Indiana Tribüne, Volume 26, Number 213, Indianapolis, Marion County, 30 April 1903 — Page 7
Jndiana Tribüne, 30. April 1903.
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Wer wird siegen! $ o. i - Ein Zeitroman f yern temlioli (Drtmann (Fortsetzung.) 11. Kapitel. P ie ganze Szene noch einmal! Sie müssen schon utschuldigen, Frau Ced, -sÖlb, daß ich Sie damit bemühe; aber so gebt es wahrhaftig nicht! Wenn Sie die dämonische Gewalt, die Sie über die junge Frau besitzen, nicht besser herausbringen. Her? Schumann, ruiniren Sie ja die Pointe des ganzen Stückes. Tas ist doch auch Ihre Meinung, Herr Cederskjöld?" Ter Regisseur, der breitspurig neden seinem kleinen Tisckchen aus einem beständig wippenden Rohrstuhl hart an der Rampe saß, hatte, ohne den Oberkörper umzudrehen, die letzte Frage mit einer leichten Kopfwendung Über die Schulter weg m den Zuschauerraum geworfen. Und aus der dämmengen Tiefe dieses in mystische Dunkelheit gehüllten, leeren Halbrunds klang cs sehr ruhig und sehr höflich zurück: Ich glaube nicht, daß Herr Schumann sollte noch mehr herausbringen diese dämonische Gewalt. Denn sie existirt ja nur in der Einbildung von der jungen Frau. Und es ist mehr in ihrem Spiel, als in dem einigen, daß sie sich müßte offenbaren." Unsinn!" brummte der Regisseur verdrießlich vor sich hin. Und dann, indem er ein paar Seiten in seinem Buche zurüctblätterte, fügte er laut hinzu: Also wenn es den Herrschaften gefällig ist i: fangen noch 'mal bei Ihrem Auftreten an, Herr Schumann! Sehen Sie, das machen Sie schon verkehrt. Sie müssen mindestens zwei Sekunden lang in der offenen Thür siehen bleiben und Thyra mit Ihrem Blick gleichsam hypnotisiren. DaS Vublikum mun die Empfindung haben, daß Sie sie dadurch gleich wieder ganz und gar in Ihre Gewalt bringen." Aber entschuldigen Sie, Herr Möring," wandte der zurechtgewiesene Schauspieler in geärgertem Tone ein, davon sieht doch nicht eine Silbe in meiner Rolle. Und es paßt auch gar nicht zu den konventionellen Worten, mit denen ich Thyra dann zu begrüßen habe. Die Auffassung des Autors scheint mir da dcch die bei Weitem richtigere zu sein." Wenn Herr Cederskiöld die Regie übernehmen will, können S'e sich natürlich ganz nach seiner Auffassung richten. Aber so lange ich die Verantwortung zu tragen habe, muß ich Sie schon bitten, meine Rathschläge zu befolgen." Ter Darsteller zögerte einen Augenblick, wie wenn er aus der dunklen Tiefe des Parketts einen Widerspruch erwarte, da derselbe aber nicht erfolgte, kehrte er zu der Thür im Hintergrunde zurück und nahm die von dem Regisseur gewünschte Haltung an, in absuchtlieber Uebertreibung die Augen aufreißend wie der Bösewicht in einem Ritterschauspiel. So ist's besser! Und es wird die Situation noch eindrucksvoller machen, wenn Sie dabei die Arme über der Brust verschränken." Soll ich nicht vielleicht auch noch hörbar mit den Zähnen knirscher,? Oder mit dem Fuße aufstampfen? Ich werde mit Vergnügen fo dämonijch sein, wie Sie nur wollen." Hinter den Kulissen wurde sehr ver nehmlich gelacht, dem nervösen Herrn Möring aber stieg das Blut in's Gcsieht. Ich muß mir alle Sarkasmen nachdrücklichst verbitten. Die Jnszenirung dieses Stückes ist wahrhaftig ohnehin schon ein mehr als zweifelhaftes Vergnügen. Und ich sitze nicht hier, um mich von Ihnen hänseln zu lassen." Frau Signe Cederskjöld, die gleich den übrigen Mitwirkenden auf der zugigen Bühne in vollem Straßenkostüm, mit Hut und Jackett, geblieben war, machte eine bittende Geste gegen ihren Partner hin, um eine Fortsetzung des unerquicklichen Wortwechsels zu verhindern. Und Herr Schumann begnügte sich denn auch mit einem vielsagenden Achselzucken und einem sehr ironischen Lächeln, so daß der gereizte Regisseur während der ersten Hälfte der Szene keinen Anlaß mehr fand, das Spiel zu unterbrechen. Dann aber kam die Unterbrechung von einer anderen Seite her, nämlich aus dem gähnenden Dunkel des Zuschauerraumes, wo Arvid Ceoerfkjöld ganz allein in einer der mittleren Parkettreihen saß. Verzeihung, wenn ich störe! Aber ich meine, es ist nicht gut so. Bei solcher Auffassung wird das Publikum das psychologische Problem gar nicht verstehen." Mit einem hörbaren Stnaü warf Herr Möring das Regiebuch, in welchem er nachgelesen hatte, auf den Tisch. Ohne sich nach dem Sprechenden umzuwenden, sagte er giftig: .Ja, glauben Sie etwa, mein verehrter Herr Cederskjöld, daß überhaupt irgend ein Mensch es verstehen wird? Henrik Ibsen ist ja ein Muster an Klarheit und Verständlichkeit im Ver-
gleich mit Ihnen. Es hat mich schlaflose Nächte gekostet, um wenigstens die paar äußerltchen Effekte herauözuarVeiten, die die Sache vielleicht noch retten können. Wenn Sie sich aber auf Bühneneinwirkungen so viel besser verstehen als ich, überlasse ich Ihnen mit dem größten Vergnüaen die Regie." Noch ehe Arvid Cederskjöld hatte antworten können, war Signe an die Rampe- getreten und hatte an ihren Gatten tn schwedischer Sprache einige Worte gerichtet, die wohl eine sehr eindringliche Bitte enthalten haben mochten. sich der Autorität des Bühnengewaltigen zu fügen. Dann, nach einem kleinen Schweigen, sagte der Dichter in seiner gleichmäßig höflichen Weise:
,,'j'tetn, es scheint, daß ich mich nicht verstehe auf diese Dinge. Und ich werde mir nicht erlauben, noch einmal zu wiversprechen Ihren Anordnungen." Na also weiter, meine Herrschaften! Wir können doch schließlich nicht bis zum Beginn der Abendvorstellung hier Probiren." Der jugendliche Liebhaber fühe seine Szene mit augenfälliger Unlust zu Ende. Signe aber war mit Leib und Seele bei ihrer Aufgabe. Und wenn auch die mangelhaft beleuchtete Bühne, die unvollständige Dekoration und ihr der Situation sehr wenig anmessenes Kostüm so illusionsfeindlich wie nur immer möglich wirkten, war ihr ?piel doch voll Temperament und Leben, so daß es auf naivere Zuhörer, als es die plaudernden Herren und Damen hinter den Kulissen waren, sicherlich trotz der ungünstigen Umstände starken Eindruck gemacht haben würde. Sie hatte eine jung verheirathe'k Frau darzustellen, die vor ihrer Vermählung die heimlich verlobte Braut eines anderen. Plötzlich verschollenen Mannes gewesen war und deren eheliches Glück trotz der aufrichtigen Zuneigung zu ihrem Gatten durch die beständige Furcht vor einer Rückkehr des ehemaligen Geliebten getrübt wurde. Düster und drohend wie ein ungreifbares, aber darum nicht minder entsetzliches Gespenst sollte der Schatten dieses Verschollenen unaufhörlich über ihrem Haupte schweben, bis dann eines Tages seine wirklick erfolacnde Wiederkebr die m:t der Äeyarrl:cylett etner stxen Joee schon so lange gefürchtete Katastrophe brachte. Die Szene dieser Wiederbegegnung bildete naturgemäß den HöhePunkt des Stückes, und ihr Erfolg oder Mißerfolg mußten entscheidend sein für das Schicksal des ganzen Dramas. Aber die Aufgabe, die die Schauspielerin in dieser Szene zu losen hatte, stellte die höchsten Anforderungen an ihre Kunst. Denn während die furchtbare Angst, daß ihr Gatte das bisher gehütete Geheimniß entdecken könnte, ihre Nerven bis zum Wahnsinn marterte, hatte sie alle kleinen Listen weiblicher Verschlagenheit, alle Künste der Verstellung und der Koketterie aufzubieten, um das Verhängniß abzuwenden. Und es war kein Zweifel, daß Signe Cederskjöld dem schwierigen schauspielerischen Problem mit starkem Talent gerecht zu werden wußte. Sie lachte und scherzte und kokettnte, während die Zuschauer doch nicht einen Augenblick über die Qualen ihrer Seele im Ungewissen bleiben konnten. Ihre eidechsenhaft anmuthige Beweglichkeit verlieh dem kleinen, zierlichen Figürchen immer neuen Reiz; ihr unschönes Gesicht gewann hier und da etwas geradezu Bezauberndes durch die wunderbare Beredtsamkeit ihres Mienenspiels, und ihr Helles Lachen klang verführerisch wie das Kichern einer Elfe. In ihren ausdrucksvollen Augen aber stand bei alledem leserlich genug die namenlose Angst ihres Herzens geschrieben, und die Art, wie sie zuweilen anscheinend unwillkürlich mit der Hand an die Stirn oder nach dem Herzen fuhr, wirkte hundertmal ergreifender als ein lauter Aufschrei der Verzweiflung. Sie war sehr bleich geworden, und ihre Brust hob sich in stürmischen Athemzügen, als sie nach Beendigung der großen Szene in die Kulisse abtrat. Ihre von dem grellen Licht der beiden Beleuchtungskästen an der Rampe halb geblendeten Augen fanden sich m dem Halbdunkel da hinten nicht sogleich zurecht, und sie stieß einen kleinen Schrei der Ueberraschung aus, als sie sich von einer hohen, krähenden Männerstimme halblaut angeredet hörte: Guten Morgen, Frau Signe! Ich mache Ihnen aus aufrichtigem Herzen mem Kompliment!" Doktor Roberti Sie hier! Und Sre haben zugehört?" Seit dem Beginn des letzten Aufzuges. Ohne alle Redensarten Sie waren einfach entzückend." Ach, ich wage gar nicht, Ihnen zu glauben. Arvid ist mit meinem Spiel in der großen Szene keineswegs zufrieden. Er hat mir überhaupt noch kein einziges freundliches Wort über meine Darstellung als Thyra gesagt." Hm! Es ist ja möglich, daß er sich die ganze Gestalt etwas anders vorgestellt hat. Aber das macht nichts. Bleiben Sie nur bei Ihrer Auffassung, wenn Ihnen daran gelegen ist, einen schauspielerischen Erfolg davon zu tragen, der literarische ist ohnedies nicht mehr zu retten." Wie? Sie prophezeien dem Stück ein Fiasko? Aber das wäre ja abscheulich!" Die blödsinnige Regie des Herrn Möring richtet es hoffnungslos zu Grunde. Aber dieser Idiot hat vielleicht so unrecht nicht, wenn er meint daß man die eigentlichen Absichten des 5-rn Cederskjöld so wie so nicht ver-
standen hätte. Und die Hauptsache ist doch am Ende, daß S i e dem Publiturn gefallen." ) nein, das ist gar nicht die Hauptfache. Wenn das Stück durchsällt, werde ich todunglücklich sein!" Ei. weshalb denn? Haben Sie vielleicht schon über die hunderttausend Mark disponirt, die es an Tantiemen einbringen sollte?" Nein, das ist es nicht, obwohl ich nicht böse gewesen wäre, wenn wir sie verdient hätten. Aber auf den Erfolg des Stückes hatte ich meine letzte Hoffnung gesetzt, Arvid z-um Hierbleiben zu bewegen. Seit einigen Tagen ist er fest entschlossen, nach Schweden zurück-
zukehren. Und ich bin überzeugt, daß nur ein großer Triumph ihn hier festhalten könnte." Dann werden wir uns wohl mit dem Gedanken vertraut machen müssen, ihn zu verlieren. Wir ich meine da mit naturlich Mich und Sie, Frau Signe!" Mich? Ach, Sie sind nicht gescheit! Soll ich Arvid etwa allein reifen lassen :" Ja. das sollen Sie! Würden Sie vielleicht daran sterben?" Solche Fragen stellt man nicht, mein Herr! Und es ist ja auch gar nicht daran zu denken. Was sollte ich denn mutterseelenallein hier beainnen?" Sie würden nicht einsamer sein, als Sie es vor Ihrer Verheiratung waren. Und ich verspreche Ihnen ein gutes Engagement für die nächste Saison. Lockt es Sie denn gar nicht, eine gefeierte Berliner Bühnengröße zu werden?" O, und ob es mich lockt! Aber Sie sind doch nicht allmächtig, Doktor Roberti! Und das Ende vom Liede würde sein, daß ich alles hingegeben hätte für ein Phantom." Nicht, wenn Sie sich meinem Schutze anvertrauen," flüsterte er, sich ganz zu ihr neigend. Sie wissen, ich verspreche niemals, was ich nicht halten kann. Habe ich nicht die Ausführung dieses Stückes durchgesetzt, das von allen Theatern zurückgewiesen war? Habe ich nicht durch meine Artikel öftren Mann schon zu einer Art von Berühmtheit gemacyt, noch eye man hier einen Pinselstrich von ihm gesehen oder eme Zeile aus semer Feder gelesen hat? Und ist es nicht viel leichter, eine hübsche, junge Schauspielerin zu lanciren, als einen Künstler vom Schlage Ihres schwerfälligen und eigensinnigen Olaf Tryggvason?" Nennen Sie ihn nicht immer bei diesem Spitznamen ich bitte Sie darum. Ich mag es nicht mehr hören, seitdem " Nun, seit wann?" Ach, Sie wissen wohl, was ich meine. Und ich warne Sie vor ihm, Doktor Roberti! Er hat mir noch niemals etwas vonEifersucht gezeigt, aber ich glaube, er könnte schrecklich werden, wenn " Ah, jetzt verstehe ich," warf Roberti in cynischer Blasirtheit hin. Sie denken an Ihres Mannes Anspielung auf den kurzen Prozeß, den jener Olaf angeblich mit den Beleidigern seiner Ehre gemacht? Na wenn es weiter nichts ist, was Sie beunruhigt, als das " Still!" raunte sie ihm zu, ihre Hand mit heftigem Druck auf seinen Arm legend. Arvid ist auf der Bühne ich höre seine Stimme." Auch Doktor Roberti hörte sie jetzt, und dazwischen eine andere, Phlegmatisch näselnde Stimme, die er ebenfalls kannte. Eine Minute lang lauschte er auf das Gespräch, das irgendwo ganz in ihrer Nähe geführt wurde, dann flüsterte er: Ihr widerborstiger Gatte ist im Begriff, sein Stück zurückzuziehen, weil man es nicht nach seinen Intentionen spielen will. Soeben hat er mit seiner gewöhnlichen fischblütigen Gelassenheit dem Direktor diese Absicht kundgegeden. Nun zeigen Sie, daß Sie doch auch einige Gewalt über ihn haben. Machen Sie ihm eine Szene, gleich hier vor dem ganzen Personal. Denn wenn er auf seinem Entschluß beharrt, sind Ihre Aussichten für Berlin unwiderbringlich dahin." Er wartete nicht ab, ob sie seinen Rath befolgen würde, sondern hielt es aus irgend einem Grunde für besser, sich außer Hörweite zu begeben. Während Signe durch die Leinwandthür der Kulisse wieder auf die Szene hinaustrat, wo sie sogleich der Riesengestalt ihres rothblonden Gatten ansichtig wurde, vertiefte er sich im entlegenen Hintergrunde der Bühne in die eifrigste Unterhaltung mit einer Schauspielenn, die dort in der Einsamkeit ihre Rolle memorirt hatte. Und erst als nach geraumer Zeit von vornher plötzlich ein gellender Aufschrei aus weiblichem Munde vernehmlich wurde, sagte er, während es ironisch um seine häßlichen Lippen zuckte: Man probirt noch immer, wie es scheint. Oder sollte sich's vielleicht gar um eine kleine Improvisation handeln? Lassen Sie uns doch sehen!" Er wandte sich und lugte durch den Spalt der im Prospekt angebrachten Tbür auf die offene Szene hinaus, während sich die Schauspielerin hinter ihm auf die Fußspitzen stellte, um ihre Neugier ebenfalls zu befriedigen. Er sah, daß Signe anscheinend ohnmächtig mit schlaff herabhängenden Armen und hintenüber gesunkenem Köpfchen auf dem Stuhle des Regisseurs saß. und daß Arvid Cederskjöld uitf einige Damen vom Schauspielerpersonal um sie beschäftigt waren. Es ist nichts." sagte er. .Offenbar
nur die Generalprobe zu einem häus kicken Revertoirestück. Aber 5 bat Tatern, wiese iiciue zMMunoerln, oas muß man ihr lassen." Pfui, was für ein garstiger Spötter Sie sind!" lachte die Schauspielerin. Der Himmel bewahre jeden in Gnaden vor Ihrer bösen Zunge!" Er gab ihr eine scherzende Antwort, und sie setzten ihr Geplauder fort, ohne sich weiter um die Ereignisse da vorn an der Rampe zu kümmern. Nach einer guten Weile erst verabschiedete sich Roberti und schlenderte, der Eisenthü? zu, die von der Bühne in den Zuschauerräum führte. Noch ehe er sie erreicht hatte, traten Arvid Cederskjöld und seine junge Frau zwischen dem Proscenium und der ersten Kulisse auf denselben Gang hinaus. Signe hing wie ein welkes Blümcken am Arm ihres riesigen Gatten, aber ein mattes, glückliches Lächeln war auf ihrem Gesicht. Sie war also ohne Zweifel Siegerin geblieben in dem Kampf, den sie da mit den wirksamen Waffen weiblicher List gegen seine künstlerische Selbstachtung geführt hatte. Doktor Roberti trat einen Schritt zurück, um sie vorüber zu lassen, und zog höflich grüßend seinen Hut. Die Schauspielerin neigte dankend das Köpfchen. Aus Arvid Cederskjölds blauen Augen aber traf ihn ein Blick wie das Aufblitzen einer gezückten Degenklinge, und sein Gruß blieb unerwidert. Klirrend fiel dasEisenpförtchen hinter dem Ehepaar zu. Doktor Roberti aber machte eine spöttische Grimasse und murmelte: Also offene Fehde, mein tapferer Tryggvason! Nun wohl, wir werden ja sehen, wer von uns Beiden der Stärkere ist!" (Fortsetzung folgt.)
Dpscr dcs Aberglaubens. Wie eine fchlichle Bäuerin in Schwaben von Zigeunerinnen" beschwindelt wurde. Wie sehr Aberglaube beim Landvolk noch immer eine große Rolle spielt, zeigt folgender Fall, der kürzlich die Strafkammer des Landgerichts Memmingen im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben beschäftigte. Am Schutzengelfeste 1900 tarn eine ältere Zigeunerin zu einer Söldnersfrau in Vorderschellenbach und schwindelte dieser vor, sie, die Söldnersfrau, wäre krank, sie habe Unglück im Stalle und ihre verstorbenen Eltern müßten im Jenseits leiden. Sie, die Zigeunerin, könne all' dem abhelfen, doch habe sie hierzu allerlei nöthig. Auf Verlangen gab die Söldnersfrau ein Ei und ein neues Sacktuch her; in dieses wickelte die Zigeunerin das Ei, legte alles auf den Fußboden und ließ die Söldnersfrau, welche sich darauf stellen mußte, den Namen Gottes anrufen. Die Zigeunerin machte noch weiteren Hokuspokus," nahm das Ei und zerbrach es, worauf angeblich eine Menschenhand sichtbar wurde. Diese sei, versicherte die Zigeunerin, die Hand der verstorbenen Mutter dcr Frau, sie sei ausgestreckt, rufe um Hilfe und brauche Geld. Die Söldnersfrau müsse schnell Gew hergeben, da die Hand gleich wieder im Gottesacker vergraben werden müsse. Die Frau gab der Zigeunerin wirklich Geld bis zum Betrage von 1500 Mark. Als die Zigeunerin wegging, sagte sie zu der Frau, sie werde jetzt ihre Tochter schicken, weil sie selbst nichts mehr thun könne, jene müsse die rechte Hand auch erlösen. Nach Verlauf etwa eines Jahres kam nun eine jüngere Zigeunerin, welche die nämlichen Manipulationen mit einem Ei machte und angeblich die rechte Hand zum Vorschein kommen ließ. Auch mußte die Söldnersfrau eine neue Schaufel hergeben, welche von der Zigeunerin in einen Korb gelegt wurde. Es sollte damit ein Schatz gehoben werden. Sie grub damit im Pferdestall und machte beim Aufheben eines Steines der Söldnersfrau vor, es lägen schon einige Goldstücke darunter, man müsse diese aber noch liegen lassen, um den Schatz von 32,000 Mark heben zu können. Die Zigeunerin verlangte nun von der Frau einige BettÜberzüge, welche sie verbrennen und die Asche davon im Stalle ausstreuen müsse, weiter forderte sie wiederholt Geld, auch mußte die Frau Geld in eine Kapelle bringen, wo die Zigeunerin sie erwartete. Auf diese Weise erhielt sie von der Frau 3300 Mark, so daß diese im Ganzen um den Betrag von 4800 Mark beschwindelt wurde. Sie mußte sich sogar Geld entlehnen, und ihr Mann erfuhr erst am Schlüsse von der Geschichte. Wegen dieser Schwindeleien wurden die Regenschirmhändlerin Elisabeth Rösch aus Weißenburg im Elsaß und die Schirmflickerin Kreszenz Winter von Almendingen zu je zwei Jahren sechs Monaten Gefängniß verurtheilt. Spazierfahrten i m Luftballon verspricht der Aeronaut Santos-Dumont, der schon einmal den Eiffelthurm mit seinem Luftfahrzeug umkreist hat. den Parifern. Er hat sich in Neuilly einen riesigen ..Ballon-Stall" bauen lassen; das Dach ist aus Segeltuch hergestellt und mißt 3000 Quadratyards. Von dort aus will Santos-Dumont im Mai mit einem neu konstruirten Ballon von 2000 Quadratyards Kubikinhalt, der zehn Passagiere befördern kann. Spazierfahrten über dem Bois de Boulogne unternehmen.
Türkische Volliszähwngen. Sonderbare Methoden bei der CensuVauf ahme im Reiche es HalbmonvS. Ein Berichterstatter schreibt der Frankfurter Zeitung" aus Saloniki: Dieser Tage wurde dem Generalgouoerneur von Saloniki eine Statistik der Bevölkerung des Vilajets Saloniki unterbreitet, die auf Grund der ErHebungen des Matrikel-Amtes zusammengestellt war. Es wurden Zahlen veröffentlicht, die geradezu lächerlich sind und nicht im Entferntesten der Wahrheit entsprechen. Ter Grund, warum die festgestellten Zahlen so weit von der Wirklichkeit abirren, liegt zunächst in dem allgemeinen Mißtrauen der Bevölkerung den türkischen Behörden gegenüber und in der betrügerischen Absicht, durch Angabe einer geringeren Anzahl Personen seitens der Hausväter oder Familienoberhäupter die Steuerbehörden zu schädigen. Man kann hier täglich Leute treffen, die absolut nicht anzugeben wissen, wie alt sie sind, namentlich unter den Israeliten, und nur die Jüngeren kennen ihr Alter genau. Dies hat folgende Urfache: Die Familienväter ließen sich früher von den türkischen Behörden keine Geburtsscheine geben, mit anderen Worten: die Geburt eines Kindes, namentlich der Knaben, wurde verheimlicht, weil man keine Militärbefreiungssteuer entrichten wollte. Auf diese Weise sind die Aufzeichnungen in den Registern der Behörden für die Zusammenstellung einer Statistik werthlos geworden und man thäte besser, solche Zahlen gar nichi zu veröffentlichen. Bei der Vornahme einer
Volkszählung kommt es vor, daß die damit betraute Kommission in die meisten türkischen Häuser nicht eingelassen wird. Da heißt es ganz kurz, es sei nur der Harem im Hause. In andern Häusern trifft man gleichfalls die Inwohner nicht alle an, und wo man auf kleine Kinder hinwies, erklärte man der Kommission, daß diese nicht mitgezählt werden dürften. Auch die Dienstboten vergißt man oft gänzlich in die Listen einzutragen. So kommt es vor, daß die Kommission eine erkleckliche Anzahl Häuser passirt. ohne ein Resultat zu erzielen, und das nennt man dann hierzulande Volkszählung." Man weiß aber recht gut, daß z. B. Saloniki allein über 105,000 Einwohner hat und daß 60 bis 62 Prozent davon Jsraeliten sind. Krieg auf Probe. Seit einiger Zeit finden in den Städten am Schwarzen Meere bei den Truppen des 7. und 8. russischen Korps Probemobilmachungen statt, die im Hinblick auf die gespannte Lage auf der Balkanhalbinsel die russische Bevölkerung in den Gouvernements des Schwarzen Meeres in hohem Maße beunruhigen. Bor Kurzem wurde eine solche Probemobilmachung, mit besonders angeordneten Kontrollversammlungen, Pferdevormusterungen, (Sirladeübungen der Truppen u. s. w. auch im Tiraspoler Kreise veranstaltet. Die ganze Bevölkerung des Kreises war in heller Aufregung. Die unsinnigsten Gerüchte kursirten. Die Bauern, denen der Begriff einer Probemobilmachung nicht klar zu machen war, ließen sich in ihrem Glauben nicht erschüttern, daß es zum Kriege gegen die Türken ginge. Sie verkauften ihre letzten Sachen und erschienen, begleitet von heulenden Weibern und schreienden Kindern, auf den Gestellungsplätzen. Sie versperrten in Tiraspol alle Straßen. Die phantasiereichsten Schilderungen über den eingebildeten Feind schössen wie Pilze nach dem Vagen aus der Erde. Die Bauern befanden sich während sieben Tagen in einem völligen Fieberwahn. Selbst der Maueranschlag des StadtHauptmanns, der deutlich mittheilte, daß es sich lediglich um eine Mobilmachungsübung handelte, vermochte die aufgeregten Bauern nicht zu beruhigen. Das Telephon t m Schnellzuge. Die in England gemachten Versuche, die EisenbahnSchnellzüge mit Telephoneinrichtungen zu versehen, haben sich bewährt. Jeder in einem Abthcil angebrachte Apparat kann, sobald der Zug auf einer größeren Station hält, leicht mit der Telephonleitung des betreffenden Ortes verbunden werden, wodurch man Anschluß nach allen Städten des Landes erhält. Da die Schnellzüge nur selten und kurzen Aufenthalt haben, werden die Anmeldungen zu Telephongesprächen schon unterwegs entgegengenommen. Ein Beamter sammelt die gewünschten auf Karttistücke geschriebenen Nummern und wirft sie im Vorbeifahren bei der nächsten kleineren Station aus, die die nächste Haltestation benachrichtigt. Sobald der Zug ankommt, werden die Verbindungen heraestellt. Verhaftung mit Hind e r n i s s e n. In Heidelberg, Baden, suchte unlängst ein Stromer, der wegen Bettels im Stadttheil Neuenheim verhaftet worden war, durch die Flucht über die Neue Brücke zu entkommen. Als er den Häscher nahe sah, stürzte er sich auf der Heidelberger Seite in den Neckar und schwamm wieder gegen das Neuenheimer Ufer zu. Er wurde in einem Nachen verfolgt, doch gelang es erst nach längerer Zeit. den kühnen Schwimmer, dem die Zuschauer theilweise durch laute Zurufe ihre Bewunderung kundgaben, im Wasser festzunehmen und dann im Triumph nach der Polizeistation im Rathhaus zu verbringen.
Feuer - Signale.
4 Pennsylv und Viaritt b English'SOxern-Haui East und N-w Dort 7 Roble und Michigan 5 N. Jersey u. Msff Av 9 Pine und Nvttb ,0 Startet und Pine 11 Vermont nahe East 12 51$. 8 Spritzenhaus Mass. Ave nahe Rodle 13 Delaware und Walnut 14 . Jersey u Eentral K. 15 Mass. und Lornell Ave 16 sh und 11. Strafe 17 Park Ave und 12 Str .S Columbia undHillfid 19 Higbiand Ave u. Patt l JllinoiS und St. Joe 23 Pennsylv. und Pratt 24 Meridian und 11. Str 25 No. 5 Spritzenhaus 15. nahe Illinois 26 Senate Ave u. Sttllair 27 JllinoiS und Michigan 28 Pesylvania und 14. 29 Senate Ave. und 13. 31 No. l Spritzenhaus JndAvenaheMichigan 32 Meridra und Walnut 34 California u ermont 35 Blake und New Kork 36 Ind. Av. u. St, Elair 37 City Hospital 38 Blake und Norty 39 Mich,gan und Agnes 41 No. 6 Spllyenhaus Washington nah West 42 Gsndorf u Wash. 43 Missouri n New Kork 45 Meridian u Wash 46 JllinoiS und Ohio 47 Capitel v. u Wash 48 Kingan'S PorkhauS ii Straßenbahn Stalle W. Washington Etr öl Sio. l Spritzenhaus JllinoiS u Merrill 52 Illinois u Louisiana 53 Weit und Eouch 64 West und RcCarty 56 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Rav 58 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Mor. 59 Madilon Av. u Tunlcp 01 No 2 Haken Leiterhaus South nahe Telawar 62 Penn, u Merrill 53 Teiaware u. McCarth 4 Saft und cSarty 5 New Jersey u. Merrill 67 Birg. Av. u Bradsha 63 East und Prospekt 9 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus ir Av. nah Huron 72 East und Georgia 73 Eeda, und Elm 74 Davidson u Georgia 75 Snglish Av. u Pine 76 Chelby und Bäte 7? No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelby 71 Fletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. 83 East u Washington 84 New Nork u. Davidso? 85 Taubstummen Anstalt 86 Bcr. Staaten Arsenal 87 Orvental und Wash. 89 rauen-Reiormat. 91 Nv. 13 L:ritzenbauS Marvland nabe Mer. 92 Meridian u. Vcorqia. 93 Meridian und South 94 Pennsylv u. Louisiana 95 Virginia Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Ave und DWo .23 Ns. 16 Svrienhaus le. und Ast). 124 Alabama und 1. 125 Cerral Ave und 15. 126 ?)ndeS und 15. 127 Brooksid und Jupiter 123 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 14. 132 Bcllesontaine und i. 134 College Ave und 26. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 138 College Ave und 14. 139 Corncll Ave und 13. 141 Aandes und 10. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey und 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hilifide Ave und 16. 148 College Ave und 22. 149 College Ave und 27. 152 Park Ave und 2. 15Z L E u. Bahn u. 22. 154 Ramsey Ave und 10. 15 Stoughton u Newman 157 Atlas und Pike. 158 Blohd und Pawdaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood 12 Arven und Depot 163 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. eystone 167 Arsenal Ave und 23. 169 Park ve und 10. 212 Capital ve und 17. 213 Pennsylv. u. ichiW 214 JllinoiS und 2. 215 Senate ve und 21. 216 Pennsvlvania und tt. 217 Meridian nd 1. 218 Capital ve und . 19 Broadway und lt 231 IllinoL und McLean 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood nd M. 585 I linois und 33. 23 Annetta und Mi 237 No. . Spritzend 6 Udell und Raoer 38 Udeil Ladder orfs 39 Jsabel und 7. 241 Meridian und 24. 42 Illinois u St. Ciar 243 eldiiog nd . 812 West und Watnut 313 West und l. 314 Howard nd i. 315 Torbet und focu 316 Capital Ave und IB. 317 Nortbtftern Avt u 313 Gent und . 319 Canal und 1V. 824 Eerealine rk 324 Vermont und LtM 325 Blsmarck u SrandwieA 826 Ro. 29 Spritzenhaus Haugboille. 27 Vichigo . Halmes. 828 Michigan u. Concortz 341 West und McTwtvre 412 Missouri u. Maryiand 413 Missouri nd pio 415 Capital ve .. Georgia 6 Missouris ft entlieft 417 Senate Ave u. Wastz. 421 P und E RiNidKaus 28. Washington. 423 Jrren-Hosxital. 424 Mi.ev Ave . JDuÄ 425 Wasb. und Harris 426 No. 18 Epnzach SS Washuigto 427 Oliver und Birch 423 Oliver und OSgood 429 Nordvke und Hort 431 Hadiey Ave u. Morr 432 Niver Ave u. Morris L4 Rtver ve und Ray 435 Harding u. Big 4 R ? 436 Harding und Oliva 437 Ro. 1 Spritzenh?? Morris und Hardmu, 4 Howard wA 439 6topnM 451 Reisn und 452 Howard und See 453 Morris und KaptzaS 45 Lambert und BetMt 457 Nordyke ve u. War wen WorkS 512 West und Ray 513 Kentucky Ave u. Rerrtl, 614 Meridian und MorrtzS 516 JllinoiS nd KansaS 517 orris und Dakota 518 Morris und Church 519 Capital A. u Atcftartft 621 Meridian und Palme 523 Pine im' Lord 624 Madisor Ave u Lincoln 26 Meridian und Belt S 527 Carlos und Ray 628 Meridian und Arima 629 Meridian u. Aaymond 621 Meridian u. 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Clair und Union Bahn eieise. 821 Pan Handle Shops 823 Vermont und Wakstt 824 Wash. und State Atz. 8 Maddn'skougSan 826 Tucker und Dorsey 827 Wash. und Bevtlle Av 825 Ro. 1s Spritzenhaus eville nah Mich? 831 Southeaster Ae uns oodside. 832 Wash. und Dearbor 884 Southeaster und Arsenal Ave. 886 New Dork und Dempk 912 JlnnoiS und Maryl. i Illinois und artet 914 Penn, nd Wastz, 915 Delaware ad 168 Bellesontaine und 23. Spezial-Signale. Ersten 9 Schläge, zweiter Alarm. Zweiten Schläge, dritter Alarm, Dritten 2 Schlage, vierter Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch aufgerollt. 3 Schlag, Wasserdruck ab. 12 Schlage, 12 Uhr Mittags. - Die 'fi bezeichneten Signale werden nur vom Thun wacht angegeben oa an den betreffenden Strotzte kreuzunge kine Atarittster angebracht find. Chicago und der grotze Nordwefte via i F BMamiltJttBg laSka Qawaii Pdilivvine Inseln. Bin tägliche Schnellzüge nach Chicago. M, M V il MIIVH "VI W k x -B Und nur 5 Minuten Mitteln elektrischer Car nacd SRn hr- flünnitn A" Cfr ntr nn sis flirrt den Union Biehdösen French Lick Spring, in dem Orange Countv Hochland. Familien Hotel lnter neuer eschäftSIeituna. Pluto, Proserpi ind Bowles Quellen. Befie Mineralwaffer der Seit. Zwei Züge täglich via Sree.ieattl. Zicket-Oisicen : Union Station, Massachusetts Ave nd W West Washington Straße. ..Alge, Distrikt äff. Agent, Indianapolis. Ind. . H. VcDoel, .H. Rockwell. VrSs. und Sen. Mgr. erriebslUkt fr a u k I. R e e , lff. Agent. Ihieaao, I.
