Indiana Tribüne, Volume 26, Number 208, Indianapolis, Marion County, 24 April 1903 — Page 7
Jndiana Tribüne, 2. April 1903
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l Wer wird sicgcn ! K Ein Zeitroman Von fteinliolfr rtrnann l (Fortsetzung.) rnr machte der Maler, indem er seine Stirn in geheimnißvolle Falten zog. Damit hat es nun seine besondere Bewandtnis Klug und weltgewandt ist Fräulein Dolly jedenfalls. Oö sie viel gelernt hat. weiß ich nicht. Und was ihre Herkunft angeht, so hat sie gleich am ersten Tage unserer näheren Bekanntschaft nach der Weise eines gewissen Schwanenritters gesungen: .Nie sollst Du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen, woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam' und Art.' Sie stammt aus Hamburg, und ihre Familie ist nicht damit einverstanden, daß sie sich der Bühne zu widmen gedenkt. So viel hat sie uns anvertraut mit dem ausdrücklichen Hinzufügen, daß sie nach Weiterem nicht gefragt sein möchte. Und wir sind natürlich seitdem allstündlich darauf gefaßt, daß sie sich uns als ein verstoßenes Königskind oder etwas dergleichen enthüllen werde." ftein, Herr von Brunneck, das ist wieder eine von meines Vaters poetischeu Uebertreibungen," berichtigte Fräulein Helene. Erstens wissen wir ganz genau, daß es in Hamburg überHaupt keine Königskinder oder dergleichen gibt, und zweitens ist Dolly nicht im mindesten bemüht, sich dadurch, daß sie sich mit dem Schleier eines interessanten Geheimnisses umgibt, in unsern Augen zu etwas Besonderem zu machen. Sie will für eine junge Dame aus guter bürgerlicher Familie gehalten sein. Und als eine solche dürfen auch Sie auf meine Verantwortung hin sie getrost ansehen." Erich verbeugte sich, indem er zugleich wegen seiner vielleicht Ungeschickten Bemerkung um Entschuldigung bat. Dann brach er wirklich auf, und Gabor Sarlo gab ihm bis zur Korridorthür das Geleit. Ich möchte den Meister nicht zu oft in seiner Arbeit stören sagte Erich, als sie da miteinander allein waren. Zwischen uns aber dürfte in der nachsten Zeit doch mancherlei zu besprechen und zu überlegen sein. Wollen Sie mir irgend einen Ort vorschlagen, an dem wir uns vielleicht des Abends zwanglos treffen können?" Der Ungar dachte nach. Ich würde Sie einladen, zu mir zu kommen," meinte er dann ohne alle Verlegenheit mit seinem liebenswürdigen, gewinnenden Lächeln, aber in meinen vier Wänden sieht es leider nicht so aus, daß ein Besucher sich darin bel?aglich fühlen könnte. Und in das , Schweinchen' werden Sie am Ende auch nicht kommen wollen." Das ,Schweinchen' was ist denn das? " Ach. so eine Art vonKünstlerkneipe. eine kleine Weinstube in der Luisenstraße, wo ich in der Regel des Abends auf ein Stündchen vorspreche, und wohin auch der Meister mich manchmal begleitet, wenn er besonders gut aufgelegt ist. Die Gesellschaft ist zuweilen recht interessant. Aber ein bischen Verschrobenheit und Ausgelassenheit muß man gewöhnlich auch mit in den Kauf nehmen." .Nun, ich bin ja nicht so alt und so griesgrämig, daß mir jugendliche Ausgelassenheit nothwendig Anstoß erregen müßte." sagte Erich lächelnd. Ich fürchte nur, von den Herren Künstlern als ein unberufener Eindringling angesehen zu werden." Ach, was das betrifft, dürfen Sie ganz unbesorgt sein. Es ist durchaus keine geschlossene Gesellschaft, und jeder, der im Nothfall gute Miene zum bösen Spiel zu machen versteht, ist ohne Weiteres willkommen." Nun wohl, wenn Sie die Verantwortung auf sich nahmen wollen, werde ich mich einbinden. An einem der nächsten aqt sagen wir: übermorgen Abend zehn Uhr. Ist's Ihnen so recht?" Vollkommen. Ich werde rechtzeitig da sein, um Sie einzuführen, soweit es solcher Einführung überhaupt bedarf." Er beschrieb ihm genau die Lage des, wie er sagte, etwas versteckten Lokals, und mit einem von beiden Seiten gleich herzlichen Auf Wiedersehen!" schüttelten sie sich die Hände. Eben hatte Erich seinen Fuß auf die erste Treppenstufe gesetzt, als es perlend und silberhell wie ein jubelnder Lerchentriller an sein Ohr schlug. So frisch und glockenrein klangen diese süßen Töne, daß er wohl dann auch lauschend stehen geblieben wäre, wenn er nicht gewußt hätte, wer die unsichtbare Sängerin sei. Jetzt aber, da er es wußte, horchte er mit verhaltenem Athem und mit einer Aufmerksamkeit, die ganz das Aussehen andächtigen Sntzückens hatte. Wenn sie doch ein Lied sänge oder eine Arie! dachte er, voll sehnlichen Verlangens, den ganzen Liebreiz ihrer Stimme kennen zu lernen. Aber Fräulein Dolly erfüllte ihm diesen Herzenswünsch nicht. Nur ein paar Läufer und Triller; dann wurde es wieder still hinter ihrer Thür. Und Erich eilte so raschen Schrittes die Treppe hinab, lls wäre ibm erst setzt das Bewußtsein vr Gefabr aekommen. der r si srA
sein Verwetten abermals leichtfertig zusqesetzt. 8. K a p l : e l.
rotz Gabor Sarlos genauer Beschreibung hatte Erich zwei Tage später zur verabredeten Abendstunde einige Mühe, das Schweinchen" ausfindig zu machen. Denn der durch eine matt brennende rothe Laterne bezeichnete Eingang befand sich unscheinbar und versteckt weit hinten im halbdunklen Thorweg eines Hauses, das sicherlich zu den ältesten )es ganzen Stadtviertels zählte. Aber zls er ihn endlich entdeckt hatte, wurde ihm zugleich die Ursache der seltsamen Benennung offenbar. Denn über der Thür baumelte als Wahrzeichen des Lokals ein abenteuerliches Gebilde, das mit seinen vier kurzen Beinchen und seinem unförmlichen Leibe einem wassersüchtigen Ferkel gar nicht so unähnlich sah. Nach einem kleinen Kopfzerbrechen kam Erich auf die scharfsinnige and wahrscheinlich auch zutreffende öermuthung, daß es sich um einen jener, aus einem Thierfell hergestellten Weinschläuche handle, wie sie in vergangenen Zeiten irgendwo bräuchlich gewesen, und er fand, daß für einen rechten Weintrinker etwas eigenthümlich Anheimelndes in diesem originellen Wirthshausschilde sein müsse. Ein paar ziemlich halsbrecherische Stufen führten ihn in die Tiefe. Und noch ehe er sich in dem schlecht beleuchteten Raume orieutirt hatte, den er durch eine mit weißen Gardinen verhängte Glasthür betreten, stand Gabor Sarlo schon vor ihm. Ich freue mich, daß Sie's wirklich gewagt haben, Herr von ,Brunneck! Und ick denke, Sie haben es gut getrofsen. Denn es ist heute eine Dame in der Gesellschaft. Und ihre Gegenwart dürfte der Unterhaltung einigen wohlthätigen Zwang auferlegen." Er führte ihn durch das erste Zimmer, darin sich nur ein einziger, melancholisch blickender Gast befand, in den anstoßenden, von lebhaftem Stimmengeschwirr erfüllten Raum. Im ersten Moment vermochte Erich kaum irgendwelche Einzelheiten zu unterscheiden; venn ein bläulicher Nebel mißduftigen Cigarettenrauchs hüllte alles in seinen dichten Schleie . Allmälig aber tauchte eine Anzahl bärtiger und unbärtiger Gesichter aus der Wolke auf. Und der Ankömmling sah etwa ein Dutzend zumeist noch jugendlicher Gestalten um den einzigen schmalen und ungedeckten Tisch gruppirt, der inmitten des niedrigen, langgestreckten Gemaches stand. Am unteren Ende befanden sich noch ein paar leere Stühle, und als er unter plötzlich eingetretenem allgemeinen Schweigen mit seinem Begleiter dort angelangt war, erfolgte in ziemlich summarischer Weise die Vorstellung, bei der Erich eine lange Reihe unbekannte? Namen hörte, von denen zunächst nur ein einziger in seinem Gedächtniß haften blieb. Es war der seines Tischnachbarn, eines ungewöhnlich großen und breitschulterigen Menschen mit kurz geschorenem, borstenartig emporstehendem, röthlichblondem Haar und stark hervortretenden, wässeriglichtblauen Augen. Herr Arvid Cederskjöld, Schriftsteller und Maler," hatte Gabor Sarlo ihn vorgestellt. Und der Rothblonde hatte, Erichs Verbeugung höflich erwidernd, mit einer leichten Handbewegung gegen die ihm gegenüber sitzende Dame hin, aus eigenem Antrieb hinzugefügt: Frau Signe Cederskjöld, meine Gattin." Seine Aussprache verrieth, daß ihm das Deutsche einige Mühe machte, und daraus mochte sich wohl auch die etwas sonderbare Form dieser Vorstellung erklären. Vom anderen Ende des Tisches her aber rief eine dünne, hohe Stimme, die unangenehm krähend erklang, wie die eines vorlauten Kindes: Wundern Sie sich nicht, mein Herr, wenn er's Ihnen in jeder Minute dreimal wiederholen sollte: ,Frau Signe Cederskjöld, meine Gattin!' Sie ist's nämlich erst seit vierzehn Tagen. Und sein Stolz auf den neuen Besitz ist darum einigermaßen begreiflich. Uebrigens, nichts für ungut, mein edler Olaf Tryggvason! Spaß muß sein Skal!" Erich wandte den Blick nach der Richtung, aus der die fatale Stimme kam. und sah. daß der Sprechende, der eben das Glas erhob, um seinem rothblonden Tischnachbarn zuzutrinken, ein schmächtiges, bartloses Bürschchen war mit eckigen Schultern und einem richtigen Founsgesicht. das lediglich abstoßend gewcsen wäre. wenn sich nicht über den kleinen, verschmitzten, boshaften Augen und der platten Nase eine so prachtvolle, edel geformte Stirn gewölbt hätte, wie er sie in gleicher Schönheit bisher nur an dem Zeusköpfe von Otricoli bewundert hatte. Er fand seine Bemerkung in hohem Grade geschmacklos; aber die Tafelrunde schien darüber anderer Meinung, denn es gab ringsum nur beifällig lächelnde Gesichter. Und auch der Gehänselte fühlte sich offenbar nicht verletzt, da er mit unbeweglich ruhiger Miene dem Spötter Bescheid that. Frau Signe Cederskjöld aber rief mit beller. auttallio wobltonender Stimme über die ganze Länge der Tafel hinweg: Sie bringen sich nachgerade in einen häßlichen Verdacht, Doktor Roberti! Da Sie nicht müde werden, auf meinen Mann zu sticheln, könnte man beinahe glauben, daß nur der Neid aus Ihnen spricht."
Auch sie bediente sich des Deutschen
mit einer gewissen Unbeholfenheit und mit dem eigenthümlichen Tonfall der Skandinavierin. Aber was sie sagte, klang darum nur um so anmuthiger v.nb drolliger. Und Erich, der fein weibliches Gegenüber erst jetzt etwas schärfer in's Auge faßte, fand, daß ihre Art zu sprechen vortrefflich mit ihrer ganzen äußeren Erscheinung harmonirte. Sie war sehr klein, noch unter Mittelgröße, und ihr mageres Figurchen schien trotz der bauschigen Bluse und anderer kleiner Hilfsmittel, die eine gewisse frauenhafte Fülle vortäusehen sollten, so zart und zierlich wie die unentwickelte Gestalt eines Kindes. Das aus einer duftigen weißen Halskrause hervortauchende Köpfchen aber war von einem ganz eigenen, pikanten Reiz, der sich freilich nur dann offenbaren mochte, wenn sie, wie in diesem Augenblick, mit lachendem Munde eine lustige Bemerkung machte. Denn ihr Gesicht war an und für sie', durchaus nicht schön. Im Zustande der Ruhe und mit geschlossenen Augen wäre es einem unbeeinflußten Beobachter vielleicht geradezu häßlich erschienen. Erst wenn der verhältnißmäßig viel zu große Mund stch beim Sprechen so unnachahmlich schalkhaft verzog, wenn sich auf den schmalen Wangen zwei allerliebste Grübchen bildeten und in den lebhaften, braunen Augen allerlei kleine Schclmenteufelcken ihr Wesen zu treiben anfingen, gewann dies ungemein bew 'gliche Antlitz einen Liebreiz, der die Uuregelmäßigkeit der Züge und alle anderen Mängel völlig vergessen machte. Aber gewiß beneide ich ihn," krähte Doktor Roöerti zurück. Es wäre die dümmste Heuchelei, w?enn ich ein Geheimniß daraus machen wollte. Olaf Tryggvason ist ohne allen Zweifel ein Mann von den vorzüglichsten Eigenschaften des Körpers und Geistes. Und ich finde es gar nicht wunderbar, daß er unsereinen aus dem Felde schlägt, wenn es gilt, um Frauengunst zu werben. Aber Sie können unmöglich erwarten, Frau Signe, daß ich mich auch noch darüber freue. Ein Anderer an meiner Stelle würde vielleicht mit düsterem Augenrollen Heinrich Heine citiren: ,Es ist eine alte Geschichte ' und so weiter. Ich aber bin ein Feind aller Plagiate und ziehe es darum vor, meinem Schmerze auf die Art Luft zu machen, die mir nun einmal die natürlichste ,st." Wiec?r lachte und lächelte man rinasumher. Nur Arvid Cederskjöld bewahrte seinen gleichmüthigen Ernst. Und indem er die großen, wasserblauen Augen auf den schmächtigen Doktor richtete, sagte er sehr ruhig: Weshalb nennen Sie mich immer Olaf Tryggvason? Wissen Sie denn überhaupt, wer es ist gewesen?" Gon vewayre lcy yave icmc blasse Ahnung. Irgendwo muß ich 'mal eine alte nordische Ballade gelesen haben, in der davon die Rede ist, daß ein heldenhafter Jüngling dieses Namens mitsammt seinem Drachenschiff auf dem Meere verschollen ist. Ich weiß nicht, wie es zugeht, aber ich kann mir nun 'mal diesen Verschollenen nicht anders vorstellen als in Ihrer Maske. Und es ist doch keine Beleidigung wie?" O nein, es ist nicht; denn Olaf Tryggvason war ein sehr starker und tapferer Mann, der ohne Besinnen tr schlug, wer es wagte wie sagt man, Signe? anzutasten an seine Ehre." Er sagte es sehr freundlich, ohne den allergeringsten Nachdruck., Und es war eigentlich seltsam, daß unter dem ruhigen Blick der hellen Augen, die jetzt langsam von einem zum anderen wanderten, überall das spöttische Grinsen von den Gesichtern verschwand. Nur Doktor Roberti zog seinen häßlichen Mirnd noch breiter und meinte geringschätzig: Bis er dabei eines Tages an den Unrechten kam, nicht wahr? der ihn und seinen Kahn in die tiefsten Tiefen der nordischen See versenkte. Und der andere war vielleicht nicht einmal einer von dem Goliathsschlage, sondern nur ein bischen schlauer und zäher. Sie wissen gar nicht, mein lieber Tryggvason der Zweite, wie viel in alten und in neuen Zeiten einzig mit Schlauheit und Zähigkeit schon ausgerichtet rovr den ist!" O ja ich weiß. Aber die von dem Goliathsschlage müssen nicht immer nothwendig auch die Dümmeren sein." Na, wir wollen nicht weiter darii&er reden. Denn die akademische Erörterung könnte sonst am Ende gar noch auf ein persönliches Gebiet gerathen. Auf Ihre Gesundheit, Frau Signe! Wann werden wir Sie denn nun endlich zum erstenmal auf den weltbedeutenden Brettern bewundern dürfen?" Hoffentlich bald!" gab sie heiter zurück. Die Uebersetzung von Arvids Schauspiel wird in einigen Tagen vollendet sein. Und Direktor Halm hat mir feierlich versprochen, daß ich in der Hauptrolle auftreten soll. Ach, ich kann es gar nicht sagen, wie ich mich darauf freue!" Natürlich! Der Erfolg ist ja auch bombensicher. Ein Maler, den das Publikum zuerst aus seinen Theaterstücken kennen lernt. Und eine Schauspielerin, die sich mit ihren Augen und ihren Wangengrübchen verständlich macht, wenn etwa ihre Kenntniß der deutschen Sprache sie an einer entscheidenden Stelle im Stich lassen sollte. Wenn das noch nicht zieht, gibt es überbaupt keine Anziehuno mehr. Und
Direktor Halm müßte sich sehr schlecht auf das Geschäft verstehen, wenn er etwa auch diesmal nach alter, lieber Gewohnheit seine feierlichen Versprechungen nicht hielte." Pfui. Sie sind abscheulich!" schmollte Frau Signe. Und ich werde ganz gewiß heute Abend kein Wort mehr mit Ihnen reden." Sie kehrte ihm sehr demonstrativ den Rücken und begann alsbald eine halblaute, lebhafte Unterhaltung mit ihrem Nachbar, einem flaumbärtigen Jüngling mit müdem, elegischem Gesichtsausdruck und beständig halb geschlossenen Augen, die immer wie durch einen Schleier zu blicken schienen. Wer ist denn eigentlich dieser liebenswllrdige Doktor Roberti?" fragte Erich leise. Und Gabor Sarw gab ebenso zurück: Wie? Sie kennen ihn nicht? Haben Sie denn seinen Roman ,Götzendienst' nicht gelesen und seine glänzenden Aufsätze in der ,Jungdeutschen Revue?' Er ist einer der geistreichsten Köpfe der ganzen revolutionären Bewegung. und hier glaubt jeder felsenfest an seine große Zukunft." Ich muß leider meine völlige Unkenntniß eingestehen," bekannte Erich, der den Namen des berühmten Mannes heute zum ersten Mal gehört hatte. Und mein anmuthiges Gegenüber? Sie ist Schauspielerin von Beruf?" Ja eine Schwedin aus Finnland, die in ihrer Heimath schon große Triumphe gefeiert haben soll. Aber ihr dortiger Wirkungskreis war ihr zu eng, und sie kam nach Berlin, um sich für die deutsche Bühne auszubilden. Den Mitgliedern dieses Kreises war sie seit Monaten bekannt; aber ihre Verheirathung mit Arvid Cederskjöld war eine große Ueberraschung für uns alle. Denn Niemand hatte etwas davon bemerkt, daß sie sich für einander interessirten." Sie mußten ihre geflüsterte UnterHaltung abbrechen, da der, dessen Namen Gabor soeben genannt, sich in seiner gelassen höflichen Weise an Erich wendete, um irgend eine verbindliche Bemerkung zu machen, die offenbar nur seinen guten Willen zur Eröffnung eines Gespräches bekunden sollte. Uno gern ging der Angeredete auf seine freundliche Absicht ein. da Wesen und Art des Mannes ihn von vornherein sehr wohlthuend angemuthet hatten. Ein paar Minuten nur. und es war ihm zur angenehmen Gewißheit geworden, daß er sich in seinem günstigen Urtheil nicht übereilt habe. Denn Arvid Cederskjöld erwies sich in der Unterhaltung als ein gründlich gebildeter, feinfühliger und klar denkender Mann, dessen Aeußerungen trotz ihrer vielfach etwas holprigen Form keinen Zweifel darüber ließen, daß nichts Leeres, Oberflächliches oder Unaufrichtiges in seinem Wesen sei. Während um sie her das Durcheinander lauter Stimmen bald wieder zu demselben Lärm anschwoll, der bei dem Eintritt des neuen Ankömmlings geherrscht hatte, vertieften sie sich, von den Uebrigen wenig beachtet, immer mehr in ihr ruhiges Sondergespräch. Und so ganz hatte Erich allgemach seine sonstige Umgebung vergessen, daß er es peinlich, wie die unerwartete Berührung mit etwas Widrigem empfand, als er abermals die hohe, beinahe kreischende Stimme des Doktor Roberti vernahm, diesmal sogar aus größerer Nähe als vorhin. Er blickte auf und sah zu seiner Ueberraschung die kleine, dürftige Gestalt des Doktors hinter dem Stuhl der jungen Schauspielerin, die ihren geschmeidigen Oberkörper so weit zurückgelehnt hatte, daß die anscheinend sehr lebhafte Unterhaltung der Beiden dadurch in den Augen der Anderen nothwendig den Charakter einer besonderen Vertraulichkeit gewinnen mußte. Von dem, was sie mit einander sprachen, war nicht viel zu verstehen; nur das unangenehme, hämische Lachen des Schriftstellers ließ hier und da darauf schließen, daß er eifrig bemüht sei, die junge Frau durch seine geistreichen Bemerkungen zu amüsiren. Und dies Bestreben war offenbar nicht ganz ohne Erfolg; denn auch Frau Signe kicherte wiederholt sichtlich belustigt in sich hinein. Und wenn sie zuweilen wie erzürnt das pikante Köpfchen zurückwarf, so ließ doch jedesmal das Spiel ihrer lebhaften Augen gleichzeitig den ziemlich sicheren Schluß zu, daß ihre Entrüstung keine allzu ernsthafte sei. Erich warf einen forschenden Blick auf seinen Tischnachbar; aber in Arvid Cederskjölds gleichmüthigem Antlitz veränderte sich auch jetzt keine Linie. Wohl zehn Minuten lang noch setzte er das Gespräch so rubia fort, als hätten oie luorgange an oer anveren (?euc der Tafel für ihn nicht das mindeste Interesse. Und erst, als sie das zuletzt angeschlagene Thema vollständig erschöpft hatten, sagte er: Ich kann leider heute nicht länger das Vergnügen haben Ihrer Unterhaltung; aber ich würde mich aufrichtig freuen, wenn Sie uns wollten gelegentlich besuchen in unserer Wohnung. Wir sind vorläufig abgestiegen in Janssons Hotel in der Mohrenstraße. Und die Vormittage wir sind immer zu Haus."
(Fortsetzung folgt.) pspnlrität. (Fabel.) Sei nur nicht so stolz auf Deine Blüth?n!" sagten die Dornen zum Rosenstock. Uns 'verdankst Du die gute Hälfte Deiner Popularität !"
9lctnc Rcan für llc! Von Portoriko kommen Nachrichten, die ein sehr häßliches Licht auf die dortige Rechtspflege werfen und offenkundig darzuthun scheinen, daß die Lehre von der Gleichheit Aller vor dem Gesetze auf der Insel keine Geltung findet. Aus den gewundenen amtlichen Erklärungen gehen mit unverkcnnbarer Deutlichkeit die Thatsachen hervor, daß erstens eingeborene Portorikaacr sowohl, wie amerikanische Offiziere und Beamte schmuggelten; daß zweitens Portorikaner des Vergehens wegen zu Zuchthausstrafen verurtheilt wurden; daß drittens die strafrechtliche Verfolgung von Offizieren der Bundesflotte nach Erhebung des doppelten Betrages dcr hinterzogenen Zollbeträge niedergeschlagen wurde; daß viertens der Bundesgeneralanwalt imNamen des Ministeriums, und zwar auf Antrag des MarineministerÄ Moodt) und des GeneralpostmeMers Payne, den Bundesanwalt auf Portoriko anwies, bis auf weitere Anordnungen von Washington aus keine amerikanischen Offiziere und Beamten mehr vor den Großgeschworenen des Schmuggels anzuklagen; daß fünftens die Gerichte Portorikos von der verschiedencn Behandlung straffälliger Portorikaner und Amerikaner nichts wissen wollen, und daß sechstens die wegen Schmuggels zu Zuchthausstrafe verurtheilten Portorikaner ihre sofortige Freilassung verlangen, weil sie es für unzulässig erachten, daß einMann ein Vergehen mit einer kleinen Geld büße sühnen darf, während der andere es mit schwerer Freiheitsstrafe büßen muß. Der Generalpostmeister versucht die eigenthümliche Haltung der Bundesrcgierung mit der Erklärung zu rechtfertigen, daß die Portorikaner die Waaren zum Zwecke des Verkaufs, also in gewinnsüchtiger Absicht, schmuggelten, während die Amerikaner nur Zölle auf Lebens- undGenußmittel hinterzogen, die sie für den
eigenen Haushalt oder für ihren Club schwärzten. Wir vermögen uns für diese feine Unterscheidung nicht zu erwärmen und bedauern sie aufrichtig als Schädigung des Ansehens der amerikanischen Rechtspflege- Den Offizieren und Regierungsbeamten in den Dependenzen" liegt in erster Linie die Pflicht ob, für die Durchführung der Gesetze und die Aufrechterhaltung des Ansehens und der Würde unseres Landes zu sorgen. Wenn sie den Eingeborenen mit schlechtem Beispiel vorangehen und zeigen, daß Onkel Sam sich unqestraft auf der Nase tanzen und die Taschen leeren läßt, so beweisen sie. daß bei ihrer Auswahl ein verhängnißvoller Mißgriff gemacht wurde, der zum allerwenigsten durch ihre ungesäumte Entfernung aus dem Amte wieder gut gemacht werven müßte. Die schwere Bestrafung der sich möglicherweise ihres Unrechts nicht im vollen Maße bewußten Eingeborenen und die Niederschlagung der Anklagen gegen Offiziere und Beamte, die mit dem Gesetze innig vertraut sind und die Folgenschwere ihrer Uebertretungen genau kannten, wird die Achtung unserer neuen Landsleute vor dem Sternenbanner sicherlich nicht heben. Die Leute müssen sich als Bürger zweiter Klasse fühlen lernen, und das ist in keiner Weise wünschenswerth. Dem Präsidenten steht das Recht der Begnadigung zu, den Ministern aber nicht die Befugniß, einzelnen Klassen Straffreiheit bei der Uebertretung von Gesetzen zu gewähren. Die Regierung kann nicht, ohne die Grundlage unserer Reoublik zu schädigen, den Grundsatz preisgeben: Gleiches Recht für Alle. Wie 44. Hauptverlammlung des Vereins deutscher Ingenieure wird in diesem Jahre in München vom 30. Juni bis 2. Juli tagen. Zu derNachricht, dierussische Regierung habe für Serbien ein Geschenk von 10 Millionen Patronen bestimmt, ist die ..Russische Telegraphen - Agentur" ermächtigt mitzutheilen. daß das Geschenk davon abhängig gemacht worden ist. daß die Uebergabe Ende Mai stattfinden wird, und zwar nur für den Fall, daß die Ruhe auf der Balkanhalbinsel nicht gestört ist. Laut Befehl des Oberstkommandirenden der englischen Armee soll in Zukunft die Kavallerie mit Sä' bel und Gewehr bewaffnet sein, dit Lanze, als Waffe, wird abgeschafft, so jedoch zu Paradezwecken noch weiter ge führt werden; auch dürfen Uebungs' langen zur Unterhaltung der Mannschaften in Waffenspielen beibehalter werden. Dieser Befehl ist eins der Ergebnisse der Lehren des Burenkrieges, doch steht die Frage offen, ob jene Lehren diese Neuerung rechtfertigen. Allerdings kam die Lanze im letzten Kriegt selten zur Anwendung; die Gründk hierfür beruhen jedoch nicht auf der Unbrauchbarkeit der Waffe, sondern auf ganz anderen Umständen. Dik Geländeverhältnisse ließen meistens dit Wirkung der blanken Waffe nicht zu, auch hatte der Gegner keine eigentlich Kavallerie ins Feld gestellt. Dazu kam noch, daß. auf englischer Seite bei Zustand der Kavalleriepferde meist eine Verfolgung ausschloß. In den wenigen Fällen, wo die Lanze zur Geltuno kam, hat sie sich ausgezeichnetbewährt. Diese Neuerung deutet wieder auf die Neigung im englischen Heere, die Erfahrungen dcS Burenkrieges Zu sebr im veralloemeinevn.
Feuer - Signale.
4 Pnmsylv und artet 5 english'S Opern-HauS 6 Saft und - York 7 Noble und Mlcktgan S R.Jeriey u.Maffve 9 Pme und Nortb 10 Mavket und Pine 11 Lmnont nah East 12 N$. 8 Spritzenhaus Ma. ve nah Robl !Z Deiware und Walnut 14 . Jersey u Central. 15 Mass, und Sornell Ave 1 Ash und ,1. Straß 17 Park Ave und vz Str .8 Columbia und HiUstd 19 Highland Av u. Ptt kl JllinoiS und St. Joe 23 Pennsplv. und Pratt 24 Meridian und 11. Str 25 No. 6 Spritzenhaus 15. nahe Illinois 26 Senate Avu. StSlair 27 Illinois und Michigan 28 Pesylvania und 14. 29 Senate Ave. und 12. 2: No. i Spritzenhaus JndAvenahjchigan 32 Meridian und Walnut Z4 California u nnont 25 Blake und New York 28 Ind. Av. u. St. Clair 27 City Hospital 38 Blake und Norty 29 Michigan und Agnes 41 No. e SpNtzenhau Washington nah West 42 Gsendorf u Wash. 42 Missouri u New Dort 45 Meridian u Wash is Jllmois und Chio 47 Eapitol v. u Wash 4S Kinqan'S PorkhauS 49 Straßenbahn StSlle W. Washington Str öl No. io Spritzenhaus Illinois u Merrill 52 Jl'inois u Louisina 52 Wett und South 54 West und MrCarty 5 Senate Ave. u Henry 67 Meridian und Rav 58 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Morvis öS Madison Slv.uTunlop 1 No 2 Haken Leiterhaus South nah Telawar 2 Penn, u Merrill 62 Delaware u. McCarttz 4 Last und McCartv es New Jersey u. Merrill 67 Birg. Av. u Bradsha 68 East und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus ir Ave. ruhe Huron 78 East und Seorgia 73 Ceda und Elm 74 Davidson u Georgi 75 örnglifö Av. u Pine 76 Shelöy und Bates 78 No. 3 Spritzenhaus Prospcct nahe Shelby 79 Fletcher v. u Shelby Sl Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. 83 East u Washington 34 New York u. Davids 5 Taubstummen Anstalt 86 Bcr. Staaten Arsenal 87 Oriental und Wash. 89 Frauen-Resormat. 91 No. 13 Spritzenhaus Marvland nabe Mer. 92 Meridian u. Gcorqia. 92 Meridian und South 94 Pennfylv u. Lonifiana 95 Virini Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Ave und Ohv .22 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und 15. 126 PandeS und 15. 127 Brooksid und Jupiter 128 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 121 Alabama und 11. 132 Bellesontaine und U. 124 College Ave und 26. IZ5 Delaware und 15. 136 Alabama und Rorth 137 Rewmann unb 19. 133 College Ave und 14. 12 Cornell Ave und 13. 141 ZjandeS und IS. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey und 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hillsid Av und 16. 148 College Av und 22. 149' College Av und 27. 152 Park Av und 22. 15? L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey Ave und 10. 156 Stoughton u Rewman 157 Atlas und Pike. 158 Bloyd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood 12 Arden und Depot 163 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. eystone 167 Arsenal Av und 23. 168 Bellesontaine und 23. i9 Park Ave und 10. 12 Capital ve und IT. 213 Pennfylv. a. ichig, 214 Illinois und 20. 215 Senate v ud N. 216 Pennsylvania und 25. 217 Meridian und 1s. 218 Capital Ave und 26. 219 Broadwatz und i. 231 Illinois und McLean 224 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 20. 225 Illinois und 22. 233 Annetta und 30. 227 No. . Epri,chs 238 UdeU Ladder Wor 289 Jsabel und 27. 241 Meridian und 24. 242 Illinois u Et. . 242 Eldrioge nd 23. 312 West uud atnut 313 West und 12. 314 Howard uud 18. 315 Torvet und Paca 316 Capital Ave und 1. 317 Northwestern Av u 318 Gent und 18. 819 Canal und 10. 824 Eerealine er 824 Vermont und Lvu 325 Bimark u HradiM 326 No. 29 Spnhachaut Haughvkll. 327 Michigan u. Helmes, 828 Michigan u. Concord 841 West und AcJntvre 412 Missouri u. Marylaut, 412 Mis'vuri und rhi 415 Capital ve..eorgio 416 Missouri u AentmkyA. 417 Senate Ave u. asy. 421 P und NuntauS W. Washington. 428 Jrren-Hospital. 424 Milry Ave u. J D uS 425 Wash. und Harri 126 No. 18 SpnHcndauß W. Washington 427 Oliver nxCb Birch 23 Oliver und Osgood 429 Nordyke un $ort 421 Hadlcy Ave u. Morris 422 River Ave u. Morris 4L4 River Ave und Ratz 425 Harding u. Big 4 R ? 436 Harding und Oliva 487 Ro. 19 SpritzenyoZ Morris und fcarMwfc 439 tockvards 451 Aeisner und 452 Howard ch See 458 Morns und apt-S 456 Lambert und BetZut 457 Nordyke ve u. Vm mon Works 612 West uud Rah S13 Kentucky Ave u.! 14 Werrdran und kl Illinois und ansas 17 Morr und Datota 518 Morrrs und Church 51 Capital X. u McCarttz 621 Meridian und Palme 623 Pine uns Lord 624 Wadisor Ave u kincol 26 Meridian und Belt Z 627 CarloS und Ratz 628 Meridian und Arif 629 Meridian u. Rahmend 631 Meridian u. 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