Indiana Tribüne, Volume 26, Number 202, Indianapolis, Marion County, 17 April 1903 — Page 7
Jndiana Tribüne, April 1903
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i wcr wird siegen! 1 Ein Zeitroman i t I Vs Reinl,cld Ortmann I ch!ch.ZS (Fortsetzung.) Doch noch nicht so ganz. VN :ch würde mindestens ein Vierteljahr brauchen, um meine Schuld zu tilgen. Und innerhalb dieser langen Zeit könnte es doch sehr leicht geschehen, daß der Onkel Dich nach dem Verbleib Deiner Ersparnisse fragt." So werde ich ihm eben die Auskunft darüber verweigern. Du magst ganz unbesorgt sein: von mir hast Du keinen Verrath zu fürchten." Es klang scharf und bitter, was sie ihm da zu seiner Beruhigung sagte. Und er empfand ihre Art wie eine Ungerechtigkeit, die er nicht verdient hatte Wie er ihre Erziehung und ihre gewiyermaßen angeborene Wahrheitsliebe kannte, war er ja darauf gefaßt gewesen, daß sie im ersten Augenblick ein wenig empört sein und ihn vielleicht gar tüchtig abkanzeln würde. irt sie es zu seiner Belustigung schon als ganz kleines Mädcben manchmal dem um sieben Jahre älteren Vetter gegenüber gethan.. Aber vor Allem hatte er doch au? ihre verwandtschaftliche Liebe gerechnet und auf ihr Mitleid mit all der Seelenqual, die er um der Verirrung einer Stunde willen bereits erduldet. Schließlich war sie ja doch ein Weib, und ihr jugendliches Mädchenherz konnte ihm unmöglich jenes tröstende Mitgefühl versagen, nach dem er gleich einem Verschmachtenden dürstete. Daß sie jetzt in seiner Vedenklichkeit nur die jämmerlich feige Angst vor einem Verrath erblickte, tbat ihm bitter weh; denn er ci..,a:.d es wie eine tief schmerzlich: Enttäuschung. Und um solchen Preis, glaubst Du, würde ich Deine Hilfe annehmen? Du machst mir ja kein Hehl daraus, wie tief Du mich verachtest." Soll ich Dich etwa belügen? Oder hast Du erwartet, daß ich Deine Handlungsweise ganz harmlos und natürlich finden würde?" Gewiß nicht! Und ich bin weit entfernt, Dir aus Deiner Aufrichtigkeit einen Vorwurf zu machen. In einem Punkte aber denkst Du doch offenbar noch geringer von mir, als ich's verdiene. Die Verachtung der ganzen Welt wiegt mir nicht schwerer als die Deine. Und wenn ich durch mein Geständniß in Deinen Augen wirklich so tief gesunken bin, daß Du allen Glauben an mich verloren hast, so liegt mir wahrhaftig auch nichts daran, vor den anderen den :rügerischenAnschein eines ehrlichen Mannes zu bewahren. Ich danke Dir von Herzen für Dein großwüthiges Anerbieten, aber noch einmal und zum letztenmal: um solchen Preis nehm? ich es nicht an." Du mißverstehst mich, Erich! Ich glaube Dir ja, daß Du fest überzeugt warst, mein Vater würde Dir die fünfhundert Mark heute geben und ich glaube Dir auch, daß Du Deinen Leichtsinn bereust. Aber ich kann in diesem Augenblick keine lügnerischen Redensarten machen, nur um Dich in Deiner Niedergeschlagenheit zu trösten. Und ich weiß nicht recht, was Du darunter verstehst, wenn Du verlangst, ich sollte wieder an Dich glauben." Darunter verstehe ich, daß Du nicht nur an meine Reue, sondern auch an meinen felsenfesten Vorsatz glauben sollst, die Schmach dieser Nacht auszulöschen durch ein makellos ehrenhaftes und tüchtiges Leben." Wäre das ein ehrenhaftes und tüchtiges Leben, Erich, daß Tu versuchtest. Dich auch weiter mit einem Beruf abzufinden, für den Du nach Deinem eigenen Bekenntniß so wenig taugst?" Wie? Du verlangst, daß ich die Offizierskarriere aufgebe? Daß ich gegen den Willen des Onkels um meinen Abschied einkomme?" Ich verlange gar nichts denn woher sollte ich das Recht dazu nehmen? Aber ich meine, ein tüchtiges Leben kann nimmermehr auf einer Lüge aufgebaut werden. Und eine Lüge wäre es doch wohl vor Deinem eigenen Gewissen, Erich, wenn Du nach diesem Vorkommniß den Offiziersrock länger tragen wolltest." Er sah sie von der Seite an, als müsse er sich noch einmal davon überzeugen, daß es wirklich seine kleine, kaum sechzehnjähdige Base Magda von Brunneck war. die so zu ihm sprach, nicht etwa ihr Vater oder irgend ein in den starren Ehrbegriffen seines Standes verknöcherter älterer Kämerad. Das also ist die Bedingung! jjch vermuthe, daß ich ungefähr die nämlichen Worte gehört haben würde, wenn ich es vorgezogen hätte, mich dem Oniel oder meinem Regimentskommandeur zu offenbaren." Schon waren sie bis an den freien Platz vor dem schwarz drapirten Brandenburger Thor gelangt; aber Magda lrgte leicht ihre Hand auf Erichs Arm und veranlaßte ihn. sich mit ihr noch einmal in den Thiergarten zurückzuwenden. Nein!" erwiderte sie, als sie in den ganz verschneiten Weg eingebogen waren, der hinter dem Goethe-Denkmal vorüber führt. Dieselben Worte viel-leicht-aver ihr Sinn wäre sicherlich ein anderer gewesen. Denn mein Va-
iec over jütxn Regimentskommandeur würden nur an die Ehre ihres Standes denken, igricg icy ac udUt an etc Deinige. Als ein freier Mann und mit reinem Gewissen mußt Du das neue Leben beginnen können, von dem Du sprichst. Es darf nicht mit einem Geheimniß anfangen und mit einer verschwiegenen Schuld. Vielleicht scheint es Dir kindisch, was ich da sage. Aber es ist nun einmal meine Ueberzeugung. Und ich weiß, daß ich so handeln würde, wenn ich mich an Deiner Stelle befände." Und der Onkel? Würde er nicht außer sich gerathen und sich wahrscheinlich in aller Form von mir lossagen?" Wenn Du mit D-r selber völlig im Reinen bist. Erich, darf Dich auch die Rücksicht auf meinen Vater nicht abhalten, der Stimme Deines Gewissens zu folgen. Und ich werde gewiß das Meinige dazu beitragen, ihn zu versöhnen." Aber was soll denn eigentlich aus mir werden? Soll ich den einen verhaßten Beruf aufgeben, nur um mich unter das Joch eines noch verhaßteren zu beugen? Denn zum Ingenieur oder Techniker tauge ich ebensowenig, wie zum Soldaten. Und das andere ist doch am Ende nur Chimäre." Wenn DuDich wirklich zum Künstler berufen fühlst, warum mühte es dann eine Cbimre bleiben? Auf zeme Energie unoeyarrlichkelt allem wird es ankommen, ob Du Dein Ziel erreichst." Wie? Du würdest mich also dazu ermuthigen, Magda, ein Maler zu werden? Ja, glaubst Du denn an mein Talent?" Ich bin nicht kunstverständig genug, um darauf mit Ja oder Nein zu antworten. Aber ich meine, es kommt auch vorerst nur darauf an, daß Du selbst aufrichtig und ehrlich daran glaubst. Ist Dir's heiliger Ernst damit, und bist Du fest überzeugt, in keinem anderen Beruf Befriedigung zu finden als in diesem, so solltest Du es in Gottesnamen wagen." Und in diesem Augenblick gleich jetzt sollte ich es thun?" Warum nicht gerade jetzt, wo Du Dich doch für das eine oder das andere wirst entscheiden müssen? Aber ick meine damit natürlich nicht, daß es in oer gegenwärtigen Stunde fein müßte. So lange sich der Zustand meines Vaters nicht ein wenig gebessert hat, kannst Du ohnehin nicht mit ihm darüber reden. Und auch dann wird es besser sein, daß er erst durch mich vorbereitet wird, damit ihm jede plötzliche Aufregung erspart bleibt. Du hast also immerhin Zeit genug, mit Dir sel-
ber zu Rathe zu gehen. Und nun laß uns umkehren. Mir wird mit einem Male so angst, als müßte sich während unserer Abwesenheit zu Hause etwas Schlimmes ereignet haben." Was aber werden wir dem Onkel sagen, wenn er einen Bericht über unfern Besuch im Dom verlangt?" Laß das meine Sorge sein, Erich! Ich werde ihn nicht belügen und werde Dich doch nicht verrathen. Die Hauptfache ist, daß wir so schnell wie möglich wieder bei ihm sind." Sie war Plötzlich so unruhig geworden, daß Erich seine Schritte beschleunigen mußte, um an ihrer Seite zu bleiben. Zu einer Fortsetzung ihres Gesprächs war ihm bei dieser hastigen Gangart kaum noch eine Möglichkeit gegeben. Und doch hätte er gerade jetzt noch so viel, so unendlich viel zu sagen gehabt. Denn wenn auch in Magdas letzten Worten sicherlich dieselbe Altklugheit und sonderbare Frühreife gewesen war.wie in ihrer vorigen,für ihn so demüthigenden Rede, so hatten sie doch ganz anders auf ihn gewirkt. Weil sie seinen geheimsten Herzenswünschen schmeichelten, erschienen sie ihm wie eine Offenbarung, die nur um so bedeutsamer war. weil sie von diesen jungfräulichen reinen Lippen gekommen. Nie hatte er das seltsame junge Geschöpf an seiner Seite mit so zärtlichen Empfindungen betrachtet wie jetzt, wo er die kühnsten und gewaltigsten Zukunftspläne in seinem Gehirn wälzte. Und gewiß war es ihm für den Augenblick heiligster Ernst, wenn er sich in der Stille seines Herzens gelobte, daß nie eine Andere als sie seine Muse und sein guter Genius sein solle. 4. K a p i t e l. eit einer halben Stunde schon JJy las Fräulein von Malsen dem Obersten aus einem jener Memoirenwerke vor, die seine einzige schöngeistige Lektüre ausmachten; aber ihre eintönige, etwas schrille Stimme übte heute nicht die gewohnte einschläfernde Wirkung. Unruhig rückte Joachim von Brunneck auf seinem Sofaplatz umher, und von Zeit zu Zeit kam aus seiner breiten Brust ein dumpfes Stöhnen, das die Hausdame jedesmal veranlaßte, ihr Buch sinken zu lassen und ängstlich zu ihm hinüberzusehen. Aber eine unwillige Geste des Obersten bedeutete sie immer wieder, in der unterbrochenen Vorlesung fortzufahren. Und sie lebte dermaßen in einer beständigen Angst vor den gelegentlichen Zornesausbrüchen des alten Herrn, daß sie um keinen Preis gewagt hätte, sich seinem Willen zu widersetzen. Va fchlug draußen die Woynungsglocke an, urfd erleichtert seufzte der Oberst auf. Gott sei Dank, daß sie wieder da sind. Hatte mir schon allerlei Gedanken darüber gemacht, was dem Mädel zugestoßen sein könnte im Menschengedränge."
lr horchte erwartungsvoll aus; aber es war nicht Magdas weiche Stimme, die er vernahm. Schlüter verhandelte offenbar mit einem Fremden, der mit großer Hartnäckigkeit auf irgend etwas zu bestehen schien, und dessen laute, kurz angebundene Redeweise den Unwillen des Obersten erregte, noch ehe er auch nur ein einziges Wort von dem auf dem Korridor geführten Gespräch verstanden hatte. Sehen Sie bitte 'mal nach, Fräulein Dorette. was da eigentlich los ist. Möchte doch wissen, wer der unverschämte Kerl ist, der sich herausnimmt, in solchem Ton mit meinem Diener zu sprechen." Aber Fräulein von Malsen konnte sich die Mühe ersparen; denn schcn tauchte Schlüters glattrasirtes Gesicht in der Thürspalte auf. Der Herr Oberst wollen verzeihen aber ich kann den Mann nicht los werden. Er ist wie eine Klette." Ja. wer zum Henker ist denn der Mensch eigentlich?" brauste Herr von Brunneck auf. Wie heißt er? Und was will er?" Er verlangt den Herrn Leutnant zu sprechen. Und obwohl ich ihm schon ein halb dutzendmal gesagt habe, der Herr Leutnant wäre nicht da und seine Rückkehr aan . unbestimmt, bleibt er doch dabei, dann wolle er eben warten." 'Reinlommen soll er!" polterte der Oberst zornig. Möchte mir diesen beharrlichen Herrn doch 'mal in der Nähe ansehen." Ein paar Sekunden später war dem Wunsche bereits Genüge geschehen. Ein trotz feiner eleganten Kleidung recht plebejisch ausseyender Mann in mittlerer' Jahren war mit der breitspurigen Sicherheit eines Menschen, der sich seines guten Rechtes bewußt ist, über die Schwelle getreten und mit leichter Verbeugung mitten im Zimmer stehen geblieben. Mein Name ist Buchholz Generalagent Buchholz. Und ich habe ein kleines Geschäft mit dem Herrn Leutnant von Brunneck, der sich angeblich auf Urlaub hier in Berlin befindet. Es ist mir außerordentlich fatal, daß ich ihn nicht antreffe. Denn für einen Geschäftsmann ist jede Viertelstunde so gut wie baares Geld. Und ich bin ohnedies gewöhnt, daß meine Kunden zu mir kommen, nicht daß ich ihnen nachlaufe." Bisher war der Oberst gar nicht dazu gekommen, seine hastig hervorgesprudelte Rede zu unterbrechen. Nun aber schrie er mit erhobener Stimme in den dreisten Wortschwall hinein: Mein Neffe hat, so viel ich weiß, keine Geschäfte mit Agenten, Generalagenten oder dergleichen Leuten. Sie irren sich ohne allen Zweifel in der Person." Der hochrniithig barsche Ton schien Herrn Buchholz zu kränken, aber auch einigermaßen einzuschüchtern. Er zupfte an seinem modisch zugestutzten blonden Kinnbart und erwiderte etwas weniger anmaßend als zuvor: N.a, wenn man's so ansehen will, ist es ja auch nicht gerade ein Geschäft mit dem Herrn Leutnant, sondern mit seinem Kameraden Herrn von Wilmar obwohl ich mir zu bemerken erlaube, daß schon ganz andere Leute als Ihr Herr Neffe Geschäfte mit mir gemacht haben. Wenn die Herren Offiziere und Kavaliere Geld brauchen, sind sie niemals hochmüthig. Und auf ihre Vornehmheit besinnen sie sich immer erst lange nachher." Er brach etwas plötzlich ab, denn der Oberst hatte mit der Faust auf den Tisch geschlagen, daß die Gläser und Medizinflaschen klirrten. Her? behalten Sie Ihre überflüssigen Bemerkungen für sich, und erinnern Sie sich gefälligst, wo Sie sich befinden. Sie hören, daß mein Neffe nickt da ist, und daß sich über den Zeitpunkt seiner Rückkehr nichts Bestimmtes sagen läßt. Wenn Sie also Ihr Anliegen nicht vielleicht gleich jetzt vorbringen wollen " Anliegen ist gut!" fiel Herr Buchholz spöttisch ein. Sie halten mich also für einen Bittsteller oder so was. Aber davon ist nicht die Rede. Und ich habe gar keine Veranlassung, aus dem Zweck meines Hierseins ein Geheimniß zu machen. Der Herr Leutnant von Wilmar ist mir Ged schuldig, viel Geld sogar, und lange genug schon habe ich mich von ihm hinhalten lassen. Heute ist die letzte Frist abgelaufen, die ich ihm bewilligt hatte. Und er wußte, auf was er sich gefaßt zu machen hat, wenn ich auch diesmal wieder zum Besten gehalten werden soll. Beinahe kommt mir's vor, als ob das beabsichtigt wäre. Denn gestern Abend erhielt ich einen Brief, worin er mir mittheilt, heute mit dem Frühesten würde sein Freund, der Herr Leutnant von Brunneck, bei mir erscheinen, um fünfhundert Mark auf die Schuld des Herrn von Wilmar abzuzahlen. Na, das ist wenig genug. Ader ich bin kein Unmensch, und wenn ich nur erst 'mal den guten Willen sehe, lasse ich schon mit mir reden. Meinetwegen! dachte ich. Zahlt er die fünfhundert, will ich in Gottesnamen noch 'mal prolongiren! Bis nach zehn Uhr aber habe ich vergebens auf den Besuch des Herrn Leutnants von Brunneck gewartet. Und jetzt höre ich von dem Bedienten oder was der Mensch sonst vorstellt daß er mit seiner Kousine in den Dom gegangen ist. um sich die Aufbahrung anzusehen. Er denkt also offenbar gar nicht daran, zu mir zu kommen. Und die ganze Geschichte mit den fünfhundert Mark, die er mir bringen sollte.
ist möglicher Weise blos eine Finte.! Da wird es mir doch wohl erlaubt sein , aber was ist denn? Wollten Sie mir j
etwas sagen?" Die in verwundertem Tone gestellte Frage wurde durch das Verhalten des Obersten veranlaßt, das dem ehrenwerthen Herrn Buchholz in der That einigermaßen befremdlich vorkommen mußte. Denn Joachim von Brunneck lehnte wieder mit aufgestützten Fäusten und weit vorgeneigtem Oberkörper am Tische; sein Gesicht war dunkelroth, und er bewegte die Lippen, ohne daß doch ein Laut vernehmlich geworden wäre. Wie im Lichte eines grell aufzuckenden Blitzstrahls hatte er plötzlich die ganze Sachlage übersehen, und der verzweifelte Aufschrei des jungen Offiziers: Es handelt sich um mein? Ehre, Onkel " hatte jetzt, da er den Zusammenhang begriff, mit einem Male eine furchtbare Bedeutung für ihn gewonnen. Noch hatte er nicht Athem genug, um dem Agenten zu antworten, da ertönte wieder die Korridorglocke. Und in ihrer angstvollen Ungeduld, den Vater wiederzusehen, ließ Magda sich nicht einmal Zeit, Hut und Jackett abzulegen, ehe sie in's Zimmer trat. Die Anwesenheit eines in herausfordernder Haltung dastehenden fremden Menschen und vor allem das besorgnißerregende Aussehen des Obersten dünkten sie wie eine Bestätigung ihrer schlimmsten Befürchtungen. Papa um Gotteswillen" wollte sie beginnen. Aber er wehrte ungestüm ihre Annäherung ab und machte eine gebieterische Geste gegen Erich, der htnter ihr auf der Schwelle erschienen war. Hier herein!" keuchte er. Da ist Jemand, der auf Dich wartet. Und ich ich wünsche, daß Du Deine Angelegenheiten mit ihm auf der Stelle ordnest!" Erich kannte den Menschen nicht, den er da vor sich sah. Aber er wußte nichtsdestoweniger schon bei dem ersten Wort des Oheims, daß alles verloren sei. Mühsam nur bewahrte er . dem fremden Manne gegenüber seine Haltung. Leutnant von Vrunneck!" sagte er, sich kurz vorstellend. Mit wem habe ich das Vergnügen?" Ich bin der Generalagent Buchholz. Und ich habe da einen Brief von dem Leutnant von Wilmar bekommen, worin er mir mittheilt" Sehr wohl es hat seine Richtigkeit," fiel Erich ein. Ich wär? noch vor Ablauf einer Stunde bei Ihnen gewesen, um die Sache in's Reine zu bringen. Darf ich Sie jetzt ersuchen, mit mir in mein Zimmer zu kommen?" Aber mit dröhnender Stimme mischte sich der Oberst ein. , Nicht von der Stelle! Wenn Du irgend eine Verpflichtung gegen den Mann zu erfüllen hast, magst Du es hier vor meinen Augen thun, der Herr Agent hat mir ja schon verrathen, um was sich's handelt." Leichenblaß, aber mit einer Miene trotziger Entschlossenheit war Erich in der Thür stehen geblieben. Ohne ein Wort zu sprechen, mit fest zusammengepreßten Lippen hielt er den Blick des Obersten aus, dessen Augen Blitze sprühten und ihm bis in den Grund seiner Seele eindringen zu wollen schienen. Es waren nur Sekunden, die in dieser peinvollen Todtenstille vergingen. Aber sie mochten sich für alle Betheiligten gleichermaßen zu einer schier unerträglichen (Ewigkeit dehnen, weil Jeder mit voller Gewißheit fühlte, daß der unheimlichen Ruhe irgend etwas Fürchterliches folgen müsse. Pfeifend und mühselig, beinahe röchelnd, ging der Athem des Obersten. Jetzt fuhr er sich mit der Hand in den Hemdkragen und öffnete die Lippen. Aber noch bevor er das erste Wort hatte sprechen können, erklang Magdas ruhige, weiche Stimme: Vielleicht sind die fünfhundert Mark, die Du mir zur Aufbewahrung übergeben hast, Erich, für diesen Herrn bestimmt gewesen. Willst Du, daß ich sie hole?" Und obwohl er sich sagte, daß es eine Erbärmlichkeit sei, klammerte er sich doch mit dem instinktiven Selbsterhaltungstrieb eines Ertrinkenden an das hingeworfene Retcungsmittel. Ja, wenn ich Dich darum bitten dürfte, liebe Magda" sagte er mit völlig heiserer Stimme. Und sie wandte sich zum Gehen. Aber bevor sie das Gemach verlassen, hielt der Zuruf ihres Vaters sie noch einmal zurück. Seit wann hast Du das Geld in Verwahrung?" Seit gestern Abend." Und das ist die reim Wahrheit'?" Ja." Wenn er seine Tochter kannte, mußte er aus dem Klänge dieses einen Wortchens .die volle Gewißheit gewonnen haben, daß sie ihn belog. Aber vielleicht war sein Ohr nicht mehr scharf genug, oder er wollte nicht an die Möglichkeit glauben, daß auch sie ihn betrügen könnte. So geh' es zu holen!" sagte er kurz. Wir wollen diesen Herrn nicht länger hier zurückhalten, als es unumgänglich nothwendig ist." Ein paar Minuten vergingen, ehe sie zurückkam, und während dieser Zeit wurde drinnen im Wohnzimmer kein Wort gesprochen. (Fortsetzung folgt.) Peoria, Jll. Oberft James Powell, Veteran des mexikanischen und des Bürgerkrieges, ist gestorben.
Ueber die Belohnung eines ehrlichen Finders meldet man aus Kolbsheim im Elsaß: Die Schloßherrin Grunelius wollte vor etlichen Tagen eine Bäckerrechnung bezahlen. Wie erschrak die Dame, als sie ihr Portemonnaie vermißte, in welchem sich etwas über 600 Mark beihren Verlust zu beklagen. Fast der ihren Verlust zu beklaglen. Fast der ärmste Mann des Dorfes, der blutarnie Andreas Wells, fand das Geld und erstattete es sofort zurück. Seine Ehrlichkeit wurde in hochherzigster Weise belohnt. Außer einem Finderlohn von 20 Mark sofort wird er, so lange er lebt, das Mittagessen vom Schlosse beziehen und außerdem wöchentlich einen Laib Brot. Das ist eine sehr reichliche und hochherzige Belohnung und von Nahrungssorgen ist der ehrliche Finder zeitlebens befreit. Eine Verfügung des rumänischen Kultusministers Haret macht in Bukarest viel Aufsehen. Ein Ü9jähriger junger Mann, Elie Petresco, Schüler der Tertia im LyceumCarol zu Crajova, hat sich vor kurzer Zeit vor dem Standesbeamten in aU ler Form Rechtens mit feiner Braut trauen lassen. Das ist in Rumänien möglich, denn dort besteht noch kein Gesetz zu Kraft über das Eheverbot vor Ableistung der Militärdienstzeit. Die Schulleitung fand die Eheschließung eines Schülers als unvereinbar mit den Grundsätzen der Anstalt, schloß also Elie Petresco aus und erstattete dem Kultusminister über die Sache Bericht. Der Minister Haret aber war anderer Ansicht als die Leitung des Lyceums. Er hebt dieMaßregelung des Schülers auf und verordnet dessen Wiederaufnahme in die Anstalt, da Heirathen keine Unsittlichkeit ist, und kein Gesetzartikel oder Schulstatut für die Verehelichung von Schülern eine Strafe vorsieht." Welche K u n st b e g e i st erung unier der Bürgerschaft von Hagen herrscht, möge man aus folgendem Vorkommniß entnehmen. Neben dem heimischen Theater, das während derWintermonate allabendlich im Viktoriasaal vor meist ausverkauftem Hause Schau- und Lustspiele aufführt, giebt im Weidenhof wöchentlich zweimal das Elberfelder Stadttheater - Ensemble ebenfalls recht gut besuchte Vorstellungen, meist Opern. Letzteres Ensemble führte nun neulich Abends Die Jüdin" auf, nachdem diese Oper kürzlich wegen plötzlicher Erkrankung eines Sängers hatte abgesetzt werden müssen. Aber auch das heimische Theater hatte auf denselben Abend eine Aufführung der Halevy'schen Oper angesetzt und sich dazu des Essener Stadttheater-En-sembles versichert. So kam es, daß in der etwa 70,000 Einwohner zählenden Stadt an demselben Abend dieselbe Oper in zwei verschiedenen Sälen gegeben wurde. Und, was das Bemerkenswertheste: beide Häuser, die zusammen ca. 2200 Menschen fassen, waren vollständig ausverkauft. Einen grausigen A bschluß hat eine Familientragödie, die sich bei Alandudno in Wales abgespielt hat. gefunden. Dort hatte kürzlich eine Mutter ihre drei Kinder von einer 150 Fuß hohen, steil aus dem Meere aufsteigenden Klippe hinabgeschleudert und war dann selbst nachgesprungen. Ein zehnjähriger Sohn war fortgelaufen und fo dem auch ihm zugedachten Schicksale entgangen. Man hatte angenommen, daß alle vier Personen ihren Tod in den Meeresfluthen gefunden hätten. Um aber den Schauplatz der Tragödie genau zu untersuchen, wurde vor einigen Tagen ein Mann an einem Seile die Klippe hinabgelassen. Ungefähr in der Mitte des Abhangs fand er einen Spalt der sich etwa zwölf Fuß tief in den Felsen hineinzieht, und im äußersten Winkel entdeckte er die Leiche des einen Kindes, eines fünfjährigen Mädchens. Nicht ein Knochen im Körper war gebrochen. und äußere Verletzungen waren nicht wahrnehmbar. Offenbar war das Kind, als die Mutter es über den Rand der Klippe stieß, in den Spalt gefallen, hatte sich dort verkrochen und war der Kälte und dem Hunger erlegen. ,len,röpe de l, t) t n c, Chiffonusw. zuwaschen. Der so moderne weiße Cröve oder Chiffon kann ganz hübsch gewalchen und dann wieder zu Rüschen, Unierlagen unter schwarzem Tüll usw. benutzt werden, sowie zur Aufgarnirung von Ballkleidern und ähnlichen Zwecken. Man löst in roher Milch venetianische. fein geschabte Seife auf, wobei man auf jedes Quart Milch 1 Unze Seife rechnet. Den Stoff legt man über Nacht hinein, drückt ihn am anderen Morgen behutsam ein wenig darin herum, nimmt ihn heraus, gießt frisches Wasser mit wenig geschabter Seife darauf und läßt dies wieder über Nacht stehen. Dann drückt man ihn aus, spnnnt ihn auf einem Tisch aus, kocht dünne weiße Stärke und drückt diese mit einem feinenSchwamm darauf. Sollten Bläschen entstehen, so tupft man mit Wasser nach. Man kann versuchen, den Crpe unter einem Tuch zu plätten, doch verträgt es nicht jeder. Ein kluges Kind. Mama: Aber Darlehen, Du bleibst ja so lange, um den Brief für den Onkel nach dem Postamt zu tragen." Karlchen: Ja, ich bin auch nicht auf dem Postamt gewesen, ich habe ihn in den Brieftasten gegenüber von seinem Hause gesteckt, damit er ihn schneller bekommt!"
Feuer - Signale.
4 Pennsylv und Markt 5 Onglish 'S Opern-HauS 6 Saft und Nw Dort 7 Noble und Michigan S N. Jkrjey u. Maff Ab g Pine und Storch 10 Startet und Pine l? Vermont nahe East 12 51. 8 Spritzenhaus Mass. Ave nah Noble 13 Dawäre und Walnut 14 N. Jersey Central A. 15 Maff. und Cornell Ave -6 Ash und 11. Straß .7 Park Ave und 12 Str .8 Columbia unkHillfid 19 Highland Ave u. Pvatt kl Illinois und St. Joe 23 Pennsyw. und Pratt 44 Meridian und 11. Str 25 No. 6 Spritzenhaus lö. nahe Jttino 26 Senate Ave u. StClair n Illinois und Michigan Z Pesylvania und 14. 23 Senate Ave. und 13. ZI No. l Spritzenhaus JndAvenabeMichigan 32 Meridian und Walnut a California u Sornwrnt 35 Blake und New York 3 Ind. Av. u. St. Elair 37 City Hospital 38 Blake und North 39 Michigan und AgneS 41 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West 2 Gsendorf u Wash. 3 Missouri u New Mort 5 Meridian u Wash 4 Illinois und Ohio 47 Capitol Av. u Wash 43 Kmgan'S PorkbauS 49 Straßenbahn StSll W. Washington Str 51 N. 10 Spritzenhaus Illinois u Merrill 52 Illinois u Louisiana 53 West und Souch 54 West und McCarth 56 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Ray 5 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Mor.Ä 59 Madiion Av. u Tunlop LI No 2 Hakm LeiterhauS Eouch nahe Delawar 62 Penn, u Merrill 3 Telaware u. McEarttz 4 Saft und ReEarch 65 New Jersey u. Merrill 67 Birg. Av. u Bradsha 68 Saft und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus Vir Ave. nahe Huron 72 East und Georgia 73 Eeda und Elm 74 Davidson u Georgia 75 önglish Av. u Pine 70 Shelby und Bäte 7? "Jlo. 3 Spritzenhaus Prospcct nahe Shelby H gleicher Av. u Shelby 1 Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. 83 East u Washington 4 New Dork u. Davidsoe 5 Taubstummen Anstalt 86 Ver. Staaten Arsenal ?7 Onental und Wash. 89 Frauen-Reformat. 1 No. 13 Spritzenhaus Maryland nahe Mcr. 92 Meridian u. Scrqia. 93 Meridian und Souch 4 Pennsylv u. Louisiana 35 Biraini? Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. S7 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Ohi 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. '.24 Alabama und 1. 1 25 Central Ave und 15. 126 HandeS und IS. 127 Brookside und Jupiter V28 Central Ave und IV. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und lt. 132 Bellesontame und W. .34 College Ave und 2. 135 Delaware und 18. 13 Alabama und Storch 137 Newmann und 18. 138 Tolleg Ave und 14. 13s Cornell Ave und 13. 141 Dandes und z. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey and 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hil.fide Ave und 16. 118 College Ave und 2. 149 College Av und 27. 152 Park Av und 22. im L E u. W Bahn u. 22 54 Ramsey Av und 10. toughton u Rewman 157 Atlas und Pike. 158 Bloyd und Pawvaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood i2 Ardm und Depot 163 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd lös St. Elair u. Keystone 16? Arsenal Ave und 23. 163 Bellefontaine und 28. 169 Part ve Nd lt, 212 Capital Ave und 17. 213 Pennsylv. , 214 JlliNS und 20. 215 Senate A und 21. 216 Pennsvlvairia und 22. 217 Meridian und 16. 218 Capital Ave und 2. 219 Broadtray und 10. 231 IllinoiS und VtrSean 234 Ro. 14 Spritzenhaus Kenwood und SO. 235 Illinois und 33. MM Annetta und 30. 237 No. 9. Spritzend d Udell und Siaoer 238 vdcll Ladder Warst 239 Jabel und 7. 241 Meridian und 24. 242 Illinois u St.Ctox 243 Eldrioge und 23. 312 West uud Watnnt 313 West und 12. 314 Howard und 16. 315 Tordet und Paca 316 Capital Av und ly 317 Northwestern Ave u 13 Gent und 18. 319 Canal und lv. 324 Cerealin or 324 Vermont und Ltz 325 ismat u Sranvviet 32 No. 29 SpritzenhaA Hauadvill. 327 Michigan u. Halme. 328 Michigan u. Concord 341 West und VtcJntyre 412 Mifsour, u. Maryland 413 Missouri und 415 Capital Av.. Georgia 41 Missouri entuckyN, 417 Senate v iu asy. 421 P und imfcuS W. Washington. 423 Irren Hospital. 424 Mi.ey Av . J D uW 425 Wash. und Harri 42 No. 13 Epntzenhauß W, Washington 427 Oliver und Birch 426 Oliver und Osgood 429 Nordyke und Hork 431 Hadley Ave u. Morr 432 Niver Ave u. AorriS M Niver ve und Ray 435 Harding u. Big 4 R ? 436 Harbin und Oliv 437 Ro. 1 Epritzenha Ji MorriS und Harbins. 438 Howard und WÜÄ'' 439 StscryarvS 451 ReiSn und ilkr 452 Howard und Skt 453 Morr und aptzs 456 Lambert und 9c&lm 457 Nordyke ve u. Wa flion Works 612 West und Ratz 613 enwcky Ave u. Merr 14 Meridian und Morr 51 JllinoiS und an(flf 17 orris und Datota 518 Morris und Etzurch bis Capital A. u MrCarch 521 Weridian und Palmer 523 Pine un', Lord 524 Madikor veu kincol 2 Meridian und Seit 9 627 Carlo und Ray 528 Meridian und 29 Meridian . 631 Meridian u. Mckarty 632 No. 17 CpritzenhtA Morris nah West 12 McAernan und Dugk 15 East u. Lincoln Lu 14 East und Beecher Slb Wright und Sander 17 McCarch und Beaty l New Jersey u ir 71 Sprucc und Prospekt 71 Cngllsh Ave. u. Laure) 714 State Ave u. Bell 715 Shelby und Beecher 71 State Ave und Orang, 718 Orange und Launl 7 Shelby u. E,,. Ave 7,1 Lerington. Lau 723 Flttcher Aveu. Sprua 724 State Ave u. Pleasan. 72 Prospc und leasa726 Orange und Harlan 728 Liberty und Meek 729 Nols und Souch 81 No. 16 Spritznyank Ost Washington SU 813 Market und Noble 614 Ohio u. Highland ix 81 Michigan u. Highlant 81 Market u Arsenal Av, 817 Oft S Elair und Union Bahn Geleise. 821 Pan Handle Shop? 823 Vermont und Wako 824 Wash. und State . 825 Radden'SLounge Fab. 82 Duck und Dorsch 827 Wash. und Beville Av 829 No. 1 Spritzenhaus Bevill nahe chia, 831 Southeastern to um Woodstde. 832 Wash. und Dearbor, 834 Southeastern und Arsenal Aveö. 83 New Hork und Zemple 12 JllinoiS undMaryl, 9i3 Illinois und artet 914 Penn, und WaH. 15 Delaware nnd Spezial-Sizuale. Ersten 2 Schläge, zweiter Alarm, Zweite 2 Schlag, dritter Alarm, Dritten 2 Schlage, viert Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch aufgerollt. 3 Schlage. Wasserdruck ab. 12 Schlag, 1 Uhr Mittags. 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