Indiana Tribüne, Volume 26, Number 216, Indianapolis, Marion County, 4 May 1903 — Page 7

Jndiana Tribüne, 'i Mai 1903

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Wcr wird siegen! Ein Zeitroman

Von Reinlzold Ortmann 2

(Fortsetzung.) me kleine Veränderung m :yre:n Benehmen zeigte sich jedesmal nur dann, wenn sie durch eine Frage oder eine Bemerkung, die Erich direkt an sie gerichtet hatte, genöthigt war, sich ihm zuzuwenden. Dann legte sich regelmäßig für einen Moment wieder jener Ausdruck reizender Befsincenbeit. der ihn vorbin zo jecr entzua: yam, uoer tyre Zuge, das Lächeln verschwand von ihren Lippen, und ihre eben noch so schelmisch funkelnden Augen suchten den Boden. Ihre Stimme aber schien ' einen noch süßeren und weicheren Klang c, ".zunehmen als zuvor. Und hundertfach entschädigten ihn solche

Augenblicke für das Unbehagen, das er beim Anblick der ihr so aufdringlich dargebrachten Huldigung empfunden. Daß die Stimmung von Anfang an eine sehr angeregte war, kam ohne allen Zweifel zumeist auf Dollys Rechnung, das sie sich aber im Verlauf der Viertelstunden bis zum Gipfel wirklichen

Uebermuths erhob, war ein Verdienst der vortrefflichen Maibowle, die bald nach Doktor Robertis Ankunft ihren ' Beruf zu erfüllen begonnen hatte. Auf Gabors Bitte hatte Dolly das Amt der Schenkin übernommen, während Helene mit der liebenswürdigen Anmuth eines echten Hausmütterchens die Butterbrode präsentirte. Und Beide hatten für 'geraume Zeit alle Hände voll zu thun, um den Ansprüchen zu genügen, die das im Punkte des Essens und 2rir.?er.3 keineswegs zimperliche Künsilervölt,azen an sie stellte. Namentlich der symbolistische Dichter leistete Erstaunliches in diesem allgemeinen Vernichtungskampf gegen die glücklicher Weise in genügender Fülle vorhandenen Erfrischungen, obwohl er feine Bowle mit einer Miene schlürfte, wie wenn es der Schierlingsbecher des Sokrates wäre, den er da an die Lippen setzte, und obwohl er die zehnte Brodfchnitte noch mit demselben elegischen. sterbensmüden Blick verzehrte, wie die erste. Um des Himmels willen, fordern Sie ihn endlich auf. etwas zu deklamiren!" flüsterte Doktor Roberti Gabor zu. Es ist das einzige Mittel, um zu verhindern, daß er uns den ganzen Rest dieses wunderbaren Nettars vor der Nase wegtrinkt." Lächelnd befolgte der junge Maler den ihm ertheilten Rath, und mit einem entsagungsschwereT- Seufzer setzte der Lyriker Glas und Teller beiseite, strich mit einer matten Handbewegung über seine Stirn und begann: Die Willis eine Phantasie." Außer Erich und den beiden Damen gab es Niemanden in der Gesellschaft, dem diese ebenso tiefsinnige wie dunkle Phantasie etwas Neues gewesen wäre. Aber man war in großmüthiger Laune und spendete dem Verfasser nach Beendigung seines langen Vortrages so lauten und lebhaften Beifall, als hätte man heute wirklich die Lösung der unergründlichen Räthsel gefunden, die er den Hörern in seiner geheimnißvollen Dichtung aufgegeben. Einzig Doktor Roberti konnte sich's nicht versagen, eine seiner unvermeidlichen boshaften Bemerkungen zu machen: Schade, daß man die Gedankenstriche nicht mit deklamiren kann," sagte er mit erheucheltem Ernst. Ich gestehe, daß bei der Lektüre des Gedichtes gerade diese hier und da eingestreuten Ketten von Gedankenstrichen den tiefsten Eindruck auf mich gemacht haben." Der Lyriker antwortete ihm nur durch einen vrfterbenbcn, schmerzlich vorwurfsvollen Blick, den Roberti schon früher einmal mit dem letzten Augenauffchlag eines unter dem Beil des Henkers verscheidenden Kalbes verglichen hatte, und zugleich ließ ein bedeutsames Räuspern vermuthen, daß er sich zu neuen recitatorischen Thaten bereite. Aber Heinrich Vollart machte

seine Hoffnung auf weitere Lorbeeren zu nichte, indem er sich an das Klavier setzte und ein Paar kräftige Akkorde arifs. Silentium für Fräulein Dolly Förster!" rief er. Nach dem Geistergesang der Willis, den unser genialer junger Dichter uns leioer nur iajiidern. aber nickt in natura vorführen konnte, verlangt es uns jetzt umsomehr. einen wirklichen, mit unseren eigenen Sinnen wahrnehmbaren Gesang zu hören. Bon allen Seiten wurden Rufe freu digster Zustimmung laut; aber Dolly schien trotzdem nicyt geneigt, oem an sie gerichteten Verlangen zu willfahren. Ich bin nicht darauf vorbereitet." sagte sie. Jch habe keine Noten mitgebracht, und ich bin nicht im Stande, mich selbst zu begleiten." Als ob er auf diesen Einwand ge saht gewesen wäre, kam Gabor in diesem Augenblick mit einem Arm voll Noten aus Erichs Wohnzimmer. Darunter ist sicherlich einiges aus Jhrm Repertoir. Fräulein Dolly." er. klärte er. .und ich nehme die Begleitung aus mich. Zur Noth wird es ja wohl geben!-

Sie zögerte noch; aber als Erich. der an ihrer Seite stand, ihr mit gedämvfter Stimme zuraunte: Sagen Sie nicht Nein ich bitte Sie darum recht von Herzen!" machte sie eine kleine zustimmende Kopfbewegung und trat ohne weiteren Widerspruch an das Instrument. Wenige Minuten später erfüllte der sinnbestrickende Wohllaut ihrer süßen Stimme das Atelier, und selbst die gefeiertste Künstlerin hätte ihr andächtig lauschendes Publikum nicht vollständiger bezaubern und hinreißen können. Auf allen Gesicktern das des gekränkten Poeten vielleicht einzig ausgenommen malte sich das aufrichtigste Entzücken. Und selbst Doktor Roberti schien mit einem Male sein spättisches Lächeln ganz und gar verlernt zu haben, wäbrend seine kleinen ver schmitzten Augen unverwandt an dem Antlitz der Sängerin hingen. Begeisterte Beifallsrufe erklangen im lärmenden Chorus, als sie geendet, so daß in der Freude über den stürmischen Erfolg ihre Wangen sich höher zu röthen und ihre Augen noch Heller zu leuchten schienen. Ader diese leuchten-

den Augen suchten in dem Kreise, der sie huldigend umdrängte, nur ein einziges Gesicht. Und als sie es gefunden, gab sie einem anderen verzückten Augenpaar selig lächelnde Antwort auf die inbrünstig heiße Frage, die sie in ihm gelesen. In allen Tonarten schmeichelnder Beredtsamkeit bedrängte man die Sän gertn um eine weitere Gabe. Aber noch ehe sie sich entschlossen hatte, diesem Andringen nachzugeben, tönte so hell und scharf der Klang der Wohnungsglocke in das Stimmengeschwirr hinein, als wäre sie von einer sehr ungestümen Hand in Bewegung gesetzt worden. Was ist das?" fragte Gabor, indem er erstaunt zu Erich hinüber sah. Wir erwarten doch Niemand mehr und es ist zehn Uhr vorüber, für einen ungemeldeten Besuch jedenfalls eine recht spät'. Stunde." Da ihm der Freund nur durch ein Achselzucken antworten konnte, ging er hinaus, um zu öffnen. Zwei Minuten später wurde die Thür, auf die erwartungsvoll alle Blicke gerichtet geblieben waren, wieder aufgethan, und mit dem Ausdruck lebhafter Ueberraschung klang es der an Gabor Sarlos Arme Eintretenden entgegen: Frau Signe! Also dennoch! Eine prächtig gelungene Ueberrumpelung! Und wo ist Arvid Cederskjöld, der Gemahl?" Man umringte die zierliche junge Schauspielerin undüberschüttete sie mit Icherzhaft gemeinten Fragen, auf tue sie bei dem Durcheinander der begrüßenden Stimmen nicht hätte antworten können, auch wenn sie für jede von ihnen eine Antwort bereit gehabt hätte. Aber es war, als hätte Signe Cederskjöld heute die muntere Schlagfertigkeit, an die ihre Freunde gewöhnt waren, ganz und gar eingebüßt. Sie sah sehr blaß und abgespannt aus. Und ohne den Ausdruck liebenswürdiger Schelmerei, der ihr sonst einen so eigenen, pikanten Reiz verlieh, wirkte das magere Gesichtchen mit den dunkel umschatteten Äugelt und den nervös vibricenden. durchscheinenden Nasenflügeln, heute unschön und verblüht, als wäre es plötzlich um ein Jahrzehnt gealtert. Daß das einfache dunkle Straßenkostüm der Schauspielerin selbst bei nachsichtiger Beurtheilung unmöglich für eine Gesellschaftstoilette Passiren konnte, wurde ja wahrscheinlich nur von den beiden anwesenden Damen bemerkt. Aber auch die Anderen hatten die unbestimmte Empfindung, daß es sich bei diesem verspäteten Erscheinen der jungen Frau doch wohl um etwas anderes als um die Absicht einer heiteren Ueberraschung handeln müsse. Unser Freund Cederskjöld war leider durch eine leichte Unpäßlichkeit verhindert, seine Gattin zu begleiten," wiederholte Gabor die Erklärung, die sie ihm draußen hastig und leise gegeben. Um so größer muß unsere Dankbarkeit für das Opfer sein, das Frau Signe uns durch ihr Kommen gebracht hat. Aber sie mußte freilich wissen, wie schmerzlich wir sie vermißten." Es gab eine kurze Vorstellung zwischen ihr und Dolly, deren LiebensWürdigkeit gegen die Schauspielerin jedenfalls um so aufrichtiger war, je weniger das Aeußere dieses unscheinbaren, mageren Persönchens d?r Vorfiellung entsprach, die sie sich nach Heinrich Vollarts und Gabors Schilderungen von ihr gemacht hatte. Dann aber ging die Gesellschaft über den kleinen Zwischenfall, den man eigentlich nur als eine unerwünschte Störung empfunden hatte, wieder zur Tagesordnung über, indem man Dolly von allen Seiten um einen weiteren Vortrag bestürmte. Alles drängte sich um des Klavier, wo die Sängerin mit Erichs Hilfe unter den durcheinander geworfenen Noten nach einem bestimmten Liede suchte, um das er sie gebeten hatte, und nur einer der Anwesenden hielt sich zurück. Es war Doktor Roberti, der auf die Schwelle der in den Garten" hinaus führenden offenen Thür getreten war und angelegentlich die Sterne am wolkenlosen Himmel zu studiren schien. Schon in dem Augenblick, da er Signe Cederskjöld eintreten sah. hatte er sich oaym zurückgezogen, als wollte er damit der Nothwendigkeit ausweichen, sie gleich den Anderen zu grüßen. Und seine Zuge naymen oen wiverwarngsten, abstoßendsten Ausdruck an, dess,n kies bänlicke Gesickt fäbia sein

mochte, als das Geräusch eines leichten Schrittes und das Knistern von Frauengewändern ihm jetzt ihre Annäherung verrieth. Er rührte sich nicht und starrte auch dann noch unverwandt zum Himmel empor, als sie bereits hart an fetni.T Seite stand. Guten Abend, Doktor Roberti!" sagte sie leise und mit gepreßter Stimme. Was habe ich Ihnen gethan, daß Sie mich nicht einmal eines GrUßes werth halten?" Guten Abend!" erwiderte er kalt. Ich glaubte nicht, daß Sie besonderes Gewicht darauf legen würden. Und außerdem wollte ich in Ihrem Interesse alles ve7meiden, was den Anderen vielleicht Veranlassung zu müßigem Gerede geben könnte.Deshalb? Und welches Gerede war es, das Sie in meinem Interesse fürchteten?" Jch wollte Sie nicht dem Verdacht aussetzen, daß Sie etwa meinetwegen hierher gekommen wärenzu einer so ungewöhnlichen Stunde und ohne Ihren Mann." Das ist sehr zartfühlend, und ich müßte mich dafür wohl eigentlich bei Ihnen bedanken. Aber mir ist, als wären Sie in diesem Punkte nicht immer so ängstlich gewesen." Um so triftiger würde die Veranlassung sein, jetzt die äußerste Vorsicht zu beobachten. Wenn es Ihnen genehm ist, Frau Cederskjöld, gesellen wir uns darum nun auch lieber zu den Anderen, statt hier in auffälliger Weise miteinander zu flüstern." Er hatte sie noch nicht ein einziges Mal angesehen, und nun machte er eine Bewegung, als ob er in das Atelier zurücktreten wollte. Aber sie stellte sich ihm geradezu in den Weg. Nein!" sagte sie mit mühsam unterdrückter Leidenschaftlichkeit. Es ist mir vollkommen gleichgiltig, was Jene dort von mir denken. Denn Sie haben es errathen: ich bin in keiner anderen Absicht hierher gekommen, als um mit Ihnen zu reden." Welch toller Einfall! Und ohne Vorwissen Ihres Mannes?" Sie müssen schon meinem Anzüge angesehen haben, daß es ohne sein Vorwissen geschah. So wie ich eben ging und stand, bin ich ihm entflohen." Er hörte an dem Beben ihrer Stimme, in wie aufgeregtem Zustande sie sich befand, und bei ihrem impulsiven Temperament mußte er fürchten, einen Skandal heraufzubeschwören, wenn er sich weigerte, ihrem Verlangen zu willfahren. Da Gabor Sarlo eben jetzt auf dem Klavier das Vorspiel zu einem Schumann'schen Liede intonirte, raunte er ihr zu: So lassen Sie uns für einen Augenblick hier in's Freie hinaustreten. Aber ich wiederhole Ihnen, daß ich mich unschuldig fühle an allem, was an übler Nachrede daraus entstehen

mag." Einige Sekunden später standen sie auf dem feuchtkalten Sandboden des Gartens," dessen Luft zwar nicht von Blumendüften, aber desto ausgiebiger von dem kräftigen, würzigen Harzgeruch des ringsum aufgestapelten, frisch geschlagenen Holzes gesättigt war. Die vom Abendwinde leise bewegten fünf japanischen Papierlaternen warfen ihr ungewisses Lickt über das vom ersten Frühlingsgrün umsponnene, verwilderte Strauchwerk und über die beinahe kindlich zarte Gestalt der jungen Schauspielerin, die heftig athmend vor dem Journalisten stand. Ja, ich bin meinem Manne entflohen," wiederholte sie. Er war ausgegangen, ui noch einige Anordnungen für unsere auf morgen festgesetzte Abreise zu treffen, und wenn er nach Hause kommt, wird er nur den Abschiedsbrief vorfinden, den ich ihm zurückgelassen. " Und was ist geschehen, Sie zu einem so abenteuerlichen Schritt zu bestimmen?" fragte er kalt. Was geschehen ist? Und das können Sie mich fragen Sie, der mir dazu gerathen?" Ich ? Verzeihen Sie, Frau Cederskjöld, aber ich kann mich wahrhaftig nicht erinnern. Und ich müßte ja auch geradezu verrückt gewesen sein, Ihnen einen solchen Rath zu ertheilen." So haben Sie vergessen, was Sie mir damals im Theater sagten, bei der Probe zu Arvids Schauspiel: ,Lassen Sie ihn allein reisen Sie werden nicht daran sterben! Oder wollen Sie jeyt Ihre eigenen Worte verleugnen?" 0 nein, durchaus nicht! Aber ich bin nicht dafür verantwortlich, daß Sie ihnen einen Sinn unterlegt haben, den sie gewiß nicht haben sollten. Ich dachte natürlich an eine gütliche Verständigung zwischen Ihnen und Ihrem Mann, nicht an eine abenteuerliche Flucht." Mit einem bitteren Auflachen fiel Signe ihm in die Rede. Eine gütliche Verständigung! Bei einem Manne von Arvids Charakter! Aber weshalb sollen wir darüber reden! Ob Sie eine Verantwortung übernehmen oder nicht, jedenfalls handelt es sich jetzt für Sie und für mich nur noch um eine vollendete Thatsache, an der nichts mehr zu ändern ist." Auch für mich. Frau Cederskjöld? Ich verstehe nicht recht, wie das gemeint ist." .So will ich es Ihnen sagen. Ich habe alles aufgeboten, was ich vermochte, um Arvid zum Hierbleiben zu bewegen. Aber meine Bitten und Thränen waren ebenso vergeblich wie mein Troden und Schmollen. Er will über-

Haupt nicht, daß ich wieder zum Theater gehe. Es ift seine Absicht, nichts mehr zu schreiben und sich ganz der Malerei zu widmen in irgend einen weltentlegenen schwedischen Neste, wo er daheim ist." Das ist schlimm! Aber ich glaubte wirklich nicht, daß Sie so wenig Macht ül'er ihn besäßen. Und am Ende wenn man sich recht von Herzen lie'o hat. so ist ein nordischesJdyll den Aufregungen und Enttäuschungen des Bühnenl:ens sogar vorzuziehen. Ich unirbe au Iürer Stelle doch wenigstens einen Versuch damit machen. Davonlausen können Sie ja noch immer." Ter unverbehlt crmische Ton seiner letzten Worte mußte sie getroffen haben wie ein Peitschenhieb; denn ihre zierliche Gestalt schnellte förmlich empor, und sie bemühte sich kaum noch, ihre Stimme zu dämpfen, als sie ihm zurief: Was Sie mir da zu sagen wagen, ist eine Erbärmlichkeit und eine Feigheit. Mögen alle Anderen mich wie eine Verworfene behandeln wegen des

Scbrittes. den ich heute gethan habe Sie haben kein Sftedjt dazu, Sie nicht denn auf Se allein fällt alle Schuld!" Acer daö ist Heller Wahnsinn! Ich wiederhole Ihnen " Schweigen Sie!" zischte sie. Nichts mehr von diesen jämmerlichen Ausflüchten, an die Sie ja selbst nicht glauben. Nicht mit dürren Worten haben Sie mich aufgefordert zu thun, was ich in meiner Verzweiflung heute gewagt habe. Aber nicht einmal, sondern hundertmal in diesen letzten Wochen haben Sie mich in Umschreibungen, die keine andere Deutung zuließen, dazu ausgestachelt. Denn Sie wußten, daß es für mich keinen anderen Weg in die Freiheit gab, als diesen. Und Sie konnten nicht im Zweifel sein über den Preis, mit dem ich meine Willfährigkeit gegen Ihre Wünsche würde bezahlen müssen." Aber ich gebe Ihnen die Versucherung, daß Sie mich mißverstanden haben. Ich habe Ihnen meinen Beistand und meine Fürsprache angeboten sür den Fall, daß Sie sich mit Ihrem Manne über eine zeitweilige Trennung einigen sollten und davon nehme ich nichts zurück. Setzen Sie sich mit Herrn Cederskjöld auf vernünftige Weise auseinander, und Sie werden jederzeit einen ergebenen, dienstwilligen Freund an mir finden." Ein sehr großmüthiges Anerbieten." sagte sie voll Bitterkeit. Schade nur. daß es an eine so unmögliche Voraussetzung geknüpft ist! Denn für das, was Sie eine vernünftige Auseinandersetzung mit meinem Manne nennen, ist es nun ein für allemal zu spät." Eine kleine Wnle schwiegen sie beide, während Dollys glockenhelle Stimme, die ein jubelndes Liebeslied sang, zu ihnen heraustönte. Dann fragte Doktor Roberti etwas unsicher: Und was gedenken Sie zunächst zu beginnen? Wo wollen Sie eine Zuflucht suchen?" Ich habe noch nicht darüber nachgedacht. Ich hatte bis jetzt keine Zeit dazu. Denn darauf, daß unsere Abreise schon so bald erfolgen sollte, war ich nicht gefaßt. Und als es mir heute Abend zur Gewißheit wurde, hatte ich keinen anderen Gedanken als den einen: Lieber das Aeußerste als das. Aber ich bin nicht ohne Mittel wenigstens nicht für die nächste Zukunft, und irgenv ein Unterkommen wird sich doch wohl finden." Gewiß! Und wenn ich Ihnen einen Rath geben darf, ist es der, sich Herrn Vollart oder vielmehr, seiner Tochter anzuvertrauen. Sie werden dadurch am ehesten allen Mißdeutungen entgehen. Das Beste freilich wäre nach meiner Ansicht noch immer, daß Sie sich entschlössen, zu Ihrem Manne zurückzukehren. Vielleicht hat er den Abschiedsbrief, von dem Sie sprachen, noch gar nicht gelesen. Und wäre es auch der Fall gewesen, wenn Sie ihm nur ein klein wenig Reue zeigen, wird er Ihnen gewiß verzeihen. Denn ich bm überzeugt, daß er Sie ausrichtig lieb hat, und am Ende kann er Ihnen doch auch nichts anderes vorwerfen, als ein bischen romantische Uebereuung. Signe hatte ihn sprechen lassen, ohne ihn zu unterbrechen; aber chre Augen. die in der Dunkelheit grünlich zu schillern schienen wie dieLichter einer Katze, hingen unverwandt an seinem Gesicht. Und als er geendet, neigte sie den acschmeidigen Oberkörper gegen ihn vcr und raunte ihm zu: Doch, Doktor Roberti! Arvid wird mir noch etwas anderes vorwersen als das. Denn ich bin nicht feige wie Sie und gerade, weil er mich aufrichtig lieb hat. wollte ich ihn nicht mit einer Lüge verlassen. Er weiß, daß ich von ihm gegangen bin, um mich unter Ihren Schutz zu stellen. Ich habe es ihm mit klaren, unzweideutigen Worten geschrieben. Begreifen Sie es nun. daß ich nicht mchr zu ihm zurückkehren kann und daß Sie Ihre freundlichen Rathschläge nutzlos verschwenden?" Sie müssen von Sinnen gewesen sein!" stieß er hervor. Wie soll ich es anfangen. Sie und mich selbst zu schützen, wenn es ihm etwa in den Sinn kommt, nach der Facon des seligen Tryggvason den Rächer seiner Ehre zu spielen? Bei Gott, ich hätte Sie für klüger gehalten. Frau Signe und auch für etwas weniger undankbar. Denn der Gebrauch, den Sie da von meinem Namen gemacht haben, ist doch ein verteufelt schlechter Lohn für mein Interesse an Ihrem Talent und an Ihrer schauspielerischen Karriere." (Fortsetzung folgt.)

Der Dank der Zrau Mlassin. Skizze von Julius Knopf. Fllnfunddreißig Jahre schon lebte das Milassinsche Paar in glücklichster Ehe ohne verheirathet zu sein, denn der Standesbeamte hatte ihren Bund nicht durch die staatliche Weihe schmücken können. Und das wasso gekommen. Als Josef Milassin, ein ehrsamer Drechlersgeselle, der aus Galizien nach Berlin ausgewandert, seine Johanna Kernfuß kennen lernte und in heißer Liebe für sie entbrannte, hatte er le ehrliche Absicht, das bindende Jawort vor dem Standesbeamten zu sprechen und durch eigenhändige Unterschrift in das Eheregister zu bekräftigen, daß er seiner geliebten Johanna in Glück und Leid, für alle Zeit bis zum Tode die Treue bewahren wolle, wie es so schön heißt. Doch der gute Wille scheierte an

den bösen Formalitäten, welche der deutsche Staat nun einmal von den Ehelustigen verlangt. Der arme Josef Milassin vermochte nicht, seinen Geburtsschein herbeizuschaffen. Bergebens hatte er sich deswegen einige Dutzend Mal, eingeschrieben und uneingeschrieben, mit Rückantwortmarke und ohne Rückantwortmarke, beschwerdeführend an das Polizeiamt seines galt zischen Heimathsnestes gewandt. Der Beamte legte die Briefe ad acta und verleibte die Marken seinem arg zerschlissenen Portemonnaie ein, ohne je zu antworten. Denn besagter Josef Milassin war überhaupt nicht geboren. Die wichtige Thatsache seiner Ankunft auf Erden war nicht in die Personalregister eingetragen worden und der p. p. Josef Milassin darum für den österreichisch-ungarischen Staat absolut nicht vorhanden. Das hatte den einen Vorzug, daß man den braven Josef nicht in die bunte Uniform steckte und den großcn Nachtheil, daß er kein stattlich conzesstonirter Ehemann wurde. Schließlich ward der junge Drechsler der ungewohnten Schreibereien müde und heirathete seine treue JoHanna ohne behördliche Genehmigung, was nicht hinderte, daß die beiden glücklich, zufrieden und vergnügt lebten, soweit es ihr karger Verdienst und das Gerede der frommen Verwandten gestattete, die in der Kinderlosigkeit des Paares die gerechte Strafe des Himmels ob solch' unsittlichen Lebenswandels erblickten. Doch Josef Milassin ließ sich die Sticheleien rnch anfechten, und auf die fünf Töchter eines bigotten Onkels anspielend, spottete er öfter: Fünf Töchter oder gar kein Kind ich weiß nicht, wen der liebe Gott da mehr gezüchtigt hat." Doch es kam die Zeit, da der fromme Onkel über den gottlosen Neffen triumphirte. Der arme Josef Milassin wurde von einer bösen Krankheit, dem Gelenkrheumatismus, gepackt, und als er nach vielen Monaten vom Siechenlager aufstand, da waren nicht nur seine wenigenErsparnisse, sondern auch seine Arbeitskräfte aufgezehrt. Der rechte Arm, der ihm das tägliche Brot verdiente, sagte dem Unglücklichen den Dienst auf er blieb steif. Böse, schwere Tage zogen in das kleine Dachzimmer ein, welches so viele Jahre hindurch die Stätte genügsamen Glückes gewesen. Die Noth, die große, unerbittliche, grausame Menschenfeindin, kehrte ein und legte sich centnerschwer auf die Herzen der beiden Menschen. Und es nahte die Stunde, wo Josef Milassin die Mildthätigkeit der Menschen anrufen mußte. Wie er einst nach Galizien geschrieben, um sich das Leben testiren zu lassen, schrieb er jetzt an fromme Wohlthätigkeitsvereine, um den Tod zu verscheuchen. Im Prinzip waren die Vereine nicht abgeneigt, die Noth war offenkundig und die Auskünfte lauteten gut. Nur verlangte man, daß er noch seine amtlichen Belege, Gebnrtsattest, Trauschein usw., vorlegen sollte. Wehmüthig zuckte Josef Milassin die Achseln. Papiere und immer wieder Papiere! Er wollte Brot und man verlangte Papiere. . . Als ob die was mit seiner Noth und seiner Anständigkeit zu thun hätten! Bescheiden klarte er die Herrschaften vom Vorstand auf, einen fehr feinen Herrn und eine noch feinere, ältliche Dame, die bei der Äerth.'ilung der Erde um einen Mann zu kurz gekommen war. Und seltsam' Farbenspiel: Der feine Herr erbleichte, die jungfräuliche Dame erröthete. Pfui über diese Unmoral! Die den Anstand verletzte, mitsammt dem Schamgefühl. Und sowas sollte man noch unterstützen. Einen Menschen, der eine wilde Ehe. . .! Nein, und zum tausendsten Male nein! Das hieße ja, dem Beelzebub die Wege ebnen und des Teufels Großmutter in ein Seidengewand hüllen! Der vornehme Herr hielt eine vornehme Rede, worin er dem erstaunten Josef Milassin . an's Herz legte, auf den Pfad der Tugend zurückzukehren, sich entweder von der Genossin seiner Tage zu trennen oder sie zu ehelichen, aber richtig zu ehelichen, kurz und gut, sich die Papiere zu beschaffen. Dann würde ihm himmlischer Lohn winken und er ließ es durchbhcken auch irdischer. Als Josef Milassin sich nach diesen geschraubten Worten verabschiedete, war ihm gar schwer um's Herz. Der seine Mann hatte gut reden; er sollte mal in Galizien geboren sein!

Feuer Signale.

4 Pnnch?lv nd artet 5 Snglish'S Opern HauS East und R-w York 7 Roblk und Michigan 8 R. Jerlky u. Mag 9U 9 Pine und Norch 10 Startet und Pin 11 Vermont nahe Säst 12 91$. 8 Spritzenhaus Mast. Ave nah Noble :3 Tzware und Wainut 14 . Jersey u Central A. 16 Mass, und EorneUAv Ash und 11. Straße .7 Park Ave und 12 Str Columbia und Hillfld is Highland Ave u. Patt 11 Illinois ur 3t, Jo 23 Pennsvlv. und Pratt i4 Meridian und 11. Str 25 No. Spritzenhaus 15. nahe JlkinoiS '6 Senate Ave u. StSlair :? Illinois und Michigan i? Peesvlvania und 14. 29 Senate Ave. und 13. 31 No. i Spritzenhaus JndSlvenahMchigan 32 Meridmn und Walnut 34 California u amont Blake und New Kork 3 Ind. Slv. u. St tflrnr n Sity Hosvital 38 Blake und Norty 39 Michtga und Slgne tl No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West 42 Gsendorf Wash. 4Z Missouri u Rew Hort 5 Meridian u Wash 46 Jllmoi und Ohio 47 Capitol Av. u Wash 4g mgan'S PorkhauS 4 Straßenbahn Stalle W. Washington Str 51 No. i Spritzenbaus Illinois u Merrill 62 Illinois u Louisiana 52 Wett mld South 54 West und McOarty 6 Senate Ave. u Henry 67 Meridian und Rav 6 No. 4 EvritzenhauK Madison Av. u Morvi 59 Madison Av. u Dunlop 1 No 2 Haken Leiterhaus Eouth nahe Delawa 2 Penn, u Merrill 3 Delaware u. McEartv 4 aft und VcSarch 5 New Jersey u. Merrill 67 Birg. Av. u Bradshaw 68 Last und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus Bir Ave. nahe Huron 72 Eaft und Georgia 73 keda, und Elm 74 Davidson u Georgia 75 English Av. u Pme 76 Shell'y und BateS 7e No. 3 Spritzenhaus Prowcct nahe Shelby 7S Fletcher Av. u Shelby ?i Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. 82 East u Washington Z4 New Nork u. Davidsoe 35 Taubstummen Anstatt 86 Ber. Staaten Arsenal 37 Qriental und Wash. S9 Fraucn-Rcsormat. 91 No. 13 Spritzenhaus Marvland nahe Mer. 9? Meridian u. Scorqia. 93 Meridian und Eouth 94 Pennlvlv u. Lonisiana 95 Virainic' Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Ade und Obb, 23 No. 16 Spritzenhau 16. und Ash. 124 Alabama und 1. 125 Central Ave und 11. 126 PandeS und 15. 127 Brooksid und Jupiter 128 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und li. 132 Bellesontain und . ,34 College Ave und 29. 135 Delaware und 1Z. 136 Alabama und Rorth 137 Newmann und 19. 128 College Ave und 14. 13 Cornell Slve und 13. 141 Dandes und 19. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey und 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hileside Ave und 16. 148 College Ave und 22. 149 College Ave und 27. 152 Park Ave und 2. 15? L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey Ave und 10. 156 Stoughton u Rewman 157 Atlas und Pike. 153 Bloyd und Pawvaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brtghtwood l2 Ar den und Depot 163 Brightwood und 26. 164 Rural und Bloyd i5 St. Clair u. eystone 167 Arsenal Ave und iS. 168 Bellefontaine und 28. 169 Park iNHbN. 212 Capital ftx nb 17, 213 Pennst, lv. u. chißa 214 Illinois und M. 216 Senat Ave und 21. 216 Pennsylvania und. 217 Meridian n 16 218 Capital Ave und 25 219 Broadway und 10. 231 JllinoiS und eLa 254 No. 14 EpriHenhauA Aenwood und SO. 235 Illinois und 33. IM Annctta und 90. 237 No. 9. EprchnchA Udeil und Stauer 238 Udeil Ladoer Wor 239 Jiadel und 07. 241 Meridian und 24. 242 Illinois u St. ex. 243 Eldridge und 23. 312 West uud almtt 313 West und 12. 314 Howard und 18. 315 Torbet und Paca 316 Capital Av und tO. 317 Northwestern Ave 318 Gent und 18. 310 Canal und i. 824 Cerealin Wor 324 Vermont und Ltza 25 Bismarck u GrandnA 326 Ro, 2 Syritzenh Hauahmlle. 27 Michigan u. HlS, 328 Michigan u. Concord 341 Weit und McJntyr? 412 Missouri u. MarylaNd 415 ifsouri und fus 415 Capital Ave. rorgio 416 Missouri u cntucky K 417 Senate Av n. Was,. 421 P und E RundkS W. Washington. 423 Jrr-Hospital. 424 Miley Ave u. I D uH 425 Wash. und HarriS 426 No. 18 Spritzenhaus W. Washington 427 Oliver und Birch 28 Oliver und Osgood 429 Nordvke und Dort 431 Hadley Av u. orriS 4Z2 Skiver Ave u. orr 4ö4 River Ave und ah 435 Harding u. ig4R? 436 Harding und Ölst 437 No. 19 Spritz chO Morris und ardata. 438 Hot im! 499 6te4tycxM 451 Reisn Ud 452 Howard und See 453 Morns und 0M 456 Lambert und fMjmA 457 Nordvke Ave a, , , mon zsono 512 West uud Ratz 613 entucky Ave u.? 614 Meridian und MorrD 16 JllinoiS and ansa 17 orrio und Datota 618 MorriS und Church 01 Capital A. u VcEarttz 621 Meridian und Palme 623 Pine un' Lord 624 MadUor Ave u tiucobi 26 Meridian und Belt RR 527 EarloS und Ratz I Meridian und ! 629 Meridian u. 531 Meridian u. 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Clair uud Union Bahn Seleise. 821 Pan Handle ShcS 82 Vermont und WaWotf 824 Wash. und Statt 826 adden'skouae Kak 82 Tucker und Dorsetz 827 Wash. und evill Av 829 Ro. 10 Spritzenhaus Beville nahe Michga 831 Southeaftern li ü Woodsid. 832 Wash. und Dearhor, ö4 Sontheastern und Arsenal Are. 836 New Kork und Tcmtzfa 012 JllinoiS und 91' JllineiS , tu Senn, und 915 Delaware und Spezial-Siznale. ersten k Schlage, zweiter Alarm, stteite 2 Schlage, dritter Alarm. Dritten 2 Schläge, vierter Alar. i. 1-21, Feuer aus und Schlauch ausgerast 3 Schläge, Wasserdruck ab. 12 Schlage, 10 Uhr Mittags. 0 Die so bezeichneten Signal werden nur Wächter angegeben xx an den betreffende Kreuzung kine AlarmWster anaebrucht find. Chicago und der große Nordwefte via Mi gQ&Mg-liraif niftMaa3iulteiigg(G Iaa-KwtM-VHiltvPie Inseln. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. kV B?n der Monon 47. Str. 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