Indiana Tribüne, Volume 26, Number 256, Indianapolis, Marion County, 19 June 1903 — Page 6
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Judiana Tribüne, 19. Juni 1903.
The Victor.
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Ecke Rodle und St. Elair Str. Ich erlaub mit meinen Freunden und Bekannte aniumge. daß ich uuter dem Namen "The Victor'' oa obengenanntem Platze eine in jeder Beziehung erste Klaffe WirtHlchaft trennet habe. Es wird mein Beftreben sei, ein in teder eziehnn ?esvNable Hau zu führen und an meine eschast freunde, bei roulanter Bedienung, die besten Qual' tüte an tmvortirten und einheimischen Seine. Siaubren. igarren. Bier, etc. u verabreichen. wird mir r Ehre gereichen. ,e in meinem jetzigen vokale begrüben ,u kdnnen . Achtungsvoll HENRY VICTOR. UQtnn Sie das Beste wünschen das es gibt in Möbeln, Teppichen . . . .und .... ...Defen... so gehen Sie zu WILLIG'S Möbel-Laden. 141 W. Washington Str. Vaar oder Kredit. 142 Nord Pennsylvania Straße, Hauptquartier für rillen und Operngläser s ipowyiwvmj nSTs OC NöMlM 'MüHS Brille erden nach oen besten Methoden den Augen geverßt. Könftliche Augen werden schmerzlos eingesetzt. H. C. KRENTL.ER CO. Fabrikanten van KUnftiichenGliedern, Orpho päthische Apparate, Bruch dünder, elastische Strümpse, rücken, Schuh Extensionen, Fußplatten. Chirurgische Instrumente reparirt. )3 Maff. Ave. 208 O. New York St. Zelt 1 ,89. ir spreche deutsch. rohe uswadz von Aug. Diener, o. 449 Oft Washington Str. ees Televdo 525. Deutsche Buchhandlung. Carl Vtngpank. 4 Brctrnt Vc. M. Bembroke rcabe.) LAKE ERIE & WESTERN R. R. Fahrzeit der Züge. . . Abfahrt Ankunft Xoltfce. Chicago und Mchigan Ervreh. .. 7.16 T10.28 Xoleft. Detroit nd Chicago Lim 1.0 f S U tchiga Utz. Muncie u.Lasay,tteSpl..r TM flO. tckglich t ausgenommen Sonntags.
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SKxi 33 ' W lox Som 4$x3 0 v " ALtcrr tt s n n n n tt Algiers bei New Orleans. 12. März 1899. Lieber Freund! Als ich vor ungefähr vier Monaten in Paris von Dir Abschied nahm, warst Du über meine plötzliche Abreise sehr überrascht. Ich sagte Dir, daß ich in dienstlicher Angelegenheit, in meiner Eigenschaft als Beamter des französischen KultusMinisteriums, nach Amerika ginge. Das war eine Nothlüge. Aber in der Stimmung, rn der ich mich damals befand, wollte ich selbst Dir, meinem besten Freunde, nicht die volle Wahrheit sagen. Ich habe Frankreich für immer verlassen, habe mein Vaterland, meine Karriere und alles das, was mich mit dem Leben verband, aufgegeben, um mich hier auf eigene Füße zu stellen. Du weißt ja, daß ich von meinem Onkel, dem alten Baron Dumesnil, leider abhängig bin. Er ist steinreich und unverheirathet, und ich galt für seinen Universalerben, habe mich auch stets als vermögenden Mann gefühlt, denn mein Onkel unterstützte mich auf das reichlichste mit Geldmitteln. Nun habe ich aber vor einem Jahr ungefähr eine Dame vom Theater kennen gelernt. Fräulein Nanon Bondeau, die Dir vielleicht auch bekannt sein wird. Diesmal ist der Roman ernsthaft geworden. Ich habe mich mit der Dame helmhch verlobt und Habe meinem Onkel mitgetheilt, daß ich sie heirathen würde. Mein verehrter Onsei gehört indeß noch der alten Schule an. Er findet es unerhört, daß ein Mitglied des alten legitimistischen Adels sich mit einer Schauspielerin verheirathen will, und hat mir rundweg erklärt, daß er niemals seine Einwilligung geben würde. Das heiße Blut der Dumesnils rollt in seinen und meinen Adern. Es ist zum vollständigen Zerwürfniß zwischen uns gekommen. Mein Onkel hat mir erklärt, daß mein Ungehorsam ihn veranlasse, seine Hand von mir abzuziehen, und daß er sein Testament sofort ändern wolle, um sein Vermögen wohlthätigen Stiftungen zu vermachen. Ich bin dem alten Herrn die Antwort auch nicht schuldig geblieben, und da ich mich nun auf eigene Füße stellen muß, habe ich die Reste alles dessen, was ich von baarem Geld und Außenständen besaß, zusammengerafft und bin hierher nach New Örleans gegangen, um auf dem Boden Amerikas mir eine neue Stellung zu erringen. Es ist das nicht leicht, wie ich schon nach kurzer Zeit eingesehen habe. I6? habe geglaubt, wegen meiner vornehmen französischen Abstammung hier in New Orleans, der alten französischen Kolonie, ein besseres Unterkommen finden zu können, aber die ehemaligen Franzosen sind heute Kreolen; der Amerikaner, Engländer und der Deutsche bedeuten bier mehr als der Franzose, und meine Fähigkeiten sind für hiesige Zwecke außerordentlich gering. Was nützen hier meine Kenntnisse der französischen VerwaltungsMaschinerie, hier dreht sich alles um Baumwolle und um das Geschäft, und es ist mir nicht einmal gelungen, eine Volontärstelle in einem Geschäfte zu finden, wo ich zunächst auch ohne Bezahlung gearbeitet hätte. Aber ich darf Muth und Hoffnung nicht aufgeben, denn ich kämpfe um das Glück zweier Menschen, um das meine und das meiner angebeteten Nanon, die mir Treue gelobt hat und sie mir halten wird, und sollten wir Beide darüber zu Grunde gehen. Hier kann ich nicht bleiben, ich muß weiter nach dem Westen, meine Mittel sind ziemlich erschöpft, indeß komme ich wohl über die nächsten vierzehn Tage noch hinweg. Als ich Paris plötzlich verließ und mich von Dir vrrabschieoete. habe ich Dir eine eiserne Kassette übergeben und Dich gebeten, sie zu verwahren. Ich autorisire Dich nunmehr, diese Kassette öffnen zu lassen. Du wirst in derselben eine Anzahl von Schmuckgegenständen. Erinnerungen an meine verstorbene, heiß geliebte Mutter, finden, Gegenstände, tue ich. wenn irgend möglich, aus Pietät behalten wollte. Ich stehe jedoch jetzt vor einem WendePunkt in meinem Leben. Ich brauche nothwendig Ge!d. um im Westen etwas anfangen zu können, denn die Zeiten sind vorüber, wo man in Amerika ohne Geld in kurzer Zeit zu Reichthum gelangen konnte. Jetzt kann man selbst in der Wildniß ohne Geld nichts anfangen. Ich erbitte daher als letzten Gefallen von Dir, die Schmuckgegenstände. die ungefähr einen Werth von fünfzehn- bis zwanzigtausend Francs haben werden, bestmöglich zu verkaufen. Die Briefe, die in der Kassette liegen, bitte ich mir zuzusenden. Thue Dein Möglichstes und sei nochmals ersucht, möglichst rasch zu handein, sonst komme ich hier in schwere Verlegenheit. Ich wohne hier in der Vorstadt in kinem kleinen öotel. !ta New Orleans
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tv krzöhrunß von D. Zi. Warren 44 .... ij. tt tt tt n tt selbst drüben war mir die Cacye zu theuer. Unten findest Du meine genaue Adresse. Mit herzlichen Grüßen und einem Abschied auf Nimmerwiedersehen Dein Raoul de Dumesnil. Seufzend erhob sich der Briefschreihon Nmscklaa mit der ADrefle seines Parier freundes und machte sich dann zurecht, um ihn selbst nach dem Hauptpostamt zu tragen, da am nächsten Tage ein Dampfer von New Orleans nach Havre abgehen sollte. Raoul machte, wie er dies von Paris her gewohnt war, sorgfältig Tollette, und als er sich in dem mittelgrcßen Spiegel des Hotelzimmers betrachtete, mußte er sich selbst sagen, daß er rn fernen vornehmen und ele ganten Pariser Kleidern eine höchst vortheühafte fttgur machte. Er war groß, schlank und sah sehr kräftig aus; gelocktes schwarzes Haar, ein ziemlich langer, spitzer Vollbart und dunkle Augen gaben seinem Gesicht und seinem Kopf einen interessanten Ausdruck. Er setzte seinen eleganten Pariser Hut auf, nahm den Spazierstock, verließ das Hotel und fuhr mit der .Pf l rW" m m mm . . . amvssayre roer oen Hin Ulstppt tun über nach New Orleans, brachte den Brief nach dem Hauptpostamt und vergewisserte sich hier, daß er auch mit dem nächsten Dampfer nach Frankreich gehen wurde. Dann machte er einen Spaziergang durch die breite Rina straße St. Charles und trat schließlich gegen fünf Uhr Nachmittags in ein Restaurant besserer Art, um sein Mahl einzunehmen. Das sollte heute die letzte Extravaganz sein, die er sich leistete. Von morgen ab wollte er sich anders kleiden, wollte weniger elegante Kleidungsstücke tragen, um auch in Restaurants verkehren zu können, wo man für billlges Geld etwas genießen konnte Seine eleganten Kleidungsstücke wollte er eventuell verkaufen, wenn er nach dem Westen ginge. Er mußte sich ja dann besonders ausrüsten, denn tm Urwald kann man nicht wohl in einem Pariser Promenadenanzug mit hohem Hut herumlaufen. Das Restaurant war ziemlich besetzt; indeß fand Raoul de Dumesnil noch einen einzeln stehenden Tisch, an dem er sich niederließ. Der Kellner verstand Französisch, denn in New Orleans wird in gewissen Stadttheilen immer noch viel Französisch gespro chen. Als Raoul ungefäbr die Hälfte seiner Mahlzeit hinter sich hatte, bemerkte er am Nebentisch einen Mann. der seinem Aeußeren nach ein echter Fankee war. Der Mann hatte ein glatt rasirtes Gesicht, mit dem eigenthümlichen Bartstreifen unterhalb des Kinns, und seine talten grauen Augen musterten Raoul in einer geradezu auffallenden Weise. Der junge, vielleicht achtundzwanzigjährige Franzose fühlte sich durch dieses Anstarren des Fremden sehr geschmeichelt. Er war überzeugt, daß seine elegante Kleidung das Aufsehen des Fremden erregt habe. Als Raoul seine Mahlzeit beendet hatte und den Kellner rief, um zu zahlen, erhob sich plötzlich der Amerikaner, trat an Raoul heran und sagte auf Englisch: Verzeihen Sie. wenn ich Sie nach dem Preise Ihres schworzen Rockes frage. Ist dieses Kleidungs stück hier gearbeitet oder in Europa?" Es ist in Paris gearbeitet." sagte Raoul. Den Preis kann ich nicht genau sagen. Ich habe mich nie um ie Preise besonders bekümmert." Sie sind Franzose, nicht wahr?" fragte der Amerikaner. Ja, ich heiße Dumesnil," sagte Raoul belustigt. James Morton." stellte sich der Amerikaner vor. Sie gestatten, daß ich mich einen Augenblick zu Ihnen setze. Ich habe Ihnen ein Geschäft vorzuschlagen." Raoul mußte über die Art und Weise lächeln, wie der Fremde sieb einführte. Aber als er das Wort Geschäft" hörte, war ihm doch die Begegnung nicht unangenehm. Morton brachte das Glas Milch, aus dem er getrunken hatte, vom Nebentisch herbei und sagte dann: ..Als ich Sie eintreten sah. Mr. Dumesnil. sind Sie lnir sofort aufgefallen. Sie sind ein stattlicher, schöner und eleganter Mann, und Sie sind gut gekleidet. Ich sagte mir gleich, das ist Pariser Acodell, denn ich verstehe etwas von Kleidungsstücken. Ich habe früher ein großes Garderobengeschäft gehabt und viel Geld damit gemacht. Sind Sie engagirt oder sind Sie frei? Wollen Sie ein Geschäft machen?" Es kommt darauf an, um was es sich handelt," entgegnete Raoul vorsichtig. Eigentlich um eine Kleinigkeit. Aber ich bin bereit, Ihnen zweihundert Dollars zu zahlen für eine Thätigkeit von ungefähr acht Tagen." Raoul berechnete im Kopf rasch, daß dieft zweihundert Dollars tausend Francs repräsentirten, und ein solcher Verdienst schien ihm sehr verlockend. Er hatte das Gefühl, dak Morton
irgend etwas Ungeheuerliches, zum Mindesten einen Raubmord, von ihm verlangen würde. In Amerika muß man ja jederzeit auf Ucberraschungen gefaßt sein. Er beantwortete daher das Angebot Mortons wieder mit einer Frage, indem er sagte: Um was handelt es sich also? Ich wäre nicht abgeneigt, die Offerte anzunehmen." Morton rückte unruhig auf feinem Stuhle hin und her. trank hastig einen Schluck Milch und sagte dann: Es handelt sich um eine theatralische Aufführung, aber nicht vor dem Publikum. Es handelt sich darum, eine Szene darzustellen, die unaefähr fünf bis sechs Minuten dauert. Diese Szene muß sorgfältig einstudirt werden, und es werden mehrere Personen dabei aktiv mitwirken. Eine dieser Personen sollen Sie jein. Mr. Dumesnil. Ich würde nur zur Bedingung machen, daß Sie möglichst lebendig spielen und daß Sie diesen vortrefflichen Anzug dabei
rragen. Ich verfüge sogar noch über bessere Anzüge, als dieser ist," bemerkte Raoul. Welche Rolle soll ich spielen?" Morton lächelte. Eine ganz angenehme, die Rolle eines Bräutigams. Aber selbstverständlich handelt es sich nur um eine theatralische Aufführung." Und zu welchem Zweck findet diese theatralische Aufführung statt?" Das ist mein Geheimniß," erklärte Morton. Ich bin gern bereit, Sie später aufzuklären. Aber vorläufig kenne ich Sie zu wenig, um Ihnen ein Geheimniß mitzutheilen, dessen Verrath mich um viele Tausende bringen könnte." Wo soll diese Komödie stattfinden?" fragte Raoul. Ich habe einen großen, augenblicklich leer stehenden Fabriksaal gemiethet. Dieser Fabriksaal wird durch Dekorationen in das Innere einer Kirche verwandelt. Es wird ein Altar aufgebaut. Vor diesem Altar findet die Trauung statt und spielt sich dann die Szene ab. Natürlich einiges Publikum ist auch dabei, aber nicht etwa zum Zusehen, sondern als zur Sache gehörig. Diese gut gekleideten Leute, Herren und Damen, sind von mir engagirt und bezahlt und bilden das Publikum und die Staffage bei der sehr lebhaften Szene, die sich dann entwickelt." Was verstehen Sie unter dieser lebhaften Szene? Ist das noch etwas anderes als dle Trauungsceremonre?" Etwas anderes," sagte Morton. Sie werden schon Näheres erfahren. Aber Sie scheinen mir zu mißtrauen. Ich kenne das von den Europäern. Bitte, erkundigen Sie sich über mich. Hier ist meine Karte. Geben Sie dieselbe in der New Orleansbank ab. Das ist das erste Bankgeschäft, das wir am Orte haben. Bitte, erkundigen Sie sich dort, wer James Morton ist." Der Amerikaner sprach mit einer solchen Sicherheit, daß Raoul geneigt war, ihm Vertrauen zu schenken. Wenn Sie es wünschen, werde ich mich nach Ihnen erkundigen, Mr. Morton," meinte er. Wer sind denn die anderen Mitspielenden?" De. Eine tritt als Geistlicher auf. Die Braut ist eine bildschöne junge Dame aus guter Familre und von tadellosem Ruf. Ich glaube, Sie als Franzose, Mr. Dumesnil, werden die kleine Szene ganz gut spielen. Es wird Ihnen nicht an Beweglichkeit und Leidenschaftlichkeit fehlen. Leidenschaft ist nämlich die Hauptsache. Nun, das wird sich ja alles finden. Vielleicht treffen wir uns morgen hier zum Frühstück um zwölf Uhr an demselben Tisch. Wtr können dann das Nähere verabreden. Ich werde Ihnen Ihre Rolle zustellen und werde Ihnen eine Anzahlung leisten. Geben auch Ste mir Ihre Adresse an, damit ich mich nach Ihnen erkundigen kann." Dies geschah, und dann verabschiedete sich Morton kurz. Naoul blieb noch ernen Augenblick sitzen, um über das sonderbare Ansinnen, das ihm gestellt worden war, nachzusinnen. Ein Geschäft von tausend Francs durfte er unter keinen Umständen zurückweisen. Der Zufall hätte gar nicht günstiger kommen können. Als er am nächsten Morgen nach der New Orleansbank kam, wurde er, als er die Karte Mortons und die seinige dem ersten Direktor schickte, sofort vorgelassen und bekam die Auskunft: Morton ist ein wohlhabender, ehrenhafter und sehr geschickter Geschäfts, mann, der bei der Bank ein großes Guthaben hat. Das genügte. Im Restaurant traf Dumesnil pünktlich mit Morton zusammen und erklärte ihm seine Bereitwilligkeit, an der Komödie theilzunehmen, so absonderlich sie ihm auch vorkäme. Haben Sie jemals Theater aespielt?" fragte Morton. Nur rn Liebhaberaufführungen. Aber in der Pariser Gesellschaft war es in den letzten Jahren fehr üblich, bei Festlichkeiten Theatervorstellungen zu veranstalten, und ich habe nicht nur selbst mitgespielt, sondern wiederholt die Regie geführt." Ganz ausgezeichnet," sagte Morton. Bitte, übernehmen Sie auch bei unserer Sache die Regie. Ich bin aern bereit, Sie dafür besonders zu entschädigen. Ich habe mich über Sie er kundigt und erfahren, daß Sie ein Gentleman sind, der sich hier in New Orleans zu Studienzwecken aufhält. Man hat mir im Hotel von Ihnen und Ihrer (bolivitat nur Gutes bertchtet. Ich übergebe Ihnen also hier ein Ma-
:kuiknpt ln de? Avscyrts:. welches die ,-anzc Szene enthält, die gespielt weroen soll. Lesen Sie sich d'e Sa.chc sorgfaltig durch, machen Sie sich Notizen wegen der Regie und suchen Sie mich morgen Nachmittag zur ersten Probe in dem Lokal auf. in dem die Vorfiellung vor sich gehen soll. Ich werde Ihnen hier die Adresse aufschreiben. Sie können gar nicht fehlen, wenn Sie sich nur bei dem Portier des Hauses nach dem großen Fabriksaal, der auf dem dritten Hof des Grundstücks liegt, crkundägen. Hier ist eine Anzahlung von fünfzig Dollars, Mr. Dumesnil. Quittung brauche ich nicht. Sie sind ein Ehrenmann, und unter Ehrcnmännern gibt es kein Mißtrauen." Morton bezahlte generös auch das Frühstück, das er mit Dumesnil eingenommen hatte, und dieser begab sich dann nach seinem Hotel zurück. Hier ging er auf sein Zimmer und sah das
I Manuskript durch, vessen Lektüre ihm allerdings einiges Kopsschutteln verursachte. Es handelte sich um eine Trauung im großen Stil mit Musik und Orgelbegleitung. Im letzten Augenblick, nachdem die Trauung eben vollzogen war, sollte die heftige Szene stattfinden. von der Morton gesprochen hatte. Eine schwarzgekleidete Frauengestalt sollte eintreten, welche die Braut am Altar niederschoß, und dann sollte sich nach den Andeutungen des Manuskripts und den Reden, die geführt wurden, eine höchst leidenschaftliche Szene entspinnen. Der Bräutigam sollte die zusammenbrechende Braut in seinen Armen auffangen, das Publikum sollte bestürzt durcheinander rennen, beherzte Männer sollten die Attentäterin, welche noch einen Schuß auf das unglückliche Ovfer abfeuerte, packen und die wie rasend stch Geberdende fortschleppen. Dann kam noch die Sterbeszene der unglücklichen Braut und Trauermusik. Als Raoul mit der Lektüre fertig war, sagte er sich: Man muß in Amerika auf alles Mögliche gefaßt sein. Aber das ist doch etwas gar zu stark. Was hat das Ganze für einen Zweck? Nun. hoffentlich wird wenigstens nicht scharf geschossen! (Fortsetzung folgt.) Die launische Fortuna. Ein Briefträger in Leipzig, der in den dürftigsten Verhältnissen lebte, gewann einen Tag vor seinem Tode 50,000 Mark in der Lotterie. Seine Familie ist jetzt aller materiellen Sorgen enthoben. Wasser als A b s ch r e ck - u n a s m i t t e l. ?kn der aroken säckfischen Grenzgemeinde Erlbach mußte neulich die Feuerwehr alarmnt werden, um eine mehrere 70 Kopfe starke Ziaeu nerbande, welche sich auf Erlbacher Flur häuslich niedergelassen hatte, zu vertreiben. Erst als die Spritzen abgeprotzt und klar zum Gefecht" gemacht warm, zogen es die braunen Gesellen" vor, trockenen" Fußes weiterzuziehen, was dann in großer Hast und Eile geschay. Jagdhklnde als Lebensr e t t e r. In Münden, Provinz Hannooer, wollte neulich ein Herr in einem Fährboot über die Fulda setzen. Das Fahrzeug schlug jedoch um, und der Insasse versank im Wasser. In diesem Augenblicke sprangen die zwei Jagd Hunde eines vorbeigehenden Jägers in die Fluth und zogen den Ertrinkenden schwimmend an's Land, indem ihn die klugen, muthlgen Th'.:re am Rockkragen kunstgerecht festhielten. Die am Ufer alsbald angestellten Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg begleitet. Die neue st e Orthograp h i e. In einer kleinen Stadt in Mittelfranken wurde kürzlich folgende Bekanntmachung öffentlich angeschlagen: Feuerwer-Uebung findet am Nachmittag 1 Uhr statt, vollzähliges Erscheinen wird erwartet. Keine nicht tringente Entschuldigung wird von der Uebung nicht in ansbruch genomen. Pflichtfeuerwehr haben zahlreich zu erscheinen. Wehr von der Uebung ohne Entchuldigung entfernt bleibt wird strengstens bestraft, oder nach der Uebung in Wirtshaus erbliken last. N. N. KoMandant." LeichtfinnigeWette. Mehrere 12 bis 13 Jahre alteKnaben kamen unlängst Mittags aus Groß-Tauersee in Ostpreußen aus der Schule und wollten sich nach Fichtenwalde nach Hause begeben. Um diese Zeit kreuzen sich die Züge Marienburg-Jllowo und Jllowo-Marienburg. Der Knabe A. Demitrowski wettete mit s'inen Kämeraden um 6 Mark, er würde zwischen den beiden Zügen durchlaufen. Dies versuchte er denn auch, der eine der Züge erfaßte ihn aber und zerschmetterte ihm den Schädel. Der Knabe war auf der Stelle todt. Seltenes Miethsjubil ä u m. Ein seltener Fall von Dauermiethe wurde letzthin in der Ehrentafel langjähriger, treuer Miether" der Dresdner Bürgerzeitung" mitgetheilt. In einem der verwittweten Frau Dr. Küntzelmann gehörigen Hause wohnt seit dem Jahre 1838 die verwittwete Hofschauspielerin Simon. Die 87 Jahre alte Dame, die die Wohnung seit ihrer Verheirathung inne hat. feiert also in diesem Jahre das 65iähriae 5iubiläum als Mitbewohnerin desselben Hauses. Hervorgehoben zu werden verdient, daß der im Alter von 101 Iahren verstorbene Gatte der Greisin in demselben Hause das Licht der Welt er-blickte.
Die Rifioten. Die Bewohner der gebirgigen Rif. tüste, von Alias her als kühne Seeräuber verrufen und ihrer unvändigen Frcihc'itssuchl wegen den marokkani, schen Regierungsd.'hördell ein Schreckcn. die auch jetzt wieder bei den Um ruhen sowohl im Osten bei Mclilla wie im Westen bei Tetuan von sich reden machen, schildert der französisch: Forschungsreisende Marquis de So gonzac in seinem soeben bei Armand Colin in Paris erschienenen vortrefflichen Werke Voyages au Maroc" folgendermaßen: Sie sind im allgemeinen hochgewachsen und stark gebaut. ic
haven ein offenes Gesicht mit einem Änflug von Spott und roher Begierde, sonnenverbrannt und faltig, wie man es bei den Nomaden findet, die all ihr Lebtag unbedeckten Hauptes unter der blendenden Sonne gehen. Außerdem ist das Gesicht meist mit Pockennarben Lbersät, und man sieht überhaupt viele Narbige, viele Krüppel, wenig Greise. Die Braunen und Blonden sind sich in der Zahl fast gleich, man trifft auch einige mir hochrothem Haupthaar. Im allgemeinen ist die Gesichtsfarbe lich: und gesund roth, die Augen sind haufiger graugrün oder blau als schwarz. Die Männer scheeren sich das Haupt und lassen nur einen Haarbüschel auf dem Scheitel oder über dem Ohr stehen. die Haare des Schöpses werden bald geflochten, bald bleiben sie struppig, wie sie gewachsen sind. Die'e Haarbüschel tragen dazu bei, den Rifi, oten das Aussehen wilder Grausamkeit zu geben. Als Kopfbedeckung trägt man einen braunen Khit aus Ziegenhaar, oder die weiße rezaa'. eine kleine weiße oder farbige durchbrocheneMühe. die den Scheitel wie ein Käppcheu bedeckt, um den Kopf gerollt, aber weder die Scheschia. noch den Tarbusch. Die Kinder, viele junge Leute und die Armen gehen barhaupt und geben ihr Kraushaar dem Winde preis. Die Frauen gehen nicht zum Markt, sind aber im übrigen sehr frei, verschleiern sich nicht, waschen sich nicht, gebrauchen wenig Henna und kennen kaum Parfüms. Ihr Kostüm besteht aus einem weißen, oft schmutzigen und ausgefaserten Haik. Ein schlichtes oder farbiges Seidentuch, oft ein Scidenfichu, bedeckt das Haar. das. in der Mitte gescheitelt, in zwei mit brauner oder schwarzer Wolle durchflochten Zöpfen auf die Schulter fällt. Sie gehen barfuß oder in rothen Bclras und tragen gestrickte Beinkleider, die wie ein Schachbrett weiße, blaue und rotheFelder haben und die man im Tamasirt targium" nennt. Man trifft hier und da hübsche Frauen an. Ich habe solche mit feinem Profil, Heller Haut und großen sehr sanften Augen gesehen, doch sind solche Schönheiten selten, ob, gleich die Marokkaner das Gegentheil behaupten, deren ästhetisches (Äefühl. der Frau der Dschebala den ersten Platz einräumt und erst den zweiten der Rifiotin, nicht etwa weil sie gerincer zu bewerthen wäre, sondern weil ihre sprichwörtliche Eifersucht die Ehe männer in Schrecken setzt. Der Kopf putz der kleinen Mädchen ist von un widerstehlicher Komik, man scheert ihnen den Kopf und läßt nur vier große Oüschel stehen, einen auf der Stirn, einen über dem Nacken und je einen über dem Ohr. Die Frauen altern rasch- die frühzeitige Heirath man verheirathct die Rifiotin schon im zwölften Jahre , die zahlreichen Geburten, das rauhe Leben im Feld, die harte Arbeit in der Hauswirthschaft entstellen sie und lassen sie frühzeitig Welken. Sie röthen ihr Helles Haar mit Henna und nehmen unter dieser rothen Perücke, in ihren schmutzigen Lumpen und bei der Lebhaftigkeit, die sie trotz ihrer scheinbaren Gebrechlichkeit entfalten, den Typus der Here an, der unter den alten mohammedanischen Frauen so verbreitet ist. Ci fleisaifrcfscndeS Pferd dürfte ein Phänomen sein, das nur in Sibirien zu finden ist. Wenigsten schildern russische Blätter folgendes Histörchen als eine Thatsache: Der in Tjumen lebende Holzhändler N w besitzt einen elfjährigen Rapphengst, der fich vier Jahre in normaler Weise von Hafer und Heu ernährte und in keiner Weise abnormen Appetit an den Tag legte. Vor einem halben Jahre jedoch wollte dem biederen Gaul sein gewöhnliches Futter nicht mehr reckt behagen, er zeigte sich wählerisch und ließ oft das duftendste Heu, den schönsten gelben Hafer unberührt in der Krippe liegen. Eines schönen Tages bemerkte nun der Kutscher, daß nicht nur das Maul des Hengstes, sondern auch die Krippe blutig war. Man suchte weiter und fand bald mehrere Taubenflügel, so daß der Hengst in den Verdacht gerieth, ein Taubenfresser zu sein. Diese Vermuthung fand im zu bald ihre Bestätigung. In drm Pferdestall hatte.' sich nämlich Hunderte Tauben häuslich ni?deraelassen und zwischen ihnen und deis Pferden bildete sich bald ein vertrauliches und freundschaftliches Verhältniß aus. Wurden die Gäule mit Hafer versorgt, flugs erschienen die Tauben und nahmen als unqebeteue Gäste an der Mahlzeit theil. Keiner der Gäule verletzte das beiliae Gastrecht. Nur der Mengst bildete eine Ausnahme: flog auf seine Krippe eine Taube, so verstand er es, sie zu erschnappen und in seinem Magen verschwinden zu lassen. Das B'att erwähnt zum Schluß, daß das böse Beispiel in keiner Weise ansteckend auf die übrigen Pferde des Stalles geirkt hätte.
