Indiana Tribüne, Volume 26, Number 187, Indianapolis, Marion County, 31 March 1903 — Page 7

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o I Brod oder Tod ! O O 8 Sttilianischer Roman o - o o o 8 g g U o i o c rn I r tl r u a n. 800 OOOo 0OO0 0OO0 0OO0 0OO0 008 (Fortsetzung.) Ich bin nur müde." erwiderte sie. Das ist es nicht." fuhr er ruhig, aber bestimmt und überlegt fort. ..Ich habe es wohl bemerkt. Seitdem Du dem Herrn De Luca begegnet bist, halt Du kein frühes Wort mehr über die Lippen gebracht." Ich bitte Dich!" unterbrach sie ihn rasch, sagte aber dann nichts mehr. Was?" fragte er. Laß mir Zeit." bat sie leise. Es trat eine Pause ein. Die Zimmer, die für sie eingerichtet worden waren, lagen im ersten Stock, abseits der Straße nach dem Park hinaus. Gualtieri hatte die zarte Aufmerksamkeit gehabt, sie in derselben Weise, zum Theil sogar mit denselben Möbeln, Nippsachen und Gebrauchsgegenständen, einzurichten ure ihre Mädchenzimmer im Vaterhause. Sie stieß einen kleinen Schrei der Ueberraschung aus, als sie eintrat. Sie hätte sich wahrhaftig daheim glauben können. Habe ich es recht gemacht, Ghela?" fragte er Ieise. Ich danke Dir." sagte sie. Dann nahm er sie rasch in die Arme und drückte sie so innig gegen seine Brust, daß sie sich nicht rühren konnte. Sie erschrak. Es lag in der Umarmung etwas so Stürmisches, Leidenschaftliches und Gewaltsames, daß sie im ersten Augenblick wie gelähmt davon war. Laß mich," bat sie dann ängstlich, laß mich. Ich bin ja wie gerädert. Ich bitte Dick, laß mick allein." Ghela!" lies er betroffen. Du bist so wild, so Bitte, sei mir nicht böse. Ich bin ja halbtodt. Ich muß ruhen. Bitte, laß mir Zeit." Er sah ihr in's Gesicht. Sie sah wirklich angegriffen, bleich und ängstlich aus. ihr ganzes Wesen war wie verstört, ihr Blick unruhig und unstet. Ich werde Dir das Mädchen senden. damit sie Dir beim Auskleiden hilft," sagte er endlich. Nein, nein, laß mich allein. Ich werde mir schon selbst helfen," bat sie. Er küßte sie nochmals auf die Stirn und sah sie zärtlich an. Es wurde ihm offenbar schwer, jetzt von ihr zu gehen, aber in ihrem Blick lag etwas, dem er nicht widerstehen konnte. Gualtieri hatte, wie alle Sizilianer, etwas Rauhes und Hartes in seinen Sitten und Gewohnheiten, für bleichsüchtige Sentimentalitäten hatte er sei nen Sinn. Und doch rührte ihn der bittende Blick Ghelas. Er liebte sie mit der ganzen stürmischen Gewalt seines Naturells, aber über das Reine, Fromme und Heilige in ihrem Blick kam er nicht hinweg, wohl gerade, weil er sie liebte. Er ging. Kaum war sein Tritt verhallt, als sie die Thür ihres Schlafzimmers verschloß. Dann breitete sie die Arme weit aus und richtete die Augen aufwärts, als ob sie beten wollte. Im nächsten Augenblick brach sie aber schluchzend in einem Seffel zusammen und weinte bitterlich. Sie wußte nicht, wie lange sie so gelegen, als plötzlich durch die offene Balkonthür erregte Stimmen zu ihr in's Zimmer drangen, die sie aus ihrer Betäubung aufweckten. Es war schon finster draußen. Ghela erhob sich und ging lauschend nach dem Balkon. Es paßt sich nicht," hörte sie die Stimme Gualtieris hart und heftig sagen. Gleich darauf die ebenfalls in ganz ungewöhnlicher Weise erregte Stimme Lydias: Ich bin kein Kind und kann wohl selbst entscheiden, ob ich etwas Passendes oder Unpassendes thue. Wenn mir Enrico etwas in's Ohr sagt und mir dabei die Wange mit den Lippen streift, was ist dabei? Und wenn es mir gefällt, so halte ich ihm auch das andere Ohr hin und die andere Wange, ganz gleichqiltig, ob es Dir gefällt oder nicht, oder ob Du es für passend findest oder nicht." Lydia!" hörte Ghela wieder die Stimme Gualtieris, erstaunt und vorwurfsvoll. Ei was! Es ist mir ganz gleichgiltig. ob ich Deinen Beifall habe oder nicht." fuhr das junge Mädchen entrüstet fort. Wenn Du offen und ehrlich mit uns wärest, so bättest Du mir schon längst sagen müssen, von wem Enrico einen Korb bekommen haben soll, wie Du behauptest. Hätte ich Enrico gesagt, von wem mir oas mitgetheilt worden ist, er hätte Dich wahrhaftig geohrfeigt." Ich werde " begann Gualtieri. Aber seine Schwester war offenbar zu erregt, als daß sie ruhig zuhören konnte, und fuhr fort: Ich gehe nicht in's Kloster," rief sie außer sich, ich werde keine Wartefrau für kranke Leute, Gualtieri. Nimm Dich in acht. Wenn Du glaubst, die aufrichtige und ehrliche Zuneigung zweier Herzen durch eine infame Lüge zerstören zu können, so bist Du im Irrthum. Bei Gott, ich wüßte nicht, was ich thäte, wenn ein Anderer so etwas vorbrächte." Willst Du nicht so gut sein und mich noch einmal sprechen lassen?" fragte Gualtieri. Es lohnt nicht der Mühe." Vielleicht doch. Zunächst höre ich aus Deinen Worten nicht Dich, son-

oern nur oen Proseor Tallert heraus. Was Dir dieser alles eingeblasen, das brinast Du hier wieder zu Tage." Und was ändert das?" Viel! Wenn das nicht der Fall wäre, so müßte ich ganz anders mit Dir reden." uai was!" Bitte, höre mir endlich einmal zu. Ich halte alles aufrecht, was ich Dir über den Professor Talleri gesagt habe, und wenn ich Dir die Dame, um die es sich dabei handelt und die Du genau kennst, jetzt noch nicht nennen kann, so hat daZ seine besonderen Gründe. Die Dame hat inzwischen geheirathet und würde es theils deshalb, theils auch weil sie Dich liebt und Dir kein Herzeleid bereiten will, ableugnen, mit Talleri ein Verhältniß gehabt zu haben." Sage mir ihren Namen! Sage mir ihren Namen!" rief Lydia heftig. Nur. wenn Du mir bei Deiner Ehre versprichst, keinen Gebrauch davon zu machen, weder gegenüber der Dame selbst noch Talleri gegenüber, bis ich es Zxx ausdrücklich erlaube." Ich verspreche alles, was Du willst, aber sage mir den Namen." Ghela!" sagte er leise. Ah! Das ist nicht wahr!" rief Lydia empört. Bitte. Glaubst Du. daß Talleri wer weiß wie viele Monate in das Haus desEommendatore dei Falconari gekommen ist, nur um sie Kunstgcschichte zu lehren? Sei doch nicht so naiv, Lydia. Ich weiß selber nicht, wie weit er im Uebrigen mit Ghela gekommen ist, und wie die Sache sich zugetragen, nur so viel weiß ich, daß ihn Ghela hat gründlich abfallen lassen." Woher weißt Du das?" Bon Ghela selbst." Die Stimmen verhallten. Die Geschwister entfernten sich immer weiter und waren endlich ganz außer Hörweite, aber Ghela stand noch immer mit starrem Blick, an die Balkonthür gelehnt, und sah in dasDunkel hinaus. Sie wußte ja selbst am besten, daß sie nie in dieser Weise mit Gualtieri gesprachen, aber gerade das lag wie ein Alp auf ihr. Wenn Gualtieri an der Partie zwischen Lydia und Professor Talleri etwas auszusetzen hatte, warum nicht offen und ehrlich mit seinen Gründen herausgehen? Warum lügen? Die Möglichkeit, daß ernste Bedenken gegen diese Verbindung bei Gualtieri vorhanden waren, war ja nicht ausgeschlossen. Warum derschwieg er sie? Warum dieses Ve?steckspiel? Glaubte er Lydia nicht reif für die Wahrheit? Ghela stöhnte müde und schmerzlich auf. Es kamen zu viele Zweifel auf

einmal. Sie zermarterte sich das Hirn, um die Wahrheit zu wissen und fürchtete sich davor. Immer wieder fiel ihr das sonderbare Wort Berenices ein: Nicht die Vergangenheit die Zukunft macht mir Grauen!" 11. Kapitel. Tenn im Winter, im Dezember und Januar, in Sizilien die CJ' Agrumi reifen, also die Orangen, Citronen, Mandarinen, und in der ganzen üppigen Conca d'Oro diese herrlichen goldgelben Früchte aus dem schwarzgrünen Laub der Bäume herausleuchten. dann stellt sich auch noch ein anderer Wintergast, der im Sommer vom Staatsgesetz streng verpönt ist und ein etwas kurioses Christgeschenk darstellt, ein, nämlich das Schwein. Dann kommt die schöne Zeit der Sanguinacci," der bolde Traum der kleinen und großen Leckermäuler von Palermo und ganz Süditalien. Blutdürstig, wie der Mensch nun einmal von Jugend auf ist. macht man ein Gemisch von Schweineblut und Schokolade, das dann bald in Form von kleinen Törtchen, bald aber auch als wirkliche Würste, die den deutschen Blutwürsten so ähnlich sind wie ein Finger dem anderen, das Entzücken der Kinder bilden. Wehe dem Unglücklichen, der nicht wenigstens einmal im Jahre, zu Natale, einen Sanguinaccio zu kosten bekommt! Er sieht das ganze Jahr als ein verlorenes an. Ich will gehen. Lubeddu." sagte Donna Sabina zu ihrem Vater; Gaetano hat mir sechs Soldi gegeben, damit ich den Kindern Sanguinacci kaufen kann." Sanguinacci?" brummte der Alte, Kaufe den Kindern ein derbes Stück Brod oder spare Dein Geld. Die Zeiten werden wohl noch kommen, daß Du's brauchen kannst." Die armen Würmer! Sollen sie denn gar keine Lebensfreude haben? Sind wir nicht unglücklich genug?" Die Kinder hatten kaum das Wort Sanguinacci gehört, als auch sckon ihre Augen funkelten und leuchteten, und sie die Mutter am Rock faßten und fortzogen. Besser einmal als nie," dachte Donna Sabina und ging fort. Als Lubeddu allein war, kramte er wieder seine rothe Fahne hervor, breitete sie auf der Pritsche, die ihm als Bett diente, aus und suchte sich mit den Firgern auf den weißen Flicken zu orientiren, die darauf festgenäht waren und die Worte: O Pane o Morie" Brod oder Tod darstellen sollten. Aber er kam damit nicht recht zu Stande. Er konnte sich nicht überzeugen. ob alles recht saß. So schlich er denn leise und tastend nach der Thür und rief verstohlen: Gasparone! Gasparone!" Der Zyklop lag in der Fußgrube der Schmiede und schlief. Das war sein Feiertagsvergnügen. Er hatte kein anderes. Bist Du's, Lubeddu? Was gibt's?" fragte er, sich ermunternd.

tv. V4 V vuvvvvu 0V VIVr ") voll. Sie sind alle fort. Ich bin allein." Gasparone erhob sich, schüttelte den schwarzen Kohlenstaub oberflächlich von sich ab und ging mit Lubeddu in dessen Wohnung. Hier ist sie." tuscbelte Lubeddu wieder leise. Du kannst sehen. Gasparone. Ist sie gut? Sieht sie nobel au? Ist alles in Ordnung?" Gasparone nahm das Machwerk des alten Lubeddu in Augenschein. Die ??ahne! öm." murmelte er dabei. ..das sttzt schief. Hast Du Speere und Nadel da? Man muß die Aufschrift von einem Ende der Stadt lesen können bis zum anderen. Brod oder Tod! Wenn wir sie eines Tags entfalten und im Winde f.attern lassen, muß die ganze Stadt wie einZauberwort rufen: Brod oder Tod!" Ich trage sie, Gasparone. Und wenn es direkt in den Schlund der Hölle geht, ick trage sie, wohin Du willst. Hier ist die Scheere." Wer weiß, wie bald sich die Gelegcnheit gibt!" warf der Schmied leicht drohend hin. Aber Lubeddu nahm das Wort mit einer aufgeregten Spannung und Neugier auf. So?" rief er eifrig. Geht's endlich los? Weißt Du was? Haber, sich die Schlafmützcn endlich zusammengefunden?" Die Agrumi sind schlecht gerathen, Lubeddu, die Pächter haben lein Geld, und nun sollen die Bauern den Ausfall tragen. Sie werden bis auf's Blut geschunden." So, so! Die Agrumi? Ich torifj, ich weiß," unterbrach ihn Lubeddu hitzig, wenn die Agrumiernte scklecht ausfällt, müssen die Bauern hungern. Das ist in Sizilien eine alte Regel." Sie wollen aber nicht hungern!" Was? Wollen nicht hungern? Sie müssen hungern." Nein, sage ich Dir, sie müssen nicht. Diesmal nicht. Die ganze Insel ist im Aufstand. Sie wollen diesmal nicht hungern. In Alcamo haben sie das Municipio verbrannt wegen der Steuern auf das Mehl, in Castelvetrano, Partanna, Montevago sind sie schon mit der bewaffneten Macht zusammengestoßen; es hat blutige Köpfe gegeben. Lubeddu, überall stehe.r sie in großen Gruppen zusammen, um ihr Leben zu vertheidigen und sich Nahrung zu verschaffen. Das machen die Fasci, weißt Du? Das machen die Verbände. Nur ein Wort, und es marschiren Tausende von ausgehungerten Bauern auf Palermo, um Brod oder Tod zu suchen. Und gerade jetzt fehlt uns Salvatore! Er könnte das Wort aussprechen, Lubeddu. Aber er sitzt in der Vicaria." Lubeddu hatte mit offenem Munde und steigender Erregung dieser Erzählun zugehört. Wir werden ihn befreien!" polterte er jetzt laut und unvorsichtig los. Was? Ist es nicht eine Sckande. einen Unschuldigen monatelang festzuhalten wegen einer Sache, über die jeder ver-

..mm i" innre vimmmt neneimntn nünftige Mensch in zwei Stunden klar sein kann? Fort! Wo ist die Fahne? Brod oder Tod!" In der offenen Thür, die nach de? Straße hinausführte, erschien in diesem Augenblick ein langer dunkler Schatten. Der alte Lubeddu, der das natürlich nicht bemerkte, lärmte noch einige Sekunden weiter, aber Gasparone griff rasch nach der Fahne und versteckte sie unter das Bett. Still, still. Ludeddu. wir sind nicht allein!" flüsterte er rasch und leise. Friede sei mit Euch!" klang jetzt die tiefe, ruhige Stimme eines Franziskanermönches, der eben in den Raum eintrat. Habt Ihr nichts für die Armuth? Der Segen des Herrn, den wir für Euch erflehen, wird's Euch danken." Ihr kommt an die falsche Adresse. Bruder Franziskaner," erwiderte Gasparone. Wir haben selber nichts." Das hätte sich der Bettelmönch eigentlich selbst sagen können, denn obgleich er sich in dem düsteren Raum mit den nackten, schwarzgerußten Wänden auffällig aufmerksam umsah, konnte er doch nichts entdecken, was nur einigermaßen Werth gehabt hätte. Nun, so segne Euch Gott," sagte er dann einfach, faltete die Hände wieder in den weiten Aermeln seiner Kutte zusammen und ging langsam davon, die kleine Gasse entlang, vis er vor der Kirche der Santa Maria dei Miracoli auf die Piazza Marina heraustrat. Diese überschritt er, um auf der anderen Seite des Platzes in den Giardino Garibaldi einzutreten, wo er einen Augenblick stehen blieb, um sick umzusehen. Es waren nur wenig Leute in dem Garten, einige Kindcrwärterinnen, die mit ihren Pneebefoylenen in der Sonne spielten, ein paar Polizisten und hin und wieder einige Passanten, die vom Hafen oder vom Tribunalgebäude herkamen und den Garten durchauerten. um ibren Wea abzukür??n Nach einer kurzen Pause ging der Mönch auf einen der Polizisten zu, der hinter einer großblätterigen Bananengruppe stand und in der Aufmerksamkeit, mit der er ein gegenüberstehendes Haus beobachtete, nicht sah, wie de? Mönch herankam. Don Paolo!" rief ihn der Franziskaner leise und unauffällig an, indem er an ihm vorüberging. Der Polizist drehte sich etwas nach ihm um. Ah, Sie sind's, Don Mar tino!" sagte er dann ebenso leise. Lassen Sie sich nicht stören," fuhr der Mönch wieder fort, was wir uns zu sagen haben, kann geschehen, auch ohne daß wir uns dabei ansehen. Haben Sie etwas bemerkt?" Baron Buonanima ist bei ihm," er-

wivene der Polizist, setzte sich aus eme

dicht dabei stehende Bank und nahm den Tschako ab, als ob ihm warm sei. Der Mönch war durch diese Mittheilung offenbar sehr erregt, suchte das aber zu verbergen, indem er sich bückte und seine Sandale festzog, als ob sie sich plötzlick gelöst hätte. Wie lange?" fragte er leise, ohne den Polizisten dabei anzusehen. Eine Viertelstunde oder zwanzig Minuten höchstens. Er kam zu Fuß, aber seine Equipage wartet drüben am Finanzpalast. Ich habe sie vorhin dort gesehen." Nun saß die Sandale wieder fest, und Ton Martino ging mit seinem eigenthümlichen schlürfenden Schritt weiter. Er verließ am anderen Ende den Garten wieder, drehte sich um und ging über die Straße wea an der &u erreiye entlang, Die Dem Garten gegenüberlag und die auch der Polizist mit seiner Aufmerksamkeit bedachte. An einem dieser Häuser war ein Mcssingschild angebracht, worauf zu lesen war: Tottore Lorenzo Vitale. Avvocato." Ton Lorenzo Vitale war ein rencmmirter Rechtsanwalt und besondcrs als Vertheidiger in großen Kreisen sehr geschätzt. Es schien aber nicht, als ob der Franziskaner ihn in seiner Eigenschaft als Rechisanwalt in Anspruch nehmen wollte. Er ging an dem Haufe vorüber, nachdem er einen hastigen Blick in den Hausflur geworfen, obgleich dort momentan nichts zu sehen war, kehrte kurz darauf um. ging wieder bis zum Tribunalgebäude und dann denselben Weg zurück. Einmal bettelte er sogar eine Dame an. die ihm auf seinem Weg mit einem kleinen Mädchen begegnete. Die Dame gab ihm aber nichts, obgleich er ihr versprach, für ihre Seele zu beten. Plötzlich fuhr eine erregteRöthe über fein Gesicht, und er lauschte aufmerkfam. den Laut seiner Schritte möglichst dämpfend, nach dem Hausflur des Don Lorenzo Vitale hin. Gleich darauf erschien dieser mit Baron Gualtieri in der Thür. Die beiden Herren gingen langsam in ihrem Gespräch vertieft quer über die Straße, dann zwischen der Piazza Marina und dem Giardino Garibaldi durch nach de.n Finanzpalast zu. Der Mönch ging unauffällig linter ihnen her. offenbar in der Absicht. etwas von ihrem Gespräch zu erlaufchen. Lange Zeit blieb er aber in dieser Hinsicht ohne Erfolg. Erst an der Fontana del Caraffo gelang es ihm, so nal'e an die beiden heranzukommen, daß er hin und wieder einzelne Brocken der Unterhaltung auffangen tonnte. Sie können sich denken, wie fatal mir das war. Herr Baron." sagte Don Lorenzo. Es lag eine große Gefahr darin, wenn der Schein, den Cavaliere Seraffini achtlos in den Verkehr gebracht, in unrechte Hände gerieth." Weshalb? Wer will uns denn erwas nachweisen?" warf Gualtieri ein. Ei, an solche Zufälligkeiten hängt manchmal ein ganzes Gewebe von Untersuchungen undNachforschungen, und wir haben allen Grund, vorsichtig zu sein. Glücklicherweise war die Polizei, wie gewöhnlich, dumm genug und sah den Zusammenhang nicht ein. So sandte sie den Schuster, der schon verhaftet worden war, mitsammt seinem Schein wieder dahin, woher er gekommen war, und dieser hatte natürlich nichts Eiligeres zu thun, als den Schein wieder zum Eavaliere Seraffini zu bringen, der ihn auch sofort auswechselte. Mir fiel ein Stein vom Herzen, als ich den Schein endlich wieder in der Hand hatte." Ach was! Ich halte die Sache für bedeutungslos." Glauben Sie das nicht, Herr Baron. Man muß den Leuten nicht mit Gewalt die Augen öffnen. In der Hand des Procuratore De Luca wäre der Schein eine böse Waffe gewesen." Er hird sich hüten, uns noch einmal in die Quere zu kommen." Sie beurtheilen den Mann falsch. Ich weiß, mit welcher Umsicht und Hartnäckigkeit er hinter die Geschäfte der Mafia zu kommen sucht " Der arme Kerl! Er soll sich wohl hüten. Ich werde ihm nicht in den Weg treten, aber ich weiche ihm auch nicht aus, wenn er mir in den Weg tritt. Das fehlte mix gerade, daß mir ein solcher Federfuchser über den Weg tölpelt." Er ist unser gefährlichster Feind." O nein! Er will sich ja versetzen lassen. Die juristischen Lorbeeren hängen ihm in Sizilien zu hoch." Er denkt nicht daran. Er hat sein Gesuch zurückgezogen. Ich weiß es ganz bestimmt." Woher?" Don Lorenzo lachte. Sein eigener Sekretär gehört zu uns. Von ihm weih ick auch, daß er fckon vor Wocken wei neue Geheimpolijten für Palermo m Rom beantragt hat, Fremde natürlich, da ihm die hiesigen nicht geheuer erscheinen." Was will er damit?" Jch " begann Don Lorenzo, brach aber plötzlich ab. weil seine Augen, die fortwährend unruhig umherschössen, den Mönch dicht hinter sich schleichen sahen. Was wollen Sie?" fuhr er diesen an. Der Franziskaner nahm bescheiden sein Käppchen ab. Euer Gnaden werden gütigst verzeihen," begann er demüthig, wenn die Armuth einen Bruder in Christo um eine kleine Gabe bittet." Don Lorenzo sah sich den Bruder in Christo mißtrauisch an. Dann griff

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Mönch einen Soldo zu. ging aber nicht weiter, sondern ließ den Franziskaner an sich vorüber, so daß er ihn jetzt vor sich her gehen sah. Was ist das für ein Kerl?" fragte er dann leise und erstaunt wie mit sich selbst sprechend. Was wird er weiter sein? Ein Franziskaner, ein Bettelmönch," antwortete Gualtieri. Das ist kein Mönch!" sagte Don Lorenzo bestimmt. Haben Sie schon je einen Franziskaner gesehen, der seine Kutte auf der linken Seite schnürt, wie dieser da?" Ich habe überhaupt einen Franziskaner noch nie so genau angesehen." Aber ich! Ich weiß, daß das nie vorkommt. Der Kerl schlich uns nach. Ich sah ihn schon, wie wir aus dem Hause traten. Sollten wir es hier mit einem Kunststückchen des Herrn De Luca zu thun haben?" Warum nicht gar! Was sollte denn da? foifc?" (Fortsetzung folgt.) Ein angenehme Dienstmädchen. Vor ein paar Wochen nahm Frau die Gattin eines berühmten Pariser Spezialarztes. ein ncuc$ Dienstmädchen, das mit blendenden" Zeugnissen bewaffnet" war. Eine Probezeit verlief über alles Erwarten gut. so daß Frau X. das .Lob ihres neuen dienstbaren Geistes in allen Tonarten sang. Sie sang es so laut, daß es auch zu Ohren der hohen Polizeibehörde kam, und diese entbot eines Tages einen ihrer Detektives zu Frau die begreiflicherweise über einen derartigen Besuch höchlichst erstaunt war. Der Kommissär erkundigte sich eingehend nach dem Dienstmädchen, schien aber von den ihm gespendeten Lobeserhebungen nicht sonderlich erbaut zu sein. Schließlich verlangte er Namens des Gesetzes, das Mädchen zu sehen, und als dieses erschienen war, ... riß er ihm mit dreister Faust den kühnen Bau der Locken vom Haupt. Frau L. fiel vor Schreck in Ohnmacht, obwohl sie dazu weit weniger Veranlassung hatte, als das Dienst-..Mädchen". denn dieses war ein männliches Wesen und gehörte einer berüchtigten Einbrecherbände als Mitglied an. in deren Auftrage es die Stellung bei Frau . angenommen hatte, um KundschafterDienste in der Wohnung zu leisten. Frau 3c. hat der Schreck für mehrere Tage an? Bett gefesselt, der Kriminalfchutzmann dagegen den EinbrecherEclaireur" für etliche Monate ans Gefängniß! Aus denn mcbmmrrtien (Examen. Examinator: Wenn Sie einen Typhusfall zu behandeln hätten, was würden Sie da zunächst thun?" Examinand: Zunächst würde ich zunächst würDe ich " E x a -m i n a t 0 r : Nun, bitte Herr Kandidat!" E x a m i n a n d : Zunächst würde ich Sie zur Konsultation rufen lassen." E xaminator: Hm, nicht übel, Herr Kandidat!" Die tycrkmmtc Grvtante. Besuch: Was war denn das für eine alte Schachtel, die eben durch's Zimmer huschte?" I u n g e r Ehemann: Sei still das ist ja die Mitgift meiner Frau!" Aufsenenerregend. Gelt, da schaugst', daß i mir aa' amal d' Fllß wasch'?" Alles rnöglici,. Das hätte ich nie gedacht, daß Sie sich jemals verloben würden, lieber Freund!" Nicht? Passen Sie auf, ich heirathe sogar auch noch einmaliger ricistigc Meg. Junge Leutnantsgatt i n : Hans, wir brauchen eine tüchtige Köchin kannst Du nicht bei Deinen Rekruten ein wenig Umfrage hal-ten?"

Feuer Signale.

4 Pennsvlv und Warte 5 English's Oyern-Haus 6 ttatt und Ti-t ?)ort 7 Noble und Michigan 8 N. Inlky 11. Mass 2Ü 9 Pme und North 10 Wartet und Pme 11 Vermont nah Last 12 No.. 8 Spritzenhaus Mass. Ave nahe 9tl 13 Telwareund Wa. nut 14 . Jersey u Eenrrel A. 15 Maff. und Scrnell v 6 Asch und 11. Straße 7 Part Ave und 12 St? .8 ffolumha undHiUfld 19 High land Ave u. Put 21 JUinoiS und Et. I 23 Pennsvlv. und Pratt 4 Nendian und 11. Stt 25 No. 5 Spritzenbaus IS. nahe JUinoi 26 Senate Ave u. StOlair 27 Illinois und Vichigan 28 Pksylvan und 14. 2g Senate Ave. und 13. 31 No. 1 Spritzenbaus Jnd Ave nayichigan 32 Meridian und Walnut 34 California u enont 25 Blake und New Dort 3 Ind. Av. u. St, Slair 37 City Hosvital 33 Blake und Norty 39 Michigan und Agnes 41 No. 6 Spritzenbaus Waiblngton nabe Set 42 Gsendorf u Wash. 43 Missouri u New Dort 4 Meridian u Wash 4 JllmoiS und Ohio 47 Capitol Av. u Wash 43 Ztmgan'S PorkdauS 49 Straßenbahn Stalle W. Washington Str 51 N. 10 Spritzenhaus Illinois u Mernll 62 Illinois u Louisiana 53 Weit und South 54 West und McCarty 5 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Rav 58 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Mor.-ls 59 Madiion Av.u Tunlop S1 No 2 Haken Leiterbaus South nahe Telawar 6 Penn, u Merrill 3 Telaware u. McEarttz M Saft und McEarttz 65 New Zersetz u. MerriN S7 Birg. Av. u Bradsha 3 Saft und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. II Spritzenhaus vir Ave. nahe Huron 72 Saft und Seorgia 73 kedar und Lim 74 Davidson u Georaia 75 önglish Av. u Pine 7 Shclby und Bates 7k No. 3 Spritzenhaus Prospcct nahe Sbeldtz 79 Fletcher Av. u Sbelby Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. 83 East u Washington 84 New Dork u. Davidso? 85 Taubstummen Anstalt 86 Bcr. Staaten Arsenal 87 Oriental und Wash. 39 vrauen-Resormat. 91 No. 13 Spritzenbaus Marvland nabe Mer. 92 Meridian u. knrta. 93 Meridian und South 4 Pennsvlv u. Lomfianu 95 in,' Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 rand Hotel. 93 Capital Ave und Ohii 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und !5. 126 ?)andeS und 15. 127 Brookside und Jupiter 123 Central Av und 17. 129 Telaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellefontawe undw. 134 College Ave und 20. 135 Telaware und 13. 136 Alabama und Rorth 137 Rewmann :;nb 19. 139 College Ave und 14. 139 Corncll Av und 13. 141 Dandks und 19. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 1. 145 New Jersey nd 22. 146 Alvord und 17. 147 Ro. 2 Spritzenhaus Hillside Ave und 16. 148 College Av und 22. 149 College Ave und 27. 152 Part Ave und 22. is? L E u. 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Halmes, 328 Michigan u. Conrord 841 West und McJntpre 412 Missouri u. Marvlanl, 413 M'.fiouri un hi 415 Carital Ave., seorgic. 416 Missouri u cntmky A 417 Senate Ave u Wasy. 421 P und E rnia S3. Washington. 423 Irrer Hospital. 424 Mi.ev Ave u. I D uS 425 Wash. und Harris 42 Ro. 13 SptzachaiH 23, Washington 427 Clivcr und Birch 428 Oliver und Daood 429 Nortyke und Aort 431 Hadley Av u. ttor.il 432 Rivr Ave u. MsrriZ f ji River Av und Ratz 435 Harding u. Big 4 R 3 436 Harding und Oliva 487 No. 19 Epritzenha? Morris und Hardina. 468 Hm wtbWmmf M Stoekyards 451 Reisn und Mille? 452 Howard und Lee 453 Morris und KaptzS 45 Lambert und Betont 457 Rordyke Ave u. Var rncn Worts 512 West und Ray 513 Kenlucky Ave u. Merib 614 Meridian und Morris kl Illinois und ansas 517 orr und Datota 618 Morris und Edurch kl Cavttal A. u McEarttz 621 Meridian und Palmer 623 Plne un'. Lord 624 Madtkor ve u kmcol f26 Meridian und Blt R 627 Carlo und Ray 528 Meridian und Znpma 629 Meridian u. 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Tucker und Torsey 827 ash. und eville Av, 329 Ro. 12 Spritzenhaus Bevilie nah Mtchtgar 881 Soutbeastcrn AZe und Woodfide. 861 Wash. und Tearborr 864 Louttastern und Arsenal Ares. 56 New York uud Temtzk 912 Illinois und 9t' Illinois und 914 Penn, und 915 Telaware und Spezial-Siznale. ersten 2 Schlag, zweiter Alarm, Zweiten Schlöze, dritter Alarm, Dritten 2 Schlage, vierter Alarm. l--l, Feuer aus und Schlauch aufgerollt. 5 Schläge, Wasserdruck ab. 12 Schläge, 16 Uhr Mittags. 9 Die rfi bezeichneten Signale werden nur vom Thür wacht angegeben da am den betreffenden Stratz? kreuzungn, feine Alarv?Astcr angebracht find. Chicago und der grofte Nordwefte via 4 ltwmlaaBtiye"uiii"((o laka Hawaii-Pbilipptue Inseln. Bier tägliche Schnellzüge nach Chicago. H Bon der Monon -Z7, Lrr. Skation, Chicago, fntsnur5 Minuten mittelst elektrischer Ear nach den Union Biehdösen French Lick Springs, in dem ' .'ränge Cou. tv Hochland. Familien-Hotel unter neuer Aeichäst4leitung. Pluto. Proserxnte md Bowle? 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