Indiana Tribüne, Volume 26, Number 175, Indianapolis, Marion County, 17 March 1903 — Page 7
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gOo 0OO00OO0 0OO0 0OO0 oooo oog I Anter ! schwcrcm Verdacht. I
Roman von Teo von Torn. o o 800 0OO0 0OO0 0OO0 0OO0 oOOo 008 (Fortsetzung.) lrn als Schritte auf dem Korridor laut wurden sodann eine Frage und eine Antwort, und als gleich darauf die Thür Nr. 5 geöffnet wurde, sahen die Zerren lauschend au? und traten auf den Fußspitzen an die Verbindungsthür der beiden Zimmer. Kriminalkommissär von Wengern tbat desgleichen, nachdem er seinen Rebo)tr. und ein Notizbuch zur ant) genommen hcttt. Sie sind ein geschickter Mensch, Herr von Brodowin," sagte Nora mit einem seltsamen Lachen, indem sie den als Dienstmcnn verkleideten Russen betrachtete. Ich hätte Sie kaum erkannt, wenn ich Sie nicht erwartet hätte. Sie haben keine Furcht gehabt, meinem Ruf zu folgen?" Nein." Arnold von Brodowin schaute sich flüchtig um und sog dann den Duft ein, welchen die)e Frau wie immer verbreitete. Er hatte sich den Schnurrbart abnehmen lassen. Die glattrasirten Lippen und Wangen ließen das Gesscht bleich und eingefallen erscheinen. Die brennenden, dunklen Augen lagen tief in ihren Höhlen. Also vertrauen Sie mir?" fragte Nora. Nein, ich vertraue Ihnen nicht, Gräfin. Aber ich bin Ihrer sicher. Es ist überflüssig. Ihnen zu sagen, daß ich von Paris aus über alles unterrichtet bin über Ihre Flucht, über den unglücklichen Semenowitsch, welcher aufgeknüpft gefunden wurde." Hm, armer Nicolaj aber es war nickt anders zu machen . . . ." Das ist Sache Ihres Gewissens." Wieder das seltsame Lachen. Wie sieht das wohl aus, Brodowin, was wir beide Gewissen nennen?" fragte sie mit einem Hohn und trieb damit dem Russen für einen Moment das Blut in die Stirn und Schläfen. Dann wechselte sie sofort den Ton und sagte weiter: Natürlich werden Sie auch unterrichtet sein über den Zweck meiner Flucht" Vollkommen." Und trotzdem Sie wissen, daß ich hierher gekommen bin, die Pläne des Komites preiszugeben und einen Unschuldigen zu entlasten trotzdem suchen Sie mich auf?" fragte Nora nicht ohne wirkliches Befremden, indem sie ihn scharf ansah. Trotzdem." Er legte die neue, rothe Glanzledermütze beiseite, ließ sich erschöpft auf einen Stuhl nieder und löste das Tuch, welches er um seinen Hals geknotet hatte. Ihm war warm. An seinen Schläfen standen helle Tropfen. Ich habe keine Furcht, Gräfin, weil ich nichts mehr zu verlieren habe und ich suche Sie hier auf, weil ich Sie in der Hand habe." Das verstehe ich nicht.Sprechen Sie leiser in solchen Häusern haben die Wände Ohren. Die: ses ist ein Eckzimmer, aber was ist das für ein Zimmer nebenan?" Ich weiß es nicht. Es hat jedoch keine Gefahr. Der Portier sagte mir, es wohne dort eine alte, halbtaube Dame, welche die Ohrenklinik der Universität besucht." Der Portier ist ein sonderbarer Mensch na gleichviel!" fügte er mit einer schlaffen Handbewegung hinzu. Was fragten Sie mich doch?" Ich ersuchte Sie um eine Erklärung, wieso Sie mich in der Hand zu haben glauben," sagte die junge Frau, indem ein verächtliches Lächeln ihren Mund kräuselte. Ja ganz recht. Von dem Moment, da Sie den Bahnhof verließen, war ich Ihnen nahe. Ich folgte Ihnen auf der Fahrt zunächst in da Restaurant, wo Sie speisten; dann hierher. Da war ich sicher, daß Sie mir keine Falle stellten und ich bin gegangen, mich umzuziehen. Hätten Sie. wie ich vermuthete, den Weg zur Polizei oder direkt Nach Moabit genommen, so hätten Sie weder mich noch sonst irgend einen Menschen noch gesprochen. Ich nehme an, daß es Ihnen nicht ernst ist mit jenem Wahnsinn, Sie würden sich sonst nicht mit mir aufhalten. Was haben Sie vor, Gräfin?" Also so sieht es, Brodowin da haben Sie ja eine hübsche Aufgabe übernommen," fagte Nora mit lächelndem Munde. Ihr Blick aber hatte etwas Starres. ZJie diefer Mensch da vor ihr saß, und wie er sprach, alles sagte ihr, daß es ihm ernst war. Es ergriff sie das doch so sehr sie mit allem gerechnet und auf alles vorbereitet war. Ihre Jugenc, lehnte sich auf gegen das Ende. Das laute, bunte Leben da draußen, und die Hoffnung, die eine, stille Hoffnung Das erlosch aber, wie so oft schon. Sie zuckte die Achseln und richtete den Oberkörper gerade auf. Was ich vorhabe ich will Ihnen darauf eine runde Antwort geben, Brodowin. Ick rüste mich zu der wie es scheint einzigen guten That meines Lebens. Es ist merkwürdig. BrodoWin, wie viel Zeit man hat. um BöseS anzustiften, und wie wenig, um etwas Gutes zu thun! Ich werde der Behörde den Nachweis liefern, daß der Assessor von Damradt unsckuldra ist."
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Und wie. wenn ich fragen darf?" ..Zunächst, indem ich Ihnen klar beweise, daß das unmöglich ist. Wenn Sie sich der Staatsanwaltschaft stellen, so werden Sie in Haft genommen werden als die Mitschuldiae und Tihr eugmtz wird dem junge Mann mans nutzen. Man wird annehmen, daß Sie mit der Entlastung irgend einen Zweck im Dienste unserer Sache verfolgen. Am allerwenigsten aber wird man Ihnen glauben, wenn es sich herausstellt, daß Sie den Menschen lieben. Dann ist toebj eine Erklärung für Ihr Vorgeben gegeben aber entlastet ist ta Assessor von Damradt dadurch nicht. Im Gegentheil. Ist Ihnen das nick klar. Gräfin?" i'nd wenn diese Möglichkeit mich nick-.? abschreckt?" Xznr. werde ich &tt iqweiqcn machen." .Sagen Sie, Brodcwin " fragte die junge Frau nach einer Pause ruhig, gib: es nicht neen ein Drittes?" Das. Sie mich das fragen würden, hale ich gewußt," 'stieß er hervor, indem er seine glühenden Augen auf sie richtete, und ich habe mir vorgenommen, ,nein' zu sagen; aber als ich es mir vornahm, hade ich auch gleich gewußt, daß ich es nicht würde können! Das ehn ist der Jammer. Jedes Versprechen und jede Hoffnung, die Sie mir geben, sind erlogen, ehe sie ausgesprochen sind und doch, wenn ich denke, daß es doch sein könnte " Wir verstehen uns nicht," unterbrach ihn Nora mit eisiger Kälte. Cs gibt noch rine dritte Art, die Angelegenheit, die mich hierher zurückgeführt, zu lösen, Ihr Zeugniß nämlich." Er sah sie an lange. Tann ließ er den Kcpf auf die Brust sinken und murmelte etwas Unverständliches vor sich hin. Das scheint Ihnen nicht einzuleuchten," fuhr sie fort, indem sie die Stimme etwas hob. Ich meine, Ihnen würde man glauben, wenn Sie die Sache darlegten, wie sie eingefädelt wurde, und wie sie sich dann abgespielt. Sie brauchten nur zu schildern, wie Sie die Bekanntschaft des Assessors in Thorn gesucht, wie Sie mich dorthin bestellt. wobei Sie ausdrücklich betonten, daß auf dem Wege der Bestechung mit dem Manne nichts zu machen sein würde, daß vielmehr nur durch Klugheit. Kühnheit und List seine Harmlosigkeit ausgenutzt werden könnte Was soll das alles!" fuhr der Russe auf. Halten Sie mich für verrückt. daß Sie mir zumuthen und auch wenn ich es wollte," fügte er mit einem fraaenden Blick hinzu, ,.wenn ich um eines Lächelns.' um eines freundlichen Blickes aus Ihren Augen mich zu der Thorheit verstehen wollte es würde nichts nützen, Gräfin. Die Spinne hat ihr Netz zu fest und zu fein gesponnen. Es gibt da kein Entrinnen. Man würde auch mir nicht glauben." Sagen Sie das nicht, Brodowin," rief Nora so selbstvergessen und drim;lich. daß der Russe mißtrauisch aufsah. Deshalb nahm sie einen gleichgiltigeren Ton cn, als sie fortfuhr: Sie würden bezeugen, daß mein Eindringen in die Hotelzimmer des Assessors bis in die kleinste Einzelheit verabredet war ebenso der spätere Verkehr mit ihm in Berlin. Sie würden bezeugen, daß Sie dem Manne, außer in Thorn, nur noch ein einzige Mal auf dem Balle des Ministers begegnet sind, daß ei keine Ahnung gehabt hat, daß Sie und Srebro dieselbe Person seien, daß Sie ihn in das Zimmer des Ministers gegen seinen Willen und absichtlich qeführt haben, um mich und den Diebstahl des Aktenstückes zu decken" Ä)as ist nicht wahr!" rief der Russe erregt. Die Wegnahme des Aktenstückes fällt allein Ihnen zur Last! Ich habe von dieser maßlosen Thorheit erst erfahren, als sie geschehen war! Das wissen Sie sehr wohl und das Komite ist in Bezug darauf genau unterrichtet. Es war der Anfang vom Ende aber was sprechen wir davon!" lachte er auf. Das ist alles Unsinn! Sagen Sie mir nur eins: wofür halten Sie mich, daß Sie mir zumuthen, mich jenem Narren zu opfern!? Und, noch einmal: wenn ich es wollte, meinen Sie. daß es einen Menschen auf der Welt gibt, welcher an eine solche Unbefangenheit und Willenlosigkeit glaubt, wie sie dieser Träumer gezeigt hat? Und wenn Jemand das annimmt, so kann das eben nur als ein neuer Beweis für seine Schuld angefehen werden denn wer glaubt einem so abhängigen Menschen. daß er trotzdem die Kraft gehabt. nach jener Richtung hin seine Ehre zu wahren!? Niemand, Gräfin, der Mann ist geliefert, und das ist mein einziger Trost!" Triumphiren Sie nicht zu früh, Brodowin," wandte Nora ein, indem sie sich erhob. Und wenn ich die schriftHeben Beweise vorlegen könnte, daß der Mann wissentlich nichts Unrechtes gethan die Berichte, welche Sie sowohl wie ich nach Paris gerichtet, in denen immer und immer wieder von den Schwierigkeiten die Rede ist, welche die durch und durch ehrenhafte Persönlichkeit des Assessors uns verursacht!? Diese Berichte befinden sich jetzt bereits in den Händen der deutschen Behörden." Das ist nicht wahr. Sie hätten in Paris das Archiv bestehlen müssen und dazu wird man Ihnen dort keine Gelegenheit gegeben haben. Und wenn es wahr wäre, so würden Sie es mir nicht sagen. Es wäre auch vollständig nutzlos Papier ist geduldig und solche Blätter bedeuten nichts, ohne eine glaubwürdige Bestätigung " Die ist gegeben."
ucoxa laate vas letie, mit einem tie
fen Seufzer wie nach einem glücklich vollbrachten schwierigen Werke. Ihre Kraft schien sie zu verlassen. Sie hielt sich aufrecht, aber der Kopf mit den wuchtigen, von der schräg einfallenden Nachmittagssonne übergoldeten Haarmassen hing tief auf die Brust, die sich in stockenden Athemzügen bob und senkte. S'.e war unvergleichlich schön so. Alles Herbe und Harte war V2N ihr gewichen. Nur die weißen Hände ballten sich wie im Sckmer,. (Fortsetzung folgt.) gOo 0OO0 0OO0 0CO0 0OO0 0OO0 o0 8 Brod oder! 8 8 0 0 8 Sizilianischcr Numan 0 0 8 0 von VO 0 l b c in 1 r ix b i n 0 800 0OO0 0OO0 0OO0 0OO0 0OO0 qQ (Fortsetzung.) .nr Vruoer war empört uoer mt: Aussage. Das war also alles, was eine Schwester thun konnte, um ihren Bruder aus einer so fürchterlichen Lage zu befreien? Was wäre denn nun weiter gewesen, wenn sie gesagt hätte, das; sie selbst das Zeichen gegeben habe? Wer konnte ihr denn das Gegentheil beweisen? Dann wäre die Geschichte schon vor einem halben Jahre aus gewesen. Nun aber hatte der Staatsanwalt den Vorgang so aufgefaßt, als ob dem Offizier eine Falle gestellt worden wäre, und suchte nun, wer das wohl gethan haben könne. Natürlich ohne Erfolg. In einer so großen Haushaltung wie in Villa Buonanima konnte wohl ein Licht aus Zufall irgendwohin gestellt werden, auch ohne daß damit verbrecherische Absichten verbunden waren. Der Wagen wand sich, immer am Meere hin, die Strafe nach Aquasanta verfolgend, die Abhänge des Monte Pellegrino hinauf. In dieser Gegend haben die reichen Palermitaner und auch die großen Grundbesitzer da Provinz ihre Villen. Herrliche Gärten mit tropischer Vegetation, prächtige Palmen, Pinien und Zypressen, riesenhafte Agaven, deren fein gegliederte Blüthenstengel sich malerisch vom leuchtenden Horizont abhoben, kühle Springbrunneu, uralte Alleen von Korkeichen, Akazien und Platanen zogen sich an den Abhängen des Berges hin bis zum Meere hinunter. Es ist die schönste Stelle der ganzen Conca d'Oro. mit wunderbaren Aussichten über Land und Meer. iConca d'Oro, gleich Goldmuschcl, nennt man die Einsenkung zwischen dem Monte Pellegrino im Norden und Monte Grifone im Süden. in der Palermo und Umgegend liegt, eine der fruchtbarsten Lagen von Europa.) Hier lag auch die Villa von Vuonanima, malerisch an den Abhängen des Berges, die Stirnseite mit den großen Terrassen und Balkönen dem Meer zugewandt. Ein Liebestraum in diesen lauschigen Parkgängen der Villa, deren Baumwirftl sich IN den wohligen Meerwinden geheimnißvoll wiegten, deren Springbrunnengeplätscher die tropischen Nächte traumhaft durchzitterte, mit dem ganzen südlichen Zauber einer gottbegnadeten Natur, mochte dem jungen piemontesischen Offizier wohl vcrlockend genug erschienen sein, daß er darüber vergaß, wie heiße, erbitterte Kämpfe ein solcher Besitz oft zeitigt. Je mehr sich Baron Gualtieri seinem schönen Heim näherte, desto verstimmter und ärgerlicher wurde er. Wie. fragte er sich, hatte man an dem Ausgang seines Prozesses so wenig Antheil, datz man es nicht einmal der Mühe werth hielt, ihm entgegenzukommen, oder ihn doch wenigstens am Eingang zu erwarten? Denn auch als er endlich am Thore hielt und rasch in den Park eintrat, ließ sich Niemand sehen. Es war allerdings schon im Dunkelwerden. Vielleicht hatte man ihn nicht bemerkt. Plötzlich sah er, um eine Taxushecke biegend, am Rande einer Fontäne es war fast genau dieselbe Stelle, wo Leutnant Lombi sich erschossen" hatte seine Schwester Berenicc sitzen. Betroffen blieb Gualtieri einen Augenblick überlegend stehen. Seine Schwester war offenbar tief in Gedanken versunken und hatte ihn nicht bemerkt. Er zögerte einen Augenblick, näher zu gehen, dann aber schritt er rasch und entschlössen aus sie zu. In demselben Augenblick hörte die junge Dame, die dort auf der Brunnenmauer in träumerischer Versunkenheit saß, seinen Schritt im Kies und fuhr erschrocken in die Höhe. ..Allmächtiger Gott !" stieß sie ängstlich hervor, als sie in der Dämmerung die Mannesgestalt auf sich zu kommen sah. Was ist? Was hast Du, Berenice?" fragte scharf und streng ihr Bruder. Siehst Du Gespenster, daß Du so erschrocken aufschreist?" Dann schien sie ihn zu erkennen. Sb strich sich langsam, wie sammelnd, mit der weißen, feingegliederten Hand die dunklen Haare aus dem Gesicht und sah ihn starr an. Du hier?" brachte sie endlich heraus. Warum denn nicht?" fragte er zurück. Kommt Dir denn das unerwartet?" Und als sie noch immer verstört und zerstreut dastand uno keine Antwort gab, setzte er leiser, aber mit schärferer Betonung hinzu: ,,Es wäre Dir wohl l!'ber gewesen, sie hätten mich dort behalten?" Saae das nickt. Gualtieri." e?wi-
oerte sie plötzlich rasch und ihm beide Hände entgegenstreckend, verzeih, daß ich nicht gleich begriff, nicht gleich wußte, um was es sich handelte. Ich war so zerstreut. Ich dachte eben Komm! Mama ist so entsetzlich aufgeregt und erwartet Dich schon seit zwei Stunden. Sie wäre Dir entgegengekommen, wenn sie Du weißt nicht, was wir gelitten haben aus Angst um Dich." So ?" sagte ihr Bruder gedehnt und sah sie aufmerksam an. Das kam alles fo hastig, so überstürzt heraus. als ob es nicht wahr wäre, als ob
cs Worte seien von jenerSorte.die dazu oiencn Zollen, die Gedanken zu ververgen. Nein, wahrhaftig, Gualtieri, diese Aufregung, diese Sorge! Mama ist krank davon geworden. Komm nur rach," fuhr sie vastig fort und zog ihn mit davon. Den Lorenzo war gestern vier und hat uns erzählt, daß es so gut wie sicher sei. daß Du heute endlich frei sein mürdest. Aber " Dann stockte sie plötzlich. Aber?" fragte Gualtieri und sah sie noch immer forschend an. In diesem Augenblick kam Lydia, die jüngere Schwester des Barons Gualtieri, aus dem Haue und machte dem etwas peinlichen Gespräch ein Ende. Lvdia sprang ihrem Bruder mit der ganzen Frische und jubelnden Lebhaftigkeit ihrer achtzehn Jahre an den Hals, küßte ihn, immer von den zärtlicksten Zurufen unterbrochen, mit einer vielversprechenden Leidenschaftlichkeit auf Mund und Wangen und konnte sich nicht satt an ihm sehen. Gelobt sei die Gottesmutter Maria und alle H-iligen des Himmels, daß Du wieder da bist, Gualtieri!" rief sie stürmisch zwischen ihren Liebkosungen aus. Es war nickt zum Ausstehen ohne Dich. Wir waren ja alle mitcinander wie verurtheilt. Wir haben bier gelebt wie büßende Nonnen. Kein Mensch ließ sich sehen und" Was? Auch Ghela nicht?" unterbrach sie ihr Bruder. Seit sechs Monaten habe ich sie nicht mehr gesehen. Sie soll in Rom sein." In Rom?" fragte Gualtieri erstaunt. Oder dort gewesen sein. Ich weiß es nicht. Nun bist Du ja aber wieder da, und 'Niemand hat mehr das Recht der die Pflicht, uns zu vernachlässigen und zu meiden wie Aussätzige!" Hat man das gethan?" Na, ich kann Dir nur sagen, daß wir uns schön gelangweilt haben." Sie plauderte, während sie in's Haus traten, weiter aus dem Hundertsten in's Tausendste und entwickelte dabei einen so erquickenden Liebreiz, eine so anmuthige Lebendigkeit und naive Frische, daß ihr mehr cl zehn Jahre älterer Bruder sie von Zeit zu Zeit staunend und bewundernd ansah. Lydia hatte sich offenbar in der Zeit, während welcher er sie nicht gesehen, in entzückender Weise entwickelt. Ihre Formen hatten an Kraft und Fülle gewonnen, ohne doch an der zarten Weichheit und Frische der ersten Jugend etwas verloren zu haben. Von den drei Geschwistern, denen man übrigens ihre Verwandtschaft auf den ersten Blick ansah, war Lydni die sympathischste Erscheinung. Ihr Teint hatte, wie b-i Gualtieri und Berenice, jene sonderbare sattbräunliche, kräftige Marmorfarbe. die der Italiener Morbidezza" nennt und wofür das Deutsche keinen paffenden Ausdruck hat. Aucb Lydia sah man die fremde Rasse, das arabische Blut in ihren Adern an. Die feingeschnittenen Augen, die so voll und groß, so sinnig und leidenschaftlich blicken konnten, die ungewöhnlich langen, seidenweichen und glänzend schwarzen Wimpern, der volle. kräftigrothe Mund gaben ihr einen mehr orientalischen als europäischen Typus. Nur war bei ihr alles noch nicht so ausgeprägt wie bei ihren Geschwistern. Bei Lydia war alles noch in der Bildung begriffen. sowohl Körper wie Geist. Herz und Verstand, während bei ihren älteren Geschwistern schon alles feste Form und Gestalt hatte. Sie lief in der überschäumenden Freude ihres Herzens mit ihrem Bruder davon, während Berenice langsam und in dumpfes Grübeln versunken folgte. Auf einer Veranda, von der man einen wunderhübschen Blick über die steilen Abhänge deö Monte Pellegrino und das weite Meer hatte, blieb sie endlich ganz stehen und sah träumensch über btc Landschaft. Ueber den hochragenden Cypressenalleen. die sich aus den Gärten hinüberzogen nach der Küste, wölbte sich der klare, mit dem eigenthümlichen metallischen Glanz wie ein Spieael leuchtende Himmel, an dem da und dort die ersten Sterne funkelnd und strahlend erschienen. Das Meer lag groß und dunkel, leicht von den linden Abendwinden gekräuselt, in unabsehbarer Fläche vor ihr wie ein tiefes, unergründliches Räthsel. Der Charakter der Landschaft, die in ganz Sizilien weit mehr an das Afrikanische wie Europäische erinnert, hatte etwas kraftvolles Entschiedenes. Da woben keine dämmerigen Nebelschleier durch die Luft. Alles trat in der dünnen Tropenluft derb und klar in die Erscheinung, wirksam und hinreißend in dem Reiz stiller Einsamkeit und Größe. Man muß die sizilianische Landschaft sehen und kennen, um die heftige, explosive Leidenschaftlichkeit der Bewohner, die von Jugend auf unter ihrem Eindruck stehen, zu begreifen. Berenice hätte viel Liebes und Sch'önes darum gegeben, wenn sie sich bei der Rückkebr ibres Bruders nur halb
zv juue freuen rönnen wie inie cywester. Warum konnte sie es nicht? Ihr erstes Gefühl bei seinem Anblick war Schreck gewesen, und wenn sie auch gesucht hatte, ihn vor Gualtieri zu vcrbergen, so wußte sie selbst es doch um so bestimmter. Vor was war sie erschrocken? War er nicht ihr Bruder, ihr Schutz und Schirm für dieses Leden. ihr Vater, ihr Alles? Damals, als man Eesare als Leiche im Garten aufgefunden hatte, war Berenice ohnmächtig zusammengesunken und konnte drei Wochen lang das Zimmer nicht verlassen. Sie fühlte sich so unglücklich, war so verzweifelt, daß sie geglaubt hatte, es könne sie kein großeres Unglück mehr treffen. Und dann war doch ein noch größeres gekommen die Verhaftung ihres Bruders und seine Anklage wegen Mordes an dem Geliebten. Nun war ja Gualtieri wieder da,
frei, unschuldig weshalb also konnte sie sich nicht freuen? Das größte Unglück war ja wieder gehoben. Aber die Freude versagte wie eine gesprungene Saite, die nicht mehr klingt. Hatte sie Eesare Lombi so sehr geliebt, daß er ibre Fähigkeit sich zu freuen mit in sein Grab genommen? Sie hatte ihn geliebt, das stand fest. Und es hälte hin so tragisches Ende nehmen können, wenn er weniger heftig, weniger g"waltsam, wenn er sie weniger geliebt hätte. Wie oft hatte er ihr gesagt: Ich kann nicht leben ohne Dich!" Mußte er deshalb einer unglücklichen Stimmung. einem Mißverstandniß. einem Zufall zum Opfer fallen und sich tödten? Oder war es anders gewesen? Ein Wortwechsel, ein Streit Auch der junge Offizier war eine leidenschaftliche Natur gewesen, die sich vor nichts und Niemand beugen wcllte. Lercnice zuckte plötzlich schmerzhaft auf und preßte die Hände auf's Herz. Nein, nein! Daran durfte sie nicht denken, so viel auch das Herz davon sprach. Das wäre Wahnsinn gewesen. Hatte Gualtieri nicht klar und scharf durch Zeugen nachgewiesen, daß er an jenem Unglücksabend ruhig in der Stadt unten im Theater gesessen und erst spät am Morgen nach Hause gekommen war? Und doch konnte sie sich nicht freuen! Ihr Herz war trie todt. Nach einiger Zeir kam Lydia, die sie suchte. Sie fand sie auf den Stusen der Terrasse. am Fuße einer Säule zusammengefanken. mit starren, trockenen Augen in die Finsterniß starrend. Was ist Dir?" fragt? Lydia. Hast Du Anqst?" Ich weiß nicht. Sei still," antwortete sie müde. Mama verlangt nach Dir. Willst Du kommen? -oues " Damit richtete sie sich auf und ging mit ihrer Schwester in's Haus. 2. Kapitel. ie Nacht sank tiefer und tiefer herab, die Straßen von Palermo verödeten immer mehr, und die Bettlerin an der Kirche Santa Maria dei Miracoli stand von den Treppenstufen,wo sie sich mit ihren Kin dern niedergelassen, auf, um ebenfalls ihr Nachtlager aufzusuchen. Was sollte sie noch auf der Kirchentreppe? Es kam Niemand mehr, ie weckte also ihre beiden Kinder, die aus den Steinstufen eingeschlafen waren, hüllte das dritte gegen die Nachttuhle schützend in ihr schwarzes Kopftuch und zog. ein wahres Bild des Elends und der Verlassenheit. davon. Zwei Soldi hatte sie den ganzen Tag erbettelt. Den einen gab ihr ein kleines Mädchen, das mit seiner Mutter an der ÜSlUa Giulia spazieren ging, den anderen ein Priester. Davon sollte sie sich, ihre drei Kinder und ihren blinden Vater, den alkn Lubeddu (Dialektausdruck für Jl Bello," der Schöne, ist natürlich nur ein Spitzname, die in Italien sehr häufig vorkommen) eigentlich hieß er Francesco Gemini ernähren. Wie das zugehen sollte, wußte sie noch nicht, aber es war ja bisher der Madonna sei Dank immer gegangen, oft sogar mit noch weniger. Warum sollte es heute nicht gehen? Manchmal freilich, wenn Donna Sabina so hieß die Frau am Meere hinging und ihr Leben überdachte, dünkte es ihr eine wahre Erlösung, wenn sie mit ihren Kindern still und wdt unter um blauen Spiegel der Fluth ruhen könnte, nichts mehr sähe von Schande und Elend. Hunger und Noth, Hartherzigkeit und Grausamkeit der Welt. Ihr Mann war vor nun fast anderthalb Jahren, ihr kleinstes Kind war damals noch gar nicht geboren, fort m die weite Welt gezogen um Geld zu erwerben. Amerika hieß das Land, wo so viele ihrer Lcmosleute, die in Sizilien keine Arbeit sinden können, hingehen, und wo das Gcld auf der Sttaße liegt. Endlich mußte doch auch Gaetano wiederkommen, alle Taschen voü Geld, oder ihr solches senden, damit sie mit den Kindern und Lubeddu nachkommen konnte, wie er el versprochen. Dann war ja alle Noth, alle Sorge und Schande vorüber. Mit dieser Hoffnung schlich sich Donna Sabina kraftlos und jämmerlich aui dem Sommer in den Winter und auL dem Winter wieder in den Sommer ein todestrauriger Marsch nach dem Grabe. An der AZiazza Marina stand ein großes, hellerleuchtetes Haus, ein Hotel, in dem die Fremden wohnten. Donna Sabina kannte es sehr wohl. Wie oft hatte sie hier schon eine reiche Ernte gehalten, denn die Fremden, die aus den reichen Ländern kommen, wo
es keine Armuth gab, hatten mehr Mitleid, mehr Barmherzigkeit mit dem Elend als die Sizilianer, deren Auge abgestumpft ist. Jetzt aber ging sie um das Hotel herum nach der Rückseite, die nach einer engen, dunklen Gasse führte, und blieb vor einer niedrigen Thür stehen. an der ste leise pochte. Wer ist draußen?" rief es von drinnen. Es ist nur die arme Sabina. Monsu, die für ein paar Soldi Abfälle haben möchte. (Monsu, korrumpirt aus Monsieur, man nennt so vielfach die Köche in Hotels und Restaurants.) Um der Barmherzigkeit unseres Herrn willen macht auf," bat Sabina leise. Dabei holte sie unter den Kleidern einen Blechtopf hervor, der vermuthlich ihr ganzes Küchengeschirr war. Die Thür öffnete sich auch gleich darauf, und ein
dicker Mann mit weißer Mutze und Schürze trat heraus. Ah. Du bist's. Sabina!" sagte er gutmüthig. Warum kommst Du so spat ? Es ist nichts mehr da." Ach, Monsu, thun Sie es für meine armen Kinder. Es wird schon noch etwas da sein. Ich nehme alles, was es auch ist, wenn's nur viel ist," bettelte sie weiter. Gortsetzung folgt.) ,,,M,.M. l-l"V fr 'l"M' 1 M l l 1 Haus, Hof und Land z 4 chGOchch O i O t I '! I tz i O I l OOOOO Biersuppe. Ein Quart Weißoder Braunbier läßt man mit Zimmet, Citronenschale und etwas Zucktt aufkochen. In einem Napf quirlt man vier bis fünf Eigelbe mit einigen Lösfeln Sahne klar, zieht die Suppe damit ab und gießt sie durch ein feines Sieb über geröstete Weißbrodscheiben. Eier mit Käse. Man streicht eine Schüssel aus feuerfestem Porzellan mit Butter aus und belegt sie mit dünnen Scheiben von Schweizerkäse. Man schlägt behutsam auf jede Käfescheide ein rohes Ei, stellt nun die Schüssel in den Ofen und läßt das Eiweiß erstarren. Dann bestreut man die Eier mit etwas Pfeffer und servirt sie sofort. Salz ist des Käses wegen gewöhnlich nich4 nöthig. Ein gutes Frühstücssgericht. Leders achen von schwarzer, brauner oder juchtenrolher Farbe, z. B. Taschen, Geldtäschchen, Etuis u. s. w. bessert man dadurch aus. daß man erst die schadhaften Stellen mit passender Wasserfarbe überstreicht und dann das Ganze mittelst eines Pinsels mit folgendem Lack überzieht: Man gießt Sprritus auf ei:n braunen Schellack und läßt ihn in der Wärme gut auflösen, dann wird noch so viel Spiritus zugegossen, bis die Mischung recht dünnflüssig ist. Schweinsfilets (Mürbed r a t e n). Man häute die Schweinsfilets ab. spicke sie 'fein, lasse Butter in einer Kasserolle gelb werden, lege die Filets hinein, salze sie und lasse sie zugedeckt auf gelindem Feuer weichdämpfen (ungefähr 15 Minuten). Dabei gieße man, so oft der Fond kurz einschmort, ein wenig Jüs und Wein hinzu und begietze damit die Filets fleißig. Eine braune Kapernsauce ist dazu passend. Man kann die Schweinsfilets auch mit Butter im heißen Ofen braten und mit ihrer eigenen Jüs auftischen. Holzwürmer zu vertreiben. Man vertreibt diese ungebeienen Gäste am sichersten und einfachsten durch Klopfen der Möbel. Sobald sich in einem Möbel Löcher zeigen, die der Holzwurm gcdohrt hat, klopfe man dasselbe etwa 14 Tage lang täglich zu einer festgesetzten Zeit während einiger Minuten mit einem Hammer, von außen sowohl als von innen. Durch das Klopfen wird der Holzwurm in seiner Arbeit gestört, er stellt dieselbe ein und stirbt nach und nach ab. Besitzer von Möbelmagazinen wenden dieses Mittel vielfach an, um die vorräthigen Möbe vor dem Holzwurm zu schützen. Das Schaukeln kleiner Kinder i st schädlich. Es geschieht recht oft, da? der Arzt an das Krankenbett von Kindern im Alter von bis 2 Jahren gerufen wird, die plötzlich von heftigen Krämpfen befallen worden sind, ohne daß die Mutter die Ursache zu nennen vermag; den Fragen des Arztes gelingt es dann bald, festzustellen, daß das mit der Aufsicht betraute Kindermädchen oder eine sonstige Person durch häufig drehende oder schaukelnde Bewegung des Kindes die Krankheit desselben herbeigeführt hat. Man vermeide daher das Schaukeln der Kinder so weit als lhunlich, da es ihrer Gesundheit nicht zuträglich ist. Der coutr-rnre (Sclegent7rrsdictzter. ...Und was wird das Gedicht ungefähr kosten, Herr Reimbold?Für sechsunddreißig Verse berechne ich 3 Mark 50; mit der neuen Ortho, graphie wird es noch 25 Pfennige bilIiget!" Indirekt. Frl. Clifton: Ja, sie war wüthend über die Art und Weise, wie jene Zeitung ihre Hochzeit berichtete." Frl. Avondalo: Wurde auf ihr Alter angespielt?" Frl. Eüt ton: Indirekt. Es hieß: Frl. Olde und Herr Yale heiratheten; der Letz tere ist ein sehr bekannter r.nmu von Altertbümern
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