Indiana Tribüne, Volume 26, Number 201, Indianapolis, Marion County, 16 April 1903 — Page 7
Jndiana Tribüne, R. April 1903
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s o Ein Zeitroman o I lon Reinl,old Ortmann &!&$4$$t (Fortsetzung.) yo: ftornrnit B nur fOl Ve:n Eigerithum ja wohl! Doch nicht zum beliebigen Gebrauch für alle möglichen leichtsinnigen Streiche. Bis zu Deinem fünfundzwanzigsten Jahre hast Du an dies Erbtheil seinen anderen Anspruch, als den auf monatliche Zinszahlung. Und ich irerbe mich hüten, nach dem. was ich heute hören mutzte, auch nur um einen Zollbreit von jener testamentarischen Bestimmung Deines Vaters abzugehen. Ohne zu wissen, für welche Zwecke Du des Geldes bedarfst, zahle ich Dir keinen Pfennig. Damit Punktum!" Stoßweise und mit augenfälliger Anstrengung hatte der alte Herr die letzten Worte herausgebracht. Etwas geradezu Beängstigendes war in dem Aussehen seines dunkel gerötheten Antlitzes und in der keuchenden Müh sal, mit der seine breite Brust nach Athem rang. Erich wollte ihm antWorten, aber noch ehe er Zeit dazu gefunden, wurde die Thür des Zimmers geöffnet, und Magda. die völlig zum Ausgehen angekleidet war, eilte auf ihren Vater zu. Papa lieber Papa!" bat sie zärtlich. indem sie schmeichelnd den Arm um seinen Nacken legte und ihre feingliedrige Gestalt innig an seinen mächtigen Körper schmiegte. ..Denkst Du denn gar nicht an Deine Gesundheit?" Energisch nahm sich der Oberst zusammen, um seiner Aufregung Herr zu werden. Ja ja, mein Kind ich denke schon daran. Gib mir ein paar von meinen Tropfen, dann ist alles wieder in Ordnung." Er hatte sich schwer in die Polster des Sophas zurückfallen lassen, und Magda wendete sich zu dem Seitentischchen, auf dem allerlei Gläfer und Medizinflaschen standen. Ein ernster, anklagender Blick flog dabei zu ihrem
Vetter htnuber, und wte m scheuem Schuldbewußtsein senkte er unter diesem Blick die Lider. Die beruhigende Arznei, die der Oberst mit der willigen Fügsamkeit eines kranken Kindes aus den Händen seiner Tochter genommen, schien ihre oft erprobte Wirkung aus diesmal nicht zu versagen. Seine Athemzüge wurden gleichmäßiger, und die beängstigende Nöthe schwand allgemach von seiner Stirn. So es ist schon vorüber," sagte er. Und nun mögt Ihr in Gottes Namen gehen. Ist denn die Malsen noch immer nicht präsentabel?" Sie wird gleich hier sein, Papa! Aber können wir den Gang nach dem Tom nicht um ein paar Stunden verschieben? Gerade jetzt möchte ich Dich ungern verlassen." Unsinn! Du siehst doch, daß ich mich schon wieder ganz wohl fühle. Je früher Ihr Euch auf den Weg macht, desto weniger lange werdet Ihr Euch in der Menschenmenge herumdrücken müssen. Und für mich gibt es äugenblicklich gar nichts Besseres, als eine von Fräulein von Malsens Vorlesungen. Wenn ich Glück habe, hole ich dabei noch ein Stückchen des versäumten Nachtschlummers nach." Magda entschloß sich ersichtlich nur schweren Herzens, seinem Verlangen zu willfahren. Aber sie mochte fürchten, den anscheinend noch einmal glücklich abgewendeten Anfall durch einen weiteren Widerspruch auf's Neue heraufzubeschwören. Und als jetzt mit ziemlichem Geräusch die kleine, rundliche Hausdame des längst verwittwcten Obersten, das vielberufene Fräulein von Malsen. mit der ängstlichen Eilfertigkeit eines verspäteten Schulmädchens in's Zimmer fegte, kehrte sie sich gegen Erich. ia der Papa es wünscht, so laß uns denn gehen!Ja ich bin bereit. Auf Wiedersehen, Onkel!" Guten Morgen!" klang es kurz und trocken aus der Sopbaecke zurück. Und nimm mir das Mädel gut in Acht." Magda flog noch einmal zu dem Kranken zurück und küßte ihn beinahe leidenschaftlich zärtlich auf beide Wangen. Sei meinetwegen ohne Sorge, Papa! Mir geschieht sicherlich kein Leid, denn ich schütze mich schon selbst." Ja. ich weiß, Du bist ein tapferer kleiner Kerl," lächelte der Oberst. Und Du hast recht: es ist doch allezeit am besten, sich nur auf die eigene Kraft zu verlassen für ein Frauenzimmer nicht weniger, als für einen Mann. Geh' also mit Gott, liebes Kind! Uno bring' meinem alten Kaiser den letzten ehrfurchtsvollen Gruß seines getreuen Joachim Brunneck. Ich hätte ihm heute mit reinem Gewissen in's Antlitz schauen dürfen; denn von der ersten bis zur letzten Stunde habe ich seinen Rock in Ehren getragen. Na, es hat nicht sollen sein. Und in meinen Iahren muß man eben lernen, sich zu bescheiden. Geh' nur, Kmd geh'!" Er schämte sich vielleicht ein wenig der unsoldatischen Weichheit, die in seiner Rede gewesen war, und drängte darum das junge Mädchen mit sanfter Gewalt von sich hinweg. ch
angsam, wie mit innerem Widerstreben, verließ Magda das Zimmer. Und gesenkten Hauptes, mit fest ?usammenoepretzten Kippen, folgte tyr Erich von Brunneck nach. 3. Kapitel.
in pac: Dutzend Schritte waren sie unten stumm neben einander hingegangen, dann blieb der junge Offizier plötzlich stehen. Vegib mir, Magda! Aber es geht nicht ich kann Dich jetzt nicht in den Dom begleiten." Sie erhob ihr schönes, ernstes Antlitz zu seinem verstörten Gesicht und erwiderte so ruhig, als wäre für sie durchaus nichts Ueberraschendes in sei ner Erklärung gewesen: Und warum kannst Du es nicht, Erich?" Da brach wie ein Strom, der sich nicht länger zurückdämmen ließ, die helle Verzweiflung aus seiner gequälten Brust. Weil ich nicht mehr würdig bin, vor meinen allerhöchsten Kriegsherrn hinzutreten, Magda! Hast Du gehört, was der Onkel bei unserer Verabfchiedung sagte? Er hätte seinem todten Kaiser mit reinem Gewissen in's Antltg cyauen ourfen; oenn er yar einen Rock allzeit in Ehren getragen. Ich aoer ich habe kein Recht mehr, dasselbe auch von mir zu sagen. Denn ich habe in dieser unseligen Nacht nicht blos meine Baarschaft verspielt, sondern auch meine Ehre." Er war in einer Stimmung, die ihn vergessen ließ, daß ste sich aus offener Straße befanden. Schon hatten die Blicke einigor Vorübergehenden sich verwundert auf die Beiden gerichtet. Aber das junge Märchen zeigte mehr Besonnenheit als ihr Begleiter. Sie winkte einem eben vorüberfahrenden Droschkenkutscher zu und sagte in leisem, eindringlichem Tone: Laß uns diesen Wagen nehmen. Erich, und irgendwohin in den Thiergarten fahren, wo uns Niemand sieht. Denn ich habe nothwendig mit Dir zu reden." Ohne Widerspruch fügte er sich ihrem mit solcher Bestimmtheit kundgegebenen Willen. Und erst als er neben ihr im Fond des geräuschvoll dahinrumpelnden Fuhrwerkes saß, schien ihm das Sonderbare seines Benehmens und der dadurch geschaffenen Situation zum Bewußtsein zu kommen. Mein Gott, wie schmachvoll das alles ist!" stöhnte er. ..Wie kläglich und jämmerlich! Was, um des Himmels willen, mußt Du nur von mir denken!" Laß Dich meine Gedanken jetzt nicht kümmern, Erich, sondern wenn Du mich Deines Vertrauens werth hältst, so sage mir alles, was Dich bedrückt. Vielleicht bin ich im Stande, Dir zu helfen." Du? Ach nein, das kannst Du nicht. Und wenn Du es vermöchtest, dürfte ich jedes anderen Menschen Hilfe ehe? annehmen als die Deine." Und warum müßtest Du gerade meinen Beistand zurückweisen? Etwa nur deshalb, weil ich ein Mädchen bin?" Deshalb. Magda und noch aus hundert anderen Gründen! Ach. warum hat man mich in diese Laufbahn hineingezwungen, für die ich nicht tauge? Warum hat man mir einen Beruf aufgenöthigt, für den ich von vornherein weder Talent noch Neigung hatte? Ich bin nun einmal nicht geschaffen, mich in diese starren, engherzigen Ehrbegriffe einschachteln zu lassen, die jede freier: Regung unmöglich machen und den kleinsten Schritt vom Wege zu einem unsühnbaren Verbrechen stempeln. Die Natur hat mich zu allem anderen eher bestimmt als zum Soldaten." Wenn Du dessen s? sicher bist, Erich, weshalb hast Du Dich dann nicht längst für einen anderen Beruf entschieden?" Hat man mir denn die Möglichkeit dazu gewährt? Hat man mich übtiHaupt um meine Meinung gefragt? Welche Kämpfe mußte ich nicht mit meiner Familie bestehen, ehe man mir auch nur gestattete, mich zum Ingenieur auszubilden, bevor ich den bunten Rock anzog? Weder meinem Vater noch dem Onkel schien die Waffengattung vornehm genug, auf die ich damit hingewie'en wurde. Denn ein Ge-nie-Offizier war in ihren Augen von vornherein nur ein halber Soldat. Und vielleicht hatten sie ni)t, denn seit meinem Diensteintritt habe ich mich noch nicht eine Stunde lang als ein ganzer Soldat gcfühlt." Das ist schlimm. Aber es war doch wohl nicht das. wovon Du vorhin mit dem Papa gesprochen hast. Und davon möch: ich zunächst mit Dir reden." Davon, Magda? Nein, wie dankbar ich Dir auch für Deine freundliche Absicht bin das ist unmög lich!" Er sagte es sehr entschieden. Aber dies noch halb kindliche Wesen mit den sanften, ruhigen Zügen verfügte offenbar über einen starken und beharrlichen Willen, der sich nicht leicht von seinem einmal vorgesteckten Ziele abbringen ließ. Weil es sich um Geldangelegenhein firrndpsf nicfif rnnrjr? frrrh nacy seiner Meinung wayricyemticy Dinge, die ein Kavalier unter keinen Umständen mit einem jungen Mädchen besprechen darf." Betroffen sah er sie an. Woher, in aller Welt, kannst Du wissen -
Ich hörte gegen meinen Willen Pa-
pas letzte Worte, als ich im Nebenzimmer auf die Beendigung Eures Gespräches wartete," erklärte sie ohne alle Verlegenheit. Und ' es war nicht schwer, daraus zu entnehmen, daß er Dir eine Bitte um Geld abschlug, weil Tu Ujm nicht sagen wolltest, wozu Tu dieses Geldes bedarfst. Sicherlich hast Du nicht recht daran gethan, gerade heute mit einer solchen Anforderung an ihn heranzutreten, denn Du mußtest ja die Strenge seiner Ansichten kennen, und ich hattc Dir erst kurz zuvor gesagt, wie gefährlich jede Aufregung für ibn werden kann. Aber ich will Dir keine Vorwürfe machen; denn es mag wohl sein, daß Du nicht anders kountest. Ich erwähne es nur, damit Du nicht etwa auf den Gedanken kommst, mit dem Papa noch einmal davon zu reden. Das darf unter keinen Umständen aeschehen. Und schon aus diesem Grunde solltest Du das Wenige nicht zurückweisen, das ich Dir anzubieten vermag. Ist eine Summe von sechshundert Mark ausreichend, Dich aus Deiner Verlegenheit zu befreien?" ..Maada das das wolltest Du für mtcy lyun Aver es tn za gar rncgi möglich. Seit wann hättest Du hinter dem Rücken des Vaters über solche Beträge zu verfügen?" Was ich Dir geben will, ist jedenfalls mein rechtmäßiges und freies Eigenthum. Ter Papa hat sich niemals darum gekümmert, was ich mit meinen Ersparnissen anfing, und er wird auch nichts davon merken, wenn ich Dir jetzt das Geld leihe." Aber ich darf es doch nicht von Dir annehmen Tu müßtest mich ja verachten, Magda, wenn ich es thäte. Und doch, wenn Du wüßtest, wie nothwendig ich dieser fünfhundert Mark bedarf wie viel für mich davon abhängt, daß ich sie noch heute erhalte " Sie hatten bei dem Gerassel der Droschke auf der holprigen Charlottenburger Chaussee fast überlaut sprechen müssen, um einander zu verstehen, und da sie inzwischen schon fast bis an den Stern gelangt waren, wo es an diesem unwirthlichen Märztage kaum noch Spaziergänger gab, drückte Magda jetzt auf den kleinen Gummiball, der dem Kutscher das Zeichen zum Halten gab. Wir werden uns besser unterhalten können, wenn wir jetzt zu Fuß nach Hause zurückkehren." sagte sie. Und Erich war nicht darüber im Zweifel, daß sie ihm dadurch lediglich die gesteigerte Pein ersparen wollte, ihr seine 3 chande gleichsam in Ohr zu schreien In heißer Dankbarkeit drückte er. als er ihr beim Aussteigen behilflich war, ihre Hand. Aber auch diesmal zog Magda die schlanken Finger rasch zurück. Und sie schien durch die kleine Vertraulichkeit sogar ein wenig verstimmt; denn auch, als sie schon ein gutes Stück auf einem der ganz meit schenleeren Seitenwege dahingegangen waren, sprach sie noch immer kein Wort. Erich aber hielt dies Schweigen offenbar für einen Ausdruck der ErWartung, seine Beichte zu vernehmen. Und nach all' der Qual, die er während der letzten Stunde hatte ausstehen müssen, fühlte er vielleicht auch das unwiderstehliche Bedürfniß, seinem gepreßten Herzen vor einem theilnehmenden menschlichen Wesen Luft zu machen. Mit seinen dreiundzwanzig Jahren war er eben trotz aller soldatischen Manieren noch ein schwacher und schwankender Jüngling, der in dieser ersten großen Noth feines Lebens begierig die helfende Hand ergriff, die stch ihm darbot unbekümmert darum, daß es die Hand eines jungen Mädchens, fast noch eines Kindes war. Ich weiß nicht, ob ich Deinen Beistand annehmen kann, Magda," brach er endlich kleinlaut und beklommen das peinUche Schweigen, aber schon dadurch, daß Du ihn mir anbietest, hast Tu einen Anspruch darauf, alles zu erfahren. Was ich dem Onkel selbst um den Preis meines Lebens nicht hätte gestehen können was ich keinem anderen lebenden Wesen offenbaren würde Dir will ich es sagen. Ich habe in dieser Nacht eine Summe Geldes verspielt, die mir nicht gehörte." Noch im letzten Moment hatte sie ihn unterbrechen wollen, und wie beschwörend hatte sie die Hand erhoben. Jetzt aber, da sie das inhaltschwere Wort nicht mehr hatte verhindern können, starrte sie ihm so entsetzt in's Gesicht, daß er sich unter ihrem Blick wie von einem eisigen Schauer überrieselt fühlte. Nein." stieß sie hervor, das ist nicht wahr das ist nicht möglich!" Höre mich an, ehe Du mich verdämmst!" bat er. Ich kann nichts zurücknehmen von dem. was ich gesagt habe, und ich will nichts zu entschuldigen oder zu beschönigen suchen. Aber ganz so gemein und abscheulich, wie sie nach solchem dürren Geständniß scheinen mag, war meine Handlungsweise doch vielleicht nicht. Als ich vorgestern im Kasino von meiner bevorstehenden Reise nach Berlin erzählte, bat mich einer meiner Kameraden, ihm gefällig zu sein, indem ich hier an einer gewissen Stelle, die ich um des Kameraden willen nicht gern nennen möchte, eine Summe von fünfhundert Mark für ihn zahlte. Ich erklärte mich natürlich dazu bereit, und er händigte mir den Betrag ein, indem er mich noch auf das Dringendste bat, den Termin nicht zu versäumen' da die Zahlung unter allen Umständen bis heute Mittag erfolgt sein müßte. Während der ganzen Reise war ich in beständiger Angst, da mir
das Geld abhanden kommen könnte, denn ich hatte kaum jemals eine so große und für mich beinahe unersetzliche Summe mit mir herumgetragen. Anfänglich hatte ich die Absicht, sie nach meiner Ankunft dem Onkel zur Aufbewahrung zu übergeben. Aber ich fürchtete, daß er mich nach der Bestimmung des Geldes und nach dem Namen des Kameraden fragen würde, und über beides wollte ich der besonderen Umstände wegen nicht gern Auskunft geben. So nahm ich unglücklicherweise die gefüllte Brieftasche mit mir, als ich gestern Abend noch einmal ausging. Und in der Nacht, als der Wein wie die Aufregung des Spiels mich gleichermaßen berauscht hatten, brach dann das Verhängniß über mich herein." Magda hatte ihr Gesicht längst wieder von ihm abgewendet, und mit gesenktem Köpfchen ging sie neben ihm her, so daß er nicht mehr in ihren Zügen zu lesen vermochte. Aber von dem, was in ihrer Seele vorging, verrieth sich immerhin noch genug in dem ganz veränderten, beinahe harten Klang irjrer sonst so weichen Stimme, da sie unmuthig einwarf: Wie magst Du von einem Verhängniß reden, wenn es sich um Dinge handelt, die so ganz in Dein Belieben und in Deinen freien Willen gestellt waren wie diese!" So mag es Dir scheinen, Magda." vertheidigte er sich demüthig, und so scheint es jetzt, da ich mit kaltem Blute darüber nachdenke, ja auch mir. In der Nacht aber war es anders. Da befand ich mich wie in einem Taumel und hatte alle Ueberlegung, alle Herrschaft über mich selbst verloren. Ich bin kein Spieler, und im Bewußtsein meiner beschränkten Mittel war ich bis zu dieser Stunde allen .Versuchungen, wie sie ja auch in meiner Garnison oft genug an mich herantraten, standhaft aus dem Wege gegangen. Ich kannte das Spiel, zu dem man mich in dieser Nacht fast gewaltsam heranzog, kaum dem Namen nach. Und ich betheiligte mich nur daran mit dem festen Entschluß, aufzuhören, sobald es unter einem schicklichen Vorwand würde geschehen können. Aber ich gewann. Und es schien mir nicht anständig, mich unter solchen Umständen mit irgend einer unglaubwürdigen Ausflucht aus einer Gesellschaft zurückzuziehen, die mich zum ersten Mal in ihrer Mitte sab. Nach Verlauf einer weiteren Stunde aber hatte mich der verdammte Spielteufel so ganz in seinen Krallen, daß ich überhaupt an gar nichts mehr dachte. Ich gewann und verlor in raschem Wechsel. Dann aber, nachdem mir eben wieder ein großer Schlag gelungen war. kehrte mir das Glück beharrlich den Rücken. Nicht nur mein Gewinn ging dahin, sondern auch die kleine Baarschaft, die ich mit nach Berlin gebracht hatte, und die hundert Mark, mit denen mich der Onkel in der Freude des Wiedersehens gestern beschenkte. Zu meiner Bestürzung wurde ich mit einem Male inne. daß ich nicht einen Pfennig mehr besaß." Du wußtest es und dennoch spieltest Du weiter?" Ja. Wie es geschehen konnte und ob ich in dem Augenblick, wo ich den ersten Hundertmarkschein von dem fremden Gelde nahm, wirklich ganz zurechnungsfähig war ich weiß es nicht mehr, Magda! Soviel nur weiß ich, daß das Spiel seit jenem Moment für mich weder eine Unterhaltung noch ein Vergnügen war, sondern eine grausame Tortur. Ich hatte nur noch den einzigen Gedanken: du mußt das Verlorene zurückgewinnen du mußt! Oder du hast aufgehört, ein ehrlicher Kerl zu sein und kannst von hier fortgehen, um dir eine Kugel vor den Kopf zu schießen. Und so pointirte ich wie ein Verrückter immer vonNeuem, wenn dir Einsatz verspielt war, von dem ich die Rettung erhofft hatte." In ihrer knabenhaften Offenheit trug seine Erzählung in jedem Zuge den Stempel der lautersten Wahrheit, und noch in der Erinnerung, die er da wie zu seiner Buße heraufbeschwor, spiegelten sich alle Qualen jener Stunden deutlich in seinem hübschen Gesicht. Aber Magda sah ihn nicht an. Und daraus mochte sich's erklären, daß seine aufrichtige Reue auf sie nicht die Wirkung hervorbrachte, die er vielleicht erhofft hatte. Weshalb peinigst Du Dich und mich durch diese ausführliche Erzählung?" fiel sie ihm in's Wort. Ich habe Dich nicht nach alledem gefragt. Und ich wollte. Du hättest mir nichts davon gesagt." Ich muß es thun, Magda! Ich glaube, ich wäre daran erstickt, wenn ich mich heute keinem Menschen hätte offenbaren können. Und nun wird doch wenigstens Jemand da sein, wenn nun, wenn es zum Aeußersten kommen sollte." Mit einer raschen Bewegung, nicht des Schreckens, sondern des Zornes erhob sie den dunklen Kopf. Zum Aeußersten? Was heißt das? Was willst Du damit sagen?" .Aber das ist doch ganz klar. Und als die Tochter eines Offiziers weißt Du auch sehr gut. was ich meine. Von Rechtswegen hätte ich ja gar nicht mehr zu Euch zurückkehren dürfen, nachdem ich die mir anvertrauten fünfhundert Mark verspielt hatte. Und wenn ich ein rechter Soldat gewesen wäre, so einer nach dem Herzen meine? Familie, hätte ich's auch wohl nicht gethan." Da Du es aber in jener Stunde über Dich gewannst, so kann auch von dem von diesem Aeußersten nun nicht mehr die Rede sein. Du wirst das
Geld von mir annehmen und Deine Verpflichtung erfüllen. Das ist jetzt vollkommen selbstverständlich." (Fortsetzung folgt.) ManmunMe. Gesichtspunkte bei den Bestrafungen von Tchiffskom'.nandanteu. Manchem Laien mag schon das geringe Strafmaß aufgefallen sein, mit denen Marineoffiziere bedacht wurden, durch deren Schuld ein Seeunfall sich ereignete. Die nachfolgenden Ausführungen eines deutschen Fachmannes dürften hierfür eine Erklärung bieten: Auf den deutschen Kriegsschiffen wechselt das Personal mindestens alle zwei Jahre vom Kommandanten bis zum ZZNatrosen, und dieser Wechsel ist ebenso nothwendig, wie die Ausbildung selbst, in Folge der zeitlich engbegrenzten Dienstpflicht der Mannschaften wie des Avancements und der universellen Ausbildung der Offiziere. Die Schiffe der Kriegsflotte üben deswegen tagtäglich, jahraus, jahrein, und es liegt auf der Hand, daß bei diesen Uebungen Fehler gemacht werden. Auf der anderen Seite steht die Gefahr, welche bei jedem Unfall einer großen Anzahl von Menschenleben droht, und die Kostbarkeit des Schiffsmaterials, das bekanntlich ein Werthobjekt von vielen Millionen darstellt. Es ergibt stch die Konsequenz, daß diejenigen Seeoffiziere, welche auf derartig doppelt verantwortliche Posten gestellt lverden, Eigenschaften besitzen und eine Ausbildung genossen haben müssen, die ein Begehen verhängnißvoller Fehler als nahezu ausgeschlossen erscheinen lassen. Die Leistung des Schiffes und der Flotte im Kriege wird ebenfalls dadurch bedingt; denn ein Kommandant, der sein Schiff während der Friedensübungen schlecht führt, wird, auch wenn er bislang keine flagranten Unglücksfälle herbeigeführt hat, im Kriege weit weniger brauchbar sein und weit mehr Unheil verursachen. Nun tritt der Fall ein, daß ein anerkannt tüchtiger Kommandant einen Fehler begeht, der eine Beschädigung seines eigenen oder eines anderen Schiffes herbeiführt. Es handelte sich um Sekunden, und anstatt des richtigen gab er der Maschine oder dem Ruder ein falsches Kommando, das sich wegen der Kürze der Zeit nicht mehr redressiren ließ. Mer wollte sagen, daß dieser Mann nicht fähig sei, seinen Posten auszufüllen? Er wird vor ein Kriegsgericht gestellt, erhält einen Verweis oder eine Strafe. Es ist aber kein Grund vorhanden, einem Seeoffizier unter diesen Umständen den Abschied zu geben; denn der Gebiete, auf denen stch der aktive Seeoffizier mit Nutzen für die Marine bethätigen kann, sind so viele, daß auch seine weitcre Verwendung ihr vortheilhaft sein kann. Eine Bestrafung des als schuldig" ;rkannten Kriegsschiffskommandanten kann in der Regel nur den Sinn der Warnung haben, daß ein nochmaliges Vorkommen eines solchen Falles härtere Folgen in Form des Abschiedes oder dauernder Verwendung in minder verantwortlichen Stellungen nach sich ziehen würde. Die ganze Beurtheilung und Verurtheilung erfolgt nach den darüber bestehenden Bestimmunger,. Zu rigoros und schablonenhaft nach den Bestimmungen gehandhabt, würden die Bestrafungen dem Endzweck der Friedensausbildung, der Kriegstüchtigkeit, direkt entgegenwirken. Wenn im Kriege gewagt werden muß. so darf im Frieden nicht Aengstlickkeit und Vorsicht das Charakteristikum des Kommandanten bilden, und ein einziger Mißgriff darf die Marine nicht eines tüchtigen Offiziers berauben. Interessant waren in dieser BeZiehung die Verhandlungen nach dem Festkommen des deutschen Linienschiffes Wittelsbach." in deren Folge der Kommandant des Fahrzeuges, Kapitän Wallmann, mit drei Wochen Stubenarrest bestraft und des Kommandos über das Schiff enthoben wurde. Wallmann hatte es unternommen, mit seinem Schiff unter den ungünstigsten Wetterverhältnissen ein außerordentlich schwieriges Fahrwasser zu Passiren. Er war sich der Schwierigkeit dieser selbstgestellten Aufgabe voll bewußt, versuchte sie aber doch durchzuführen, wohl in dem Gedanken, daß man im Kriege durch die Lage genöthigt sein könne, ein solches Wagniß zu unternehmen. Es mißlang, und das Schiff lief auf. Wallmann, der eine Autorität auf dem Gebicte der SchiffsZonsiruktion ist, wurde nach der Verbüßung seiner Strafe in das Marineamt in Berlin berufen. Daß es auch Fälle gibt, für welche Niemand verantwortlich gemacht werden kann, zeigte der Untergang der Wacht" während der Flottenübungen; ein unglückliches Zusammentreffen verschiedener äußerer Umstände bildete die Ursache des Unfalls. In der englischen Marine, wo seemännische Erfahrung und Tradition am meisten vorhanden sind, wird mit Bestrafungen von Offizieren nach Havarien sehr sparsam umgegangen. Hat der Fall sichere Schlüsse auf die 11 n fähigkeit des Betreffenden gestattet, so wird er kaltgestellt, und im Vordergründ steht immer die Erwägung, ob er pflichtgemäß gehandelt hat. Im Uebrigen gilt der Grundsatz durchaus, daß, wo Holz gehauen wird, eben Späne fallen müssen, und Holz in diesem Sinne muß gehauen werden, um den Endzweck der Friedensausbildung zu erreichen.
Feuer - Signale.
4 Pennsylv und Market 6 English's Opern-Hau 6 East und N-w York 7 Noble und Michigan 8 91. Jersey u. Mass Ave 9 Pine und Norch 10 Ttevttt und Pine 11 Vermont nahe Saft 12 Nz. S Spritzenhaus Ma. Ave nahe Noble 13 Dewarc und Walimt 14 . Jersey u Central A. 15 Mass. und kornell Ave 16 Ash und 11. Strafe .7 Park Ave und 12 Etr .3 Columbia und Hillfkde 19 Higbland Ave u. Patt Sl JllinoiS und St. I 23 Pennsvlv. und Pratt 24 Meridian und 11. Str 25 No. 5 Spritzenhaus 15. nahe JllinoiS 26 Senate Ave u.StSlai? 27 Illinois und Michigan 2 Pesylvania und 14. 29 Senate Ave. vnd 13. 31 No. 1 Spritzenhaus Jnd Ave nahRichigan 32 Meridian und Walnut 34 California u Barniont 35 Blake und New Kork 3 Ind. Av. u. St, ilaxx 37 City Hospital 38 Blake und Norty 29 Mchigan und Agnes 41 No. o Spritzenhaus Washington nahe West 42 Gsendors u Wash. 43 Missouri u New Kork 45 Meridian u Wash 4 Jllmois und Ohio 47 Capitol Av. u Wash 48 kmgan'ö PorkhauS 49 Straßenbahn Ställe W. Washington Str 51 Ro. 10 Spritzenhaus JllinoiS u Merrill 5 JllinoiS u Louisiana 53 Welt und Eouth 54WestundMcCarty 5 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Rav 53 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Morris 59 Madison Av.uTunlop Sl No 2 Haken Leiterhaus South nahe Delawar 2 Penn, u Merrill 63 Telaware u. McEarth 4 äff und McSarty 5 New Jersey u. Merrill 7 Birg. Av. u Bradsha 8 Last und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus ir Ave. nahe Huron 72 East und Georgia 73 Eeda, und Elm 74 Davidson u Georgia 75 Cnglish Av. u Pine 7 Shelby und Bates 7? No. 3 Spritzenhaus Prospect nahe Shelby 79 Fletchcr Av. u Shelby Sl Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. 83 East u Washington 84 New York u. Davidsoe 85 Taubstummen Anstalt 86 Vcr. Staaten Arsenal 87 Crimal und Wash. 89 Zrauen-Resormat. 91 No. 13 Spritzenhaus Marvland nahe Mer. 92 Meridian u. 3crqia. 93 Meridian und South 4 Pcnnsvlv u. Louifiana 95 Lirini? Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Oh .23 No. 1 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 1. 125 Central Ave und 15. 126 Kande und 15. 127 Brookside und Jupiter 128 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und El 132 Bettesontaine und . 134 College Ave und 29. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann nd 19. 138 College Ave und 14. 13? Cornell Ave und 13. 141 Dandes und 12. 142 High land Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey und 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hiltside Ave und 16. 143 College Ave und 2. 149 College Ave und 7. 152 Park Ave und 22. 15?, L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey Are und io. 156 Stoughton u Rewman 157 Atlas und Pike. 153 Bloyd und Pawvaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood 12 Arden und Depot i3 Bnghtwood und 25, 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. eystone 167 Arsenal Ave und 23. 163 Bellefontaine und 28. 169 Park Ave und i0 212 Capitel Ave und 17. 213 Pennsvlv. u. Vichig, 214 Illinois und 20. 215 Senate Ave und Sl. 216 Pennsvlvania und 22. 217 Meridian nd 1. 218 Capital Av und 26. 219 Broadway und 10. 231 JllinoiS und McLea 234 No. 14 Spritzenhaus Aenwood und 30. 235 JllinoiS und 53. 233 Annetta und 30. 37 No. . Spritzenhaus Udcll und fRcuxt 238 Udeil Lad der Works 9 Jsabel und 7. 241 Meridian und 24. 24ZMnois u StCltti, 243 Eldrioge nd 23. 812 cft uud akut 313 West und 12. 314 Howard und 16. 315 Torbet und Pa 316 Capital Av und I. 317 Northwestern Av, u 313 Gent und 18. 319 Canal und 10. 324 Cerealine Works 524 Vermont und Lyn 325 Bismarcku Grandviet 52 No. 2 Spritzenhaus Haughmlle. 527 Michigan u. Holmes, 323 Michigan u. Concord 841 West und McJntyr? 412 Miffour, u. Maryland 413 Missouri und rhi 415 Capital Ave., seorgio 41 Missouri u entucky A 417 Senate Av u. asy. 421 P und E Rundk W. Washington. 423 Jrrcn-Hosviral. 424 Mi.ey Ave u. J DuLL 425 Wash. und Harris 42 No. 18 Spritzenhartz W. Washington 427 Oliver und Birch 428 Oliver und OSgood 429 Rordvke u:d Port 431 Hadlcv Ave u. Morris 432 River Ave u. NorriS US River Ave und Ray 435 Harding u. Big 4 St ? 43 Hardinz und Oliv 437 No. 19 Epritzcnh?? Morris und Hardina. 438 Howard mbWmmt 439 tockvar 451 Reisn und Miller 452 Howard nd L 453 Morris und ttOpK 456 Lambert und Betont 457 Nordyk Ave u. fcar 512 West und Ray 513 Äentmky Ave u. SRerrifc 614 Meridum und Morrt 516 Illinois nd Äansas 517 Morr und Dakota 518 Morris und Church 519 Capital X u McCarty 621 Meridian und Palmer 523 Pine un', Lord 524 Madisor Ave u Lincoln 26 Meridian und Belt RR 627 Carlos und Ray 528 Meridian und Arqona 529 Meridian u. Raymond 651 Meridian u. McCarty 632 No. 17 Spritzenhaus Morris nah Beft 6i2 McKernanund Dough 13 Calt u. Lincoln Lm 614 Saft u.tv Beecher 615 Wrigi, und Sanders 617 McCcrty und Beaty 618 New Jersey u ir 1 718 Spru:.' und Prospec, 713 EngUsh Are. u. Laute) 714 Stavu. Bell 715 Shelby und Beecher 71 State Ave nd Orange 713 Orange und Laurel 7 Shelb? u. El-. AV, 721 Lerington A. u Lau?i 723 Flktcher Aveu. Sprua 724 State Av Pleasan. 725 Prospkr und leasa: 726 Orange ..nd Harla 728 Liberty und Mek 729 Nvlc und South Ll Ro. 15 Spritzenhaus Ost Washington SU 15 Market und Noble 814 Obio u. Highland Av 15 Michigan u. Highlant K16 Market u Arsenal Av 817 Off S Clair und Union Bahn eteisk. 821 Pan Handle EhspS ' 825 Vermont und Wakott 24 Wash. und State Atz. 825 Maddn'.'i eunge Kak 82 Tucker mk Dorsey 827 Wash. und Bcvillk Av 829 No. 1 Spritzenhaus Beville nah ichia 831 Southeastern A vaü Woodfide. 832 Wash. und Dearbo 834 Southeastern und Arsenal Avs. 55 New York nd Tempk 12 Illinois und Maryl, 915 Illinois und Market 914 Penn, nd ash. gl5Dlawar nd Spezial-Signale. Srften 2 Schlag, zweiter Alarm, Zweiten 2 Schlag, dritter Alann, Dritten 2 Schläge, vierter Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch ausgerollt. 5 Schlage, Wasserdruck ab. 12 Schlage, 12 Uhr Mittags. Ote o bezeichneten Signafe hxrdtn rur vom Thun Wächter angegeben da an den betreffenden Straß kreuzunge Kine AlarmVffen angebracht find. Chicago und der große Nordwefie via i r Ulaka -Hawaii Pdtlivv'uc Insel. Bier tägliche Schnellzüge nacb Chicago. fW Bon der Monon 47. Str. Station, Chicago, nd s nurö Minuten mittelst elektrischer gar nach den Union Biehdöfen Francs Lick Springs, indem Orange onntv Hochland. Familien-Hotel unter neuer escdäftsleitung. Pluto, Proerpine ind Bowles Quellen. Beste? Mineralwasser der Seit. Zei Züge täglich via ree.icaftle. licket-Osffcen : Union Station, Massachusetts Ave. nd 25 West Washington Straße. R.P.Alge,, Distrikt Baff. Agent. Indianapolis, Ind. . H. cDoel, C. H. R o ct w e l l. Prüf, und en. Mgr. Beriiebslite Frank I. Reed. en. Plss. Agent, bicago. Ili.
