Indiana Tribüne, Volume 26, Number 229, Indianapolis, Marion County, 19 May 1903 — Page 6
Judiana Tribüne, 19. Mai 1903
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Europäische Nachrichten. Sdenburg. Oldenburg. Das an der Molt kestr. 3 belegene Haus mit Garten der Frau Wwe. Brader ist durch Kauf in den Besitz des Herrn Oberlandesgerichtrath Fortmann übergegangen. Der Kaufpreis beträgt 23,000 Mk. V a r e l. In der gemeinschaftlichen Sitzung der städtischen Collegien wurde die Bilrgermeisterwahl vorgenommen. Regierungs - Assessor Jürgens wurde einstimmig gewählt. Vareler Hafen. Laut eingetroffener Meldunq ist die Tjalk Foelke, Capitän Heselmeyer, in der Nordsee gesunken. Von der Tjalk Harmine wurde die Mannschaft gerettet und in Bremerhaven gelandet. D e l m e n h o r st. Die Wahl des Bürgermeisters Koch zu Delmenhorst zum Bürgermeister in vom Großherzo?e bestätigt worden. (5 v ersten. Die in Eversten an der Chaussee von Oldenburg nach Edeivecht belegene Brinksitzerstelle des Herrn Karl Anton Friedrich Ohlenl usch ging durch Kauf in den Besitz des Gemeinde-Rechnungsführers Würbemann über. Hammelwarden. Der hiesige Kriegerverein blickt mit diesem Jahre auf ein 25jähriges Bestehen zurück und wird daher im Laufe des Sommers sein Jubiläum feiern. M a l e n t e. Der Großherzog hat dem Sekundaner Ernst Friedrich Robert Goos dahier die Verdienstmedaille für Rettung aus G.'sahr verlieI:cn. R a st e d e. Herr zur Windmühlen kaufte dieRastever Ziegelei zum Preise von 50,000 Mark. $tvcie töMc. Hamburg. Kapitän William Sebweer, langjähriger Führer des Postdampfers Tucuman", von der Habura-Südamcrikunischen Dampfschisffahrts - Gesellschaft, erhielt den Krcnenorden vierter Klasse. Auf eine 7,- Neubau in der Alsterdorfer Straße fiel der Mauerer Galster von einer Leiter aus der Höhe des zweiten Stockwerks und erlitt dabei so schwere Berletzungen, daß er starb. Auf eine 25jährige Thätigkeit in ihrem Berufe bliälen zurück: Eisenbahns:atios-As-sistent Ernst Lohmener, Schutzma Bohr, Bauführer I. H.. T. Krohn und Oberaufseher Wilhelm Soltau. Dr. P. G. Unna, der hervorragende hiesige Dermatologe, wurde zum Ehrenmitglied der Wiener Dermatolischen Gesellschaft ernannt. Kaufmann Heinrich Freund und die Firma E. Chr. H. Schild stellten ihre Zahlungen ein. Bremen. Regierungsassessor Petzet, Mitglied der Eisenbahndirektion Kottowitz, zur Zeit hier, wurde zu.n Eisenbahndirektor mit dem Range der Räthe vierter Klasse ernannt. Dem Vierten Officier des Lloyddampfers Rhein" Leo Lindes zu Bremenhaven ist die Rettungsmedaille am Bande verliehen worden. Im Alter von 7 Jahren starb hier der Steuereinnehmer i. V. F. H., L. Stahlmann. Wegen fahrlässiger Tödtung verurtheilte die Strafkammer den 27 Jahre altenMatrosen Franz Joseph Liß zu 6 Wochen öefängniß. Lübeck. Der Prokurist der Deutschen Lebens - Versicherungsgesellschaft hier, Rudolf Vermebren, blickte auf eine 50jährige Thätigkeit im Diensie der Gesellschaft zurück. - - Im Alter von 83 Jahren starb F. L. F. Lau, Mitiahadn der Zuckersiderei gleichen Namens. S?CtlXUM., Bern. Erster Staatsanwalt Dr. von Schultheß tritt in die Leitung der cywelzenscyen (ireDttanuair ein. Im Alter von 69 Jahren ist hier nach längerer Krankheit Oberrichter WilHelm Teuscher gestorben. F r a u e n f e l d. Es ist die Stickreifabrik in Eschlikon total niedergebrannt. G ! a r u s. Hier starb, 63 Jahre alt, Zeugschmied Michael Freuler. früher bekannt als trefflicher Schütze und als Mitbeweri. in der Gewehrconcu: renz. aus der s. Z. Vetterli als Sieger hervorging für die Bewaffnung der eidgenössischen Armee. L u z e r n. Das Criminalgericht verurtheilte den Arzt Dr. Rehfeld in Luzern wegen fahrlässiger Tödtung zu drei Mo.iaien Gefängniß, zu 8000 Franken Entschädigung an die Familie der verstorbenen Frau B. in Kriens und untersagt ihm für immer die Praxis im Kanton. N e ß l a u. Als die zur Inspektion einberufene Mannschaft de: Gemeinden Neßlau und Krummenau in Neu-St. Johann von der Käserei mit Packen beschäftigt war, blies der Föhn den Schornstein der Käserei um. wobei ein Soldat Scherrer von den Trümmern erschlagen wurde. Riehen. Zum Gemeinderath wählte man Heinrich Weißenberger. S t. I m m e r. Nach langer Krankheit ist Architekt und Grotzrath Fritz Rothacher gestorben. Der Verstorbene war Artillerieoberst. W e tz i k o n. Im Alter von 70 Iah ren verschied hier der Fabrikant Wil Helm Honegger. Zürich. Professor Dr. Friedrich Goll, von 1863 bis 1869 Direktor der hiesigen medizinischen Poliklinik und von 1887 bis 1900 Professor für Arzneimittellehre an der Universität hier, beging sein 50jähriges Doktor - Jubiläüm. In den Ruhestand trat der
Reliaionslehrer Pfarrer a. D. F
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Luxemburg. Lurembura. Dem Plafoniermeiner Welker und deinen Gesellen wurde sämmtliches Handwerkszeug aus seinen Ateliers an Merkerstraße gestohlen. K a y l. Der 50jährige Bergmann Georg Thiel wurde in einer Gallerie auf dem bei Kapl gelegenen Brucherberg durch herabfallendes Gestein i töd'tet. Limpertsberg. Ein der Wittwe Eyden gehörendes Wohnhaus ging durch Kauf in den Besitz des Herrn Dennemeyer, Archivar an der General - Einnahme, zum Preise von 30.000 Fr. über. L u l l i n g e n. In der Nacht entstand Feuer in der Behausung des Ackerers Küborn zu Lullingen. Scheu ne und Stallungen brannten vollständig nieder. Senningen. Es entstand Feuer in dem Wohnhaus des Arbeiters Streitz. Mit knapper Noth konnten die Möbel und das Vieh gerettet werden. S'rc'Vrnz J$vxtöentouvQ. Berlin. Der seit nahezu 50 Jahren im Dienst der hiesigen Corporation der Kaufmannschaft stehende Börsensekretär Freudemann trat in den Ruhestand Unter dem Verdacht des Kindesmordes ist hier die aus der Gegend von Landsberg a. W. gebärtige Dienstmagd Marie Spehr verhaftet worden. Erschossen hat sich in seiner in der Oranienstraße 47a gelegenen Wohnung der Rechtsanwalt Hugo Moseus. Die Gründe, die Moseus in den Tod getrieben haben, sind unglückliche Familienverhältnisse. Oberlehrer Herrmann vom Prinz Heinrich - Gymnasium hier ist im besten Mannesalter seiner erfolgreichen Lehrthätigkeit durch einen Herzschlag plötzlich entrissen worden. Tischlermeister Dietrich Müller, Stromstraße 43, beging das Jubelfest der 40jährigen Thätigkeit für die Stadt Berlin. Tapezierer Franz Nimmscholz, der in einem Laden der Belleallianzstraße eingebrochen und auf die Ladeninhabc?in und einen Schauspieler geschossen hatte, wurde wegen schweren Einbruchs und versuchten Todtschlags zu 12 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Unglückliche Liebe hat die Tochter Luise des Arbeiters König aus der Bärwaldstr. 3 in den Tod getrieben. Sie ertränkte sich im Landwehrcanal. Der 17jähr. Obersekundaner Fritz Krafft aus der Lothringerstraße No. 82a hat sich erschossen, weil er gegen seinen Willen Kaufmann werden sollte. Krankheit und Gram über den Tod seiner kürzlich verstorbenen Frau haben den 61 Jahre alten Rentner Otto Wischer in den Tod getrieben. Er erschoß sich in der Wohnung seines Sohnes. Gastwirth Deutschland, Grüner Weg 17, hat sickf infolge einer Auseinandersetzung mit seiner Frau in der Spree ertränkt. Die vortragenden Räthe im Reichsschatzamt, Ge Heimen Regierungsräthe Blau und Dombois, sind zu Geheimen Oberregierungsräthen ernannt. Das 50lährige Geschäftsjubiläum feierte die Spislwaaren- und Puppenfabrik von E. W. Matthes, Leipzigerstraße 115 116 Stadtältester Heinrich Kochhann ist nach längerem Leiden im 73. Lebensjahre hier gestorben. Der 20jährige Bankbeamte der Deutschen Jndustriewerke A.-G., Benno Neumann, der behufs Inkasso einesChecks über 600 Mark zu der Deutschen Genossenschaftsbank gesandt war, verschwand. Potsdam. Schausvielerin Weiß vom hiesigen Schauspielhause ist aus Verzweiflung über die Folgen eines Fehltrittes in den Tod gegangen. Hiermit hängt die plötzliche Abreise des Schauspielers Albert Köhler zufammen. Charlottenburg. Durch einen Schuß in die Schläfe hat sichProfessor Dr. phil. Robert Hirsch, wegen eines Rückenmarkleidens das Leben genommen. Frieden u. Der stellvertretende Gemeinde- und Amtsvorsteher, Schöffe Fchler, ist im 75. Lebensjahre an den Folgen einer Blinddarmentzündung verschieden. H e i l i g e n s e e. Die Kinder des Zimmermanns Stahnke hier, zwei Knaben im Alter von 6 und 4 Iahren, wurden in ihren Betten erstickt aufgefunden. In Abwesenheit der Mutter hatten sie mit Streichhölzern gespielt und die Betten dabei inBrand gesteckt. Durch den Rauch wurden die Nachbarn aufmerksam, leider zu spät, denn alle Wiederbelebungsversuche an den beiden Knaben waren fruchtlos. M i t t e n w a l d e. Wegen Störung einer kirchlichen Handlung wurde der Arbeiter Wilhelm Rieck hier zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt. Neu - Erbach. Hier entstand großes Feuer. Vier Wirthschaften mit Nebengebäuden, den Besitzern Scnkspiel, Geier und Moll gehörig, wurden eingeäschert. R a g ö s e n. Nach Unterschlagungen in Höhe von ca. 20,000 Mark hat sich der Kaufmann Rudolf Spielecke von hier freiwillig dem Gericht in Potsdam gestellt. R i x d o r f. Kaufmann Emil Leser und seine Braut Helene Stolzenbürg, beide von hier, haben sich in einem Hotel in Potsdam erschossen. S p a n d a u. Auf dem alten Nikolaikirchhof hier wurde eine unerhörte Grabschändung verübt. Ein Ero begräbnkß wurde erbrochen, daraus eine Frauenleiche hvorgeholt und an einem Baum in aufrechter Haltung aufgestellt.
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Ausland 9 W!' ! ! ! l ! l ! l -H4"l"i"fr Bestrafte Waghalsigkeit. Am Rheinfall bei Schaffhausen wollten unlängst einige junge Leute den kahlen Felsen des Falles überschreiten, als ein 15jähriges Mädchen ausglitt und in einer Gletschermühle versank. Die Rettungsversuche waren erfolglos. Be strafte? Knauser. Eine empfindliche Strafe verhängte dieser Tage die Strafkammer von Elberfeld, Rheinprovinz, über einen Händler, der ohne Fahrkarte mit der Eisenbahn von Elberscld nach Barmen gefahren war und dadurch den Eisenbabnfiskus betrogen hatte. Da der Händler schon wiederholt wegen geringer Unrcdlichkeiten bestraft worden war, erkannte di: Strafkammer auf einen Monat Gefängniß. Verhängnißvolle Exp l o s i o n. Beim Lösen eines Böllerschusses anläßlich eines Festes fiel jüngst dem Arbeiter Kurdziel in Placzo bei Chrzanow in Russisch-Polen ein Funke aus der Tabakspfeife in's Pulver. Eine Explosion entstand und Kurdziel, seine Frau und drei Kinder waren auf der Stelle todt, zwei andere Kinder wurden schrecklich verbrannt und verstärken auf dem Transport in's Spital. Ein benachbartes Wohnhaus stürzte ein. Jugendlicher Vervrech e r. Vor dem Landgerichte in Berlin hatte sich unlängst der zwölfjährige Volksschüler Alfred Patschke wegen Diebstahls. Brandstiftung und versuchten Mordes zu verantworten. Der Bengel hatte seine Eltern um deren ganze Ersparnisse bestoblen und ihnen dann die Wohnung über dem Kopfe angesteckt, um seine Thäterschaft zu verdecken, und zugleich wurde er beschuldigt, die Absicht gehabt zu haben, seine Eltern durch Ersticken um's Leben zu bringen. Der jugendliche Missethäter wurde zu vierjähriger Gefängnißstrafe verurtheilt und soll nach Abbüßrmg der Strafe in eine Fürsorgeanstalt gebracht m?rdn Nettes Früchtchen. In Frankfurt a. M. verhaftete die Polizei letzthin den erst 13 Jahre alten Jesko v. Puttkamer wegen Zechprellerei, welche er im dortigen Hotel Bristol begangen hatte. Das hoffnungsvolle Bürschlein ist der Sohn des Stettiner, früher Kieler Polizeipräsidenten v. Puttkamer. Trotz seines jugendlichen Alters gilt der Knabe als schwarzes Schaf der Familie. Es war bereits das zweite Mal, daß er dem elterlichen Hause entlaufen. Die Eltern setzten eine Belohnung von 300 Mark aus, und während überall nach ihm geforscht wurde, ließ er es sich im Hotel Bristol gut sein. Er ist körperlich weit über seine Jahre entwickelt und besitzt auch ein dementsprechendes zuverlässiges Auftreten, welches ihm die Ausführung der Prellerei ermöglichte. Weibliche Diebsbande. In St. Petersburg wurde neulich eine Anzahl junger, stark betrunkener Leute angehalten, welche lärmend die Straße durchzog. Bei der Polizei entpuppten sich die Angehaltenen als Angehörige des weiblichen Geschlechtes, und man fand zur noch größeren Ueberraschung der Polizeibeamten eine Unmenge Einbruchswerkzeuge bei denselben vor. Jetzt erst wurde die Polizei gewahr, daß ihr eine schon längst gesuchte Diebsbande in die Hände gefallen sei. I Dieser weiblichen Dicbsbande, die aus 18 Köpfen bestand, wurden mele verwegene Einbruchsdiebstähle nachgewiesen. Bei den Hausdurchsuchungen wurden Juwelen im Werthe von über 30,000 Rubel vorgefunden. Das Haupt der Diebsbande ist ein Mädchen von 17 Jahren. Opfertod eines Miss i o n ä r s. Die nordtirolische Kapuzinerordensp vinz erhielt kürzlich aus ihrer Hindumission Bettiah die Nachricht von einem gräßlichen Unglück. Im März wollte der Missionär P. Kosmas Glader, der seit 1892 in Bettiah weilte, den Berg Somefar, einen Ausläufer des Himalaya, besteigen, um dem dortigcn Missionsbruder Jeremias Raffeiner, einem cjebürtigen Südtiroler, Nahrungsmittel zu bringen. Unterwegs aber wurde Glader von Tigern überfallen und buchstäblich zerrissen. Man fand von ihm nur noch die Füße und den Rücken, welche in Bettiah bestattet wurden. Gloder war 40 Jahr alt, aus Kärnten gebürtig, 1883 in dcn Kapuzinerorden eingetreten und bis zu seiner Abreise nach Asien in Meran thätig. Lieber todt, als gefangen. Ein Brigant, Namens Panontsos, machte seit längerer Zeit die griechische Provinz Elis unsicher. Letzthin gelang es, ihn in einem vereinzelten Hause in dem Dorfe Amalias auszukundschaften und ihn einzuschließen. Es entspann sich ein Gefecht, das einem Soldaten und einem Bauer das Leben kostete. Schließlich gelang es, Feuer an das Haus zu legen. Um sich nicht ergeben zu müssen, erschoß sich nun der Eingeschlossene in dem brennenden Hause. Die Ursache, daß Panontsos ein Brigant wurde, war die Liebe. Er liebte ein schönes Mädchen in seinem Heimathdorfe, und als deren Bruder die Heirath der Beiden oerhinderte, erschoß er ihn, und entzog sich dann der Verhaftung durch die Flucht in die Berge.
Von drr Manolchurischkn ?ahn. Ler Bahul,os zu Harbin Teutsche als .Kaufleute und Bankbcamte. Ueber die Stationen, an der Mandschurischen Eisenbabn und den Einfluß der Teutschen in der wirtschaftlichen Erschließung Sibiriens schreibt ein Berichterstatter der Kölnischen Zcituug" unter Anderem Folgendes: Von allen Bahnhofsgebäuden, die dcr Reisende zwischen dem Gelben Meer und dem Baikalsee zu sehen bekommt, ist das von Charbin das merkwürdigste. Man sieht sich da zum ersten Male, seitdem man Port Arthur verlassen hat. vor einem großen Gebäude mit festgefügtem Unterbau aus Stein und starkem Tachstuhl. Die beiden riesigen Wartesäle für die verschiedenen Klassen von Reisenden fand ich in der grimmigkalten Nacht, in der ich Morgens um drei Uhr bungrig und durchfroren ankam, vollständig überfüllt mit Menschen aller Art. Soldaten, Arbeitern, chinesischen Händlern, uniformirten Beamten und ein- und ausströmenden Reisenden. Alle Tische und Bänke der Warteräume waren mit schlafenden Menschen bedeckt, die in ihren unförmlichen Pelzvermummungen höchft drollig aussahen. Neben triegsmäßig ausgerüsteten Kosaken, die in Mantel und Mütze, mit dem Gewehr im Arm und dem Tornister unter dem Kopf schliefen und schnarchten, lag zierlich zusammengerollt, mit kostbarem Zobelpelz bedeckt, die Frau irgend eines reisenden Offiziers, die sich das Gesicht mit einem seidenen Shawl bedea-t hatte, und neben ihr hatte sich ein Handelsjude ausgestreckt. Mit einem russischen Herrn zusammen sicherte ich mir noch den einzigen unbelegten Winkel des Fußbodens und schlug mir dort ein förmliches Zeltlager auf, eingekeilt zwischen die übelriechenden gewaltigen Stiefel schnarchender Soldaten. Mein Nachbar legte sich so, wie er war, in Pelz und Filzstiefeln, zum Schlafen nieder. Er war auf einer Station an der mongolischen Grenze in den Zug gestiegen und hatte mir erzählt, er komme von einer mehrjährigen Reise zurück, die ihn vor allem nach Abessinien und Indien geführt habe. Da er mit einem Freischein reiste, schien er mir im Auftrage der Regierung seine Reisen gemacht zu haben und einer jener seltsamen und geheimnißvollen Männer zu sein, die für die russischen Machthaber Beobachtungen in allen den Ländern anstellen und sammeln, in denen russischer Einfluß Aussicht hat, noch einmal eine Rolle zu spielen. Das Schönste für mich war am Bahnhof von Charbin der ungeh:re Ofen, der vielleicht 16 Fuß hoch war und von seinen gewaltigen Kacheln eine gleichmäßige Wärme ausstrahlte. Er war besonders für Heizung mit Holz eingerichtet, das vorläufig noch den billigsten Brennstoff für die Mandschurei darstellt. Vor diesem Ofen war ein mächtiger Schänktisch aufgebaut, der über und über mit den leckersten Dingen bedeckt war, die man sich für eine Sakuska (in Rußland übliche Vormahlzeit zur Anregung des Appetits vor Beginn eines Diners) wünschen kann. Neben ungesalzenem Kaviar sah man röthlich durchsichtigen Lachsroggen, appetitliche Brödchen mit geräuchertem Sterlet, Stör und Salm, mit Hering, Sardinen, Anchovis, rufsischen Eiern, Salaten und kaltem Braten jeder nur denkbaren Art und dazu ein paar Dutzend verschiedener Branntweine und Luxusgetränke, unter denen Weine vom Rhein und aus der Champagne nicht fehlten. Die Preise waren allerdings ebenso überraschend wie die Thatsache, daß man überhaupt so schlemmerhafte Dinge im Herzen der Mandschurei finden konnte. Denn meine Rechnung für eine allerdings ziemlich reichhaltige Sakuska mit darauffolgendem Wiener Schnitzel betrug mehr, als mich die ganze bisherige Reise von 596 englischen Meilen gekostet hatte. Ich machte auch kein Hehl aus meinem Erstaunen über die gepfefferten Preise und kam hierbei mit dem Wirth in ein Gespräch, in dessen Verlauf es sich herausstellte, daß er ein Münchner war, der eine Zeitlang in Sibirien Bier gebraut und dann von Transbaikalien aus die mandschurische Bahn als neues Erwerbsfeld in Angriff genommen hatte. Er erzählte mir von den außergewöhnlichen Erträgnissen, die ihm die Versorgung einiger Bahnhöfe bringe. Bei dieser Gelegenheit mag die Thatsache Erwähnung finden, daß in ganz Sibirien, vor allem im Osten, die bedeutendsten der vorhandenen Handelshäuser im Besitz von Deutschen sind. Selbst in einem so russischen Unternehmen, wie der russisch-chinesi-schen Bank, die ein Werk von höchster nationaler und politischer Bedeutung für Russisch-Ostasien ist, gibt es überraschend viele Deutsche. In Port Arthur ist sogar der Leiter der Bank ein Deutscher, und selbst in Petersburg ist der General-Direktor, der zugleich die Seele der mandschurischen Bahn ist. nicht nur deutschen Namens, sondern soaar nock deutscher Unterthan. Sm Eifer. Kunde: Hoffentlich ist der Wein gut, den Sie mir liefern werden?" Reisender: Ich garantrre, uber's Jahr sind Sie in der TrinkerHeilanstalt r In deutschen M a r i n e k r e isen verlautet, daß der Vizeadmiral Bendemann zum Nachfolger des Prinzen Heinrich in der Fikhrung des ersten Geschwaders ausersehen sei.
Wedel'S rtlürun. Der Brüsseler ..Petit Bleu"" verof. fcntlicht eine Unterredung, die einer Kinn Mitarbeiter mit dem in San Remo verhafteten Spion und ehcmaligen preußischen Leutnant Wessel g.habt hat. Wessel hat im Frühjahr' 1900 mit sc'incr damaligen Geliebten unv jetzigen Frau, Mathside Baumlcr. und dem Polen Przybcrowski in der Affaire Tomps - Fritsch. die in ihrer weiteren Entwickelung End? Mai desselben Jahres zum Rücktritt des Kriegs - Ministers Galliffet führ eine wichtige Rolle gespielt, über die er sich dem Brüsseler Journalisten genüber folgendermaßen ausließ: (?r. Wessel. stand mit Przyborowti ud Mathilde im Spionagedienste Frankreichs. Alle Drei warm cng niit Czernuski und dem Krakauer Militärbeamten Mosetig befreundet. Vor dem Prozeß in Rennes theilte Przyborowski ihm, Wessel. mit. daß Mosetig eine vollständige Liste der internationalen Spione besäße. Sogleich keimic bei dem Dreiblatt der Gedanke, diesen Umstand für den Prozeß von Rennes auszunutzen, und zwar entweder für Dreyfus oder gegen ihn, je nachdem von der einen oder anderen Seite mehr Geld gezahlt werden würde.. Przyborowski ließ sich die Spionenliste von Mosetig geben, und fand auf derselben die Namen Esterhazy und Guen,'e. Das Dreiblatt setzte nun den Namen Dreyfus hinzu und bediente sich C?ernuskis. der um die vorgenommene Veränderung nicht wußte, um die ergänzte Liste dem französischen Generalstabe anbieten zu lassen. Dieser glaubte wahrscheinlich an ihre Richtigket. wenigstens bezahlte er sie theuer. Die erbaltene Summe wurde zu gleichen Theilen unter die vier Spione vertheilt. Przyborowski hatte seinen Antheil bald vertrunken und verspielt, und versuchte nun Anfang 1900 sich dadurch neue Einnahmen zu verschaffen, daß er dem Kommissar Tomps anbot, gegen Zahlung einer gewissen Summe den Nachweis zu sühren. daß jene Liste gefälscht sei und Czernuski in Rennes einen Meineid geleistet habe. Gleichzeitig unternahm Przyborowski einen Erpressuua'-er-such gegen den Gcneralstab, der diese schriftlichen und mündlichen Fälschungen gegen Dreyfus benützt hatte, oweit Wessel. Der weitere Gang der Dinge ist bekannt. Tomps leistete zwar den Aufforderungen Przi,borowskis zu persönlichen Zusamn:enkünften keine Folge, beging aber die Unvorsichtigkeit, in Briefen an Mathilde Baumler den Spion aufzusordern. mit der Sprache herauszurücken. Diese Briefe fielen nachher dem Hautmann Fritsch in die Hände, der sie der nationalistischen Presse ausliefc e. Tomps wurde wegen seiner Unvorsichtigkeit" vom Minister gemaßreaelt. feine Brief aber benütztcn die Nationalisten als Angriffswaffe gegen das Kabinett Waldeck - Rousseau, dei.i iie die Absicht der Wiederaufnahme deß Dreyfushandels unterschoben. Am 2". Mai kam es zu einer erregten Erörlk' rung darüber in der Kammer. Der Minister - Präsident kennzeichnete das Vorgehen des Hauptmanns Fritsch als Felonie", und am Tage darauf reichte Galleffet mit der Begründung, seine Gesundheit sei erschüttert, seine Entlassung ein. Der Petit Bleu" fügt den von ihm wieoergegebenen Auslasfungen Wessels die Bemerkung hinzu: Wessel ist ein Spion: er lügt vielleicht. Wenn er aber die Wahrheit sagt, so liefert er den Schlüssel zum Verständniß einer schändlichen Machenschaft, deren Einzelheiten genügen müßten, die Revision des Urtheils über Dr:ofus herbeizuführen. Man braucht ie letzte Schlußfolgerung des Blatts nicht zu unterschreiben, dar? aber dch gespannt darauf sein, ob an den Enthüllungen" des Spions, der dazu, wie die Dresdener Neuest. NaeK" schrieben, einer internationalen Fal'Smünzer - Bande angehört, etwas W hres ist. und ob sie wei:er: Folgen ,aben werden.
Im österreichischen Abgeordnetenhause erklärte der MinisterPräsident v. Körber in Beantwortung einer Interpellation Schönerers ü:r die Stellung der Deutschen in Oesi,rreich zu dem Bündnisse mit Deutschland angesichts des Verhaltens des Deutschen Reiches zu den Deutschen in Ungarn folgendes: Da es sich um das Deutsche Reich einerseits und das Königreich Ungarn anderseits, also um zwei fremde Staaten handle, stehe oer Regierung gar kein Recht iraendweicha Einmischung zu. Er erachte die De egationen als besser geeigneten Ort zu solchen Auseinandersetzungen: dort würde sich wohl auch zeigen, ob wirk'. 5, alle Deutschen in Oesterreich aenct seien, aus den von dem Jnterpellan cn anaeführten Gründen jenem Bedürfmsse ihre Unterstützung zu entziehen. AusLemberg wird gemeldet: I. Stein, Chef der Firma Stin & Brauner in Stry, ist, nachdem er W'-sel im Gesammtbetrage von 120.000 K. gefälscht hatte, flüchtig geworden und befindet sich vermuthlich schon in Amerika. Durch seine Wecselfälschungen wurden zahlreiche W?:v selmakler in Mitleidenschaft gezogen. Aussätzige gab es nach amtliehen Feststellungen am Schlüsse dt Jahres 1902 im Deutschen Reiche 32 (gegen 37 im Vorjahre). Davon fielen auf Preußen 21. auf Hamburg 7, auf Bayern 2, auf Mecklenburg-Schwerin und Elsaß-Lothringen je 1. Die entsprechenden Zahlen im Jahre zuvor waren 25. 8. 2, je 1.
