Indiana Tribüne, Volume 26, Number 233, Indianapolis, Marion County, 23 May 1903 — Page 7

Jndiana Tribüne, 234 Mai 1903.

PHHIIMMMMMIMIMM

Wer mrdirgcn ! Ein Zeitroman i Von Rewhold Grwttrnn 1 (Fortsetzung.) Ich danke kirnen, lieber zreun denn ich weiß, dan Sie mick nickt aus müßiger Neugier darnach fragen. Aber es beschämt mich beinahe, zu erfahren, daß ich ein so schlechter Schauspieler bin. Steht mir's denn gar so leserlich auf dem Gesicht geschrieben?" Auch wenn es Ihnen nicht auf dem Gesicht geschrieben stände, würde mir's vorhin Ihr bitteres Auflachen verrathen haben. Werden Sie mir zürnen, wenn ich ganz aufrichtig zu Ihnen spreche?" Nein gewiß nicht! Ich würde Ihnen vielmehr außerordentlich dankbar sein, wenn Sie mich davon überzeugen könnten, daß es noch aufrichtige Menschen auf Erden gibt. Hatte ich doch niemals so guten Grund, es zu bezweifeln, als gerode heute." Nun denn ich glaube die Ursache Ihrer Aufregung zu errathen. Ich wohne nicht in dem Hotel, das wir soeben verlassen haben: aber ich pflege mein Mittagsmahl dort einzunehmen. Und als ich es heute zu diesem Zweck betrat, begegnete mir eine Dme, deren Gesicht ich auf den ersten Blick erkannte, obwohl ich es nur ein einziges Mal in meinem Leben gesehen." Mit Ungestüm erfaßte Erich seine Hand. Dolly ? Sie sind ihr begegnet? Als sie im Begriff war, abzureisen? Und Sie sahen auch den Mann, in dessen Gesellschaft sie sich befand?" Ja,dieDame kam mit einem Herrn, den ich nicht kannte, die Treppe herab. Wollen Sie, daß ich Ihnen sein Aussehen beschreibe?" Es sollte mich im Grunde wenig kümmern, denn die Schicksale dieser Dame und ihre Beziehungen haben eigentlich aufgehört, mich zu interessiren. Aber ich habe da eine ganz bestimmte Vermuthung. Und nur um zu erfahren, ob sie mich nicht täuscht " Arvid Cederskjöld ersparte es ihm, den begonnenen Satz zu beenden. Er mußte ein scharfer Beobachter sein: denn aus der Beschreibung, die er von dem Begleiter Dollys entwarf, konnte sich Erich mit voller Sicherheit das Bild des seltsamen, unheimlichen Menschen konstruiren, den er zweimal bei seiner Abreise von Berlin bemerkt und dann hier in Hamburg wiedergesehen hatte. Es war kein Zweifel, daß der Mann jeden seiner Schritte belauert hatte, und daß er ihm gefolgt war, um diese räthselhafte Entführung in Szene zu setzen. Es ist. wie ich vermuthet hatte," sagte er mit erheucheltem Gleichmuth. Und weiter? Haben Sie noch etwas Weiteres beobachtet, Herr Cederskjöld?" Ich würde mich unter anderen Umständen gewiß nicht um das Paar gekümmert haben. Und Sie müssen mich nicht für übertrieben neugierig halten, wenn es jetzt den Anschein gewinnt, als ob ich sie förmlich belauscht hätte. Aber die Ereignisse jener unglücklichen Nacht in Ihrem Berliner Atelier haben sich meinem Gedächtniß so unauslöschlich eingeprägt, daß alles, was mit jenen Vorgängen in irgend einem Zusammenhange steht, für mich von ganz besonderer Bedeutung ist. Und die schöne junge Dame war ja dieselbe, die damals so unzweideutig kundgegeben hatte, daß sie" Ich weiß, was 'ie sagen wollen," fiel Erich ein. Aber lassen Sie uns, bitte, nicht von jener Nacht und ihren Vorgängen sprechen. Das ist ein für allemal abgethan und vergessen nicht wahr? Jetzt handelt sich's um das Heute. War sie heiter oder niedergeschlagen? Hörten Sie, was Sie zu ihrem Begleiter sprach?" Nein! Ich war beiseite getreten, um nicht von ihr erkannt zu werden, da ich glaubte, daß die Begegnung ihr aus irgend einem Grunde Verlegenheit bereiten könnte. Aber ehe sie beim Bctreten des Vestibüle ihren Schleier über das Gesicht herabzog, gewahrte ich, daß sie sehr bleich war und sich in einer nichts weniger als fröhlichen Stimmung zu befinden schien. Und dann hörte ich sie Ihren Namen nennen!" Meinen Namen?" fragte Erich, der immer weniger im Stande war, seine fieberhafte Spannung zu verbergen. Gegen wen?" Gegen einen Angestellten des Hotels, dem sie einen Brief übergab mit der wiederholten eindringlichen Zeisung, ihn keinem anderen als Herrn von Brunneck persönlich auszuhändigen, wenn er am Abend wiederkommen und nach ihr fragen würde." Haben Sie mir nicht noch mehr zu sagen?" fragte Erich, auf's Höchste erregt. Nein, es ist alles! Die Beiden be stiegen den draußen wartenden Wagen und fuhren davon." Und mit dem Scharssinn des Dichter's reimten Sie sich dann daraus den ganzen Roman zusammen?" O nein! Aber ich wußte nun, daß Sie im Verlauf des Abends in das Hotel kommen würden. Und da ich lebhaftes Verlangen trug, Sie wieder zusehen, beschloß ich, auf Sie zu warten. Ich konnte Sie durch die Glas-

OOOGGVOVchHchHZSchGGGGGGGZ

thür des Lesezimmers beobachten, als Sie mit dem Hoteldirektcr sprachen. Aber ich aab meine Absicht. Sie soaleick zu begrüßen, auf, als ich Sie so verstörten Antlitzes mit dem Briefe eintreten sah. U:ld ich würde mir auch späte? nicht herausgenommen haben. Sie zu stören, wenn nun. wenn mich nicht Ihr Verhalten auf den Gedanken gebracht hät:e. daß Sie vielleicht gerade Heu e eines aufrichtigen Freundes bedürfen könnten." Erich mußte es sich versagen, ihm sogleich zu antworten, denn sie hatten das Ziel ihrer Fahrt erreicht. Jetzt aber dachte er nicht mehr daran, sich von dem Bel'iter. dessen Gesellschaft ihm vorhin so lästig gewesen war, zu trennen. Sie haben es sich selbst zuzuschreiben, Herr Ccderskjöld." sagte er, wenn ich Sie jetzt bitte, mir den Rest des Abends zu schenken. Aber ich kann Ihnen leider nicht versprechen, daß es ein vergnüglicher Abend sein wird." Sie rer!i?en die Droschke, und nachdem Erich den Pförtner angewiesen hatte, die Packete bis auf Weiteres in seiner Loge aufzubewahren, begaben sie sich in das von ihm bewohnte Zimmer hinauf. Hier erst nahm Erich von Brünne beide Hände des Schweden und sagte mit einer Stimme, die in mühsam verhaltener innerer Bewegung zittene: Sie hacen mir mit Ihrer Theilnähme eine Wohlthat erwiesen, für die ich ewig Ihr Schuldner bleiben werde. Aber Sie sollen mich nicht für einen armseligen Narren halten, den allein ein Weib dahin bringen konnte, wo Sie mich heute gesehen haben. Und wenn es Sie nicht ermüde, die Beichte eines Thoren zu empfanden, so lassen Sie mich Ihnen die ganze Geschichte eines verfehlten Lebens erzählen, das, wie es scheint, nunmehr glücklich bis zum Anfang seines letzten Kapitels gelangt ist." Was er bisher keinem lebenden Wesen anvertraut hatte, was er sich selber nur zögernd und widerwillig in seinen einsamen S:unden eingestanden, jetzt redete sich's Erich gegen diesen Mann, der ihm noch vor Kurzem fast ein Fremder gewesen war, ohne Rückhalt und mit schonungsloser Selbstverurtheilung vom Herzen. Und Arvid Cederfkjöld war ihm der geduldigste, der theilnahmsvollste und zartfühlendste Zuhörer, den er hätte finden können. Jedes Wort, mit dem er ihn unterbrach, war eine Ermuthiaung, denn es offenbarte jenes feinsinnige Verständniß, das alles begreift und alles verzeiht, weil es einer engen, seelischen Verwandtschaft entspringt. Wenn Erich vielleicht im Beginn seiner Erzählung noch in Versuchung gewesen war, manches zu entschuldigen und in einem für ihn günstigerem Lichte darzustellen, so ließ das Verhalten des Schweden ihn diese Versuchung sehr bald überwinden. Und sein Bericht wurde wirklich zu einer Beichte, wie er sie vor keinem Priester wahrhaftiger und aufrichtiger hätte ablegen können. Als er geendet, sagte Arvid Cederskjöld in seiner ruhig herzlichen Weise: Sie waren in der That beklagenswerth, Herr von Brunneck, denn Sie haben in Ketten gelegen Ihr Leben lang. Nun aber sind Sie frei, und Sie dürfen alle Enttäuschungen der Aeigangenheit segnen, wenn sie Ihnen dazu verholfen haben, jetzt den rechten Gebrauch von Ihrer Freiheit zu machen." Ah eine herrliche Freiheit!" rief Erich, der sich erhoben hatte, um im Zimmer auf und ab zu gehen. Die Freiheit eines Landstreichers, für den cs nirgends einen Platz gibt in der brauchbaren menschlichen Gesellschaft." Das sagen Sie. wie ich hoffe, nicht im Ernst! Für ernstes Wollen und rechtschaffenes Streben ist da noch immer ein Platz gewesen. Thun Sie alle unfruchtbare Bitterkeit von sich ab and allen thörichten Zweifel an der eigenen Kraft. Tann brauchen Sie sich nur umzuschauen und zuzugreifen, um das Rechte zu finden." Und das Weib, um dessentwillen ick alle Brücken hinter mir abgebrochen? Soll ich es einfach jenem Unbekannten überlassen?" Das ist eine Frage, auf die nur Ihr eigenes Herz Ihnen antworten kann." sagte Cederskjöld nach einen. Zögern, das in auffälligem Gegensatz stand zu der ruhigrn Bestimmtheit seiner bisherigen Aeußerungen. Als Ihr Freund würde ich Ihnen natürlich rathen, es zu thun und diese unerfreuliche Episode Ihres Lebens ein für allemal als abgethan zu betrachten. Aber ich weiß sehr wohl, daß Sie diesen Rath nicht befolgen werden, und daß Sie ihn auch gar nicht befolgen können, wenn es eine liefe und wahre Neigung gewesen ist. die Sie für jene Dame gehegt haben." Nun denn ich verpflichte mich in dieser Stunde. Ihren Freundesrath zu befolgen. Ob ich Dolly jemals wahrhaft geliebt habe ich weiß es nicht. Aber ich weiß, b es nicht mehr Liebe ist, was ich in diesem Augenblick für sie empfinde. Nennen Sie mich einen Schwächling, wenr ich noch ein. mal" Leicht legte Arvid Cederskjöld die Hand auf seinen Arm, um ihn am Ausreden zu hindern. Nicht dies ist die rechte Stunde, Herr von Brunneck. solche Äelconme abzulegen. Das menschliche Herz ist ein launisches, unberechenbares Ding. Und mit einem Zucken nrft es nur pß oft unsere festesten Vorsätze in Trümmer. Wohl Ihnen, wenn eS sich ver-

,nu, iuie Sie in diesem Augenblick

glauben. Ihre Ehre aber sollen Sie nicht dafür einsetzen, so lange ich es zu hindern vermag." Dieser nachdrückliche Einspruch war die erste befremdliche Seltsamkeit, die Erich in dem Wesen des neu gewönnenen Freundes auffiel. Aber cr duldete ihn willig, und sie berührten in ihren weiteren Gesprächen diesen Gegenstand nicht mehr. Als die zehnte Stunde herangekommen war, zeigte Cederskjöld eine gewisse Unruhe und blickte wiederholt auf die Uhr. Erich, dem diese Anzeichen einer stetig wachsenden Ungeduld nicht entgangen waren, fragte ihn geradezu, ob er noch etwas vorhabe. Und nach einem verlegenen Räuspern erwiderte der Schwede, daß er um diese Zeit allabendlich einen kleinen Spaziergang zu machen pflege, und daß er in mancher Hinsicht ein bedauernswerther Sklave feiner Gewohnheiten sei. ' Da ihm gar nicht der Verdacht kam, daß diese Erklärung nur eine Ausflucht sein könnte, bat Erich um die Erlaubniß, ihn auf dem Spazicrgange begleiten zu dürfen. Und liebenswürdig, wenn auch etwas zaudernd, stimmte Arvid Cederskjöld zu. Sie hatten einander während der letzten Stunden so viel und so ErnstHaftes gesagt, daß sich jetzt bei Beiden eine gewisse Erschöpfung fühlbar machte, und sie schritten in ziemlich einsilbigem Gespräch durch den trüben, nebeligen Winterabend dahin. Sie waren durch die engen, winkeligen Straßen der inneren Stadt allgemach bis in die Vorstadt Sankt Pauli gelangt und bogen nun in den breiten Spielbudenplatz ein, eine lange Häuserreihe. deren jedes ein Theater, ein Restaurant oder irgend eine andere Vergnügungsstätte aufzuweisen hat. Die Mehrzahl der kleinen Musentemvel, die durchweg auf die sehr bescheidenen Kunstbedürfnisse der unbemittelten Stände eingerichtet sind, hatte eben ihre Vorstellung beendet, und in breitem Strom fluthete lachend und schwatzend, hier und da auch noch den Refrain eines eben gehörten Gassenhauers trillernd, die Menge der Zuschauer auf die Straße heraus. Erich, der nicht recht begriff, weshalb sein Begleiter ihn gerade hierher in das unbequeme Menschengewühl geführt hatte, fühlte, wie Arvid Cederskjöld, dessen Züge einen Ausdruck eigenthümlicher Spannung angenommen hatten, seine Gangart plötzlich beschleunigte und sich mit einer Rücksichtslosigkeit, die seinem sonstigen Wesen wenig entsprach, einen Weg durch die Schaar der ihm Entgegenkommenden brach. Er hatte fast Mühe, an seiner Seite zu bleiben. Und sein Erstaunen wuchs, als der Schwede nun mit einem Male seinen Arm erfaßte und ihn in den offenen Eingang eines Bierlokales zog. Entschuldigen Sie es ist nur für einen Augenblick!" hörte er ihn hastig und verlegen flüstern. Ich will nicht, daß sie mich sieht." Erich gewahrte, daß sie sich unmittelbar neben einem Gebäude befanden, welches an der hell erleuchteten Vorderfront in großen Buchstaben die Aufschrift Central-Theater" trug. Hier schien die Vorstellung schon vor einiger Zeit zu Ende zu sein; denn es kamen nur noch vereinzelte Nachzügler heraus, und man schickte sich eben an, den großen Hauptausgang zu schließen. Arvid Cedcrskjölds Augen aber waren auch nicht auf diesen, sondern auf eine kleine Seitenpforte gerichtet, die wohl die Thür der Schauspieler sein mochte, denndie Damen und Herren, die in zewinen Zwischenräumen einzeln oder zu zweien und dreien daraus zum Vorschein kamen, zeigten in Kleidung und Aussehen ganz unverkennbar den charakteristischen Typus des Theatervölkchens. Wohl fünf Minuten schon hatte Erich neben dem Schweden auf seinem sonderbaren Beobachtungsposten ausgeharrt, ohne irgend eine Aufklärung zu erhalten, als Arvid Cederskjöld abermals seine Schulter faßte und ihn noch etwas tiefer in die Dunkelheit der Thürnische hineinzog. Es war nur natürlich, daß Erichs Augen der Richtung seines Blickes folgten. Und nun hatte er mit einem Male alles begriffen. Die zierliche, kaum mittelgroße weibliche Gestalt, die da mit raschem Schritt aus dem Künstlerpförtchen auf die Straße hinaustrat, konnte nur Signe Cederskjöld sein. Er erkannte sie an ihrer Haltung, an ihrer auffallend graziösen und leichtfüßigen Art zu gehen, und nun, da sie zufällig das Köpfchen ein wenig gegen ihren Standort hin wendete, auch an ihrem Gesicht. Wohl fand er, daß sie viel schlanker geworden war, seitdem er sie zum letztenmal gesehen, und daß die müden, verhärmten Züge, die sich inzwischen in ihr Antlitz eingezeichnet hatten, ihm all' seinen einstigen Reiz genommen. Aber es konnte schließlich auch die unsichere Beleuchtung gewesen sein, die ihn darüber getäuscht hatte, und zu eingehender Beobachtung war ihm keine Zeit gegeben. Die junge Schauspielerin, die den höflichen Gruß eines ihr nachfolgenden Kollegen auf sehr gemessene Weise erwidert hatte, war zwar fast unmittelbar an ihnen vorübergegangen, aber sie hatte sie offenbar nicht gesehen, da ihre Aufmerksamkeit allein dem schwerfällig heranrasselnden Altonaer Omnibus gegolten hatte, in dessen Jnnerm sie gleich darauf verschwand. Der Blick des Schweden folgte dem

plumpen Gefährt, bis es ihm in dem Wagengewüh! entschwunden wardann erst kehrte er sich wieder gegen seinen Begleiter. Verzeihen Sie, Herr von Brunncck aber wenn Sie die Dame erkannt haben sollten, werden Sie auch verstehen, weshalb ich von ihr nicht bemerkt zu werden wünschte." Aber Erich verstand noch viel mehr. Die vorige Aeußerung seines neugewonnenen Freundes über die unberechenbaren Launen des rebellischen Menschenherzens die Entschiedenheit, mit der er ihn daran gehindert hatte, irgend ein für alle Zukunft bindendes Gelübde in Bezug auf Dolly abzulegen sie hatten für ihn nicht länger etwas Befremdliches. Ohne Zweifel war dies Vorstadttheater auf dem Spielbudenplatz in Sankt Pauli allabendlich das Ziel von Arvid Cederskjölds Spaziergang, und wahrscheinlich stand er Tag für Tag auf dem nämlichen Beobachtungsposten, um wenigstens für eine flüchtige Sekunde den Anblick der Frau zu erhäschen, die ihm den bittersten Schmerz seines Lebens zugefügt, und von der sein thörichtes Herz sich doch noch immer nicht loszureißen vermochte. Erich nickte stumm; denn er wußte nicht, was er ihm hätte antworten sollen, und sein Gefährte hatte wohl auch keine Antwort erwartet. Er fühlte sich offenbar beschämt, daß der Andere zum Mitwisser seiner Schwäche geworden war, und er mochte es wohl dankbar empfinden, daß Erich ihm seine Gesellschaft nicht länger aufnöthigte. Aber als sie einander ein paar Minuten später die Hand zum Abschied drückten, sagte er mit all' der warmen Herzlichkeit, die ihm Vrunnecks Vertrauen so schnell und so rückhaltlos geWonnen hatte: Jch suche Sie n.orgen früh in Ihrem Hotel auf, und ich erwarte, daß Sie vorher weder etwas unternehmen noch irgend welche unwiderruflichen Entschlüsse fassen werden. Ich bin vielleicht in der Lage, Ihnen einen annehmbaren Vorschlag zu machen; aber ich meine, daß wir Beide morgen besser als heute in der Stimmung sein werden. ihn in Erwägung zu ziehen." Erich versprach ihm, was er verlangt hatte, und sie trennten sich mit dem Bewußtsein, daß diese letzten Stunden ein unzerreißbares Freundschaftsband zwischen ihnen geknüpft hatten. 24. Kapitel. enn Gabor Sarlo gefürchtet &7 hatte, daß seine junge Frau ihm am Tage noch der Imgart'schen Soiree Vorwürfe machen oder daß sie mit ihm schmollen würde, so durfte er sich bald überzeugen, daß die Besorgniß eine grundlose gewesen war. In dem Benehmen Helenens gegen ihn zeigte sich vielmehr während der nächsten -Tage kaum eine Veränderung abgesehen davon, daß sie vielleicht noch etwas geflissentlicher als zuvor darauf bedacht war, jedem längeren ehelichen Alleinsein aus dem Wege zu gehen, und daß sie bei solchen Gelegenheiten Fragen wie Antworten stets auf das unumgänglich Nothwendige beschränkte. Der Ton aber, in dem sie dieses Wenige mit ihm sprach, blieb immer gleich ruhig und freundlich. Mit keiner Silbe kam sie auf das an jenem Abend berührte Thema zurück. Und Gabor hätte mit dem herrschenden Zustande ganz wohl zufrieden sein können, wenn es in seiner Seele ebenso still und ruhig ausgesehen hätte, wie jedem unbefangenen Beobachter sein häusliches Leben erscheinen mußte. Aber es wollte ihm durchaus nicht gelingen, mit sich selber in's Reine zu kommen über das, was nach Ablauf der von Hertha gestellten Frist geschehen würde. Wenn es ihm in dem einen Augenblick ganz unzweifelhaft dünkte, daß er ihr hochherziges Anerbieten annehmen müsse, und wenn seine Phantasie ihm die herrlichsten Zukunftsbilder vorgaukelte, so kamen ihm vielleicht schon in der nächsten Stunde wieder schwere Zweifel und Bedenken. Und es hatte sogar Momente gegeben, wo er nur durch die Erinnerung an sein festes Versprechen abgehalten worden war, seinem jungen Weibe alles zu offenbaren und ihr die Entscheidung zu überlassen. Dazu kam, daß Herthas Benehmen ihn immer mehr verwirrte. Sie kam Tag für Tag in das Atelier, weil die nahe bevorstehende Vollendung ihres Porträts diese Sitzungen unbedingt nothwendig machte. Aber sie erschien niemals allein, obwohl Gabor sicher war. daß sie es bei ihrem souveränen Charakter ohne Weiteres gethan hätte, wenn ihr wirklich an einer ungestörten Aussprache unter vier Augen gelegen gewesen wäre. Statt ihrer Mutter, die beinahe jedesmal auf kürzere oder längere Zeit eingenickt war und die endlich das Amt einer Anstandsdame für gar zu ermüdend" erklärt hatte, brachte sie jetzt stets eine neu engagirte Gesellschafterin mit, eine junge Engländerin, die von so passiver Natur war und sich jedem Wunsch ihrer launenhaften Herrin so willfährig zeigte, daß es sicherlich nur eines Winkes bedurft hätte, um sie blind und taub zu machen für alles, was in ihrer Geqenwart aeschab. (Fortsetzung folgt.)

Schwerere Schneefälle, als seit 25 Jahren, waren im heurigen Winter auf den inneren Höhenzügen des Himalaya-Gebirges. an der Grenze Vamirs, zu verzeichnen.

Tas Schwinden der britischen Obmaekt zur See. Die Schwäche deo britischen Heeres wurde in dem mehrjährigen Kriege gegen die Buren offenkundig und neuerdings auch durch die Unbehülfichkeit und Langsamkit der englischen Kriegführung gegen den sogenannten tollen Mullah". Aber auch in der Seemacht des Jnselreiches soll nicht Alles in bester Ordnung sein. Kein Geringerer als der Admiral Lord Beresford hat das offen zur Sprache gebracht: weil er meint, daß nur dadurch dem Schiendrian im britischen Marine-Ministc-rium ein Ende gemacht werden kann. England hat so lange die Meere beherrscht, daß man schließlich in London glaubte, die britische Ueberlegcnheit zur See könne gar nicht erschüttert werden. Und auf diese Uebermacht bauend, nahm sich John Bull Dinge heraus, die allmälig alle anderen Völker gegen ihn erbitterten. Hat doch erst vor etlichen Tagen der britische Minister des Auswärtigen, Lord Lansdowne, im Parlament erklärt, jeder Versuch irgend einer Macht, am persischen Golf eine Flottenstation oder Befestigungen anzulegen, würde von England als eine Kriegserklärung erachte: werden. Diese Erklärung soll in Großbritannien allgemeine Billigung gefunden haben. Wenn man bedenkt, daß Persien ein souveräner Staat ist, welchem es freisteht, anderen Mächten die Anlegung von Flottenstationen an seinen Küsten zu gestatten, so wird man die ganze Unverschämtheit jener Lansdowne'schen Erklärung ermessen können. Das fortwährend anmaßende Auftreten des auf seine Uebermacht zurSee pocbcnden Englands hat die anderen europäischen Großmächte veranlaßt, ihre Kriegsflotten sehr zu verstärken. Zwar hat Großbritannien dasselbe gethan: aber es scheint, auf die Dauer werde England nicht im Stande sein, in diesem Wettrüsten mit den anderen Mächten in dem Grade Schritt zu halten, daß seineFlotte denen seiner muthmaßlichen Gegner überlegen bleibt. Beim Beginn dieses Jahres besaßen an Schlachtschiffen, Panzerkreuzern und Torpedobooten:

Cchlacht, Pan,rr Tcrpkdo Schisse, krkuzcr. iPoote. 60 24 285 31 25 343 19 7 202 34 15 225

England Frankreich Deutschland Rußland Nach dieser Zusammenstellung wären Deutschland, Frankrich und Rußland, wenn sie sich gegen England vereinigten, der Flotte des letzteren schon jetzt überlegen, soweit diejenigen Schisfe in Frage kommen, die bei einer Seeschlacht den Ausschlag geben könnten. Denn ungepanzerte Fahrzeuge zählen da kaum mit. Auch in Hinsicht auf Seeoffiziere und Mannschaften steht Großbritannien gegenüber den anderen drei Mächten zurück, wie folgende Uebersicht zeigt: Offizirre. Mannschaften. England 5.112 98.730 Frankreich 1.926 43.400 Deutschland 1.200 32.500 Rußland 2.382 36.924 Nun ist es zwar unwahrscheinlich, daß sich Deutschland. Frankreich und Rußland gegen England verbünden werden; aber unmöglich ist das gegenüber dem herausfordernden Auftreten Großbritanniens doch nicht und die britischen Staatsmänner müssen immerhin mit dieser Möglichkeit rechnen; denn die Sicherheit bis Jnselreiches hängt von seiner dauernden Ueberlegenheit zur See ab. An dem nöthigen Gelde zum Bau vieler Schlachtschiffe fehlt es ja dem reichen England nicht; wennschon seine Finanzen durch den südafrikanischen Krieg einen schweren Stoß erlitten habcn. Die Engländer können, wenn sie wollen, mehr Kriegsschiffe bauen, als die andern genannten drei Mächte zusammen genommen. Aber die Schiffe müssen auch bemannt werden und an Seeleuten fehlt es der britischen Flotte schon jetzt. Vermöge der allgemeinen WehrPflicht können Frankreich, Rußland und Deutschland so viele Mannschaften für ihre Kriegsschiffe aufbringen, wie sie brauchen. Das Krämervolk der Engländer will sich aber zur allgemeinen Dienstpflicht durchaus nicbt bequemen. Wie das Krämervolk des Alterthums, die Kart )ager. wollen die Engländer nach wie vor ihre Schlachten mir geworbenen Söldnern schlagen und wie Karthago wird voraussichtlich auch Großbritannien an der Unlust seiner Bürger zum Waffenhandwerk zu Grunde gehen. Jetzt werden in London Stimmen laut, welche das Einstellen des Wettrüstens zur See empfehlen in der Hoffnung. daß dadurchEngland seineUebermacht zurSee mühelos behaupten kann; aber mit diesem Vorschlage werden die edeln Briten angesichts ihres jüngsten frechen Auftretens voraussichtlich kein Glück haben. Durch Elektrizität get ö d t e t. Ein gewisser Gilbert in Duluth. Minn., wollte vor Kurzem das elektrische Licht in seinem Zimmer andrehen. Hierbei kam er mit irgend einem nicht isolirten Draht in Berührung, und der elektrische Strom tödtete den Unglücklichen auf der Stelle. Seltenes Hohe5 Alter. In Wst Bay City, Mich., starb letzthin im Alter von 105 Jahren Louis Reep, der untrt Marschall Blücher im preußischen Heere 1815 d Schlacht bei Waterloo mitgemacht hatte.

Feuer - Signale.

4 Pennsylv und Kartet 5 English'SOpan-Ha'I 6 Saft und 5!- Dort 7 Noble und Michigan S N. Jersey u. Waff At g Pine und North 0 Mavtrt und Pme 11 Vermont nahe East 12 9ty. 8 Spritzenhaus Mass. Ave nahe Noble 13 Deaware und Walnut 14 &. Jersey u Central A. 15 Mass. und Eornell Av Ash und li. Straße :7 Park Ave und 12 Str .3 Columbia unkHillftd lö Highland Ave u. Pltt tl JllinoiS und St. I Pennsylv. und Pratt !4 Meridian und 11. Str 25 No.6Sprischaus i5. nah Jllin 26 Senate Ave u. EtSla 27 Illinois und Michigan 2? Pesywania und 14. 29 Senate Ave. und 18. 31 No. 1 Spritzenhaus Jnd AvenaheMichigan 32 Meridian und Walnut 34 California u Cemvnt 35 lake und New Kort 36 Ind. Av. u. St. Elair 37 City Hospital 53 Blake und Norch 39 Michigan und Agne 41 No. 6 Spritzenhaus Washington nah West 42 Gsendors u Wash. 43 Nlffouri u New Dort 45 Meridian u Wash 46 Illinois und Obio 47 Capitol Av. u Wash 48 mgan'S PorkhauS 4 Straßenbahn Stalle W. Waftington Str 61 Ro. i Spriyenhaus Illinois u Merrill 62 Illinois u Louifiana 53 Wen und South 64 West und McCarty 56 Senate Ave. u Hnry 67 Meridian und Rav 6 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Mor.-iS 59 Madiion Av. u Tunlop 1 No 2 Haken LeiterhauS South nah Delawar 2 Penn, u Merrill 63 Delawar u. McEarth 4 oft und Vrty 5 New Jersey .Merrill 7 Birg. v. u Bradsha 8 East und Prospekt 9 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus ir Ave. nahe Huron 72 East und Georgia 73 keda und Elm 74 Davidson u Georgia 75 English Av. u Pin 76 Shelby und Bäte 7? No. 3 Spritzenhaus Prospcct nahe Sbelby 79 Fletcher Av. u Ehelby l Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. 33 East u Washington 84 New Yort u. Davidsor 85 Taubstummen Anstalt 96 Vcr. Staaten Arsenal 7 Criental und Wash. 9 Frauen-Reormat. 91 No. iz Spritzenhaus Marvland nahe Mer. 92 Meridian u. Vcorqia. 93 Meridian und South 94 Pcnnsylv u. Louinana 95 Virqini? Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Dbk 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und 11. 126 Z)ndeS und 15. 127 Brookside und Jupiter 123 Central Av und 17. 129 Dclaware und 19. 131 Alabama und lt. 132 Bcttefontaine und V. 134 College Ave und 2. 135 Delawar und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 133 College Ave und 14. 13? Corncll Av und 13. 141 YandeS und 19. 142 Highland Ave und 10. 143 Tccumseh und 10. 145 New Jersey und 2. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus HiUstd Ave und 16. 148 College Ave und ti. 149 College Av und 27. 152 Park Ave und 2. 15 L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey Are und 10. 156 Stoughton u Newman 157 Atlas und Pike. 158 Blohd und Patrvaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood l2 Arden und Depot 163 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd i5 -t. Clair u. eystone 167 Arsenal Ave und 23. 168 Bellefontain und 8. 169 Part Av und 10. 219 Capital Ave und 17. 215 Pennsylv. u. Richiga 214 JllinmS und 20. 215 Senate Ave und tl. 216 Pennsvlvania und 22, 217 Meridian nd 16. 218 Capital Av und L. 219 Broadway und 10. 231 Illinois und Meiern. 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 30. 235 JllinoiS und 33. 230 Annctta und 30. 237 No. 9. Epri,knht Udell und Stauer 23 Xltul Ladder Wor 289 Jiabel und 27. 241 Meridian und 24. 242 ZlUnoiS u Et. Cl 24Z Eldridge und 23. SIS West uud Watnut S1Z West und 12. 314 Howard und 16. 315 Torbet und Paca 816 Capital Ave und n 317 Northwestern Ave u S13 Gent und 18. 31 Canal und 10. 824 Eerealine Wer 824 Vermont und Lynn S25 Bismarck u randwietr 826 No. 29 Spritzenhaus Haughville. 327 Michigan u. $elme, 328 Michigan u. Concortz 341 Weit und VcJntyr 412 Missouri u. Marvland 413 Missouri und Nbu 415 Eav'tl Ave .. ,eorgic, 416 Missour, u rntucky U. 417 Senate Ave . Wash. 421 P und E 9timtui W. Washington. 428 Jrren-Hospital. 424 Miley Ave u. I D u S? 425 Wash und HarriS 426 No. 1 Spritzenhaus W. Washington 427 Oliver und Birch 8 Oliver und Osgood 429 Nordvke und ? crt 431 Hadlev Ave u. MorriS 432 River Ave u. MorriS 484 River Ave und Ray 435 Harding u. Big 4 X ? 436 Harding und Oliv 487 Ro. 19 SpritzenbaZ Morris und Harding sraHrtM und WiZü 489 Stock, 451 Rnsner und Miller 452 Howard und See 453 MoreiS und apL 56 Lamdert nd Blnt 457 Nordyke Ave u. fccar men WorkS 512 West uud Ray 513 enwckh Ave u.err 614 Meridian und MorrD bis JllinoiS nd ans 517 Morris und Dakota 518 MorriS und durch 519 Capital A. u McCarty 621 Meridian und Palm, 523 Pine un', Lord 524 Madisor Ave u Lincoln 26 Meridian und Blt RR b27 CarloS und Ray 626 Meridian und Arizona 629 Meridian u. Ravmond 6S1 Meridian u. McCarty K32 No. 17 Spritzenhaus Morris nah Wen I McKernanund Dougy. 613 East u. Lincoln fcw 614 East und Beecder 615 Wright und Sander 617 McCarty und Beaty 618 New Jersey u Bir 712 Spruce und Prospekt fli Engllsh Ar, u. daurel 714 Sta Ave u. Belt N A 715 Shelby uud Beecher 716 State Are nd Orange 718 Orange und Laurel 7W Shelby u. Cuiaa AM 791 Lerington A. u Saurtl 728 Klcher Aveu.Sru 724 State Ave u. Pleasan 726 Prosrvtt und "leasar. 726 Orange und Harlav 728 Liberty und Meek 729 Nol,le nd South 81 No. 16 Spritzenhaus Ost Washington Stt 815 Market und Noble 814 Ohio u. Highland Av 815 Michigan u. Highlant 816 Market u Arsenal Av 817 Oft . lair und Union Bahn leise. 821 Pan Handle ShcpS 828 Vermont und WaKott 824 Wash. und State Atz. 825 Madden'sLounge KaK 826 Tker und Dorey 827 Wash. und eville Av 829 No. 12 St -itzenbau Beville nah Michig 881 Eoutheaster 9)c uns Woodsid. 832 Wash. und Dearbor, 884 Eoutheastern und Arsenal AveS. 885 New Kork und Demyk 912 JllinoiS und Varyl. 9i JllinoiS und Market. 914 Penn, nd Wssy, 915 Delawar nd , Spezial-Siznale. ersten t S ykg. zweiter Alarm, Z weiten 2 Schlag, dritter Alarm, Dritten 2 Schläge, vierter Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch aufgerollt. 3 Schlag, Wasserdruck ab. 12 Schlage. 12 Uhr Mittags. 0 Die so bezeichneten Signale werden nur vom Dhur wacht angegeben da an den betreffenden Straß? kreuzunge kine Alarmkoten angebracht find. Chicago und der große Nordweften 4 r UlaSka Hawaii Pdllivvlne Insekt. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. kW- Bon der Mono 47. Str. Station. Ehicags, nd 8 nur 5 Minuten mittelst elektrisier Ear ach den Union Biehdöseii Freiich Lick Springg, In betn Orange Eonnty Hochland. Familien-Hotel amn neuer eschäftöleituna. Pluto, Proserpine md Bowle Quellen. Bestes Mineralwaffe? der Seit. Zwei Züge täglich via Sree.ieastle. ricketOsneen : Union Slalion, Maffachusetl? Ave nd W West Washington Strafte. R. P.lg e,. Distrikt afl. Agent. Indianapolis, Jnd. . H. M cDoel, . H. o x e ll, Präs. und Sen. Mgr. Betkiedtlitei Frank I. Reed, en. Piff. aent. hicaao. Jll.