Indiana Tribüne, Volume 26, Number 258, Indianapolis, Marion County, 22 June 1903 — Page 7
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Jndiana Tribüne, 2 Juni 1903
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$-SH Das Bpsrr dcr Schwcftrr. Noman von Margucritc ParadowsKa. zchK4Z4 (Fvitsetzung.) as ist wohl möglich, Excellenz," antwortete der alte Mann ernsthaft, aber was verstehen denn wir von solchen feinen Kniffen? ,Ter Kaiser von Amerika hatte der Betreßte weiter gesagt, ,lätzt Euch antworten, daß er Euren Jungen in seine Dienste nehmen und ihm täglich drei Tollars und Antheil am Gewinn geben will.' Drei Tollars. das wacht nahezu acht Gulden, beinahe ein Monatsoerdienst bei uns. Mein Sohn wurde beinahe verrückt vor Freude. Ich aber sagte: ,Warte doch noch, erkundige Dich vorher noch einmal- ich mag solche heimlichen Geschichten nicht.' Aber da bätte ich ebensogut einem Tauben predigen können. Ehe xh mich's versah, hatte er unterzeichnet. ,Sie brauchen nichts zu bezahlen als die Einschreibegebühren und die Ausrüstung,' sagte der feine Herr, und wir dachten nicht anders, als sie würden die Summe später von dem in Amerika verdienten Gelde abziehen. Allein die Schurken hatten andere Absichten. Da wir kein baares Geld besaßen, mutzten wir Kühe und Schafe verkaufen. ,Laß Dir's nicht zu Herzen gehen,' sagte der Junge, ,ich kaufe Euch später viel schönere. Dabei lachte er und machte Sprünge wie ein junger Gemsbock, küßte seiner Mutter die Hände und versprach Katia, seiner Braut, eine dreifache Korallenschnur. Das war sein letztes Lachen auch er ist niemals wiedergekommen. Die and.'ren erzählten uns später, daß er viel ausgestanden habe, Hunger und Noth. Alles, va man ihm versprochen hatte, war nicht als Lug und Trug. Aber aus Stolz schrieb er es uns nicht. Eines Tages hat ihn das Fieber gepackt und allein und verladen wie ein armer Hund ist er drüben gestorben und wir " Die Stimme des alten Mannes klang nur noch wie ein Hauch, die Blicke der ganzen Versammlung aber hingen an seinen Lippen, und nichts war im ganzen Saale zu hören, als das Schluchzen der Weiber, während durch das halbgeöffnete Fenster das Zwitschern der Spatzen hereindrang, die voll übermüthiger Lust das Frühlingserwachen feierten. Tie Sitzung wurde aufgehoben. Indessen mußte sich irgend ein ernsier Zwischenfall ereignet haben, denn während die Menge sich verlief, zischel1en Schreiber und Gerichtsdiener erschrocken in den Gängen einige äußerst bloßsiellende Papiere aus den Akten Silberstein" waren abhanden gekommen. 34. Kapitel, ls Matthias Teznar von diesem XL Diebstahl hörte, der an den S früher in seinem Bureau aufbewahrten Akten verübt worden war.erschrak er auf'ö Heftigste, umsomehr als auch die peinliche Durchsuchung sämmtlicher Aktenstöße ergebnißlos blieb. Gewisse geheimnißvolle Worte und Blicke aber, die den Kollegen in seiner Gegenwart entschlüpften, brachten ihn vollends zur Verzweiflung. Sollte man es wagen, seine eigene Person zu verdächtigen? Zu Hause setzte er sich, den Kopf in die Hände gestützt, im Speisezimmer nieder, ohne Malwa zu sehen, die den Tisch deckte und sich dabet nur muyjam durch's Zimmer schleppte, ja zwischenbin sogar mehrmals ausruhen mußte, um Athem zu schöpfen. Auch die Stimme des Starost hörte er nicht, der. die Mahlzeit erwartend, mit Vincente eine Arie aus Rheingold- einstudirte. Papa, Herr Landa geht eben über die Straße es steht aus. als käme er zu uns ja. da ist er schon!" Und in der That trat der Friedenslichter soeben über die Schwelle. Sei". rothes Gesicht war vor Zorn verzerrt. und ohne den ihm angebotenen Stuhl anzunehmen, begann er mit fester Stimme: ..Herr Teznar. wenn ich selbst zu Ihnen komme, so geschieht es nur. um Ihnen eine öffentliche Demüthigung zu ersparen. Jetzt aber in Ihrem Hause klage ich Sie an. daß Sie die bloßstellendsten Papiere aus den Akten Silberstein entweder selbst entwendet oder durch einen Helfershelfer haben entwenden lassen, um sie Silberste'.n auszuliefern." Schauerlich, gleich dem Geläute einer Todtenglocke tönten diese Worte durch das kleine Speisezimmer. Ja, sie drangen sogar bis in den Sa'on. wo bis Klavierbegleitung mit einem klagenden Mißton plötzlich abbrach. Niedergeschmettert von der unlaublichen Anklage lehnte sich Malwa an die W2nd. Teznar aber, obwohl blaß wie der Tod, richtete sich bei dieser Beschimpfung hoch auf und sagte, trotz des leisen Zitterns. das durch seine Stimme klang, mit ruhiger Würde: Ich bin zwar arm und bekleide nur ein untergeordnetes Amt. doch wird man auch bei der sorgfältigsten Unter, suchung nicht eine einzige, noch so unbedeutende Handlung in meinem Leben finden können, die sich nicht mit der Ehre vertrüge." Mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen war Vincente auf der Schwele des Eßzimmers erschienen. Hinter ihr stand der Starost.
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Mein lieber Kollege," sagte er, einen gutmüthigen Ton annehmend zum Friedensrichter, Sie sind ja sehr streng gegen unseren vortrefflichen Herrn Teznar, der sichdoch jictjli.c& mculö weiter, al eine itfiat a-, seit hat zu Schulden kommen lassen." Euer Excellenz scherzen wohl. Es ist eine richtige Unterschlagung. Uebrigens habe ich durchaus nicht behauptet, daß Herr Teznar allein der Schuldige sei. Vielleicht hat Frau Teznar die Güte, uns den Grund der häufigen geHeimen Zu?'a:' ?nkünfte mitzutheilen, die sie v?r und seit der Prozeßleitung in einem gewissen Hinierladen des Marktplatzes mit dem Viehhändler gehabt hat. Alles Thatjachen, die zu meiner Kenntniß gelangt stnd." Nun aber vermochte der Hilfsrichter feine Empörung nicht länger zu beHerrschen. Taö ist eine schändliche Verleumdung!" rief er. Niemals hat der Mann, von dem Sie sprechen, die Schwelle unseres Hauses überschritten, noch das Wort an meint Frau gerichtet. Sie kennt ihn nicht einmal." Da plötzlich unterbricht ihn ein Stöhnen, und sein Auge trifft Vincente, die mit todtenblassem Gesicht und irrem Blick, einer Ohnw . nat;?, auf einen Stuhl niedcrgesunien ist und wie mit einem Schlage fällt ihm die Binde von den Augen. Mit Blitzesschnelle zieht die Bergangenheit an seinem öeisie vorüber: Vincentes fortgesetzte Geldforderungen, die daraus entstandenen Sorgen und ehelichen Zwistigkeiten, Noemis tolle Launen, die plötzlich alle wie durch ein Wunder, das ihm jetzt mit einem Male klar wird, befriedigt wurden. Dunkle Schamröthe steigt ihm in's Gesicht, die Schmach droht ihn zu ersticken, und doch trifft diejenige, die ihn entehrt hat, kein Wort des Vorwurfs. Mit fester Stimme wendet er sich an den Richter: Thun Sie Ihre Pflicht, Herr Landa. Ich unterziehe mich willig allem, was Sie über mich zu derfügen für gut finden. Ich wußte nichts von diesen Dingen Sie glauben mir das, nicht wahr?" Wer hätte auch nur einen Augenblick an den Worten dieses Mannes mit dem offenen, ehrlichen Blick und den durchfurchten Wangen, über die zwei Thränen hcrabrollten, zweifeln können! Ein Schauder, zugleich aber auch ein Gefühl heißen Mitleids durchzieht die Herzen der Anwesenden. Der alte Mann im engen abgetragenen Ueberrock scheint vor ihren Augen zu wachsen. Nicht mehr der arme, niedrige Beamte, der oft verspottete Schwächling, steht da vor ihnen, sondern ein Mensch, der unverdient leidet und im Begriff ist, fremde Schuld zu büßen. Der Oberrichter scheint förmlich in Verlegenheit zu sein über den Erfolg seiner Sendung. Teznar." sagt er. dem Kollegen die Hand hinhaltend, ich bedaure Sie von Herzen. Sie sind ein rechtschaffener Mann, verzeihen Sie mir, daß ich daran gezweifelt habe." Matthias Teznar aber nimmt die ihm dargereichte. Hand nicht an. Ich danke Ihnen für Ihre Theil-, nähme, doch bleibe ich immerhin für eine Schuld haftbar, die durch meine Schwäche und Blindheit begangen wurde." Teznar." fährt der Rechter fort, ich will versuchen, die Sache zu unterdrücken. Sie sollen Ihres Amtes nicht entsetzt werden. Ich will alles auf Rechnung einer Nachlässigkeit setzen, so daß Sie nicht entlassen, sondern nur versetzt werden. Haben Sie eine bcsondere Vorliebe für irgend einen Ort zum Beispiel in Ungarn, das ist ja doch Ihre Heimath?" fügte er herzlich hinzu. Ich werde sofort die nöthigen Schritte thun." Mit einer Verfügung dankt ihm der Hilfsrichter. Der Vorgesetzte hat sich entfernt. Wie kommt es. daß der Starost ihn begleitet? An dem ärmlichen Tisch, an den er sich so häufig gesetzt hat, ist ja doch für ihn gedeckt! Trotz der Schande, die Vincente niederdrückt, folgt ihm ihr verstörter Blick. Sie sieht ihn über die Straße gehen und in's Haus des Oberrich:ers eintreten, wo die Lampe über dem Eßtisch soeben angezündet worden ist. Hat er wirklich den Muth, sie in ihrem namenlosen Jammer zu verlas sen und ihr und ihrer Familie diest tödtlicbe Kränkuna an'utbun? Sa. die Schändlichkeit ist unerbört! Aber dieser Silbersiein.hat sie ihn n.cht durch ihn kennen gelernt? Hat nicht ec sie ver
anlaßt, ja fast gezwungen, sich an ihn zu wenden, als sie sich damals n Geldverlegenheit befand, und er wahrscheinlich befürchtete. n werde seine Groß muth anrufen? Mit tief gesenktem Kopf sitzt sie in der zunehmenden Dammerung allein und verlassen dem V?ane aeoenüöer. den s:e in Grund: gerichtet hat, und erwartet den Aus bruch seine? Vorwürfe. Matthias Teznar aber hat sich schweigend, als habe er ihre Anwesenheit vergessen, in einen Lehnstuhl nieverfallen lassen und rührt sich nicht. In einiger Entfernung, ganz nahe dem Fenster, den Kopf auf ihre Stuhllehne zurückgesunken, liegt Malwa in tiefer Ohnmacht. 35. Kapitel. leiern Druck lastet jetzt auf dem kleinen Haus, an dem sich die üppigen Ranken der von strahlendevl Mondlicht übergossenen wilden Reben jo anmu-
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tvj cmporichnngen. Im Eßzimmer, wo Malwa. von einem heftigen Fieberanfall geschüttelt, daliegt, steht auf dem alten Wachstuch das noch unberührte Abendessen. Da plötzlich hätt ein Wagen vor der Thüre, und wie ein Sturmwind kommt Noemi in's Haus gejagt. Was haben die Gerüchte zu bedeuten, die überall im Umlauf sind?" fragt sie aufgeregt in befehlendem Tone. Be, ihrem Anblick hatte Matthias Teznar zum Stock gegriffen und sich schweigend entfernt. Während er das Haus verläßt, vernimmt Malwa durch die Bretterwand die unter Schluchzen hervorgestoßenen Erklärungen ihrer Mutter und die vorwurfsvolle Stimme ihrer Schwester. Nicht ein gütiges. mitleidsvolles Wort hat diese reiche, elegante junge Frau für diese bejammernswerthe Mutter, die jetzt das Unrecht ihrer allzu großen Liebe für dieses Kmd büßt. Hast Tu denn aber gar nicht an meine Stellung in der Welt gedacht, als Du so handeltest und an die Schande, die dabei auf mich zurückfällt? Mein Bleiben hier ist jetzt unmöglich. Ich werde meinen Gatten zwingen, aus der Gegend fortzuziehen und Du, Du allein trägst die Schuld daran." Mit drohender Miene geht sie davon, während die Mutter mit gebrochenem Herzen und verstörtem Blick den Kopf sinken läßt und zum ersten Male in ihrem Leben keinen Versuch macht, ihre Tochter zurückzuhalten. Von draußen dringt, getragen von der linden, balsamischen Luft eine klare Frauenstimme im Verein mit der kräftigeren eines Mannes, die Vincente nur zu gut kennt, durch die offenen Fenster herein. Bist Du mein?" ..Hab' ich Dich wieder?" singen die Stimmen. Dies Deine Augen?" Dies Dein Mund?" Hier Deine Hand?" Hier Dein Herz?" Isolde! Geliebte!" Deutlich klingen diese gefühlvollen Worte durch die klare Nacht und treffen gleich scharfen Pfeilen das schmerzzerrissene Herz Vincentes. Weit öffnet sich jetzt die Thüre des gegenüberliegenden Hauses, und unter Lachen und Scherzen erscheint beim flackernden Scheine eines Windlichtes, das die röthlichen Haare der Oberrichterin und ihrer Schwester eben jener Sängerin von vorhin beleuchtet, der Starosi in angeregtester Stimmung. Mein lieber Fürst, welch ein unvergleichlicher Abend! Sie werden recht bald wiederkommen, nicht wahr?" Er ergeht sich in den höflichsten Redensarten und küßt den Damen galant die Hand. Die Pferde fahren vor, er springt in den Wagen und vorwärts! Hinter dem Fenster versteckt sieht Vincente trockenen Auges dem über den Platz hingleitenden Lichtstreifen der Laternen nach. Hat der Kutscher sich denn nicht in der Richtung getäuscht? Wird er nicht umkehren? Doch immer entfernter klingt das Rollen der Räder. Noch einmal blitzt ein heller Schein an der Biegung der Straße auf, dann versinkt alles wieder in tiefe Nacht. Vincente wird es aber mit einem Male klar, daß mit diesem letzten Lichtfunken eine zwanzigjährige Freundschaft erloschen ist. Doch ach, was will das heißen im Vergleich zu der grausamen Undankbarkeit der eigenen Tochter! Gramerfüllt denkt sie an die beiden Wesen, die sie allein auf der Welt geliebt hat. Welch einen Reichthum an Nachsicht, Zartgefühl und Opferfreudigkcit hat sie. die so lieblos, so hart gegen andere sein konnte, an diese beiden Menschen verschwendet! Sie waren der Lichtstrahl, der ihren engen Horizont erhellte. Da plötzlich erbebt sie unter dem sanften Druck einer Hand auf ihrer Schulter. Wer kommt denn da? Mißtrauisch abwehrend hat sie ihre Hand erhoben. Malwa ist es Malwa. die den ganzen Herzenskummer Vincentes errathen und sich, von Mitleid erfüllt, bis zu ihr geschleppt hat. O Mutter, liebe Mutter, weine Deinen Schmerz in meinen Armen aus. Thränen lindern, beruhigen. Diejenige, die vorhin von Dir ging, sie wird an Dein Herz zurückkehren, so wie einstens als kleines Kind. Sie wird einsehen, daß alles nur für sie geschah aus allzu großer Liebe für sie." Widerstandslos läßt Vincente sich von den Worten der Liebe und BarmHerzigkeit einwiegen, bis ihr allmälig die Thränen in die heißen, trockenen
Augen steigen, und lange, lange weint sie in den kraftlosen Armen, die sie warm und mitleidsvoll umschließen. 36. Kapitel, urch Vermittlung des Oberrich51 ters wurde in der That von einer Entlassung Matthias Teznars Anstand genommen und er nur in eine andere Gegend, und zwar nach Ungarn versetzt. Eines Tages, als Henerik dem Häuschen, wo Malwa wohnte, seinen täglichen warmen Morgengruß zusandte, erschrak er nicht wenig beim Anblick eines vor der Thüre haltenden, mit Kisten beladenen Wagens. Ach, was soll aus ihm werden, wenn er das sanfte, geliebte Antlitz nicht mehr sehen darf! Vor allem aber quälte ihn die Sorge, ob Malwa die ermüdende Reise aushalten werde. Machte es ihm doch den Eindruck, als ob die letzte Ge-
mutyserschütterung sie vollends daniedergeworfen hätte. Und doch schienen weder Matthias Teznar, noch seine Frau, die ganz in ihrem Kummer dersunken waren, die täglich zunehmende Hinfälligkeit ihrer Tochter zu bemersen. Während der junqe Mann auf der Kanzlei mechanisch seine Arbeit verrichtete, wanderten seine Gedanken aus den düsteren Mauern des Gerichtsgebäudes zu dem kleinen Haus zu Malwas geliebtem, blassem Antlitz. Ob sie wohl ahnt, wie er mit seiner ganzen Seele ihren Kummer theilt? Ob sie wohl noch manchmal an die warme, treue Liebe denkt, die er in seinem Heren für sie heqt? Ach. wenn er doch .die Vergangenheit tödten.ein kleinesStückchen ihrer Zuneigung gewinnen und ihr nach und nach etwas Liebe einflößen könnte! Ihm war, als könnte er sie dann noch retten. Mit welcher Seligkeit würde er sie mit sich an den südlichen Abhang des Gebirges führen, zu den Blumen, die sie liebt, in eine bescheidene, aber sonnige Hütte, wo eine Welt von Liebe sie umgeben sollte! Das Haus des Hilfsrichters erdröhnte unter dem betäubenden Lärm der Hammerschläge. Kisten wurden zugenagelt und Möbel verpackt, wobei Vincente und Basia hilfreich Hand anlegten. Morgen werde ich hoffentlich kräftiger sein und Euch auch helfen können." murmelte Malwa, die betrübten Herzens der Zerstörung ihres freilich gar ärmlichcn Heims anwohnte, das aber jetzt, im Augenblick der Trennung, der verklärende Zauber der Vergangenheit umwob. Sie fühlte wohl, daß das beste Theil ihres Herzens hier in diesen engen Mauern zurückbleiben werde. Wenn es nur wenigstens möglich gewesen wäre, den Umzug hinauszufchieben! Wer weiß, vielleicht hätte man sie dann gar nicht mitnehmen müssen. Beim Gedanken aber, daß sie nur sortging, um in jener fremden Gegend zu sterben, ergriff sie ein Schauder. Den Ellenbogen auf's Kopfkissen gestützt, hatte sie sich zu dem weitgeöffneten Fenster hingeneigt, um mit ihren großen, schwermüthigen Augen die Arbeit der den Umzug besorgenden Männer zu beobachten. (Schluß folgt.)
Vin neuer Samlct. irf hm her ttrini .ftnmlet ÖDN Dänemark", stellte sich ein woHlgeklei deter Mann, der in der Londoner P? lizcistation Gerald Road eintrat, dem wachthabenden Polizeibeamten vor. Und dann überreiche er ernst und feierlich dem überraschten Wächter der Ordnung einige silberne Leuchter, vier Ordensdekorationen und noch einige werthvolle Kleinigkeiten und setzte hinzu : Ich habe meines Vaters Geist in Eaton Square gesehen. Er war oben und sagte zu mir: Komm berauf! Dann bin ich eine Leiter hinaufgestieer und oben den Balkon entlang gegangen, und er sprach zu mir: Tritt ein! Ich drückte auf die Thür und trat ins Haus und er sagte: Nimm diese Dinge", hier wies der Prinz auf die dem Polizisten eingehändigten Gegenstände, sie sind dein." Hier machte der hohe Fremdling eine Pause, und der Wachthabende, der sich mittlerweile von seiner ersten Ueberraschung erholt hatte, trug nun seinen Theil zur Unterhaltung bei und stellte die nüchterne Frage: Verstehe ich Sie recht? Sind Sie in das Haus eingebrochen und ha ben diese Gegenstände gestohlen?" Der Prinz schien einigermaßen betreten. erwiderte aber: Nein, keineswegs. mein Vater hat sie mir geschenkt. Dann führte er den Polizisten nach Eaton Square und zu dem Hause., das der Abgeordnete Sir Robert Reid bewohnt. Dort war bereits ein anderer Polizist beschäftigt, den Thaibestand des Einbruchs aufzunebmen. Im Fenster des Salons war ein großes Loch ersichtlich, und die Gegenstände, Orden, silberne Leuchter u. s. w.. mit denen der Fremdlin in der Polizeistation erschienen war, stammten aus diesem Gemach und dem Ankleidezimmer Sir Robert Reids. Zwei Häuser weiter war ein Haus unter Reparatur, und dort hatte der Prinz von Dänemark sich die Leiter zeholt, um zu seines Vaters Geist auf den Balkon zu steigen. Die Polizisten nahmen ihn unter der Anschuldigung des Einbruchs in Gewahrsam und führten ihn später nach dem Polizeigerichi zu vorläufiger Vernehmung. Er wurde indessen nicht als Prinz Hamlet, sondern inkognito als Wilhclm Kringel, seines Zeichens Sckauspieler, vorgefübrt. Namen und Stand waren einem Passe entnommen, den er bei sich führte. Er selbst gab keine weitere Erklärung ab. und nach der Feststellung des Thatbestandes wurde die weitere Vernehmung vorläufig ver tagt. Es scheint fast, als ob dcr Mann wie sein Vorbild, der hochselige Prinz Hamlet von Dänemark, ctroai übergeschnappt wäre. Valgennrnor. Der Schweizn-Ede ist wegen fünf fachen Mordes fünfmal zum Tode verurtheilt. Am Abende vor der Hinrichtung fragt ihn der Pfarrer, ob er noch einen besonderen Wunsch habe. Ich möcht' schon bitten, Herr Pfarrer." antwortet Ede. daß ich nur einmal geköpft werde !" Zur Heranbildung von Bibliothekaren stiftete Andrew Carnegie der Western Reserve"Universität in Cleveland, )., die Summe von $100,000. ... -w v -k ir "w
Die Pflanzenwelt im Volksmund. llerlei alter berglauke, der ,ura Theil heute noch blüht. Wie in uralter Zeit, so herrscht auch in unseren Tagen noch in manchen Volkskreisen Deutschlands die Borstet lung, daß in den Bäumen geisterhafte Wesen wohnen, die sogenannten Dämonen entweder Wald- oder Fldgeister, unter denen die wilden Männer und die Holzweibchen die bekanntesten sind. Die wilden Männer sind dir, lÄeister der wilden Natur des Waldes und des Gebirges, die der Kultur trotzen, dann aber auch die Geister des grünenden Lebens, des Wachsthums. Ihre Frauen, die Waldfrauen, steigen oft in Mondnächten in die Lüfte. In manchen Gegenden verlieren aber die Waldfrauen das Riesenhafte; als Moosweiblein oder Holzweiöchen gleichen sie dreijährigen Kindern, die spinnend oder strickend aus Kreuzwegen sitzen, sich auch mit den Menschen zu Tische setzen, freundlich und harmlos mit ihnen verkehren, oder ihnen helfend bei der Arbeit beispringen. Der alte Volksglaube an diese kleinen moosgrünen Waldgeister, die sich die alten Germanen als Mitteldinge zwischen der Gottheit und den Menschen vorstellten, liegt , manchem Brauche, den man noch jetzt hier und da findet, zu Grunde. So läßt man im Frankenwalde bei der Ernte drei Hände voll Flachs für die Holzweibel auf dem Felde liegen. Zu Neuenhammer in der Oberpfalz bindet man beim Ausraufen des Flachses vom Felde fünf bis sechs Halme, die man stehen läßt, oben in einen Knoten zusammen, damit das Hulzfral sich daruntersetze und Schutz finde u. s. w. Die Waldund Feldgeister werden aber nicht nur als schadenbringende Gewalten gesürchtet, sondern auch als nutzbringende Wohlthäter verehrt. Insbesondere sollen die Baumgeister die Macht haben. Krankheiten zurückzunehmen. Deshalb umwandelt man bei Zahnschmerzen einen Birnbaum rechts und umfaßt ihn. indem man einen Spruch murmelt. In der Altmark binden Kopfwehkranke einen Faden zuerst dreimal um ihr Haupt und hängen ihn dann in Form einer Schlinge an einen Baum; fliegt ein Vogel hindurch, so nimmt er das Kopfweh weg. Alle diese abergläubischen Bräuche sind nichts, als allerdings oft arg entstellte Ueberreste der altgermanischen Götterzeit. Die Mythen jener Urzeit hatten aber einen tiefen Sinn, der uns in Sagen Kunde davon gibt, daß die alten Germanen ihre ganze Weltanschauung auf die Natur und ihren Wechsel bauten. Die Bäume, als menschliche Wesen gedacht, waren heilig und unverletzlich. Grausame Strafen standen nach den alten Rechtsgewohnheiten einzelner Orte auf Schändung der Bäume. Noch heute sprechen die Holzarbeiter in der Oberpfalz von Waldbäumen wie von Menschen und bitten den schönen, gesunden Baum um Verzeihung, ehe sie ihm das Leben abthun." Die Verschmelzung zwischen Mensch und Baum war schließlich so innig gedacht, daß man die Bäume wie Menschen betrachtete. In Westfalen kündigt man noch jetzt den Bäumen den Tod des Hausherrn an, indem man sie schüttelt und spricht: Der Wirth ist todt." Heilige Bäume bluten" beim Verletzen. Blutbäume, welche aus dem Blute schuldlos Gerichteter entstanden sein sollen, gibt es noch heute an manchen Orten, beispielsweise die Blutlinde zu Frauenstein bei Wiesbaden. Gewisse Bäume genossen noch eine besondere Verehrung, weil man sie als persönliche Geschenke gewisser Gottheiten betrachtete. Insbesondere waren die Eiche. Esche. Linde, Birke und die Hasel den alten Germanen heilige Bäume. Auch dieser altgermanische Baumkultus hat sich in einzelnen Ueberresten bis heute erhalten. In manchen Gegenden Niedersachsens und Westfalens erhielt sich die Verehrung heiliger Eichen bis in die neueste Zeit. Im Paderbornischen befindet sich eine solche, zu der die Bewohner von Kahlenberg und Wormeln noch jetzt in feierlichem Zuge gehen. Die Birke war bei den alten Germanen ein echter Freudenbaum. unter dem sie die Frühlingsfeste feierten. Als Nachklang dieses Brauches ist die Sitte anzusehen, die Wohnungen zu Pfingsten mit Birkenzweigen zu schmücken. Die Haselnuß galt in der altdeutschen Mythologie als das Sinnbild des Lebens und. weil sich die Haselnüsse oft gepaart finden, auch als ein Zeichen des ehelichen Glückes. Im Schwarzwald tragen die Hochzeiter noch heutc eine Haselruihe. und wenn in einem Jahre viele Haselnüsse wachsen. gilt es als ein Zeichen, daß viele Kinder zur Welt kommen werden. Reichen Kindersegens erfreut sich der Gerichtskanzlist Ratai in Blowitz, Böhmen. Der Beneidenswerthe zählt 93 Jahre, ist zum dritten Male verheirathet und hat 36 Kinder. Schreibfedern aus Gänsekielen und Streusand sind in den englischen Gerichten, im englischen Oberhause und der französt schen Deputirtenkammer noch im 5k brauche. Vier Dinge sind es besonders, auf welche jeder in der Aufzucht der Kücken nach Erfolg strebende Züchter zu achten hat: peinlichste Reinlichkeit, gutes, nährreiches Futter und regelmäßige Fütterung, reichliche Versorgung mit Sand und Grünfutter und so viel Sonnenschein als möglich, mit reichlichem Genusse frischer Luft.
Feuer - Signale.
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Washington Str öl 91. 10 Spritzenhaus Jllino u Merrill 52 JllinvtS u Louifiana 53 Wett und Eouch 54 West und McCarty 5 Senate Lv. u Hcnry 67 Meridian und Rat, 58 No. 4 Spritzenhaus Madrson Av. u Morviß 5 Madiion Av.u Dunlop 1 No 2 Haken LeittrbauS South nahe Telawar 2 Penn, u Merrill Delaware u. RcCart 4 (San und Meaaru, 66 New Jersey u. errill 67 Birg. Av. u Bradsya 88 Saft und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. 11 Epritzenhau Bir Ave. nah Hur 7t East und Georgia , 3 eda und Elm 74 Davidson u Georgia 7 Snglish Av. u Pine 7 SHelby und Bäte re 91. 3 Spritzenhaus Prospekt nah Syelbs 7 Zletcher v. u Shelby 91 Market u. New Jersy 82 Telaware und Wash. 83 East u Washington 4 New York u. Davidsor 85 Taubstummen Anstalt 86 Ver. Staaten Arsenal 87 Onental und Wash. 89 Frauen-Resormat, 91 No. is Spritzenhaus Maryland nahe Mer. 2 Meridian u. Vcorqia. 93 Meridian und South 94 Pennsvlv u. Louifiana 95 Virgini Ave u. Aiab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Av und Cl)l 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Av und 15. 126 Landes und 15. 127 Brooksid und "wvita 128 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellesontaine und W. 134 College A und M. 135 Delaware und 13. 136 Alabama uns North 137 Newmann und 19. 138 College Ave und 14. 139 Cornell Av und 13. 141 Dands und 19. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumsey und 10. 145 New Jersey ck 22. 146 Alvord und 17. 147 Ro. 2 Spritzenhaus Hiltfide Ave und 16. 148 College Ave und 2. 149 College Av und 7. 152 Patt Ave und 2. 15? L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey A und 10. 156 Stoughton u Newman 157 AtlaS und Pike. 158 Bloyd und Pawvsw. 159 No. 21 Spritzenbau Brightwood l2 Arven und Depot 165 Brightwood und 26 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. Kcw'ton 167 Arsenal A und 23. 168 Bllesontain und 28. 169 Patt IM Kttd 10. 212 Capital Ave und 17. 213 Pennsylv. u. 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Washington 427 Oliver und Birch 428 Oliv? und Osgood 429 Rordvke und Port 431 Hadlev Ave u. MorriS 452 Rivkr Ave u. Morrii 4 River Av und Rat, 435 Harding u. Big 4 R ? 43S Harding und Oliv 437 Ro. 19 Epritzenha; MorriS und Harbins 45V StoaymdS 461 eiSner und lkr 452 Howard und Ütt 455 Rors nd aps 466 feratet und BebgMl 457 Rordvkr Im u. fccax knon Worts 612 eft ad Ray 613 enlucky Av u. VUrrfL 614 Meridian und MorriS 616 JUinoiS uiu Aansas 517 Starrt und Dakota 618 Morris und Church kl kapital A. u McCarty 521 Mervdian und Palm 623 Pine UN), Lord 624 Madtsor, Ave u tincolt 2 Meridian und Blt 627 Carlos und atz 528 Meridian uud Arizona 629 Mkridian u. Raymond 631 Meridian u. McCarty 632 Ro. 17 SpritzenttS MorriS nah W 612 McKernan und DoußjtzV 615 East u. Lincoln fern 614 East und Beecdei 616 Wright und Sanders 617 McCarty u .td Veaty 616 New Jersey u ir 71 Spru und Prospect 715 ngllsh Av. u. Laurek 714 Sta Ave u. 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Feuer aus und Schlauch ausgerollt, 5 Schläge, Wasserdruck ab. 1 Schläge, 1 Uhr Mittags. Dte so bezeichneten Signale werden nur vom Dhur Wachter angegeben da an den betreffende Su ifrc? krutzunaen feine Alarm ften caebracht find. Chicago und der grohe Nordweften via Iaska-5awaii-PHilidVine Inseln. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. KV on der Monon 47. Err. Etation, Cbicago, lad 4 nur 5 Minuten mittelst elekttischn Ear nach den Union Biehdöfen French Lick Spring'S, t dem Orange Eountu Hochland. Familien-Hotei unter neuer eschäftSleitung. Pluto. Vrolerptn md Bowle Quellen. Beste Mineralwasser der Welt. Xoi Züge laglich via Vree.icastle. licket-Officen : Union Station, Massachusetts Ave nd 2S ttest Washington Sttatze. B. feilt Distrikt ass. Agent. Indianapolis. Ind. . H. McDoel. . H. well, Pras. und Gen. Mgr. Betriebililn grank I. eed. en. Pils. gen,. Chicago. Jll.
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