Indiana Tribüne, Volume 26, Number 196, Indianapolis, Marion County, 10 April 1903 — Page 7

ZJndiana Tribüne, 10. April 1903.

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rod oder Tod! 8 o O Sizilianischcr Roman von woldemar Zlrban. 8 o o 8 o o 8oo oOOo oQOo oOOo oOOo oOOo 008 (Sortsetzung) Sehr schön, sehr schön. Herr Staatsanwalt, aber was glauben Sie. würde der Kriegsminister in Rom sagen. wenn ich ihm berichten wollte: Andromeda will sich nicht befreien lassen und schießt meine Soldaten todt, bewirft sie mit Dachziegeln und begießt sie mit kochendem Wasser? Der Kriegsminister erwartet von mir. daß ich ihm telegraphire: Sizilien ist ruhig und den friedlichen Gewalten des Äesetzgebers wieder zugänglich. Und dafür werde ich sorgen. Dazu bin ich hier. Perseus hin. Perscus her. Das sind sehr schöne Sachen, diese Märchen, aber eine Revolution schlägt man damit nicht nieder. Im Uebrigen." fügte der General milder hinzu und reichte dem Staatsanwalt die Hand, wir werden uns schon 'verständigen. Ich stehe Ihnen zur Verfügung. Wann wollen Sie die Verhaftungen vornehmen lassen?" ..Sogleich, Excellenz, oder doch nock bevor es tagt. Mit jeder Stunde verlieren wir an Aussicht auf Erfolg." Ah sehen Sie! So gefallen Sie mir schon besser. Nur fest zugreifen. Her: Xt Luca. Andromeda hin, Andromeda her. Ordnung muß sein. Kommen Sie, Sie sollen haben, was Sie wünschen." 18. Kapitel.. Iizilien ist das Resultat einer 9 vieltausendjährigen Kultur, einer Cultur, welcke älter ist als irgend eine andere in Europa. Das sieht man dem Land und auch den Leuten an. Was für eine Sorte von Mensch war zum Beispiel dieser Don Rocco Petroni, wie er mit seinem vollständigen Namen hieß! Er stammte vielleicht von den armen athenischen Sklaven her, die in Syrakus ein Weltwunder der alten Kultur schufen, zu einer Zeit, als das alte Rom noch ein elender Raubstaat war, oder von einem gerissenen phönizischen Kaufmann, von jenem Volk, das, selbst aus Syrien kommend, die ganze damals bekannte Welt mit seinen Handelsschiffen besuchte. Don Rocco war. wenn man so sagen darf, ein lebendiger Beweis der wissenschaftlichen Behauptung des Atavismus, das heißt der menschlichen Eigenthümlichkeit, gewisse Bildungen im Gesicht und überhaupt im Körper und gewisse Charaktereigenschaften aus uralten Geschlechtern in neuen Generationen wieder zu reproduziren. Don Rocco war ohne Zweifel geistig in ungewöhnlicher Weise begabt. Er erfaßte rasch und scharf. Seine Intelligenz verarbeitete die erhaltenen Eindrücke mit überlegener Kraft und treffsicherer Prägnanz. Er sah scharf, hörte genau, war ungemein empfindlich, vornehm gewöhnt, fand es gemein am Menschen, sich nicht zu Parfümiren. Aber all diese schönen Eigenschaften hatten etwas Abgestandenes, Abgebrühtes und Greisenhaftes. Es fehlte Don Rocco das, was bei den Völkern, die in der Geschichte neu sind, so wohlthut das Ideal, um das man sein Leben lang kämpft, die Ueberzeugung und Hoffnung einer schöneren Welt und Zukunft, der kühne Flug des jungen Gedankens. Das alles hatte Don Rocco nicht oder vielmehr nicht mehr. Das waren für ihn längst überwundene Dinge, aufgelöst in einem unheilbaren Egoismus. Dagegen war er verschmitzt und schlau, heuchlerisch, tadellos höflich, stets gemessen und ruhig, vornehm in den Formen, innerlich aber rücksichtslos und ohne jedes Mitleid und Erbarmen. Kaum hatte er gesehen, daß sein Herr und Meister, der Staatsanwalt De Luca, Assunta empfing und in's Verhör nahm, verließ Don Rocco die Vicaria. Er wußte genug. Schon als ihn De Luca am Morgen bezüglich der Reise nach Messina ausgeforscht, war sein immer waches Mißtrauen erweckt worden. Die Reise nach Messina war eine Finte, aber statt da Don Rocco darauf hineinfallen sollte, war er nur aufmerksam geworden. Jetzt wußte er, daß der Anschlag gegen De Luca verrathen lvar und er ging schleunigst seiner Wege. Er wollte nun erst von Weitem sehen, was aus der Geschichte würde. Er hatte den Auftrag, die Gelegenbeit zur Ausführung des Anschlags auszuspioniren, und war mit Peppo schon darüber einig geworden, daß das am Sonntag Abend beim Nachhausekommen De Lucas in seiner Wohnung geschehen sollte. Er wollte das Wild stellen und dann dem Jäger einen Wink geben und sagen: Da steht es. Schieße!" Don Rocco hätte den Anschlag vielleicht auch schon früher herbeigeführt, da der ausgebrochene Aufstand eine günstige Gelegenheit versprach, nun aber war das vorbei. Vorsichtig, um nicht in Gefahr zu kommen, verschwand er, um seinem Genossen eine Warnung zu geben und das Attentat selbst auf eine .bessere Zeit" zu verschieben. In einer obskuren Weinkneipe in der Nähe der Piazza Olivetta und nicht weit von der Wohnung De Lucas traf Don Rocco mit Peppo zusammen. Sobald er eintrat, schien Peppo in eine gewisse Aufregung zu gerathen und zu

glauben, der ihn zum gemachten

scanne eryeden sollte. Nun," fragte er eifrig, ist alles richtig?" Sei still und bleibe ruhig sitzen," erwiderte Don Rocco, indem er bei ihm Platz nahm. Die Sache geht schier." xSti Höre nur zu. Ich merkte es schon heute früh, daß irgend Jemand geschwatzt haben muß. De Luca weiß, daß etwas gegen ihn im Werke ist." Von wem?" Wenn ich das wüßte! Heute Abend wurde die Geliebte Salvatore Colantonios zu ihm gebracht." Assunta?" fragte Peppo hastig und erschrocken. Don Rocco sah ihn überrascht an. Ja." sagte er dann. Was Assunta mit ihm verhandelt, weiß ich aber nicht. Er schickte mich fort. Daß es nichts Unbedeutendes gewesen sein wird, das steht wohl so ziemlich fest." So ist also alles verloren?" preßte Peppo entmuthigt hervor. Weshalb? Was meinst Du davon?" Für Assunta war das dritte Billett nach Neapel." Don Rocco sah ihn scharf an und schien sofort den Zusammenhang aus dem auffallenden Benehmen Peppos zu ahnen. Du hast Dich von dem Mädchen leimen lassen?" fragte er dann. Weiß sie vi?l?" Sie weiß nichts, aber sie kann viel schaden, wenn sie will." Sie wird wollen. Verlaß Dich bamm " 2)ie verwunscyle Hexe: AVer rcy habe so etwas fast geahnt." Nimm Dich in acht, Peppo. Du mußt jetzt besser wissen als irgend ein Anderer, was zu geschehen hat. Entweder allen Verwicklungen durch eine rasche That vorbeugen oder verschwinden und eine bessere Zeit abwarten." Peppo sah einen Augenblick nachdentlich in sein Weinglas. Tann trank er es hastig aus und fragte: Ist De Luca schon zu Hause ?" Noch nicht. Er ist noch in der Vicaria." Komm. Er muß doch nach Hause?" Wenn er nicht anderswo schläft, zllerdings." Peppo war aufgestanden und zog seine Hose höher durch den Gurt; da'ot faßte er unauffällig nach seinem Revolver, der in einer Lederschlinge am. Ömt hing, daß er locker und leicht herauszuziehen war. Welche Zeit ist es jetzt?" fragte er. sich flüchtig nach einer Uhr im Lokal umsehend. Es war aber keine da. Es ist noch nicht ganz Acht," antwortete Don Rocco. Komm. Pflegt er öfter so lange in der Vicaria zu bleiben?" Niemals, so lange ich mich besinnen kann." Peppo warf einige Kupfersoldi für den Wein auf den Tisch und verließ mit Don Rocco die Kneipe. Sie sagten zunächst Beide nichts und hörten auf den Lärm und das Getöse, das noch immer aus der alten Stadt herüberlang. Wenn auch der Stadttheil, in dem sie sich gerade befanden, momentan ruhig lag, so hörte man doch deutlich, daß nach dem Hafen und dem Stadthause zu noch gekämpft wurde. Es fielen immer noch Schüsse, wenn auch vereinzelt. So willst Du es jetzt wagen?" fragte Don Rocco endlich. .Was ist da zu wagen? Ein sicherer Schuß, und alles ist vorbei." Wo?" Komm nur. Du wirst es gleich sehen. Ich habe mir die Oertlichkeit natürlich schon genau angesehen. Es geb ganz gut." Wenige Minuten später standen sie in der Via Villarosa gegenüber dem Hause, in dem sich die Wohnung des Staatsanwalts De Luca befand. Die Via Villarosa war eine der neueren im Norden der Stadt angebauten Straßen, die noch nicht vollständig ausgebaut war. Es standen nur wenige Häuser fertig und bewohnbar, einige davon aber noch theilweise leer. Die meisten Plätze waren unbebaut oder noch Gärten. Das Haus, in dem Herr De Luca wohnte, war ein Eckhaus an der Rückseite der Kirche San Pietro e Paolo. Gegenüber und auch seitwärts befanden sich Privatgärten, die allerdings mit Gittern versehen, aber Tag und Nacht offen standen und vom Publikum durchquert wurden, wenn man den Weg abkürzen wollte, Dort hinter der Agave ist mein Platz," fuhr Peppo leise fort, indem sie an dem Gitter, das mit der Strafe parallel lief, unauffällig hingingen. Dort sieht mich von keiner Seite ein Mensch, und ich kann doch rasch durch den Garten nach der Via Cavour durchkommen, wenn alles vorüber ist. Uebrigens will ich Niemand rathen, mich zu verfolgen. Hier an dem Gitter muß er vorbei, wenn er von der Vicaria kommt und in seine Wohnuna will. Er kommt mir also auf vier bis fünf Schritt nah." Lieber keinen, als einen Schuß, der nicht sicher ist, Peppo!" warnte Ton Rocco leise. Laß mich nur machen. Du bleibst in der Via Bentivegna und gibst das Signal, wenn er kommt." Und dann? Ich möchte Dir nicht rathen, heute Nacht in Deiner Wohnung zu bleiben, ebenso wenig als ich mich in der meinigen sicher fühlen würde." Kennst Du die Zisa?" Am Corso Calatasimi hinaus?" Ja. Dort treffen wir uns, wenn alles vorüber ist. Unsere Billette nach

Neapel wirf nur weg. Diese nützen

uns jetzt nichts mehr. Ich denke, wir werden außerhalb Palermos die Eisenbahn nach Messina erreichen können. Sind wir erst, dort, werden wir wohl auch nach Kalabrien hinüberkommen." Still. Genug. Also an der Zisa." flüsterte Don Rocco leise und ging, da er Schritte in der Ferne hörte, von Peppo weg um die Ecke in die Via Bentivegna hinein, woher die Beiden ihr Opfer erwarteten. Es waren zwei Polizisten, die auf ihrer Runde die Stelle passirten, wo Vevvo eben noch gestanden hatte. Tttki lag er hinter bei mntx im Garten auf der Erde, von einer riesigen, über Manneshöhe emporragenden Agave verborgen, durch deren zackige Blätter er heraus auf die Straße sehen konnte. Kaum drei Schritte von ihm entfernt gingen die Beiden ahnungslos vorüber, ihr Schritt verhallte in der Ferne, und es wurde wieder still. Peppo lag in seinem Versteck und suchte sich die Situation so bequem wie möglich zu machen, indem er leise etwas dürres Laub zusammenraffte und sich dann, den Kopf in die Hand gestützt, lauernd darauf niederließ. Er war nicht im Mindesten aufgeregt, und ein Jäger, der auf einen Hasen lauert, konnte nicht kaltblütiger sein als er. der vielleicht schon im nächsten Moment einem Menschen das Leben rauden wollt:, der ibm nie etwas zu Leide gethan, den er nicht einmal baßte. Es war eben eine Geschäftssache. Peppo würde nach dieser That etwa zweitausend Lire oder etwas darüber besitzen. Das war mehr, als er jemals besessen, und würde wohl über eine gute Zeit hinweg reichen. Das Weitere würde sich dann schon finden. Niemals hatte er sich weniger mit seiner Zukunft beschäftigt als jetzt, niemals war er sorgloser, zuversichtlicher gewesen als in der Zeit, wo er hinter der Agave lag und auf De Luca wartete, um ihn zu tödten. Und doch hätte er viel Zeit dazu gehabt, daran zu denken, was er that und was aus ihm wurde, selbst wenn alles glücklich für ihn, das heißt unglücklich ablief. Jede Viertelstunde hörte er die Glocke der Kirche San Pietro e Paolo die Zeit anschlagen. Es wurde neun, zehn, elf Uhr, und noch immer ließ Don Rocco das Signal nicht hören. Sollte der Staatsanwalt wirklich nicht kommen, und er vergebens warten? Das wäre ihm das Allerärgerlichste gewesen, denn so viel war klar, daß was heute nicht geschah, noch viel weniger später geschehen konnte. Schließlich mußte Peppo den Auftrag der Paranza unausgeführt lassen und verlor in diesem Falle sein" Geld. Nun erst wurde er ungeduldig und nervös. Es schlug Mitternacht, ein viertel, dann halb Eins sollte er die ganze Nacht hier auf der Lauer liegen? Vergebens? Und was dann? Er war in eine böse Falle gerathen. Daß Assunta alles verrathen hatte, was er ihr in der Dummheit erzählt, war ihm klar. Er war in keinem Falle auch nur eine Stunde in Palermo sicher. Und wenn er fort mußte, ohne daß etwas Entscheidendes geschehen, so war seine Rolle ausgespielt. Kein Mensch würde ihm jemals wieder einen Soldo geben, weil er einmal ein Tölpel war. Plötzlich hörte er einen kurzen schrillen Pfiff. Das war das verabredete Signal. Rasch richtete Peppo sich halb auf und legte seinen Revolver schußgerccht zwischen zwei Blätter der Agave. Nun zitterte er doch. Trotz seiner bisherigen Kaltblütigkeit und Ruhe stockte ihm jetzt plötzlich das Blut. Er hielt den Athem an, um zu lauschen. Dann schlug ihm das Herz wieder, daß er es bis in den Hals hinauf fühlte. Er hörte Stimmen und Tritte, und fast in demselben Augenblicke bogen drei Männer um die Ecke. Einer davon war De Luca. Er erkannte ihn sofort an dem kurzverschnittenen und nach dem Kinn zu spitz auslaufenden Vollbart. Im nächsten Augenblick mußte er vor ihm vorüber. Nein, nein," hörte er Jemand sagen, sie werden sich wohl hüten. Es war ein Pfiff wie irgend ein anderer." Nun, Vorsicht ist immer gut. Sie sind ja nun zu Hause." .,Ja. Es thut mir nur leid, daß Sie sich um mich " In demselben Augenblick fiel ein Schuß aus dem Garten heraus, an dc'ni sie eben vorübergingen. Gehen Sie in's Haus," rief Jemand hastig, fort! Sind Sie vermundet?" Ich glaube nicht. Aber Sie bluten an der Hand." erwiderte De Luca. Es ist nichts. Nur fort. Ueberlassen Sie uns das Weitere." Rasch, rasch. Dort läuft der Bube." Einer der Begleiter De Lucas hatte bereits den Revolver in der Hand und feuerte zweimal hinter dem Fliehenden her. der sich zwischen Zweigen und Bäumen hin und her bewegte und eilig nach der Via Cavour lief. Der ganze Vorgang dauerte kaum fünf Sekunden. Peppo war, quer durch den Garten laufend, schon in der Via Cavour, als sich die beiden Verfolger hinter ihm noch an dem Gitter orientirten und einen Eingang in den Garten suchten. Zwei Minuten später tauchte er in die kleinen Vicoli jenseits der Via Cavour ein und hielt sich in dem finsteren und engen Wirrwarr von Gassen und Gäßchen vorläufig geborgen. Er blieb einen Augenblick lauschend stehen und holte tief Athem. Dabei fühlte er plötzlich ein heftiges Stechen

tn der iea,wrt emulier. War er ge

troffen? Rasch fuhr er mit der Hand nach der Stelle da fühlte er eine klebrige, warme Feuchtigkeit unter dem Hemd. Blut! Das Stechen wurde immer schlimmer. Er konnte kaum Athem holen vor Schmerzen. Wenn er nur Zeit gehabt hätte, seine Wunde einmal genauer zu untersuchen und zu verbinden. Aber kaum stand er still, so war es ihm immer, als höre er hinter sich die eiligen Schritte und die Zurufe seiner Verfolger. Er mutzte wieder weiter. Oder sollte er stehen bleiben und den Kampf aufnehmen? Er hatte noch fünf Kugeln im Revolver. Aber was dann? Und die Anderen schössen auch. Es würde nur Lärm werden, und er zog immer mehr Verfolger auf sich. Nein, nur fort, so rasch und so heimlich wie möglich die Menschenjagd begann. (beme üxjunbe tonnte mcht Ichlrmm sein, wenn sie auch heftig schmerzte. Vielleicht ein Prellschuh, eine abgesprungene Kugel er wunderte sich, daß er die Wunde erst gefühlt, als er schon mehrere hundert Meter weit damit gelaufen war. Seine Aufregung mußte doch gerade im entscheidenden Moment eine wahnsinnige .gewesen sein. Im Lauf preßte er das Taschentuch fest auf die Stell?, knüpfte das Hemd auf und riß den Schlips ab. Aber er verlor doch viel Blut, das ihm Hals und Hände und Kleider besudelte. ' Es war gut, daß er sich jetzt nicht selber sehen konnte. Ein entsprungener Zuchthäusler oder ein hulbtodter Brigant in den Bergen, dem die Meute auf den Fersen war, konnte nicht erbärmlicher und elender aussehen. Was - war aus Peppo. der immer so gern und so viel wie möglich als Gentleman erschien, in den wemgen Minuten geworden? Athemlos, keuchend, verwundet und blutig, jeden Schritt mit stechenden Schmerzen erkaufend, schmutzig und zerrissen in der Kleidung, geschüttelt von Angst und beginnendeni Wundfieber so lief er wie ein gehetztes Wild durch die nächtlichen Gassen Palermos, unaufhaltsam und so eilig er konnte auf seinem Marsch nach dem Grabe. Eilte es denn nun plötzlich gar so sehr? Und warum? Er wußte es nicht. Es war so gekommen, es war so bestimmt worden." Sein hübsches Spazierstöckchen hatte er hinter der Agave liegen lassen; nur ein Trost blieb ihm das Urtheil der Paranza prima war vollstreckt, De Luca todt. Er selbst hatle ihn wanken und fallen sehen. Die Jagd ging weiter. Immer im Zickzack durch die kleinen Gäßchen lausend, suchte er den Südosten der Stadt und von da aus die Zisa zu gewinnen. Nur einmal, als er die Via Macqueda kreuzen mußte, tauchte er aus dem Halbdunkel der Gäßchen hervor in das helle Gaslicht der großen Straße. Es gelang. Es mochte etwa Eins oder gegen zwei Uhr Morgens sein. Die Straße war leer. Zwei Bettler, die in dem Thorbogen schliefen, wachten auf, als er vorüberlief, bekreuzigten sich fromm und schliefen weiter. Peppo, der das bemerkte, lachte spöttisch. Was hatten sich die Narren zu bekreuzigen, wenn er vorüberging? War er ein Ungeheuer? Ein Feind der Menschen oder der Teufel selbst? Aber er hatte keine Zeit, sich darüber aufzuregen. Er mußte dafür sorgen, daß seine Verfolger erst seine Spur verloren. So erreichte er endlich, durch's freie Feld laufend, die Zisa, ein altes Lustschloß aus der Normannenzeit, von dessen märchenhaften Gärten und Wasserwerken jetzt nur noch elende Trümmer und Schlupfwinkel für allerhand Ungeziefer übrig sind. Peppo wußte natürlich in Folge seiner früheren Thätigkeit als Fremdenführer in all' diesen Oertlichkeiten besser Bescheid als mancher Andere, und so fand er sich auch jetzt rasch zurecht. Auf einer alten Badeanlage, wo vielleicht früher vor mehr als tausend Jahren in weißen stillen Mondnächten glitzernde Wasser über die breiten Marmorplatten gerieselt, und die jugendlichen Frauen irgend eines siegreiche! Sarazenenscheichs in wallenden Badehüllen ihre zierlichen Tänze aufgeführt hier brach Peppo in einem Winkel entkräftet zusammen und suchte seine Wunde, so gut es ging, zu verbinden, immerfort ängstlich lauschend auf den Tritt seiner Verfolger. Die Sterne blinkten und blitzten ja auch jetzt noch vertraulich und freundlich hernieder, die wohligen, duftigen Lüfte des Südens wehten auch jetzt noch, aber an der Stelle der grünen Terrassen und raus chenden Gärten, der s pringenden Wass er und all der üppigen, sinnigen Lebensäußerungen einer echten Künstlerkultur, an Stelle des orientalischen Märchenglanzes aus Tausend und eine Nacht lag Schutt und Moder. Vorbei die Siegesgesänge der arabischen Troubadours, verklungen ihre glühenden Liebeslieder, das wollüstige Zittern der Bogengeige, erloschen die süßen Augen Zuleimas, Faimes. Dairas. aufgelöst in die trübselige Dissonanz einer verfallenen Kultur. Es war feucht in dem Schlupfwinkel. in dem sich Peppo verkrochen. Trotz der warmen Nacht schüttelte ihn der Frost, das Fieber meldete sich immer deutlicher an. Er war noch nicht mit dem Verband seiner Wunde zu Stande gekommen, als er plötzlich, von eiligen Tritten, die er hörte, verscheucht, wieder aufsprang und davonlief, um nicht in dem öden, rings geschlossenen Gemäuer überrascht zu werden. Als er durch das Mauerloch, durch das er eingetreten, wieder entschlüpfen wollte, sah er im Dunkel einen Mann in

alyemlosem Lauf über daö Feld her-'

ankommen. Don Rocco," rief er leise. Fort, fort," erwiderte dieser außer sich vor Angst und Schreck, sie sind mir auf den Hacken!" (Fortsetzung folgt.) Altcgnptischcr Fund. Cos Grab Tl,ntimes IT., seine Geschichte und sei interessanter Inhalt. In der Todtenstadt des alten Theben in Oberegypten ist unlängst das Grab Thuthmes' IV., eines Königs der 1659 v. Chr. beginnenden 18. Dynastie, gefunden worden. Die Mumie dieses alten Königs befindet sich schon seit langer Zeit im Museum von Kairo, sie war im Grabe Amenhoteps II. gefunden worden, wo sie wahrscheinlich während der Herrschaft der 21. Dynastie von egyptischen Priestern verborgen war. Das Grab dieses Thuthmes aber war unbekannt geblieben, und seine Entdeckung verdankt man jetzt den Bemühungen des Amerikaners Th. M. Davies, der im Thale der Königsgräber während der letzten zwei Jahre den Schutt Zoll für Zoll wegräumen ließ und so den nackten Fels blcßlegte. Das Grab ist ebenso angelegt wie die anderen Königsgräber des Thales. Im größten Raume der Grabstätte befindet sich der mit Todtenbuchtexten bedeckte prächtige Granit-Sarkophag. An beiden Seiten dieser eigentlichen Grabkammer sind kleinere Räume; in einem dieser Gelasse war der Boden mit mumifizirten Rinds- und Hammelkeulen und ausgenommenen Enten und Gänsen bedeckt. Es waren dies Spciseopfer. die dem todten Könige vor etwa 3000 Jahren dargebracht worden sind. In einem Vorraume befindet sich eine hieratische Inschrift, die besagt, daß der König Horemheb das Grab wieder in Stand setzen ließ, nachdem es von Räubern geplündert worden war. Vermuthlich haben die Räuber die werthvollen Schmucksachen aus dem königlichen Sarge entwendet. Viele muthwillig zerbrochene Vasen, Scbüsseln und Fayencen, die zum Theil schon zur Zeit des Horemheb emmal ausgebessert wurden, bedecken den Boden der Grabkammern. Das werthvollste Fundstück ist der obere Theil des Wagens, auf dem der König durch Theben zu fahren pflegte. Ein neues Urthier. Im nördlichen Egypten sind während der letzten Jahre ungewöhnlich bedeutende Funde von großen ausgestorbenen Säugethieren gemacht worden, unter denen das zuletzt entdeckte für die Paläontologie einen besonders wichtigen Zuwachs bildet. Es hat nach der egyptischen Königin Arsinoe, der Tochter des Königs Ptolemäus I. und späteren Gattin ihres Bruders Ptolemäus II., den Namen Arsinoitherium erhalten. Wahrscheinlich ist dies längst ausgestorbcne Thier als ein uralter Vorfahr der heutigen Nashörner zu betrachten, muß sich aber in seiner äußeren Gestalt doch wesentlich von den heutigen Dickhäutern dieser Familie unterschieden haben. Auf der vorderen Hälfte des Stirnbeins erhebt sich bei den aufgefundenen Schädeln ein ungeheurer Knochenauswuchs, der sich nach oben gabelt und leicht abflacht. Diese Knochenhörner erreichten eine Höhe von 27 Zoll, während der ganze Schädel eine Länge von 30 Zoll besaß. Um diese mächtige Last zu tragen, war der Schädel noch mit einem besonderen Knochen ausgestattet, der an der Basis des Horns ansetzte und sich mit den Kiefern vereinigte. Das Thier besaß mindestens die Größe unserer stärksten Nashörner, und der Beckengürtel hatte einen Durchmesser von 58 Zoll in der Quere. Es ist seit längerer Zeit bekannt, daß viele von den Thieren, die heute schon auf das tropische Afrika zurückgedrängt sind wie die Elephanten, Nashörner. Giroffen. Antilopen und andere in früheren Zeiten der Erdgeschichte auch im südlichen Europa und noch weiter nach Norden hinauf gehaust haben. Die neuesten Ausgrabungen in Egypten aber haben bewiesen, daß Afrika außerdem noch eine Anzahl ganz eigenartiger Säugethiere aufzuweisen gehabt hat, die in Europa, so viel wir bisher wissen, niemals gelebt haben. Der Geruch der Europäer. Ueber dieses Thema verbreitet sich ein Japaner, Dr. Buntaro Adachi, in einer deutschländischen Zeitschrift wie folgt: Ter Europäergeruch ist in Japan allgemein bekannt. Für die Japaner ist der Geruch der Europäer sehr auffallend. Er ist stechend und ranzig, nach Individuen aber verschieden, bald süßlich, bald bitter. Oft ist der Geruch so stark, daß er das ganze Zimmer erfüllt. Der Geruch steht in engem Zusar.imenhang mit dem Alter. Kinder und Greise riechen nicht oder weniger als Leute im kräftigen Alter. Die meisten Japaner, die längere Zeit in Europa bleiben, finden den Geruch der Europäer anfangs sehr widerlich, nach Monaten aber nicht mehr. Der Geruch soll durch Waschen niemals ganz zu entfernen sein. Phosphatlager, die an Qualität dem Phosphat von Florida und Christmas Island weit überlegen sein sollen, sind unlängst auf Ocean Island, nordwestlich von den Salo-mons-Jnseln im Pacific-Meere, entdeckt worden.

Feuer Signale.

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Washington Str 51 91. 10 Spritzenhaus JUinoii u Merrill 52 JllinoiS u Louisiana 53 Welt und Soulh 54 West und McCarth 60 Senate Ave. u Henry 67 Meridian und Rot, 68 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u MorviS 69 Madiion Av. u Dunlop 1 No 2 Haken LeiterhauS Eouth nahe Telawar 2 Penn, u Rernll 53 Delaware u. McEartY 4 aft und MMMtz 5 New Jersey u. Merrill 67 Birg. Av. u Bradsha 68 East und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus ir Ave. nahe Huron 72 Saft und Georgia 73 da und Slm 74 Davidson u Georgia 75 önglish Av. u Pine 7 Sbelby und Bäte 78 No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Sbelby n Fletcber Av. u Shelby ?i Market u. New Jersey ZHUvare und Wash. 83 Ecm u Wasbington 84 New Zloc k u. Davids 85 Taubimmmen Anstalt 8 Ber. Staaten Arsenal 87 Qriental und Wash. 89 Frauen-Resormat. 91 No. 13 Spritzenhaus Marvland nahe Mer. 92 Meridian u. öcrna. 33 Meridian und South 94 Pennsylv u. Louisiana 95 Birftini Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Avr und Ohin .23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 1. 125 Central Ave und 15. 126 HandeS und 15. 127 Brooksid und Jupiter 128 Central Av und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellesontaine und fc. 134 College Ave und 26. 135 Telaware und 13. 136 Alabama und North 137 Rewmann nd 19. 138 College Av und 14. 13 Cornell Ave und 13. 141 Aandes und 10. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey and 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus HiUfid Ave und 16. 148 College Ave und 22. 149 College Av und 27. 152 Park Ave und 22. 15? L C u. SB ahn u. 22. 154 Ramsey Av und 10. 156 Stoughton u Newman 157 Atlas und Ptke. 158 Bloyd und Pawvaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Bribhtwood 12 Ar den und Depot 163 Brightwood und ib. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. eyston 167 Arsenal Av und 23. 168 Bellesontaine und 8. 169 Part ve nxfe 1 212 Capital Av und 17. 21 Pennsylv. . Vichig 214 Jllimns und M. 215 Senate Ave und 21. 216 Pennsylvania und 22. 217 Meridian und 1. 218 Capital Av und 2. 219 Broadway und 1. 231 JllinoiS und MrSe 234 No. 14 Sptzenyaus Kenwood und 30. 235 Illinois und 35. 2-3 nnetta und 30. 237 No. 9. Spritzend! Udell und Rtuer 238 Udett Ladder BotA 239 Jsabel und 27. 241 Meridian und 24. 242 JllinoiS u St.a' 243 Eldridae und 23. 312 West uud alnut 13 West und 11. 314 Howard und 1s. 315 Torbet und Paca 316 Capital Ave und 1, 317 Rorthweitern Av 318 ent und 18. 819 Canal und 10. 824 Cerealine orks 324 Bermont und Lyn 325 Bismarck u randvuA 26 No. 29 Spritzenhaus Hauabmlle. 27 Michigan u. Holmes, 28 Michigan u. Concortz 341 eft und McJntyr? 412 Riffouri u. Mary land 413 Missouri und rfi 415 Capital Av .. eoraic, 416 Missoun u entucky 417 Enat Av m, Wasy. 421 P und E irnu 23. Washington. 42 Jrrm-Hospital. 424 M',.cv Avu.J Du2 425 Waib. und Harris U6 Ro. 18 Spnyenha! fi. Washington 427 Cüvcr und Birch 428 Oliver und OSaood 429 Rordv'e und Hort 431 Hadlcy Ave u. Morris 452 River Ave u. MorriS 4 A River v und Ratz 435 Harding u. Big 4 R S 436 Harding und Oliva 437 No. 19 Spritze cha Morris und Hardina. 438 Hatt mfcflttlMf 459 tockyards 451 Reisn, und man 452 Howard und See 453 Rorni und ftapwS 456 Lambert und BelMl 457 Nordvke Ave u. War tnon Works 612 West uud Ray 613 Kcntuckv Ave u. Merrkb 614 Mendmn und Morrs 10 JllinoiS und ans 617 Morris und Datota 618 Morris und Church 619 Capual A. u McCarty 621 Meridian und Palmer 623 Pin un'. Lord 624 Madisor Av u Sincoln 26 Meridian und Blt RR 627 CarloS und Ray 62b Meridian uud Anzv 629 Meridi! , Raymond 631 Meridian u. McCarty 632 No. 17 Spritzenhaus Morris nahe West 612 McKernan und Dough. 61 East u. Lincoln Lu 14 East und Beecher 615 Wrigbt und Sander 17 McCarty und Beaty 18 New Jersey u Bvc SU 712 Spruc und Prospect 713 Engllsh Ar, u. Laj 714 Stadk Av.u.BltK 715 Ebclby und Beyer 71 State Ave und Orang, 718 Orange und Launl 7 Shelby u. Ci,. Ave 721 Lerington A. u Sauxi 723 Flacher Ave. Gpnic 724 State Av u. Pleasan. 720 Prospekt und leasa. 72 Orange und Hmlap 728 Liberty und Meek 729 Nollc und South 81 No. 15 Spritzenhaus Ost Wsslnnaton Str 81 Market und Noble 814 Ohio u. Highland 2o 816 Rickiflan u. Highlanl 816 Market , Arsenal Av, 817 Oft S'. Clair und Union Bahn Geleis. 821 Pan Handle Shops 82 Bermont und Waltt 824 Wash. und Statt Atz. 82 adven'skoungk Zab 826 Tuck und Dorsey 827 Wash. und evlll Im 829 Ro. 1 Spritzenhaus Bevillk nah ichiaau 8Zl Southeastern A n Woodside. 832 Wash. und DcattaV 834 Coutbeastern und Arsenal Aves. 83 New Dort und Tmpu 12 JllinoiS und Maryl, i Illinois und Market 14 Penn, und Wsstz. 915 Delaware nnd a Spezial-Siznale. killen 2 Schlag, ztveiter Alarm, Zweit 2 Schlage, dritter Alarm, Dritten 2 Schlag, vierter Alarm. l-2-l, Feuer auS und Schlauch ausgerollt. 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