. Und nun war ihm diese neue ausgezeichnete Idee gekommen, die er seiner Schwägerin unterbreitet. Ein Pensionat! Natürlich nur eines in großem Stil. Nachträglich hatte er sich seine Berechnungen darüber gemacht ziffernmäßig! Die Sache mußte floriren. Man fing klein an das war vorsichtig, und damit riskirte man nichts. Später, wenn das Institut erst genügend bekannt war, miethete man ein ganzes Haus; man eröffnete das erste Boardinghaus in Ber, lin, nach amerikanischem Muster. (Fortsetzung folgt.) , , HDWWM , " TDit Moskttovslanze t fi jetzt in einigen Exemplaren von Afrika nach England eingeführt worden, und die London Times" bestätigt, daß sie wirklich einen vortrefflichen Schutz gegen die lästigen Stechmücken gewährt. Wo diese Pflanze wächst, zeigt sich kein Moskito. Dabei ist ihr starker Duft durchaus nicht unangenehm, ähnelt vielmehr dem des Eucalyptusbaumes. Wenn die Acclimatisation geling;, wird die Einführung in die Ver. Staaten nicht lange auf sich warten lassen und wir werden dann vielleicht die Moskitoplage ganz los werden. Die gefährliche Gewöhnheit von Radfahrern, sich mit der einen Hand an dem Treppengriff von Straßenbahnwagen festzuhalken und mitziehen zu lassen, hat einem jungen Manne Namens Walter Williams in Jersey Ciy das Leben gekostet. In seiner Hast, den Eltern die frohe Nact richt zu bringen, daß er endlich nach zweiwöchentlicher Mutze wieder Arbeit gefunden hatte, wagte er dieses Experiment, doch plötzlich glitt das Rad in Folge des nassen Pflasters aus und er fiel direkt unter die Räder der Car, von denen er vollständig zermalmt wurde. JnRoanoke, Va., kommt demnächst eine interessante Rechtsfrage wegen der neuen Staats - Constitution, welche den Negern das Stimmrecht entzogen hat, zum Austrage. Zwei Neger haben sich nämlich gewei-
gert, den Assessoren ihr Eigenthum anzugeben, damit es für Steuerzwecke eingeschätzt werden könnte. Die Neger sagen, daß man ihnen nicht erlaube, zu stimmen, und Besteuerung ohne Repräsentationsgewalt gegen die Constitution verstoße. Die Neger wurden verhaftet u. einem Friedensrichter vorgeführt, welcher dieselben mit einer Geldstrafe belegte, welche dieselben bezahlten, um dann an ein höheres Gericht zu appelliren. E i n B e i s p i e l der s i t t l ichen Verrohung mancher unserer Schulkinder ist folgender Fall: In einer der letzten Sitzungen des Schulrathes von Orange, N. I., wurde bi Lehrerin Frl. Mabel F. Barker von der Oakwood Ave. Schule unter Weiterzahlung des Gehalts, für den Rest des Jahres Urlaub bewilligt. Die Dame wurde seiner Zeit von einem farbigen Knaben, den sie in der Schule tadelte, zu Boden geschlagen und getreten. Sie leidet noch an den Folgen dieses Bubenstreichs, fodaß ihr auf Anrathen eines Arztes der Urlaub bewilligt wurde. Der Negerjunge wurde dem Staats - Heim für Knaben in Jamesburg überwiesen. Ueber eine energische Frau wird aus Maryland berichtet: In Port Republic versuchte ein Mann, der sein Gesicht geschwärzt hatte, die allein mit einem Säugling in einem Hause anwesende Frau C. I. Hardesty zu überfallen, um, wie es ben Anschein hatte, eine Summe Geldes zu stehlen, die der Gatte der Frau erst kürzlich als Pension erhalten hatte. Der Mann kam Vormittags in das Haus und frug nach einem in dem Hause wohnenden Franklin Wood. Auf die Antwort, daß der Mann nicht zu Hause sei, verlangte der Fremde, daß ihm die Frau alles im Hause befindliche Geld ausliefere. Die Frau griff nach einem bereitliegenden Revolver und der Gauner wandte sich zur eiligen Flucht. Im Laufe des Nachmittags erschien der Kerl abermals und erzwäng sich Eingang in das verschlossene Haus. Frau Har desty hatte aber ein Beil in das Zimmer geholt, als am Morgen der Fremde verschwunden war, und hieb nach dem Eindringenden, der den Hieb zwar abwehrte, aber nicht verhindern konnte, daß er einen zweiten Schlag erhielt, der ihn zu Boden brachte. Die Frau hieb zum dritten Male nach dem Kerle, und bei dem Versuche, den Hieb abzuwehren, spaltete die Frau dem Manne die Hand. Er sprang auf und davon. HnmeNstijcheS. Eine angenehme Hose. Bauer: Geh', Alte, lang' mer amal mei' lederne Hos'n her die da hinten im Eck steht !" Wohlbekomm's! Also drei Glas Bier hat der Doctor gemeint, könnten mir schaden. Da will ich doch rasch das vierte bestellen!" S o oder so. Dame: Ich meine, auf dem Portrait wäre mein Haar etwas zu dunkel!" Maler: Wollen Sie es ändern, oder soll ich's?" Geburts - Anzeige. Die glücklich erfolgte Geburt eines lachenden Erben zeigen hocherfreut an Commercienrath v. Goldschmidt und Frau, geb. Bimstein.
Feuer - Signale.
Pennsdlv und artet 5 English's Oper, Hau 6 East und Nt Dort 7 Noble und Michigan 5 N. Zerley u. Msff Ad 9 Pin und North 10 Wartet und Pine 11 Vermont nahe Saft 12 Nz. S Spritzenhaus Maß. Ave nahe 9UbU 13 Trware und Walnut U Jersey u Central. 16 Mass und Sornell Ave sh md 11. trabe 7 Park Ave und 12 Ltr . Columbia und Hillfid i Highland Ave . 5rn :i Illinois und St. Jo it Pnnsvl. und Pratt u Meridian und 11. Stt l& No. 5 Spritzenhaus 15. nah Illinois :6 Senate Zlve u.Stklatr Illinois und Michigan Psylvania und 14. a Senate Ave. und 1. No. I Spritzenhaus Jnd Ar nahMicbiga Neridia und Walnut 14 California u enont 45 Blake und New Kork 6 Jnd. Lv. u. St. Slair Z7 Slty Hospital Blake und Norty ,9 Michigan und Agnes 13 No. Spritzenhaus Washington nahe West 42 Gsendors u Wash. 4Z Missouri u New Kork 45 Meridian u Wash 16 Illinois und Ohio 17 Eapitol Av. u Wash 48 Kmgan's Porkhaus 9 Straßenbahn Stalle W. Washington Str 61 Ro. i Spritzenhaus Illinois u Merrill 52 Illinois u Louisiana 63 Wett und South West und McCarrh 56 Senat Ave. u Henry 57 Meridian und Rav 68 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Morvts 09 Madison Av. u Dunlop 1 No 2 Hakrn Lkiterhaus South nahe Delawar, 2 Penn, u Merrill 63 Delawar u. McEarttz 4 ass und RcEarty 6 New Jersey u. enM 67 Birg. Av. u Bradsha 88 Gast und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus ir Av. nahe Huron 7t und Georgia 73 cda, und Elm 74 Davidson v Georgia 7d frngiish Av. u Pine 76 Shelöy und Bates re No. 3 Spritzenhaus Prospect nahe Shewa Fletiprr Av. u Shklby St Market u. New Jersey Z2 Delaware und Wash. 33 East u Washington H Nkw York u. Davids? 55 Taubstummen Anstalt 56 Ber. Staaten Arsenal 7 Orient! und Wash. 39 ffraucwRewrmat. l Ro. 13 Spritzenhaus Marvland nab Mer. 2 Meridian u. Vcoraia. 33 Meridian und South 4 Pennsylv u. Louisiana ZS Sirgini Ave u. Alab. 9 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Ohi M No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. (21 Alabama und 16. 126 (tottrat Ave und 15. 126 Bandes und 16. ,27 Brookfide und Juriter .2 Central Ave und 17. .29 Delawar und 19. 131 Alabama und 11. 139 Bellefontaine und . IM College Ave und 9. 136 Delawar und 13. 136 Alabama und Werth 137 Newmann und 19. 138 Tolltg Av und 14. 13 Cornetl Av und 13. 141 DandrS und 10. 142 Highland Av und 10. 43 Tecumseh und 10. '.4S 5!ew Jersey und 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 8 Spritzenhaus Hikside Ave und 16. 148 College Ave und 2. 149 Collcg Ave und 7. 152 Park Av und 2. 16? L E u. 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