Indiana Tribüne, Volume 26, Number 259, Indianapolis, Marion County, 23 June 1903 — Page 6

PM' Hl'' Jüdin,: Tribüne, SS. Juni 1903

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Der Fleck.

Von Wilhelm Walters. Nette Leute, wirklich nette Leute", sagte meine Frau, nachdem unsere vor achtTagen neu eingezogenen Flurnachbarn ihre nachbarliche Visite abgestat tet hatten. So? Findest du?" erwiderte ich. Na, das wäre ja ein Glück, denn, offen gestanden, ich habe diese ewigen Hausfehden herzlich satt." Hausfehden?" fragte meine Frau mit der Unschuldsmiene eines Menschen, über dessen Lippen nie in seinem Leben das Wort Waschhaus" gekommen ist. Ich versuchte, ihrem Gedächtniß auf die Sprünge zu helfen, und erinnerte sie, um nur ein Beispiel von vielen anzuführen, an den Kampf, der sich zwischen ihr und unserer verflossenenNachbarin an deren Eigenthümlichkeit g?knüpft hatte, die Hosen ihres Mannes vor unserer Thür statt vor der ihrigen ausklopfen zu lassen. Du thust ja gerade, als ob ich daran schuld gewesen wäre," sagte meine Frau, indem ihre Augen jenen gewissen feuchten Glanz annahmen, den ich bei ihr als äußeren Ausdruck starker seelischer Erregung kannte. Ich versicherte meiner Frau, daß mir dies durchaus ferngelegen hätte. Im übrigen fände ich Leute, die fi nett finde, selbstverständlich auch nett. Er scheint ein sehr gebildete Mensch zu sein", fuhr meine Frau fort, und sie macht sogar den Ein druck einer höchst distinguirten Dame. Sie hat so etw.'s Sanftes in ihrem Wesen. Es ist wirklich ein Glück, daß man endlich einmal mit anständigen Menschen zusammenwohnt." Meine Frau hatte recht. Diese neuen Nachbarn waren wirklich nett. Ich fand es deshalb ganz begreiflich, daß acht Tage später meine Frau die höchst distinguirte Dame zum Kaffee einlud und von dieser wieder zum Kaffee eingeladen wurde. Wenn ich dem sehr gebildeten Menschen auf der Treppe begegnete, schüttelten wir uns freundschaftlich die Hände. Als sich herausstellte, daß unsere beiden Rangen mit den beiden gleichaltrigen Kindern von drüben im Garten mehrere Stunden lang ohne nennenswerthe Prügelei spielen konnten, war unser Glück vollständig. Siehst du, was habe ich gesagt!" rief meine Frau freudestrahlend aus, als ein Vierteljahr darauf zu ihrem Geburtstag von drüben ein Alpenveilchenstöckchen mit den herzlichstenGlückwünschen" eintraf. Ja, du bist ein Menschenkenner", bestätigte ich gerührt. Da die Nachbarn den gleichen l?r sparnißgrundsätzen und überdies der gleichen politischen Anschauung huldigten wie wir, wurde beschlossen, von nun an die Tageszeitung, die bisher jeder einzeln für sich bezogen hatte, nur in einem gemeinsamen Exemplar zu halten. Eine Woche lasen wir zuerst und schickten oas Blatt dann hinüber, eine Woche begannen sie, und die Anna von drüben brachte den Anzeiger" dann herüber. Waren sie ausgegangen, wurden ankommende Packete bei uns. waren wir vom Haus abwesend, solche bei ihnen abgegeben. Seit einiger Zeit bereitete die Nachbarin ihren Salat nach dem Rezept meiner Frau, während diese wiederum von einer alten Gewohnheit, Klöße zu kochen, zu Gunsten einer von drüben importirten Finesse abwich. Eines Sonntags den Abend vorher hatte mich meine Frau von ihrem Entschluß in Kenntniß gesetzt, ihrer Freundin von drüben das Du" anzubieten trat meine Frau aufgeregt und roth im Gesicht in mehi Arbeitszimmer. Da ich gelernt hatte, selbst die leisesten Wallungen im Herzen meiner Frau ihr vom Gesicht abzulesen, ahnte mir etwas Schreckliches. Hast du den Fleck auf der Treppe gesehen?" fragte meine Frau mit vor Erregung zitternder Stimme. Den Fleck? Welchen Fleck? Nein." ..Nun dann, bitte, habe einmal die Güte." Meine Frau ging stumm voraus. ich folgte ihr. Wir schritten wortlos einen halben Treppenarm hinunter, dann blieb meine Frau stehen und deutete auf eine Stufe vor uns. Da'." Ich bückte mich. Auf der Stufe war ein kleines, rundes, schwärzliches Etwas. ..Was ist das?" fragte meine Frau mit der Miene eines Untersuchung richters. Ich bückte mich tiefer. Das? Nun ja, das ist ein Fleck." Also, es ist ein Fleck?" fragte meine Frau streng. Ich rückte an meiner Brille und untersuchte nochmals das kleine, rundliche schwärzliche Etwas. Ja, es war ein Fleck. Man konnte nicht sehen, was es für ein Fleck war, ob er von Tinte oder Schuhwichse herrührte, ob er von der Straße eingeschleppt war oder seine Entstehung irgendeinem unbekannten Vorgang innerhalb des Hauses verdankte, aber ein Fleck war es jedenfalls, das war nicht zu leugnen. Ja, es ist ein Fleck", wiederholte ich. Na also", sagte meine Frau und ging die Treppe wieder hinauf. Venoundert folgte ich ihr. Erkläre mir nur, Schatz, was soll denn das alles bedeuten?" Es ist mir lieb, daß du dich überzeugt hast", erwiderte meine Frau. Mcinholds haben die Woche. Ich schicke also die Marie rüber und lasse

sagen, auf der Treppe wäre ein Fleck, und die Anna sollte ihn fortscheuern. Was antwortet die impertinente Person? Sie wüßte von keinem Fleck, und sie hätte die Treppe gestern Abend gescheuert, und zweimal scheuerte sie die Trevve nickt. Was saast du dazu?" Hm, hm", entgegnere ich, das ist allerdings nicht gerade sehr höflich." Höflich? Es ist unerhört!" Aergere dich nur nicht wegen so eines lumpigen Flecks, ich würde einfach " Weiter kann ich nicht. Was einfach?" rief meine Frau empört. Ich würde den Fleck einfach Fleck sein lassen." So? Das würdest du! Du muthest mir wohl am Ende gar noch zu, daß ich den Fleck fortscheuere?!" Das habe ich ja nicht gesagt." Aber gedacht! Das sieht dir ahnlich. So sind die Männer!" Ich wollte meiner Frau auseinandersetzen, daß die Männer nicht so" wären, meine Frau überhob mich aber dieser Mühe mit der Erklärung ihrerseits. daß sie meine Verständnißlosig keit in derlei Dingen bereits kenne, und daß sie selbst zu Frau Meinhold hinübergehen werde. Schön, mein Kind." Eine Viertelstunde später betrat meine Frau abermals mein Zimmer und ließ sich thränenden Auges in einen Polstersuhl sinken. Es ist aus! Aus!" Was ist aus?" fragte ich bestürzt. Die Gans!" Die Gans?" fragte ich jetzt in der That verständnißlos. Sie hat gesagt, sie müßte der Anna Recht geben, zweimal brauche sie die Treppe nicht zu scheuern." .Ach so." Sowie Herr Meinhold nach Haus kommt, mußt du hinübergehen und dich bei ihm beschweren." ..Aber liebes Kind, wegen so eines lum Es handelt sich um eine Prinzipienfrage!" rief meine Frau. Ich lasse mich von so einer Gans nlcht beleidigen! Es ist die Pflicht des Mannes, seiner Frau beizustehen. Du mußt hinübergehen und ihm sagen, wie seine Frau sich benimmt." Liebes Kind", erwiderte ich. die Geduld verlierend, verschone mich, bitte, nun endlich mit der Geschichte. Ich habe wirklich wichtigere Dinge zu thun, ich habe zu arbeiten!" Dieses lieblose Wort hatte einen zweifachen Thränenwasserfall zur Folge. der sich aus den Augen meine? Frau auf deren vor gar nicht langer Zeit erst neuerworbene seidene Bluse hinabstürzte. Willst du vielleicht damit sagen, daß ich nicht arbeite?" Das ist mir ja nicht im Traum eingefallen!" Ich thue. . . was. . . in. . . meinen Kräften steht. . . ich trage ebenso. . . viel zu unserm Leben. . . bei. . . wie du." Das habe ich niemals angezweifelt", erwiderte ich ärgerlich. Ich. . . habe. . . zwei. . . Kinder geboren. . ." Das weiß ich!" rief ich wüthend, durch das fortgesetzte Schluchzen nervös gemacht. ..Verlangst du vielleicht von mir. daß ich " Aber du. . . liebst mich nicht!" Hör auf!" rief ich voll Angst, die theuere Seidenbluse möchte sich in der Salzfluth in ihre Athome auflösen. ..Wenn du durchaus willst, nun gut, so werde ich hinübergehcn!" Gottlob, der Wasserfall schien plötzlich in seinen Quellen versiegt zu sein. Eine Stunde später zog ich Handschuh an, setzte den Hut auf und begab mich zu Herrn Meinhold hinüber. Nun. was hat er gesagt?" fragte meine Frau, als ich von dem Beschwerdegang zurückkam. Ich konnte ihr die beruhigendsten Versicherungen geben. Herr Meinhold war genau so wie ich der Meinung, daß dieser unglückliche Fleck keine Ursuche zu einer Disharmonie zwischen den Nachbarn werden dürfe, er werde bei seiner Frau sein Bestes thun, die Angelegenheit in Ordnung zu bringen. Als ich am Nachmittag mit meiner Frau zum Zweck eines gemeinsamen kleinen Spaziergangs die Treppe hinunterging, war der Fleck trotz des Versprechens seitens des Herrn Meinhold, bei seiner Frau sein Bestes" zu thun, noch nicht fortgescheuert. Ja, es machte fogar den Eindruck, als habe er sich um ein weniges ausgebreitet. Als wir von unserm Spaziergang zurückkehrten, war der Fleck auch noch da. Die Sonnenstrahlen fielen durch das Treppenhausfenster gerade auf die Stufe, auf die er sich gelagert hatte. Er erschien mir wie eine schwarzgraue, kleine, sich behaglich sonnende Katze. Ehe wir uns zu Bett begaben, nahm meine Frau ein Licht und ging noch einmal hinaus auf die Treppe. Der Fleck war noch immer nicht weggescheuert. Er hatte die Gestalt eins gespenftischen, schwarzgrauen Seeigels angenommen. Beim Flackerlicht der Kerze sah es aus, als ob seine dünnen Stacheln unheimlich zuckten und bald länger, bald kürzer würden. Wenn Herr Meinhold so wenig Macht über seine Frau hat, daß er ihr nicht einmal befehlen kann, einen Fleck auf der Treppe fortscheuern zu lassen, obwohl sie die Woche hat, kann er mir leid thun! rief meine Frau zorniq. Dann ist er weiter nichts als ein Waschlappen!" Ich schwieg vorstchtigerweise. um

nicht etwa unfreiwillig einen Vergleich mit den Machtverhältnissen zwischen mir und meiner Frau und weitere sich daranheftende Schlußfolgernngen hervorzurufen. Als am nächsten Morgen der Fleck noch immer nicht fortgefcheuert war. konnte nicht mehr daran gezweifelt werden, daß Herrn Meinholds Jnterventionsversuche als gescheitert zu betrachten seien, und daß Frau Meinhold auf ihrem Standpunkt beharre. Nun gut", sagte meineFrau. dann ist es aus zwischen uns." Um des eheNchen Friedens willen widersetzte ich mich dieser Entscheidung nicht und fügte mich ergeben darein, daß von Beginn des neuen Quartals an wieder auf ein eigenes Exemplar des Anzeigers" abonnirt wurde. Die Kaffeenachmittage meiner Frau fanden wieder ohne Frau Meinhold statt, die Freitagsklöße wurden wieder nach dem ehemaligen alten Rezept gckocht. Packete für drüben, die bei uns abgegeben werden sollten, wurden mit Entrüstung zurückgeweisen. Da meine Frau erklärt hatte, daß die Plebejerfamilie nebenan von jetzt ab Luft für uns sei. wendeten wir, Herr Meinhold und ich. wenn wir uns auf der Treppe begegneten, die Gesichter voneinander ab und schritten grüßlos, der eine rechts, der andere links von dem Fleck aneinander vorüber. Nicht ganz so leicht war es den Kindern beizubringen, daß es zwischen ihnen und den Nachbarn aus" sei. Nach acht Tagen jedoch hatten sie die Situation derart begriffen, daß sie den ehemaligen Freunden schon von weitem die Zungen herausstreckten und ihnen lange Nasen zogen. Ja, ich hatte sogar Grund zu dem Verdacht, daß sie die gleichen Ehrenbezeigungen gelegentlich auch Herrn und Frau Meinhold erwiesen. Sogar auf unsere getreuen Dienstboten erstreckte sich die gegenseitige Feindschaft. Die Marie behauptete meiner Frau gegenüber, die Anna sei eine freche Person, und wenn die Anna die gefüllten Ascheimer in den Hof schaffte und an dem Fensterchen unserer Speisekammer vorbeikam, das nach der Treppe hinausging, schlenkerte sie, daß es nur so stäubte. Was übrigens die beiden nicht abhielt, allabendlich vor der Hausthür zu stehen und ich hätte darauf schwören mögen sich gemeinschaftlich über uns lustig zu machen. Um den Waschhausschlüssel entbrannten Schlachten, auf dem Trockenboden wurden von unsichtbaren Händen schneeweiße Kleidungsstücke ohne Ansehen von Alter und Geschlecht von den Leinen gerissen und in den Staub gezerrt. Schon begann ein Theil des Hauses für und wider uns Partei zu ergreifen. Der Briefträger im vierten Stock, den ich zu Neujahr mit einem Trinkgeld bedacht hatte, und der Hausmann im Souterrain neigten sich uns zu, während des Briefträgers Nachbarn, die gelbe Dienstmannsfamilie No. 73 und das Schneidermamsellengeschwisterpaar, auf feiten unserer Feinde stand. Im Büdchen" nebenan bildete unser Streit das Gespräch sämmtlicher sich dort täglich versammelnder Küchendamen des Viertels. v? war peinlich. Vier Wochen waren vergangen, an vier Sonnabenden war die Treppe gescheuert worden (abgesehen von den täglichen Reinigungen mittels des Besens) der Fleck lag noch immer frech und selbstbewußt auf der Stufe. Marie und Anna überboten einander an Kunstfertigkeit, mit Hader und Bürste, sorgsam um ihn herumzufahren, ohne ihn zu berühren. Meine Frau hatte nach und nach einen solchen Haß gegen den elenden Eindringling und Schmarotzer, der sich von dem Frieden zweier Familien mästete, in sich angesammelt, daß sie nur noch mit bebenden Lippen, heimliche Flüche murmelnd, an ihm vorüder konnte. Diese Hartnäckigkeit grenzt geradezu an Wahnsinn. So etwas sollte man doch höchstens unter Bauern für möglich halten!" Ich wagte nicht zu widersprechen. Kurz vor dem Quartalswechsel erklärte mir meine Frau, daß sie diesen Zustand auf die Dauer nicht zu ertragen vermöge. Ich fand das durchaus begreiflich. Und daß es das Beste wäre, wir zögen aus. Gut, ziehen wir aus." Wenn sie sich einbildet, ich gebe nach, dann irrt sie sich." Ein altes Sprichwort fuhr mir durch den Kopf, aber ich hielt es für klüger, es nicht dem Gehege meiner Zähne entschlüpfen zu lassen. Ich habe eine großartige Idee," fuhr meine Frau fort, indem sie zum erstenmal seit langer Zeit ein vergnügtes Gesicht machte. So? Nun, welche denn, Schatz?" Dein Freund Bottermund sucht eine Wohnung, er war neulich von unserer so entzückt. Der miethet sie sofort. Wir werden unserm Wirth schreiben, daß die Wohnung uns zu klein geworden ist, daß wir sie unter der Hand weiter vermiethen werden und ausziehen. Unser Wirth ist ein vernünftiger Mensch, der hat sicher nichts dagegen. Na und dann, die Augen von denen drüben möcht ich sehen, wenn wir einfach eines Tags verschwunden sind! Dann sollen sie mit ihrem Fleck machen, was sie Lust haben. Meinetwegen sollen sie ihn in Gold fassen und unter eine Glasglocke setzen!"

Wenn wir aber selbst keine Passende Wohnung zur richtigen Zeit sinden?" wagte tth zu bemerken. Hundert für eiue!" erwiderte meine Frau. Jeden Tag!" Meine Frau hatte auch diesmal recht. Unser Wirth war wirklich ein vernünftiger Mensch, Freund Bottermund miethete uns in der That sofort

unsere Wohnung ab, und wir fanden, wenn auch nicht jeden Tag, hundert Wohnungen, so doch nach vierzehn Ta gen eine halbe zweite Etage, die meiner Frau außerordentlich paßte. Diese halbe zweite Etage befand sich in einem schönen neuen Haus, das vor kurzem erst fertig geworden war. und hatte für mich bloß das eine Bedenkliche. daß ihre andere Hälfte gleichfalls leer stand. Da wir mit unsern FlurNachbarn so traurige Erfahrungen batten machen müssen, schien es mir angebracht, nur eine solche Wohnung zu miethen, über deren nachbarliche Bewohner man in der Lage war. sich vor Unterzeichnung des Miethsvertrags genügend zu informiren. Ich machte deshalb den Besitzer des Hauses auf diesen Mangel aufmerksam, mit dem Bemerken, daß eine nette Nachbarschaft durchaus und in erster Linie eine Grundbedingung für uns sei, worauf der Besitzer des Hauses uns erfreulicherweise mittheilen konnte, daß an eben diesem selben Tag eine äußerst nette Familie die Nachbarwohnung gemiethet habe, und zwar unter der ausdrücklichen Bedingung, daß die andere Wohnung nur an nette Leute vermiethet werde. Das ist etwas anderes. Siehst du", sagte meine kluge Frau triumphirend, was habe ich gesagt!" Du bist ja immer meine kluge Frau gewesen", erwiderte ich gerührt. Da unsere neue Wohnung leer stand und unser neuer Hauswirth uns gestattet hatte, schon vor dem gesetzlichen Termin einzuziehen, so früh wir nur immer Lust dazu hätten, packten wir in aller Heimlichkeit unsere Sachen, Marie wurde bei Androhung der schwersten irdischen wie jenseitigen Strafen auf tiefstes Stillschweigen vereidigt, meine Frau war in dem Gedanken an die Augen von denen drüben", wenn wir verschwunden sein würden, wieder so lustig und guter Dinge, wie sie es bis zu jenem ominösen Sonntag gewesen war, an dem der Himmel es für gut befunden hatte, uns den Fleck in unser Idyll herabzusenden. Der Fleck schien vor Aerger von Tag zu Tag bleicher zu werden, was aber nicht hinderte, daß eines Morgens früh um sechs Uhr. als die Famili: Meinhold noch im tiefsten Schlummer lag, ein Möbelwagen vor unserm Haus anfuhr. Als die Familie Meinhold um zehn Uhr wahrscheinlich wie gewöhnlich ihre Morgenpromenade antrat, waren wir richtig verschwunden. Meine Frau trällerte in der neuen Wohnung herum wie eine junge Lerche im Frühling. Was sie wohl jetzt machen werden?" fragte meine Frau oft und malte sich in grauesten Farben die Trübsal aus. in der die Familie Meinhold nunmehr, mit dem Fleck allein gelassen, die Tage verbringen würde, die uns in Frieden und Freude dahineilten. Mit nicht geringer Spannung sahen wir dem Einzug der netten Leute in unsere neue Nachbarwohnung entgegen. Eines Abends, als wir von einem Shoppingausgang in die Stadt zurückkehrten, waren sie da. Der Wagen, der ihre Möbel gebracht hatte, fuhr eben entleert wieder davon. Ich bin wirklich begierig, was es für Leute sein werden," sagte meine Frau. Ich auch", sagte ich. Ich habe so eine gewisse Ahnung", sagte meine Frau, daß es wirklich nette Leute sein werden." Das gebe der Himmel!" Ich freue mich riesig auf sie!" rief meine Frau aufgeregt. Hoffentlich haben sie auch Kinder, mit denen unsere spielen können." Hoffentlich." Wir schliefen vor Aufregung kaum und standen am andern Morgen eine Stunde früher auf als gewöhnlich. Um acht Uhr hielten wir es im Zimmer nicht mehr aus und beschlossen, durch einen kleinen Frühspaziergang unsere Nerven zu beruhigen. Als wir auf den Treppenflur hinaustraten, öffnete sich drüben gleichfalls die Thür, und in ihrem Rahmen erschienen Herr und Frau Meinhold. Meine Frau wankte, ich stützte sie und führte sie in unsere Wohnung zurück. So viel ich in der Eile bemerken konnte, schien auf der Nachbarfeite ein ähnlicher Vorgang stattzufinden. Meine Frau sank sprachlos auf ein Sofa nieder. Ich benutzte die Freiheit, die mir durch diese Sprachlosigkeit wurde. Siehst du, Schatz," sagte ich. Man muß die Dinge nehmen, wie sie sind. i Die Meinholds, das wirst du mir wohl zugeben, waren von allen unsern Nachbarn doch die nettesten." Das waren sie", hauchte meine Frau mit n atter Stimme. Na also Die Ursache unserer Entzweiung war doch eigentlich nur der verdammte Fleck." Ja", bestätigte meine Frau elegisch. Der Fleck ist doch nun aber, Gott sei Lob und Dank, in dem alten Hauö geblieben."

Ja, gottlob." Die Ursache ist aus der Welt geschafft. Es hindert uns absolut nichts, daß wir die alten Beziehungen wieder anknüpfen. Oder vielmehr noch besser: wir thun einfach, als ob überHaupt gar nichts geschehen wäre!" Glaubst du", fragte meine Frau, daß sie das auch thun?" Na sicher!" rief ich vergnügt. Er ist doch ein sehr gebildeter Mensch und sie ein: höchst distinguirte Dame. Sie hat ja so etwas Sanftes in ihrem Wesen. Das hast du ja gleich von allem Anfang an gesagt!" Diesmal hatte ich recht. Bereits am Tag darauf war unser Glück wieder vollkommen. Ich aber bitte seit jenem Tag allabendlich: Bewahre uns vor einem Fleck auf der Treppe." Europäische Nachrichten. Arovinz Sachsen. Magdeburg. In Anwesenheit der Minister Hammerstein und Möller, der Provinzial-, Regierungs-, Mili-tär-und städtischen Behörden fand die Einweihung der neuen Königsbrücke statt, die von der Union Dortmund" und der Firma Philipp Holzmann in Frankfurt a. M. erbaut ist. Die Bausumme beträgt rund Ho Millionen Mark. Ober - Eonsistorialrath Ritze vollendete Hierselbst eine 50jährige Staatsdienstzeit. Die goldene Hochzeit beging unter großer Betheiligung von Freunden und Verehrern der Bureauvorsteher a. D. der städtisch, n Gas- und Wasserwerke Eduard Götze mit seiner Ehefrau Auguste, geb. Lingner. Dem Ober - Eonsistorialrath Ritze hier hat die theologische Facultät der Friedrichs - Universität zu Halle a. S. die Würde eines Doctors der Theologie verliehen. Erfurt. An der Kreuzungsstelle der Chaussee Erfurt - Eisleben überfuhr ein Bahnzug ein Gefährt der Viehhändler Gebrüder Friedmann Hierselbst. Dem Führer des Wagens wurde der Kopf gänzlich vom Rumpfe getrennt. Der Wagen wurde vollständig zertrümmert, von den Pferden wurde eins auf der Stelle getödtet, das andere schwer verletzt. Großwig. DaS Gehöft bei Viehhändlers Hildebrand ging in Flammen auf. Da es an Wasser mangelte, brannten Wohnhaus und Stallungen vollständig nieder. Halle. Die Rettungsmedaille am Bande wurde dem Kirchendiener Paul Hoffmann verliehen. H e i l i g e n st a d i. Das Rentier Wilhelm Neumann'sche Ehepaar feierte hier seine goldene Hochzeit. K a k e r b e ck. Das aus Wohnhaus. Stallung und Scheune bestehende GeHöft des Bäckermeisters Hohmann brannte vollständig nieder. K ö m m l i tz. Auf unbekannte Weise entstand im Gehöfte des Landwirths Bröse ein größeres Schadenfeuer. Es begann in der Scheune und verbreitete sich mit großer Schnelligkeit auf die anstoßenden Wirthschaftsgebäude, die bis auf die Grundmauern niederbrannten. N a ch t e r st e d t. Die Kohlengrube Konkordia" feierte das Jubiläum ih res 50jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß wurden für die Arbeiter Festessen und Ball veranstaltet. Je nach ihrer Dienstzeit empfingen die Grubenarbeiter ansehnliche Geschenke. Die Leu.die 10 Jahre in der Konkordia" beschäftigt sind, erhielten je 100 Mark. Naumburg. Der frühere Oberlandesgerichts - Präsident Breithaup! ist im hohen Alter von 94 Jahren hierselbst gestorben. Nordhausen. Nach längeren Leiden ist der Syndikus der hiesigen Handelskammer, Generalkonsul a. D. Dr. jur. Reitz, gestorben. Die interimistische Leitung der Syndikatsgeschäfte wurde schon kurz vor dem Tode des Dr. Reitz Dr. Weyhe aus Hamburg übertragen. P f o r t a. Oberlehrer Professor Dr. P. Böhme von der Landesschule hier wird nach langjähriger Amtszeit am 1. Oktober in den Ruhestand treten und seinen Wohnsitz in Weimar nehmen, Wanzleben. Großfeuer zerstörte das Gut des Oekonomen Freßdorf. sowie eine mit Korn gefüllte Scheune der hiesigen Domäne. Der angerichtete Schaden ist sehr beträchtlich. W e i ß e n f e l s. Der bisherige commissarische LandrathsvertreterGraf Unruh ist zum Landrath des hiesigen Kreises ernannt worden. F'rsVirrz Knnover. Hannover. Sein fünfzigjährig ges Dienstjubiläum feierte das bestens bekannte Mitglied des hiesigen Theaterorchesters, der Solobratschist Eduard Kirchner L Aus Anlaß der Feier wurde ihm der Rothe Adler-Orden vierter Klasse mit der Zahl 50" verliehen. Dem Eisenbahnsekretär Ehrhardt Hierselbst ist aus Anlaß des Ue bertritts in denRuhestand der Charakter als Rechnungsrath verliehen worden. Dem Professor Karl Mährens wurde der Rothe Adlerorden vierter Klasse verliehen. Die goldene Hochtt feierten Pensionär Lehm mit seiner Frau, Flügggestraße 9 wohnhaft. Der 64jährige HandelsgärtnerFritz Flcntje, welcher sich als Siecher im Stephansstifte. Kirchroderstraße 2, befand, tödtete sich durch einen Stich mi: einem Taschenmesser in die Herzge-aer-b-