Indiana Tribüne, Volume 26, Number 200, Indianapolis, Marion County, 15 April 1903 — Page 7
Jndiana Tribüne, RS. April 1903
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rod oder Toi! c 8 o o 8 O 8 c o Sizilianiickrr Roman 8 o m O o www g o l d e m r N r b a n. o o So öS o OQOo c OOo oOOo oOOo 0OO0 o iSchluß.) ayveno dieser Worte janeite )t Luca nach Ghela hinüber, die auf der anderen Seite vom Altar neben der Baronin Oenone Platz genommen hatte. (?s ;var. als ob er durch ihren Schleier hindurch auf den bleichen marincrnen Zügen lesen wollte, ob ihr Vater recht gesehen, und ob sein Schicksal besieaelt sei. Diese herrliche Gestatt mit den süßen dunklen Augen und dem träumerischen, feuchtqlänzenden Blick eine Klosterfrau! War das möglich? Konnte das sein? Ei kam mit der Beantwortung dieser rane nicht zu Stande, denn im iei?en Augenoim lracylen vor oer sxa--pelle laute Böllerschüsse los, Feuerwerkslörper prasselten in die Höhe. Leute schrieen, warfen die Mützen in die Luft, und es war ein Mordspekta!el, ohne den man. sich in Sizilien eine Hochzeit nicht vorstellen kann. Mitten dazwischen erklang ein kleines Harmonium. das Falconari als Patron der Kavelle für diese Feier aus Palermo hatte heranschaffen lauen und auf dem der Parocco vonAquasanta seineKunst produzirte. Ter Hochzeitszug trat ein, lustig mit bunten Bändern und Federn geschmückt, rassclndeTamburinsschwingend. ein wahrer Staat. Voran Assunta und Salvatore. Wie stolz blitzten ihre Augen, wie kühn und zuversichtlich schritten ihre hohen, sck)önen Gestalten einher! Sie hatten sich ihr Glück durch treues, unwandelbares Ausharren in den schwierigsten Lagen redlich erkämpft, und die Treue, mit der die Beiden aneinander hingen, war eine Gewähr für'S Leben. Das lag in ihrer ganzen Erscheinung ausgedrückt. Wie sie für die lauten und überlauten Evvivarufe, mit denen sie in der Kapelle begrüßt wurden, freundlich und lächelnd dankten, aber auch selbstbewußt und kräftig ihr selbsterrungenes Glück zur Schau trugen, wie sie mit einem gewissen trotzigen Stolz das Glück in Anspruch nahmen, das ihnen Gott beschicken und die Welt nicht mehr streitig, machen durfte, das erfreute Jeden, der an natürlicher Kraft und Anmuth noch Gefallen fand. Endlich wurde es wieder still, die Thür wurde geschlossen, und die heilige Feier begann. Noch war sie nicht zu Ende, da schlich im Staube der Landstraße, trotz des dicken Knotenstocks, den er in der Hand trug, ziemlich geb'ickt, ein Mann heran und setzte sich endlich bekümmert und bedrückt auf die kleine Steinbank vor der Kapelle, um auf die Musik zu horchen, die aus dem Innern herausdrang. Und wie die weichen vollen Akkorde getragen an sein Ohr schlugen, da ließ der Mann immer tiefer und demüthiger das Haupt sinken, und aus seinen Augen fielen dicke Thränen. Da war er wieder, Gaetano Russo, von dem sein Vater zu sagen Pflegte: Du bist der Beste. Gezeichnet für immer, mit emer entehrenden Strafe behaftet, ausgestoßen aus der Reibe der ehrlichen Leute, kam er zurück, direit aus dem Arbeitshaus. Wie würde man ihn aufnehmen? Was war geworden aus seinem Weibe, aus seinen Kindern, aus allem, während er dort drinnen gesessen und Strohstühle qeflochten? Würde man ihn überhaupt noch erkennen oder erkennen wollen? Seine Haare waren während der Zeit ergraut, und auch sein Gesicht zeigte tiefe Falten und war grau, wie verschmiert geworden, weil er der freien Luft so lange entbehrt. Was nun, wenn ihn Salvatore oder seine Schwester niederstieß? Er hatte es verdient. Es war eine nichtsnutzige, niederträchtige Redensart gewesen, als man ihm eingcblasen hatte: Dein Meineid ist unser Meineid. E r hatte dafür gesessen, e r hatte Strohstühle flechten müssen, e r hatte die Ehre und den guten Namen verloren. Niemand hatte ihm auch nur das Tüpfelchen vom i abgenommen. Und doch hatte sein Vater recht. Er war, wenn auch nicht der Beste, doch von Hause aus nicht schlecht, nie schlecht gewesen. Aber anstatt auch einem widrigen Schicksal die Stirn zu bieten, war er Schritt für Schritt zurückgewichen und mit jedem Schritt tiefer gesunken, bis er endlich unter die Räder gekommen war. Nun saß er vor der Kapelle der Madonna del Mar? und flennte wie ein altes Weib, weil er nicht gewußt und verstanden hatte, ein Mann im Leben zu sein. Plötzlich schwieg die Musik, die Thür öffnete sich, und der Hochzeitszug kam wieder aus der Kapelle heraus, allen voran wieder Salvatore im festlichen Hochzeitsschmuck mit Assunta. Gaetano erhob sich rasch, aber indem er gebückt und demüthig auf Salvatore zuschritt, überfiel ihn eine solche. Schwäche und solches Zittern, daß er fast zu Boden gefallen wäre. Assunta erkannte ihn zuerst. Gaetano!" schrie sie laut. Es ist Gaetano!" Salvatore hob rasch den Kopf stolz empor und trat einen Schritt zurück. Salvatore," begann Gaetano mit bittender Stimme, Du siehst einen gebrochenen Mann vor Dir, der wieder gutmachen will, was er Böses gethan.
Kannst Du mir verzeihen? Ich weiß wohl, wie schlecht ich an Dir gehandelt. Ich habe die Szene nicht vergessen in der Vicaria. und doch frage ich Dich: Kannst Du mir verzeihen?" Der junge Mann sah ihn finster an. ..Wenn Jemand seinen Feind erschlägt im offenen Streit." sagte er nach einer kleinen tftornV in der stolzen abweisenven an oes ecyren iznianers. oas ist nichts, das ist menschlich, und Jeder wird's ihm verzeihen. Wenn aber Jemand seinen Freund verräth und wider besseres Wissen beschwört, was nicht wahr ist" Salvatore! schrie Assunta dazwischen. Die Kinder drängten sich heran. Donna Sabina stürzte berbei und rief aufgeregt: Gaetano Gaetano!" Sein ältester Sohn fiel ihm um den Hals und küßte ihn. Thue es um meiner Kinder tvxU len, Salvatore!" bat Gaetano innig. ..Ting g. Tong g! Ting g. Tong g! Ting g. Tong g!" klanc die Glocke der Madonna del Mare' weithin schwebte ihr zitternder :a,on über das Meer. Du bist doch der Beste. Gaetano." brummte der alte Russo, Du bist der Beste." Salvatore sah sein junges Weiö an. dann die Kinder Gaeianos. wie sauber und nett sie im Sonntagsstaat zu seinen Ehren vor ihm standen. Der sonst so klare und scharfe Blick wurde ihm trübe. Ting g. Tong g! Ting g. Tong g!" hallte die Glocke. Steh auf, Gaetano," sagte Salvatore und hob ihn in die Höhe, ein Mann ist ein Mann und soll nicht knieen. Um Deiner Schwester und Deiner Kinder willen sei kein Streit zwischen uns. So oft Du zu mir kommst, ist Dein Platz bereit. Das Uebrige magst Du und möge die Zeit thun." Ting g. Tong g! Ting g, Tong g!" läutete Padre Patrizzi noch immer in den Abend hinein, als die Hochzcitsgäste schon längst die Straße nach Aquasanta hinabgezcgen waren. Sie hat einen hübschen, einschmeichelnden Klang, die Glocke der Madonna del Mare. Ghela lauscht ihr gern, wenn sie Abends auf ihrem Lieblingssitz, dem Felsvorsprung über der Straße, sitz: und zusieht, wie die Abendlichter glühend und leuchtend über das weite Meer Hinspielen, wie das laute Geräusch des Tages mit den Lichtern auf dem Meer allmälig stirbt und der Abendstern am klaren WenHimmel hervortritt, freundlich leuchtend und flimmernd aus weiter Ferne. Dann klang das Geläute der Glocke der Madonna del Mare wie eine Ergänzung, wie der Takt einer großen, herrlichen Symphonie, einer Harmonie der Natur, des Himmels und der Erde. Dann war es, als ob der weiche, innige Ton in ihrem Herzschlag ein Echo erwecke, als rb sie als Theil des Ganzen den Pulsschlag der Natur auch in sich mitfühle. Sie schlagen wieder aus, Herr Commendatore,' hörte sie den Gärtner Gaetano, der mit ihrem Vater in einiger Entfernung durcb den Garten ging, sagen, sehen Sie hier. Sind es nicht schöne, neue Kronen, die die Pfirsichbäumchen wieder angesetzt haden, seit ich nicht da war? Madonna santissirna, welche Angst habe ich ausgestanden, so lange ich da da unten war, ob die Väumchcn auch ordentlich gepflegt würden, ob sie Wasser genug haben, ob sie gegen den Wind genügend geschützt, von Raupen, Ungeziefer und Insekten gehörig gereinigt würden." Deine Frau hat sich viel Mühe damit gegeben, als ob es ihre Kinder wären," antwortete Herr bei Falconari. Nächstes Frühjahr gibt es Früchte, und die Kronen werden wieder so schön wie die, welche der Mann ohne Hals abgeschnitten hat. Ja, die Natur, Herr Commendatore. Da sieht man, was die Natur ist. Die Natur ist ist" Ja, ja, natürlich. Die Natur ist die Natur," half ihm Herr dei Falconarr lächelnd weiter, da er stockte. Dann wurde es wieder still um sie her. Die Beiden gingen nach der neuen Oliveda hinüber, und Ghela hörte nur noch die Abendsymphonie, das Ting g, Tong g der Glocke der Madonna del Mare. Es war schon ziemlich dunkel. So allein, Frau Baronin?" hörte sie plötzlick eine Stimme hinter sich, zitternd, aufgeregt und aufregend. Sie kannte den Klang der Stimme so gut wie den Ton der Glocke der Madonna del Mare. Jetzt aber rollte ihr Blut rascher durch die Adern, und ein verrätherisches Roth stieg -hr in die Wangen. Warum nannte er sie nur immer Frau Baronin? Sie hätte etwas darum gegeben, um vergessen zu können, was mit diesem Titel zusammenhing, und er, gerade er mußte sie immer wieder daran erinnern! Ich fürchte, Sie thun mcht wohl, Frau Baronin, sich so sehr der Einsamkeit, der Grübelei hinzugeben," fuhr Te Luca leise fort. Ich würde wohl noch übler thun, wenn ich Gesellschaft aufsuchen würde," erwiderte sie sanft und rückte auf der Bank, auf der sie saß. etwas seitwärts, als ob sie ihm Platz machen wollte. Aber er blieb stehen. O, davon ist keine Rede. Aber es ist ein Unterschied zwischen Gesellschaft aufsuchen und Gesellschaft fliehen. Sie fliehen vor allen, die Sie lieb haben, sind gern allein, zu viel allein. Das ist nicht natürlich,"
vccn-c, Ihr Acner yat vreueicyl recht, wenn er glaubl. daß Berenice di Buonanima einen zu düsteren Einfluß auf Sie ausübt." Sagen Sie das nicht. Herr De Luca,'' entaegnetc sie rasch. Bcrcnicc ist ein edles, entsagungsvolles Mädchen, die viel denkt und tief fühlt. Sie kann nie einen schlimmen Einfluß ausüben." Und doch fürchtet Herr dei Falconari, daß Sie ihr eines Tages in's Kloster folgen möchten." Sie sah ihn einen Augenblick lang an. Seine Stimme klana sn mutlos, so klagend, wie sie sie noch nie gehört. Wäre das so schlimm?" fragte sie kurz. Es wäre ein Unglück.' rief er hastig, es wäre ein Verbrechen an denen, die Sie lieben. Sie haben nicht das Recht, vor der Welt zu fliehen. Sie müssen daran denken, welchen Schmerz welche Ver.weifluna Sie denen bereiten würden, die Sie lieb haben. Ghela! Spricht denn nichts mehr in Ihrer Brust für die Welt, kein leiser Ton für mich? Und ich hab? Sie doch so unendlich lieb!" Ting a, Tong g! Ting g. Tong g!" klang es von der Kapelle her. Ghela rückte noch ein Stück auf der Bank hin und plötzlich lag er vor ihr auf den Knieen, und seine Stimnie klang durch Thränen hindurch: Ghela, hören Sie mich? Ist es denn so leicht, ein zuckendes, liebevolles Herz, ein reiches, schönes Leben des Glücks und der Liebe zurückzuweisen? Ich will Dich auf Händen tragen, Ghela, und meine Welt sollst Tu allein sein. Haben mich Deine Augen so sehr betro- .,, "u genc Ting g, Tong g!" Die Augen lügen nicht, und die schweigende Nacht verhüllte ihren ersten Kuß. ' Ende.
iSf K Ä I Ulcr wird siegen ! f t s Ä ffttt , t t V rt tti rt tt v i i x v u m O fjou ctttl)cii rtmttmt MMIMIIMMMMIMMIMI (Fortsetzung.) (Greifen wir alto zu. K?nder! unser junger Kriegmann da sieht ganz so aus, als ob seine Lebensgeister erst durch eine heiße Tasse Kaffee vollends geweckt werden müßten Die gute Malsen liegt natürlich noch fest auf dem Ohr?" Ich habe dem Mädchen ausdrücklich anbefohlen, sie schlafen zu lassen, Papa! Fräulein Dorette ist während des ganzen Vormittags übler Laune, wenn sie zu früh aus dem Schlummer gestört wird." Recht so, mein Kind! Ich wollte, sie schliefe zu meiner Erholung 'mal sieben Tage und Nächte wie der masurische Rekrut, den ich vor undenklichen Zeiten als junger Hauptmann in meiner Kompagnie hatte. Die Aerzte machten damals aus dem Kerl ein medizinisches Wunder; ich aber hielt ihn von vorherein für den geriebensten Simulanten und Drückeberger unter der Sonne. Und als ich's endlich mit vieler Mühe durchgesetzt hatte, daß man für achtundvierzig Stunden die künstliche Ernährung einstellte, die den armen Schläfer am Leben erhalten sollte, da wurde der Spitzbube mit einem Mal so wach und munter wie eine Lerche bei Sonnenaufgang. Es war eine Kur. die unser Oberstabsarzt mir sein Leben lang nicht hat verzeihen können. Denn er hatte schon eine lange, gelehrte AbHandlung über den schlafenden Masuren geschrieben, die seinen Namen in der wissenschaftlichen Welt unsterblich machen sollte. Und das wäre für ihn um so erfreulich?? gewesen, als er das Unglück hatte, Schulze zu heißen." Erich kannte die Geschichte von dem schlafenden Rekruten und von dem in seiner Hoffnung auf Unsterblichkeit betrogenen Oberstabsarzt Schulze so gut, wie er das Vaterunser kannte. Denn sie gehörte zu jenen Leibhistörchen des Obersten, die de? alte Herr bei jeder halbwegs möglichen Gelegenheit zuni Besten gab. Trotzdem nahm er sie mit einr Heiterkeit auf. als vernähme er sie zum erstenmal. Aber sein Lachen verstummte, und er wurde sehr roth, als er Magdas Blick groß und verwundert auf sich gerichtet sah. Das schauspielerische Talent, das er da bekündet hatte, war offenbar recht wenig nach ihrem Geschmack. Auch die scheinbar gute Laune des Obersten hielt nicht lange vor. Sie war ganz und gar geschwunden in demselben Augenblick, wo Schlüter die Morgenzeitung hereinbrachte und sie vor dem Hausherrn auf den Frj stückstisch niederlegte. Ter breite schwarze Trauerrand, der die erste Seite einfaßte, mußte den Umschwung bewirkt haben, denn wie ein finstrer Schatten legte sich's bei seinem Anblick über Joachim von Brunnecks Züge. Er schob das Blatt beiseite, ohne es zu entfalten und lehnte sich mit einem schweren Athemzuge in seine Sofaecke zurück. Eigentlich nimmt mich's Wunder, daß Dein Oberst Dir gerade jetzt, ohne alle zwingende Veranlassung Urlaub nach Berlin gegeben hat," sagte er in ganz verändertem Ton. Ich an seiner Stelle hätte es sicherlich nicht aethan.
oenn tn solchen Tagen tiefster Trauer gehört ein preußischer Offizier nirgends anders hin als zu seinem Regiment. Na. Du brauchst darum nicht so verlegen drein zu schauen, mein Junge! Für Dich bedeutet's ja jedenfalls nichts Geringeres, daß Du Deinem todten alten Kaiser noch einmal in's Antlitz blicken kannst. Und mir ist's auch eine Art von Trost, daß doch wenigstens ein Brunneck unter denen sein wird, die dem alten Herrn vor seinem Sarkophag den letzten Zoll dankbarer Ehrfurcht darbringen. Hätte mir nicht der Medizinalrath auf Ehre und Gewissen versichert, daß der Gang in den Dom mein Tod sein würde, ich ließe mir's wahrhaftig nicht nehmen. Aber wenn man ein armseliger Jnvalide geworden ist wie ich, muß man allmälig lernen, auch auf die Erfüllung seiner sehnlichsten Herzenswünsche zu verzichten." Angstvoll hefteten sichMagdas große Augen auf das Gesicht des Vaters. Noch gestern hatte er allen Bitten und Vorstellungen gegenüber mit Entschiedenhert erklärt, daß er heute zur Aufbahrung in den Dom gehen würde, und er mußte sich nach der schlecht verbrachten Nacht fürwahr sehr krank und angegriffen fühlen, wenn er nun auL freien Stücken seine Absicht aufgab. Ohne Zweifel errieth der Oberst ihre Gedanken; denn er nahm ihre Hand und hielt sie fest, während er fortfuhr: Diesem wackeren kleinen Mädel zuliebe bleibe ich also daheim. Aber Du mußt sie mitnehmen, Erich, und dann müßt Ihr mir haarklein erzählen, wie sie den alten Herrn gebettet haben, und wie er auf seinem ktzten Ruhelager ausgesehen. Ich denke, Ihr macht Euch so bald wie möglich auf den Weg, denn Schlüter erzählte mir gestern die türchterlichsten Geschichten von dem lensgefährlichen Gedränge an der Schloßfreiheit und im Lustgarten. Mit nem Anderen würde ich Magda gar Nicht hingehen lassen; Dir aber kann ich mein Kleinod doch wohl anvertrauen. Erich?" Mwin, lieoer 2jniei: cagoa rouu unter meinem Schutz so sicher sein wie unter dem Deinigen." Gut. mein Junge, wir wollen sehen. wie Du die Probe bestehst. Denn es könnte ja immerhin sein, daß Du sie dermaleinst als ihr einziger männlicher Verwandter gegen schlimmere Gefahren zu schützen hast, als gegen ein bischen Volksgedränge. Mach' Dich also fertig, Kind! Die Malsen wird mir schon Gesellschaft leisten, während Du fort bist." Magda ging schweigend hinaus. Und sobald er mit seinem Nesfen allein war, sagte der Oberst, indem er ihn mit seinen scharfen Augen fest und durchdringend anab: Hur ven )om tsr ngenmcy nocy zu früh. Aber ich habe das Mädel hinausgeschickt, weil ich Dir's ansehe, daß Tu etwas auf dem Herzen hast. Keine Ausflüchte, wenn ich bitten darf! Ich weiß, daß diese blassen Wangen und diese zerstreuten Blicke bei einem jungen Menschen immer irgendwelche fatalen Geheimnisse bedeuten. Und in meiner nächsten Umgebung mag ich solche Geheimnisse ein für allemal nicht leiden." Wenn Erich von Brunneck wirklich :in Geständniß zu machen oder ein Anliegen vorzubringen hatte, so war er doch jedenfalls nicht darauf voröereitet gewesen, es gGade in diesem Auzenblick zu thun. Der rasche Wechsel seiner Gesichtsfarbe und das nervöse Spiel seiner Finger mit den Brodkrümchen auf dem Tischtuch verriethen zur Genüge, wie überraschend und wie unbehaglich ihm die unumwundene Aufforderung des Obersten war. Aber :s schien, daß seine Gewöhnung an Gehorsam gegen den Willen des alten Herrn doch stärker war als seine Befangenheit. Denn nach einem kleinen Zaudern erwiderte er: Eine Bitte hätte ich schon, lieber Onkel; aber ich fürchte " Schnickschnack! Ein Soldat soll sich vor gar nichts fürchten. Ist's was Vernünftiges, und kann ich's erfüllen, so sage ich Ja. Im anderen Fall muß ich eben Nein sagen. Was ist denn da weiter zu fürchten?" Aber trotz dieser ermuthigend gemeinten Versicherung hatte Erich ersichtlich noch einen schweren Kampf mit seiner Verlegenheit zu bestehen, ehe er sich entschloß, zu sagen: Ich möchte meinen Zuschuß diesmal schon ein paar Tage vor dem Fälligkeitstermin haben, Onkel! Ich denke, es macht Dir nichts aus, ihn mir noch heute zu zahlen." Gerade darauf war der Ob?rst allem Anschein nach nicht gefaßr gewesen, denn er runzelte unmuthig die Stirn.
Du brauchst Geld obwohl ich Dn Deine Auslagen für die Reise schon gestern vergütet und noch einen Hunoertmarkschein als Taschengeld für die Dauer Deines Urlaubs daraufgelegt habe? Das ist ja sehr sonderbar. Und wie viel soll es denn sein?" Ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du mir den ganzen Zinsbetrag für das nächste Vierteljahr aushändigen wolltest." Was? Die vollen fünfhundert Mark? Das wäre ja eine ganz neue Einrichtung. Und was wenn es erlaubt ist, darnach zu fragen was willst Du mit dem Gelde beginnen?" Könntest Du mir nicht die Antwort darauf erlassen, lieber Onkel? Ich kann Dir auf Ehre versichern, daß ich es sehr nothwendig brauche. Und möchtest Du Dich nicht in diesem Ausnahmefall damit begnügen?" Nein!" klana es kurz und hart zu-
ma. mz Mir Dein löattx m i einem Testament die Verwaltung Deines kleinen Erbtheils übertrug, hat er damit zugleich eine Verantwortung auf meine Schultern gelegt, die mir solche faulen Kompromisse mit Deinen gelegentlichen Heimlichkeiten durchaus nicht gestattet. Es bedarf keines großen Scharfsinns, um zu errathen, daß Du Schulden gemacht hast, trotz Deines mit Wort und Handschlag gegebenen Versprechens. Das ist so ziemlich die schmerzlichste Enttäuschung, die Du mir hättest bereiten können. Deshalb also dieser überraschende Besuch zu einer Zeit, wo nach meinem Gefühl kein rechtschaffener Offizier sich von seiner Mannschaft entfernen sollte!" Nein, Onkel, nicht deshalb bin ich gekommen Du darfst es mir glauben. Und noch gestern ahnte ich nicht, daß ich Dich auf solche Weise würde in Anspruch nehmen müssen." Die buschigen Brauen des Obersten zogen sich noch mehr empor. Das verstehe ich nicht. Was kann sich denn seit gestern zugetragen haben, daß Dir mit einem Male so gewaltige Verpflichtungen erwachsen wären? Möchtest Du Dich darüber nicht etwas deutlicher erklären?" Es ist so beschämend für mich, lieber Onkel so über die Maßen peinlich" Hast Du den Muth gehabt, etwas zu thun, dessen Du Dich schämen mußt, so magst Du nun auch den Muth haben, es einzugestehen. Aber vielleicht kann ich Dir helfen. Du hast gespielt?" Erich senkte den Kopf und schwieg. Er sah in diesem Augenblick wirklich recht kläglich aus. Und vielleicht war r$ woi) mebr der Anblick s?in,r mu mannncoen Zerknirschung, cus oas durch sein Verstummen abgelegte Geständniß, was das soldatische Herz des Obersten empörte. So sieh mich doch wenigstens an. Junge! Nichts in der Welt ist mir an einem Manne so verhaßt, wie diese Armesündermiene! Vorläufig verstehe ich von alledem noch nicht das Geringste. Und nicht als Dein Onkel, sondern als Dein Vorgesetzter verlange ich jetzt klare und bündige Antwort auf meine Fragen. Wo hast Du gespielt, wann und mit wem?" Erich hatte sich von seinem Stuhl erhoben. Todtenbleich, aber in straffer dienstlicher Haltung, die Augen fest auf das schon bedenklich geröthete Antlitz des alten Herrn gerichtet, stand er vor dem Obersten da. Ich darf von diesen Fragen nur eine einzige beantworten. Als ich gestern Abend noch einmal ausging, um mir den Trauerschmuck in den Straßen anzusehen, begegnete ich einem Kameraden, der bis vor einem Vierteljahr mein Hauptmann gewesen war. Er lud mich ein, in einem Kreise von Bekannten ein Glas Wein mit ihm zu trinken, und ich glaubte, es ihm nicht abschlagen zu dürfen. Später wurde gespielt, und ich hatte leider nicht Energie genug, mich davon auszuschließen." Wie die Energie Gott sei's geklagt! niemals eine Deiner hervorragenden Eigenschaften gewesen ist! Aber kommen wir erst zu Ende! Du hast es also als aktiver preußischer Offizier fertig gebracht, in leichtfertiger Gesellschaft am Spieltisch zu sitzen, während das ganze deutsche Volk und vor allem die deutsche Armee in tiefstem Schmerz um den Heimgang des obersten Kriegsherrn trauert? Das ist mehr als ein thörichter Jugendstreich, Leutnant von Brunneck! Das ist schimpflich und verächtlich!" Onkel!" Still! Ich will keine Rechtfertigung hören. Und ich will auch den Namen dieses ehemaligen Hauptmanns nicht wissen, der ehrvergessen genug war. Dich zu solchem Beginnen zu verführen. Jetzt nur noch den Rest! Du hast verloren, was Du nicht zahlen konntest, und man verlangt innerhalb vierundzwanzig Stunden die Begleichung Deiner Schuld. Ich kenne ja den sauderen Ehrenkodex der Herren Spieler. Aber Du bist im Irrthum gewesen, wenn Du geglaubt hast, daß ich das Geld so ohne Weiteres herausgeben und Deinen sträflichen Leichtsinn damit gewissermaßen sanktioniren werde. Nenne mir den Namen Deines Gläubigers und den Betrag, den Du ihm schuldest, dann werde ich selbst mit ihm verhandeln." Das ist unmöglich, Onkel!" Das Antlitz des Obersten färbte sich noch um eine Schattirung dunkler, und er lockerte mit einer ungestümen Handbewegung den Halskragen seiner Hausjoppe, wie wenn er sich durch ihn beim Athmen beengt fühlte. Unmöglich weshalb? Zweifelst Du vielleicht an meiner Qualifikation, eine solche sogenannte Ehrenangelegenheit auf die rechte Weise abzuwickeln?" Gewiß nicht, OnkeZ! Aber es ist trotzdem unmöglich, weil nun, weil es einen solchen Gläubiger gar nicht gibt. Ich habe meinen Spielverlust sofort baar beglichen." Das konntest Du? Und dennoch verlangst Du von mir jetzt eine solche Summe? Hast Du vielleicht die Absicht, heute Abend von Deinem sauderen Ex-Kameraden Revanche zu fordern und Dich zu dem Zwecke für alle Fälle mit einer gehörigen Baarschaft auszurüsten?" Nein. Ich werde nie mehr eine Karte anrühren; das habe ich mir in dieser unglückseligen Nacht mit einem heiligen Eid geschworen. Ich brauche das Geld zu einem anderen Zweck. Und noch einmal, lieber Onkel, bitte
lcn 2)icv aus oas ringenoste, es nur nicht zu verweigern." Sage mir, wozu Du einer so großen Summe bedarfst, und ich werde mit mir zu Rathe gehen, ob es zwukmäßig und geboten ist, sie Dir zu gebeii." Ein paar Sekunden lang stand der junge Offizier in unschlüssigem Schweigen. Es war kein Blutstropfen mehr in seinem Gesicht, und seine Lippen bebten. Dann aber sagte er leise und mit beinahe tonlosn Stimme: Wenn ich das Geld nur um diesen Preis erhalten kann, so werde ich wohl darauf verzichten müssen. Denn ich kann die Ursache meiner Verlegenheit nicht offenbaren." Du kannst nicht? Auch nicht, wenn ich es Dir befehle?" Auch dann nicht, Onkel! Es ist mir einfach unmöglich!" Nun wohl, etwas Unmögliches soll man von Niemand verlangen. Die Sach: wäre also erledigt. Denn meine Antwort hast Du bereits gehört, (s ist ein für allemal festgesetzt, daß ich Dir die Zinsen aus Deinem von mir verwalteten Erbtheil monatlich an einem bestimmten Tage auszahle, und dabei wird es auch diesmal sein Bewenden haben. Der Betrag steht Dir. wie immer, am Fünfzehnten zur Berfügung. Nun. hast Du mir sonst noch etwas zu sagen?" Es es handelt sich um meine Ehre. Onkel! Und schließlich ist es doch nur mein rechtmäßiges Eigenthum. das ich da verlange." Die Ader an der Schläfe des Obersten schwoll zu einem dicken, bläulichen Strange. Er richtete sich auf. und mit beiden Händen auf den Rand des Tisches gestützt starrte er mit vorgeneigtem Oberkörper seinem Neffen in das verstörte Gesicht. (Fortsetzung folgt.)
Das icmglocklcm. Das lange Wirthshaussitzen veran laßte in früheren Zeiten die Fürsten von Hohenlohe zur Erlassung von scharfen Paragraphen, die in den allen Gemeinde-Ordnungen der einzelnen Gemeinden noch nachgelesen werden können. Da man in den hohenlohe'schen W :inorten oft und lang hinter dem Weinglas saß. wurde das Weinglöcklein eingeführt. Sintemal das überzeitlich, nächtlich lange ßechen und Sitzen in Gast- und Wirthshäusern zu allerlei Uebel und Unthat öftermals viel und große Ursach ergibt, soll Sommers um 9. Winters um 8 Uhr eine Glocke geläutet und nach derselben Stund die Gäste abgeschafft werden, auch in andere Häuser kein Wein geschickt werden. Fremden, welche ihre Haushaltung und Jnwohnung über Nacht nicht erreichen können, soll ziemlich und nach Nothdurft zu zehren unbenommen sein. Die Schultheißen sollen nach der Glocke in die Wirthshäuser gehen und wahrnehmen. ob die Ordnung gehalten wird. Im Uebertretungsfall zahlt der Wirth für jeden Gast 1 fl.. welcher der Herrschaft gehört. Wer in Amrichshaufen Sommer oder Winter über 8 Uhr im Wirthshaus sitzt, es sei denn, daß er einem Fremden Freundschaft halb Gesellschaft leistet, wird von der Herrschaft um 3 Pfund Heller gestraft. Nachtruhestörung wird strenge gerügt, z. B. Schießen bei Nacht. .Gassiren' bei nächtlicher Weile durch das junge Gesind, Bauern- und Häckersöhne und Knechte alle Ueppigkeit als Fluchen, Jauchzen, Schreien, Werfen, Spielen in Spielhäusern ist verboten. Alle2 Gesäuf ist verboten und so Jemand mit einem ,Haarbeutel' (Rausch) erwischt wird, hat ihn der Schultheiß in's Strafhäuslein zu legen, ihn 14 Tag mit Wasser und Brod zu speisen und 10 fl. Strafe aufzulegen." Die zunehmenden Tod e s f ä l l e in Folge von Lungenentzündung werden von Vielen auf die Erkältungen zurückgeführt, die man sich in Straßenbahnwagen zuzieht. S e e w a f t z kann recht gut künstlich hergestellt werden. Reines Wasser in richtigem Verhältnisse mit den sechs Hauptsalzarten der Ozeane veriilischt, hat sich als völlig geeignet erwiesen, auch die empfindlichsten Seethiere lebend zu erhalten, es scheint also die physiologischen Wirkungen des Seewassers in genügendem Maße zu haben. :nen lonoervaren Selbstmord beging kürzlich ein Norweger in Liverpool. Es war bisher als unmöglich beirachtet wordei-, daß Jemand durch bloß' Willenskraft im Stande sein sollte, seine Athmuna für mehr als eine oder höchstens zwei Minuten zu unterdrücken. Bedeutende Aerzte haben sich im Besonderen dahin ausgesprochen, daß es noch nie Jemandem gelungen sei. durch bloßes Anhalten des Athems Selbstmord zu begehen, wie es allerdings in einem Fall aus dem Alterthum berichtet worden ist. Jener unglückliche Norweger aber soll diese Behauptung Lügen gestraft haben. Die ärztliche Untersuchung kam zu dem Schluß, daß der Tod dadurch eingetreten war, daß der Betreffende ohne Zuhilfenahme von Wasser seinen Athem so lange verhalten hatte, bis die Lungen gesprengt waren. Der Fall wird jedenfalls in der beglaubigten medizinischen Literatur vorläufig einzig dastehen und legt ein unerwartetes Zeugniß für den Einfluß der Willenskraft auf die Thätigkeit der Lungen ab.
