Indiana Tribüne, Volume 26, Number 206, Indianapolis, Marion County, 22 April 1903 — Page 7
Jndiana Tribüne, 22 April 1903
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Wcr wird siegen! Ein Zeitroman o Von Roini?old Grtmann f t. . a, . A . A i 4? i 4 Afi'Yl : vvvvvvv'zvvvvvvvvvvv (Fortsetzung.) Um oyne Umschweife zu reden: ich hatte alle meine Hoffnungen auf Sie gesetzt,' lieber Meister! Wie ich das Wenige, da' ich bis jetzi zu leisten vermag, ausschließlich Ihnen verdanke, so wollte ich" Aber Heinrich Vollart erhob mit einer drolligen Geste abwehrend die Hand. Um des Himmels willen! Soll ich Sie etwa lehren, holländische Interieurs zu malen? Ich werde mich hüten. Meine Spezialität kann hochstens einen einzigen Maler ernähren. Und auch den nur bei sehr bescheidenen Ansprüchen. Denn seitdem die Plern-airiiüerei und andere schöne Sachen erfunden worden sind, wird die Nachfrage immer geringer." Ach. das ist nicht Ihr Ernst; denn Sie verstehen ja recht gut, wie ich's meine. Nicht im landläufigen Sinne möchte ich noch einmal Ihr Schüler werden, sondern " Nein nein nein! Im landläufigen oder in irgend einem anderen Sinne damit ist's nichts, mein lieber Herr von Brunneck! Sie müssen sich schon einen anderen Studienaang zurecht machen. Und vielleicht nun, vielleicht gebe ich Ihnen nachher in dieser Hinsicht einen guten Rath. Jetzt möchte ich Ihnen erst 'mal etwas zeigen. Treten Sie gefälligst hierher und sehen Sie sich das Bildchen an. Nun, wie gefällt's Ihnen?" Er hatte ihn vor eine Staffelei geführt, beten Ste&iag Erich bisher verhindert hatte, einen Blick auf das darauf befindliche Gemälde zu werfen. Nun aber, da Heinrich Vollart es mit einem energischen Ruck in die rechte Beleuchtung geschoben, stand er vor dem nahezu vollendeten Werke in sprachlosem Entzücken. Tas war nicht mehr der von irgend einem in holländisches Fischerkostüm verkleideten Modell belebte Ofenwinkel, sondern eine farbenglühende VerHerrlichung berauschender Frauenschönheit ein Bild, das sich nur durch ein offenbares Wunder in Heinrich Vollarts spießbürgerlich-behäbiges Atelier verirrt haben konnte. Ein Studienkopf!" sagte der Maler mit erheuchelter Gleichgiltigkeit, während er zugleich mit einem pfiffigen Blinzeln die lustigen Augen zusammenkniff. Und überdies, wie Sie sehen, erft halb fertig. Aber man kann doch schon ungefähr erkennen, was daraus werden wird. Eine Bacchantin natürlich, wenn auch nicht gerade im Sinne der Antike aufgefaßt." Erich hörte kaum, was er sprach. Je länger seine Augen an dieser bemalten Leinwand hingen, desto vollständiger nahm ihn der berückende Liebreiz des Mädchenantlitzes gefangen, das wunderbar plastisch aus dem bis jetzt nur flüchtig angelegten dunklen Hintergrund hkrvortauchte. Nie meinte er etwas gleich Bezauberndes gesehen zu haben, wie diesen wie im Taumel der Lust leicht nach hinten geworfenen. von üppigem Gelock umflatterten Kopf mit dem verführerischen Lächeln auf den leicht geöffneten Lippen und der süßen Lockung in den seltsam irisirenden, graugrünen Augen. Der Maler hatte seinem Modell einen Kranz von Weinlaub in das goldroth schimmernde Haar geflochten und ?s in ein weißes, griechisches Gewand gekleidet, das auf den Schultern geschlossen wenig mehr als den feinen, schlanken 5?als und die zart aeformten Oberarme den Blicken preisgab. Aber Erich würde trotzdem in dem Bilde viel eher eine Circe, als eine Bacchantin gesehen haben, da der sinnbethörende Zauber in ihrem Blick und in ihrem Lächeln wohl an die gefährlichen Künste jener Heliostochter, nimmermehr aber an die mänadische Wildheit einer Dionysospriesterin gemahnte. Lange verharrte er in stummer Bewunderung. Und auch dann war es vielleicht gar nicht für das Ohr des Anderen bestimmt, als er vor sich hin murmelte: Ein Meisterwerk wahrhaftig, ein vollkommenes Meisterwerk!" Heinrich Bollari aber fragte mit gutmüthige? Ironie: Wen meinen Sie damit, Theuerster das Weib oder das Bild?" Beide ohne allen Zweifel beide. Denn ich begreife, daß ein Modell gleich diesem Sie zu txntc so herrlichen Schöpfung begeistern muhte." Mich? Ja, Sie glauben doch wohl nickt im Ernste, das Bild wäre von mir?" So glaubte ich allerdings. Und auch jetzt noch " Weit gefehlt, mein Lieber! Meine Muse hat sich an der niedrigen Decke der holländischen Schifferstuben zu oft das Köpfchen eingerannt, um jetzt, da es Abend werden will, noch solchen Flug zu wagen. Und eine Leinwand wie diese da hätte ich wohl auch in meinen besten Tagen schwerlich zu Stande gebracht. Denn wenn ich auch nicganz Ihrer Meinung bin. daß das Bild schon ein Meisterwerk sei. so ist es doch nach meiner Ansicht etwas weit Besseres nämlich der erste wuchtige
Tatzenschlag eines jungen Löwen, oer ht Kraft seiner Pranken versucht Der Bursch, der das gemacht hat, ist ein Genie. Und er heißt nicht Heinrich Vollart, sondern Gabor Sarlo." Wie? Der junge Mann, den ich drüben im Wohnzimmer sah, er wäre " Er ist jawohl, er ist!" rief der Maler, und der Stolz aus seinen Schüler leuchtete ihm hell aus den 'Augen. Ist es nicht lustig, daß dieser Liebling der Götter hergekommen ist, um von mir zu lernen er von mir? Und werden Sie mir's glauben, daß ich drei Monate hindurch gar nicht merkte, was in ihm steckt? Meine Bilder ließ ich ihn kopiren und redete mit ihm des Langen und Breiten über die technischen Geheimnisse des warmen Helldunkels und der aufgelösten Schatten. Als wenn er das nicht alles im kleinen
Finger hätte einzig von Gottes Gnaden und ohne daß er's selber ahnt! Wäre uns nicht durch einen gesegneten Zufall das Modell da über den Weg gelaufen, er würde vielleicht noch immer geduldig meinen Ofenwinke! nachpinseln, und ich wäre noch immer der blinde alte Esel, der ich ein Vierteljähr lang ihm gegenüber gewesen bin." Mit etwas wehmüthige? Miene schüttelte E?ich, de? sich wieder in die Betrachtung des Bildes vertieft hatte, den Kopf: " Bei solchem Anblick könnte unsereins freilich den Muth ve?lie?en. Tas thu' ich ihm nicht nach wede? heute noch in zehn Jahren." Nein." bestätigte Heinrich Vollart offenherzig. Aber nicht, um Sie abzuschrecken oder zu entmuthigen, habe ich Sie vor das Bild geführt, sondern aus einem anderen Grunde, den ich Ihnen offenbaren werde, wenn wir gefrühstückt haben. Oder auch nicht, je nachdem mir's angebracht scheint. Kommen Sie, lieber Brunneck! Ich denke, meine kleine Hausfee wird bereits auf uns warten." Erich war außer Stande, seine Enttäuschung über diesen etwas gemaltsamen Abbruch ihres Gespräches zu verbergen. Wollten Sie mir nicht zuvor einen Rath geben, lieber Meister eine freundschaftliche Anleitung wenigstens, was ich zweckmäßiger Weise zunächst beginnen soll?" Will ich auch nur nicht vor dem Essen. Bei hungrigem Magen ist mir noch nie ein gescheiter Gedanke gekommen. Und die Verantwo?tung ist zu groß, als daß ich Ihnen so auf's Geradewohl irgend eine Dummheit anrathen dürfte. Nur ein wenig Geduld also! Die halbe Stunde, die Sie schlimmsten Falls damit verlieren, holen Sie bei Ihren großartigen Vorsätzen im Laufe der nächsten fünfzig Jahre schon wieder ein." Sein verschmitztes Augenblinzeln verrieth, daß er in der That durchaus nicht gesonnen war, den ehemaligen Schüler unberathen von bannen gehen zu lassen, sondern daß er vielmehr mit irgend etwas ganz Besonderem hinter dem Berge hielt. Was konnte Erich also Besseres thun, als sich in seine wunderliche Laune zu fügen. Ohne eine weitere Einwendung folgte er ihm zu der in das Wohnzimmer führenden Thür. Und da er dicht hinter ihm stand, als Heinrich Vollart in seiner zuweilen etwas ungestümen Weise diese Thür aufriß, wurde er höchst unvermuthet gleich ihm zum Augenzeugen des ebenso anmuthigen wie überraschenden Schauspiels, das just in diesem Moment da drinnen zur Aufführung kam. 7. K a p i t e l. Per Weisung ihres Vaters willia gehorchend, hatte Fräulein He. lene wohl sogleich mit de? He??ichtung des F?ühstückstischc begonnen. Abe? sie wa? nicht sch? weit übe? die e?nen Anfänae diese? Arbeil hinaus gekommen, sei es nun, weil sie das Wiede?e?scheinen de? beiden He?ren noch nicht so bald e?wa?tet hatte ode? sei es aus einem ande?en, den Umständen nach noch wah?scheinliche?en G?unde. Die Anwesenheit des jungen unga?ischen Male? wa? nämlich offenba? dem ungestörten Fortgang ihrer häuslichen Ve??ichtungen seh? wenig zuträglich gewesen.' Es mußte ohne allen Zweifel etwas rech Bedeutsames zwischen ihnen vorgegangen sein, während das blonde Haustöchterchen seiner prosaischen Beschäftigung oblag. Denn wie hätte es sich sonst ereignen können, daß in dem Moment, wo Heinrich Vollart die Atelierthür ausriß, Fräulein Helenens liebliches Köpfchen an Gabor Sarlos Schulter ruhte, während sein Arm die annnnhige Gestalt recht fest umschlang und sein gewaltiger Schnurrbart ihrer weichen Wange bedenklich nahe gekommen war. Sie hatten den Eintretenden den Rücken zugewendet, und so ganz waren sie in diese besondere Art von Unterhaltung versunken, daß sie erst daraus emporfuhren, als wie der Donner des Gerichts die Stimme des Malers das sonnenhelle Gemach durchtönte: Potz Cervelatwurst und Gothaer Schinken! Heißt das ein Frühstück herrichten, Ihr sündhaft leichtfertiges junges Volk?" Da prallten sie nun freilich auseinander, als ob zwischen ihnen eme Bombe explodirt wäre und standen sprachlos mit blutübergossenen Gesichtern da wie zwei auf argem Verbrechen ertappte arme Sünder. Erich aber athmete erleichtert auf, als er einen Blick auf Heinrich Vollarts Antlitz ge-
worsen. Denn wie fürchterlich der Maler auch dieAugen rollen und die Stirn in Falten ziehen mochte, um feinen fröhlichen Mund zuckte es doch in übermüthiger Schelmerei. Uno die Heiterseit seines Herzens verbarg sich nur noch sehr nothdürftig hinter dem zürnenden Gepolter seiner Rede, da er nach einer kleinen Pause fo?tfuh?: So also lohnt man mi? meineGastf?eundschaft und mein a?gloses Ve?t?auen! Was in aller Welt soll ich nun mit Euch anfangen? Hole mir auf der Stelle den Tü?kensäbel vom legten Kostümfest, Du unge?athenes Kind! Denn ich bin gesonnen, diesen Don Juan aus der Pußta ohne Gnade und Ba?mhe?zigkeit über die Klinge springen zu lassen." Da erst begriffen die beiden Ueberraschten. was es mit seiner donnernden Entrüstung auf sich habe, und eine Sekünde später hingen sie ?echts und links an seinem Halse. Verzeihung, lieber Meister!" Herzensväterchen, sei gut wir haben uns ja so lieb!" Mehr glaubte Erich vorerst nicht hören zu dürfen; denn diese intime Familienszene war jedenfalls nicht für die Anwesenheit eines Fremden berechnet. Mit einer Behutsamkeit, die im Grunde ziemlich überflüssig war, da es Niemandem einfiel, auf ihn zu achten, zog er sich in das Atelier zurück und vertiefte sich scheinbar sehr angelegentlich in die Betrachtung von Gabor Sarlos begonnenem Gemälde. Das Herz klopfte ihm wohl ein wenig schneller, aber er konnte mit einem Gefühl der Genugthuung feststellen, daß die Eifersucht auch jetzt nicht den geringsten Antheil hane an dieser Beschleunigung. Der glückliche junge Mann da drinnen war ihm ein ganz Unbekannter. Er wußtc von ihm nichts weiter, als daß er ein bildhübscher Bursche war und ohne eilen Zweifel ein malerisches Genie. Aber er verspürte dessenungeachtet keinerlei Anwandlung von häßlichem Neid, sondern vielmehr eine ganz eigene Art von Freude, die wahrhaftig dadurch nicht geringer wurde, daß sie ihn äußerst großmüthig bedünken wollte. Denn eine unumstößliche Thtsache blieb es doch immerhin, daß er das nämliche Glück dereinst für sich selbst erträumt hatte. Helene Vollart war seine erste Liebe gewesen, und er würde vor vier Jahren ohne allen Zweifel der elendeste der Menschen geWesen sein, wenn er damals die gegenwärtige Stunde hätte vorausahnen können. Zu einer richtigen Erklärung freilich war es ja niemals zwischen ihnen gekommen. Seine Schüchternheit und sein bänglicher Respekt vor Frau Adelheid Vollart, die damals noch mit mütterlichen Argusaugen über ihrem Kinde wachte, hatten sich immer wieder als unüberwindliche Hindernisse dazwischen geschoben, wenn der Augenblick da war, der die große Entscheidung bringen sollte. Aber daß Helene in jenen Tagen nichts von dem Zustande seines armen Herzens geahnt hätte, daran hätte er doch nimmermehr geglaubt, auch wenn sie ihn heute noch viel unbefangener begrüßt und ihm noch viel unschuldiger entgegengelächelt hätte. Denn eine Evastochter war ja am Ende auch sie. Und mancher verstohlene Händedruck, mancher warme Blick hatte ihm verrätherisch kundgegeben, was ihre Lippen ihm sittsam verschweigen mußien. Beim letzten Abschied hatte sie sogar geweint, obwohl sie sich infolge einer besonderen Zufallstücke in Gegenwart ihrer Mutter hatten Lebewohl sagen müssen, und obwohl es darum nur ein paar stille, heimliche Thränen hatten sein dürfen. Er aber, dem sie galten er hatte sie ganz deutlich gesehen. Und wenn er jetzt daran dachte, wie heiß beim Anblick der kristallenen Tröpflein an den seidenen Augenwimpern das Feuer in seinem Kerzen aelodert batte mit wie großen Vorsätzen und mit wie heiligen Seldstgelöbnissen er hinausgezogen war in den vermeintlichen Kampf des Lebens und wie rasch, wie erstaunlich rasch er dann doch das alles vergessen, dann wollte es ihn fast wie leise Reue anwandeln und wie unwillige Verwunderung über die Unbeständigkeit seiner Gefühle. Aber er schüttelte diese unbequeme Empfindung rasch wieder ab. Wohl hatte er Helene Vollart in der verfchwiegenen Stille seines Herzens unverbrüchliche Treue gelobt; aber es wäre doch wahrhaftig eine recht üble Sache gewesen, wenn er dies Gelöbniß gehalten hätte, um dann unversehens heute ein Zeuge ihrer Verlobung mit einem Anderen zu werden. Nein, er hatte wirklich keine Veranlassung, sich Vorwürfe zu machen, sondern Fräulein Helene hatte vielmehr guten Grund, ihn für sehr hochsinnig und selbstlos zu halten, wenn er ihr jetzt durch sein Benehmen jede Verlegenheit ersparte. Das aber war natürlich sein fester Vorsatz. Und mit jener weltmännischen Gewandtheit, die eine Frucht seiner Erziehung im Offizierkorps war, führte er iha durch, sobald es den dreien im Nebenzimmer beliebte, sich wieder an seine Existenz zu erinnern. Heinrich Vollart trat auf die Schwelle, um ihn hereinzurufen, und in ' seiner gewohnten jovialen Weise machte er ihn mit dem bedeutsamen Familienereigniß bekannt. Erich schüttelte dem strahlenden jungen Maler mit einigen sehr herzlichen Worten kräftig die Rechte und küßte der immer auf's Neue selig erglühenden Helene ritterlich die Hand, ohne etwa durch ein AugenZwinkern oder durch ein vielsaaendes
kacheln anzudeuten, daß er sich soeben sehr lebhaft vergangener Zeiten erinnert habe. Ter Hausherr aber meinte mit einem drolligen Seufzer: Nehmen Sie es als ein warnendes Exempel, Herr von Brunneck! Dieser leichtsinnige junge Mensch, der frank und frei sein könnte wie der Vogel in den Lüften, bedankt sich jetzt obendrein bei mir dafü?, daß ich die Schlinge zuziehe, die e? sich selbst um den Hals gelegt hat. Und wenn es überhaupt noch einen größeren Leichtsinn gibt als den seinigen, so ist es höchstens der meine, da ich Ja und Amen sage zu dieser abenteuerlichen Verlobung. Aber ich habe mich Gott sei's geklagt zu wenig darin geübt, den tyrannischen Vater zu spielen. Und cs ist eine von meinen vielen Schwachheiten, daß ich um mich herum keine griesgrämigen Gesichter sehen kann. Mögen sie dermaleinst verhungern, wenn ich mir nur jetzt einbilden kann, sie glücklich gemacht zu haben. Am Ende haben sie es doch nicht anders gewollt." So scherzhaft auch das alles klang, hatte Erich doch die Empfindung, daß ein Körnchen bitteren Ernstes in seiner Rede sei. Und nach einer kleinen Weile, als Fräulein Helene hinausgegangen war, um in der Küche die Vorbereitungen für as Frühstück zu beenden, erhielt er die unzweideutige Bestätigung, daß er sich darin nicht getäuscht. Denn Heinrich Vollart legte beide Hände auf die Schultern seines künftigen Schwiegersohnes und sagte: flt.l . j un, uctiicui iu auch iem ntuyii, mein Junge, heute in Deiner kindlichen Unerfahrenheit kannst Du doch noch nicht ahnen, was ich Dir mit dem Mädel gab. Kennte ich sie nicht so genau, und wüßte ich nicht, daß sie in allen Stücken das treue Ebenbild ihrer Mutter ist ich hätte mich wahrhaft weislich bedacht, so ohne Weiteres mit meinem väterlichen Segen herauszu-
rücken. Denn Du bist arm wie eine Kirchenmaus; und durch die Mitgift, Die sie Dir zubringt, oder die Erbschaft, die Ihr dereinst von mir zu erwarten habt, werdet Ihr auch nicht gerade viel reicher werden. Aber ich besaß genau so viel wie Du, als ich mich verheirathete. Und ich habe meinen Leichtsinn doch nicht einen einzigen Tag bereut. Sie haben sie ja noch gekannt, meine Adelheid, Herr von Brunneck, und Sie werden diesem jungen Manne sagen tönnen, was sie unserem Hause war." Dafür hatte Erich vor vier Jahren allerdings noch kein rechtes Verständniß gehabt, und zu der artigen Vemerkung, mit der er den Appell des Malers beantworten zu müssen glaubte, schüttelte Heinrich Vollart denn auch mißbilligend den graubuschigen Kopf. Nein, Sie waren doch wohl zu jung und zu unerfahren, um das zu begreifen. Seht, mit den Künstlerfrauen ist's so ein eigen Ding. Sie wirken entweder wie ein Luftballon oder wie eine von jenen Bleisohlen, die sich die Taucher unter die Füße binden, um rascher auf den Grund zu kommen. Und das eine ist ungefähr ebenso schlimm wie das andere. Ihr dürft mir's glauben; denn ich habe beide Sorten kennen gelernt: die Idealistisch' veranlagten. mehr oder weniger hysterischen Naturen, die keinen anderen Ehrgeiz hatten als den. auch in der Ehe die .Muse' des Gatten zu bleiben, wie sie es nach seiner Versicherung während des Brautstandes gewesen waren und die sogenannten praktischen Frauen, die ihren Männern jeden Pinselstrich nachrechneten und den Werth ihres Schaffens einzig nach dem Verdienst abschätzten, der dafür in's Haus kam. Die eheliche Misere war natürlich in dem ersten Fall genau so groß, wie in dem zweiten. Hier ein halbes Zigeunerleben mit Wirthshausküche. Versatzami uno ewigem 'cagenlnurren vor. langsamer, aber sicherer künstlerischer Niedergang bis hinab zur elendesten Handwerkelei. Denn auf die Dauer kann man ebensowenig ungestraft in den Wolken wandeln wie in den dumpfen Niederungen des banausischen Philisterthums. Wir Künstler aber sind leider fast allesammt schwächliche, lenksame Naturen, aus denen, wenn wir rechtschaffen verliebt sind, ein Weib so ziemlich alles machen kann, was ihm gefällt. Und ?shalb sollen wir weder eine idealistische Schwärmerin heirathen, noch eine von den eimnent Praktischen, weil wir alsdann unfehlbar entweder verlottern oder versumpfen. Die Frau, die uns frommt, soll gerade die rechte Mitte halten zwischen beiden. Sie soll uns gelegentlich einen seinen Wolkenflug nicht mißgönnen; aber sie soll nicht darauf bestehen, uns zu begleiten, sondern hübsch unten bleiben und das Ende des Fädchens in der Hand behalten, das uns mit der realen Welt verbindet, damit wir zu rechter Zeit wieder festen Boden unter den Füßen spüren. Sie soll uns nicht dreinreden in unser künstlerisches Schaffen und uns nicht jedes unverkaufte Bild als eine Todsünde anrechnen; aber sie soll" Den Rest seiner aus den Erfahrungen einer glücklichen Eh gefchöpften Lebensweisheit mußte Heinrich Vollart allerdings vorläufig für sich bchalten, denn Fräulein Helene kam wieder herein. beladen mit einem mächtigen Präsentirbrett und gefolgt von dem tleinen, langarmigen Dienstmädchen, das um ein Haar die ganze Flaschenbatterie hätte zu Boden fallen lassen, weil es nur Augen für den .Herrn Leutnant" hatte. (Fortsetzung folgt.)
so ulan. te Auffindung einer begrabenen Ztatt im Wüstensand Asiens. Auf seinen Forschungsreisen im Innern Asiens stieß der vor mehreren Monaten nach seiner schwedischen Heimath zurückgekehrte Forscher Sven Hedin auch auf eine im Wüstensande begrabene Stadt. Ueber diese Stadt und ihren vermuthlichen Namen liegen nun Mittheilungen vor, die verdienen, neiteren Kreisen bekannt zu werden. Was Sven Hedin auffand, waren Trümmer im Sande. Aber während vo.i den meisten Häusern nur noch die Holzgerüste standen, war eins aus Lehm gebaut, mit dicken Außen- und zwei Innenwänden, die das Haus in drei Räume theilten. In einem wurden eine Menge Stäbe aus Tamariskenholz mit meist chinesischen Schriften und viele Papierfetzen, diese theilweise auf einer, theilweise entgegen der jetzigen Sitte auf beiden Seiten beschrieben unter einer Sandschicht von etwa zwei Fuß Dicke aufgefunden. Es befanden sich darunter auch kleine Klötzchen, die gleichfalls beschrieben waren und zum Zubinden bestimmte Vertiefungen zeigten. Diese Klötzchen hatten als Deckel für darunter befindliche Briefschaften gedient. Unweit dieser Fundstelle befanden sich fehr werthvolle Holzschnitzereien mit geschmackvollen Verzierungen; die darunter vorkommenden Buddhabilder lassen auf das Vorhandensein eines Tempels schließen. In einem anderen Haus fanden sich Fischknochen in großer Menge, und unzählige Schnecken lagen umher. Läßt dieser Umstand darauf schließen, daß hier das Ufer eines Sees war, so zeugte ein riefengroßes, aus fünf dicken Brettern bestehendes Rad vom Wagenverkehr zu Land. Die vier Thürme aus Fachwerk, die sich in der Umgebung fanden, mögen theils zur Vertheidigung, theils am Weg als Feuer- oder Rauchthürme gedient haben, wie sie weit über das chinesische Reich zerstreut lagen, vor dem herannahenden Feind zu warnen. Wie hieß nun diese Stadt, was war
ihr Schicksal? Der Forscher K. Himly gibt nach der Untersuchung der Funde die folgende Aufklärung: Hinsichtlich der Frage, um welchen Zeitraum es sich bei der Zerstörung des Ortes handeln dürfte, und wie er, das beißt die Stadt oder das Land, gehetßen habe, sprechen die aufgefundenen Schriftstücke eine deutliche Sprache. Sowohl auf üCsi Stäben als auf den alten Papierfetzen kommt der Name Loulan vor. und zwar in einem Zusammenhang, der keinen Zweifel läßl, daß so der Ort der Bestimmung oder Aufbewahrung hieß. Die erste Zeitangäbe ist vom Jahre 264, sonst sinden sich noch die Jahre 266 bis 310 angegeben. Der Inhalt der schriftlichen Bemerkungen ist ein sehr verschiedenartiger. Es ist darin von Getreidelieferungen, von Nachrichten aus Tun-Huang, Verkehr mit Kao-Tschang (dem alten Turfan), von gerichtlichen Verhandlungen etc. die Rede. Die Stäbe dienten augenscheinlich bald als Tagebücher, bald zu Mittheilungen oder Weisungen an Untergebene. Es ist nach dem allen kaum zu bezweifeln, daß hier das alte, lange gesuchte Loulan war, und daß es an dem See Lop-nur (Lopnor) lag, den man auf alten chinesischen Karten verzeichnet bindet, der von den neueren Forschungsreisenden (Przewalski. Sven Hedin) aber vergeblich gesucht wurde. Diese alte, offenbar sehr verkehrsreiche Stadt scheint Anfangs des 4. Jahrhunderts vom Wüstensturm oder von den Gewässern beziehungsweise durch beide Gewalten zerstört worden zu sein. Man wird in der Nähe eine andere, die sogenannte Drachenstadt gebaut haben, die dann ihrerseits in den Jahren 140811 durch eine Sturmfluth zu Grunde ging. Ter See aber wurde durch die Sandstürme verschüttet. So hat Loulan ähnlich Pompeji und Saint-Pierre ein trauriges Ende gefunden. Aber nicht die unterirdischen Gewalten waren seine Zerstörer. sond:rn der unerbittliche Wind und die langsam, zäh, aber unerbittlich vorrückende Wüste. Die australische Kaninchenplage Hai allmälig ein minder bedrohliches Aussehen angenommen. Nachdem alle verzweifelten Versuche, der allzu fruchtbaren Kaninchen err zu werden, so gut wie ganz gescheitert sind, ist man auf den guten Einfall gekommen, das unvermeidliche Uebel kommerziell zu verwerthen. So schnell ha sich oie australische Kaninchenindustrie entwickelt, daß, was gestern noch ein Fluch war. heute bereits ein Segen zu werden verspricht. Letztes Jahr sind in London allein 20,000.000 australischer Kaninchenfelle verkauft worden, und die Kolonie Victoria allein hat 3.000,000 gefrorner Kaninchen auf den Londoner Fleischmarkt geschickt. Für die Zwecke dieser neuen Industrie wurden letztes Jahr übe? 24,000,000 Kaninchen in Australien eingefangen. Mehr kann man nicht verlangen. Folgende humane Aufschrift zeigt seit Kurzem ein großes Plakat über der Thüre einer Berliner Krieipe: W sich in meinem Lokal bezecht, wird auf Wunsch durch meinen Hausdiener in zweckentsprechender Weise sicher nach Hause geleitet! Der koulante Wirth."
Feuer Signale.
4 Pennshlv und Startet 6 English's Opern Haus 6 Last und 9?H Dort 7 Rodle und Micknaan 8 N. Jerley u. Raff Ave 9 Pine und Norch 10 Martet und Pine 11 Vermont nahe Saft 12 Nz. 8 Spritzenhaus Ma. ve nahe Noble 13 Delaware und Walnut 1 Jersey u Central A. IS Mass. und ornell Ave : Ash und ,1. Ltraße 17 Part Ave und 12 5tr 8 Columbia und Hillsld 19 Highland Ave u. Prott tl JllinoiS und St Joe 23 Pennsvlv. und Pratt 24 Rendian und 11. Ett 25 No. 5 Spritzenhaus 15. nahe JMnoiS 26 Senate Ave u. StSlair 27 Illinois und Michigan 28 Pesylvania und 14. 20 Senate Ave, und 13. 31 No. 1 Spritzenhaus Jnd Ave nabichigan 32 Meridian und Walnut 34 California u vevmemt 35 Blake und New Kort ss Ind. Av. u. Et. Slave 37 City Hospital SS Blake und Norty 39 Michigan und Agnes 41 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West 42 Gfendorf u Wash. 43 Misturi u New 9wci 45 Meridian u Wash 4 Jllmois und Ohio 47 apitol Av. u Wash 48 in' Portbau 49 Straßenbahn Stall 28. WaHington Etr 61 No. 10 Spritzenhaus JllinoiS u Merrill 52 JllinoiS u Louisiana 53 West und South 64 West und McEarry 5 Senate Ave. u Henry 67 Meridian und Ray 58 No. 4 Spritzenhaus MadisonAv.uMor-.-iS 69 Madiion Av. u Tunlop 1 No 2 Haken LeiterhauS South nah Telawar 62 Penn, u Merrill 63 Delaware u. McCarty 64 East und RvSarty 66 New Jersey u. Merrill 67 Birg. Av. u Bradshaw 68 Säst und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. il EpritzenbauS vir Ave. nhe Huron 72 East und Georgia 73 Eeda und Elm 74 Davidson u Georgia 75 English Av. u Pine 7 Ehelöy und Bateß 78 No. 3 Spritzenbaus , Prosvect nahe Sbelby n Kletcher v. u Shelby 81 Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. 83 East u Washington 84 New York u. Davidsor 5 Taubstummen Anstalt 86 er. Stauer Arsenal 87 Orient! und Z?ash. 89 Frauen-Reformat. 91 No. 13 Spritzenhaus Marvland nahe Mer. 92 Meridian u. Gccrqia. 93 Meridian und South 94 Pennsylv u. Louisiana 95 Birgini Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Ohi .23 No. 16 Spritzenhaus 1. und Ash. 124 Alabama und 1. 126 Central Av und 15. 126 HandeS und 15. 127 Brookside und Jupiter 128 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellefontaine und. 134 College Ave und 2. 136 Delaware und 13. 136 Alabama und Rorth 137 Ncwmann td 19. 133 College Av und 14. 139 Cornell Ave und 13. 141 DandeS und 19. 142 Highland Ave und 10. 143 Decumseh und 10. 145 New Jersey und 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hilnlde Av und IS. 143 College Ave und 22. 149 College Av und 27. 152 Part Ave und 22. 15?. LEu.W Bahn u. 22. 154 Ramsey Av und 10. IM -toughton u Newman 157 Atlas und Pike. 158 Blovd und Pawvaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood l2 Arden und Depot 163 Brightwood und 26. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. Kevftone 167 Arsenal v und 23. l8 Bellefontaine und 28. 169 Part V und 10. 212 Capital Are und 17. 213 Pennsvlv. u. 214 Illinois und 20. 215 Senate Av und 21. 216 Pknnsvlvania und 22, 217 Meridian und 1. 218 Capital Ave und 26. 219 Broadway und 10. 221 JllinoL und McLea 234 No. 1 1 Spritzenhaus Aenwood und 50. 236 Illinois und 33. 23 Annctta und 30. 237 Ro. 9. SpritzenhzuS Utell und ftaixr 238 UdeU Ladder Bor 3 Jadel und 7. 241 Meridian und 24. 242' Illinois u Et. Urx, 245 Sldridge nd 23. 1 West uud Walnut 813 West und 12. 314 Howard und 16. 315 Derbst und Paca 316 Capital Ave und Ift. 817 Northwestern Ave u 21 318 Gent und 18. 319 Canal und 10. 31 Cerealine WortS 324 Vermont und Lynn 25 Bismarcku Srandvie 526 No. 29 SyntzenhauS Haughmll. 527 Michigan u. HslmeS, 528 Mrchlgan u. Csncord 341 West und VrJnttzre 412 Missouri u. Mars land 413 Missouri und hio 416 Capital Ave., rorgia 416 Missouri u entucky R. 417 Senat 3ü . ash. 421 P und S im! W. Washington. 423 Irren Hospital. 424 Viley A.JDuS 425 Weih, und HarriS 426 No. 18 Spritzenhaus W. Washington 427 Oliver und Birch 428 Oliver und Osgood 429 Rorduke und Pork 431 Hadley Ave u. 432 River Ave u. 84 River Ave und Ray 435 Harding u. Big 4 N ? 436 Harding und Oliva 437 No. 19 Svritzenh J Morris und Harbins, 4ttMKfc urfd! 439 SfaxtvarM 451 Reisn? und 452 Howard und L 463 nri und aytzaS 456 Lamoert und BeäuMt 457 Nordyk ve u. Won uiou Works 612 West uud Ray 513 entueky Avu.nM 614 Meruna und MorriS 51 JllinoiS nd ansät 617 orr und Dato 618 Morris und durch 519 Capital A. u 621 Meridian und ! 523 Pine un!. Lord 524 Madilor Avuincol 6 Meridian uud Blt R 527 CarloS und Ray 62 Meridian uud Rrqvua S29 Meridian u. Raymond 631 Meridian u. cCarty 632 No. 17 Svritznih2S MorriS nah West i jfc&raaiunfc DeuA, 613 Saft u. Lincoln L 14 East und Beecher ib Wright und Sander 17 McCarty und Beattz 18 Rew Jersey u 712 Epruce und Prosvect 71 Snglisb Ar, u. Laure 714 State Ave u.BeltK 716 Ehklvy und Beecher 716 E tate Ave und Orangt 718 Orange und Laurel 7 Shelby u. Ci.ioa 1 721 LeringtonA. u 725 Fltcher Avu.Oyru 724 State Av u. Pleasau. 725 Prospekt und "Uerfectf 726 Orange und Harlau 728 Liberty und Merk 729 Noble und South 1 Ro. 16 Spritzenhaus Oft Washington Ett 13 Market und Noble 814 Ohio u. Highland X 81 Michigan u. Highlant 16 Markt u rieual Av, 817 Oft S Clair und Union Bahn Geleis. 21 Pan Handle Shep 25 Vermont und Waltt 824 ash. und State Atz. 86 adden'S oug Fab. 82 Tucker und Dorfty 27 Wash. und Beville Av 82 Ro. 1 Spritzenhau Beville nahe MichigaH 831 Eourheafter K uud Woodside. 852 Wasb. und Dearbor 834 Soucheaftern und Arsenal Aves. 855 New ort und Tempi 12 JllinoiS und Maryl. i Illinois und artet. 14 Penn, und sh. 15 Delaware und Spezial-Tiznale. Ersten 2 SchlSg, zweiter Alarm, Zweit 2 Schlag, dritter Alarm, Dritten 2 Schläge, vierter Alarm. i--l, Feuer aus und Schlauch aufgerollt. 3 Schlag, Wassadruck ab. 12 Schlag, U Uhr Mittags. Die 'fi bezeichneten Signale tverden nur vom Thür Wachter angegeben lx, an den betreffende Straß kreuzung fein SllrrntlMer angebracht ftad. Chicago und der graste Nordweft die d f Uaa Hawaii Vbilippiue Inseln. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. tW Bon der Monon 47. Str. Station, Chicago, stnd i nur 5 Minuten mittelst elektrischer ar nach den Union Biehdösen French Lick Spring-s, (n dem Orange Eounty Hochland. Familie Hotel auter neuer Veschüitsleitung. Pluto, Proserpine lud Bowle Quellen. Bette Mineralwasser der Seit. Zwei Züge täglich via ree.-.castle. Ticket-Officen : Union Station, Vaffachusetts ve. nd A West Washington Straße. . P. 1 1 e Distrikt Bafs. Agent, Indianapolis. Iud. H. McDoel, . H. ck w e ll. Vrös. und en. Mgr. ettiedSliter Iran! I. eed, Jeu. ent. llhicago. IL.
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