Indiana Tribüne, Volume 26, Number 230, Indianapolis, Marion County, 20 May 1903 — Page 7
Jndiana Tribüne, Mai 1903
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4 Wcr wird siegen ! I Ein Zeitroman -opon Reinlzold OrtTnann ' (Fortsetzung.) Es giebt da nämlich ein kleines Hinderniß, insofern als der große Dichter leider verheirathet ist. Ich kannte ihn und seine Frau schon zu der Zeit, da er noch weit davon entfernt war, der berühmte Ludwig Feldern zu sein, und da der Gerichtsvollzieher sehr viel häufiger bei ihm erschien als der Geldbriefträger. Damals wäre er vermuthlich elend zu Grunde gegangen, wenn nicht die kleine, tapfere Frau dagewesen wäre, um das schwanke Schifflein seines Lebens muthig an allen Klippen vorbei zu steuern. Ein Philister würde sagen, daß er ihr nicht weniger als alles zu danken hat, und daß er sie dafür bis an das Ende seines Lebens auf den Händen tragen müßte. Aber wir sind ja t)i.: glücklicherweise keine Gesellschaft von Philistern, sondern von frcidenkenden, Vorurtheilslosen Leuten. Und wir finden es darum ganz in der Ordnung, daß der große Feldern einer Gefährtin überdrüssig wird, die nur eben für den kleinen Feldern gut genug war. Jetzt, da er die Höhe gewonnen hat und mit einem Jahreseinkommen von Hunderttausenden rechnen darf, braucht er natürlich eine andere Frau als eine, die sich aufgezehrt hat im Kampf mit der Misere des Lebens. Jetzt braucht er nur noch eine Muse, die ihn inspirirt, eine Göttin, vor der er anbetend auf den Knieen liegen kann. Und wenn es eine Muse mit dreißigtausend Mark Rente sein kann um so besser! Nur kleingeistige und engherzige Pfahlbüraer können darin so etwas wie eine Schurkerei erblicken. Aber Sie hören mir nicht zu, Herr Sarlo meine Geschickte langweilt Sie?" ), durchaus nicht. Sie sagten, daß Herr Feldern " Daß er im Begriff ist, einen Schurkenstreich zu begehen nach philiströser Auffassung. Wir Dichter und Künstler denken darin selbstverständlich ganz anders. Wir haben ja den wunderschönen Begriff erfunden von dem Rechte der Persönlichkeit, sich auszuleben. Und damit haben wir die Rechtfertigung gefunden für alles, was uns auf Kosten unserer Nebenmenschen zu thun beliebt. Aber ich will Sie nicht länger aufhalten, Herr Sarlo! Mir scheint, daß Ihre schöne Muse sehnsüchtig nach Ihnen ausschaut." Damit war er wieder im Gewühl verschwunden; Gabor aber glaubte noch sein fatales, spöttisches Lachen zu vernehmen, und all' das berauschende Glücksgefühl, das ihn während der letzten Stunden erfüllt hatte, war mit einem Mal dahin. So ernst. Herr Sarlo?" hörte er im nächsten Augenblick Herthas weiche Stimme. Ist Ihnen etwas Unangenehmes widerfahren? Oder fangen Sie an, sich zu langweilen?Er protestirte natürlich gegen eine solche Vermuthung, und wenige Sekünden später wirbelte er wieder mit ihr im feurigen Tanze dahin. Aber es war nicht mehr dasselbe wie vorher; das fühlte Hertha mit sicherem weiblichem Instinkt, und sie schien entschlossen, der Ursache der Veränderung auf den Grund zu kommen. Ich sah, daß Sie sich mit dem Doktor Roberti unterhielten," sagte sie. Hat er Ihnen vielleicht eine seiner beliebten Bosheiten versetzt, daß Sie so arg verstimmt sind?" Und mit naiver Aufrichtigkeit erwiderte der junge Maler: Nein, er hat mir nur eine häßliche Klatschgeschichte erzählt, eine, die ich lieber nicht gehört hätte!" Und darf man fragen, wen sie betraf?" Ach, man sollte dergleichen nicht wiederholen. Wahrscheinlich ist ja auch gar nichts daran." Aber sie ließ nicht nach, in ihn zu drinT:, bis er ihr wiederholt hatte, was ihm von Robertis Erzählung im Gedächtniß geblieben war. Er hatte vielleicht erwartet, daß sie voll sittlicher Entrüstung die beiden Gäste gegen einen so schimpflichen Verdacht in Schutz nehmen würde. Aber sie that nichts dergleichen, sondern sagte vielmehr zu seiner Ueberraschung in eigenthümlich ernstem Ton : Was der hämische, kleine Doktor yonen oa zugerragen yar, tn oermurylieh vollkommen wahr. Zwei große und starke Naturen, die das Schicksal gleichsam von allem Anbeginn für einander bestimmt hatte, ringen da nach Vereinigung. Und ich hoffe, daß es ihnen gelingt, die Hindernisse zu überwinden, die sich der Verwirklichung ihrer Wünsche entgegenstellen." Gabor war ganz betroffen von der Ruhe und Bestimmtheit, mit der sie das sagte. Sie meinen also, daß Herr Feldern recht daran thäte, sich von seiner Frau scheiden zu lassen auch wenn sie ihm keinen Anlaß gegeben hat, sich über sie zu beklagen?" Sie macht ihn unglücklich durch ihr bloßes Dasein; weil er dies fremde Dasein, zu dem er kerne innere Beziehung mehr hat. wie einen Leichnam mit sich herum schleppen muß. Ist oas noch nicht Grund aenua.?"
Ijl sie denn von seinen Wünschen und von seinem Verbältnik zu wiener anderen, das doch ant uueu zu kennen und zu billigen scheint, nicht unterrichtet?" Sie müßte blind und taub umhergehen, wenn sie es nicht wäre. Aber sie will ihn nicht freigeben. Und es fehlt ihm, wie es scheint, an der rechten Energie, sich seine Freiheit zu erzwingen. Unter den Männern viel mehr als unter den Frauen sind ja die mitleidswürdigen Schwächlinge zu suchen, die sich ihr itbtn durch eigene Schuld verpfuschen, weil sie den Muth nicht aufbringen können, glücklich zu sein." Die Musik verstummte, und auch wenn Gabor auf ihre letzten Worte eine Erwiderung in Bereitschaft gehabt hätte, hätte sie unausgesprochen bleiben müssen, da eben einige junge Damen heranschwirrten, um sich von Hertha zu verabschieden. Und nun wurde der Aufbruch bald allgemein. Gabor fand keine Gelegenheit mehr, verstohlene Worte mit der Tochter des Gastgebers zu tauschen. t Ein Händedruck und ein nur für ihn 'vernehmliches, von einem bedeutsamen Lächeln begleitetes: Auf morgen also!" war alles, was ihm in dieser Nacht noch an Gunstbeweisen von ihr zu Theil wurde. Von einem nahen Kirchthurme schlug es Vier, als er in die Straße einbog, in der seine Wohnung lag. Und er hatte sich so fest vorgenominen, frühzeitig wieder daheim zu sein, weil er sich mit seiner Frau hatte versöhnen wollen! Wie seltsam, daß er während der ganzen Nacht nicht mehr daran gedacht hatte nickt ein einziges Mal! Wie hatte doch Hertha gesagt? Mitleidswürdige Schwächlinge, die sich ihr Leben durch eigene Schuld verpfusehen, weil sie den Muth nicht aufbringen können, glücklich zu sein! Ob sie vielleicht auch ihn im Verdacht hatte, einer dieser Schwächlinge zu sein? Und ob er nicht vielleicht in Wahrheit zu ihnen zählte? Je mehr er über ihre Worte grübelte, desto mehr wollte es ihn bedünken, als od sie nicht ohne eine ganz bestimmte Beziehung auf ihn gesprochen worden seien. Aber wenn es so war mein Gott, welcher Ausblick that sich dann vor ihm auf! War es möglich, daß Henha in der Freundschaft, die sie mit ihm verband, ein Seitenstück sah zu dem Roman, der sich da zwischen dem dramatischen Dichter und der geschiedenen Bankicrsgattin abspielte? Siedend heiß strömte ihm alles Blut zum Herzen, als seine Gedanken bis zu diesem Punkte gelangt waren. Er mußte seinen Hut lüften und seinen Ueberrock aufreißen trotz der schneidenden Kälte der Winternacht. Und obwohl er sicher war, daß Helene bereits in tiefem Schlafe lag, gewann er es nicht über sich, in diesem Zustande der Erregung, der sich seiner plötzlich bemächtigt hatte, seine Wohnung aufzusuchen. Vieroder fünfmal noch schritt er die Straße auf und nieder, ehe er sich wieder Herr geworden glaubte über den Sturm beunruhigcnder und unklarer Empfindüngen, der da mit elementarer Gewalt seine Seele durchbraust hatte. Er war jetzt voll Zorn über sich selbst, und fortwährend glaubte er die schrille, höhnische Stimme des Doktor Roberti zu hören, wie er ihm zurief: Ein Schurkenstreich nach der Auffassung der Philister! Wir aber sind eine Gesellschaft von freidenkenden, vorurtheilslosen Leuten." Nein, bei Gott auch wenn es wirklich das Glück war, das ihm da winkte nicht um solchen Preis wollte er es festhalten. Tausendmal eher wollte er alle ehrgeizigen Hoffnungen begraben, als daß er zum Schurken würde an seinem Weibe! Niemals war seine Seele voll besserer Vorsätze gewesen als jetzt, da er leise die Treppen emporstieg und geräuschlos die Entreethür öffnete, um Helenens Schlummer nicht zu stören. Die Thür zum Wohnzimmer war nur angelehnt, und durch den Spalt fiel ein heller Lichtschimmer auf den Vorplatz hinaus. Er schlich auf den Fußspitzen hinzu und warf einen spähenden Blick in das Gemach. Es war sicherlich nicht seine Schuld, daß ihn die hübsche Einrichtung, an der er noch vor wenig Monaten feinr helle Freude gehabt, dürftig und reizlos anmuthete nach all' der verschwenderischen Pracht und dem raffinirten Luxus, die ihn vorhin umgaben. Oder war es vielZeicht nicht so sehr die Einrichtung als das Bild, zu dem sie in diesem Augenblick den Rahmen gab? Denn Helene war nicht zur Ruhe gegangen, wie sie es auf seinen ausdrücklichen Wunsch sonst immer that, wenn er ohne sie eine Gesellschaft besuchte. Sie saß vielmehr vollständig angekleidet am Tische und er konnte nicht im Zweifel sein über die Ar: der Beschäftigung, der sie sich während seiner Abwesenheit hingegeben hatte. Sie hielt einen Strumpf in der Hand und ein mit Strümpfen gefülltes Körbchen stand vor ihr auf dem Tische. Wahrscheinlich hatte sie sich in der Erwartung seiner Rückkehr bis lange nach Mitternacht die Zeit mit Strümpfeuopfen verkürzt, um dann doch endlich von der Müdigkeit überwältigt zu werden. Denn sie war in den Stuhl zurückgelehnt und schlief jetzt; ihr Köpfchen war nach hinten gefunken, und die ruh' gen Athemzüae emer friedlich Schlunimernden hoben ihre Brust. Sie sah sehr hübsch aus, und Gabor hätte sich wahrlich keine bessere Gelegenheit für die beabsichtigte Versöhnung wünschen können, als s sich ihm da durch die Gunst des Zufalls bot. Er brauchte ja nur hin zu gehen
uno Helene mit einem zärtlichen Kuß i
aus dem Schlummer zu wecken, um ihrer Verzeihung gewiß zu sein. Aber um nichts in der Welt hätte er über sich vermocht, es zu thun. Wie lieblich auch vielleicht jedem andern das Bild dieser über ihrer Hausmütterlichen Beschäftigung vom Schlafe überraschten, rosigen jungen Frau erschienen wäre ihn muthete es an wie eine Allegorie der häuslichen und künstlerifchen Misere, in der er sein Talent und seine Schaffensfreude zu Grunde gehen fühlte. Sparen und erwerben, flicken 'Und Strümpfe stopfen das war es, was seine Frau unter den Pflichten einer Künstlersgattin verstand und was sie ewig darunter verstehen würde! Wenn er sie jetzt übervollen Herzens in seine Arme geschlossen hätte, sie wäre im Stande gewesen, ihn zu fragen, ob er vielleicht einen neuen Auftrag mit nach Hause bringe. Und darauf oder auf etwas dem Aehnliches durfte er es nicht ankommen lassen, wenn nicht dieser Augenblick von verhängnißvoller Bedeutung werden sollte für die ganze Zukunft seiner Ehe. So trat er nicht über die Schwelle, sondern suchte nach einem Mittel. Helene zu wecken und ihr seine Anwesenheit kund zu thun, ohne daß er ihr darum Auge in Auge hätte gegenüber treten müssen. Er begab sich in sein Atelier und warf die Thür desselben so heftig hinter sich zu, daß die Schlummernde dadurch nothwendig aufgeschreckt werden mußte. Dann zündete er die Gasflammen an. weil er ihr Zeit lassen wollte, sich zur Ruhe zu begeben, ehe er selbst das Schlafzimmer auffuchte. Aber die Viertelstunde, die er da zwischen seinen fertigen und angefangenen Porträts verbrachte, dieser schablonenhaften Dutzendwaare, deren Anblick ihm ein Gefühl tiefsten Widerwillens erzeugte sie war für das Glück seiner Ehe vielleicht verhängnißvoller, als irgend ein unbedachtes Wort der jungen Frau es hätte sein können. Unter all' diesen Arbeiten der letzten Monate, so weit sie sich noch in seinem Atelier befanden, war ia nur eine einzige, die er aus künstlerischem Empfinden heraus und mit wahrer künstlerischer Schaffensfreude begonnen Hertha Jmgarts Porträt. Und vor diesem bis auf einige unbedeutende Kleinigleiten vollendeten Bildniß stand er jetzt wie in andächtiger Verzückung, um noch einmal zu durchleben, was dieser Abend ihm an unvergeßlich seligen Augenblicken gebracht hatte. Vor dem Blick dieser gemalten Augen, deren Wiedergabe ihm fast über die eigene Erwartung hinaus gelungen war. zerstoben alle seine großen und edlen Vorsätze in leeres Nichts. Und wenn Helene jetzt auf den Gedanken gekommen wäre, ihn zu überraschen, würde ihr ein einziger Blick auf sein jenem Gemälde zugewandtes Antlitz offenbart haben, wie es um seine Empfindungen bestellt war. Aber sie war wohl zu stolz, ihn zu belauschen. Als er nach einer geraumen Weile das eheliche Schlafgemach betrat, sah er ihr blondes Köpfchen mit geschlossenen Augen auf dem Kissen ruhen, wie wenn sie bereits wieder fest :ingeschlafen wäre. Und er konnte sich entkleiden, ohne ein Wort mit ihr zu sprechen. Die Gefahr einer Auseinandersetzung, die in dieser Stunde vielleicht von unerwarteter Tragweite gewesen wäre, war also durch das von ihm gewählte Auskunftsmittel glücklich abgewendet. Aber während er nun bis gegen Tagesanbruch hin schlummerlos in die Dunkelheit starrte, umgaukelt von immer wechselnden, verführerisch lockenden Bildern, klang es ihm fast unablässig im Ohre nach, das bedeutsame Wort Herthas von den Schwächlingen, denen das Glück entschlüpft, weil sie den Muth nicht aufbringen können, es festzuhalten. 22. Kapitel. mim waren auch die letzten Vorbereitungen erledigt, und Erich von Brunneck hatte, wie er bei sich selber sagte, die Schiffe verbrannt, die ihm eine Rückkehr in das alte Leben ermöglicht hätten. Wie heftig auch Dolly unaufhörlich zur Eile gedrängt hatte, waren doch volle acht Tage vergangen, ehe er alles hinlänglich geordnet hatte, um die große Reife antreten zu können. Und er hatte sich damit einverstanden erklären müssen, daß seine Verlobte, der der Berliner Boden buchstäblich unter den Füßen zu brennen schien, seitdem der entscheidende Entschlun einmal aefoßt worden war, schon einige Tage vor ihm nach Hamburg fuhr. Auch einem anderen von ihr kundgegebenen Wunsche, der ihm an und für sich noch weniger sympathisch war. hatte er sich unter dem Zwang der Umstände fügen müssen. Dollv hatte ihm nämlich erklärt, daß sie aus Rücksicht auf ihre in Hamburg lebende Familie, mit der sie durchaus keine nochmalige Berührung zu haben wünsche, während des dortigen AufentHaltes nur unter einem falschen Namen in einem Hotel logiren könne. Und alle seine Einwendungen waren an der Beharrlichkeit gescheitert, mit der sie auf ihrem Willen bestand. Nach den Erkundigungen, die er eingezogen hatte, konnte auch in Helgoland die Trauung nur auf Grund von Ausweisen erfolgen, deren Beibringung man ihm als ganz unerläßlich bezeichnet hatte. Für seine eigene Person machte die Beschaffung der nöthigen Papiere allerdings nicht die gerinasten
Vchwterigke.ten. Dolly aber war über die Nothwendigkeit, sich mit derartigen Dokumenten zu versehen, sehr verstimmt gewesen, und hatte sein Erbieten, ihr zur Erlangung derselben behilflich zu sein, mit der Motivirung abgelehnt, daß ihre Familie leicht auf ihr Vorhaben aufmerksam werden könne, wenn sie etwa zufällig erführe, daß irgend ein Unbekannter auf solche Art um ihre Angelegenheiten bekümmert sei. Zur rechtenZeit werdm die Schriftstücke schon da sein," hatte sie ihn versichert. Und da er sie über die Wichtigkeit derselben ja nicht im Zweifel gelassen hatte, glaubte er sich mit dieser vollkommen zuversichtlich klingenden Erklärung begnügen zu können. Er hatte darauf verzichtet, sie zu dem Abendzuge, mit dem sie gefahren war, an die Bahn zu begleiten, weil alles vermieden werden sollte, was ihre Absicht vorzeitig verrathen könnte. Und er hatte die wenigen Tage, die ihm dann noch in Berlin verblieben waren, ausschließlich auf die Erledigung geschäftlicher und persönlicher Angelegenheilen verwendet, ohne irgend einem seiner alten Freunde und Bekannten, von denen keiner über sein Vorhaben unterrichtet war, einen Abschiedsbesuck zu machen. Wohl that es ihm leid, daß er nicht wenigstens Gabor Sarlo und seinem Schwiegervater zum letzten Lebewohl die Hand drücken konnte, und wohl kämpfte er lange mit der Versuchung, einen schriftlichen Scheidegrutz an Magda zu richten. Aber Dolly hatte seine feste Zusage, daß er nichts Derartiges thun würde, und er hielt sich verpflichtet, seinem Versprechen treu zu bleiben. Das Kapital, das ihm nach Erfüllung aller Verbindlichkeiten noch verblieb, war kleiner als er es vorausgesehen hatte, und er mußte sich sagen, daß die Aussichten für seine und Dollys Zukunft trübe genug seien, wenn es ihm nicht gelang, drüben in der neuen Welt bald eine sichere Existenz zu sinden. Aber es half ja zu nichts mehr, sich jetzt mit Sorgen zu plagen um das, was kommen würde. Es gab kein Zurück mehr, sondern nur noch ein unerbittliches Vorwärts und es galt, gleichsam mit geschlossenen Augen den Sprung in das Ungewisse zu thun. Erich kam sich vor, wie ein abenteuernder Glücksritter, als er an einem regnerischen Winterabend zum letzten Mal seine Berliner Wohnung verließ, um die unten harrende Droschke zu besteigen, die ihn zum Bahnhof bringen sollte. Während er dem Kutscher behilflich war. seinen Reisekoffer auf dem Bock unterzubringen, fiel sein Blick auf einen Vorübergehenden, der ihn seinerseits eigenthümlich scharf und lauernd zu beobachten schien. Es wur ein auffallend groß und breitschultrig gebauter Mann mit dunklen,seltsam glitzernden Augen, und Erich hatte auf der Stelle die sichere Empfindung, daß er diesen Menschen nicht zum ersten Mal in seinem Leben sah. Aber er vermochte sich nicht zu erinnern, wo und unter welchen Umständen er ihm begegnet sei. Und da der Unbekannte hastig weiter ging, hatte er ihn bald vergessen. Als er eine halbe Stunde später einen letzten Blick durch das Fenster seines Wagenabtheils auf den Bahnsteig warf, wollte es ihm scheinen, als wäre der hochgewachsene Mann, der in großer Eile an dem schon zur Abfahrt bereiten Zuge entlang lief, um sich noch im letzten Moment einen Platz zu sichern, derselbe, dessen scharf geschnitten? Züge vorhin seine Aufmerksamkeit erregt hatten. Aber er hielt diesen flüchtigen Eindruck für eine durch eine zufällige Ähnlichkeit hervorgerufene Täuschung, und seine Gedanken waren in diesen entscheidungsschweren Augenblicken zu sehr mit anderen, bedeutsameren Dingen befchäftigt, als daß er auf eine so nebensächliche Wahrnehmung hätte Gewicht legen sollen. Beim Morgengrauen traf er in Hamburg ein. Aber er nahm sein Quartier nicht in demselben Hotel, das Dolly gewählt hatte. Denn wenn schon diese heimliche Helgoländer Trauung sehr wenig den Vorstellungen entsprach, die er sich bisher von der Würde und Feierlichkeit einer Eheschließung gemacht, so würde er sich's vollends nimmermehr verziehen haben, wenn sein Verhalten während dieser fluchtartigen Reise die weibliche Ehre seiner Verlobten noch mehr kompromittirt hätte. Er hatte sie auch nicht von dem Zeitpunkt jemer Ankunft unterrichtet, um zu on hindern, daß sie ihn etwa cm Bah.rhof erwarte, und eine unerklärliche Scheu, eine Feigheit, die er nicht zu überwinden vermochte, wie sehr er sich auch ihrer schämte, hielt ihn ab, schon in der ersten schicklichen Morgenstunde zu ihr zu eilen. Es war fast Mittag geworden, als er fein Hotel verließ, um das ihrige aufzusuchen. An der Loge des Pförtners verweilte er einen Augenblick, um sich zu erkundigen, ob ihm etwa ein Brief oder ein Telegramm nach Harnbürg nachgesandt worden sei. Und in diesem Moment jetzt war es sicherlich keine Täuschung ging draußen vor der offenen Thür der sonderbare Unbekannte von gestern vorüber, ihn mit demselben funkelnden Blick betrachtend, der ihm zuerst die Empfindung erweckt hatte, daß es nur die Wiederholung einer früheren Begegnung sei, die er da erlebte. Auch jetzt wußte er sich nicht zu erinnern, wo diese Begegnung stattgefunden; aber er eilte, einem gebiete-
NMen Zwange folgend, aus die naye hinaus, um den Mann, der ihn allem Anschein nach geflissentlich verfolgte, schärfer in's Auge zu fassen, oder ihn, wenn es sich als möglich erwies, geradu zur Rede zu stellen. (Fortsetzung folgt.)
- Ein Bismarckbrnnne. Dem großen Kanzler, der SchleS-wig-Holstein up ewig ungedeelt" dem Deutschen Reiche vor fast vierzig Iahren wieder einverleibte, hat jetzt die dankbare Stadt Flensburg, deren Ehrenbürger Fürst Bismarck war, ein Denkmal in Gestalt einesBrunnens gesetzt, der dieser Tage auf dem Südermarkt enthüllt wurde. Das Bildwerk besteht in einem Sandsteinfelsen, auf dem eine Germania, mit Schwert und Der neue Bismarckbrunnen in Flensburg. Schild gerüstet, thront, indeß zu ihren Füßen ein Knabe das Reliefporträt des Kanzlers in einen Stein meißelt, aus dem nach dreiSeiten dasWasser in ein weites Brunnenbecken springt. Auf dem Rande des Beckens sind drei Tritonen angebracht; das Ganze baut sich auf einer mit schmiedeeisernem Geländer versehenen Treppenanlage auf. Schöpfer des Brunnens ist der Berliner Bildhauer Hellmuth Schievelkamp. Unter Backfischen. eys Lieschen (nachdem sie eine Orakelblume zerzupft hat, jubelnd): Er liebt mich!" Käthe: Wer ist denn der Er"?" Lieschen (traurig): Ach Gott Niemand!!" Ein Rausch und s eine Folgen.
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Alab. 9 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Are und Ohi 23 No. 16 Spritzenhaus i. und Ash. l24 Alabama und 1. 25 Central Ave und IL. 12 Hände und 15. 127 Brookfide und Jupiter 128 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und U. 132 Bellefontaine und W. 134 College Ave und 2. 135 Delawar und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 138 College Av und 14. 139 Cornell Av und 1. 141 Dandes und 19. 142 Highland Av und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey nd 22. 146 Aloord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hihsid Ave und 16. 148 College Ave und 22. 149 College Ave und 27. 152 Park Av und 2. 15? L E u. 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Ersten 2 Schlag, zweiter Alarm, Zweiten 2 Schlage, dritter Alarm, Dritten 2 Schlage, vierter Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch aufgerollt. 3 Schläge. Wasserdruck ab. 12 Schlag, 1 Uhr Mittags. Die so bezeichneten Signale werden nur vom Dhur Wächter angegeben da an den betreffend Euaye? Deutung kine Alarmkolci' anaebrt.cht Chicago und der grotze Nordwefte via 4 5 i "31 r laSka-Qawaii Vh'ltvvtne Insel. Bin tägliche Schnellzüge nach Chicago. fW Bon der Monon 7. Str. Station, ldicagr, find nur 5 Minuten mittelst elektrischer Cr nach den Union Biehdöfen rreuod Lick Spring, in dem Orange Eounty Hochland. Familien-Hotel unter neuer esastle:iung. Blut,. Srofetptac md Bowle Quelle. Beftes Mineralwasser der Gelt. Zwei Züge täglich via Sree.icastle. Ticket-Ofstcev : Union Station. Massachusetts Ave no 25 West ashinglon Strafte. R. V. I g r ,, Distrikt ass. Agent. Jndtaaooli. tafe. . H. Vk c D o e 1, T. H. o ek e 1 Bris, und Gen. War. Benik grank A. Reed, He. Vlff.Aye
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