Indiana Tribüne, Volume 26, Number 191, Indianapolis, Marion County, 4 April 1903 — Page 7
Jndiana Tribüne, . April 1903
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irod oder Tod! O o 8 o o 8 o Sizilianischer Roman o 8 von g W o l Ä e m s r Krban. g 8oo oOOo oOOo oOOo oOOo oOOo ooS (Fortsetzung) 2öaron Gualtieri hatte sich m seinem Zimmer eingeschlossen. Er putzte ge--rade einen Revolver und ölte ihn sorgsältig ein, als ihm von einem Diener gemeldet wurde, daß Direktor Pozzolano ihn zu sprechen wünsche. Er zuckte verächtlich mit den Schultern und war offenbar im Begriff, ihn abzuweisen. Er hatte keine Zeit und war von anderen Sachen zu sehr in Anspruch genommen, als daß er sich noch auf Verhandlungen einlassen sollte, bei denen doch nichts herauskam. Dann aber sagte er doch: Führen Sie ihn her," und gleich darauf trat der Direktor bei ihm ein. Cavaliere Pozzolano brachte fein Anliegen vor, so dringlich er konnte. Er war kein großer Redner, aber er hatte durch die Wiederholungen derselben Worte und Redensarten, mit denen er die Noth der Arbeiter und ihre Lage schilderte, doch einige Uebung erlangt. Er betonte, daß die Arbeiter doch so lange Jahre hindurch durch ihre Arbeitskraft der Gießerei den nothwendigen Wind zugeführt und ihre Rentabilität ermöglicht hätten, und man es doch wenigstens noch einige Wochen mit ansehen solle. Wenn sich in dieser Zeit die Verhältnisse nicht bessern, so könne man ja noch immer machen, was man wolle. Aber jetzt die Arbeiter auf die Straße zu setzen, sei eine Gefahr nicht nur für die Werke, sondern für alle, für die ganze Stadt. Baron Gualtieri ließ ihn ruhig ausreden. Nur ccü Zeit zu Zeit sah er etwas demonstrativ nach der Uhr, als ob sich der Direktor kurz fassen müsse. Und wenn Pozzolano mit Engelzungen geredet hätte, er hätte nichts erreicht. Gualtieri hatte schon am Tage vorher die telegraphische Nachricht von Neapel erhalten, daß drei Schiffe mit Soldoten von dort nach Palermo unterwegs waren. Andere Truppen näherten sich auf der Eisenbahn Äessina. Es war also nichts zu fürchten. Die Sachlage war nach Gualtieris Meinung höchst einfach: Wer nicht Ruhe hielt, wurde todtgeschossen. Ich werde thun, was ich kann, Herr Direktor," erwiderte er endlich nachlassig, als ob er den unbequemen Besucher auf gute Art so rasch wie möglich wieder los sein wolle. Verlassen Sie sich darauf. Ich thue, was ich kann, und werde mit den Herren reden." Das hatte Pozzolano schon zweimal gehört. Aber er traute diesen Redensarten nicht. Herr Baron " begann er nochmal im bittenden Ton. Was wollen Sie, Herr Direktor?" unterbrach ihn Gualtieri vornehm und von oben herab. Sie sprechen immer nur von der Noth der Arbeiter, aber von unserer eigenen schwierigen Lage nie. Sie wissen doch auch, was wir für Opfer gebracht haben, wie wir lange, lange Jahre bemüht gewesen sind, den Arbeitern einen guten und reichlichen Verdienst zu schaffen, die Werke unserer Stadt zu erhalten, damit nicht Elend und Arbeitslosigkeit in noch größerem Umfange über sie hereinbricht. Unsere Opfer waren umsonst, und unsere Bemühungen scheiterten an der Ungunst der Verhältnisse. Nun müssen wir sehen, wenigstens etwas zu erhalten, damit nicht alles zusammenstürzt. Ihren Bestrebungen, den Beschluß rückgängig zu machen oder zu mildern, stehe ich sympathisch gegenüber und will gern thun, was ich kann in dieser Hinsicht. Aber glauben Sie nicht, daß unsere Opferfähigkeit ohne Grenzen wäre, und daß wir unser Geld zum Fenster hinauswerfen, um zügelloses, aufsässiges und stets bedrohliches Gesindel zu ernähren." Wenn es nach Baron Gualtieri gegangen wäre, so hätte man von den zur Zeit etwa zweitausend in der Gießerei beschäftigten Arbeitern nicht fünfhundert, sondern mindestens die Hälfte entlassen. Für seine Pläne konnte es gar nicht toll genug kommen, und das, was er vorhatte, paßte nur in einen großen Rahmen. Wenn sich die Leute tage- und wochenlang herumschlugen, wenn das Blut durch die Straßen von Palermo floß, und alle Bande der Zucht und Ordnung aufgelöst waren, dann verloren sich seine besonderen Zweck? unbeachtet im großen Ganzen, und er durfte um so rücksichtsloser vorgehen, um so sicherer seiner Erfolge sein. Was konnte ihm denn schließlich in den Unruhen geschehen? Die Felder konnte man ihm nicht wegtragen, und was darauf war, war Sache der Pächter. Das ging ihn nichts un,unb wenn in der Stadt die Werke zerstört wurden, so war dafür Stadt und Staat verantwortlich, und daß diese Verantwortung prompt erfüllt wurde, das lag im direktesten Interesse von Staat und Stadt. Natürlich sagte er davon dem Direktor Pozzolano nichts, sondern sandte ihn nach einiger Zeit mit schönen Redensarten wieder dahin, woher er gekommen war. Als er wieder allein war. sah er einen Augenblick durch das offene Fenster hinaus über den Garten nach dem Meere. Es war inzwischen vollständig
icier geworoen, oer Himmel war et-
was bedeckt, und ein warmer, feuchter Schirokkowind wehte von Südwesten über das Meer herüber, das vollständig dunkel wie ine schwarze Fläche dalag. Nur die Brandung klang rauschend und rollend vom Ufer her, als wenn ein unaebeures schlafendes Tbier die unuverseyvare Flache bedeckte. s Wetter war für sein Vorhaben wie gemacht. H$ konnte gar nicht besser und passender f ei.i. Aus einer Schieblade, die er aufschloß, nahm er einen ziemlich ögetragenei.. früher einmal schwarz gewesenen, jetzt aber grau gewordenen, weiten Gummimantel, wie ihn wohl die Polizisten oder die Trambahnkutschcr bei schlechte-.- Wetter tragen, und warf ihn über die dunk'e Wolljoppe, die er trug, dann setzte er einen schäbigen spitzen Filzhut, ebenfalls von dunkler Farbe, auf und band um seine Füße grauledcrne. bis zum Knie reichende Gamaschen. Eine schwarzseidene Geuchtsmaske, die er ebenfalls aus der Schieblade nahm und die, rnrt langen dunklen Fransen versehen, das ganze Gesicht und den Hals verdeckte, steckte er zum 'teren Gebrauch in die Tasche. Nachdem er sich in dies er Weise unkenntlich gemacht, lauschte er an der Thür eine Weile hinaus aus den Korridor, unb als er glaubte, unbemerkt fortgehen zu können, verließ er, vom Koiridor des ersten Stocken die Dienertreppe hinuntergehend, das Haus. Ein leiser, feiner Regen begann eben zu fallen. alsBaronGualtieri die Villa Bu-onanima verließ. Auf der Straße angekommen, wandte er sich rechts, also nach der etttgegengesetzten Seite von der Stadt, und verfolgte die Straße etwa zwanzig Minuten in rascher Gangart. Er näherte sich auf diese Weise den ziemlich steilen Abhängen des Monte Pellegrino, und je weiter er kam, desto steiler und beschwerlicher wurde der Weg. Von Zeit zu Zeit blieb er lauschend stehen, als erwarte er in der schweigenden finsteren Campagna irgend einen Laut oder vielleicht einen Weggenossen zu hören es blieb aber alles still. Dann ging er auf dem Vfade weiter, der ihn schließlich nach der berühmten Grotte der heiligen Rosalia, der Schutzheiligen von Palermo, bringen mußte. An einer bestimmten Stelle, die durch nichts Besonderes kenntlich war. wenn man nicht den dunklen Schatten einer fast senkrechten Felswand als besonderes Kennzeichen ansehen wollte, verließ Gualtieri auch diesen Weg und kletterte in einer Keinen Hohlkehle auf allen Vieren die nur wenig Meter hohe Felswand hinauf. Das konnte nicht ohne Geräusch gefchehen. Kleine Steine und Felsgeröll, das ihm unter den Füßen wegrutschte, verursachte ein geringes, in der Stille der Nacht aber doch deutlich waür?:ebmbares Geräusch. Auch schien es, als oo )q ooen aus oer elswano etwas bewege, aber etwas Genaueres war in der Finsterniß nicht zu sehen. Kaum aber stand Gualtieri oben, als ihn plötzlich Jemand anrief: .Halt!" Gualtieri blieb stehen. Er sah Niemand. T'? Felswand war mit Gebüsch und niederem Gehölz bestanden, in dem sich bequem Dutzende von Leuten hätten- verstecken können, wenn sie dazu Lust gehabt oder es für zweckmäßig gefunden hätten. Paßwort!" klang es wieder kurz und gebieterisch aus dem Dunkel heraus. Paranza prima," antwortete Gualtieri und nahm aus der Tasche seine Maske, um damit sein Gesicht zu verhüllen. Zwei lange dunkle Schatten traten in unmittelbarer Nähe des Barons aus dem Cebüsch. Sie hatten ebenfalls die Gesichter verhüllt. Man sah an ihnen nichts Weißes oder Farbiges, und wenn sie still standen, konnte man sie für Baumstümpfe ansehen. Ter eine von ihnen machte eine Bewegung, als wenn er ein Gewehr auf die Schulter werfe. Dadurch erst bemerkte sie Gualtieri. Guten Abend, Bruder," sagte ein? tieft Baßstimme, Du kommst spät. Beeile Dich." Ist die Paranza denn schon beisammen?" fragte Gualtieri. Fast vollzählig." Ter Baron trat absichtlich etwas näher an die beiden Gestalten heran, es war ihm aber nicht möglich, sie zu erkennen. Nur so viel sah er, daß sie beide bewaffnet waren. Auch die Stimme war ihm fremd. Da er nicht fragen und auch nicht auffällig sein wollte, so grüßte er leicht und eigenlhümlich vertraulich und kameradschaftlich und ging weiter. Nach wenigen Schritten verbreiierte sich der Felsvorsprung, auf dem er hinging, zu einem Plateau, auf dem beim Näherkommen die dunklen Ur. risse eines Hauses sichtbar wurden. Licht war nirgends zu sehen, nur als er ganz dicht an das Haus herantrat, fiel am Boden ein heller schmaler Lichtstreifen unter der Thür durch, die vermuthlich schlecht schloß, wie alle Thüren in Sizilien. Unter einem kleinen Vorbau mit einer sehr massiven gewölbten Ueberdachung befand sich eine Art Veranda, zu der zwei Steinstufen emporführten. Hier wurde Baron Gualtieri wieder angerufen und mußte nochmals das Paßwort sagen, aber an der Stimme erkannte er diesmal seinen Freund Peppo, obgleich auch dieser vermummt war. Ist alles bereit. Peppo?" fragte Gualtieri leise. O, Herr Baron," antwortete dieser, der ihn natürlich auch sofort erkannte. 1 .bitte nur einzutreten. Es ist alles"
rni, Kameel!" nes ihm Gualtieri
zu. Hier gibt's keine Barone oder sonst was. Hier gibt's nur Brüder der großen Familie." Gleichwohl öffnete ihm Peppo dienstbeflissen die Thür, und Baron Gualtieri trat ein, zunächst in einen ziemlich geräumigen, aber nur schwach erleuchteten Vorraum, den er durchschritt, um dann erst in den eigentlichen Haupt- und Mittelraum des Hauses zu treten. Das Ganze machte mit seiner hohen, weißgetünchten Wölbung, die sich über Vorraum und Mittelraum erhob, den Eindruck einer Kapelle. Äcan sah jetzt auch in der vollen Beleuchtung, die zwei auf einer langen schwarz verhangenen Tafel siehende Kerzen gaben, daß die beiden Räume ursprünglich einer gewesen waren und erst später durch eine dunkle Bretterschranke in zwei getheilt worden waren. Auf der Tafel sah es ziemlich gemüthlich aus. Gläser und Flaschen standen herum, Teller und Geschirr mit allerhand Speiseresten, als ob man hier getafelt hätte. An Wein fehlte es nicht. Am oberen Ende der Tafel stand eine mächtige Glasflasche mit dunkelrothem Sizilianerwein, die minbestens ihre zwanzig Liter enthielt, eine andere, gleichgroße Flasche stand noch in Reserve in einer Nische neben einem altarartigen Steinaufsatz, auf dem aber jetzt als einzige Ausstattung ein Kruzifix mit metallenem Fun stand. Um so bedenklicher und verdächtiger war die Gesellschaft, die in zwanglosen Gruppen, aber still um den Tisch herumsaß. Es waren etwa achtzehn oder zwanzig, offenbar unter sich total verschiedene Leute, sowohl was Alter. Stand und Intelligenz anlangte. Bis auf zwei, denen es wohl nicht darauf ankam, ob sic unter ihren Brüdern" erkannt wurden oder nicht, waren alle maskirt, aber nur wenige mit wirklichcn Gesichtsmasken. Die meisten hatten eine gewöhnliche Fischermütze über die Ohren und das ganze Gesicht bis zum Halse heruntergezogen, und wo die Augen waren, zwei Löcher hineingeschnitten. Auch weiße und blaue Kapuzen waren vorhanden, wie sie in Sizilien und Unteritalien die Bruderschaften bei Begräbnissen tragen. Diese Kapuzen fielen über Kopf und Schultern herab, liefen nach oben spitz aus und hatten auch Augenlöcher. Das machte einen unheimlichen, gespenstischen Eindruck. Daß unter der kurzen Jacke, die viele trugen, der blitzende Lauf eines Revolvers erschien, den man nach sizilianischer Gepflogenheit am Gurt befestigt, trug auch nicht gerade dazu bei, eine gemüthliche Stimmung zu erzeugen. Aber es war dabei keine übertriebene oder gesuchte Geheimnißkrämcrei oder absichtliche Förmlichkeit und Feierlichkeit. Es sah alles aus, als ob man es mit vernünftigen, praktischen Leuten zu thun habe, die sehr wohl wissen, was sie wollen, und nur durch den Druck der Verhältnisse zu ungewöhnlichen Maßregeln und Äußerlichkeiten gezwungen, aber alle entschlossen bis zum Aeußersten sind. Es war wohl keiner unter den Männern, der nicht bewaffnet war und unter Umständen sein Leben durch den Tod des Gegners vertheidigt hätte. Nichts war den Leuten ferner als leeres, komödienhaftes Wesen. Es hatte alles Zweck und Sinn. Auch der Ort, an dem sie sich versammelten, hatte durchaus nichts Abenteuerliches oder Ungewöhnliches an sich. Es war eine alte Kapelle, die ursprünglich den Kapuzinern von Monreale gehörte, aber wegen zu großer Abgelegenheit vom Kloster verlassen worden war. Man hatte mitfortgenommen, was des Fortnehmens werth war. Dann waren Andere gekommen und hatten doch noch etwas gefunden, daö sie brauchen konnten. Nur an dem Kruzifix hatte sich Niemand vergriffen. Die Diebe waren also fromme L?ute gewesen. So war die Kapelle, geplündert, verlassen und verfallen, schließlich geworden, was sie heute war, ein Wetterschutz oder eine Herberge nächtlicher Gäste. Der eine der zwei Nichtmaskirten, ein vierschrötiger, derber Mann mit einem wahren Vüffelkopf, der tief in den Schultern saß und gar keinen Hals sehen ließ, schien eine Art Wirth oder Hausvater oder Aufwärter zu sein. Er lief hin und her, schenkte Wein ein, räumte das Geschirr beiseite und sprach von Zeit zu Zeit leise mit einem der Maskirten, der am oberen Ende der Tafel saß und vielleicht der Präsident der Paranza war. (Paranza ist ein Dialektwort und hängt wohl mit dem italienischen Parcute, Parenzia Verwandter, Verwandtschaft zusammen. Es bedeutet eine Genossenschaft, eine Vereinigung von Leuten, die untereinander einig sind.) Nach einer Weile stand dieser auf und sagte: Wir sind vollzählig. Schließt die Thür. Ruhe. Nehmt Eure Plätze ein." Das leise Geflüster, das sich bis jetzt manchmal hören ließ, verstummte, die Leute setzten sich auf ihre Plätze, und der Vorsitzende fuhr fort: Meine lieben Brüder, der Stolz und das heiligste Recht eines jeden Sizilianers ist seine Selbständigkeit. Wir wollen nicht und dulden nicht, daß fremde Leute, die von unseren Einrichtungen, von unseren nationalen Eigenthümlichkeiten und Traditionen nichts wissen und uns nicht kennen, sich in unsere Angelegenheiten mischen. Es ist unsere Ehre und unser Recht, in unserem Lande, wo wir geboren sind und wohin wir gehören, auch zu schalten und zu walten, wie wir es für gut finden."
er Mann sprach rurz uno marng. ohne jede Uebertreibung und hohles Pathos. Man hörte, daß er von dem. was er sagte, überzeugt war. Auch wurde sein Vortrag beifällig aufgenommen. Die Zuhörer gaben ihm ihren Beifall durch Nicken mit dem Kopfe, durch kurze Zurufe oder Aufschlagen auf den Tisch zu erkennen. Ihr alle kennt die Veranlassung. die uns heute zusammenführt." sprach der Präsident weiter. Einer unserer Genossen, der mit Frau und Kindern deni Hungertode nahe war, sollte und mußte gerettet werden. Er war Sizilianer wie wir. Er hatte ein Recht, in seiner Heimath zu leben wie jeder Andere, und wir hatten die Pflicht, ihm zu helfen, denn er war und ist auch heute noch unser Bruder. Es wurde bestimmt, daß er eine Anstellung als Gärtner erbalten sollte, aber zur Durchführung dieser Bestimmung wareu einige kleine Zwangsmaßregeln nöthig, die zur Entfernung der Glocke aus der Kapelle der Madonna del Mare führten. Ihr alle wißt, daß lvir in unserem Recht waren. Es blieb uns nichts anderes übrig." Wieder wurden in üblicher Weise Beifallszeichen laut, und lcsonders Peppo. der neben dem Sprecher saß. war von dem Recht, zu handeln, wie es geschehen, so durchdrungen, daß er mehrere Male Bravo rief und sich mit gekreuzten Armen in seinem Stuhle zurücklehnte, als wollte er jeden herausfordern, der anderer Meinung war. Nun kommt der Zweck unserer Abstimmung," fuhr der Sprecher fort. Aus diesem Vorgang macht der Procuratore De Luca cine Untersuchung, welche jeden von uns in seiner Ehre, in seiner Existenz und seiner Freiheit bedroht. Mit einer unerhörten, erbitterten Feindseligkeit verfolgt uns dieser Mann wie gemeine Verbrecher, und wir müssen uns wehren, wenn wir nicht stimmt und sonders in die Gefängnisse wandern wollen. Ich frage Euch nun, was zu unserem Schutz und zur Wahrung unseres Rechts zu geschehen hat. Redet." Es trat zunächst eine Pause ein. Hie und da flüsterten die Genossen leise miteinander, aber Niemand schien direkt in die Verhandlung eingreifen zu wollen. Es machte den Eindruck, als ob man das von einer bestimmten Seite erwarte. Ich beantrage, daß der Mann stirbt," sagte endlich Baron Gualtieri ruhig und kalt. Es ist nothwendig, daß in Palermo wieder einmal ein Exempel statuirt wird, damit die Fremden, die immer massenhafter und unverschämter auftreten, merken, wer in Sizilien Herr ist. Meine lieben Brüder, der Kampf mit den Fremden wird uns nicht erspart, und wir werden ihn umso leichter und erfolgreicher führen, je energischer und entschlossener wir auftreten und je mehr wir uns in Respekt zu setzen wissen. Mit halben Vßttgjö kommen wir nicht durch, der Tod aber schreckt. Ein Todter hält uns Hunderte und Tausende Le bende vom Leib." Die Versammelten nannten sich nichi umsonst cine Paranza. Sie waren alle einig unter sich, und der Sprecher hatte immer recht. Auch jetzt klangen die Beifallsrufe wieder von allen Seiten, am lauteten aber von Peppo, der ziemlich aufgeregt die Meinung aussprach, daß es in diesem Falle schlechterdings kein anderes Mittel gab, der Paranza Ruhe und Sicherheit zu verschaffen, als der Tod des Staatsanwalts De Luca. Der Vorsitzende forderte nun nochmals auf, seine Meinung über den Fall auszusprechen, aber sie waren alle einer Meinung und zwar derjenigen des Barons Gualtieri. Es schien Niemand Lust zu haben, anderer Meinung zu sein, und so drängte man allgemein zur Abstimmung. Es war auch von keiner Vertheidigung des Beschuldigten die Rede. Es war gar nicht, als ob es sich um ein Menschenleben gehandelt hätte. Die Leute einigten sich mit Erbarmungslosigkeit über den Tod eines Mitmenschen, den viele von ihnen kaum dem Namen nach kannten. Der Präsident forderte diejenigen, die dem Antrag des Vorredners zustimmten, auf, sich zu erheben, und alle ohne Ausnahme, und Peppo zuerst standen auf. Der Staatsanwalt Tc Luca war gerichtet. Nun erst kam der Theil der VerHandlung, welcher d'.e Theilnehmer. jeden einzelnen, in besonderer Weise erregte und interessirte die Exekution. Ein Urtheil ist ja rasch gesprochen und mit wenig Schwierigkeiten verknüpft, anders mt Vollstreckung. Ein Mord bleibt ein Mord, und wenn es dem Betreffenden dabei auch nicht an den Kragen ging die Todesstrafe ist in Italien abgeschafft und er auch im Ueörigen sicher d,arauf rechnen konnte, von seinen Brüdern in jeder Weise unterstützt zu werden, so bleiben dabei immer noch cine Menge Badenklichkciten. De Luca war kein zu verachrender Gegner, und wenn bei dem Anschlag Zwischenfälle störten es kam bei solchen Szenen immer zu unvorhergesehenen Zwischenfällen wenn ein Schuß fehlging, oder ein Stoß nicht traf, wenn dem Angegriffenen Hilfe kam. so war der Angreifer verloren. Anderseits freilich konnte der mit der Exekution Betraute auch frei über bk Kasse der Paranza, die nicht unbeträchtlich war, verfügen, war nach vollbrachter That eines der angesehensten Mitglieder und konnte sich auch nach seinem Gutdünken unter den Brüdern Helfershelfer auswählen. Bevor ich nun die Loosziehung un-
ler oen Mttglleoern ver Paranza vornehme," fuhr der Vorsitzende wieder fort, frage ich zunächst, ob vielleicht einer der Anwesenden zu der Exekution durch besonders günstige Gelegenheit bevorzugt ist oder diese freiwillig übernehmen will." Sofort meldeten sich zwei. Ein dritter, ter wohl auch ohne jeden Anstand die Ausführung übernommen hätte, trat wieder zurück, als er sah, daß er so große Konkurrenz hatte. Von den zweien war der eine Peppo, der andere ein noch junger, dem äußeren Anschein nach höchst eleganter Herr. (Fortsetzung folgt.)
Schwerer südamcrikanischer Namcnsmißvrauch. Die (5 a l v o - L e h r ?' nennen spanisch-amerikanischeStaaten ih;e von un ström Präsidenten so nachdrücklich zurückgewiesene Behauptling. d.ch kein amerikanische'' 5taatcweseu. das ei nein auswärtigen Staate oder Bürgern desselben (Ii schulde, von dem auswärtigen Staat zur Bezahlung solcherSchulden gedrängt werden dür fc, sondern daß die Gläubiger sich le dialich und auoschließliÄ an die Ge richte des Schuldnerstaates halt, müßten. Indem süd- und mittelamerikanische Staaten diese elianptnng die li vo-Lehre" nennen, begehen sie ein großes Unrecht an einem der bedentendsten von FpmnschAmerika iie: vorgebrachten Männer, nämlich an Carlos Calvo, einem der ange sechensten Mitglieder des die erften Nechtogelelirten unserer Zeit umfas senden intern.'tienalcn Völkerrecht li chen nstiint, das schon so viel für Rechtsschutz und Humanität gethan hat. Vor beinabc achtzig Jahre $a Vnenos Aires geboren, eignete sich Carloo Calvo in der neuen und alte i Welt ein umfassendes rechts, und staatswissenschaftliches und allgemeines Wissen an- darauf leistete er seinem argontini sckion Vaterland große Dienste aU Com'ul in Südamerika und als Gesandter in Paris, London, Berlin. Wien und St. Petsdurg' er war auch hervorragende:' amtliches M'itglied der internationalen Postcongresse in Paris und Wien. Calvo ist der Verfasser zahlreicher in spanischer lind in französischer Sprache erschienener geschichtlicher und völkerrechtlicher Werke: erstere behandeln die Geschichte LateinischAmerika's, letztere befassen sich mit den verschiedensten völkerrechtl'che!: Gegenständen. Tie französischen Aufgaben dieser schritten sind größteit' theils in Paris erschienen, und sein? Handbücher über Völkerrecht und Ttvlomatie wurden in französischer Sprache auch in Berlin herausgege ben. Seit Jahren aber bat der alte Herr nichts mehr geschrieben. Vor einige:? Iahren wurde sein Tod gemeldet: die Nachricht bestätigte sich nicht: gehört bat mau seither von ihm beinahö nichts mehr. Dennoch wurden aus dem Zusammenhang gerissene Sätze in seinen Werken in jüngster Zeit van spanisch amerikanischen Stänkerern mit schnödem Mihbrcmch seines Na mens in die Calvo-Lebre" lange fälscht, mit der er nichts zu thun Hai und zu deren Pathen lind Trägern sich höchstens Geister wie Castro eignen würde:: Ter mit dem Namen Calvo's ge triebene schwere Mistbrauch in gerade den Vereinigten Staaten gegenüber doppelt frech. Den gerade auch in verschiedenen wichtigen Entscheidungen der höchsten amerikanischen Gerichk'lww wird Calvo als eine der größten völterrechtlichen Autoritäten arngefübrt ganz in Nebereinttimmung mit anderen Fachmännern der neuen und der alten Welt, die na mentlich sein tiefes vAkeerechtlickes. geschichtliches und liternrifche Wissen bewundern. Jede Familie besteht in den Ver. Staaten durchschnittlich aus 4.7 Personen. Farbige leben in Südamerika in größerer Zahl nur in Brasilien und Venezuela. Die Unsitte des Kasfeekauens greift in New Jork immer weiter um sich. Straßen-Unfälle gab es in London im letzten Jahre 7995. gegen 4806 im Jahre 1892. In submariuen Kabell e i t u n g e n sind etwa $300,000, 000 englisches Kapital investirt. Auf Anregung des Kaisers Wilhelm ist die Bestimmung ergangen. Gedenktafeln an Bord sammtsicher deutscher Kriegsschiffe anzubringen, die an einem kriegerischen Vorgchen theilgenommen und dabei Verluste erlitten baben. Häring oder Sardine Sind die von der französischen Nordküste verschwundenen Sardinen nach deutschen Gewässern gezogen? Dithmarscher Fischer haben an 'der holsteinischen Westküste neue Fischgründe entdeckt und bedeutende Fange schmackhafter HÜringe gemacht. Da diese auffällige Erscheinung kurz nach dem Lautwerden der Klagen in der Bretagne über das Verschwinden der Sardinen festgestellt wurde, vermuthet man, daß der bretonische Fisch nach den deutschen Nordsee - Gewässern gezogen ist.
Feuer - Signale.
Pennshlv und arket 6 English's Opern-Hau 6 East und N York 7 Noble und Micklgan S N. Jersey u. Mafi A 9 Pme und North 10 Mavket und Pme 11 Vermont nahe Saft 12 No.. 8 Spritzenhaus Mast. Ave nah Noble :Z Devaware und Wal,:ut 14 . Jersey u Eennal A. 15 Mass. und ornell Ave sh und II. Etraße 1 Park JU ur.fc 12 Et? .3 Columb, und Hillfld IS Highland v u. P,att kl Illinois und Tt. I 23 Pennsylv. und Pratt 24 Meridian und II. Str 25 No. S -vriyenhaus IS. nahe JllinoiS SS Senate Ave u. StC lair 27 Illinois und Michigan 2ö Pesylvania und 14. 29 Senats Ave, und 15. 31 S!o. I Spritzenbaus Jnd Ave naheRichigan 32 Meridian und Walnut 34 California u Vermont ZS Blake und New Jork 36 Jnd. Av. u. Clair 37 City Hospital 38 Blake und Nortd ZS Mchigan und Azne 41 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West 42 Gsendorf u Wash. 43 Mfiouri u Rew York 45 Meridian u Wash 46 Jllmois und Chio 47 Capitol Äv. u Wash 43 Kmgan'b Por'bauö 4S Straßenbahn Ställe W. Washington Str öl No. io Spritzenhaus Illinois u Merrill 52 Illinois u Louisiana 53 West und South 54 West und McCarty 5 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Rav 55 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Mor.-jj 59 Madiion Av. u Dunlop 01 No 2 Haken Leiterbaus South nahe Delawar 2 Penn, u Merrill 63 Delawar u. McEarty 4 Saft und NcEsr 65 New Jersey u. crriU 67 irg. Av. u Bradkha 68 Last und Prospekt 69 Bicking und High 71 340. ii Spritzenhaus Lir Ave. nahe Huron 72 East und Georgia 73 eda, und Eun 74 Davidson u Georgia 75 frnglish Av. u Pine 76 ChelSy und Bates 7? No. Z Spritzenhaus Prospcct nahe Shelby 74 Fletcher Av. u Shelby 81 Market v. New Jersey 2 Delaware und Wash. 8Z East u Washington 84 New York u. Davids 85 Taubstummen Anstalt 86 Wer. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 89 rauen-Resormat. 91 No. 13 Spritzenhaus Marvland nah Wer. 92 T.ridian u. Vcorqia. 93 Meridian und South 4 Pennsylv u. Louisiana 95 ü'?mi Ave u. Alao. 95 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Ave und Obi, ,23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 1. 125 Central Ave und 15. 126 ?)andes und 15. 127 Brooksid und Jupiter 128 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellesomaine und 134 College Ave und 29. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann nd 19. 138 College Ave und 14. 13 Cornell Ave und 13. 141 Yandes und 10. 142 Highland Ave und in. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey und 22. 146 AWord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hiliside Av und 16. 148 College Ave und 22. 149 College Ave und 7. 152 Park Ave und 22. 15. L C u. W Bahn u. 22. Ist Ramsey Ave und 10. 156 Stoughton u Rewman 157 Atlas und Pike. 158 Bloyd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brigbtwood I2 Arden und Depot 163 Brightwood und 26. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. eystone 167 Arsenal Ave und 23. 163 Bellesontain und 28. 1? Park Ave und ic 21 Sapitl Ave und 17. 13 Pennsylv. u. Vichig, 14 Illinois und 0. 21 5 Senate Ave und 21. 216 Pennsvlvania und 24. 217 Meridian nd 16. 218 Cavital Ave und 26. 219 Broadioay und 10. 231 Illinois und VtcLea 234 No. 14 Spritzenhaus Aenwood und 30. 35 Illinois und 33. 53 Annetta und 30. 237 No. 9. Spritzenhnil 115k II und Raer 38 Udeil Ladder Worls 239 Jabel und 7. 41 Meridian und 4. 42'Mnois u Et. ff 243 Eldrwge und 3. 312 West uud Walnut 313 West und 12. 314 Howard und 16. 315 Torbet und Paca 316 Capital Ave und Ifc 317 Rortbn?esrn Ave uli 313 Gent und 18. 319 Canal und 10. 3 Cerealine Werks 324 Vermont und Lyiin 325 Blsmarcku(?randiek 326 No. 29 Spritzenhaus HauqbmUe. 327 Michigan u. Holme, 328 Michigan u Concord 341 West und McJntyre 412 Miffour, u. Maryland 413 Missouri und bio 15 Capital Av .. eorgv 416 Mistoun u KentuekyA 417 Senate Are . Was. 421 P und E Rundkkus W. Washington. 423 Irren-Hospital. 424 Mi.ep Ave u.IDuÄ 425 Wash. und Harris 426 No. 13 Spritzcnhaitz W. Washington 427 Olioer und Birch 428 Oliver und Osgood 429 Rordvke und ?)ort 431 Hadley Ave u. Morris 432 River Ave u. Starts iM River Ave und Matz 435 Harding u. Big 4 R ? 436 Harding und Oliv 437 No. 19 Cvritzenya? Morris und Harbins, 438 Hsward undWl 9 tovar 461 Reisn und Miller 452 Howard nd Lee 53 Morris und aptzL 456 Lambert und Betont 457 Rordvke Ave u. War mon Works 612 es: uud Ratz 513 entucky Ave u. Merril. 14 Meridian und Morrhs 516 Illinois nd ansät 517 Morrut und Dakota 513 MorriS und Church 51 Capital A. u 521 Meridian und 523 Pine un? Lord 624 Madisor Ave u kincok 26 Meridian und Belt 627 Carlos und Rav 628 Meridian und Arizona 529 Meridian . Raymond 631 Meridian u. McCarty 632 Ro. 17 Spritzen! us Morris nahe West 6i McAernanund Dough 613 East u. Lincoln m 614 East und Beecher 616 Wrigbt und Sander 617 McCarty und Beaty 618 Rew Jersey u ir Ave 712 Spruce und Prospekt 713 Eillsh Are. u. Laurel 714 SuitAve u.Blt R A 715 Shelby und Beecher 716 Stau Ave und Orangk 718 Orange und Laurel 7 Shelby u. Cl.uuk Av, 721 Lermgton A. u Zaurtl 723 Flcher Aveu. Qprua 724 Suite Ave u. Pleasan. 726 Prospekt und "ItasarJ 786 Drang und HaxUur 728 Liberty und Meek 729 Rolc und South 81" Ro. 15 Spritzenhau Ost Washington Sti iz Market und Noble 81 Ohio u. Highland Ai 815 Michigan u. Hiatlant 816 Market u Arsenal A 817 Oft 24. Clair und Union ahn leise. 821 Pan Handle Eho?? 823 Vermont und Wakott 82 Wash. und State Atz. 826 adden'sLugFab 826 Tucker und Dorsey 827 Wash. und Beville Av 329 Ro. 12 Spritzenhaus Bcville nah Mlchiaa, 851 Southastern A rnu Woodsid. 832 Wash. und Dearborr 83 Soutbeastern und Arsenal Aves. 885 New York und Tempi 12 Illinois und Maryl, 13 Illinois und Market l Penn, und Wash. 15 Delawar nnd Spezial-Siznale. Ersten 2 Schlage, zweiter Alarm. Zweiten 2 Schlöge, dritter Alarm, Dritten 2 Schlag, vierter Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch aufgerokk. 3 Schlag, Wasserdruck ab. 12 Schlage, l Uhr Mittags. Die rfi bezeichneten Signale werben nur vom Thurm wacht angegeben da an den betreffenden Straßenkreuzung Kine Alarmvcr anaevrachi find. Chicago und der grotze Nordwefte via d ? )) (V !1'4n tfotwi m Huir i laa Hawaii Vbtltpvtne Jäkel. Bier tägliche Schnellzüge nach Chicago. tW Bon der Mono 47. Str. Station, lldicago, Knd S nur 5 Minuten mittelst elektrischer Car nach den Union Biehdöfen rened QicK Spring, In dem Orange Countv Hochland. ffamilien-Hotel ünter neuer Ge'chä'tSleitüng. Pluto. Prolerpin md Bowle Quellen. Bestes Mineralwasser der elt. Zwei Züge täglich via ree.icastle. Tickct-Okficen : Union Station. Massachusetts Ave. und 25 West Washington Straße. R. P. I g e ,, Diftnkt Vass. Agent. Indianapolis, nd. . H. McDoel. .H.Rock well, Präs. und Sen. Mgr. BetrjebZI?tn ff r a n k I. e e d, en. Piss. Agent. Kbico. JU.
