Indiana Tribüne, Volume 26, Number 185, Indianapolis, Marion County, 28 March 1903 — Page 7
Jndiana Tribüne, 8. März I903
7
QOo 0OO0 0OO0 oOOO 0OO0 0OO0 oQQ
sj v i X n. - a a o n Hl.. . X X ? O 8 prov ovcr üüu i 8 o O 8 o o 8 Sizilianischcr Ruman von Wgldcmar Ar. 8oo oOOo oOOo oOOo oOOo OOOO 008 (Fortsetzung.) 9. Kapitel. Per Staatsanwalt Emanuele Steilen stammte aus einer kleiner. Beamtenfamilie, die, vbwohl adelig, nichts ihr eigen nannte als eben das Einkommen aus ihrem Amt. Sein Vater war Bibliothekar an einet der großen Staatsbibliotheken, und da er außer seinem Sohne Emanuele noch zwei Töchter hatte, so bedürfte es vieler Entbehrungen und pekuniärer Anstrengungen, um dem Sohne das Studium zu ermöglichen. Vielleicht war es diese strenge Schule von Hause aus, die dem jungen Juristen eine ernste, gewissenhafte Lebensanschauung beigebracht. Wie oft war ihm von seinem Vater schon zu einer Zeit, wo andere junge Leute sich noch in allerhand Jugendeseleien gefallen, gesagt worden: Tu übernimmst durch den Aufwand, den Deine Erziehung und Dein Studium verursacht, die Verpflichtung, der Hort der Familie zu sein, Deinen Schwestern zu helfen, wenn sie Deiner Hilfe je bedürfen sollten, denn Du studirst zum Theil mit auf ihre Kosten." Herr De Luca war sich dieser Verpflichtung stets bewußt geblieben. Streng und gemessen, fleißig und strebsam, von peinlicher Rechtlichkeit, war er eigentlich in seinem innersten Wesen das Muster eines Staatsanwalts. Nichts war ihm so zuwider als Unordnung, Ungesetzlichkeit, Bosheit und versteckte oder offene Verworfenheit. Das C:':i; war ihm faktisch in Fleisch und Blut übergegangen, und das wurde ihm in Sizilien zum Märtyrerthum. Er hätte mit seinen Anschauungen überallhin besser gepaßt als nach Sizi!ien, wo es dem Gesetz wie vielleicht nirgends in Europa an Achtung und Ansehen mangelt, wo sich ganze Bevölkerungsklassen zum gemeinsamen Verbrecherthum zusammenfinden. So wurde ihm sein Amt zur Qual. Seine Untersuchungen gegenüber einer skrupellosen, verlogenen Bevölkerung, die einen Meineid, einen Mord unter Umständen als ihr natürliches Recht ansah, machten ihn nervös, müde und matt, manchmal bis zur Verzweiflung. Schon in dem Prozeß gegen Baron Gualtieri hatte er bemerkt, welche feindselige Macht er in der Bevölkerung von Palermo gegen sich hatte. Leute, die in der Voruntersuchung belastend ausgesagt hatten, widerriefen in der Hauptverhandlung alles und beschworen ohne Zögern das Gegentheil, und wenn er dann auf die psychologischen UnWahrscheinlichkeiten und Unmöglichkeiten hinwies, den Geschworenen den Schuldbeweis sozusagen in den Mund strich, so konnten sich diese doch nicht von der Schuld überzeugen" und sprachen den Angeklagten frei. Nun lag wieder die Untersuchung gegen Salvatore Colantonio vor. Dort hatte man nach der Ueberzeugung Te Lucas, der er jetzt nicht einmal mehr Ausdruck geben durfte einen Schuldigen laufen lassen, hier lag die Gefahr vor, daß man einen Unschuldigen verurtheilte. Sah denn dieses Volk nicht ein, wie entsetzlich es selbst unter solchen Zuständen leiden mußte? War der Egoismus so stark, daß er das Rechtsgefühl und die Moral ganzer Bevölkerungsklassen zerfaserte? (Ueber die Zustände in Sizilien und besonders in Palermo gibt die vom Ministerium des Innern in Rom angeordnete Untersuchung des Commendatore Schanzer über die Verwaltung der Stadt Palermo, die kürzlich veröffentlicht worden ist, geradezu entsetzliche Aufschlüsse. Ein Staatsanwalt, so stellt Schanzer durch Dokumente und Protokolle fest, nannte das Ufficio di Stato Civile" in Palermo zu deutsch etwa Standesamt in öffentlicher Sitzung in einem Prozeß, bei dem es sich um gefälschte Dokumente handelte, eine Associazione di Malfattori" Verbrecheröande . Ein Beamter dieses edlen Standesamtes, ein Herr Pares:e, stellte einem gewissen Reggio Giuseppe einen falschen Geburtsschein aus und wurde zu 35 Tagen Gesangniß verurtheilt ohne jeden Erfolg. Der Mann blieb ruhig im Amt. Das neuerbaute Politeama war mit 600,000 Lire veranschlagt und kostete 3.000,000, das Teatro Massimo, mit 2.450,000 Lire veranschlagt, kostete 7,000,000 also über 10,000,000 für zwei Theater verschleudert. Und dies in einer Stadt, die kein auch nur einigermaßen genügendes Hospital hat. Diese wenigen Thatsachen aus der Fülle des Materials mögen darthun, daß obige und spätere Schilderungen nicht auf Uebertreibungen beruhen.) rn Procuratore nu$ie muoe ven Kopf in die Hand und überlas noch einmal das Protokoll, das sein Sekretär soeben über die Vernehmung des Gaetano Russo aufgesetzt hatte. Gaetano hatte also richtig angegeben, daß er auf der Rückkehr von dem Commendatore deiFalconari mit Salvatore Colantonio in der Kapelle der Madonna del Mare zusammengetrofsen, und dieser ihm erzählt habe, daß er die Glocke aushängen und in's Meer werfen wolle, damit die Bimmelei auf-
yore, wenn er mit Assunta hierher käme. Gaetano habe ihn davon abzubringen gesucht und ihn auch in dem Glauben, daß es Colantonio nicht zum Aeußcrsten kommen lassen werde, ver und das wollen Sie beschwören?" 'uhr der Staatsanwalt Gaetano plotzlich unvermittelt und laut an. Es ist die Wahrheil," antwortete Gaetano, wie auswendig gelernt. Ich sa, ob Sie das beschwören wollen?" wiederHolle Te Luca ernst und drohend. Ja." erwiderte Gaetano mit einem fast unmerklichen Zögern. Der Staatsanwalt faßte ihn scharf in's Auge. Das war kein Bild der Wahrheit. So sah sie nicht aus. Es wäre Herrn Te Luca vielleicht schwer oder unmöglich gewesen, in dicsem
'Augenblick zu sagen, was ihn auf diese Idee brachte. Aber er hatte sich im Laufe der Zeit doch schon einen gewissen psychologischen Scharfblick angeeignet, mit dem er herausfühlte, was ihm vielleicht nicht immer klar und logisch zum Bewußtsein kam. Wenn Der Mann log, kalkulirte De Luca. so konnte er das vielleicht klarer sehen, wenn er ihm sein Opfer vorführte. Die Konfrontation der Beiden konnte Licht in das Dunkle der Angelegenheit brin3e.11. Er schellte und befahl dem eintretenDen Gefangenwärter: ..Führen Sie salvatore Colantonio vor." Dalei bebielt er den Zeugen Gaetano Russo scharf im Auge. Gaetano schien verblüfft. Ein ngenthümliches Zucken flog um di: ölugen. als wenn er erschrocken wäre. Sie kennen natürlich den Angeklagten schon lange?" fragte De Luca lauernd. Natürlich." antwortete Gaetano kurz. Sie werden sich also freuen, ihn einmal wiederzusehen. Wie? Er ist voch Ihr zukünftiger Schwager." Ja. Selbstverständlich." Als Salvatore eintrat, sah er sich Gaetano, der ihm den Rücken zugewandt stand, erst prüfend an, als ob er sich vergewissern wollte, daß er sich nicht täusche. Dann flog ein Heller Freudenstrahl über das offene, energische Gestcht des jungen Arbeiters. Er ging rasch auf Gaetano zu und drückte ihm beide Hände zum Willkommen. Gaetano," rief er herzlich und erfreut aus, Du hier? Der Madonna und den Heiligen Dank, daß ich doch einmal in dicsem verwünschten Loche ein liebes Betanntengesicht sehe." Ich meinerseits hätte freilich gewünscht. Dich nicht hier zu sehen. Salvatore," erwiderte Gaetano leise und gedrückt. Und Assunta?" fuhr Salvatore in der Freude seines Herzens fort. Du fornrnir' doch von Assunta?" Salvatore Colantonio," fiel ihm Herr De Luca trocken und geschäftsnätzig in's Wort, ich habe Sie rufen lassen, um Ihnen die Zeugenaussage vorzulesen, die Gaetano Russo in Ihrer Angelegenheit gemacht hat.'' Salvatore drückte Gaetano nochmals die Hand, als ob er ihm danken wollte, und sagte dann höflich zum taatsanwalt: Ich bin zu Ihrer Beifügung." Te Luca setzte sich so, daß er die Beiden, über das Blatt hinwegsehend, im Auge behalten konnte, dann las er mit ruhiger, monotoner Stimme das Protokoll vor. Schon bei den ersten Sätzen, die von der angeblichen Zusammenkunft der Beiden in der Kapelle de? Madonna del Mare Handelten, verfärbte sich Salvatore. und seine Augen nahmen einen glitzernden Ausdruck an. Aber noch verhielt er sich ruhig, paßte scharf auf, den Blick bald fragend und staunend auf den Staatsanwalt, bald auf Gaetano gerichtet, als ob er seinen Ohren nicht traue und sich zu täuschen fürchte. Das hast D u ausgesagt!" schrie er plötzlich. Gaetano wich unwillkürlich einen Schritt zurück. Ich bin noch nicht fertig, Colantonio," bemerkte Herr Te Luca streng, und muß Sie bitten, sich ruhig zu verhalten, sonst muß ich Sie fesseln lauen. Sie werden am Schluß noch Gelegenheit genug haben, sich auszusprechen." Dann fuhr er in seiner Vorlesung fort, und Salvatore hörte zu, sich mit fast übermenschlicher Kraft zur Ruhe zwingend. Nur ein schlecht unterdrücktes Keuchen und Gurgeln hörte De Luca manchmal, und wenn er ihn verstohlen ansah, bemerkte er, daß Salvatore mit ineinander geballten Händen und zusammengebissenen Lippen dastand, als ob er sich selbst zurückhalten und fesseln müsse, um nicht in maßloses Toben auszubrechen. Erst als De Luca fertig mit Vorlesen war und eben fragen wollte, was er dazu zu bemerken habe, hörte er die zittnnde, von Thränen erstickte Stimme Salvatores: Lügner! Schändlicher, verleumderischer Schuft. Spott von einem Menschen! Widerrufe oder es ist Dein Ende!" Im Nu warf er sich mit einer furchtbaren Gewalt auf Gaetano, faßte ihn an der Gurgel und würgte ihn. Die Wärter sprangen sofort herzu, und nur schwer wu."de der starke, in seiner Wuth und Aufregung noch unwiderstehlichere Salvatore überwältigt. Es war nur ein kurzer Auftritt, aber es sprach aus der explosiven Leidenschaft Salvatores doch deutlich und klar, daß er durch die Aussage Gaetanos um alle Ueberlegung und Selbst-
oeoerrfcvung georacyl war. scyon als
dle Warter ihn rechts und lrnks festhielten und eben beschäftigt waren, ihm die Hände auf dem Rücken zufammenzuschließen, riß er sich noch einmal los und stürzte sich wieder auf Gaetano. Widerrufe!" gurgelte er zitternd und halb ohnmächtig vor Wuth. Widerrufe?" Als er die Fessel an den Händen spurte, schien feine Kraft endlich gehmfon Der sarfe Mann fiel förmlich in sich zusammen, seine Züge verzogen sich schmerzlich, Thränen stürzten ihm aus den Augen, und mit schwacher, weinerlicher Stimme, muthlos, und elend, brachte er di: Worte hervor: Ja, ja, jetzt bin ich verloren!" Gaetano war bleich bis in die Lippen hinein geworden, rührte sich aber nicht vom Fleck. Es wäre ihm ganz recht gewesen, wenn Salvatore ihn in der Wuth niedergeschlagen hätte, daß er nicht wieder aufstand. Er machte nicht die geringste Bewegung der Abwehr. Stumm und starr wie aus Stein stand er da. Und Sie wollen das beschwören?" fragte De Luca nach einer kurzen feierlichen Pause ihn nochmals. Ja," antwortete er. Sie wissen, day schwere zeitliche und ewige Strafen im Diesseits und im Jenseits den Meineid rächen?" Ich weiß es." Gaetano!" schrie Salvatore noch einmal mit seiner mächtigen Stimme auf. bittend, beschwörend und verzweifelt zugleich. Gaetano rührte sich nicht. Es war ihm offenbar nicht um sich selbst zu thun. Er war nicht feige und auch nicht schlecht. Er hätte vielleicht jetzt noch alles widerrufen, was er zu Ungunsten Salvatores ausgesagt, aus reiner Liebe zu diesem und unbekümmert darum, ob es wahr oder unwahr war. Aber dann war er in Sizilien unmöglich, dann wurde er Nachts an irgend einer Ecke niedergestoßen oder erhielt auch am hellen Tage eine Kugel in's Gehirn aus sicherem Versteck, morgen, oder nächste Woche, oder nächsten Monat. Aber einmal kam's. Das war sicher. Was wurde dann aus seinem Weib und seinen Kindern? Sollte er sie wieder dem Straßenbettel, dem langsamen Hungertode überantworten? Es wäre ihm wirklich lieber geWesen, wenn ihn Salvatore jetzt niedergeschlagen hätte. Dann war's aus, und er war die schreckliche Fessel los, die ihn niederdrückte, ihn nicht nur seiner Sinne, sondern auch seiner Gefühle beraubie. während seine Frau und seine Kinder dann im Schutz der großen Familie standen. Aber widerrufen konnte er nicht. Dann wurde Salvatore wieder abgeführt, stöhnend, hoffnungslos, eine Verwünschung auf den Lippen, ein gebrochener Mann, und auch Gaetano wurde entlassen. De Luca war wieder allein und sah grübelnd zum Fenster hinaus. Was nun? fragte er sich. Er konnte doch Gaetano auch nicht in's Herz sehen. Er war doch auch nur ein Mensch. Er hatte Gaetano noch nicht vereidigt aus gutem Grund. Aber schließlich mutzte das doch geschehen, und wenn dann Gaetano wirklich den Eid leistete, so war Salvatore allerdings verloren. Vielleicht kam er mit einem Jahr Gefängniß davon, aber darum handelte es sich für den Staatsanwalt nicht. Er wollte in diese ganze dunkle Angelegenheit der Vorgänge, die mit der Anstellung Gaetanos als Gärtner des Herrn bei Falconari zusammenhingen, Licht bringen. Es war hundert gegen eins zu wetten, daß Gaetano mit in diesem Komplott war, das; er heute wissentlich falsch ausgesagt hatte, um seine Mitschuldigen zu decken. Aber er konnte doch Gaetano auch nicht die Wahrheit aus der Brust reißen. Er konnte fragen, konnte ermahnen, die Wahrheit zu sagen, und vor den Folgen des Mernelds warne a Das hatte er gethan. Was nun? Mußte der Staatsanwalt wirklich ruhig zusehen, daß man hier einen Unschuldigen verurtheilte, wie man dort einen Schuldigen hatte laufen lassen? Das konnte er nicht. Das litt sein Rechtsgefühl nicht. Er hätte sich vielleicht getröstet, wenn seine Untersuchung erfolglos verlief. Das passirt Manchem. Aber daß sie zu einein Unglück führte, das verbitterte ihn. das verleidete ihm sein Amt und fcirn Thätigkeit Er hatte zwei Anhaltspunkte für seine Anklage gegen Salvatore: den anonymen Brief und das Zeugniß Gaetanos. Aber beide waren nach seiner Ansicht falsch. Ware es ihm qe glückt, den Schreiber des anonymen Briefes zu entdecken, er hätte ihn sofort eingesteckt. Aber alle Mühe und alle Aufmerksamkeit in dieser Hinsicht war vergebens, und allwissend war Te Luca doch auch nicht. Er hatte auch nur seine fünf gesunden Sinne, und diese reichten offenbar inmitten eines solchen Lügenvolkes, eines solchen korrumpirten. morallosen Gesindels. das weder vor Gott noch dem Teufel Re spekt zu haben schien, nicht aus. In diesem Augenblick wurde die Aufmerksamkeit des Herrn De Luca von einer Szene in Anspruch genommen, die sich unter seinem Fenster vor einer auf der Straße befindlichen Polizeiwache abspielte. Zwei Polizisten brachten einen Mann, der entsetzlich lärmte und schrie. Eine Menge Neugieriger folgte, und es war ein Auflauf, der mehr geräuschvoll als interessant oder ungewöhnlich war und wie er schließlich alle Tage vorkam. Was
.cuea oaran inrcrcfiinc, war, oan er den Mann, der arretirt wurde, kannte. Es war ein Schuster sein eigener Schuster, aus der Via Villarosa, wo Te Luca auck wohnte. Er kannte Ton Fausto so hieß der Arrestant als einen ordentlichen, fleißigen und, was bei einem Schuster besonders lobenswerth erscheint, sehr pünktlichen Mann. Wenn er zu ihm sagte:
on Fausto, ich brauche die Stiefel morgen früh." so standen die Stiefel am anderen Morgen da und wenn noch so viel Arbeit war. Wie kam der Mann in solch' üble Lage? Als De Luca einige Minuten später über den Hof ainq, trat er einen Augenblick in die Polizeiwache ein, um sich darüber zu informiren. Er kam gerade dazu, wie Ton Fausto verhört wurde. Wie heißen Sie?" schnarrte ihn ein Polizist an, dem es offenbar wenig paßte, in dieser Weise aus seinem beschaulichen Amtsdasein gerissen zu werden. Ich heiße Fausto Ealccrina, Herr Sergente," antwortete Don Fausto. So, so, Ealcapnna. Wo wohnen Sie?" Hier in Palermo. Herr Sergente, in der Via Villarosa. Jedes Kind kennt mich da, ich Schon gut. Was sind Sie? Was haben Sie für einen Stand oder Gewerbe?" Ich bin Schuhmacher, Herr Sergenie, und " Still? Reden Sie nicht mehr, als Sie gefragt werden. Sie sind hier auf der Polizei, verstehen Sie?" Aber Herr Sergente, ich muß doch" Nichts müssen Sie, als auf die Fragen antworten, die ich Ihnen stelle. Dann wendete sich der würdige Polizist an den Schreiber der Wache: Also schreibt's auf, Don Paolo, daß der Mann Ealcapnna heißt und in der Via Villarosa wohnt. Die Sache ist wichtig. Sie haben falsches Geld ausgegeben, Herr Ealcapnna." Der Teufel hat falsches Geld ausgegeben, aber nicht ich," erboste sich Don Fausto. Ich habe die Note, die mir der Wechsler weggenommen hat, vom Eavaliere Seraffini bekommen und darauf vierunddreißig gute ehrliche Lire zurückbezahlt, weil der Cavaliere nur sechzehn Lire zu bezahlen hatte. Und jetzt wollen Sie mir die Sache in die Schuhe schieben, als ob ich falsches Geld in Umlauf gesetzt hätte? Ah! Und warum? Etwa weil ich ein armer Teufel bin. der acht lebendige Kinder zu ernähren hat? Herr Sergente, wissen Sie, was das heißt? Fünfzig Lire sind für mich ein Vermögen. Ich will meinen Schein oder mein Geld. Ich habe nichts zu verlieren. Ah!" Der Staatsanwalt war plötzlich sehr aufmerksam geworden und verfolgte die nicht gerade sehr geistreichen Aeußerungen seines Schusters mit gespanntem Interesse. Er kannte den Cavaliere Seraffini zufällig aus dem Prozeß gegen Baron Gualtieri, wobei er als einer jener Geschworenen fungirt hatte, die sich nicht von der Schuld des Angeklagten überzeugen konnten oder wollten. Als Herr Calcaprina seine Aussage gemacht, trat der Staatsanwalt einige Schritte vor und sagte höflich zu dem Polizisten: Hcnn ich den Schein einmal sehen, Herr Jstruttore?" Er war zu einem solchen Eingreifen in die Verhandlung vollständig berechtigt. Er konnte kraft seines Amtes in jede vergleiche Verhandlung, von der er zufällig Kenntniß erhielt, eingreifen. Der Jstruttore gab ihm denn auch sofort mit einer höflichen Redensart den Schein, der die Ursache zu Don Faustos Arretirung gegeben. Ah, Herr Procuratore," fuhr Don Fausto beim Anblick des Staatsanwalts aufgeregt fort, Sie kennen mich. Helfen Sie einem armen ehrlichen Handwerker, der Sie immer nach besten Kräften bedient hat und nun unter Gauner und Spitzbuben gefallen ist." Herr Calcaprina!" unterbrach ihn der Jstruttore warnend. Ich meine Sie nicht," fuhr Don Fausto fort, ich meine überhaupt Niemand, der einen Säbel hat. Ich will mit Leuten, die Säbel haben, nichts zu thun haben. Ich bin ein friedlicher Mensch. Der Herr Procuratore kennt mich. Geben Sie mir mein Geld und lassen Sie mich gehen." Der Schein, den De Luca in Händen hielt und sehr aufmerksam besah, war eine Fünfzigliienote der Banca d'Jtalia, die in der Mitte zusammengeklebt war. Beide Hälften waren jedenfalls echt, aber sie paßten nicht zusammen, es waren die beiden Hälften von zwei verschiedenen Scheinen, und zwar trug die eine Hälfte als Serienzeichen die Bezeichnung E 6 und als Nummerzeichen die Nummer 6127, während die andere Hälfte mit E 2 Nummer 0017 bezeichnet war. Nun wußte der Staatsanwalt aus seiner Praxis wenigstens ebenso gut, wie es seiner Zeit Peppo aus der seinen gewußt hatte, was es mit solchen zerschnittenen und wieder zusammengekleisterten Scheinen in Palermo für eine Bewandtniß hat oder doch haben kann. Auch der Wechsler, bei dem Don Fausto den Schein hatte wechseln wollen, wußte wohl, was er that, wenn er den Schein mitsammt dem Inhaber der Polizei übergab. Diese mochte zusehen, was an der Sache war. (Fortsetzung folgt.)
Dr. Zonns Schüler. Ter Assistent vkS Wieur Operateur zu dauerndem "Mufenüialt in Amerika. Dr. Friedrich Müller, der im vorigen Jahre drn berühmten Wiener Orthopäden und Begründer der sögenannten blutlosen Chirurgie." Professor Dr. Adolph Lorenz. als Assistent bei dessen Operationen auf der Reise durch die Ver. Staaten begleitete, ist
Dr. Friedlich Müller, vor Kurzem vom Donaustrand nach Chicago zurückgekehrt. Er leitet dort die Nachkur der kleinen Lolita Armour, die von Professor Lorenz mit bestem Erfolge operirt wurde. Dr. Müller, ein Sohn des verstorbenen Wiener Orientalisten gleichen Namens, gedenkt, stch dauernd in Chicago niederzulassen, um dort weiterhin Heilungen nach der Methode seines österreichischen Meisters, dessen Lieblingsschüler er war, vorzunehmen. Eigrnartiycs Kunstwerk. fßon Sem dcntsenen Kaiser dem preußischen Herrenhause deöizirt. Der deutsche Kaiser läßt gegenwärlig für den Neubau des preußischen Herrenhauses in Berlin ein Bildwerk herstellen, das, wenn es auch eine Verherrlichung des monarchischen Gedankens involvirt, doch wegen seiner Eigenart und seines hohen künstlerischen Werthes auch in einer Republik Beachtung verdient. Das von Professor v. Ucchtritz ausgeführte Werk, das den Titel Die Krone als Hort des Friedens" trägt, verkörpert ein politisches Programm des Kaisers. Das Bildwerk stellt eine Überlebensgroße, jugendlich ideale Frauengestalt Die Krone als Hort deS Friedens." in malerischer Haltung dar. Den feinen Kopf mit dem schlicht gescheitelten Haar schmückt die Königskrone. Die edle Gestalt ist umflossen von einem leichten römischen Gewand, das in großen Falten über die Stufen des Throns herabwallt. Sinnend und gedankenvoll ist der Ausdruck der vornehmen, echt weiblichen Züge. Ter rechte Arm der Frauengestalt ruht auf dem Schild, und die Hand faßt das breite, lorbeerumrankte, immer bereite Schwert, dessen Griff mit einem Löwenkopf als Sinnbild der Kraft geziert ist. Unter dem sicheren Schutz des Schwertes, unter der liebevollen ObHut der königlichen Frau sitzt auf den Stufen ein liebliches Kinderpaar. Die reizende Gruppe verkörpert die Genien der Völker, die traulich einander die Hände reichen, die sich friedlich vereinigen. Auf dem Schooße des einen Genius ruht ein Band, das als Inschrift das Wort Pax" (Friede:,) verzeichnet. Echt künstlerisch ist auch die Architektur des Throns gestaltet. Es ist ein antiker Sessel, dessen schlanke Form stch der Frauengestalt anzufügen scheint. Den Fond der Wand zieren Adler und Pentagramme; als oberer Abschluß leuchtet über der Krone eine vergoldete Sonne, die noch allen Seiten ihre Strahlen entsendet. Das Bildwerk, das in weißem Marn.or ausgeführt und auf ein farbiges Postament gestellt wird, ist voll zarter, feiner, fesselnder Anmuth und bildet eine allgemein verständliche Allegorie jener bewährten Staatsmaxime, die wohl das kraftvolle, blanke Schwert zur Hand hält, aber nur um das kostbare Gut des Völkerfriedens zu büten.
Feuer Signale.
i Pennshlv und Warftl b English's Opern-Haus 6 Eastund R"w York 7 Noble und Michigan 8 N. Jersey u. SUafi A 9 Pine und Nvrth ,0 Mavket und Pine 11 Vermont nah Saft 12 N. 8 Spritzenbaus Maff. ve nabe Noble !5 Tevaware und Walnut 14 R. Jersey uEentral A. 15 Maff. und Cornell 3toc 6 Ash und II. Straße .7 Park ve und 12 Str .3 Columbia undHillsid 19 Higbland Ave u. Pitt tl JUinoiS und St. Joe 23 Pennshlv. und Pratt 24 Mendmn und 11. Str 25 No.s Spritzenhaus 15. nahe Illinois 26 Senate Ave u. TtSlair 27 Illinois und Müyigan 2? Pesylvania und 14. 29 Senate Ave und 15. 31 No. 1 Spritzenbaus Jnd Ave nahichigan 32 Meridian und Walnut 34 California u nwnt 35 Blake und New Kork 36 Jnd. Av. u. St. Slan 37 City Hospital 3S Blake und Norty 39 Mchigan und Agnes 41 No. e Spritzenhaus Washington nahe West 42 Gsendorf u Wash. 43 Missouri u New Kort 45 Meridian u Wash 46 Jlllnois und Ohio 4? Eapitol Av. u Wash 48 mgan's Porthau 49 Straßenbahn Ställe W. Washington Str öl No. lv Spritzenhaus JllinoiS u Merrill 62 Illinois u Louifiana 53 Welt und South 64 West und McCarty 56 Senate ve. u Henry 67 Meridian und Ray 6 No. 4 Spritzenhaus MadlsonAv.uMer.'it 69 Madiion Av. u Dunlop 1 Ro 2 Haken Leiterhaus South nahe Delawan 2 Penn, u Merrill 65 Delawan u. McCarty 169 Park ve und IS. 212 Capital ve und 17. 5 Pennfyw. u.uhiga 214 Jllinos und 20. 215 Senate ve und 21. 216 Pennsvlvama und 22, 217 Meridian und 1. 21 Capital Ave und 26. 2is Broadtvay und 10. 231 JllinoiS und McLum 234 Ro. 14 Spritzenhau Kenwood und 30. 235 JllinoiS und 55. 233 Annetta und 90. 237 No. 9. SprchenhS Udell und Raver 38 UdeU Ladder Vor 239 Jiadel und 27. 241 Meridian und 24. 24' Illinois u Et. Cla'x, 243 Sldrioge und 25. 312 West uud Balnut 513 West und 12. 514 Howard und 16. 315 Torber und Paca 5is Capital Ave und lfe 817 Northwestern ve utt 818 Gent und 18. 319 Canal und 10. 524 Cerealine Wer 324 Vermont und ynn 525 Blsmarck u iZrandVie 826 No. 20 Spritzenhaus Haughinlle. 527 Michigan u. Hslmes, 828 Michigan u. Eoncord 541 West und McJntyr 412 Missouri u. Maryland 413 Missouri und rhi 415 Capital Ave. eorgio 416 Missouri u Äe ttutfy 417 Senate Ave u. asb. 421 P und E RunduS W. Washinabon. 423 Jrren-Hospital. 424 MileyAve u JDuS 425 Wash. und Har.is 42 Ro. IS Svntzmhau W, Washington 427 Oliv ixrt Birch 28 Olwer und Osgood 429 Nordvke und Port 431 Hadlrv Ave u. Morris 432 River Ave u. orri 454 River Ave und Rah 435 Harding u. Big 4j 436 Harding und Olw 487 Ro. 19 Spritzenhaz Morris und Hardrnk. 'qutz ;hviq,ouv auu,vux ug vunkiucy zövNA WsMsW u?q uv vc uxpfodao icpvai un2 wog an iuixn jpuöig luiiutpuitq 9i$ , 'bvm itm fl 'ivznhs n qv piu4ijtj '1P3 c ITjoirfjno chnvWZ qim snc xho 'i-i-i 'uuvib vza 'dpicps z uiut 'uupiB nuq 'aCwip g uattz 'uuvik ,ua,k '&9l43 C ui ?!vne,T-ivzk,tT quu vazvpT ,91 jo qu mtt& .i6 1JJ0PM6 UN fiowinC El 6 ItuvU qun UMIHL ,?i6 tl4uz qun ixag 968 ?a IJJ15 qun luaijwtowos f6 aaav,T qun -tjjvk es aaijqoo ym juaijofrstos 188 96ttpi)A Xjtnt mcpgs fnvqiutuas Sl 'ft 8 Xft U !UN -qim L19 äapcj qun upnz 8 iptz.öuna?s.iua;v N3 1s MS M'v n9 ?T8E qun uouu?ü es3 tfjfä ZiyuHuvch i ll uqv uotutl qun viZ 1K3 il8 Nk IVUZl MW 918 luviqbzH n utjßignjflE. 18 Cft lUvi.hSlH U ftfCf 18 Jjqoifi qun PVZK 18 I,D uvuchwL NO MuHuF 91 SZ5 o 18 tMsS qun S!2Zk 6ZL jtfi qun encn? etl av)iv qun svuvz 9U pvioJlus qun tjsöjoitf, 97i uvJvJiüs i K W2 ZL ruo TUstE riü tu rxtw n Kuußuü I m öjB v,'iI 'n qqi 9 6U lunvz qun röuria 8U ßtwaa qu MS Wtz 9lt qun qgpte fiu n-nrv,Z tu lnvJ n as qj'ibnV 14 pxljaifc qun tua tu MtK n QtJC & 819 reift qun enavJZZk in tzquvZ qun iqvuW 9i9 ttquz qun uvz m m3 U10JM3 n tivz kig fjtmoQ qunuviuzzxzub ,19 lPW qvu U10& fnriiwtuag l ' e toiüSPai uviqpZW im quauiavH n umqiuffi ?9 vuoiuib qun uxnqiutf 889 qotf qun eoiit3 Liq un umqllZM 9? U1IU?naV lOUqNffi 79 qioz 'flln int 39 iivxxty& qun uiqu zi tzlUSZZE N ' IvliavA 19 tjunfö qun fiuoffi sig tnov2 qun fuaojg U9 tzvjuvze qun ftouin 919 lluotf qun uvuna, 18 iuajj n zazx opmustf Etq qv qu Vjm si9 JOffi uom -n xtK aitaio 8? qun jmo;uoT(f 891 'Z qun aajf zvu,p 191 JUClWJtf N V1D HD 991 qqo,E qun punj; m 9? qun qooqfu& 91 ?ovE qun toqxs ?l qaaauqöuuz tnoqujuda u ojc 691 ucufk qun qqoift 991 JJ1& un v,, 91 uvm,ZL n uarqvnoiT 991 01 qun s qsjuw I 'ZI n ugnft W -N z z L9, Z qun ppffc ssi 'LZ un je fij0f 6i 'ZI qun xjfc j8nrj) gf 1 91 qun ?ajf Zj'izy kiwhlUwaZ 5 Ol l l qun aaoor 9t 1 'TZ Ctr- c f 9t l '01 zun hZlWNVZ ?M 01 qun ,V quriq r-X CI qun fqupg ix El qun niuo3 6L1 I nin wfr 8l 6i qu-. Ut'viuaiizg t qiiotg qun vu.vqriA 9CI i qun ajntii 9i 'Z qun arg i)03 Kl AI qun ttnviuoJ:n& ztl 'XI qun rairqris m 6l qun aarair? j i qun ms ,vuis 8M zuhn qun xnjjooaft izi '91 qun s?qupft 971 91 qun Mü iruujj ,zi l qun "UtpqriE ni ql 91 fnnqujtuä2 91 0 wujq qun ab im;arg m IJloÖf quM m iturnristtux3 96 qrif n a luUfjij 9 vuvumoz n a?a.uujK 6 qznoZ qun umquuzE 6 -mdz??H -n uvuzu?V i W qvu quvMvk 9Nvquz4llaZ si o& t6 jruuo j-ujnnv W 'qjps qun icjuiuo ls jpupk UVV,Z 9 11VUU uzmmnuanvT 98 lPT n ixog owj te uoiöulqjvJ n ü8 88 qjvT qun va,oz zm q3iC owj n jwjff lg flq3 n a iqni U qjjqg qru ;wajcut nvquztzuqZ c ojc 8Z nvft qun aniq- 9 ,mt, u gx qt,,vu qi uicoog n uojqiavE u ut3 qur vqzz, u tnßioiQ qun NvK u uaanH qu ajf zig znvquoqg u KU qtn tniipift 69 pxUci qun vH 89 vqlqvi n a '8iia u nuxjjffi -n Qjp Wjf wr3 qun uo ff rWft qun iqu,NJ 99 CHtto un ftuoffi C9 qun qavawH 9, aanufi qun utug 19 KPC1 6 uMqun qxxueft 9 Chicago und der große Nordwefte via A f SL laöka Hawaii lrilivv'ne Inseln. Bier tägliche Schnellzüge nach Chicago. l'll MVHVII II. . w4If ftnd nur 5 Minuten mittelst elektrischer Ear noch den Union Biehdösen Frencli Lick Springs, in denl Orange Eountv Hochland. Familien Holel qnter neuer eschäftsleituna. Pluto, Proierpine ,nd Bowles Quellen. Bestes Minera'.waffer der elt. Zwei Züge täglich via ree.icaktle. Ticket-Ofsicen : Union lakion, Massachusetts ve. nd Zd West Washington Straße. . P. I g e . Distrikt afs. aent, Indianapolis. Ind. N nr hr - Ctr 2Atlnn ff' Icaia .ö. McToel. E.H. Rockwell, as. und Gen. Mgr. ettlkdsiner Frank I. R ee d. Ven. Pifi. gent. hiczgo. Jll.
