Indiana Tribüne, Volume 26, Number 253, Indianapolis, Marion County, 16 June 1903 — Page 5
Jndiana Tribüne, 16. Juni 1903
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Irenes Logenplatz. ! Eine heitere Geschichte von Almin Römer. Es hatte soeben zum zweiten Male bei Frltz Rösing geklingelt, und zwar mindestens drei Walzertakte lang. Stöhnend erhob sich der Inhaber der kleinen Junggesellen - Wohnung aus seiner Sofaecke und schlich auf den Corridor hinaus, um zu öffnen. Offenbar war seine Wirthin, die eines jener Pensionate hielt, in denen man ganz auf seine eigene Fasson selig wer. den kann, nicht daheim, und die Küchenfee benutzte die Abwesenheit der Gestrengen zu einem angenehmen Klatsch in der Nachbarschaft. Nur die dünnen Töne eines billigen Miethklaviers klangen durch die Stille der Dämmerung, und eine feine, sympathische Mädchenstimme sang dazu: O, alte Burschenherrlichkeit, wohin bist du entschwunden?Das war Fräulein Irene Fröhlich, eine entfernte Verwandte der Wirthin. Trotz ihrer jugendfrischen Anmuth, die im Gespräch noch viel lebhafter zu Tage trat, lieh sie sich auf keinerlei Verkehr ein und beantwortete die Huldigungen der Herrenwelt mit einem herben spöttischen Lächeln oder gar tu nem ftreng abweisenden kurzen Wort. Das half natürlich bei den Meisten; aber unter der goldenen Jugend Libt es zähe Naturen, die sich nicht abschrecken lassen und ihre Anknüpfungsversuche immer von Neuem wagen. Zu diesen Zähen gehörte Theo Gerstmann, ein reicher Jüngling mit sich leise lies) tendem Haarwuchs und dem Titel Assessor, den er sich mit vieler Mühe ersessen hatte. Und dieser Theo war es, der auf den Knopf unter Fritz Rösings Visitenkarte so andauernd den Daumen legte. Läßt man so einen alten Freund warten.Fritz? fragte er jetzt vorwurfsvoll in jener Näselmanier, wie sie unter einem Theile der gebildeten Jugend zum guten Ton gehört. Rösing murmelte eine halbe Entschuldigung, die nicht sehr freundschaftlich klang. Er wußte zu gut. was den Assessor jetzt öfter zu ihm trieb. Aber dann ließ er ihn doch eintreten, bot ihm einen Polsterstuhl an und entzündete die Gaslampe. Alle Wetter, wie siehst du denn aus, Mensch? schrie jetzt der Assessor. Deine linke Backe ist ja schon der reine Lustballon! Zahnschmerzen, was? Fritz nickte. Ich muß mich erkältet haben irgendwo! sagte er dann. Mein Kopf brummt wie eine Dreschmaschine im Herbst und dazu spielt und singt die kleine Irene nun schon den ganzen Nachmittag! Na, schick' dock zu ihr und laß' ihr sagen, daß Oder warte 'mal, ich werde gleich selber gehen. Das ist ja einfach Menschenpflicht! Ach, bitte, nein, hielt ihn Rösing hastig zurück. Ich will ihr das Vergnügen nicht stören. Hm... brummte der Assessor spöttisch, du bist eifersüchtig, mein Sohn! Eifersüchtig mit der Backe! Es ist zum Schieflachen! Aber brühige dich, lieber Fritz, die Festung ist dicht vor dem Kapituliren; die weiße Fahne flattert schon! Wir gehen nämlich heute zusammen in Alt - Heidelberg", bezw. wir treffen uns im berliner Theater! Nicht möglich! entfuhr es Rösing bestürzt. Das hätte sie angenommen? Ja, warum denn nicht? Das Berliner" ist ein sehr anständiger Kunsttempel. Ich traf sie dort mit ihrer Tante oder was eure Pensionsmutter eigentlich von ihr ist! wie sie gerade herauskamen und keine Billets mehr bekommen hatten! Na. da habe ich denn, nicht blöde, ihr gestern eine Parkettloge geschickt und Eine ganze Loge? Na, so dumm! Daß sie die Alte mitbringt? Nee, bloß einen Platz, mein Junge. Die andern habe ich hübsch für mich behalten! Na und ? Du weißt doch noch lange nicht, ob sie kommt? Gewiß weiß ich das! Sie hat es mir selbst gesagt! Heute Mittag habe ich sie nämlich gesprochen, gerade wie sie nach Hause wollte. Sie war zwar nicht allein, aber verständigt haben wir uns trotzdem. Ich grüßte nämlich und fragte, ob ich nicht zu kühn gewesen wäre usw. Na, du kennst ja die faulen Redensarten. Worauf sie mir erklärte: Im GegentkeiEs wäre ihr sehr lieb. Und ob ich selbst auch bestimmt da sein würde! Meine Freude kannst du dir vorstellen. Der hübschesie Käfer, den ich seit einem Jahre auf Berliner Pflaster gesehen habe! Es ist abscheulich! murmelte Rösing. Ach, häng' dir keinen Tugendmantel um! Du bist ja bloß neidisch, mein Junge! Umgekehrt wär ich's übrigens auch gewesen! Immerhin hast du den einen Vortheil, daß sie nun bald das Klavier zuklappt und dir Ruhe läßt mit ihrer alten Burschenherrlichkeit". die zweifellos eme kleine Präparation für den heutigen Abend ist! Daß Diskretion selbstverständlich ist, brauche ich dir wohl nicht anzuempfehlen. Ich glaube nicht, daß sie der Alten Bescheid sagt; also Sei unbesorgt. Ick werde sie nicht verrathen, obgleich es mir bitter weh' thut Nicht selbst neben ihr sitzen zu können! Hm glaub' ich. Kleiner, glaub' ich! Nein, daß sie w schlechte Hände kommen soll!
Höre 'mal. Fritz, ich verbitte mir das! Ich bin ein anständiger Kerl und wenn sich ein junges Mädel 'mal amüsiren will und ich helfe ihr dazu ach, überhaupt, was geht dich denn daS an? Neidhammel! Und damit war er an der Thür, drehte sich nun noch einmal um und sagte kurz: Gute Besserung! Nach jeder Richtung hin! Fritz Rösing wanderte ruhelos im Zimmer auf und ab. O, diese Irene, die herbe, keusche, die ihm kaum die Hand gab. obgleich er nun seit sechs Monaten ihr Pensionsgenosse war und sie stets mit der größten Achtut.g behandelt hatte! Und diesem Mädchenjäger ging sie in's Netz, der ihr gegenüber einen Ton angeschlagen hatte, als müsse sie sich glücklich fühlen, seine Beachtung zu finden! Dreimal hatte sie ihn ablaufen lassen zu Fritzes heimlicher Freude! Und nun doch! Von seinen Zahnschmerzen fühlte er nicht die Spur mehr. Nur in seinen Schläfen hämmerte es wie in einer Dorffchmiede; und als jetzt plötzlich Gesang und Klavierspiel drüben abbrachen, und in seinem Geiste sich die
Vorstellung formte, daß sie nun Totlette mache, sich schmücke und herausputze, um alsbald an der Seite dieses eingebildeten Narren in der halbdunklen Loge Platz zu nehmen, setzte ihm der Herzschlag für einen Augenblick aus; so heftig erregte ihn der Gedanke Als Theo Gerstmann sich die Parkettloge öffnen ließ, war der erste Akt von Alt - Heidelberg schon in der EntWicklung. Der Zuschauerraum war in wohlthätiges Dunkel gehüllt. Nur die Umrisse der Köpfe und Damenhüte waren gegen die hell beleuchtete Bühne hin sichtbar. Richtig, in seiner Loge war ein Vorderplatz besetzt. Auf das leife Geräusch des Thürschließens hin drehte sich die Dame flüchtig um, widmete aber gleich daraus ihre Aufmerksamkeit wieder den Vorgängen auf der Bühne. Vorsichtig zog er sich einen Stuhl hinter des Fräuleins Platz und tuschelte ihr dann ein Guten Abend, mein verehrtes Fräulein! zu. Sie nickte nur, ohne sich nochmals umzusehen. Da haschte er nach ihrer Hand und drückte einen feurigen Kuß darauf, was sie nach einem kleinen Zucken ruhig geschehen ließ. Gefällt es Ihnen, liebes Fräulein? erkundigte er sich dann. Ausgezeichnet! flüsterte sie kaum hörbar. Und mir erst! Ach, der schönste Tag meines Lebens! betheuerte er. Nebenan wurde ein unwiuiges Zischen hörbar. Banausen! murmelte er verächtlich und begnügte sich fortan, seiner schönenGefährtin ab und zu an die schlanke Hand zu drücken, die sich noch viel aristokratischer anfaßte, als sie seinen Augen erschienen war. C.tdlich klang das Schlußwort vcn der Bühne, der Vorhang fiel und die Lichter im Hause flammten auf. Er war aufgestanden, um ihr über ihre Stuhllehne hinweg in das entzückende Gesichtchen zu, schauen. Aber fast hätte er einen Schrei des Entsetzens ausgestoßen, als er das nur leicht verschleierte Antlitz erkannte. Das war nicht Irene Fröhlich, die verkörperte Jugend und Anmuth mit den schalkhaften und doch so tiefen braunen Kinderaugen das war ein welkes, hageres Gesicht mit spöttisch funkelnden Blicken und gehörte dem Fräulein Babette Klausner, der Pensions - Jnhaberin und Tante Irene Fröhlichs. Und der hatte er die magere Hand geküßt! Sie kommen etwas spät, Herr Assessor! sagte sie mit einer verdächtigen Freundlichkeit. Aber, bitte, setzen Sie sich doch neben mich. Wir wollen die Pausen nicht unbenutzt verstreichen lassen. Wie unter einem heimlichen Bann nahm er den Platz an der Logenbrüstung ein, machte dabei aber ein so verzweifeltes Gesicht, als sähe er nun seiner Hinrichtung entgegen. Ihr Erstaunen zeigt mir. daß Sie mich ganz und gar nicht erwartet haden. Aeh. . .allerdings . stotterte Theo und wischte sich den Schweiß von der gelichteten Stirn. Fräulein Nichte ist hoffentlich nicht krank geworden? Nein. Gott sei Dank nicht! Sie ist vollständig gesund, auch in ihren Anschauungen über Einladungen! O bitte, ich habe durchaus nicht. . . Geehrter Herr Doktoc, hatten Sie die Absicht, meiner Nichte einen Heirathsantrag zu machen? Aeh . . . das ... ja. so mit zwei Worten läßt sich das kaum sagen; ich . . . Mit einem, wenn man will! Aber
Irene hatte die Auffassung, daß Sie im Leben nicht daran dächten. Sonst hätte sie Ihnen Ihr Billet mit ein paar höflichen Zeilen zurückgesandt. Ihre Absichten sindJhrem Ruf entsprechend. Herr Assessor. Und Ihr Ruf ist nach dieser Seite hin nicht gerade der beste. von unserm philiströsen Gesichtswinkel aus! Darum habe ich die Gelegenheit wahrgenommen, mit Ihnen ein paar Worte über die Sache zu sprechen. Irene ist eine Waise und daher doppelten Schutzes bedürftig; ich habe es ihrem Vater gelobt, daß ich über sie wachen will. Machen Sie mir die Erfüllung dieser Pflicht n'.cht unnütz schwer und richten Sie ihre Angriffe an andere Adressen. Denn wenn Irene Ihnen auch niemals irgend welches Entgegenkommen zeigen würde, in denAu-
gen Dritter genügen oft schon die wiederholten kailbluilgen Versuche eines sogenannten Verehrers, um den Ruf eines jungen Mädchens zu gefährden! Sie. . . Sie sind sehr deutlich, gnädiges Fräulein!... In der That! ... Jedenfalls ist das der merkwürdigste Zwischenakt, den ich je erlebt habe! sagte er halblaut mit einem Anflug von Galgenhumor. Entschuldigen Sie gütigst, wenn ich Ihnen nicht weiter Gesellschaft leiste, aber wir haben uns ja ausgesprochen! Und die nächste Pause würde doch nur eine Abschwächung dieser interessanten AusernanVersetzung werden. Ich habe die Ehre! Guten Abend. Herr Assessor! Seine spöttische Verbeugung fiel schon mit der Verdunklung des Zuschauerraums zusammen. Als die Logenthür zum zweiten Mal klappte, rauschte auch der Vorhang in die Höhe. und Fräulein Babette Klausner lieh sich alsbald von dem lustigenTreiben der Musenjünqer in der alten Neckarstadt gefangen nehmen. Denn den Betrag für ihren Logenplatz hatte sie schon vorher durch einen Dienstmann in die Wohnung Theo GerstrxannS gesandt, um ihm nicht einmal den billigen Triumph zu gönnen, daß sie auf seine Kosten im Theater gesessen habe. Da bin ich schön auf den Leim gegangen! murmelte der Assessor ingrimmig, als er die Charlottenstraße hinunterstapfte und dabei mehr als einen der ihm begegnenden Passanten rücksichtslos zum Ausweichen nöthigte.Ein Glück, daß dieser Pinsel, der Rösing, nichts davon weiß! Fritz Rösing, der zu seinem Liebes kummer auch seine Zahnschmerzen wieder bekommen hatte, raste um dieselbe Zeit verzweifelt in seinem Zimmer umher und brachte nachgerade alle seine Stühle im Zimmer zur Strecke. Bald aber war ihm der Käfig seines Zimmers zu eng, und er zog den Corridor mit in das Gkbiet seiner Sturmwanderungen. Von seinen Pensionatsgenossen steckte einer nach dem andern unwillig den Kopf aus der Thür. Da man aber die Ursache seines wilden Umherirrens kannte, so sagte ihm niemand ein tadelndes Wort darüber. Ein paar mitleidige Seelen kamen so gar mit kleinen Hausmitteln inBüchschen und Fläschchen hinter ihm drein gelaufen und nöthigten ihm ihre Samariterdienste auf, deren er sich unwirsch erwehrte. Plötzlich jedoch wurde sein Dauerlauf durch eine süße Stimme unterbrachen. Ist denn gar keine Linderung für Sie möglich. Herr Rösing? Das Mitleid in diesem weichen Wohllaut war so unverkennbar echt wie sein rathloses Erstaunen, mit dem er nach seiner Uhr suchte und dann stotterte: Es ist doch erst neun. Ja, was schadet denn das, Herr Ro sing? hatte darauf Fräulein Irene Fröhlich geantwortet. Oder haben Sie ein Gelübde gethan, die Schmerzen bis zu einer späterenStunde wehrlos zu ertragen? Schmerzen? Ach, meineZahnschmerzen meinen Sie? Die ja. augenblicklich spüre ich sie wirklich nicht. Fräulein Fröhlich! Ich ich froh bin ich. riesig froh, rief er lächelnd. Und dann laufen Sie re ein grimmiger Eisbär aus dem Corridor um-
her? fragte sie verwundert. Das war vorhin, jetzt werde ich ganz zahm, verehrtes Fräulein weil sie nämlich zu Hause geblieben sind, fügte er etwas gedämpfter hinzu. Ja, wo sollte ich denn sonst sein? fragte sie darauf etwas unsicher, weil sie noch im Zweifel war, ob er von dem Billet des Assessors etwas wußte ode? nicht. In Alt .Heidelberg! flüsterte er. Ach. Sie wußten ? Er nickte nur. So hat er sich Ihnen gegenüber damit gebrüstet, der Unverschämte? O, dann kommen Sie, dann sollen Sie auch wissen, welche Verwendung sein Billet gefunden, erklärte sie erregt und nöthigte ihn in das gemeinschaftliche Eßzimmer, in dem eine Hängelampe brannte, aber niemand anwesend war. Und hier berichtete sie ihm in allerliebster Entrüstung, wie sie beschlossen, dem abschaulichen Gecken einen heilsamen Streich zu spielen, damit ihm endlich die Lust vergehe, sie mit seinen Dreistigkeiten zu verfolgen. Bravo! Bravo, liebes Fräulein! rief Fritz dlösing einmal und noch einmal. Das haben Sie entzückend gemacht! Wie mich das freut! Ja, wenn Sie ihn auch nicht leiden mögen, warum ist er dann Ihr Freund, Herr Rösing? Sie wissen doch: gleiche Brüder, gleiche Kavpen? Auf diese betrübsame Bemerkung hin kam richtig der Zahnschmerz wieder. Das hätten Sie nicht sagen sollen. Fräulein Fröhlich! klagte er und hielt sich die Wange. Nun sind sie wieder da! und Sie hatten sie vorhin richtig wie weggezaubert! O Gott! sagte sie bedauernd. Haben Sie es denn schon mit Sympathie versucht? Wie ist denn das? stöhnte er. Es muß jemand ganz langsam mit der Hand darüber streichen und etwas dabei sprechen! Ach ja. machen Sie das 'mal! sagte er begeistert. Ich? lachte sie erröthend. Das tnuß jemand sein, der die Kräfte dazu dat und die Worte weiß! Diz Kräfte haben Sie! Wenigstens
für mich, Fräulein Irene! bettelte er. Und was die Worte anbelangt?. .. Ach, sagen Sie doch dabei, ob Sie mir Ihre Tante auch über den Hals schicken. wenn ich Ihnen nächstens ein Billet für Alt - Heidelberg verehre! Sagen Sie ganz langsam: Nein, dann komme ich selbst. Fritz Rösing. . . Aber, Herr Rösing! stammelte sie, und eine aufflammende Nöthe verschönte ihr holdes Kindergesicht, in dem die Augen vor heimlicher Freude schimmerten. Denn Sie meinen es redlich und treu! fuhr Fritz Rösing unbeirrt fort. Oder haben Sie eine andere Meinung über mich. Fräulein Fröhlich? Da hob sie langsam die schönen, ruhigen Augen und sagte: Nein. Herr Rösing. Ihnen vertrau' ich! Drei Tage später trafen der Assessor und Fritz Rösing auf der Straße zusammen. Na, wieder gesund? fragte Gerstmann mit Gönncrmiene.
Wie ein Fisch im Wasser! Ausgezogen, das Biest, was? Unsinn! Mit Sympathie geheilt! Ja, giebst du denn an denSchwin del? Mitunter geschehen eben sonderbare Dinge! lächelteRösing und fragte dann ganz harmlos und obenhin: Wie war es übrigens in Alt Heidelberg? Der Assessor sah dem Fragn erst forschend in die Augen, ehe er antwortete. Da aber Rösing mit keiner Wimper zuckte, erwiderte er mit einem vielsagenden Schmunzeln: Brillanter Abend, mein Junge! So?... Sie war also da? Ja, weshalb denn nicht? Weil ich nicht wußte, daß Fräulein Irene Fröhlich eine Doppelgängerin hat! Um dieselbe Zeit nämlich, wo du mit ihr im Theater gesessen hast, hat sie sich mit mir verlobt. So? Verlobt? stammelte Theo Gerstmann verlegen. Also deine Braut?. . . Ah, Pardon, dann gratulire ich natürlich!. . . 'Hm ja, das ist gar kein dummer Gedanke von dir! Meinst du? In allem Ernst!. . . Ich ... ich habe alle Hochachtung vor ihr! ... Wahrhastig!... Aber thu' mir den Gefallen und ... na. du verstehst mich schon: Es braucht doch wahrhaftig keiner zu wissen, der damals in meiner Loge gesessen hat, nicht wahr? Das Dampfpiano.
Anläßlich der neuen Rundreise des Sousa - Orchesters mit seinen RiesenBlechinstrumenten wird gegenwärtig die Erinnerung an ein Kraftconcert aufgefrischt, das Aurelien Scholl in seinen Pariser Chroniken beschreibt. Es war im Jahre 1863. Ein Erfinder hatte die Erlaubniß erhalten, im neuen Pgriser Circus, dem Hippodrome Arnault, ein Dampfpiano vorzuführen, von dem er wahre Wunder versprach. Die Vorstellung erfolgte am 11. Juli. Ganz Paris war herbeigeströmt. Der Impresario Arnault kündigte mit lautem Rufe das Erscheinen des Wunder-
inftruments an, und in die Bahn fuhr
ein auf vier Rädern ruhender, von ei
nem Pferde gezogener Kessel,
über dem eine Reihe Pfeifen nach Art der Hirtenpfeifen der Alten angebracht waren. Der Erfinder schürte unter dem Kessel ein Steinkohlenfeuer, drehte das Piston und der Dampf strömte zugleich in alle Rohrpfeifen. Niemals schlug ein solcker Höllenlärm an menschliche Ohren; nie ?at ein Gewitter, einErdbeben oder ein Vulkan auch nur d'e Hälfte des Getöses verursacht, das hier erdröhnte. Man denke sich die Trompeten von Jericho, geblasen vom Mistral; dazu das Brüllen von 500 lebend verbrennenden Löwen und 1,200 betrunkenen Eseln, und man hat einen schwachen Begriff von der ersten Melodie des Dampfpianos. Alles hält sich die Ohren zu, die Kinder schreien, die Frauen werden ohnmächtig, und mehrere ZuHörer eilen entsetzt davon. Was ist los?" fragt Arnault. Der Erfinder dreht aus allen Kräften an den Ventilen und ruft: Es ist zu stark geheizt." Genug!" tönt es von allen Seiten. Nur der Bankier Emilie Cremieur. der so taub war. daß, wenn die Kanone des Hotels des Invalides donnerte, er frngte, ob es schon halb" schlüge, tritt an den Impresario heran, zeigt auf ein mächtiges Rohr und fragt, ob das eins Tromba oder ein Cornet ä Piston sei. Plötzlich erfolgt ein gewaltiger Knall: DasPiano ist zersprungen. Älle rennt und flüchtet, und nachdem sich die Dampfwolken zertheilt, sieht man den Erfinder mit einem zerschmetterten Arm inmitten verbogener Röhren und sonstiger Trümmer ohnmächtig amBoden liegen. Der Pianokessel war in der Mitte geborsten. Mitleidslos hat da nach auch der KUnstlerwitz das miß glückte Projekt des verunglückten Erfinders ausgebeutet, und der Münchener Verein Hölle führte bald darauf zur unbändigen Heiterkeit seiner Mit glieder und Gäste bei einer karnevalisnschen Veranstaltung eine Karikatur des Riefen - Dampfpianos unter dem ominösen Namen Koksofenrohr-Kako-phonium vor. Reise-Erinnerung. Um Himmels willen, Sie wischen ja den Teller mit Ihrer Schürze ab!" DöS macht nix. mein Schürz! ist eh schon schmutzig!" Scharfblick. Junge Frau: Ach. Eduard, liebst Du mich auch Wirklich?" Mann: Natürlich, Schatz, trag' nur das verunglückte Mittagessen herein."
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