Indiana Tribüne, Volume 26, Number 203, Indianapolis, Marion County, 18 April 1903 — Page 7
Jndiana Tribüne, 18. April 1903.
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Wer wird sirgrn ! I o 1 G Ein Zeitroman 1 yotx Roinlxold rtrnann $0$$$$ (Fortsetzung.) SQttx Bucyyolz hatte ein jchwarzIeberneä Portefeuille aus der Brusttasche gezogen und eine Weile in den darin befindlichen Papieren herumgesucht. Dann vertiefte er sich in die angelegentliche Betrachtung des über dem Schreibtisch hängenden Kupferstiches und bernühte sich, dabei ein möglichst unbefangenes und zufriedenes Gesicht zrk machen. Der Oberst hatte sich wieder in seinen Sofasitz zurückfallen lassen und rang mit halb geschloß enen Augen nach Luft, wie Jemand, der von einer furchtbaren körperlichen Anstrengung bis zum Tode erschöpft ist. Erich aber lehnte mit über der Brust verschränkten Armen am Bücherschrank, eine Beute der widersireitendsten Empfindungen und Vorsätze, voll ohnmächtigen Zornes gegen die ganze Welt und vor allem gegen die eigene jämmerliche Schwäche. Tann öffnete sich die Thür und Magda trat wieder ein. In einem Briefumschlage reichte sie Erich die fünf Kassenscheine, die für ihn die Rettung vor Schmach und Schande vielleicht sogar die Rettung seines Lebens bedeuteten. Möchtest Du mir nicht doch gestatten, lieber Onkel, meine Angelegenheit mit diesem Herrn nunmehr draußen im Vorzimmer zu Ende zu bringen?" Erich hatte es schüchtern gefragt, und ein Kopfnicken des Obersten, von einer entsprechenden Handdewegung begleitet, Fr?tpfe ihm. daft Joachim von runn: kein Interesse meyr daran habe, der geschäftlichen VerHandlung beizuwohnen. Herr Buchholz, der beim Anblick der blauen Banknoten plötzlich sehr artig und geschmeidig geworden war, verbeugte sich höflich gegen den Obersten und gegen Magda, ohne daß man indessen seinen Gruß einer Erwiderung gewürdigt hätte. Und als er im Nebenzimmer mit dem jungen Offizier allein war, hielt er es sogar für angezeigt, sich wegen seines vorigen brüsken Auftretens zu entschuldigen. Es sollte mir leid thun, Herr Leutnant, wenn ich Ihnen durch meinen Besuch Unannehmlichkeiten bereitet hätte. Aber Ihr Kamerad hat mich schon so oft mit Auöslllchten und leeren Versprechungen hingehalten, daß ich nach dem vergeblichen Warten von heute Morgen wohl ein bischen mißKenisch werden konnte. Wenn ich gewußt hätte, daß Ihr Herr Onkel so leidend ist er scheint nämlich wirklich recht krank, der alte Herr Ich bitte um die Empfangsbeltätigung," fiel Erich kurz abweisend ein. Und es war etwas in seiner Haltung wie in seinem Blick, das den ehrenwertben Herrn Generalagenten bestimmte, auf alle weiteren Entschuldigungen oder sonstigen Bemerkungen zu verzichten. Innerhalb weniger Minuten war alles ordnungsmäßig abgethan, und Schlüter, der während der ganzen Zeit auf dem Korridor gestanden hatte, öffnete dem Wucherer die Wohnungsthür, um sie mit einer nur halb verständlichen, aber auch in dieser Form einigermaßen ehrenkränkenden Bemerkung so schnell wieder hinter ihm zu schließen, )ah der Thürflügel noch in eine etwas unsanfte Berührung mit der Rückseite des Herrn Buchholz kam. Hätte ich den unverschämten Kerl man gar nicht erst 'reingelassen, Herr Leutnant! Ich dachte mir's gleich, daß der Herr Oberst sich über ihn ärgern würden und " Ein schrilles, lange anhaltendes Glockenzeichen aus dem Wohnzimmer machte der vertraulichen Herzensergießung Schlüters ein Ende; denn er wendete sich eilig, dem Rufe Folge zu leisten. Aber an der Thür schon prallte er mit Fräulein von Malsen zusammen. Um Gottes willen, Schlüter den Arzt den Arzt! Dem Herrn Obersten ist mit einem Male sehr schlecht geworden." Beinahe brutal stieß Erich die kleine Dame zur Seite und drang in das Zimmer ein. Eiskalt packte ihn das Entsetzen, als er zum Sofa hinüber sah; denn obwohl er noch nie zuvor in das Antlitz eines mit dem Tode Ringenden geblickt hatte, wußte er doch sofort, daß es ein Sterbender war, der da kraftlos und gebrochen in den Polstern ruhte. Onkel!" wollte er aufschreien; aber der Schrecken hatte feine Stimmbänder gelähmt wie seine Glieder, so daß er wohl sekundenlang stumr? und ganz regungslos auf den Röchelnden hinstarrte und auf die arme Magda. die sich vergebens bemühte, ihm etwas von der gegen seine schrnklichen Anfälle verordneten Arznei einzuflößen. Da drehte 'sie sich nach ihm um, und der Ausdruck namenlosen Schmerzes in ihren Zügen, die verzweifelte, Hilfeflehende Todesangst in ihren großen dunklen Augen rüttelten ihn aus seiner ohnmächtigen Untyätigkeit empor. Er eilte zu dem Kranken, und da er nichts Besseres anzufangen wußte, versuchte er, seiner hilflos zusammengebrochenen Gestalt eine bequemere Lage zu geben.
Möchtest Du nicht das Medikament nehmen, lieber Onkel? Nur einen Schluck dann ist der Anfall aD:fc gleich voruder. liiern (on können wir denn gar nichts thun, Magda, ihm ein wenig Erleichterung zu verschaffen?" In Heller Verzweiflung hatte er es ausgerufen, als er sah, wie der Oberst das Glas zurückstieß, das Magda abermals hatte an seine Lippen bringen wollen. Die Veränderung in dem Gesicht des Kranken war jetzt eine so augenfällige, daß selbst die gläubigste Hoffnung sich über den furchtbaren Ernst der Lage nicht mehr hätte täuschen können, und daß auch Magdas tapfere Selbstbeherrschung unter dem Uebermaß der Angst und des Schmerzes zusammenbrach. Sie sank neben dem Sterbenden in die Kniee und umschlang voll leidenschaftlicher Zärtlichkeit seinen von den Schauern des Todes geschüttelten Körper. Vater! Mein Vater!" schluchzte sie. ..Geh' nicht von mir! Laß mich nicht allein!" Und als hätte der Klang ihrer süßen, weichen Stimme noch einmal das entschwindende Bewußtsein zurückgerufen, sah er ihr mit großem, tieftraurigem Blick in das thränenüberströmte Gesichtchen. Armes Kind" kam es in mühsamem Geflüster von seinen Lippen, und dann noch einmal ganz tonlos:
Mein armes, verlassenes Kind!" Da konnte Erich nicht länger schweigen. Er nahm sich zusammen, um das Schluchzen hinunter zu würgen, das ihm wie ein fremder Gegenstand in der Kehle saß, und indem er sich von der anderen Seite her über den Obersten herabneigte, sagte er: Nein, Onkel sie wird nicht verlassen sein. Du darfst .ja noch lange nicht von uns gehen und dann hat sie denn nicht mich?" n. dem alten Soldatenaesicht zuckte uno wetterleuchtete es noch emmal ganz seltsam. Die hellen Augen, die eben schon dem Verlöschen nahe schienen, gewannen noch einmal den alten Glanz und die alte Schärfe. Dich? Kannst Du kannst Tu mir Dein Ehrenwort geben daß Tu die fünfhundert Mark daß Du sie nicht verspielt hast. Junge?" Nein, Onkel nein, ich habe sie nicht verspielt." Er sagte es, fast ohne es zu wissen, was er sprach, wie in einem unwiderstehlichen Zwange, geleitet von dem heißen Verlangen, die letzten Augenblicke seines unglücklichen Oheims vor neuem, grausamem Weh zu bewahren. Und in der That hellten sich die Züge des Sterbenden noch einmal auf, als wäre eine schwere Last von seiner Seele genommen worden. Nicht? Das ist gut sehr gut! Verzeih' mir, mein Junge und schütze mir mein Kind wenn wenn ich Aber nicht länger vermochte diese letzte Anspannung seines eisernen Willens der Schwäche des hinsterbenden Leibes zu gebieten. Ein Hustenanfall erstickte seine Rede. Seine Wangen verfärbten sich wie suchend fuhren seine Hände ein paar Sekunden lang in der Luft herum, und leise röchelnd, mit geschlossenen Augen fiel sein mächtiger Körper dann bleischwer in Erichs stützenden Arm zurück. Ein paar Minuten später kam der Medizinalrath, den Schlüter getroffen hatte, als er eben im Begriff gewesen war. in den Wagen zu steigen. Er fand seinen alten Freund noch am Leben, aber er sah auf den ersten Blick, daß er nur eben rechtzeitig gekommen war, ihm die Augen zuzudrücken. Mit einer Sanftheit und Innigkeit, die in seltsamem Gegensatz stand zu seinem gewöhnlichen, bärbeißigen Wesen, neigte er sich über die verzweifelt weinende Magda. Muth, mein liebes Kind, Muth! Seien Sie auch heute tapfer, wie Sie es immer gewesen sind. Sein Leben war nur noch eine Kette von Leiden. Darum wollen wir ihm seinen Frieden gönnen." Hinter ihm, von der offenen Thür her wurden sonderbare Laute vernehmbar, wie das halb unterdrückte Gewinsel eines Hundes. Da lag Schlüter mit gefalteten Händen auf den Knieen und kämpfte wie ein Held mit dem Jammer seines Herzens. Und nun, da die Hand des Medizinalraths mit einer kleinen, möglichst unauffälligen Bewegung sacht über die Augen des regungslosen Obersten dahinfuhr, sank auch Erich neben seiner Kousine in die Kniee. Sein Schmerz war so tiif und wahr, als hätte er in diesem Augenblick noch einmal den Vater verloren. Und so unerwartet, so überwältigend rasch war das Entsetzliche über ihn hereingebrochen, daß er unter dem ersten lahmenden Druck des beinahe noch Unfaßbaren keines Erwägens und Nachdenkens fähig war über den verhängnißvollen Antheil, den seine unselige Verirrung vielleicht an der beschleunigten Herbeiführung der Katastrophe gehabt. 5. K a p i t e l. s 7 au le Stunde nach Mitternacht. n dem nach dem Garten hinaus gelegenen hohen und aeräumigen Schlafzimmer des Verstorbenen hielt Erich von Brunneck bei seinem Oheim die Todtenwackt icjorn spärlichen Lichtschein des zu Häupten des einfachen eisernen Bettes aufgestellten Kandelabers nur matt erhellt, ruhte das Haupt des Obersten unverhüllt auf dem weißen Kissen.
Und nie zuvor hatte Erich die eigenartige Schönheit dieses prächtigen Charakterkopfes so tief empfunden wie bei diesem letzten feierlichen Alleinsein mit dem Dahingeschiedenen. Nicht verwüstend und entstellend, sondern wundersam verklärend war die Hand des Todesengels über das edle und kühne Soldatenantlitz Joachims von Vrunneck dahingegangen. Ausgetilgt waren alle Spuren seines quälenden Leidens und jenes letzten harten Kampfes, in welchem seine kraftvolle Natur sich trotzig aufgelehnt hatte gegen den unbarmherzigen Würger. Ein tiefer, wunschloser Frieden sprach aus den ruhigen Zügen. Und nur die Mundwinkel unter dem borstigen Schnurrbart schienen ein klein wenig verzogen; doch nicht wie im Schmerz oder im herben Groll gegen das unerbittliche Geschick, sondern wie zu einem stillen, leisen Lächeln einem Lächeln, das Erich zu Lebzeiten des Obersien nur in seltenen, besonders glücklichen ?genblicken auf seinem martialischen Antlitz gesehen. Seil dem Einbruch der Nacht schon saß der junge Offizier hier neben der schlichten Lagerstätte. Und wenn er sich vorhin als ein verzweifelnder, von den grausamsten Selbstvorwürfcn bis zum Wahnsinn gepeinigter, schuldbewußter Sünder hier niedergelassen, so hatte der Anblick dieses friedvollen, überirdisch vsrklärten Todtengesichts all' das wilde Wühlen und Brennen in seiner Brust allmälig gelindert und gesänftit zu einem tiefen, aber stillen Weh. " Die Erinnerung an die Geschehnisse des Tages lag hinter ihm wie ein dumpfer, in seinen Einzelheiten nebclhaft verschwimmender Traum. Von dem, was der Todesstunde seines Oheims voraufgegangen war, hatte er jegt nur den unbestimmten, quälenden Eindruck von etwas Wüstem und Widerwärtigem, an das er nicht zurückdenken und daran er nicht rühren dürfe, wenn er nicht auf's Neue ein Heer von Furien über sich heraufbeschwören wolle. Aber auch das Spätcre, all' das chaotische Durcheinander von feierlich ernsten Momenten voll erhabener, heiliger Empfindungen und von nüchternen, trivialen Verrichtungen des täglichen Lebens, wie selbst ein Tag gleich diesem sie dem Ueberlebenden nicht erspart es floß in seinem Gedächtniß zu einem jener trüben, undeutlichen Erinnerungsbilder zusammen, die nach einem Uebermaß seelischer Erregung zuweilen größere oder kleinere Zeitspannen unseres Daseins wie mit einem dichten Schleier umhüllen. Und mit voller, gleichsam leuchtender Klarheit ' hob sich daraus nur eines ab: die Gestalt seiner Kousine Magda, deren Verhalten an diefern schwersten Tage ihres jungen Levens auf ihn gewirkt hatte wie nie zuvor eines anderen Menschen Thun und Lassen. Noch jetzt hätte er jedes Wort wiederholen können, das er sie im Lause des Nachmii:ags hatte sprechen hören jedes dieser ernsten, ruhigen Worte, die den unabweislichen Anforderungen des Auaenblicks so wohlüberlegt und bestimmt Rechnung zu tragen wußten, und aus denen der mühsam verhaltene Schmerz darum nur desto rührender und ergreifendem herausklang. Greifbar lebendig, wie eine Erscheinung der Wirklichkeit hatte er während der ersten Stunden seiner einsamen Todtenwacht ihr schönes, bleiches Antlitz vor sich gesehen dies weiche Kindergcsicht mit den wundersam tiefen Augen eines gereiften Weibes und der eigenthümlich charakteristischen Linie frühreifer Energie an den feinen Mundwinkeln. Magda hatte nicht mehr geweint, wenigstens nicht in seinem Beisein, und sie hatte mit dem Medizinalrath, der während dieses schweren Tages seine Pflichten als alter Freund des Hauses getreulich erfüllt hatte, vollkommen gefaßt und ruhig über die Gestaltung ihrer nächsten Zukunft gesprochen., Joachim von Brunneck war nicht wie ein schlechter Hausvater aus dem Leben geschieden, sondern hatte für den Fall eines plötzlichen Todes bis in die kleinsten Einzelheiten alles vorgesehen, was menschliche Schwachheit vorauszusehen vermag. Und da ihm bei der einsiedlerischen Lebensweise, die er in den letzten Jahren während seines Verliner Winteraufenthaltes geführt, hier eigentlich Niemand nahe stand, als der alte, oft erprobte ärztliche Berather, hatte er diesen zum Vertrauten und Vollstrecker seines letzten Willens gemacht, so weit es sich dabei um die noch vor der Testamentseröffnung zu trefsenden, dringendsten Maßnahmen handelte. Und mit peinlicher Gewissenhaftigkeit hatte der Medizinalrath alle seine Wünsche erfüllt. Er hatte an den Gutsoerwalter Claus Jeddeloh auf Oesterhof telegraphirt mit dem Auftrage, unverzüglich die Familie von Rocholl auf Neuenhagen zu benachrichtigen, und er hatte Fräulein von Malsen ersucht, die beiden Fremdenzimmer in Stand setzen zu lassen, da ohne allen Zweifel die Rocholl'schen Damen morgen früh eintreffen und bis zur Ueberführung des Verstorbenen nach dem Familien-Mausoleum auf OesterHof hier Wohnung nehmen würden. Dann hatte er Magda den Vorschlag gemacht, bis zur Ankunft der Rocholls bei seiner verheiratheten Tochter zu bleiben, weil er sah. daß die kleine Hausdame, deren Gesicht ganz in Entsetzen versteinert schien, sehr wenig geeignet war. der Verwaisten als Trösterin beizustehen. Aber das junge
Madchen hatte tm Anervmen irrn freundlichem Danke abgelehnt und ihm erwidert, dak fie sich nickt eine Stunde von der irdischen Hülle ihres Vaters trennen werde! Wie etwas völlig Erwartetes und beinahe Selbstverständliches hatte ste die Eröffnung des Medizinalraths hingenommen, daß sie nach dem Willen des Entschlafenen fortan im Hause seines vertrauten Jugendfreundes und Gutsnachbarn, des Landraths von Rocholl, leben
werde, den er testamentarisch zu ihrem Vormunde und zu dem Verwalter ihres Vermögens bestimmt habe. Auch unter den übrigen Dispositionen des Obersten war augenscheinlich nichts, das sie überraschte. Immer hatte sie nur dasselbe zustimmende Kopfnicken auf alle Vttttheilungen und Vorschläge des Arztes. Und wenn nicht zuweilen wahrend des Gespräches ihre dunklen Augen mit einem so herzbrechend tröstlosen Ausdruck vor sich hinaus m's Leere gestarrt hätten, würde der Medizinalrath um ihrer scheinbaren Gelassenheit willen beinahe versucht geWesen sein, sie für eine herzlose Tochter zu halten. Bis zum späten Abend hatte der alte Herr sich mit kurzen Unterbrechungen im Sterbehause aufgehalten, und da auch Fräulein von Malsen kaum von Magdas Seite gewichen war, hatte Erich keine Gelegenheit gefunden, seine junge Verwandte auch nur eine Minute lang unter vier Augen zu sprechen. Jedesmal, wenn er von einem der vielen nothwendigen Gänge zurückgekehrt war, die er auf Geheiß des Medizinalraths hatte unternehmen müssen, war er von ihr mit einem leisen Dankeswort empfangen worden; niemals aber hatte sie ihm in's Gesicht gesehen, während sie mit ihm sprach. Und all' das Warme. Herzliche und Trostreiche, das er sich unterwegs zurechtgelegt hatte, um es ihr zu sagen, war ihm seltsamer Weise ganz und gar in der Kehle stecken geblieben, sobald er ihr gegenüber gestanden. Dann, am späten Abend, war Plötze lich wie ein Blitzstrahl das Gräßliche auf ihn niedergefahren, das seine Trauer in Verzweiflung und grausame, herzzerschncidende Reue verwandelt hatte. Der Medizinalrath hatte sich verabschiedet und Erich war zufällt ein ungesehener Ohrenzeuge der Aeußerung geworden, die er dabei in Magdas Abwesenheit natürlich gegen Fräulein von Malsen gethan. Bei einem glücklicheren Temperament hätte unser armer Oberst trotz seines unheilbaren Leidens wohl noch ein Jahr oder darüber leben können," hatte er gesagt. Aber diese unselige Reizbarkeit war sein Verhängnis. Schon die tiefe Gemüthsdepression, in die ihn die Nachricht vom Tode des alten Kaisers versetzte, hatte mich vor einigen Tagen das Schlimmste fürchten lassen. Ich höre noch immer, wie er zu mir sagte: .Nun ist's auch für uns an der Ze. in die Grube zu fahren, denn mit unserem alten Herrn begraben sie viel mehr, als nur einen einzelnen, edlen und großen Menschen. Ein ganzes Zeitalter ist's, das sie mit ihm begraben unser Zeitalter. Doktor! Und in die neue Epoche, die jetzt hereinbricht, finden wir Alten uns nicht mehr hinein.' Das war seine feste Ueberzeugung, und ich glaube, daß seit der Stunde schon keine rechte Lebenslust mehr in ihm steckte. Aber er wußte, daß er sich um seines Kindes willen bis zum Aeußersten halten müßte, und ich sah, wie energisch er sich aus seiner Niedergeschlagenheit aufzuraffen suchte. Vorgestern fand ich ihn sogar dermaßen aufgemuntert, daß ich mit der tröstlichen Gewißheit fortging, er werde zum Mindesten den Sommer noch überstehen. Und ich lasse mir's nicht nehmen, daß irgend etwas Besonderes passirt sein muß, um diesen jähen Zusammenbruch herbeizuführen. Eine schwere Aufregung, ein heftiger Aerger oder ein großer Kummer muß ihn Plötzlich gepackt und den letzten Rest seiner Widerstandskraft vernichtet haben. Gebe Gott, daß Niemand aus seiner Umgebung sich des halb einen Vorwurf zu machen habe." Weiter hatte Erich nichts mehr gehört, denn vor seinen Ohren war mit einem Male ein Brausen gewesen wie von hundert gewaltigen Wasserfällen. Und der stürmische Schlag seines eigenen Herzens hatte ihm den Klang der Worte übertäubt, die da draußen gesprochen wurden. Unseliger! schrie es in ihm. Du Du allein hast ihn gemordet Deinen Wohlthäter. Deinen zweiten Vater den besten, uneigennützigsten Freund, den Du je auf Erden besessen! Wie unter einem wuchtig,' Faustschlage war er zusammengebrochen. Er war vor dem Sessel, neben dem er gestanden, in die Kniee gesunken, hatte sein Gesicht in das Polst gedrückt und sein Haar zerwühlt wie ein Verrückter. So fluchwürdig, so über alle Maßen verdammenswerth war sein Verschulden ihm erschienen, daß er's für ganz unmöglich hielt, mit dem Vewußtsein dieses Versprechens weiter zu leben, und daß er sich im bittersten Ernst den Kopf darüber zerbrach, auf welche Art er jetzt seinem verpfuschten Dasein ein Ende zu machen habe. (Fortsetzung folgt) Zeitktnd. Der kleine Otto (dessen Papa zum vierten Mal heirathet): Schrecklich, jetzt kennt man sich gar nimmer aus vor lauter Großmüttern."
Die veutsche Tavakinvustrte im Jahre 1902. Zu den Nationaleigenheiten der Deutschen gehört das Verständniß für ein kräftiges Glas Vier und eine gute Pfeife Tabak. Die Redner und Poeten, welche diese beiden urvolksthümlichen Genußmittel in Wort und Schrift hoch gepriesen haben, stehen weder an Zahl noch an künstlerischem Schwünge weit hinter der Zahl der Dichter und Sänger zurück, die zu Ehren des funkelnden Weins ihr feuriges Loblied erklingen ließen. Die Poesie des Tabaks scheint sogar dem deutschen Volksgemüth am nächsten zu kommen, weil ein Zug tiefer Sinnigkcit ne durchzieht. Bezeichnend dafür sind die Zeilen: Wenn mein Pfeifchen dampft und glüht, Und der Rauch von Blättern Sanft mir um die Nase zieht. Tausch' ich nicht mit Göttern. Auch in der Politik und im Wirthschaftsleben der Völker spielt der Tabak eine mächtige Rolle. Der eiserne Kanzler verschmähte es nicht, für die Pfeife des armen Mannes" einzutreten. Die Finanzminister fast aller Länder aber zählen schon seit langer Zeit das wi'rzige duftige Kraut zu den Erzeugnissen, die nicht schwer genug mit Zöllen und Steuern belastet werden können. Deutschland verbrauchte, einem Berichte des Konsuls H. W. Harris in Mannheim zufolge, im verflossenen Jahre 80,102Metertonnen (zu 2,204.6 Pfund) Tabak, und von dieser ungeheuren Masse waren 24.000 Metertonnen einheimisches Gewächs. Die deutsche Tabak-Ein- und Ausfuhr stellte sich folgendermaßen: Import. l?rport, Mctcrtonnkn. Rohtabak 59 956 1 Rauchtabak 542 134 Zigarren und Zigarrtten 655 134 siau und Schnupftabak 33 12 Der im Jahre 1902 nach Deutschland eingeführte Tabak hatte einen Geldwerth von $31,500,000, während der ausgeführte nur mit $1 ,285,000 in Anschlag gebracht worden ist. Seinen Bedarf an fremden Tabaksorten deckte Teutschland während der beiden letzten Jahre aus folgenden Ländern: 1901. im. Mklkrtmmen,
Niederlande 26 756 25,701 Brasilien W.783 ll 7!I Bereinigte Staaten 11,508 1".-" Tmninoo 3,536 3.97 Türkei und ttriechenland 2,735 M trimMn 2,205 MM Mcriko M 971 Kuba und Pvrto Rico i4 V56 Nach den Mittheilungen des Herrn Harris waren im Jahre 1902 in Deutschland etwa 175.000 Menschen mit der Herstellung von Zigarren und Zigaretten beschäftigt. Diese Arbeit ist nicht, wie hierzulande, fast ganz auf die Städte beschränkt, sondern wird zum grotzen Theile auf dem flachen Lande geleistet. Dorfbewohner, welche im Sommer dem Feldbau obliegen, 0?jchäftigen sich während des Winters mit der Anfertigung von Glimmsten geln und arbeiten zu ausnehmend geringen Löhnen. So kommt es, daß beispielsweise die Stadt Mannheim zu den Haupttabakmärkten gehört und doch nicht eine einzige Zigarrenfabrik aufzuweisen hat. Die deutsche Tabakindustrie hat, wie der Konsul berichtet, unter dem allgemeinen Druck, der auf dem deutschen Geschäftsleben ruht, sebr erheblich gelitten, und ste scheint auch noch nicht die Schwierigkeiten überwunden zu haben. Hoffentlich blüht und gedeih: auch ste wieder in naher Zukunft. tzortelyciu itn Satlcl. Der obongenannte Ministe? des eugeschaffenen HandMminizterimns 11 jetzt :ni der Organipmon tttiel ben so ziemlich fertig; v: statt der anfänglichen zämmerchn Räume hat er bessere Micthöräume besinnst, in deuen man'S ausbalten kann, bis der Eongrest für einen ?igiN Bau sorgt. Der Präsident hat noch beim Abschied auf den Bahnhof dem Handels minister Cortelyou zugerufen: Oh. wie kann ich Sie hier allein mit diesen schrecklichen Trusts zurücklassen? Seien Sie vorsichtig, Herr Oöertrustsprenger, damit Ihnen dieselben nichts zu Leid thun, während ich fort bin". In diesem Sche ? steckt natürlich der Ernst der Pflichterfüllung. Tcv wich igne Tli''il de? bekannt. lich arö,'zten beils aus längst bestehenden Abtheilung, bis icijt wxtn den Ministern anderer Departemeirts standen, Msammengesedten neuen partements ist ja das ganz neu geschah jene Bureau f li r (5 0 r n o ' :a tic nen. n-elch e Vauotinittel zur Peaufncht!guna. und $inf.3)rä!t kung der Trusts bilden soll und wird. An seine Bphe bat der P"ändelit bekanntlich JameS N. G a r f i e l d ge. stellt, und der scheint fest artschloffr,. seinem Namen als Bohn des Präs'denten Harfie-ld Ebre zu machen. Cr hat sein Bureau lücbt'g ei,iii.er'chtet, macht sich mit dem Stand der Corvo rationen, die er zu überwachen ins, näher bekannt, und Alles w.'ist dar' auf hin, dast sein Wirken ein ersprieliches sein wird. Wie zeitgemäß die vom Präsidenten verlangte Errichtung diest's Bureau? war, ersieht man auch aus den vielen bereits bei ibm eingelaufenen klagen von Geschäftsleuten und sogar von Trustaktionären über die Geschäftsführn ng verschiedener der qroben rr,,tt
Feuer - Signale.
4 Pennshlv und artet 5 English 'S Opern-Hau S East und N' York 7 Noble und Mchigan 8 N. Jerjey u. Maff Al 9 Pine und Nvrth 10 Startet und Pine 11 Vermont nah East 12 Nz. S Eprinhaus Ma. ve nahe Noble 13 Deware und Walnut 14 N. Jersey u Sentral A. 15 Maff. und Eornell Ave 16 Ash und 11. Strafe 17 Park ve und 12 Stt .3 Columbia undHillflde 19 Higbland Ave u. Pialt tl Illinois und St. Jo 23 Pennshlv. und Pratt 4 Meridian und 11. Ctr 25 No.S Spritzenhaus ib. nahe JllmoiS 26 Senate Ave u. StLIair 27 JllinoiS und Michigan 2 Pefylvania und 14. 29 Senate Äve und 1Z. 31 No. 1 Spritzenhaus JndAvenahsRichigan 32 Meridian und Walnut 34 California u Bmnt ss Blake und New Jork 36 Ind. Av. u. St. lair 37 City Hofpit! 3g Blake und Norty 39 Michigan und Agne 41 No. 6 Spritzenhaus Washington nah West 42 GZendorf u Wash. 43 Missouri u Rcw Kort 45 Meridian u Wash 46 JllmoiS und Obio 47 Capitel Av. u Wash 48 mgau'S PorkhauS 49 Straßenbahn Ställe W. Wafhington Str 51 Ro. 10 Spritzenhaus JllmoiS u Merrill 52 JllmoiS u Louisiana 53 West und Souch 54 West und McCarty 66 Senate Av. u Henry 57 Meridian und Rsv 58 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Mor. öS Madiion Av. u Tunlop 1 No 2 Haken LeiterhauS South nahe Telawar 2 Penn, u Merrill 3 Delaware u. McCarty 4 Saft und McCarry S New Jersey u. Merrill 67 Birg. Av. u Bredfha 68 Saft und Prospect 69 Bicking und High 71 No. ll CpritzcnhauS ir Ave. nah Huro 72 East und Georgia 73 eda und Clm 74 Davidson u Georaia 75 fcnglifh Av. u Pine 76 Shelby und BateS 7? No, 3 CpritzenbauS Prospect nahe Shelby 79 Fletcber Av. u Sbelby Ll Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. 83 East u Washington 84 New ?)ork u. Davids 85 Taubstummen Anstatt 86 Ver. Staaten Arsenal 87 Onental und Wash. 89 ffrauen-Rcformat. 91 No. 13 Spritzenhaus Marvland nah Mer. 92 Meridian u. Vcrqra. 93 Meridian und South i Peimfvlv u. Louisiana 95 Virginia Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Obi .23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und 15. 126 ?)andeS und 15. 127 Brookside und Jupiter 123 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellefontaine und ZV. 134 College Ave und 26. 135 Delaware und 13. 13 Alabama und Rorth 137 Newmann und lg. 133 College Ave und lt. 13g Cornell Ave und 13. 141 Aandes und 12. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey nd 22. 14 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus HiUside Ave und 16. 148 College Ave und 2. 149 College Ave und 27. 152 Park Av und 22. 15? LEu. WBahnu.2. 154 Ramsey Ave und 10. 15 Stoughton u Newman 157 Atlas und Pike. 153 Bloyd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood 12 Ardcn und Depot 103 Brightwooo und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. eystone 167 rsmal ve und z. 168 Bellefontaine und 88. 169 Park ve und 1. 212 Capital ve und 17. 213 Pennsylv. u. ichig 214 Jllinms und 20. 215 Senate Ave und 1. 216 Pennsylvania und Zi. 217 Meridian und 16. 218 Capital Av und 2, 219 Broadway und 10. 231 Illinois und McLean 234 Ro. 14 Spritzenhau Kenwood und 3. 235 Illinois und 33, 23 Annetta und 90. 237 No. . Spritzend. iut Udell und rc 38 Udeil Lad der W ortt 289 Jjavcl und 27. 241 Meridian und 24. 242' JllinoiS u S!,ar 243 Eldridge und 23. 312 West uud alnut 813 West und 12. 314 Howard und 16. 315 Torbet und Paca 816 Capital ve und r 317 Northwestern Ave utl 318 Gent und 18. 819 Sana! und 10. 324 Cerealine WrkS 324 Vermont und Lynn 325 Bismaku Srandietr 326 No. 29 Spritzenhaus Haughtnlle. S27 Mchigan u. L-lmeS, 828 Michigan u. Concord 341 West und McJntyre 412 M.ffoun u. Maryland 413 Missouri und Ohw 415 Capital ve.. eorgio 416 Missouri u entucky A 417 Senat ve u. Was?. 421 P und E Rundbau W. Washington. 423 Jrren-Howital. 424 Miley Ave u. I DuJ 425 Wash. und Harr 42 Ro. 13 Spritzenhaus W. Washington 427 Oliver und Birch 428 Oliver und Osgood 429 Nordhke und Port 431 Hadley Av u. Morris 432 Suvkr ve u. Morriö 4 A Aiver ve und Ratz 435 Harding u. Big 4 R ? 436 Harding und Oliv 437 Ro. 19 Spritzenh- J Morris und Harbins. m WM mkttmmß 439 euxbart 451 Reisn und Miller 452 Howard und Lee 453 MorviS und SapfZ 456 Lambert und 457 Nordyke ve u. Wa nun Works 512 eft uud Ray 513 Aentucky Ave u. VerrL. 14 Meridum und Vorrtzt 516 JllmoiS und Par ias 517 orr und Dakota 518 Morris und Church SIS Cavital A. u eEarty 521 Meridian und Palme 623 Pine un Lord 524 Madiior ve Lincoln 26 Meridian und Bell R 527 Carlo und Ray 528 Meridian uud Arizona 529 Meridian u. Raymond 531 Meridum u. McCarty 532 No. 17 Spritzenhaus WorriS nahe West 612 McÄerm.n und Dough, 13 Saft u. Lincoln fcrn 614 East und Beecher 15 Wright und Sander 617 McCarty und Beaty 1 New Jersey u ir ve 712 Spruce und Prospec 713 SngUsh . u. Laurel 714 State vu.Belt R S. 715 Cbelvv und Beecher 71 State ve und Orang 718 Orange und Laurel 71 Shelb? u. Cx.utt AM 721 Leringtoa A.u Laure? 723 Fltcherveu. Sprua 724 State Ave u. Pleasan. 725 Prospekt und leasa: 726 Orange und Haru 728 Liberty und Werk 729 XbZU und South 81. Ro. 15 SpriHenbau Oft Washington Stt 813 Wartet und Noble 814 Ohio u. Highland W& 815 Michigan u. Highlanl 816 Market u Arfenal A 817 Oft 6. El und Union ahn eleise. 821 Pan Handle ShopZ 825 Vermont und Wakou 24 Wasb. und Sta tz. 825 Madden'sLounge Fab 826 Tucker und Dorsey 827 ash. und Bevilie Av 829 Ro. 12 Spritzenhaus Bevill nah ichig 831 Southeafter Wh u Woodside. 832 Wash. und Dearb, 834 Loutheastern und Arsenal Aves. 885 New Hork und Tempi 12 JllinoiS und Msryl. 1 Illinois uud Market 914 Penn, und & 15: Spezial-Signale. krsten 2 Schlag, zweiter Alarm, Zweiten 2 Schlage, dritter Alarm, Dritten 8 Schläge, vierter Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch aufgerolkt. 3 Schlage. Wasserdruck ab. i Schlage, 1 Uhr Mittag. Die so bezeichneten Signale werden nur vom Dbur Wächter angegeben da an den betreffend Sttach Kreuzungen Kine larmkösten angebracht find. Chicago und der große Norbweften via 4 ? ptPWUiIUfV l laska Hawaii-Pdtlipptne Inseln. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. fW Bon der Mono 47. Str. Station, Chicago. 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