Indiana Tribüne, Volume 26, Number 214, Indianapolis, Marion County, 1 May 1903 — Page 7

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Jndiana Tribüne, i. Mai 1903 7

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Wer wird siegen! ; ! Ein Zeitroman t t z Vcn emliolfc Ortrnann 4 $!$$$44$$i (Fortsetzung.) lz. Kapitel. s kwi um die sechste Nachmittagsstunde. Uno für diese vorgerückte Tageszeit sah es in Fräulein Dollys Zimmer tU gentlich noch etwas unordentlicher aus, als man ti bei einer wohlerzogenen jungen Tame zu finden erwartet. Nicht nur Bücher und Notenhefte. sondern Giicp allerle: Kletoungsstuae llttd andereTcilettengegenstände lagen auf den Möbeln herum, wie wenn die Bewohnenn des Zimmers jedes Ding, das sie aus dem einen oder dem anderen Grunde zur Hand genommen, achtlos wieder fortgeworfen hatte, ohne sich um daS wenig harmonische Gesammtbild zu kümmern, das dabei allgemach aus ihrer Umgebung geworden war. Es schien, daß Fräulein Tolly die Absicht gehabt hatte, sich für den Besuch einer größeren Gesellschaft anzukleiden, daß ihr aber bei den ersten Vorbereitungen die Lust dazu vergangen war. Tenn sie saß, von den weichen Falten eines blauen, gürtellosen Schlafrocks umflossen, in dem alten amerikanischen Schaulelstuhl, der sich Gott weiß, durch welchen wunderbaren Zufall in FräulcinPetersens möblirtes Zimmer" verirrt hatte, und blies mit recht nachdenklicher, um nicht zu sagen verdrießlicher yjlitm in gleichmäßigen Zwischenräumen leichte Rauchwölkchen zur Decke empor. An einem Pfosten des mit geblümtem Statt.::": j7 überzogenen Bettschirms, hinter dem sich der intimere Theil der Zimmereinrichtung den Blicken entzog, hingen Rock und Taille eines zierlich gearbeiteten, anscheinend ganz neuen Kaschmirtleides. Und jedesmal, wenn Fräulem Dollys Augen diese Toilette streiften, versetzte die schmale Fußspitze,die unter dem Saume des Schlafrockes hervorlugte, den ächzenden Schautelstuhl in stärkere Bewegung. Nein, ich gehe nicht," sagte sie plötzlich, die halbgerauchte Cigarette mit einer energischen Armbewegung mitten auf den verschlissenen Teppich werfend. Vielleicht ist wirklich ein Wink des Schicksals, daß er gerade dort sein Heim aufschlagen mußte." Sie richtete sich elastisch auf und stand in all ihrer Schönheit mitten im Zimmer, als an die Tbür geklopft wurde und auf ihr kurzes Herein!" das magere, ältliche, von einem blüthenweißen Häubchen ehrbar umrahmte Antlitz des Fräulein Petersen hereinlugte. Da ist ein Herr, der nach Ihnen fragt, Fräulein Förster. Er nennt sich Gregor oder so ähnlich. Aber Sie können ihn doch wohl nicht empfangen?" Es war ohneZweifel der allzu häusliche Anzug der iungen Sängerin, der diese letzte Bemerkung veranlaßt hatte, und ein ganz unzweideutiger Ausdruck mißbilligenden Erstaunens erschien auf dem Gesicht des alten Fräuleins, als ihre Mietherin nicht nur ohne alles Besinnen, sondern sogar mit auffälliger Hast erwiderte: O, lassen Sie ihn nur hereinkommen! Es ist ein Herr, vor dem ich mich nicht zu geniren brauche." Aber während der wenigen Sekunden. die dann bis zum Eintritt des Besuchers Vergingen, klemmte Dolly wie in höchster nervöser Ungeduld die rosige Unterlippe zwischen die weißen Zähnchen, und die schlanken Finger ihrer Rechten wühlten sich in den vorderen Spitzenbesatz des Schlafrvcks, als wollten sie das duftige Gewebe in kleine Fetzen zerpflücken. Nun stand der Gemeldete auf der Schwelle, ein riesenhaft gebauter Mann mit schwarzem Vollbart und beinahe unheimlich lebhaften, dunklen Augen. Er zögerte einen Moment, dann trat er ein paar Schritte auf Dolly zu und schlug die Pelerine seines Mantels zurück, um ihr die Hand entgegen zu strecken. Es ist gegen die Abrede, Dora," sagte er halblaut und mit stark ausgepräatem, slawischem Accent, aber der Himmel weiß es ich konnte Dir's nicht ersparen." Möchtest Du nicht vor allem die Thür hinter Dir zumachen?" erwiderte sie, ohne ihre Stellung zu ändern und ohne die dargebotene Hand zu beachten. mit eisiger Kälte. Es tst gerade ge nug, daß Du mich durch Deinen Be such kompromittirst, und man braucht nicht noch obendrein zu hören, was wir miteinander reden." Er gehorchte, aber der Ausdruck seines jugendlichen und keineswegs unschönen Gesichts war um vieles finsterer geworden, als er sich ihr dann wieder zukehrte: Also mein bloßes Erscheinen reicht hin, Dich zu kompromittiren? Ich gestehe, daß ich etwas Derartiges nicht mehr befürchtet hatte, seitdem ich weiß, daß Du Dich als Bacchantin malen und öffentlich ausstellen läßt.Verächtlich schürzte Dolly die Oberkippe. Ift es vielleicht diese Entdeckung geWesen, die Dich hergeführt hat trotz Deines feierlichen Versvreckens?"

Sie hat wmigstens den Ausschlag gegeben ich leugne es nicht. Aber mochtest Äu mir nicht wenigstens Deine Hand reichen, Dora?" Wie ein trotziges Kind versteckte sie beide Hände hinter dem Rücken und warf mit einer stolz abweisenden Geberde den Kopf zurück. Hast Tu vergessen, was bei unserer letzten Begegnung geschah? Soll ich die Hand berühren, die nur durch das Dazwischentreten einesanderen verhindert wurde, mich zu mißhandeln?" Der riesige Mann, der sie um mehr als Haupteslänge überragte, wurde roth vor Beschämung, und seine Augen suchten den Boden. Du weißt, daß ich nicht fähig gewesen wäre, es wirklich zu thun. Und dann habe ich Dich nicht in meinem Briefe demüthig genug um Verzeihung gebeten ?" Es gibt Beleidigungen, die eine sxrau niemals verzeihen kann. Und ich habe Deinen Brief verbrannt, ohne ihn zu lesen." Sie war offenbar zu weit gegangen; denn es gizg wie ein Ruck durch seine Gestalt, und die Befangenheit, die er soeben gezeigt hatte, war mit einem Schlage wieder aus seinem Wesen verschwanden. Um so besser also, daß ich mich entschlössen habe, mir in eigener Person Deine Antwort zu holen."

Meine Antwort worauf?" Auf die Frage, ob Du bereit bist, mich zu begleiten. Denn ich kann hier nicht länger bleiben. Man hat angefangen, mich zu beobachten. Und ich muß stündlich darauf gefaßt sein, daß man mich verhaftet." So eile doch, Dich der Gefahr zu entziehen! Wenn ich irgend etwas thun kann, Dir dabei behilflich zu sein, werde ich es Dir nicht verweigern." Es war immer derselbe eiskalte, verächtliche Ton in ihren Worten und derselbe abweisende, geringschätzige Ausdruck auf ihrem schönen Gesicht. Nicht für einen Moment senkte sie unter dem funkelnden Blick ihres Besuchers die Lider. Was Du thun sollst, habe ich Dir bereits gesagt, Dora! Ich gehe in die Schweiz, und Du wirst mir dahin folgen, wie es Deine Pflicht ist." Ein kurzes, spöttisches Auflachen klang von ihren Lippen. Meine Pflicht? Entschuldige, wenn ich darüber lache! Aber solche Phrasen haben aus Deinem Munde wirklich etwas sehr Komisches." Schade nur, daß ich in Deine liebenswürdioe Heiterkeit nicht einstimmen kann! Denn ich war niemals weniger zum Scherzen aufgelegt, als in diesem Augenblick. Wenn Dir das Wort nicht angemessen scheint, das ich da gebraucht habe, so sieh' es meinetwegen als eine Gnade an, als eine Handlung der Barmherzigkeit oder als was immer Du willst nur treibe mich nicht zum Aeußersten, indem Du es mir weigerst!" Aber das ist doch offenbare Narrheit. Du konntest doch nicht erwarten, daß ich eine so wahnwitzige Aufforderung ernsthaft nehmen würde! Ich bin nicht gemacht, das Leben eines Flüchtlings zu theilen und mich von Land zu Land Hetzen zu lassen wie eine Verbrecherin. Hundertmal lieber würde ich sterben, als daß ich mich dazu entschlösse!" Das sagst Du mir in's Gesicht. Du, die nach göttlichem und nach menschlichem Gesetz " Verschone mich mit solchen Tiraden ich bitte Dich!" fiel si? unmuthig ein. Denn ich möchte Dir sonst eine Antwort geben, die Dir noch weniger zusagt, als mein einfaches Nein. Wir wollen hier keine Schauspielszene aufführen rue neulich auf der Straße. Die Wände meines Zimmers sind zu dünn, und es ist so widerwärtig, das oft Gesagte immer auf's Neue zu wiederholen. Du weißt, daß der Betrug, den Du gegen mich verübtest, Dir jedes Recht auf meine Person entzogen hat. Und Du solltest darum endlich aufhören, mich mit Forderungen zu quälen, die ich nie niemals erfüllen werde." Sie wollte in Haltung und Rede ohne Zweifel nur die Hoheitsvolle und Unnahbare hervorkehren; aber die Natu? hatte das Füllhorn weiblichen Liebreizes so verschwenderisch über sie ausgeschüttet, daß sie auch in dieser Situation den Augen des Mannev, der sie mit seinen Blicken fast verschlana. nur hinreißend schön und begehrenswerth schien. Mit einem Aufschrei der Entrüstung wich sie zurück, als er sich plötzlich vor ihr auf die Kniee niederwarf und flehend die Hände zu ihr erhob. ..Bringe mich nicht zur Verzweif lung, Dora! Ich kann ja nicht leben ohne TNch! Es macht mich wahnsin nig. zu denken, daß Du eines Tages einem Anderen gewähren könntest, was mir, mir allein zusteht! Es ist unmöa lich, daß Du alles vergessen haben solltest alles, was doch damals Deine Seligkeit nicht weniger ausmachte als meine: Sie hatte sich so weit von ihm ent fernt. als der beschränkte Raum des Zimmers es ihr gestattete. Und weniger hart als zuvor, aber mit nicht geringerer Bestimmtheit sagte sie: ..ck habe nichts vergessen, Gregor! Doch ich schwöre, daß ich Dir nicht mehr antwo.rten. sondern nach meiner Wirthin rufen werde, wenn Du nicht ausltehit und einen vernünftigen Ton anschläqst. Noch einmal: wir sind hier nicht auf dem Theater! Schwer athmend stand er auf. Für eine Komödie also hältst Du den Verzweiflungsschre! meines öer-

zens? Und der Anblick der Qualen, die mich Dir gegenüber zum elendesten aller Schwächlinge machen, entlockt Dir nichts anderes als eine Aeußerung grausamen Hohnes? Es gewährt Dir vielleicht sogar einen köstlichen Triumph, mich so vor Dir im Staube zu sehen? Aber Du solltest Deine Macht nicht mißbrauchen, Dora! Es könnte Dich eines TageS bitter gereuen." So wären wir denn glücklich wieder bei den Drohungen angelangt. Es ist also immer dasselbe Programm! Wann endlich wirst Du begreifen, daß das eine so wenig Eindruck auf mich macht wie das andere, und daß Du mit alledem Dir und mir nur zwecklose Aufregungen bereitest?" Es macht keinen Eindruck auf Dich, das sehe ich wohl. Da ich bisher keine meiner Drohunaen zur Wahrheit aemucni yaoe, yanil Du eoen aues jui leeres Gerede. Aber wenn Du in mein Inneres blicken könntest, Dora wenn Du wüßtest, wie nahe, wie furchtbar nahe das Unheil zuweilen bereits übe? Dir und mir geschwebt hat " Gewiß ich weiß es! Du hattest ja im Uebermaß der Zärtlichkeit vor Kurzem bereits Deine Hand gegen mich erhoben." Erinnere mich nicht daran!" wehrte er finster ab. Es ist nicht das, was

ich meine. Und in jenem Augenblick hattest Du kaum etwas von mir zu fürchten. Aber dann, als ich Dich am Arm jenes Anderen wieder aus die Straße hinaustreten sah, als ich beobachtete, wie vertraulich er sich iit Dir unterhielt, um zuletzt gar zu Dir m den Wagen zu steigen, da so wahr ich hier vor Dir stehe, Dora! da hat nur ein Wunder mich davor behütet, zum Mörder zu werden." Ein Wunder, für das Du Dich bei mir bedanken magst. Denn bis zu dem Augenblick, wo ich Dich wie den Bösewicht aus einem Ritterschauspiel auf der Straße lauern sah, war weder meinem Beschützer noch mir der Gedanke gekommen, daß er mich weiter als bis an den Wagenschlag begleiten könnte. Nur um Dich vor emer verhängnißvollen Thorheit zu bewahren, bat ich ihn dann, sich zu mir zu setzen. Und ein paar Straßen weiter, als er sicher sein konnte. Dir nicht mehr m die Hände zu laufen, schickte ich ihn nach Hause." Er hatte hoch aufgehorcht, und für einen Moment erhellten sich seine düsteren Züge. Ist das Wahrheit, Dora? Und das nächtliche Abenteuer wäre damit zu Ende gewesen? Ich habe keinen Grund, jenen Menschen zu hassen?" Auf Fragen, die mich beschimpfen, antworte ich nicht, das müßtest Du nachgerade wissen." Vergieb! Ich glaube Dir ja glaube Dir ohne Betheuerungen und Beweise. Aber das Bild das abscheuliche Bild, dessen Anblick mich heute fast um den Verstand gebracht hat! Wer ist dieser Sarlo, dem Du gestattet hast, Dich so zu malen?" Darauf könnte ich Dir mit gutem Recht jede Auskunft verweigern. Aber es macht mir zufällig Vergnügen, offenherzig zu sein. Also dieser Sarlo ist ein ausnehmend hübscher, junger Mann von sehr großem Talent, der nur eben eines leidlich ansehnlichen Modells bedürfte, um von sich reden zu machen." Dora!" Nun was weiter? Möchtest Du mich nicht gefälligst ausreden lassen? Da wir außerdem bis vor Kurzem gewissermaßen Nachbarn waren, ergab sich alles auf die einfachste und natürlichste Weise von der Welt. Ich brauchte zu den Sitzungen nicht einmal über die Straße zu gehen. Und es wäre wirklich sehr unliebenswürdig gewesen, ihm die kleine Gefälligkeit zu verweigern." Der also ist's, der Dich hier festhält? Nun wohl, ich werde noch heute ein Wörtchen mit ihm reden." Bist Du von Sinnen oder Deiner Freiheit so überdrüssig, daß Du Dich auf solche Art selbst in's Verderben bringen willst? Du wirst mit Niemandem über mich reden hörst Du? mit Herrn Sarlo so wenig wie mit irgend einem Anderen, wenn Du nicht willst, daß es zwischen Dir und mir für immer und unwiderruflich zu Ende fei." Aber muß ich denn nicht glauben, daß es schon jetzt zu Ende ist?" brach er leidenschaftlich aus. Nach diesem Geständniß, das Du mir soeben gemacht hast?" Was für ein Thor Du doch bist in Deiner unsinnigen Eifersucht! Glaubst Du wirklich, daß ich Dir das alles erzählt hätte, wenn Deine Vermuthungen zuträfen? Ja, Herr Gabor Sarlo ist jung und hübsch und talentvoll; aber er ist zugleich der Verlobte meiner Freundin, die mit ihrem Vater hier neben mir in demselben Stockwerk wohnt. Und so lange ich ihn kenne, bin ich noch nicht fünf Minuten lang allein mit ihm gewesen." Du bist eine Teufelin, Dora! Aber Du magst mich immerhin peinigen, fo viel es Dir gefällt, wenn ich nur nicht fürchten muß, Dich zu verlieren. Und da es nach Deiner Versicherung so wenig dieser Maler wie jener Andere ist, der Dich hier zurückhält, so laß Dich endlich erbitten und geh' mit mir. Waö Du vorhin von dem ruhelosen Flüchtlingsdasein sagtest, trifft ja gar nicht zu. In der Schweiz werden wir vollkommen sicher und unbehelligt leben, und ich werde Sorge tragen, daß es Dir an nichts mangelt, wonach Dein Herz verlangt. Eine wirkliche Gefahr bedroht mich nur in meinem VaterTnnhe und hxtt. wo man immer btrfi

ist, dem mächtigen Nachbarn Schergendiensie zu leisten. Du weißt, daß nur die Sehnsucht nach Dir mich bestimmt hat. dieser Gefahr zu trotzen. Und was Du mir auch immer zum Vorwurf mrchen magst, an der Stärke und dem Opfermuth meiner Liebe darfst Du nach solchen Beweisen wahrlich nicht mehr zweifeln." Du hättest sie mir vielleicht besser auf eine andere Art an den Tag gelegt, als auf diese. Aber wir wollen nicht die ganze Erörterung noch einmal von vorn beginnen. Das Ende würde ja doch immer bleiben, daß nicht sein kann, was Du von mir verlangst. Ich bin im Begriffe, mir mein Leben hier aus eigener Kraft und nach eigenem Gefallen zu gestalten. Und ich will nicht zum zweitenmal alles aufgeben und fortwerfen um eines sehr ungewissen Liebesglückes willen. Denn es würde ja doch diesmal ebensowenig von Dauer sein wie das erste Mal." Ich schwöre Dir. Dora" Nicht doch! Was könntest Du mir denn schwören? Daß es Dich nach mir verlangt und daß Du den heiligsten Willen haft, mich auf Deinen Händen durch das Leben zu tragen? Aber das glaube ich Dir auch ohne Schwur. Schlimm nur für Dich und für mich, daß auch die besten Vorsätze weder das Gegensätzliche in unseren Neigungen

und Lebensansprüchen, noch die Verschiedenheit unseres Temperaments auszugleichen vermögen. Um ein halbwegs erträgliches Einvernehmen herzustellen, müßte jedes von uns viel mehr opfern, als selbst die glühendste Liebe des anderen ihm für die Dauer ersetzen kann. Und ich denke, wir hätten diese Erkenntniß das erste Mal Beide theuer genug bezahlt." Du würdest mich also fortgehen lassen ohne Bedauern und ohne ein Wort der Hoffnung?" Sie zuckte mit den Achseln und schwieg. Wohl eine Minute lang standen sie einander stumm gegenüber. Dann sagte er mit trotziger Bestimmtheit: Gut denn so werde ich Dir Zeit lassen, Deinen Sinn zu ändern. Sagen wir: noch eine Woche oder zwei, sofern die hohe Obrigkeit mir gestattet, so lange zu warten." Du bist von Sinnen, Gregor! Dies thörichte Beharren auf etwas Unmöglichem stürzt Dich in's Verderben." Vielleicht! Aber ich kann nicht anders. Wenn ich jetzt ohne Dich fortgehe, bist Du mir auf immer verloren. Und lieber das Schlimmste, als das!" Es war, als hätte sie einen kurzen Kampf mit sich selbst zu bestehen, ein letztes inneres Widerstreben zu überwinden gehabt, ehe sie sich zu dem entschloß, wc,s sie jetzt that, indem sie dicht vor ihn hintrat und ihre beiden kleinen Hände auf seine Schultern legte. Wenn Du mich liebst, kannst Du es dann übcr's Herz bringen, mich unglücklich zu machen? Und ich würde Zeit meines Lebens unglücklich sein, wenn jenes Schreckliche geschähe." Welche Schreckliche, Dora?" Sagtest Du nicht, daß man angefangen hat, Dich zu beobachten daß Du in Gefahr bist, verhaftet und ausgeliefert zu werden? Und weiß ich denn nicht, was Dich drüben in Rußland erwartet?" Er sah ihr in die Augen, als solle sein Blick bis auf den Grund ihrer Seele dringen. Ich habe mich schlecht ausgedrückt. Man wird mich nicht verhaften und nicht ausliefern. Ich habe ein sicheres Mittel, es zu verhindern. Ihre rechte Hand glitt von feiner Schulter tastend über seine Brust herab, dann riß sie, bevor er ihre Absicht errathen konnte, mit einer ungestümen Bewegung seinen Mantel auf und warf den Revolver, den sie ihm aus der Tasche gezogen hatte, auf den Tisch. Das also ist es, was mich über Dein Schicksal beruhigen soll? Und ich traue Dir zu, daß Du fähig wärst, es zu thun ohne Rücksicht auf mich, deren Leben Du damit vergiften wurdest. Ich verstehe Dich nicht, Dora! Ist es denn nicht Dem sehnlichster Wunsch, von mir befreit zu werden ein für allemal?" Nicht auf solche Art! Und ich will nicht, daß es geschieht Das Mittel, es zu hindern, ist in Deiner Hand." So laß uns einen Vertrag schließen, Gregor! Gönne mir noch eine kurze Zeit der Freiheit, so viel nur, als ich brauche, um meine Aasbildung zu vollenden. Dann, wenn Du mir irgendwo eine sichere Stätte bieten kannst dann mag es m Gottesnamen fern. Er erfaßte voll Leidenschaft ihre Hände, und sie machte diesmal !emen Versuch, sie ihm zu entziehen. Wenn es Dir ernst damit wärewenn ich glauben dürfte, daß Du mir Wort hältst und wenn ich aus Deine Treue bauen dürfte bis zu jenem Tag " Ach, welche Zweifel sind das? Du weißt, daß ich nicht luge." .Und wie lange noch sollte die Mar ter dieser Prüfung währen?" Gib mir ein halbes Jahr es ist wahrhaftig wenig genug für das, was ich mir zu erreichen vorgenommen. Und weshalb mußt Du's erreichen, Dora? Wird nicht Deine Künstlerschaft nachher vielmehr als ein neues Hinderniß zwischen uns stehend Es wäre Thorheit, auf halbem Wege inne zu halten. Und ich werde es unter keinen Umständen thun. Was ich Dir jetzt vorgeschlagen habe, ist das Aeußerste, was ich zu gewähren ver mag. Und ich versichere Dich, daß ich

von dem Vertrage zurücktreten werde, wenn Du mir nicht Dein Ehrenwort gibst. Dich unverzüglich in Sicherheit zu bringen." (Fortsetzung folgt.)

Moocrnc Achiffsvaukunst. rcr Toppelbovcn des neuen SS,eildamp7rr Kaiser Wilhelm II." Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, welche Zwecke bei den großen Ozeandampfern neuester Konstruktion der Doppelboden zu erfüllen hat. Terselbe bietet nicht nur einen wirksamen Bis auf M BcplcMung fertifler Doppelboden. rrt chutz bei etwaiger Beschädigung des Außenbodens, sondern dient zugleich für die Unterbringung des erforderlick)en Frischwassers zum Speisen der Kessel und des Trmkwassers. Dabei ist es möglich, durch Ausnahme von Vallastwasser die Beeinflussung der Stabilitätsverhältnisse durch den Nerbrauch von Kohlen und Proviant während der Reise wunschgemäß ausgleichen zu können. In unserem Bilde sehen wir den bis auf die Beplattung fertigen Doppcl boden des neuen Bremer Lloyddampfers Kaiser Wilhelm II.," der jüngst seine Jungfernreise über den Atlantischen Ozean zurücklegte. Der Boden besitzt dort, wo die Maschinen stehen, eine Höhe von nahezu 7 Fuß. Der horizontale Mittelkiel besteht aus drei aufeinander genieteten Platten von zusammen 2 Zoll Stärke. Wegen der starken Konstruktion bildet der Dopprfboden einen wesentlichen Faktor der Festigkeit des Unterschiffs. Der Dampfer Kaiser Wilhelm II." kann in seinen 26 Doppelbodenzellen 3165 Tonnen Wasser mitführen, ein Quantum Wasser, welches etwas größer ist, als die Wasserverdrängung eines der neueren kleinen deutschen Kreuzer beträgt. alph Waldo Cmerson. Sei 100. Geburtstag und seine Bedeutung als Philosoph und Dichter. Der bevorstehende 100. Geburtstag des berühmten amerikanischen Philosophen und Dichters Ralph Waldo Emerson wird, außer von den sämmtlichen literarischen Gesellschaften und seinen zahlreichen Verehrern im Lande, besond?cs in Eoncord, Mass., wo Emerson seit 1835 seinen ständigen Wohnsitz aufgeschlagen hatte und wo er 1882 starb, feierlich begangen werden. In den dortigen Schulen wird Ralph Waldo Emerson. man Festakte veranstalten, während im First Parish Meeting House zu Eoncord hervorragende Literaten und Professoren seiner durch Reden gedenken werden. Ein Bankett, zu dem die noch lebenden Freunde Emersons als Ehrengäste eingeladen sind, wird den Abschluß der Feier bilden. Emerson, der am 25. Mai 1803 als Sohn eines Geistlichen in Boston geboren wurde, studirte am Harvard College Theologie und wurde 1826 zum Pastor einer Kirche in Boston ordinirt. Er restgnirte jedoch 1332 wegen seines Widerspruchs gegen den Abendmahlsritus und unternahm eine Reise nach Europa. Nach seiner Niederlassung in Eoncord gab er unter dem Titel Naturc" eine Sammlung von Auffätzen heraus, die sein grundlegendes Werk für seine ideale, auf dem Studium der Mystiker, der griechischen und deutschen Philosophie beruhende AuffussuM'zildete, wonach die Natur nur ein Symbol und eine Offenbarung des Geistigen ist. Durch seine 1837 und 1838 erschienenen Reden über The American scholar" und Literarj ethics4' wurde Emerson der Führer der sogenannten transcendentalen Bewegung in Amerika, welche das Leben zu vergeistigen bestrebt war. Die vorzüglichsten seiner schriftstellerischen Arbei ten sind in den von 1844 bis 1871 veröffentlichten Essays" enthalten. Mit steigendem Interesse betheiligte sich Emerson auch an der Bewegung für die Abschaffung der Negersklaverei. Zu feinen letzten Veröffentlichungen gehören die Gedichtsammlung ,,Mj daysandother poems" (1877) und Fortune of the republic" (1878).

Feuer Signale.

4 Pennst) lv und Warfst 6 Engiisi?' Opern Hau 6 EastundNDork 7 Rodle und Michigan 5 N. Juley u. Msff Abc 9 Pine und North 10 Market und Pine 1! Vermont nahe East 12 91$. 8 Spritzenhaus Maff. Ave nahe Noble 13 Dkiaware und Walnut 14 N. Jersey u Eenrral A. 15 Mass. und ornell Ave 1 Ash und II. Straße 17 Park ve und 12 Str .8 Columbia undHillfid 19 Highland Ave u. Pltt kl Jlimotf und Ct. Joe 23 Pennsvlv. und Pratt 24 Mmi-an und 11. Etr 22 No. 5 Spritzenhaus 15. nahe JlkinoiS 26 Senate Ave u. StElair 27 Illinois und Michigan 28 Pesylvania und 14. 29 Senate Ave. und 13. 31 No. 1 Spritzenhaus JndAvenaheRichigan 32 Meridian und Walnut 3 California u nnont 35 Blake und New g)rrt 36 Ind. Av. u. St. Elair 37 eiry Hospital 38 Blake und North 3g Michigan und AgneS 41 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe Weft 42 Gscndorf u Wash. 43 Missouri u Ntw Hort 45 Mnidian u Wash 16 Illinois und Ohw 47 Capitol Av. u Wash 48 ingan'S PorkhauS 49 Straßenbahn Ställe W. Washington Str 51 No. 10 Spritzenhaus Illinois u Merrill 52 Jllmoii u Lomsiana 63 Welt und South 54 West und McCarty 56 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Rav 56 No. 4 Spritzenhaus Madrson Av. u Morvi 59 Madiion Av. u Dunlop 61 No 2 Haken Leiterbaus South nahe Delatvar 6 Penn, u Merrill 5 Delaware u. McCarty 4 Gast und VeEarttz 5 New Jersey u. Merrill 67 Birg. Av. u Bradsha 63 Sast und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus Lir Ave. nahe Huron 72 East und Georgia 73 Leda und El 74 Davidson u Georgia 75 önglish Av. u Pine 76 Shell'y und BateS 7? Ro, 3 Spritzenhaus Prospect nahe Shelby 79 Fletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Ja-sey 2 Delaware und Wash. 83 East u Washington 84 New Dork u. Davidsox 85 Taubstummen Anstatt 86 er. Staaten Arsenal 87 Onental und Wash. 89 firauen-Reformat. 91 No. 13 Spritzenbau Maryland nahe Mer. 92 Meridian u. 'Vcorqia. 93 Meridian und South 94 Pennsylv u. Louisiana 95 Virini Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Ave und Ohw ,23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 1. 125 Central Ave und 15. 126 ?)andeS und 15. 127 Brooksid und Jupiter 123 Central Av und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellesontaine und . 134 College Ave und 2. IZ5 Delaware und 13. 1 Alabama und North 137 Rewmann und 19. 138 College Av und 14. 13 Cornell Ave und 13. 141 DandeS und 1L. 142 Highland Av und IS. 169 Pavk lH inbll 212 (pite( Ave ck IV. 213 hknnsylv. u. 214 Illinois und 20. 215 Senate Ave und 21. 216 Pei'nsvlvania und 22. 217 Verteum nd n. 218 Capital Av und 2. 219 Broadway und 10. 231 Illino.s und DtcLea 234 Ro. 14 Spritzenhaus Kenwood und 30. 235 Jllinoiö und 33. 236 Slnetta und 30. 237 No. 9. Spritzeich H Udell und Raer 238 Udell Lad der Work 9 'adcl und 7. 241 Meridian und 24. 242 IllinoiS u St. Cla'A 243 Eldrioge und 23. 312 West uud Watnut 13 West und 12. 314 Howard und 16. 315 Torbet und Paca 316 Capital Ave und N, 17 Northwestern Ave u 318 Gent und 18. 319 Canal und 10. 8 Cerealine Worts ZS4 Vermont und Lyim 325 B'nakck v randu 326 Ro, 29 Spritzenhaus Hauabmlle. 327 Michigan u. Holme, 323 Michigan u. Coneord 341 West und Mcttyre 412 Missouri u. Maryland 413 Missouri und "hu 415 Capital Ave., jkvrgifl 416 Missouri u entucky U. 417 Senate Ave u. ash. 421 P und E RunduS LZ. Washington. 42 Jrren-Hospital. 424 Mi.ev Av u. J D uÄ 425 Wash. und Harri 426 No. 18 Epntzmlzaut 23 Washington 427 Clwer und Birch 426 Oliv und Osgood 429 Nordvke und Dort 431 Hadlcy Ave u. Morrt 432 River Av u. Norri 434 River Ave und Nah 435 Harding u. 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