Indiana Tribüne, Volume 26, Number 247, Indianapolis, Marion County, 9 June 1903 — Page 5

i Juni

Jndiana Tribüne, 1903; z

.

f s I

Es hat nicht sollen sein. Von H. Wehlan. Es ist Sonntag in den Tiroler Bergen. Auf den einsamen Höfen, an den Berglehnen herrscht eine fast feierliche Stille. Die nöthigste Hausarbeit ist gethan. Die Bewohner des Hofes sind zum Kirchgang ins Thal hinuntergestiegen, und nur die Ahne ist mit dem jüngsten Enkelkinde daheim gebhtttn. Die kräftige Gestalt einer rüstigen Matrone tritt soeben unter die offene Hausthür. Aus dem Holzwägelein neben der Bank hat sich ein lautes -tlmmchen hören lassen. Der jüngste Breitenberg-Sproß ist aus süßem Schlummer erwacht, und nun hebt die Großmutter das rosige Kind auf ihre Arme. Eine Weile hat die Bäuerin den vor Lust mit seinen Beinchen strampelnden Buben herumgetragen. Dann wird sie's müde und läßt sich auf die Steinbank neben der Hausthüre nieder. Fast unwillig über eine Störung klebt sie den Kopf, und ihre AMN sehen forschend nach dem Weinbergwege hin. als sich von dort Männertritte hören lassen. Ein alter Herr kommt lanzsam die ausgetretenen Stufen herab. Die städtische Tracht kennzeichnet den Reisenden. Dicht umrahmt der weiße Bart sein Gesicht, reiches Haar, vom Alter gebleicht, umwallt die freie Stirn. Ihm ist heiß geworden während des Steigens; er trägt den großen Filz Hut in der Hand und trocknet den Schweiß mit dem rothseidenen Taschentuche. Tiefe Falten furchten sein Gesicht, aber in den Augen lebt noch ju gendlicher Glanz. Der Fremde ist stehen geblieben. ?r scheint ermüdet, denn er lehnt sich schwer auf seinen starken Bergstock. Ihr erlaubt wohl zu rasten ich bin sehr müde," sagte er, indem er sich auf die Bank setzte. Seine Blicke aber ruhten forschend auf der Frau, die mit dem Knäbchen neben der Hausthür sitzen geblieben war. Gönnt euch nur die Ruh', 's ist viel warm heut", sagte die Matrone freundlich. Der Fremde athmete einige Male hoch auf, dann stieß er kurz hervor: Das ist doch der Breitenberg Hof?" Die Bäuerin bestätigte es: Ja freilich!" Es lag ein gewisser Stolz in dem Blick, den sie über das ansehnliche Haus, den Hof und die umgebenden Wirthschaftsgebäude gleiten ließ. Und wer ist der jetzige Besitzer?" Mein Sohn." kam die Antwort zurück, der Valentin Gereiter. Breitenberg heißt schon lane keiner meyr, weil zweimal der Tochtermann den Hof überkommen hat. Dem Valentin seinen Vater haben wir schon vor Iahren acht oder neun in die Grube gelegt." Und Joseph Flarer. der alte Breitenberg - Bauer?"" . . . Der Fragende hielt inne. Liebkosend strich die Frau mit ihrer gebräunten Hand über das helle Lockenbaar des kleinen Enkelsohnes: Dem hier sein Urahn? Ja, mein Gott, der lebt schon lang' mit mer." Die Bäuerin stand von ihrem Platze auf und ging mit dem Kinde in das Haus. Nach einer kleinen Weile kehrte sie zurück und kam zu dem Fremden in den Hof hinunter. Mit dem linken Arme drückte sie den Knaben an sich, in ihrer Rechten trug sie ein Brett, auf dem ein Glas voll Milch und Teller mit Brotschnitten, sowie ein zweiter mit frischen Butterkugeln stand. Die Alte breitete eine buntwürfelige, saubere Decke üer den Tisch und stellte das Mitgebrachte einladend vor den Fremden hin. Greift zu und geseg'ns euch Gott! Ihr habt meinen Vater kennt, da sollt Ihr halt mein Gast sein, wenn Ihr vorlieb nehmen wollt." Der weißbärtige Mann saß mit dem Rücken gegen den Baumstamm gelehnt, die Hände über dem Knie gefaltet, und seine Blicke folgten jeder der ruhigen Bewegungen der Bäuerin. Habt Dank für Euer Wohlmeinen, Frau ", sagte er leise, und seine Hand griff nach dem Glase, aber sie zitterte merklich. Die Breitenbergerin stand vor ihrem Gaste und sah mit ihren guten Augen auf ihn: Wenn's Euch recht wär', erzählt, woher Ihr des Wegs fab. Der alte Breitenbergbauer ist vom Hofe nimmer fortkommen, und ich mein'. . .. ich weiß nit. seid denn Ihr vordem da heroben auf dem Hofe gewest?" Der alte Mann fuhr mit seiner wohlgepflegten Hand durch den langen Bart. Wollt Ihr mir zuhören, ohne mich zu unterbrechen?" Jetzt blickte auch sie prüfend auf den Fremden, schüttelte leise den Kopf und lieh sich schweigend neben ihm auf die Bank nieder, das Kind sanft auf ihren Armen hin und her wiegend. Der Fremde starrte hinaus in die weite, in Sonnenglanz getauchte Ferne. Dann erzählte er: Mit leichtem Ränzel und frohem Sinn war ein Jüngling, er mochte nicht viel über neunzehn Jahre zählen, über das Hafflinger Joch vom Sarnthal herübergestiegen. Doch schwere, vom Vintschgau heraufziehende Wet-

terwolken. welche die Berghäupter dicht umhüllten, mahnten ihn zur Eile. Um rascher an sein Ziel, nach der Stadt Meran zu kommen, sprang er anfangs über rollende Steine, grüne Matten und unwegsame Stellen kecklich hinweg und eilig abwärts. Doch er mutzle bald das Unkluge solchen Begmnens einsehen, denn nun zwang ihn ein rauher Abfall, wieder emporzuklimmen. Ueber Felsblöcke, durch Wurzeln und Gestrüpp suchte er sich den beschwerlichen Weg, bis er wieder vor einer anderen tiefen Schlucht stand. Nun versuchte er von neuem abwärts zu klettern; doch um sich vor jä&" Sturze zu bewahren, mußte er sich zur alten Stelle wieder emporarbeiten. Rathlos stand der junge Wandersmann still, des Weges völlig un kundig, als ein heftiger Regen losbrach. Da hörte er den Klang von Herdenglocken schwach herübertönen; das gab frischen Muth. Ein Aufraffen, und er erreichte eine Matte, wo sich am Waldrande Kühe und Geisen zusammendrängten. Unter einem herabhängenden Felsstücke hatte sich die Hirtin der kleinen Herde vor dem Unwetter Istcher zu dergen gewußt. Das Mädchen, dessen Wangen zart gerundet und rosig waren. saß auf einem großen Steine. Ihre nackten Arme hielt sie übereinander geschlagen, von den Knieen gestützt. Ein rothes Tuch verbarg fast ganz das lichtblonde Haar. Als jetzt der Fremde mit vom Regen triefenden Kleidern vor sie hintrat, sprang sie behend auf ihre Füße. Schelmisches Lachen zuckte bei seinem Anblick um ihren Mund, wie der Hut ihm schlapp über das Gesicht hing und das Wasser aus den Locken tropfte. Doch der Muthwille verschwand ebenso schnell, als sie gewahrte, wie der junge Mann vor Müdigkeit schwankte; sie deutete auf einen Haufen von Moos und Laub. Das gibt ein Lager, ich will's Euch richten!" Und hurtig schichtete sie ein weiches Bett, auf das sie ihn sich niederlegen hieß. Eine Geis welche sich die ganze Zeit ängstlich an das Mädchen gedrängt hatte, wußte sie zum Stehen zu bringen, so daß sie ihr die Milch in ein kleines, hölzernes Gefäß abzapfen konnte; das reichte sie dem jungen Burschen. Trinkt, und hier ist noch etwas Brot in meiner Taschen eßt, laßt es Euch wohl bekommen! Dann hatte sich das Mädchen wieder auf den Stein gefetzt, ihr Arm umfing das Geislein, und sie sah wie vorher furchtlos in den Gewittersturm hinaus. Wie beißt du?" unterbrach endlich der auf dem Laubbett Hingestreckte daZ Schweigen. Das' Mädchen blickte ihn nur halb von der Seite an. . . Auf den Arm des Erzählers legte sich die Hand der Bäuerin. Gritli Flarer ist's gewesen, Herr Valentin!" Der Alte nickte heftig und fuhr rascher fort: Nach einer Stunde hatte das Unweiter ausgetobt, und der vom Wege abgekommene Wanderer konnte dcm Mädchen nach dem Breitenberg-Hofc folgen, wohin es nun. die Peitsche lustig schwingend, die Herde trieb. Der alte Bauer, ein großer, hagerer Mann mit schwarzem, dünnem Haar, das ihm tief bis in die Stirne hing, sah mit den ernsten Augen wohl verwundert auf den fremden Gast, der mit dcm munteren Gritli kaum Schritt zu ha!ten vermochte. Doch er hieß den müden Wanderer unter sein Dach treten, weil sich die dunklen Abendschatten bereits schwer über da"- Thal senkten. Seltsam, der junge Bursche blieb auch am nächsten Tage auf be Hofe. Der Breitenberger war ?n gastfreier Mann und ließ ihn gewähren. und aus dem einen wurden viele Tage. Valentin war Künstler oder wollte doch wenigstens einer werden. So vergi rg denn auch kein Tag, daß er nicht früh mit der Sonne hinauszog in die stille Bergwelt und erst spät des Abends, wenn das Gritli iyre Herde heimtrieb, zurückkehrte. Seit Valentin gleich in den ersten Tagen ein Bildchen vom BreitenbergHof entworfen und es dem Besitzer desselben geschenkt hatte, schien der Bauer den Künstjünger nicht ungern als seinen Gast zu sehen. Ja, er schaute ihm manches Mal wohlgefällig über die Schulter, wenn er ihn bei fröhlichem Schaffen fand. Doch der Valentin ist ein gar stürmischer Bursche gewesen. Da ist r denn einmal früb am Morgen m ven Wald gelaufen; von Unruhe gequält, konnte er's unter dem Dache nicht mehr ertragen. Es war kühl und thaufrisch; die Tannen athmeten Wohlgeruch aus, und der Thymian duftete stark. Valentin empfand das alles wohl, obgleich er nicht acht darauf gab, denn 'r sah das Gras von eiligen Fußtritten berührt und leicht niedergedrückt. Behutsam folgte er den Spuren und stieg so hastig den Berg hinan, daß es ihm den Athem versetzte. Nun sah er ganz in seiner Nähe Gritli's blauen Faltenrock und die weißen Aermel durch das Laubwerk schimmern. Die Arme um den Stamm eines schlanken Birkenbaumes geschlungen, regte sie sich nicht. Freudiger Schrecken durchzuckte ihn. wie er sie erblickte, oen blonden Kovf gegen den Stamm gelehnt. War's doch derselbe, in welchen er vor kurzem ibren und seinen Namen inmitten ei-

nes von etnem Pfeil durchbohrten Herzens geschnitten hatte! Unhörbar schlich er sich näher. Gritli hob den Kopf, als ahne sie die Nähe eines SpäHers, und er sah. daß sie geweint hatte. Sie wollte davonspringen, doch als sie ihn erkannte, blieb sie stehen und blitzte den armen Sünder mit Augen an, deren zornigen Glanz man dem freundlichen Dirnchen gar nicht zugeiraut hätte, und recht bitterböse rief sie ihm zu: Wie darfst wagen, meinen Namen mit deinem zusammen zu setzen? Mein Bildel zu malen und darunter zu jcyreioen: das )oü mein Weiveci sein!" Ich armer Thor! Bis dahin hatte ich mein Zeichenbuch sorgfältig, wie meinen Augapfel gehütet. Aber Tags zuvor sehe ich beimAbenddämmern das Gritli unter der Kastanie sitzen und höre sie zur Zither ihre lustigen Trutzliederln singen. Da leidet's mich nicht im Zimmer,ich spring hinaus ins Freie und lasse die Zeichnung auf dem Tische liegen. Vor Schlafengehen, während ich mit dem Bauern plauderte, pflegte das Gritli mir noch einen Trunk frischen Wassers in die Kammer zu stellen. Da mußte sie wohl das unglückliche Bildchen gesehen haben!" Die alte Frau lächelte vor sich hin. Sie wissen's halt nicht, Herr Valentin, wie das Gritli erschrocken ist, als ihr das eigene Angesicht so gar natürlich, wie abgeschrieben, vor Augen kommen war, und dazu die Unterschrift! Das Licht ist ihr beinah aus der Hand gefallen, und die ganze Nacht hat sie auf ihrer Kammer mehr geweint als geschlafen. Ja, wenn sie den Herrn Valentin nicht so viel gern gehabt hätte, wär' der Jammer wohl nit so arg gewesen." In den lebhaften Augen des alten Malers leuchtete es. Das hat der Valentin freilich nicht gewußt, aber wie er die Thränen von seinem Gritli sah, und wie sie vor Erregung bebte, da ist sie ihm noch tausendmal herziger vorgekommen, und in heißer Leidenschaft wollte er sie in seine Arme reißen. Das Gritli aber war auch kein sanftes, und er hat es später noch lange zu hören gemeint, wie sie heftig hervorstieß: Nicht wagst's mich anzurühren! Wir Zwei kennen uns nimmer, meinst, ich lass' mich spotten? Geh hin. wo du herkommen bist, du grundschlechter Bub, du!" Weil er sie dennoch zu fassen suchte, drängte sie, wie zur Abwehr, mit den geballten kleinen Fäusten gegen ihn. Der Valentin, solchen Stoßes gegen die Brust nicht gewärtigend, taumelte rückwärts, verlor auf dem abschlüssigen Boden das Gleichgewicht und stürzte hintenüber zur Erde. War er nun auf einen Stein geschlagen, oder hatte er sich an altem Tannengeäst gestreift, das helle Blut träufelte von seiner Schläfe. Da wallte es in dem Hitzkopf auf, und er hat es beinah heraus geschrieen: Ist das eine Sünde, daß ich dich lieb gehabt habe wie keine andere ? Nun freilich ist's aus, du araes Madel du!" In fliegender Eile wendete der tolle Bursche den Rücken, eilte abwärts zum Hofe, um sein Ränzcl zu packen un) davonzugehen, ohne dem Bauer, den er nicht daheim fand, Lebewohl zu sa- . gen. Der Erzähler machte eine Pause. Die Breitenberg - Bäuerin legte behutsam den schlafenden Knaben in das neben ihr stehende Wägelchen, und die Hände ineinander faltend, sagte sie: Ich weiß es halt auch noch ganz genau; das Gritli ist anfangs wie vom Wetter geschlagen dagestanden. Als sie das Blut gesehen hat, war aller Zorn verflogen, und sie hat sich vor Schrecken halt nicht rühren können. Aber wie oer Valentin davongesprungen ist, da hat es sich auf die Erde geworfen und geweint gar bitterlich vor Weh uud um das, was geschehen war. Von da ab ist's Gritli herum 'gangen wie eins, das im Schlafe wandelt. Sie mußt' halt immer an den Maler denken und hat nur gewünscht, ihn nur einmal noch zu schauen, um Abbitte zu thun von wegen dem Stoß und dem Blute. Denn sie hat in ihren Gedanken halt immer die rothen Tropfen auf seiner Wange zu sehen gemeint. Acht Tage sind wohl so hingangen. Der al'.e Breitenberger hat sein Madel kopfschüttelnd angeschaut, wiil's so viel traurig war, aber gesagt hat er nichts. An einem Tag, die Sonne wollt' schon zur Rüste gehn, läßt's Gritli den Halterbuben heimtreiben und bleibt droben im Walde, wo der Herr Valentin sonst unter den Tannen gesessen ist. Ihr Gesicht thät sie in den Händen begraben und hat gejammert: Valentin, ich hab' dich von Herzen lieb gehabt und konnt's doch nit sagen! Dein Weiberl hätt' i ja werden wollen und wär mit dir 'gcmgen bis ans End' der Welt! Und da. einen Schrei hab' ich ausgestoßen; denn neben mir in denBüschen hat's gerauscht, und der Valentin ist hervorgesprungen hat mich hinterrücks gefaßt und geherzt und geküßt. Und was that da das Gritli?- rief der alte Mann dazwischen, ich weiß es noch gar gut. Erst fuhren mir die kleinen, braunen Finger durch die Locken und strichen sie zurück, wo man den schon vernarbten Riß sah. Eine aar liebe, weiche Stimme flüsterte mir dabei ins Ohr: O du mei lieber Bub, sei mir doch nur nit bös', es hat mir ja

W nur,' getanen, van ich dir ein Leid angethan hab'!" Und wie nun der Valentin ganz berauscht von Glückseligkeit seinjMädchen noch einmal und noch einmal küssen will, wehrt sie ihn wieder hastig ab: Halt, mein Bub, halt, erst zum Vater gehn!" Ach, Gritli, und was kam dann? Nun ist nahezu ein halbes Jahrhuudert verflossen, seit der strenge, ruhige Bauersmann über das Schicksal des jungen, norddeutschen Malers entschieden hat. Mit unbeugsamer Härte wies er den bittenden, drängenden, ja trtzenden Mann in seine Kreise zurück. Mir ist, als hörte ich ihn erst heute sagen: Ihr taugt nicht füreinander. Du nicht für sie, rmd sie nicht für dich! Mein Madel gehört in die Berg', in den Wald und auf den Hof, du in die arone. vornehme Stadt. 34 leid's nun und nimmer! So ein Pflänzerl soll man nicht in eine andere Welt versetzen, dich thät's am End' bald gereu'n, und's Blümerl müßt' verwelken, dazu aber ist mei Madel 3' gut! Und damit behüt Gott, wir sino am End'." Ja. ja. Gritli. ' am Ende. Mein Leben geht zur Neige. Der junge Valentin ist damals heimgekehrt mit einer Wunde im Herzen. Allgemach ist sie verheilt, abec die Narbe ist geblieben. Leichtes Roth färbte das faltifte Gesicht der alten Frau, und die Augen schimmerten feucht. Herr Valentin, wenn's Haar sich auch bleicht, das Herz bleibt halt jung. Ich hab' den Herrn Valentin auch nit vergessen. Der Vater hat mich einem braven, getreuen Manne zum Weibe gegeben, und ich hab' dem Michael Gereiter ein gutes, stilles Leben zu danken. Einig und zufrieden haben wir auf dem Vreitenberg - Hofe gewirthet. Leid und Freud' getheilt, wie'Z unser Herrgott schickte. Beim Verspruch hab' ich's ihm schon gesagt, wie ich halt den Herrn Valentin so viel gern gehabt hätt', und könnt's auch nit helfen, wenn ich alleweil noch einmal an ihn denken müßt', als an 'nen guten, herzlieben Menschen. Getreu wollt' ich ihm aber alle Zeit bleiben, und gern thät' ich ihn ja auch haben. Er war's zufrieden, und keins hat auch je das andere betrübt. Unsern ersten Buben haben wir Valentin genannt, und der da im Wägele trägt auch seines Vaters und Euren Namen." Die Hände der alten Leute lagen

ineinander. Die Sonne schien warm, und der Frühlingswind fächelte leise um die grauen Häupter der beiden. Deutscher Bureaukrattsmus.

Vom heiligen Bureaukratismus im

lieben alten Vaterlande kann man nie

genug erzählen. Er ist so vielseitig, wie das bureaukratische Leben und Treiben überhaupt; am meisten aber verblüffen immer seine finanziellen Künste. Davon eines: Ein Richter, der von der Brauchbarkeit der Photographie für Untersuchungszwecke sich wiederholt überzeugt hatte und der für photographische Aufnahmen jeweils 25 Mark anweisen mußte, lernte schließlich selbst Photographiren und stellte seine Kunst in den Dienst des Berufs, wobei er nicht nur seine? Liebhabern nachgehen, sondern auch dem Staate etwas ersparen zu können meinte; denn er berechnete jeweils nur die durchschnittlichen Selbstkosten für Materialien mit 2 Mark. Aber der heilige Bureaukratismus zeigte sich unempfänglich für solche Ersparnis von jeweils 23 Mark; denn in Schema F war so etwas nicht vorgesehen. Die 2 Mark wurden wiederholt verweigert, und der Staat zahlt jeweils wieder dem Photographen 25 Mark. Ist das nicht schön? Aber das folgende Stücklein ist vielleicht noch schöner. Man höre: Eine Behörde hatte vor Jahren mit höherer Erlaubniß eine Uhr angeschafft. Dann zog die Behörde in ein neues Gebäude, wohin mit dem gesammten Inventar auch die Uhr wanderte. Eines Tage fiel es dieser Uhr ein. vielleicht aus Heimweh nach dem früheren Raum, den Dienst zu versagen. Der Uhrmacher brachte ihr wieder Lebenslust bei. Die dafür berechneten Nickel aber wurden von den Herren der rothen Tinte beanstandet; denn: es sei wohl seiner Zeit die Anschaffung der Uhr genehmigt. aber die Genehmigung, die Uhr auch aufzuhängen, fei noch niemals gegeben worden. Erst als in besonderem Schriftwechsel auch die Genehmigung zum Aufhängen der Uhr nachgesucht und ertheilt war, konnte der Uhrmacher Bezahlung erhalten. Rationelles Gießen der Topfgewächse. Beim Gießen der Topfpflanzen ist wohl zu beachten, daß dieselben nicht, wie es gewöhnlich gehanohabt wird, lediglich in der Mitte am Stamme zu gießen sind. Man gieße vielmehr am Rande der Töpfe; dort befinden sich die frischen, jungen Saugwurzeln, welche insonderheit zur Aufnahme der Nahrung für die Pflanze befähigt sind. Erhalten dagegen die nach innen befindlichen älteren und schon außer Thätigkeit gesetzten Wurzeln einen Ueberschuß an Feuchtigkeit, so faulen sie und gefährden das Leben der Topfgewächse. Beim Einpflanzen derselben erhöhe man aus den angeführten Gründen die Erde um den Stamm herum.

Gisenvakn - 5uyrpln. llleveland, Qncinnati, Chicago öc St. Couis Railway.

C leveland D vifU a

New Aork Expreß tägl Andersonck BH'b'rExp... Muncie & FtWayne Exp p R s 6 B Lim täglich s... Clev k Benton Harbor Exp NSckBLim, tägl äs... Union City Acc tägl Knickerbocker Sp täglich ä k

Abgang . 4 40m . 6 45Bm . 7 2093m . 8 OONm .11 1093m . 2 55Vm . 4 4m s 6 25 -'im

St. L o u i t

Union City Accom tägl Elkhart Accom, nur Zonntgö Fort Wayne k Elk Expreß p Southwestern Ltd tgl äs.. .. St Louis Ltd tgl ä s B H'b'r Expreß p s Union City fc Clev Acc B H'b'r & Anderson Expreß. New Aork Gxpreh täglich New Aork Ltd tägl s Division.

Ankunft 9 25V 9 25V m 10 ZOB 11 30Bm 3 10 8 10 6 30N 8 15 10 ION 11 46

St Louiö Matt 7 20rn Southweftern Lim tgl d k 1 11 45Bm St Louiö Lim täglich pds. 3 25Nm Terre Haute k Mat'n Acc.. ö OONm N A & St. Louis Exp tägl..lO 40Nm St Louis Expreß tägl s 12 0593m Cincinnat Ein k LouS Rachtexvreß tgl s 3 45Bm St Lous & Cin Rachtexp tg g 4 30Bm Cincinnati Ezp tägl 8 7 30Bm Cincinnati Acc 10 45Vm Cincinnati F Expreß, tägl p 2 50m Louis F Expreß 2 50Nm Greensburg Accom 5 20Rm Cinc k Wash F L tg d 8 p 6 20m

WmMx rion t

New Sork Expreß täglich s.. 4 St. Louiö Expreß tägl 8.. .. 7 Mat'n k T Haute Acc 10 R S Boston Lim täglpds 2 St LouiS Mail 5 Knickerbocker Sp täglich 8 & d 6 i Division. Greensburg Acc 8 Cincinnati Acc täglich 11 Chic ckStL Expreß tg d s k pll Chicago Lous k StLExvreßll White City Spezial p 3 Eine fc Indianapolis Acc.. . 7 Cinc 3nd k St L Txpr tg 8 . . 11 Chic k Lou Nachlexpreß tg 8 11

Chicago Division.

Kankakee Accom 7 OOVm Chicago Fast Expreß tgl d p 11 50Bm White City Special 8 d & p. 3 30Rm LaFayette Accom 5 15m Chicago achtexvreß tägl 8. .12 05Bm

Mi chigan Benton Harbor Expreß 6 4555m Michigan Mail Expreß p. . .11 lOBm Elkhart Acc täglich 4 45Nm

Cinc achxvreß, tägl 8 3 Kankakee Äccom 10 Cinc Fast Expreß tägl p 6. . 2 La Fayette Accom 5 Cinc fc Wash F L., d 6c p.. 6 Division. Elkhart Accom nur Sonntags 9 Elkhart Expreß 10 Benton Harbor Expreß P . . . . 3 Michigan kz5kß 8

20Vm 40VM 35Bm 50N 35R lORm 45 00 40Vm 40B 25N 55Nm 509 40N 30V 30Bm 40N 15 10R 25V 30Vm 10R 15Rw

Peoria Div io n w e ft l ' Peoria Expreß k Mail 7 25Bm Columbuö fc .nc Exp tgl 8 3 30B Western Expreß täglich p d. .11 50Bm Champaign Accom 10 35B Champaign Accom 4 lONm N & k Ohio Special 2 40Rm Peoria Expreß täglich 8 U 50Nm Peoria Expreß täglich p k d 6 08R Peoria D i visi o n ö ft li ch. Columbuö Expreß tägl 6 00Vm Lynn Accom 10 15 Ohio Special tägl dp 3 00Nm Columbus Expreß tägl äp. .11 40V Lynn Accom 6 15Rm ColumbuS Expreß tägl s 10 30R pittsburgh, Cincinnati, Chlcago öc St. louts R'y.

3nd Eaftern Expreß täglich Columbus Accom Hast Expreß täglich sä... Bradford Accom Atlantic Expreß täglich 8 k Day Expreß täglich St L R s Lim täglich s Richmond Accom

i a n a p o l is Division. Abgang . 3 30Bm Schnellzug taglich 8 fcd.. . 7 30Bm Limited Mail täglich . 8 lOVm Richmond Accom . 1 25Nm St LouiS Exvr täglich d k d 3 05Nm Bradfsrd Accom . 5 OORm Western Expreß täglich 8. . . d 6 50Nm Nimmt keine Passagiere tgl- . 8 OONm Jnoianavolis Accom 8 b.. . hicago Division.

Ankunft . 6 30?i . 6 40$ru . 8 40 s 12 ION . 2 OONm . 3 20Nn - 8 SON . 1 40N

LouiSville Chic Exp tgl p d 11 35Bm Chic k Lou F Exvr täglich 8 3 20B Lou k Ehi F Exvr täglich s 12 05Bm Cbic k Lou Exvr täglich p d 3 40$ LouiSville Division.

Chicago k Louisv Svl tägl 8 Pitts öc Lou F L tägl 8 Mad Acc nur Sonnt LouiSv k Madison Accom. . Chicago k Leu F L täglich p d Madison Accom LouiSville Accom Madison Acc, nur Sonntag.

3 40Bm Louisv k Madison Acc.... 10 lOSPrr 7 OOBm Lou k Chic F L tägl p b.. . . 11 30V

LouiSville u. Madison Acc . 5 40Rn. Louisv k Pittsb F L täglich 8 6 35ra Madison Accomm SonntagS 9 15V Lou k Chi F Expl. täglich 11.50 Rcht

7 30Vm 8 05Vm 3 55Nm 3 55Nm 6 45Nm

6:45 Am vandalia kine.

Ankunft New Kork Expreß täglich 8.. 3 20 St LouiS Expreß täglich 8 50Vm Schneller Expreß täglich 8. . . 7 55m Terre Haute Effing Acctägl 10 25B Atlantic Expreß täglich d 8. . 2 50Nm Fast Lwe täglich 4 45N St L öc R S Lim täglich s fcd 6 30N

Abgang NK ck St L Sim täglich 8 k d 6 50m St Lsuis Expreß tägl 7 25m Essingham Acc, nur Sonntag 7 25Vm St LouiS Expreß d 8 12 15Rm Western Expreß tägllich d 8.. 3 30Nm T Haute k Essingham Acc . .4 45Rm Terre Haute Erpreß,Sonntag 7 loNm Nimmt keine Passagiere 8 35Nm

Nacht-Expreß, täglich, s 11 3091m Indianapolis 8c vincennes R. R. Cairo k Bincen Expr täglich 7 20m Spencer u FrenchLickAc, tägl. 9 45 Martinsv Accom 12 3091m BincenneS Expreß täglich . . 10 35L BincenneS Expreß 3 50Nm Martinsville Acc, tägl 3 45Nm SpencerkFrenchLick Ac, tägl. 4 45Nm Eairo Expreß täglich 6 15N Chicago, Indianapolis 8c Conisoilie R'y. (ZHonon Route.) Abgang Ankunft Chic Night Expreß täglich 8. .1? 55Vm Cincinnati Veft täglich 8 3 46B Fast Mail täglich 8 p 7 OOVm gast Mail täglich 8 7 50Va Chi Expreß nur Sonnt p d.ll 50Vm Monon Accom, täglich 10 OOVm Ehi k Mich City Veft d p.. 3 359im Cincinnati Best täglich dp.. 4 52N Monon Accom, täglich 4 OONm Cafe Crie 8c weftern R. R. Abgang Ankunft Mail und Expreß 7 15Vm Indianapolis Expreß täglich 10 26V T Det k M (5, Ex täglich.. 12 20Nrn Mail k Expreß 3 26 Laporte Acco nurSsnntagS.12 20Nm Toledo Expreß 10 26R Evening Expreß 7 25Nm Cincinnati, Hamilton 8c Dayton R. R. O. Abgang Ankunft Cincinnati Best täglich ak c 4 00m Cincinnati Vestibüle täglich e 12 45V tast Mail täglich 8 8 05Bm Faft Mail täglich 8 6 40 incinnati k Det Expr 10 40Bm Cin Chi k St L Ex tgl p. .11 45V Cin . k Dayton Best. Exp p 2 45Nm Cincinnati Veft dkp 3 25N Cincinnati Best täglich d p 5 OONm Cinc k Znd Accom 7 24 Cin k Detroit Expreß täglich 7 02Nm Cin 3nd St 8& Peo Ex tg scie 36 Weft.

Ankunft

Abgang Springfiel d Mail 8 0033m

Chicago Expreß 11 60V m

West Expreß täglich 8 k c. . 3 6553

Tuscola Accom 10 16V

TuScola Accom 3 30Nm Cincinnati Expreß 2 40 West Expreß täglich s & c.ll 10m Springfield Mail 4 50 Via C., H. D. Sitz. (West) und Roachdale.

Chicago Expreß ......... .11 60Vm Cincinnati Expreß 2 40

S bedeutet 31eeper. P. Prnrlrar O-. C Chair Cr. D. Di-.loe Car. R Büffet Cr

f