Indiana Tribüne, Volume 26, Number 178, Indianapolis, Marion County, 20 March 1903 — Page 7

Jndiana Tribüne, 90. März 1903.

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gOo oooo oOOo oOOo ooOooOOooQg ß Vrod oder Tod ! O o 8 Sizilianischer Roman 8 O O

n u u ii 8 g IU o l c rn i r i r b a n. o OOo oOOo oOOo oOOo oOOo 0OO00O (Fortsetzung.) Was geht Dich Korfu an!" bemerkte ihr Bruder ärgerlich und ließ fern Pferd in eine schnellere Gangart fallen. Für Baron Gualtieri gab es solche Interessen nicht. Was kümmerten ihn die griechische Zeit und die ganze Geschichte seines Vaterlandes, was war ihm die Kunstgeschichte mit sammt der ganzen Philosophie? Er kannte nur die Interessen des Mein und Dein, und wenn er den Professor Talleri antraf, wie er einer jungen und reichen Dame Unterricht in der Kunstgeschichte gab, so sagte er sich einfach: Das kennt man schon!" Am Abend desselben Tages, gleich nach dem Essen, erklärte Baron Gualtieri, noch einmal auf kurze Zeit in die Stadt gehen zu wollen, verabschiedete sich von seiner Mutter und seinen Schwestern und verließ die Villa Buonanima zu Fuß, ging aber nicht in der Richtung nach Palermo, sondern bog am Ende einer Zypressenallee seines Parkes links ab und gelangte in wenig Minuten auf die Landstraße, die nach Arenella führte. Es war ein prächtiger, klarn Abend. In echt südlichem Glanz hing die Mondsichel im Westen über dem Meer und übersäte die endlose Wasserfläche mit Millionen und Myriaden hüpfender und tanzender Lichtchen. Auf der ganzen Conca d'Oro lag ihr magisches Leuchten. Licht und Schatten in gleich scharfer und packender Kraft über die ruhende Landschaft austheilend, eine Szenerie, wie gemacht zu dem leichten, sinnigen Märchengewebe von Shakespeares Sommernachtstraum. Wie kräftig hoben sich in der weißlichen Mondbeleuchwng die Formen der Felsen. die schwarzen Schatten der Bäume von dem ewig unruhigen Flimmern und Glitzern des Meeres ab! Wie belebend und erfrischend wehten die würzigen Abendwinde über das Land! Wie träumerisch und geisterhaft rauschten die Baumwipfel aus! Nach nur wenig Minuten kam Baron Gualtieri an einer kleinen Kapelle vorüber, die an der Straße stand und die man nach einem Bilde der heiligen Maria Santa Madonna del Man nannte. Die Kapelle war besonders bei den Fischern der Umgegend sehr populär, die immer, ehe sie in See gingen oder sonst eine gefährliche Unternehmung vorhatten, hier ihr Gebet verrichteten und um gnädigen Schutz oder guten Erfolg ihres Fischzuges beteten. An dieser Kapelle verließ Baron Gualtieri die Straße irni bog in einen steinigen und sehr steilen Fußpfad ein, der ihn nach kaum fünf Minuten in den Garten des Commendatore dei Falconari brachte. Kaum hatte er die Kapelle im Rücken, als die Glocke, die in dem kleinen Dachthürmchen hing, anschlug. Es war nur ein leiser, diskreter Ton, der aber doch in zitternden Schwingungen in weitem Umkreise durch die Lust drang. Gualtieri blieb etwas überrascht stehen und sah sich um. Ave Maria war längst vorbei, und es folgten auf den einen Ton auch keine weiteren. War denn überhaupt jetzt Jemand in der Kapelle, der die Glocke anschlagen konnte? Oder war es der Wind gewesen? Da er nichts mehr sah und hörte, ging er endlich wieder weiter und hatte die Sache über anderen, die ihn mehr beschäftigten, bald wieder vergessen. Nach etwa zehn Minuten stand er oben, wo der Fußpfad in eine bequeme, schöne Zypressenallee einmündete, die direkt zum Hause des Herrn dei Falconari führte, das etwa nur noch hundert Meier weit war. Da sah er plötzlich kaum zehn Schritte von sich entfernt hinter einer Zypresse Jemand stehen. Die Gestalt stand im tiefen Schatten des Baumes. Baron Gualtieri konnte nicht einmal unterscheiden, ob es ein Mann oder eine Frau war. Er sah nur in der ungewissen, dämmernden Mondbeleuchtung durch die diäten Zweige des Baumes hindurch die ümrisse einer menschlichen Gestalt. Ghela!- rief er leise. Statt dieser trat, auch seinerseits überrascht und, erstaunt, der Commendatore dei Falconari selbst aus dem Schatten des Baumes heraus in das volle Mondlicht, in der Hand schußfertig ein Gewehr haltend, das er aber sogleich über die Schulter hing. Herr Baron!" rief er verwundert. Was verschafft mir denn die aunerordentliche, wenn auch etwas spate Ehre?" Gualtieri war betroffen und durch das Zusammentreffen verlegen. Er hatte offenbar etwas ganz anderes erwartet. Er faßte sich aber doch schnell. Ich bin sehr erfreut, Sie zu sehen. Herr Commendatore," sagte er rasch und ihm freundlich die Hand darbietend, werm Ich auch wirklich glaubte. Fräulein Ghela vor mir zu haben. Ich war in der That auf dem Weg. Ihnen einen Besuch abzustatten. Aber Sie haben mich doch wohl nicht erwartet mit dem Gewehr in der Hand? Waren Sie im

Anstand auf Raubzeug?"

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Commendatore kurz. Was meinen Sie? Ich will nicht hoffen" Das gehört zu den Freuden eines sizilianischen Landbewohners. Die Carabinieri können nicht überall sein, und da ist es gut, wenn man selbst einmal nach dem Seinen sieht." Sie gingen Beide die Allee entlang. dem Hause zu. Aber ich versiehe nicht " begann Gualtieri. Ich will's Ihnen erzählen. In voriger Woche kam ein junger Mann zu mir und sagte, er habe gehört, daß ich einen Gärtner oder einen Gartenaufseher brauche, und bot mir seine Dienste an. Der Mann nannte sich Gaetano Russo, kam eben aus Amerika zurück und erzählte mir eine wüste Geschichte vcn seiner Noth und seinem Elend. Kennen Sie den Mann, Herr Baron?Gualtieri sah ihn etwas betroffen an. Keine Ahnung," antwortete er bann ruhig. Also. Ich sage dem Manne, daß er falsch berichtet sei, und ich weder einen Gärtner noch einen Gartcnaufi'eher brauche. Darauf geht n ruhig wieder seiner Wege, und am nächsten Morgen fanden meine Leute in dem neuen Weinberg, den ich erst in diesem Frühjahr angepflanzt, fünfzig junge Reben ausgerissen." ..Ah das ist stark!" Es kommt noch besser. Am Freitag war dieser Herr Gaetano Russo wieder da, jammerte mir wieder mit seinem Elend die Ohren voll und bat bei allen Heiligen, ich solle ihm doch eine Beschäftigung geben. Was sagen Sie dazu?" ..Sie hätten ihn festnehmen lassen sollen." Das sagen Sie? Sie, ein Palermitaner vom reinsten Wasser? Glaubcn Sie denn, es ist irgend welcher Zusammenhang zwischen diesem Menschen und dem Frevel in meinem Garten nachzuweisen? Also kurz, ich schicke den Kerl wieder fort, und am Sonnabend früh sind sechs junge Pfirsichbäume, die ! Lieblinge meiner Tochter, müsammt den Früchten abgeschnitten ..Das ist" Lumpengesindel ist t, Herr Baron, es mag sich nennen, wie es will." Gualtieri zuckte etwas mit dem Hals hin und her, als ob ihn der Hemdkragen genire. Sie werden sich bequemen müssen, etwas zu thun, Herr Commendatore, so unangenehm Ihnen das auch sein mag." Sie sehen ja, daß ich das will. Deshalb war ich hier, mit dem Gewehr im Anschlag. Wohl uns, daß ich Sie zeitig genug erkannte." Herr Commendatore, seien Sie vorsichtig" warnte Gualtieri ernst. Sie kennen das Sprichwort: Man soll zu Gott beten, aber auch den Teufel nicht ärgern. Geben Sie nach. Treiben Sie nichts auf die Spitze." Wie meinen Sie das?" Stellen Sie den Mann an. Geben Sie ihm seine zwei Lire pro Tag, und Sie werden Ruhe haben." Mit solchen Leuten im Hause?" Warum denn nicht? Dieser Ruffo oder Russo oder wie der Mann heißt, kann der fleißigste und ordentlichste Mensch sein." Ein Mafioso! Ein Mitglied der großen Familie!" Ein Mafioso! Warum denn nicht? Ich weiß, die Mafia ist ein sozialer Schaden, aber der Einzelne kommt immer noch am besten fort, sich mit ihr zu arrangiren, so lange eben die Regierung uns nicht definitiv davon befreien kann. Seien Sie froh, daß Sie so billiq wegkommen. Sie wissen doch, wie es memem Onkel Alcaimo ging?" Nein." Nicht? Die Sache war eigentlich lächerlich. Mein Onkel wohnte damals in Castrogiovanni und ging eines Abends auf die Jagd, von der er erst zehn Tage späte? wiederkam. Die Mafia hatte ihn aufgehoben und in die Berge geschleppt. Er hatte sich dabei über nichts zu beklagen, die Leute hatten ihn behandelt, wie es ihm gebührte, brachten ihm des Morgens seine Schokolade und seine Zeitung, küßten ihm die Hand und nannten ihn Excellenz. Nur etwas theuer war der Ausflug. Er kostete meinen Onkel jeden Tag zehntausend Lire." Und Ihr Gerechtigkeitsgefühl empört sich nicht bei dem Gedanken, mit solchem Räubergeindel zu unterhanbeln?" Gerechtigkeit hin. Gerechtigkeit her. Mein Onkel wäre ein todter Mann gewesen. wenn er nicht bezahlt hätte. Wie ist es mir denn selbst gegangen? Ich mußte ein volles Jahr und darüber in Untersuchungshaft sitzen, weil es der Mafia gefiel, mich bei dem Staatsanwalt Te Luea anzuschwärzen." ..Wie? Sie glauben" ..Nein. Herr Commendatore, ich weiß! Ich kenne die Leute, auf deren Lügen hin mir der Prozeß gemacht worden lst. Also Vorsicht. Herr Commendatore. Nehmen Sie den Gärtner auf, und der Segen wird sein, daß Sie Ihre Bäume und Ihre Weinstöcke behalten. Aergern Sie den Teufel nicht. Er kann sehr unangenehm werden." Eigentlich hatte der Commendatore das7 was Baron Gualtieri von sich selbst erzählte, anders gehört. In den intimen ttrerien der besseren Gesellschaft tuschelte man sich unter dem Siegel des Geheimnisses zu. daß Baron Gualtieri sich der Mafia bedient habe, um sich von der Anklage frei zu machen. Das war's ja auch, was Herrn dei falconari veranlaßte, sich von ibm zu-

Mauicycn, 2can sprach von gerauf

ten Zeugen und bestochenen Gefchworencn, aber das waren lauter Vermuthungen, für die stch wohl schwerlich ein durchschlagender Beweis erbringen ließ. Und möglich war ja die Behauptung Gualtieris ebenso wie die andere. Ganz flüchtig, wie ein Schatten, tauchte in Herrn dei Falconori die Idee auf, daß Baron Gualtieri vielleicht gar eine gewisse Absicht oder Veranlassung dazu habe, sich für die Anstellung des Gaetano Russo als Gärtner in der Weise, wie es eben geschehen, zu verwenden. Er sagte bei sich selbst, daß es offenbar ein toller Einfall sei. einen Baron Brwnanima mit dem dunklen Gebaren der Mafia in Verbindung zu bringen. Aber die Idee war da. und er wurde sie auch nicht sogleich wieder los. Sie waren unterdessen an dem Hause angelangt, als plötzlich Ghela aufgeregt und ängstlich auf der Terrasse erschien, die Treppe nach dem Garten heruntereilte und im nächsten Augenblick ihrem Vater in den Armen lag. Der heiligen Madonna fei Dank. Du bist wieder da. Papa. Es war nichts, wie?" fragte sie -hastig. Du hast nicht geschossen ?" Nein. Auf wen hätte ich denn schießen sollen? Aber was hast Tu denn? Du bist ja so aufgeregt. Du zitterst, liebes Kind." Ich hörte die Glocke, und" Baron Gualtieri horchte scharf auf. Na, und?" fragte der Commendatore. Ich dachte, es könnte einen Irrthum, einen unglücklichen Zufall geben " Nun, Du siehst ja, daß das nicht der Fall ist. Im Gegentheil, Baron Gualtieri kam, um uns einen Besuch zu machen. Du wirst gut thun, uns ein Glas Marsala oder dergleichen auf die Terrasse herauszubringen. Der Abend ist zu schön, als daß man ihn im Zimmer verbringen dürfte." Gualtieri war mit seinem Erfolc-e nicht ganz zufrieden. Er hatte gehofft. mit Ghela allem sprechen zu tonnen, wie er es mit ihr heute Vormittag verabredet hatte. Aber auf dem Wege nach dem Felsvorsprung, wo sie schon heute Morgen zusammengetroffen, war ihm nun der alte Commendatore in den Weg getreten. Wie das zuging und welche Rolle dabei die Glocke der Santa Madonna del Mare spielte, war dem Baron noch nicht ganz klar, wenn er auch argwöhnte, daß ein gewisser Zysammenhang vorhanden sein mußte. Seine Absicht, eine Aussprache mit Ghela herbeizuführen, war für heute enfalls vereitelt, denn daß ihr Vater sie allein lassen würde, war nicht zu erwarten. Er verabschiedete, sich deshalb auch bald und ging auf demselben Wea, den er gekommen war, wieder zurück. Einen Augenblick schien es, als wolle Ghela beim Abschrednehmen ihn ein Stuck be gleiten, dann aber trat sie auf die Ter rasse zurück, und er mußte sich auf spä ter vertrösten. 4. Kapitel. iTL eit seiner Bekanntschaft mit r p Gaetano Russo wurde der l Commendatore dei Falconari seines Lebens nicht mehr recht froh. Fast alle Nächte wurden ihm in seinen Feldern oder im Garten irgend welche muthwillige oder böswillige Streiche gespielt. Eines Morgens stand er mii seiner Tochter auf einem kleinen Felsvorsprung, von dem herab er die unten am Meer hinlaufende Straße über sehen konnte, als er an der Kapelle der Madonna del Mare eine laut schreiende und lebbaft geftikulirende Menschen ansammlung bemerkte. Was war dort geschehen? Es mußte etwas ganz Ungeheuerliches sein, denn der Lärm und das Geschrei tonte bis zu ihm herauf Die kleine Kirche stand offen, Fischer aus der Umgegend, Weiber und Kinder strömten ein und aus, schlugen die Hände über dem Kopfe zusammen und geberdeten sich, als ob irgend em großes Unglück geschehen wäre oder bevorstände, ein Erdbeben, ein Sturm, der alles verschlingt, oder sonst ein gräßliches Unglück. Der Commendatore wollte schon hinuntersteigen, um sich zu erkundigen. was es gäbe, als er zufällig den Professor Talleri den Fußpfad heraufkom men sah. Er mußte also an der Kirche der Madonna del Mare vorübergeganqen sein und deshalb wissen, was geschehen war. Der Commendatore war so neugierig und erregt, daß er dem Professor eilig entgegenlief. Eine Ahnung sagte ihm, daß dies alles mi seinen neulichen Unfällen im Zusammenhang stehen muije. Was ist geschehen. Herr Professor? fragte er den Herankommenden. Die Glocke aus der Kirche der Madonna del Mare, Herr Commendatorc " antwortete Talleri noch außer Atbem. Was ist mit der Glocke?" Sie ist verschwunden. Die aber gläubischen Leute sind wie toll. Sie glauben steif und fest, der Teufel in höchsteigener Person habe sie geholt, um die Gegend m Unglück und Notb iu stürzen. Sie kennen doch unsere armen Leute. Die Angst macht sie verrückt und sie denken an nichts Geringeres als an den Weltuntergang. Ja. aber die Glocke? Was ist mi der Glocke in Wirklichkeit? Wo ist sie?" Was weiß ich, Herr Commendaton? Sie ist verschwunden, gestohlen jedenfalls ist sie fort. Der kleine Thurm über dem Dache, wo sie immer hing, ist leer. Padre Patrizzi ist in Verzweiflung.

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Venetianer eine Weile stumm, den Blick nachdenklich zu Boden geheftet, her. Gestohlen?" fragte er nach einer Pause ungläubig zurück. Wer soll eine Glocke stehlen? Und wozu? Eine Gwae kann man nicht verkaufen wie einen Nock, oder ein Pferd. cfoet einen Sack Kartoffeln, eine Glocke kann man auch nicht essen oder trinken, oder verIchente, man kann sie auch Nicht auf's Leihhaus bringen wie eine Uhr. oder einen Ring, oder sonst was. Wer soll also eine Glocke stehlen?" Ich weiß nicht." erwiderte der Proessor kurz. Die Sache kümmerte ibn offenbar wenig. Um so nachdenklicher machte sie Herrn dei Falconari. Er entschloß sich nun doch, an Ort und stelle zu gehen, verabschiedete sich rasch von dem Profefloi und stieg den Fußpfad hinunter, ttr ihn in wenigen Minuten nach der Kapelle brachte. aore Patrizzi sah ihn schon von Weitem kommen und ging ihm cntgegen. Der Geistliche hatte sich mit dem Commendatore immer gut gestanden. und Herr dei Falconari wieder wandte der Kapelle bei jeder Gelegenheit zu, an was es etwa fehlte, eine Altardecke, ein Vorhang, ein Bild oder größere Reparaturen an dem nicht mehr ganz sturmsicheren Gebäude. Dafür hatte sich Padre Patrizzi in der letzten Zeit erkenntlich gezeigt, indem er etwa verdächtiges Volk, das sich dem Besitzthum des Commendatore auf dem Fußweg näherte, durch leises Anschlagen der Glocke signalisirte. so viel Schläge, lo viel Leuie. Aber so diskret und qeheim das auch geschehen war, so mußte man doch hinter dieses Uebereinkommen gekommen sein und hatte sich vermuthlich nun in dieser Weise an dem Heiligthum gerächt. Wie konnte das geschehen, mein lieber Padre?" fragte der Commendatore. Gestern Abend hing sie noch da, Herr Commendatore. Nach dem Ave Mana-Läuten faß ich wie gewöhnlich unter dem Fensterbogen, schaute auf's Meer hinaus und freute mich über die schöne Gotteswelt. Gegen elf Uhr gina ich zu Bett, und heute früh, als ich nach dem Strang griff, um zur Frühmette zu lauten, war er fort mitiammt der Glocke. Das ist alles, was ich von der Sache weiß." Einige Weiber lagen in der Kapelle vor dem Bild der Madonna del Mare, heulten und schrieen wie besessen, rauften sich die Haare und waren in Verzrceiflung über ihre Angehörigen, die sie auf fernen Meeren wußten und nun sicher verloren glaubten. Selbst ein Rudel schmutziger, halbnackter Kinder, die herumstanden und gewiß nicht wußten. um was es sich handelte, ichrieen, weil sie die Anderen schreien hörten. Auf allen Zügen sah der Commendatore Furcht und Entsetzen. Wie wenn das Gewitter mit Donner und Blitz die ahnungslosen Schläfer in der Nacht emporschreckt, so wirkte hier das pietätlose Ereigniß. Die leidenschaftlichen Leute waren überzeugt, daß ein solcher Frevel ein Unglück, eine Strafe hervorrufen müsse, nur über Art und Umfang waren sie im Dunkel. Selbst Falconari wurde durch das Verschwinden der Glocke und besonders über den Zusammenhang. in dem es zu ihm stand, sehr betroffen. Offenbar stand er vor einem neuen Gewaltakt der Mafia. Wohin sollte das führen, wenn er sich und seine Umgebung solchen rücksichtslosen, geheimnißvollen Attentaten ausgesetzt wußte? Diese in der Nacht schleichenden Thäter schreckten offenbar vor nichts zurück, was sie ihrem Ziel naher bringen konnte. Sie müssen Anzeige erstatten, Padre Patrizzi," fuhr der Commendatore nach einer kleinen Pause wieder fort, bei der Polizei oder bei der Staatsanwaltschaft. Man wird Sie schon zurechtweisen." Was soll uns das nützen, Herr Commendatore?" fragte der Priester muthlos. Je nun, vielleicht findet man den Uebelthäter, und wenn nicht, so kann man doch für die Zukunft besser Vorsorge treffen, daß nichts Schlimmeres geschieht. Sie können ja alles erzählen, wie es zusammenhängt." Der Vorschlag des Commendatore gefiel dem Priester anscheinend nicht besonders. Er wußte von der Polizei nur, daß sie bunte Röcke anhatte und alles mit Gewalt erledigen wollte, und das sagte ihm beides nicht zu. Anderseits war er aber dem .Yerrn dei Falconari in einer Weise verbunden, daß es ihm erwünscht schien, sich seiner An sicht möglichst anzubequemen. Er sagte alo zu. Gehen Sie zum Staatsanwalt De Luca. Padre Patrizzi." fuhr der Commendatore fort. Es wird ihn vielleicht interessiren, von der Sache zu hören, und wenn er sie auch nicht selbst verwlat. so kann er Ihnen doch be stimmte Anweisungen geben. Ich kenne ibn. Er ist ein iunqer energischer Herr Ich werde Ihnen einige Zeilen für ihn mitgeben, und er wird Sie gut aufnehmen," Das waren eben .die jungen energischen Serren." denen der alte erfahrene Padre Patrizzi nicht viel zutraute und die vom Festlande nach der yat ge schickt wurden, um Ordnung und erne straffe Verwaltung einzuführen, von den Sitten und Gebräuchen der Sizilianer gewöhnlich nichts wußten und das. was sie wußten, aus Büchern zusammengeklaubt hatten. Sie machten von ihrer Thätigkeit gewöhnlich viel Geschrei und Lärm, und wenn ihnen der Boden zu heiß wurde und sie, statt Ordnung zu machen, alles in Unordnung, in Aufregung und Wuth versetzt

Dänen, dann gingen ite iungen energischen Herren ihrer Wege, brüsteten sick: mit ihrer Verwaltungsthätigkeit in Sizilien und ließen sich dafür in höhere Stellen versetzen oder einen Orden geben. Das hatte Padre Patrizzi, der als ziemlich junger Mann nach der Kapelle der Madonna del Mare gekommen und nun seit mehr als vierzig Jahren dort thätig war, häufig beobachtet. Schon unter den Bourbonen war das so gewesen. Immer waren tit Leute vom Festlande herübergekommen, bald Franzosen, bald Italiener, um hier Ordnung" zu machen. Und wenn sie eine Weile Ordnung gemacht hatten, dann explodirte mit einem Male die Wuth und der Zorn des Volkes in einem formidablen Aufstande, und die ganze Insel ächzte unter Blut und Leichen. Aber der Padre Patrizzi war zu alt und seinem Naturell, und seinem Amt nach nicht dazu geschaffen, seine Ansichten zu verfechten und zur Geltung zu bringen. Er fügte sich den Anordnungen des Herrn Commendatore, der ihm ja auch eine neue Glocke versprochen, nahm den Brief für den jungen energischen Herrn in Empfang und macyre licy nacy Palermo aus den Weg Am Nachmittag desselben Tages kam der Staatsanwalt De Luca selbst in einem Miethwagen zu Herrn dei Falconari und ließ sich bei diesem anmelden. Er war nicht mehr so sehr jung, wie Padre Patrizzi vielleicht gefürchtet. Er

konnte etwa dreißig oder auch schon einige dreißig Jahre sein, machte aber im Uebngen emen sympathischen Ein druck, eine Züge waren offen und aufrichtig, sein Wesen höflich und elegant, aber doch nicht ohne eine gewisse Zchneidigkeit. Jedenfalls ließ der junge Herr nicht mit sich spaßen, und wenn man ihn von Rom aus nach Palermo versetzt hatte, so war man dort vielleicht der Ansicht gewesen, daß ein Leisetreter und Furchthase in Palermo als Beamter erst recht nicht angebracht ist. Falconari saß mit seiner Tochter auf der großen Terrasse, die nach dem Garten hinausging. Er war sehr erfreut. De Luca bei sich zu sehen, und stellte ihn seiner Tochter vor. Der Staatsanwalt machte vor Ghela eine sehr geschickte und verbindliche Verbeugung und küßte ihr die Hand. Mein Fräulein, ich bin untröstlich. wenn ich Ihnen oder Ihrem Herrn Papa auch nur einen Augenblick lästig fallen muß." sagte er gewandt. Aber Sie wissen ja wohl, daß die Ausübung meines Amtes leider nicht immer die Rücksichten gestattet, die man im Pri vatvcrkehr nimmt. Gleichwohl war mir mein Amt niemals so angenehm als in diesem Augenblick." Ghela war von der feinen, vorneh men Art des jungen Staatsanwalis angenehm berührt. Sie wollen uns doch nicht etwa verhaften, Herr Staatsanwalt?" scherzte sie leicht lackelnd. Keine Angst, mein Fräulein, vorläufig noch nicht," erwiderte Te Luca. auf ihre Art eingehend, und sah sie dabei intcressirt an. Ghela zog ihre Hand zurück und erröthete. Ich störe die Herren wohl' sagte sie leichthin und wollte sich zurückziehen. O, ich bitte " rief De Luca erschrocken. ..Womit kann ich Ihnen dienen. Herr Staatsanwalt?" fragte nun der Commendatore. Vor allen Dingen damit, daß weder Sie noch Ihre Fräulein Tochter sich meinetwegen auch nur im geringsten inkommodiren," antwortete De Luca schnell. Ich bin gekommen, mir unauffällig die Oertlichkeiten anzusehen, auf denen die Dinge geschehen sind, von denen mir Padre Padrizzi erzählte. Ich brauche dazu schließlich Niemand, aber ich habe geglaubt, meinen Zweck besser zu erreichen, wenn ich ihn in einen harmlosen Besuch bei Ihnen einkleide und mich Ihrer Führung anvertraue." Ich stcheJhnen vollständig zur Verfügung, Herr De Luca," entgegnete der Commendatore, und um den Besuch noch harmloser zu gestalten, kann uns ja Ghela begleiten." Nein," erwiderte De Luca rasch, so weit geht meine Rücksichtslosigkeit denn doch nicht. Wir gehen vielleicht weit, weiter als für eine Dame bequem ist, oder auf Wegen, die nicht für junge Damen, sondern nur für Strauchdiebe und Gesindel gut sind. Ich würde es für eine Sünde halben, Fräulein Ghela mitzunehmen, fo seh auch mein Egoismus dafür spricht." Sie thun mir wirklich einen Gefallen, wenn Sie mich hier lassen," warf Ghela lachend ein. und ich werdeJhnen für Ihre freundliche Rücksicht inzwischen eine kleine Erfrischung besorgen." Die beiden Herren gingen also allein davon, und Falconari zeigte dem Staatsanwalt alle die Oertlichkeiten. auf die es diesem ankam. Lange Zeit gingen sie dicht an dem Grundstück des Herrn Buonanima hin. Es schien, als ob dieser Umstand dem Gespräch der Herren eine gewisse Richmng gäbe. Die Grundstücke des Barons Buonanima sind sehr ausgedehnt?" fragte De Luca gelegentlich. Sehr," erwiderte der Commenda tore, obgleich Sie hier nur einen kleincn Theil davon übersehen können. In der Hauptsache erstrecken sie sich nach Piana dei Greci, Corleone und Calatafimi hin. Ungeheure Komplexe, die vielfach unbebaut liegen." Die Familie ist also sehr reich?" Mehr, als man denkt. Bei rationeller Bewirtschaftung müßte das

isanv noch viel- mehr abwerfen. Aber

das ist sizilianische Art. Sie wissen ja, wie man das macht. Baron Gualtieri bat eine ganze Reihe Unternehmer, die ihm größere oder kleinere Strecken abpachten. Diese verpachien es wieder in kleineren Parzellen, und diese kleinen Pächter sind es, die den Bauer schinden bis auf's Blut, die die schändlichsten Hungerlöhne zahlen und auf denen naturlich auch alle Gehaisiakcit sinen bleibt. Der Besitzer selbst weiß wohl häufig nicht einmal, mit wie viel Blut und Schweiß seine Acker gedüngt sind, aver oie Pacht fließt schließlich doch in seine Tasche." (Fortsetzung folgt.) Deutsche Buchhandlung arl Pingvank. Z4 Virginia Ave., 84. lVemdroke rcace.) Feuer Signale. 4 Pennsylv und artet 5 English'S Opern Hau 6 East und New York 7 Noble und Michigan g N. Jerley u. Maff Ave 9 Pin und Nvrtb 10 Mavket und Pine 11 Vermont nah East 12 No.. 8 Spritzenhaus Aass, ve nahe Noble 13 Deaware und Walnut 14 N. Jersey u Central 3. 15 Mass. und EorneU Av 1 Ash und II. Strafe 17 Park Ave und 12 5tr .8 Columbia und Hillfid 19 Higbland Avk u. P,att 21 JllinoiS und 2t. Jot 3 Pennsylo. und Pratt 24 Mcndian und n. ctr 25 No. 5 Spritzenhaus 15. nahe JllinoiS 26 Senate Ave u. EtLlair 27 Illinois und Michigan 29 Pesylvania und 14. 29 Senate Ave. und 13. 31 No. 1 Spritzenhaus Jnd Ave nahRichigan 12 Meridian und Walnut 34 California u Bevmont 2b malt und New York S Ind. Av. u. St. Ela Z7 City Hospital 38 Blake und Norty 3g Mchizan und Agne 41 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West 42 Ssndorf u Wash. 43 Miffvuri u New Dort 45 Meridian u Wash 4 Jllmois und Ohio 47 Capitol Aö. u Wash 4S ingan'ö Porkhau 49 Straßenbahn StZlle W. Washington Str öl No. 10 Spritzenhaus JllinviS u Merrill 52 Illinois u Louisiana 5Z Wct und South 54 West und McCarty 6 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Ra 68 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Mor-.-i 69 Madiion Av. u Dunlop 61 No 2 Haken Leiterhaus South nahe Telawar 2 Penn, u Merrill 63 Telaware u. McCarty 4 afi und MeSarty 5 New Jersey u. Merrill 67 Birg. Av. u Bradsha 68 East und Prospect 69 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus Vir Ave. nahe Quron 72 Last und Ekorgia 73 Ceda und Elm 74 Davidson u Georata 75 önglish Av.U Pine 76 Shell'y und BateS 7S No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelby 7 Kletcher v. u Sbelby 81 Market u. New Jersey 2 ?elaware und Wash. 83 East u Washington 84 New Dork u. ?avidso? 85 Taubstummen Anstalt 86 Ver. Staaten Arsenal 87 lnentZi und Wash. 89 rauen-Reormat. 1 No. is Spritzenhaus Marvland nabe Wer. 92 Meridian u. Gcrqia. 93 Meridian und South 4 Pennsvlv u. Lonistana 05 Birqini Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Ohis :23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Afh. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und 15. 126 JandeS und 1. 127 Brookside und Jupiter 12S Centrat Ave und 17. 129 Telaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellesontaine und. 134 College Ave und 20. i5 Dclaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 133 College Ave und 14. 133 Cornell Ave und 13. itl Landes und 19. 142 Higbland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey und 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hiliside Ave und 1. 143 College Ave und 22. 149 College Ave und 27. 1 Park Ave und 2. 158 L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey Ave und ia. 156 -toughton u Rewman 157 Atlas und Pike, 158 Bloyd und Pawvaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood 12 Arden und Depot 163 Brightwood und 25 164 Slural und Bloyd 165 St. Clair u. eyfton 169 Park Ave und 10. 212 Capital Ave und 17. 213 Pennsvlv. u. Vichiza 14 JllinoiS UNd 20. 215 Senate Ave und 21. 216 Pennsvlvania und 22. 217 Meridian und 16. 218 Capital Ave und 26. 219 Broadway und 10. 231 Illinois und McLean 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 80. 235 Illinois und 33. 2Z6 Annrtta und 30. 237 No. 9. Spritzend ru Uttll und Raer 238 lldcil Ladber WoriS 2ZS Jiavel und 27. 24 t Meridian und 24. W JllinoiS u t. Glai, 243 Elrrioge und 23. 812 West uud Walnut S13 West und 12. 814 Hcwai d nd 16. 815 Torbet und Pae 316 Capital Sve und 1. 317 Northwestern Ave u 2t 313 Gent und 18. 819 danol und 10. 324 Cerealine WorkS 324 Vermont und Lynn 325 Bismarcku i?randie 826 No. 2? Spritzenhaus Haughoille. 327 Michigan u. Helmes, 328 Michigan u. Concord 341 West und McIntvr? 412 Misfaun u. Marvland 413 Missouri und Zbw 415 Capital Ave u Keorgio 416 Missouri u Kcntucky A 417 Senate Av u. WA 421 P und E RliauS W. Washington. 423 Jrren-Hospital. 424 Mi.ey Av u. I D u3 425 Wash. und HarriS 426 No. 18 Cpntzcnhaul W. Washington 427 O'.iver und kirch 428 Oliver und Osgood 429 Rordvke und Nork 431 Hadlcy Ave u. Mor.iS 432 River ve u. MsrrtZ S4 River Ave und Ray 43S Harding u. Big 4 R ? 43 Harding und Olwa 437 No. 19 Spriyenh? Mcrris und Harmnz. 4 Hswarb UUemB 39 Stockt) 451 Reisner und Villa 452 Howard und Lee 453 MornS und apys 456 Lambert und Belrent 457 Nordykr ve u. Vtax TROn Works 812 West uud Ray 513 entuely Av u. MerrQ 614 Meridian und MorrtS 51 JllinoiS und ansaS 5,17 Morris und Takota 618 Mornö und Chmch SIS Capital A. u McCarty 621 Meridian und Palm er 623 Pine un', Lord 524 Madif or Ave u kincoln 26 Meridian und Bell Z 627 CarloS und Ray 528 Meridian und Zlrizona 629 Meridian u. Raymond 531 Meridian u. McCarty 632 No. 17 Spritzenhaus Morris nahe West 1 McÄernan und Dough. 613 East u. Lincoln w 614 East und Beecher 15 Wright und SanderS 617 McCarty und Beaty 18 Rew Jersey u ir Ave 712 Spruce und Prospec 71 Er.zllsh Av. u. Laurek 714 State Ave u. Belt R R 71 Eyelby und eech 716 State Ave und Orang, 718 Orange und Laurel 7 Shelby u. Ct.rtas Av 721 Lerington A. u fiaurtf 723 Flacher Ave u.pru 724 State Ave u, Pleasan. 726 Prospitt und UasarJ 726 Orange und Hatla? 728 Liberty und Meek 729 Role und South 81 No. 16 Stz4itztch,nS Ost Washington Su 818 Market und Noble 814 Obw u. Highland flfc 815 Michigan u. Higbland 81 Market u Arsenal v 817 Ost S Clair und Union Bahn Gteis. 821 Pan Handle ShepL 623 Vermont und Walcotk 24 Wash. und State Atzj. 826 avden'SLounge Zatt. 82 Tucker und Dorsey 827 Wash. und Beville AM 629 No. 12 SpriHenbauS eville nah Mich,ga, 881 Southastern AJ und Woodfide. 832 Wash. und Tearborr 634 Eoutheastern und Arsenal Aves. 836 Rew York und ' 12 Jllmoi und 918 JllinoiS und Market 14 Penn, und fBtt 915 Delaware nnd fr 167 Arsenal Ave und 23. 166 Bellesontaine und 28. Spezial-Signale. Ersten 2 Schläge, zweiter Alarm, wetten 2 Schlage, dritter Alarm, Dritten 2 Schlage, vierter Alarm. IM, Feuer aus und Schlauch aufgerollt. 8 Schlüge, Wasserdruck ab. 12 Schlag, 12 Uhr Mittag. Die so bezeichneten Signale werden nur vom 1 Wachter angegeben da an den betreffende trotze kruvunge tone AlarnuMen angebracht sind.