Indiana Tribüne, Volume 26, Number 205, Indianapolis, Marion County, 21 April 1903 — Page 7
Jndtana Tribüne, 21. April 1903
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9 wcr wird sicgcn ! Ein Zeitroman 0 i ilon Veinl,c.ld (Drtrnamt 3$3433j (Fortsetzung.) wuen unter Dem Dach gab es nicht mehr die breiten, vornehmen Thüren wie in den anderen Stockwerken; aber es waren ihrer dafür auch nicht weniger als vier. Und auf den Schildern unter den Glockenzügen las Erich noch die alten Namen, die ihm aus jenen Studcntentagen so gut im Gedächtniß geblieben waren Da, wo Heinrich Vollart" zu lesen stand, setzte er die Klingel in Bewegung, und es wurde ihm gar feierlich erwartungsvoll zu Sinn, als er von drinnen den wohlvertrauten, blechernen Klang vernahm. Im Grunde hielt er's doch für ganz unmöglich, daß ihm eine Andere aufthun könnte als die, mit der seine Gedanken sich eben so angelegentlich beschäftigt hatten. Und es war deshalb geradezu eine Enttäuschung, als er statt ihrer ein unbekanntes, halbwüchsiges Dienstmädchen vor sich sah, dem die dünnen Arme bis weit über die Knöchel aus den längst zu kurz gewordenen Taillenärmeln hervorluaten, und dessen mageres, rothfleckiges Gesicht ganz und gar keine Ähnlichkeit hatte mit dem lieblichen Mädchenantlitz, das er zu sehen erwartet hatte. Er grüßte und fragte, ob Herr Vollart daheim sei. Etwas ungewiß sah ihn die Kleine an. Ja zu Haus ist er schon. Aber ich glaube, er hat Modell." Und das Fräulein?" O, das Fräulein ist da. Wollen Sie sie sprecei?" Wenn mein Besuch angenommen wird allerdings! Möchten Sie die Freundlichkeit haben, Fräulein Vollart meine Karte zu überbringen?" Vielleicht war die langarmige Jungfrau an dergleichen Förmlichkeit nicht gewöhnt, denn eine gewisse Verwunderung malte sich ganz unoerkennbar auf ihrem Gesicht, als sie das Kartonblättchen vorsichtig zwischen die Spitzen der gespreizten Finger nahm und dabei so bedächtig die Aufschrift las, wie wenn sie ausschließlich zu ihrer Kenntniß bestimmt wäre. Dann aber ging es wie ein Schimmer der Verklärung übe? ihre Züge. Sie erröthetc, und mit einem Lächeln, das ihre Mundwinkel in sehr bedenkliche Nähe der Ohrläppchen gerathen ließ, sagte sie: Möchten sich der Herr Leutnant einen kleinen Augenblick gedulden? Ich werde dem Fräulein gleich Bescheid sagen." Sie entschwand den Blicken des Draußenstehenden in der dämmerigen Tiefe des schmalen Ganges. Aber sie mußte sich wirklich sehr beeilt haben, denn schon im Handumdrehen war sie wieder da. Das Fräulein freut sich sehr und sie läßt den Herrn Leutnant recht schön bitten " vervollständigte sie aus der Tiefe des eigenen Gemüths den ihr gewordenen Auftrag. Und eine Sekunde später mußte Erich für einen Monent die Augen zusammenkneifen, geblendet von der Fülle goldigen Frühlingssonnenscheins, die ihn mit einem Male umgab. Ja. das war noch dasselbe große, niedrige Zimmer, darin er vor vier Jahren alle Büngnisse und Seligkeiten einer uneingestandenen, schwärmenschen ersten Liebe durchkostet dieselben soliden, altersdunklen MayagomMövel, auf denen auch das schärfste Auge vergebens nach einem Flecken oder Stäubchen gesucht haben würde, dieselben wunderlichen, alten Holzschnitzereien überall, wo nur immer ein brauchbares Plätzchen zu ihrer Aufstellung sich dargeboten hatte, derselbe mit Blattpflanzen und Palmen besetzte Blumentisch, und dieselben einfachen, weißen Gardinen vor den drei niederen, fast auadratischen Dachfenstern, die trotz ihrer Kleinheit eine so verschwenderische Lichtfluth in das altväterisch anheimelnde Gemach hineinsaugten. Aber die Bewohnerin, die da vor ihm stand nein, das war dieselbe nicht mehr wie vor vier Jahren. Ein siebzehnjähriges, s chmächtiges Bc. ckfis chchen mit langen, blonden Zöpfen und fragenden Kinderaugen, so hatte sie während dieser ganzen Zeit in seiner Erinnerung gelebt. Und nun fand er eine voll entwickelte, fast schon ein wenig zur Fülle neigende Frauengestalt mit anmuthig gecundeten. rosigen Wangen, einem reizenden Grübchen im Kinn und einem gleichmüthig unbefangenen Lächeln auf den frischen Lippen, wie vor allem in den freundlichen blauen Auaen. Herzlich, wie einem guten alten Freunde, reichte sie ihm die Hand. Und alle Beklommenheit, mit der er die Schwelle überschritten hatte, war mit einem Male von ihm genommen, sobald sie nur das erste Wort der Begrüßung gesprochen. Guten Morgen. Herr von Brunneck! Wie hübsch, daß Sie meinen Vater wieder einmal aufsuchen. Er wird sich von Herzen darüber freuen." Ich hörte von Ihrem Mädchen, daß er bei der Arbeit sei. Und ich brauche darum zu meiner Freude wohl nicht erst nach seinem Befinden zu fragen,"
Es geht ihm recht guk Gott sei Dank! körperlich und seelisch. Sie werden sich sehr bald davon überzeuat haben, daß er von leincm Humor nichts eingebüßt hat. seitdem Sie ihn zum letzten Mal gesehen." Das war vor vier Jahren!" sagte er, indem er seinen Blick noch einmal wie suchend auf ihrem anmuthigen, blond umrahmten Sesichtchen ruhen ließ. Ich habe in der langen Zeit so oft an Sie und an ihn gedacht. Aber
ich war ja weit m die Provinz hinein verschlagen worden, und wenn ich einmal für ein paar Tage nach Berlin kam, nahmen mich tausend Verpflichtungen in Anspruch. Vier Jahre! Und nun ist mir's schon wieder, als hätte ich gar nicht aufgehört, hier allwöchentlich zwei oder drei Mal ausund einzugehen." Irgendwoher kam eiwas wie ein bescheidenes Räuspern. und erst jetzt gewahrte Erich, als er verwundert den Kopf nach jener Richtung wendete, daß er nicht, wie er bisher angenommen, mit Helene Vollart allein gewesen war. An der großen Etagere, auf der ein ganzes Konzil von bemalten, holzgeschnitzten Heiligen versammelt war, lehnte ein schlanker, junger Mann mit lockigem, braunem Haar, lebhaften Augen und einem gewaltigen, sorgsam gepflegten Schnurrbart, der sich zu seinem weichen, sanft gerötheten Mädchengesicht ausnahm, wie wenn ihn soeben der Theaterfriseur aufgeklebt hätte. Erich schätzte ihn auf höchstens dreiundzwanzig Jahre, und er gewann auf den ersten Blick den Eindruck, daß dieser junge Mann ein sehr liebenswürdiger und sympathischer Bursche sein misse. Ich bitte um Verzeihung." sagte er artig, wenn ich nicht sogleich bemerkt habe" Abt? Fräulein Helene beruhigte ihn mit einem kleinen, schelmischen Lächeln: Es wird Ihnen nicht übelgenommen." Und förmlich vorstellend fügte sie dann hinzu: Herr Gabor Sarlo, ein Schüler meines Vaters Herr von Brunneck, Leutnant im " Sie wollte nach der auf dem Tische liegenden Visitenkarte greifen, um den Namen des Regiments abzulesen, den sie offenbar vorhin übersehen hatte. Erich jedoch überhob sie dieser Mühe. Leutnant außer Dienst, Fräulein Vollart! Diese Karte da bedeutet eine Vorspiegelung falscher Thatsachen. Meine Verabschiedung ist nur eben so jungen Datums, daß ich noch keine Zeit gefunden habe, mir neue drucken zu lassen. Sie sind Ungar, mein Herr?" Der junge Maler verbeugte sich artig. Jawohl aber einer, der gar kein Heimweh hat, sondern sich ganz unmäßig wohl fühlt hier in Deutschland." Vielleicht war es nur ein Zufall, daß bei diesen letzten Worten die blanken Magyarenaugen mit einem so hellen Aufleuchten zu der lieblichen blonden Mädchengestalt hinüber flogen. Aber nach dem, was er selber dereinst hier in diesem Zimmer durchlebt hatte, war Erich zu mißtrauisch, um an einen bloßen Zufall zu glauben. Und er verwunderte sich in der Stille seines Herzens ein wenig über die Wandelbarkeit menschlicher Empfindungen, da er bei solcher Wahrnehmung viel eher ein gewlsses theilnehmendes Vergnügen, als etwa eine Anwandlung von Eifersucht verspürte. Wie könnte es auch anders sein. Herr Sarlo, wenn Sie Heinrich Vollarts Schüler sind und die Gastfreundicyasl seines Hauses gemeen Dürfen!" fagte er. Auf Grund eigenster Erfahrung darf ich Sie um diesen Vorzug beneiden." Gabor Sarlos Mädchengesicht strahlte vor Vergnügen, und wie sich jetzt die Blicke der beiden jungen Männer offen und freundlich begegneten, da empfanden sie gleichzeitig, daß sich schon bei dieser ersten Begegnung ein unstchibares Band aufrichtiger Zuneigung zwischen ihnen gewoben. Zu weiterer Unterhaltung aber kam es vorläufig nicht; denn draußen klappte eine Thür, und Fräulein Helene sagte: Das war im Atelier. Das Modell ist gegangen. Nun will ich eilen, den Vater von Ihrem Hiersein zu benachrichtigen, Herr von Brunneck!" Das war jedoch nickt mehr nöthig; denn noch ehe sie aus dem Zimmer war, stand Heinrich Vollart schon auf der Schwelle eine Erscheinung wie das aus dem Rahmen gestiegene Sclbstporträt eines alten niederländischen Meisters, graubärtig, behäbig und förmlich strahlend in gesunder Lebensfreude. Grüß' Sie Gott, mein lieber Herr von Brunneck! Wußt' ich's doch, daß meine Ohren und mein Gedächtniß mich nicht so leicht betrügen! Wie ich Ihre Stimme hörte, sagte ich mir: Nun ist's Zeit, den Pinsel ein bischen ruhen zu lassen und das Modell nach Hause zu schicken. Der Besuch ist's schon werth." Kräftig hatte Erich die Hand geschüttelt, und seiner Rede war's anzumerken, daß sie von Herzen kam. Nicht ohne ein leises Gefühl der Beschämung sah Erich m das liebenswürdige, noch ganz faltenlose Antlitz seines ehemaligen Lehrers. Eigentlich habe ich einen so freundlichen Willkomm gar nicht verdient, n-rebrter Meister! Denn ich bin mir
meiner Sünden wohl bewußt. Jedes Mal, wenn ich nach Berlin kam. hatte ich mir vorgenommen, Sie aufzusuchen, und doch " Ach, Larifari!" fiel Heinrich Vollart lustig ein. Nur keine Entschuldigungen! Wir freuen uns, daß Sie jetzt da sind und das ist genug. Aber was seh' ich? Sie tragen einen Flor um den Arm. Ist das Landes- oder Familientrauer?" Ich habe vor einigen Wochen meir.en Onkel, den Obersten von Brunneck, durch den Tod verloren." Bedauernd wiegte der Maler den vollbuschigen Kopf. O o, das thut mir leid. Der Herr stand Ihnen sehr nahe, wenn ich mich recht entsinne. Eine häßliche Einrichtung, das Sterben! Hat hoffentlich nicht lange leiden müssen, Ihr Herr Onkel?" Er kränkelte seit einiger Zeit; aber sein Hinscheiden kam uns dennoch unerwartet. Und es hat eine große Veränderung in meinem Leben herbeigeführt. Würden Sie mir erlauben, lieber Meister, darüber ein paar Worte unter vier Augen mit Ihnen zu reden?" So viel Sie wollen. Da drinnen im Atelier ist ja jetzt die Luft rein. Wenn's Ihnen recht ist, gehen wir hinein. Sie wissen, daß ich mich über ernsthafte Dinge nun 'mal nicht anders als im Herumlaufen unterhalten kann." Er stieß dic Thür wieder auf, durch die er eben gekommen war, und lud den Besucher durch eine freundliche Geste ein, voran zu gehen. Aber ehe er ihm folgte, wendete er sich, nachdem er einen Blick auf den altmodischen Regulator geworfen, an seine Tochter. In einer halben Stunde wünschen wir zu frühstücken, kleine Hauselfe! Und die erlesensten Delikatessen, so Braunschweigs und Thüringens gesegnete Schweinezucht hervorbringen, mögen unsere fürstliche Tafel schmücken." Mit einer Geberde der Genugthuung, als hätte er soeben alle An-
Ordnungen für ein lukullisches Mahl getroffen, zog er die Thür hinter sich zu, offenbar sehr wenig beunruhigt durch den Umstand, daß er im Wohnzimmer sein hübsches Töchterchen wieder mit dem jungen ungarischen Maler allein lassen mußte. Das Atelier würde jeden Besucher, der sich die Werkstatt eines Malers nicht anders vorstellen kann, als einen bunt und phantastisch ausgeschmückten Raum mit zahllosen Vorhängen, kostbaren alten Gobelins und sonstigen wunderlichen Raritäten, ohne Zweifel gewaltig enttäuscht haben. Denn von jenen interessanten Dingen war blutwenig darin wahrzunehmen, abgesehen von der kleinen Armee holzgeschnitzter heiliger und profaner Figuren, die auch hier überall herum standen, lagen und hingen, mit den mehr oder weniger spärlichen Ueberresten ihrer ehemaligen Bemalung und Vergoldung zumeist nur dem Auge des Sammlers erfreulich. Sonst gab es in dem großen, niederen, durch zwei quadratische Sritenfenster und ein gewaltiges Oberlicht erhellten Raume nichts ausgesprochen Künstlerisches" als eine Unmenge von Bildern und Skizzen an den stumpfgrau getünchten Wänden und als einen wunderlichen Aufbau in der einen Ecke. der in dem weiten Gemach eine kleine W"It für sich bildete nämlich einen richtigen Ausschnitt aus einer altväterischen holländischen Bauernstube, eine Ofenecke mit Tisch und Stühlen, Truhe und Schrank, nebst allerlei fremdartigem Hausrath und Geschirr. Dak aber dieser seltsame Winkel nicy: oios einer rnzarren xsaune ocs. Malers seine Entstehung verdankte, sondern ganz bestimmten praktischen Zwecken zu dienen hatte, das mußte auch dem Uneingeweihten schon beim ersten Rundblick über die an den Wänden hängenden Bilder offenbar werden. Denn sie waren fast alle Holländische Interieurs," auf deren jedem sich die bewußte Ofenecke" wiederfand, mannigfach variirt zwar durch die verschiedenartige Anordnung des Hausgeräths und den Wechsel in der Beleuchtung, afcer doch immer sogleich zu erkennen, 'gleichviel, ob sich's ein schüchtern kosendes Liebespärchen, eine dralle junge Mutter oder ein verwittweter alter Fischer darin bequem gemacht hatte. Die holländische Bauernstube war eben seit einem Vierteljahrhundert Heinrich Vollarts künstlerische Spezialität. Man würde sicherlich auf's Höchste erstaunt gewesen sein, auf einer Ausstellung oder im Kunsthandel unter seinem Namen irgend einer anderen Darstellung zu begegnen. Und es gab boshafte Kunstgenossen, die allen Ernstes behaupteten, er würde seinen Ofenwinkel auch bei finsterer Nacht oder mit verbundenen Augen zum Entzücken des Publikums malen können. Die ihn näher kannten oder die sich die Mühe nicht hätten verdrießen lassen, etwas eingehender Umschau zu halten unter seinen Skizzen und Entwürfen, sie hätten freilich den Spöttern erwidern können, daß Heinrich Vollart auch noch anderes zu malen verstand als holländische Interieurs. Er selbst aber behauptete es niemals, und er war vielmehr immer bereit, in heiterer Selbstironie mit einem lustigen Scherzw rt zuzustimmen, wenn in seinem Beisein eine mehr oder weniger harmlos gemeinte Anspielung auf den unverwüstlichen Ofenwinkel laut wurde.
Wie Sie sehen, mein lieber Herr von runneck, stehe ich noch immer aus dem alten Fleck," sagte er denn auch jetzt. ...abgesehen von dm prachtvollen alten Lehnstuhl da, den ich vor änderthalb Jahren für neun Mark und fünfundstebzig Pfennige von einem mit Blindheit geschlagenen Trödler kaufte, und der nach dem einmüthigen Urtheil der gesammten Kritik einen gewaltigen Fortschritt in meiner Kunst bedeutet. Wenn Sie jetzt darauf Platz nehmen, so thun Sie es, bitte, mit einer gewissen Ehrfurcht. Denn ich halte jede Wette, daß kein Lehnstuhl der Welt so oft porträtirt worden ist wie dieser. Sein Andenken wird in Ehren bleiben, bis der Orkus auch das letzte meiner Bilder verschlungen hat." Er brachte ein Kistchen mit langen, beängstigend dünnen holländischen Cigarren zum Vorschein und bot es dein Gaste dar, mit einer Miene, als sei das kösttichste Kraut der Vuelta Abajo darin enthalten. Greifen Sie zu! Ohne Umstände, wenn ich bitten darf. Es ist immer noch dieselbe Sorte. Sie werden sich ihrer ja vielleicht erinnern." O ja, er erinnerte sich recht gut; denn eine von Heinrich Vollarts Cigarren konnte man in der That nicht so leicht wieder vergessen. Aber er zündete nichtsdestoweniger mit TodesVerachtung einen der gelben Stengel an; da er um nichts in der Welt den verehrten Mann durch eine Ablehnung hätte kränken mögen. Und als dann die seltsam duftenden Rauchwölkchen zur Decke empor stiegen, kam er ohne lange Vorrede mit dem Zweck seines Besuches heraus. Ich habe meinen Abschied genommen, lieber Meister! Und ich gehe mit dem verwegenen Gedanken um, mich fortan als ein Maler durch's Leben zu schlagen. Nun sagen Sie mir mit der alten Aufrichtigkeit, für die ich Ihnen so oft zu Dank verpflichtet war, was Sie dazu meinen." Heinrich Vollart kniff die Augen zusammen und wiegte den Kopf. Aber seine Ueberraschung schien doch nicht allzu groß. Ich meine, Herr von Brunneck, daß es gut oder schlecht ausgehen kann, je nachdem Sie es anfangen. Auf die Akademie wollen Sie ja vermuthlich
nicht mehr gehen?" Nein. Ich muß schon versuchen, ohne das fertig zu werden; obwohl ich recht gut weiß, daß es mir noch an gar manchem fehlt." Ei freilich fehlt's Ihnen daran. Das vor vier Jahren war doch blos Spielerei, und das Meiste von dem. was Sie damals gelernt haben, ist während der schönen, lustigen Leutnantszeit vermuthlich in alle Winde gegangen. Ohne gründliches Studium und tüchtige Anleitung bringen Sie's zu gar nichts das sage ich Ihnen von vornherein. Und wenn Sie sich etwa einbilden, man würde ebenso leicht ein Maler, wie man etwa ein Offizier oder ein Amtsrichter wird, so lassen Sie um des Himmels willen Ihre Hände davon!" Ich bin weit davon entfernt, mir das einzubilden. Und ich fühle bei dem Gedanken an das große Wagniß vielmehr eine recht starke Beklommenheit. Weiß ich doch bis zur Stunde noch gar nicht, ob ich wirklich an mein Talent glauben darf." Glauben Sie immerhin daran. Was Sie als junger Mensch davon gezeigt haben, war ja nicht gerade überwältigend. Und es tatet die gewissenloseste Windbeutelei, wenn ich Ihnen daraufhin den Adlerflug eines Genies prophezeien wollte. Aber ein anständiges Mittelmaß war es jedenfalls. Und vielleicht auch noch ein bischen mehr. Schade nur, daß das Talent lange nicht das Wichtigste ist bei der Geschichte. Da gibt's eine Menge anderer Dinge, die viel, viel mehr zu bedeuten haben. Als da sind: Fleiß, Ausdauer, Selbstzucht und Ehrlichkeit! Darf ich mir eine offene Frage gestatten. Herr von Brunneck?" Um offen mit Ihnen zu redm, kam ich hierher." Weshalb haben Sie die Offizierslaufbahn aufgegeben? Einzig aus unbezwinglicher Liebe zur Kunst?" Erich zögerte wohl einen Auge::blick; dann aber sagte er freimüthig: Nein. Meister! Den äußeren Anlaß haben andere Gründe gegeben Gründe, die ich allerdings als ein Geheimniß bewahren muß." Ist auch nicht nöthig, daß ich sie erfahre. Aber das Examen ist noch nicht zu Ende. Wollen Sie gleich von Anfang an die Malerei als einen Broderwerb betreiben?" Nein. Ich besitze ein kleines Vermögen, das mich wohl in den Stand setzt, noch einige Jahre lediglich auf meine Ausbildung zu verwenden." Und nebenher ein freies, fröhliches Künstlerleben zu führen wie?" Die Brauen des ehemaligen Leutnants zogen sich ein wenig zusammen; aber ein Blick in Heinrich Vollarts liebenswürdiges Antlitz entwaffnete seinen beleidigten Stolz. Der naturwüchsigen Treuherzigkeit dieses Mannes gegenüber konnte in der That keine Empfindlichkeit standhalten. Nur fo weit es unbedingt nothwendig ist, um die Begeisterung frisch zu erhalten." erwiderte er lächelnd. Im Uebrigen habe ich die allersolidesten Vorsätze und gedenke die Arbeit zur Quelle meines vornehmsten Vergnügens zu machen Sehr schön gesagt, und als Absicht höchst lobenswerth. Vielleicht kommen
wir nach einem halben Jahr oder so herum noch 'mal auf den Gegenstand zurück. Jetzt Nummer Drei: welchen Plan haben Sie sich für diese Ihre veranüalicke Arbeit entworfen?" (Fortsetzung folgt.)
Zur Katastrophe in Polyncsikn. Neue Vestätigung der Kalb'schen Theorie. Verheereuve Kluthwelle. Ueber die furchtbare Sturm- und Erdbeben-Fluthwelle. die Mitte Januar d. I. über die Paumotu- (Niedrigen) Inseln und die Gesellschafts-Jn-seln im fernen Polynesien hereinbrach und durch die Hunderte von Menschen ihr Leben verloren, sind infolge der mangelhaften Verbindungen erst jetzt genauere Nachrichten eingetroffen. Das Datum der Hochfluth fiel mit einem von Rudolf Falb lange vorher angegedenen kritischen" Tag genau zusammen, und die Katastrophe bildet somit eine neue Bestätigung der von Falb aufgestellten Erdbebenthcorien, deren Werth auch durch die Thatsache nicht abgeschwächt wird, daß es kritische" Tage gibt, die frei von bedeutenden Katastrophen sind und daß auch in der Zwischenzeit oft Störungen fallen; Falb selbst betont ausdrücklich, es bestehe nur eine Tendenz zu Störungen an den als kritisch" bezeichneten Terminen. Die Katastrophe kündigte sich in Polynesien bereits am 11. Januar durch eine eigenihümliche Himmelsfärbung an; bald darauf setzte der Sturm ein, der von Tag zu Tag an Heftigkeit zunahm und vom 13. bis 15. Januar zu einem Orkan von außerordentlicher Gewalt ausartete. Am 14. Januar trat dazu noch ein überaus heftiges Seebeben, wodurch das wüthende Meer plötzlich zu einer 40 Fuß hohen Fluthwelle emporgehoben wurde, die als eine Verderben bringende Wassermauer zahlreiche der niedrigen Eilande im Pau-motu-Archipel überfluthete und gleich einer Sintfluth fast alles Lebende dahinraffte. Die seismographischen Apparate auf den österreichischen Erdbebenwarten in Laibach und Pola verzeichneten am 14. Januar 3 Uhr ein 20 Minuten langes wellenförmiges Erdbeben, dessen Centrum man damals auf 6200 bis 7500 englische Meilen entfernt schätzte. Und in der That ist der Paumotu-Archipel von jenen Erdbevenstationen etwa 6200 Meilen entlegen. Die Erschütterung hatte also den ganzen Erdkörper in Mitleidenschaft gezogen. Im vergangenen Jahre sind eine ganze Reihe sehr bemerkenswerther Erdbeben- undVulkankatustrophen auf die kritischen" Tage gefallen; man erinnere sich nur an den gleichzeitigen Ausbruch des Mont Pelee. des Soufriere und des Stromboli am 7. bis 8. Mai, welche Epoche in Falbs Verzeichniß der kritischen" Tage für 1902 in Bezug auf Jntensivität an dritter Stelle rangirt; man bedenke ferner, daß der furchtbare Orkan am 16. März 1889, der die vor Samoa liegenden Kriegsschiffe vernichtete, ebenfalls mit einem kritischen" Tag zusammenfiel. S ch i b b o l c t h. enzeichen für Betrunkene in glanS. Borschläg in Oefterreich. Das Trunkenheitsgesetz, das in Großbritannien und Irland mit dem 1. Januar 1903 in Kraft getreten ist und nach welchem Berauschte mit Gefängniß bestraft werden, hat dort die Frage erweckt: Was sind die Kennzeichen eines Bezechten?" In Schottland gilt ein Schibboleth als Probe. (Schibboleth, zu deutsch Aehre, ist das Wort, an dessen Aussprache sSibboleih der israelitische Richter Jiphthach die ihm feindlichen Evbraimiter erkannte; es wird sprichwortlich für Er-kennungs-und Unterscheidungszeichen, besonders bei verschiedenen Parteien gebraucht). So verlangt die Glasgower Polizei von Individuen, die im Verdachte eines Rausches stehen, die fließende Aussprache der Worte: ,,Slioes and socks shock Susan.4' In Edinburg wird die Wiedergabe des Satzes Burgcss' steh saucc shop" gefordert. In anderen Theilen Großbritanniens gilt die Geschichte des distelsiebenden" Weibes, die da lautet: ,,A wornan had six sieves os sifted thistles and six sieves os unsisted thistles. " In Oesterreich, wo sich die maßgebenden Kreise seit einiger Zeit mit dem Trunkenheit Zgesetze beschäftigen, haben Witzbol:-? der Polizei svlgende Losungsworte betreffs Agnos zirung der Betrunkenen empfohlen: Kleine Kinder können keine Kirschenkerne knacken," Der Postkutscher putzt den Postkutschkasten." Fischers Fritze fischte frische Fische." $ur Unterscheidung echter Steine von Imitationen aus Glas läßt sich Aluminium verwenden, welches die Eigenschaft besitzt, auf Glas mattglänzende, schwer verwischbare Schriftzüge zu erzeugen, auf Diomant hingegen nicht. Gestohlenes Kupserdach. Ein ungewöhnlich kühner Diebstahl wurde in der Nacht inmitten von Paris verübt. Verwegene Diebe haben einfach einen großen Theil des Daches der Madeleine-Kirche in der Ausdehnung von 155 Fuß abgelöst und davongetragen. Der Dachüberzug besteht aus Kupfer und Zink. Die letzte große Kupferhausse hat die Versuchung der Diebe, diesen schwierigen, aber einträglichen Koup auszuführen, offenbar erhöht, denn sie haben sich für die Abnähme der Kupserdecke entschieden.
Feuer - Signale.
4 Pennsylv und Startet 5 Engllsb's Opkrn-HauS 6 Last und Nl Dort 7 Noble und Mich man 3 N. Jersey u. Mass Ave 9 Pine und Norch W Startet und Pine 11 Vermont nahe East 12 N. S Spritzenhaus Maff. ve nahe Noble 12 DeLwan und Walnut 14 . Jersey u Central . 16 Mass. und Sornell Av 6 Ash und 11. Strafte 17 Park Xm und 12 Str .3 Columbia undHillsid 19 Higbland Ave u. Patt tl JUinoiS und St. Joe 23 Pennsylv. und Pratt 24 Meridian und 11. Str 25 No. s Spritzenhaus 15. nahe Jlkinoi 26 Senate Aveu. StSlai? 27 Illinois und Michigan 2 Pk tsylvania und 14. 29 Senate Ave. und 18. 31 No. 1 Spritzenbaus Jnd AvenaheMichigan 32 Meridian und Walnut 34 California u Vermont 35 Blake und New York SS Jnd. Av. u. St. wir 37 City Hospital 38 Blake und Norch 3 Michan und Agnes 41 No. Sprttzeniu Washington nahe Weft 42 Gsendorf u Wash. 43 Missouri u New York 45 Meridian u Wafh 4 Jllmois und Ohio 47 Eapitol v. u Wash 4 ,nga'S PorkhauS i9 Erraßenbahn Stalle W. Washington Str ül Ro. i Spritzenhaus Illinois u Merrill 52 Illinois u Louisiana 53 Weu und South 64 West und McCarty 5 Senate Ave. u Henry 67 Meridian und Ray 58 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Morris 59 Madiion Av.u Tunlop 1 No 2 Haken LeiterbauS Eouch nah Delawar 2 Penn, u Merrill L3 Delaware u McCarty 4 Saft und VrCarch 5 New Jersey u. Merrill 7 Birg. Av. u radsha 8 Sast und Prospekt SS Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus vir Ave. nah Huron 72 East und Georgia 73 eda und Elm 74 Davidson u Georgi 75 Cnglish Av. u Pine 7 Chelöy und BateS 78 No, 3 Spritzenhaus Prospcct nahe Shelby 79 Kletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Jersey 82 Delaware und Wash. 82 Sast u Washington 84 New York u. Davids 85 Taubstummen Anstalt 86 Ber. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 89 Frauen-Resormat. 91 No. 13 Spritzenhaus Marvland nah Mer. 92 Meridian u. Gcrqia. 93 Meridian und Souch 4 Pennwlv u. Louisiana 95 Birgini Ave u. Alab. 9 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Ave und Ohia .23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 1. 125 Central Ave und 15. 126 Z)ndkS und 16. 127 Brooksid und Jupiter 128 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellesontaine und W. 134 College Av und 2s. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 123 College Ave und 14. 139 Cornell Ave und 12. 141 Bandes und 19. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey und 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hilside Ave und ie. 143 College Ave und 22. 149 College Ave und 27. 152 Park Ave und 22. 16. L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey Are und 10. 15 Stoughton u Rewman 167 Atlas und Pike. 153 Bloyd und Pawpaw. 159 Ro. 21 Spritzenhaus Brightwood l2 rden und Depot 162 Brightwood und 26. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. eystone 167 Arsenal Ave und 22. 163 Bellesontaine und 28. 19 Park ve und 10 2 Capital Am und IT. 213 Pennsylv. u. ichiga, 214 JllinmS und 20. 216 Senate Ave und 21. 21 Pennsvlvania und ii. 217 Meridian nd IC. 218 Capital Ave und . 219 Broadway und 10. 231 Illinois und McLea 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwocd und 30. 25 JllinoiS und 83. 2-33 Annetta und 90. 237 No. 9. Spritzend rut Udell und Raoer 233 Udell Ladder Work 239 Jabel nd 7. 241 Meridian ?.d 24. 242 Illinois U St. eiccx 243 Eldridae nd 23. 812 West uud Walnut 13 West und 12. 314 Howard und 16. 215 Torbet und Paca 51 Capital Ave und 1 317 Northwestern Aveu 818 Gent und 18. 319 Canal und 10. 324 Cerealine Worts 324 Vermont und Lynn 25 Bismarck u SrandwieA 226 No. 20 Spritzenhaus HaughvrUe. 27 Michigan u. Holmes, 228 Michigan u. Concord 41 West und McJntyre 412 Missouri u. Maryland 412 Missouri und hio 415 Capital ve .. Georgia 416 Missounu entucky 417 Senate Ave . Wasy. 421 P und E Rundms 23. Washington. 428 Irren-Hospital. 424 Mllcy Aveu.JDuZI 425 Wash. und Harris 42 No. 13 Spritzenhaus Q. Washington 427 Oliver und Birch 428 Oliver und Osgood 429 Nordvke und Dort 421 Hadley Ave u. Morrts 432 River ve u. Morris 4iA River Ave und Ratz 435 Harding u. Big 4 R ? 43 Harding und Olwa 437 No. 19 EpritzenhoZ Morris und Hardina. 43 Howard urtUaf' 499 StkyxdS 451 Reisn und MUKr 452 Howard nd 458 Morris und StacotZ 456 Lambert nd Betend 467 Nordyk Ave u. War mon Works 612 Weft uud Ray 613 Kenwckv Ave u. Merriü 514 Meridian und Morrtztz 616 JllinoiS nd ansaS 517 Morr und Dakota 618 Morris und Church 519 Capital X u McCarty 621 Meridian und Palme 623 Pine un', Lord 624 Madism veu iincpl 26 Meridian und Belt R 527 Carlos und Ray 628 Meridian uud AruM 629 Meridian u. Raymond 631 Meridian u. McCarty 632 No. 17 Spritzenhaus MorriS nahe West 6,2 McKernanund Douah, 18 Eaft u. Lincoln 2m 614 East und Beecher 16 Wright und Sanders 17 McCarty und Beach 18 New Jersey u Ave 712 Spruce und Prospect 718 Cuglish ve. u. aure 714 Etate Ave u.Belt RK 715 Shelby und Beecha 71 State Ave nd Orang, 718 Orange und Laurel TM Shelby u. Cx.uu 90 721 Lexington A. Laurrf 728 Flacher Aveu. Gprua 724 State Ave u. Pleasan. 726 Prospekt und "leasar 72 Orange u:a ,zaria 72 Liberty inü Bett 729 3Uf'vll Nd Souh 81 Ro. 16 Spritzenhaus Ost Washington S 81 Market und Noble 814 Ohio High land Av 816 Michigan u. Highlanl 81 Market u Arsenal Wn 817 Oft 6'. Clair und Union Bahn eleise. 821 Pan Handle Shsp? 828 Vermont und WaleoU 824 Wash. und State Atz, 825 adden'S ttungt dx 82 Tucker und Dorsey 827 ash. und Bevill Ave 829 No. 12 Spritzenhaus fOd- JU nah Vtichig, 831 Eoutlzeasw-n hm Sodfid. 88 ash. un Dearbor, 884 Southeaftern und Arsenal AreS. 886 New York und ! 912 JllinoiS und ' 91 Illinois und artet 914 Penn, nd Wash. 15 Delaware nnd Spezial'Siznale. krsten 2 Schläge, zweiter Alarm, Aveitm 2 Schlag,, dritter lärm, Dritten 2 Schlage, vierter Alarm, l-i-l, Feuer aus und Schlauch ausgerollt. 8 Schläge, Wasserdruck ab. 12 Schlage, 1 Uhr Mittags. Die rf bezeichneten Signale werden nur vom Dhur Wächter angegeben ba an den betreffend Strafte; ereujunge seine Alarmkätten angebracht sind. Chicago und der große Nordweften vis i V c))teM3tewrttea laSka Hawaii Pdilippiue Insekt. Bier tägliche Schnellzüge nach Chicago. W Bon der Monon 47. Str. Station. Chicago, nnd 8 nvr 5 Minuten mittelst elektrischer nach den Union Biehdöfen . 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