Indiana Tribüne, Volume 26, Number 254, Indianapolis, Marion County, 17 June 1903 — Page 7

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Jndiana Tribüne, 17. Juni 1903.

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Das Dpfrr dcr Schwcstcr. - lioman von Maryucrite PoraÄowsKa. $$4t$$Q$$i (Fortsetzung.) 27, Kapitel. L aum hatte Frau Teznar von dem Unfall ihrer Tochter und C von deren unerwarteter Ankunft im Hause des alten Ostoya erfahren, so eilte sie höchst besorgt, zugleich aber auch von der Wichtigkeit ihrer Rolle als Schwiegermutter eines reichen Gutsbesitzers durchdrungen, nach Schwarzensee, wo sie sofort in laute Klagen ausbrach. Ter Fürst ist unglücklich, daß er mich nicht begleiten konnte." sagte sie laut, ohne die spöttischen Blicke zu bemerken, mit denen ihre Ausrufe aufgenommen wurden. Dann hatte sie sich am Bett ihrer Tochter niedergelassen und diefe mit den übertriebensten Zeichen der Fürsorge überhäuft. Du hättest besser daran gethan, mir Malwa zu schicken," sagte Noemi unfreundlich. Die Genesung der jungen Frau machte übrigens rasche Fortschritte. Wie gut Du es hier hast," murmelte die Hilfsrichterin, einen Blick der Bewunderung auf die behagliche Einrichtung werfend. Wie glücklich bin ich. Dich endlich wohlgeborgen vor den Sorgen des täglichen Lebens zu wissen, wogegen ich " Der Augenblick schien ihr günstig, ihrer Tochter die Geldverlegenheiten anzuvertrauen, in die sie deren Verheiratkung mit Andre gebracht, sowie die Hoffnung, die sie daran geknüpft hatte. Allein schon t:rn ersten Wort war Noemi, die auf einer Chaiselongue lag. in die Höhe gefahren. Tu bist wohl nicht recht bei Troste! Alaubst Du, ich verfüge über grohe Geldsummen?" Nein, nein, das nicht," stammelte Frau Teznar. aber Dein Mann, der kann Dir dsch nichts abschlagen?" Andre um etwas bitten?" schrie die junge Frau auf. Lieber sterben! Du denkst wohl, es sei alles rosig in einer aus Vernunft, ja fast aus Zwang eingegangenen Ehe. Ihr konntet es ja kaum erwarten, bis sie geschlossen war. Wer weiß, was geschehen wäre, wenn man sich noch ein wenig geduldet hätte." Und der Gedanke, bafc Adalbert die Wahrheit gesagt und sie jetzt vielleicht seine Frau sein könnte, brachte sie außer sich. Bestürzt, ihren Ohren nicht trauend, hörte Vincente ihr zu. O, das undankbare Kind! So also lohnte sie ihrer Mutter die Opfer, deren ganze Tragweite sie freilich nie, niemals erfahren durfte. Brennende Thränen entstürzten Frau Teznars Augen. Dieser ungnädige Empfang beim ersten Besuche schreckte sie indeß keineswegs ab, denn sie benützte jede sich ihr darbietende Fahrgelegenheit, die sie zu ihrer angebeteten Tochter bringen konnte den Karren eines Juden oder Bauern oder die Tarantaß des Verwalters. Eines Tages kam sie wie ein Wirbelwind bereingestürzt. Rathe, wer mich heute in einem reizenden zweiräderigen Wägelchen hierher gebracht hat?" fragte sie. Warum schickst Tu mir denn Malwa nicht?" rief Noemi ärgerlich, anstatt zu antworten. Sie könnte dann zu meiner Zerstreuung ein paar Tage hier bleiben." Obwohl verletzt durch die Worte ihrer Tochter, antwortete Frau Teznar dennoch in süßlichstem Tone: Heute wäre es nun jedenfalls unmöglich gewesen, da wir einen vornehmen Gast zum Abendessen erwarten." Einen Bewerber?" fragte die junge Frau verächtlich. Nein, das nicht einen alten Bekannten den Grafen Adalbert. Ja, ja. mein Liebling. Oder meinst Tu. wir hätten ihn nicht er.'pfangen sollen nach dem. was vorgefallen ist? Allein. Du glaubst nicht, mit welcher Verzweiflung r uns von all den un glückseligen Ereignissen und von den Kämpfen, die er mit seiner Mutter zu besteben aebabt hatte, erzählte." Adaldert!" wiederholte Noemi wie aeistesabwesend. Auch von Eurem Zusammentreffen in Tatra-Füred sprach er." fuhr die Hiltsrichterm. chre Tochter verjtoylen betrachtend, fort, und von dem freimdlicn Entaeaenkommen der MarMai lin. Von all dem hattest Du mir kein Wörtcken aesaat. Sogar geküßt hat Dich ja die launische Alte, und Dir ein Armband qeschenkt. Ich war tV)i r irmi denn ick hatte jenen Bruch unendlich bedauert. Andre war gewiß stolz auf diese vornehme Bekanntschaft, die Dich in seinen Augen heben mußte!" Noemi sak während dieser Rede ihrer Mutter wie auf Kohlen und wechselte fortwährend die Farbe. soviel ich wein," fügte Frau Tez nar noch hinzu, wollte Dich der Graf am Tage nach Deinem Unfall in Eurem Landhaus besuchen, da er jedoch vor verschlossene Thüren kam. so ha er ch hier melden lassen.In Schwarzensee ist er gewesen? Und mir hat man gar nichts davon ge-

saat? Wann war denn das? .

Vorgestern Es wurde ihm gemc.det Du nehmest keine Besuche an." Ha, das ist stark! Wie konnte man es macer.? Man fristet mich wohl als Gefangene?" . ..Ich muß gestehen, daß es mich auch ..c.... lÄeaen einen Mann von so tadeucen Foi,i..cn i,aue Andre wohl etwas mehr Nüstcht zeigen können. Eifersucht kann doch wohl nicht mit im Spiel gewesen sein, da er über Eure früheren Beziehungen doch sicherlich nicht unterrichtet ist." Ich weiß nicht, welche Beweggründe meinen Mann bestimmt haben." sagte Noemi ganz blaß vor Zorn, jedenfalls aber kann es so nicht weitcrgehen." Da hast Du ganz recht." sagte die Hilfsrichterin. Man muß dem Willen der Männer gleich von Anfang an mit Festigkeit entgegentreten. Ich habe dieses Verfahren auch bei Deinem Vater angewendet und mich recht wohl dabei befunden." Die Stimme etwas senkend. fuhr sie fort: Du hast aber doch hoffentlich keinen Grund, Dich über das Benehmen Deines Gatten zu beklagen? Sei aufrichtig: ist er Dir schon einmal roh oder tyrannisch begegnet? Ach. dieses ewige Fragen könnte einen zur Verzweiflung bringen! Nein, geschlagen hat er mich noch nicht, aber vielleicht kommt es noch einmal so weit. Trotzdem bin ich das unglücklichste Geschöpf der Welt!" Verzweifelt hob die Hilfsrichterin die Arme in die Höhe. Aus den flammenden Blicken ihrer Tochter aber flackerte ein solch erschreckender Zorn, daß

sie es für am klügsten hielt, sich so rasch als möglich aus dnn Staube zu machen. Nun war Noemi allein, allein mit ihrer Wuth und Erbitterung. Wo mochte Andre sein? Sollte er die Absicht haben, sie von der Welt abzuschließen? Na, dann wollte sie ihm ihre Meinung schon sagen und ihre Rechte gebührend geltend machen! In ihrer Aufregung hatte sie ihre Schritte schließlich bis in den Empfangssaal gelenkt, von wo aus sie, das Gesicht an eine Fensterscheibe gelehnt, ihre erzürnten Blicke längs der hohen, sich in den Seen spiegelnden Tannengruppen hinschweifen ließ. Langsam war die Sonne gesunken; .hie letzten Strahlen hatten die rauhen Fichtenstämme und die bräunlicqe Erdc mit rosigem Schimmer Übergossen und blutigrolhe Streiflichter auf den Walserspiegel geworfen. Plötzlich fuhr Noemi erschrocken zuWammen, r-as war oenn oa sur ein sonderbarer Schatten, der dort au; dem goldigen Hintergrund zwischen den Bäumen auftauchte? Ihr Herz erbebte. Er Adalbert. War das möglich? Triumphirende Freude erfüllte sie. die Niedergeschlagenheit, die sich ihrer einen Augenblick bemächtigt hatte. v:rchwand wie im Fluge. Nun war sie nicht mehr allein auf ver Welt; er wenigstens verließ sie nicht. Ohne Zweifel hatte auch er sie be:'erkt, denn es war ihr. als habe er ihr einen liebevollen Gruß zugewinki. Ja. sie wollte ihm vertrauen, gewir. würd? er ibr helfen, diesem Lebendigbegrabensein zu entrinnen. Schon sah sie sich meilenweit entfernt, in einem großen, eleganten Saale. von Verehrern und Scvmeichlern umrinat. und dankbar flog bei diesem Gedanken ihre Seele der des jungen Manne entgegen. Sie war im Begriffe, die Glasthüre zu offnen, um in den Part mnauszuschlüpfen, als sie beim icharsen mar. einer Stimme hinter ihr erschrocken zusammenfuhr. Fürchten gnädige Frau nicht die Abendl'ft? Sie ist gefährlich, wenn man Fieber gehabt hat. Als Noemi sich umwandte, sah sie T Hellas hageres Gesicht vor sich. Lassen Sie mich in Ruhe! weiß selbst, was ich zu thun habe Ick Fünf Minuten, die Noemi wie eine Ewiakeit vorkamen, verttonen. jie Sonne war jetzt ganz verschwunden Da öffnete die junge Frau ltt den Riegel der Glasthüre, huschte hinaus und verschwand im Schatten der tief herabhängenden Zweige. Ehe sie sich's versah, wurden ibre bei den Hände leidenschaftlich ersaht. Fliehen Sie." murmelte sie. sich losmachend, man belauscht uns." 0 Noemi." rief Adalbert. dic Hände der jungen Frau mt glühenden Küpen bedeckend, nehmen Sie wenigstens diesen Brief." Ja, aber gehen Sie rasch!" Nicht toafcr, Sie kommen zu dem Rendezvous, um das ich Sie in diesem. Brief bitte?" Vielleicht." Sich auf ein Knie niederlassend. küßte er den Saum ihres Kleides und floh dann in die Dunkelheit. Langsam kehrte Ncemi in den Salon zurück. In dem brennenden Ver langen, den Brief zu lesen, entfaltete i ihn rasch im verlöschenden Tageslicht und rcrschlang, dicht an's Fenster ge neigt, seinen Inhalt förmlich mit den Augen. Man hat mich von Ihrer Thür geiviesen, ich bin trostlos. Täglich irre icki in der G?gend umher. Sobald S!e allein ausgehen können, sei es zu Fuß oder zu Wagen, so denken Sie an die Jagdhütte beim .Weißen Kreuz." Ich werde jeden Tag von drel bis vier Uhr dort sein." Da vlödllch war es ir nl murre ihr Arm mit einem glühenden Eisen berührt, und alles Blut erstarrte ihr in den Adern.

Andre Du wie hast Du mich erschreckt!" Wie der Blitz war das Briefchen in ihrer Tasche verschwunden. Auge in Auge, am ganzen Körper bebend, standen sich jetzt die beiden in der trüben Abenddämmerung gegenüber. Einige verdachterregende, ihm vorhin von Thekla zugerufene Worte hatten ihn mißtrauisch gemacht. Rasch war er von seinem Atelier in den Empfangssaal geeilt, wo er Noemi beim Lesen eines Bricfes überraschte. Zeige mir den Brief, den Du soeben versteckt hast," sagte er in gebieterischem Tone. Ncemis Augen schössen Blitze. Mit welchem Recht verlangst Du das?" Gib ihn her, ich befehle es Dir!" wiederholte er mit dumpfer Stimme. Sie brach in Lachen aus. S," sagte sie mit einem verächtlichen Blick, versuche nicht, mich mit Drohungen zum Nachgeben zu zwingen. ES würde Dir ja doch nicht gelingen. Ich bin ein freies Wesen. Wenn Du in mir die von Euren Dichtern besungene unterwürfige Gattin zu finden gehofft, so hast Tu Dich schwer getäuscht. Ohne mein Wissen bringst Du mich hierher, trennst mich von meinen Freunden, weist ihnen die Thüre, ohne mir etwas davon zu sagen, und nun willst Du auch noch meinen Briefwechsel kontrolliren? Ich aber, ich lasse mir das nicht gefallen ich trotze Dir!" Flammenden Auges, mit bebenden Nasenflügeln stand sie vor ihm.

Der ganze seit den letzten zehn Tagen zwischen ihnen angehäufte Zorn und Groll brach nun auf einmal los. Ja." fuhr sie mit wachsender Erbitterung fort, ich trotze Dir, ich werde empfangen, wen ich will, und mir so viele Briefe schreiben lassen, als mir ge fällt." Heftig packte er sie an der Schulter. Auch ihn verließ jetzt dieKaltblütigkeit; er- war nicy: mehr Herr seiner Handlungen, noch seiner Worte. Ich weiß nicht, welche Ntedertrachtigkeit sich hinter dem versteckt, was Du soeben sagtest. Das eine aber bedenke wohl: eher wird Blut zwischen uns fließen, als daß Tu dieses Haus entehrst. Auch ich bin der gefügige Gatte nicht, für den Tu mich vielleicht gehalten hast. Wenn ich, seit meiner Rückkehr geschwiegen, alle Qualen, die mich verzehrt, in mein Herz verschlossen habe, so geschah es nur. weil ich Mitleid mit Teiner Schwachheit, mit Deinem leidenden Zustand hatte. Heute aber, wo Tu mir mit solch unerhörter Kühnheit Trotz bietest, muß ich sprechen. Ncemi. zwischen Dir und mir steht eine Lüge. Ich fühle sie. und sie vergiftet mir das Leben. Damals, als Du mir sagtest, Du habest Niemand vor mir geliebt, logst Du. Warum hast Tu es mir verschwiegen? Ich liebte Dich ja so blind. Du warst für mich die Reinheit selbst, ich glaubte an Dich, wie man an ltwas Heiliges glaubt, und der Gedanke, daß cine Lüge Deine Kinderlippen auch nur hätte si reifen können, wäre mir niemals gekommen." Ihre Gesichter berührten sich jetzt fast, aber vergebens suchte er in diesen zornigen Augen, auf diesem spöttischen Mund ein Zeichen der Reue zu lesen. Nun, so vertheidige Dich doch, sage mir, daß ich mich getäuscht habe, daß ich ein Nar? bin. daß dies alles nur ein schrecklicher Traum ist, daß Du mich liebst, daß Tu mein geliebtes, angebetetes Weib bist!" Ein Schluchzen entrang sich seiner Brust. Die Lippen der jungen Frau aber blieben fest geschlossen. Ha," stieß er mit einem Wuthschrei hervor, indem er seine Hand so fest um ihre Schultern klammerte, als wolle er sie zermalmen, gestehe es nur, Tu liebst jenen Mann!" Sein glühender Athem streifte ihre Stirne. Laß mich los!" schrie sie. Oder willst Du mich umbringen, wie Dein Vater sein Weib umgebracht hat?" Angesichts der Ungeheuerlichkeit einer solchen Behauptung hatte Andre die Hände sinken lassen. Nun ja." rief ste beleuchtet von dem durch's Fenster hereinfallenden blassen Mondschrn mit trotziger Stimme, ich habe Dich belogen. Dich ohne Liebe geheirathet! Dem väterlichcn Hause, der Armuth, die mich bedrückte, wollte ich entrinnen. Aber meine Jugend, meine Schönheit, nach der Tu ja doch so großes Verlangen zu tragen schienst, die schenkte ich Dir doch. War das nicht genug? Trotzdem hast Tu mich hart und grausam behandelt, mich mit Eifersucht und Tyrannei gequält. Ich bereue es. Dich gehcirathet zu haben!" Lange schon Fette sie den Saal verlassen. Andre aUx saß noch immer, da? Gesicht in die Hände vergraben, auf dem Stuhl, auf den er sich wie vernichtet hatte niedersinken lassen. Die Kehle war ihm wie zugeschnürt von all den Thränen, die er nicht weinen konnte. O Mika, Mika, ich habe meine kleine Mika verloren!" 23. Kapitel. "'Atta hatte ihre Schwester seit deren Hochzeit nicht wieder- ( gesehen. Mit um so großerem Interesse hörte sie jetzt halb bekümmerten, halb beruhigten Herzens die begeisterten Schilderungei' ihre? Stiefmutter vom vollkommenen Glück der Neuvermählten mit an.

Schon fing ihre Beforgnih allmälig zu schwinden an. als die plötzliche An-

kunft des Grafen Adalbert ne von Neuem in Aufregung versetzte. WaS wollte dieser vornehme Herr, dessen ein schmeichelndes und anscheinend gutmüthiges Wesen ihr nur Mißtrauen einflößte? Wozu diese man konnte wohl sagen taktlosen Besuche in einer Familie. die er so schwer beleidigt hatte? In die größte Bestürzung aber gerieth sie durch das unbegreifliche Entgegenkommen, mit dem Frau Teznar ihn empfangen hatte. Diese Gewissenlosigseit ging wirklich zu weit. Um diese Zeit übermittelte Nncente ihrer Stieftochter auch die Einladung Noemis, und als Malwa, tief bewegt durch diese Aussicht, zögerte, überschüttete sie Frau Teznar mit ewer solchen Fluth liebloser Worte, daß das junge Mädchen eiliq einige Kleidunasstücke in einen Koffer warf und ihre

Sausbaltunasaeschäfte so rasch alsJ möglich erledigte. Müde von der Arbeit des Tages hatte sie sich am Abend in's Vorgärtchen unter's Fenster der Wohnstube gesetzt. Wie schwer doch dieser Besuch in Schwarzensee auf ihrem Herzen lastete! Wie theuer die Freude, ihre geliebte Schwester wiederzusehen, bezahlt werden mußte! Die laute Stimme des Starvst, der Frau Teznar eine Menge Klatschgeschichten aus Tatra-Füred erzählte, riß Malwa aus ihren Träumereien. Ausführlich berichtete er von Adalberts und Noemis Abenteuer auf dem Karfunkelstein, von der unerwarteten Ankunft des Galten und der schleunigen Abfahrt ncd) Schwarzensee. Nun ist mir plötzlich alles klar: Noemis Geheimnißthuerei und ihre Zornanfälle," rief die Hilfsrichterin mit einem Lachen, bei dem Malwa erbebte. Und Herr Andre will jetzt den Eifersüchtigen spielen! Da soll er sich nur in acht nehmen, denn Noemi läßt nicht mit sich spaßen." Malwaö Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Andres Glück war in Gefahr ihre düstere Ahnung in Betreff des Grafen hatte siealsonicht getäuscht! Jetzt gab es kein Zögern mehr. Flügel hätte sie sich wünschen mögen, um rascher nach Schwarzensee zu gelangen! Gnädiger Herr, Fräulein Teznar ist soeben von Nowy angekommen." Andre hob den Kopf auf, sah die beschcidene. auf dem Vorplatz stehende Gestalt und betrachtete sie einen Augenblick scharf. Tief erschrocken blieb Malwa stehen. Großer Gott, dieses blasse, finstere Gesicht es war ja kaum wiederzuerkennen! Wollen Fräulein Teznar vielleicht in's Zimmer der gnädigen Frau eintretcn," sagte der Diener, die gnädige Frau ist im Garten, wird aber wohl bald zurückkehren." Malwa folgte der Aufforderung. Durch das weit geöffnete Fenster des geräumigen Zimmers drangen warme Sonnenstrahlen, die auf den kostbaren Spitzen der Kopfkissen und auf der meergrünen Seidendecke spielten. Ein leichter Wind führte den taktmäßigen Gesang der Mäherinnen und den kräftigen Geruch des frisch geschnittenen Grases herein. Alles athmete Frieden und heitere Freude. Nein, nein, es ist nicht möglich," sagte sich Malwa, daß das Glück diese Mauern verlassen hat!" Da zog ein auf dem Fußboden liegendes zusammengeknülltes Papier ihren Blick auf sich. Ohne ihren Gedankengang zu unterbrechen, bückte sie sich, von ihrem gewohnten Ordnungsstnn geleitet, unwillkürlich danach und entfaltete es. Himmel, was war das? Ein Brief Adalberts an Noi'mi! Ein Liebesbrief mit der flehentlichen Bitte um eine Zusammer.kunft mit ihm! Sie war tief erblaßt, ihre Kniee zitterten. Das also war die Absicht dieses Mannes! Erst hatte er das junge Mädchen bloßaestellt, nun wollte er w auch die verheirathete Frau verderben! Zornesröthe stieg ihr in dic Wangen. Doch nein," dachte sie dann wieder, Noemi ist ja leider gefallsüchtig und leichtfertig, aber doch eine anständige Frau gewiß hat sie den Unverschämten bereits gebührend zurückgewiesen. Lag nicht ein Beweis dafür in der geringen Beachtung, die sie seinen Briefen schenkte V Unfähig, noch länger auf die Rückkehr ihrer Schwester zu warten, eilte sie in die Vorhalle, bemerkte eine angelehnte Thür und stieß sie auf. Vor ihr stand Andre. Entschuldigen ie, ich suche Noemi können Sie mir vielleicht sagen" Mit demselben eisigen Blick von vorhin sah er sie an. Frau Ostoya pflegt mir nicht ReÄenschaft über ihre Handlungen zu geben." Seine Stimme klang hart, und das Gesicht trug einen solch finsteren Ausdruck, daß Malwa erschrak. Nicht ein Wort des Willkomms war von seinen Lippen gekommen! Mühsam beherrschte sie sich und sagte etwas hastig: Die Nachricht von der endgiltigen Rückkehr in Ihr väterliches Haus hat mich unendlich gefreut!" ..Ja. ja. heimathlicher Herd, häusliches Glück. Famileneintracht das war ja immer Ihr Ideal!" Wie sein bitterer Ton Malwa in's Herz schnitt! Um Gottes willen. Andre, was ist Ihnen V Quält Sie ein Hummer? Hat sich irgend etwas ereignet?" ,JQab, wen könnte es wohl interesstren, ob ein Kummer mich drückt oder I nicht ?"

nejemgen, die Sie lieben," murmelte sie. Diejenigen, die mich lieben?" wiederholte er bitter, wo sind die zu sinden?" Aber Andre, was fällt Ihnen ein, Noemi Hai nicht ausgehört, Sie zärtlich zu lielen. dafür möchte ich einstehen." Zwischen meiner Frau und mir haben sich ernste Dinge zugetragen. Es sind Worte gefallen, die eine unüberbrückbare Kluft zwischen uns aufgethan haben." Aber ich bitte Sie, Worten, die wahrscheinlich im Aerger gesprochen wurden, dürfen Sie doch kein solches Gewicht beilegen (Fortsetzung folgt.) Mit ihrem Kinde ertrunken. Bei der Hochwasserfluth. die dieser Tage in Kansas, Missouri, Nebraska, Iowa, Oklahoma und im

Jndianer-Terntonum so unermeßlichen Schaden angerichtet und zahlreichen Menschen das Leben gekostet, haben sich eine Reihe herzergreifender Szenen ereignet, von denen die folgende herausgegriffen sei: Bei Topeka, Kas., brachte eine Frau Anderson mit ihrem Kinde von einem Jahre drei Tage auf einem Baume zu; man konnte die Aermste von der Ferne deutlich sehen, doch war man nicht im Stande, ihr Rettung zu bringen. Die Mutter hielt ihr Kind fest in ihren Armen geschlössen. Als endlich ein Rettuugsboot dem Baume ziemlich nahe gekommen war. verlor die Frau das Bewußtsein; Mutter und Kind fielen in das zwölf Fuß tiefe Wasser und wurden von der Strömung sofort in die Tiefe gezogen. S t r a ß e n r ä u b e r als Ges ch w o r e n e r. In einem Kriminalgerichte in Philadelphia wurden neulich an einem Montage neue Geschworene vereidigt; darunter befand sich auch Josef McJlhenny. Am Nachmittag wurde er in einem Prozeß gegen einen Räuber ausgeloost und fungirte als Geschworener. Der Fall wurde aber nicht beendigt und sollte am Dienstag Morgen fortgesetzt werden. McJlhenny glänzte jedoch durch Abwesenheit, und der Fall mußte verschoben werden. Als der Geschworene sich auch am folgenden Tage nicht einstellte, wurde ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Der nach ihm ausgesandte Gerichtsdiener brachte dai.n die Meldung, daß der Würdige sich wegen Straßenraubes hinter den schwedischen Gardinen befinde. Die anderen elf Geschworenen durften abtreten, und der vorliegende Fall wurde vor eine neue Jury verwiesen. In einer Apotheke erschössen. Der 45jährige praktische Arzt und Chemiker Dr. Forb:s in Chicago saß neulich in einer Apotheke mit dem Hilfsclerk Sensrott hinter dem Rezeptirtisch. als plötzlich drei Kerle eintraten und sie mit vorgehaltenen Revolvern aufforderten, sich ruhig zu verhalten. Dr. Forbes machte eine Bewegung, als ob er sich vertheidigen wollte; er wurde im nächsten Augenblick durch eine Kugel in den Mund getroffen und gab in acht Minuten seinen Geist auf, während die Unbekannten eiligst die Flucht ergriffen. Sie wurden zwar von zwei Polizisten verfolgt, wußten sich aber durch geschickte Wendungen denselben zu entziehen. Obwohl verschiedene Verdächtige verhaftet wurden, konnte Sensrott, der einzige Zeuge, keinen davon identifiziren. Unangenehmes Reisee r l e b n i ß. Roy Kracht, John Burchart und Daniel McGill, drei im Alter Don 16 bis 18 Jahren stehende Burfchen von Omaha, Neb., hatten sich kürzlich als blinde Passagiere auf einen Eisenbahn-Frachtzug geschlichen und sich in einem mit Bauholz geladenen Wagen versteckt. Beim Rangiren zu Carondelet, nicht weit von St. Louis, erhielt der betreffende Wagen einen starken Stoß, und das Holz rutschte gegen das Ende, wo sich die Jungens befanden, welche nun arg in der Klemme waren. Auf ihr Hilferufen machten sich die Zugleute mit Aexten und Säaen daran, das Ende des Wagens zu öffnen, was eine ziemliche Zeit dauerte. Als man die Bengels befreite. waren sie sämmtlich bewußtlos, und man brachte sie nach btm St. Louiser Stadthospital. Originelle Lösung der Dienstbotenfrage. Die Womens Education Association in Boston. Mass., glaubt die Dienstbotenfrage dadurch zufriedenstellend gelöst zu haben, daß sie eine Einrichtung getroffen hat. mit deren Hilfe man Dienstmädchen nach der Stunde miethen kann. Am 1. August d. I. will die Association eine Anstalt eröffnen, wo Mädchen für die Dauer von vier bis sechs Wochen in den verschiedenen Arten der Hausarbeiten unterrichtet werden, damit sie später vermiethet und ihre Dienste nach der Stunde berechnet werden können. Von einem Stier gefangen gehalten. Vier junge Damen aus New Jork, welche in Lake Hopatcong, N. I., zum Besuch weilten. wurden, während sie auf ihren Rädern eine Spazierfahrt machten, von einem Stier verfolgt. Sie merkten bald, daß der Vierbeiner ste einholen würde, weshalb sie absprangen und auf einen großen Baum kletterten. Hier hielt der Stier sie zwei Stunden lang gefangen, während er sich damit amüsirte, die Erde aufzuwühlen und die Fahrräder zu zerstören.

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Washington Str 61 N. 10 Spritzenhaus JllinoiS u Merrill KZ Illinois u Louisiana 53 West und South 54 West und McCartv s Senate Ave. u Henry 67 Meridian und Ray 68 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Mor.-i 09 Madiion Av. u Dunlop 1 No 2 Haken Leiterhau South nah Delawar Z Penn, u Bierrill KZ Delaware u. McEarU, 4 ast und eEarty 6 New Jersey u. MerriU 7 irg. Av. u Bradsha 58 Saft und Prospekt 9 Bicking und High 71 No. 11 Epritzcnhau ir Ave. nsche Huron 72 East und Georaia 73 Kedar und El 74 Davidson u Georgi 75 önglish Av. u Pine 7 Shelby und Bäte 7? No, 3 Cpritzenbau Prospekt nahe Sbelby '9 Fletcher Av. u Ehelby 91 Market u. New Jersev 82 Delaware und Wash. 53 East u Washington 84 New Nork u. Tavidsor 85 Taubstummen Anstalt s Ber. Staaten Arsenal 7 Qrlcntal und Wash. 99 Frauen-Reormat, 91 No. 13 Spritzenhau Marvland nabe Mer. s2 Meridian u. Vcrqra. 93 Meridian und South 94 Pennslv u. Louisiana Viraini' Ave u. Alab. SS Hauptquartier. S7 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Ohi 23 No. i Svritzenhau IS. und Ash. 124 Alabama und 1. ' 25 Central Ave und 11. 126 ?)mde und 15. 127 Brookside und Jupiter .28 Central Ave und 17. IM Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellesontaine und 134 College Ave und 2d. 135 Delawar und 13. 130 Alabama und North 137 Newmann nd 19. 138 College Ave und 14. 13? Cornell Ave und 13. 141 Landes und 19. 142 Hiqbland Ave und 1V. 143 Tecumseh und 10. 146 New Jersey nd 22. '.46 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhau Hilside Ave und 1. 148 College Ave und 22. 149 College Ave und 27. 152 Park Ave und 2. 15? 9 C u. 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Clair u. evston 167 Arsenal Ave und 23. 168 Bellesontaine und L. Spezial-Tiznale. Ersten 2 Schlag, zweiter Alarm. Zweiten 2 Schlage, dritter Alarm, Dritten 2 Schlage, vierter Alarm. l-2-l, Feuer aus und Schlauch aufgerollt. Schlage, Wasserdruck ab. 12 Schlage, 1 Uhr Mittag. De 'fi bezeichneten Signale werden nur vom Dhur Wächter angegeben da an den betreffende Strafe? kreuzunge keine AlarmkSNn angebracht sind. Chicago und der große Nordwefte via d r e))(lktt laSka Hawaii Pdiltvv'ne Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. tndnvk Minuten mittelst elektrischer Ear nach den Union Biehböfen Frencb Lick Springrs, in dem Orange Eounty Hochland. Familien-Hottl unter neuer AeschiftIeituna. Pluto. Vroserpine rnd Bowle Quellen. Beste Mineralwasser d Seit. Zwei Züge täglich via reeucastle. rickct-Offtcen : Umon Station, affachusett ve nd A West Washington Straße. R. P. 1 g e . Diftrm Bss. aent, Indianapolis, ftnd. der Monon 47. Str. Station. Tdicaar. . H. M cDoel. E. H. 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