Indiana Tribüne, Volume 26, Number 174, Indianapolis, Marion County, 16 March 1903 — Page 7
Jndiana Tribüne, 1. Marz 1903
gOo 0OO0 oOO o 0OO0 0OO0 0OO0 oQO I nter I schwerem Verdacht.
o o I o Vornan von Teo von Torn. O v v u v v Boo oCOo 0OO00OO0 oQOo oOOO 008 (Fortsetzung.) acer iü) eine te nehmen Platz, und überlassen Sie auch nii? eine Girrie oante herzlich." Er fegte da? kraut in Brand, und noch während das Streichholz flammte, sagte er Zwischen den Rauchwolken, welche er kzcrvorstien: ,-öifTen Sie Herr 5ttll e-ge. zcy- damit löschte er das Streichholz aus und legte es auf den Porzellanunlersatz seines Tmtcnfafses ich kann das Gefühl nicht loswerden, als wenn wir in der ganzen Sache don einer gewissen Nervosität befallen wären. Die Behandlung der Angelegenheit in den Zeitunger., das Interesse, welches die Staatsleitung zu erkennen gibt all' das kann zwar unsere Sachlichkeit nicht beeinflussen, aber es ist immerhin menschlich erklärlich, wenn wir da ein bischen geschoben werden. Finden Sie nicht auch?" Ich weiß nicht recht, Herr Oberstaatsanwalt, worauf Sie hinzielen," erwiderte Kleinschmidt, indem er an seiner Brille rückte. Nun, beispielsweise die Nachforsckungen betreffend den Hauptmann von Damradt. Ich meine, daß wir uns die Untersuchung nach der Richtung hin hätten schenken können." Verzeihen Sie, Herr Oberstaatsanwalt, das möchte ich doch nicht sagen. Es war mir immerhin von Wichtigkeit, zu erfahren, daß der Hauptmann in sehr bedrängten Verhältnissen lebt. Von Zeit zu Zeit jedoch verfügt er über Summen, deren Herkunft sich aus seiner Thätigkeit als Agent einer HagelVersicherungsgesellschaft nicht recht erklärt." Womit doch aber nicht bewiesen ist, daß er sie auf unlautere Weise erworden hat!" rief Kessel mit einer Gereiztheit, welche den Untersuchungsrichter zu einem befremdeten Aufblick veranlaßte. Bewiesen allerdings nicht," erwiderte er bedächtig. Aber es ist ein Verdachtsgrund wie jeder andere so lange nicht unzweideutig festgestellt ist, woher jenes Geld rührt." Nun wohl, ich weiß das zufällig, da mir die Familie bekannt ist Herr von Damradt wird von seiner Kousine, der Staatsräthin von Horst-Suthmer, unterstützt; und da er direkte Zuwendungen ablehnt, so geschieht die Unterstützung in Form von Gewinnen aus einem industriellen Etablissement, welches Frau von Horst in Finnland besitzt, und an dem der Hauptmann mit etwa fünftausend Mark, dem Rest seines einstigen Vermögens, betheiligt ist." Hm das ist sehr edel und erklärt alleroings vieles," bemerkte der Untersuchungsrichter zurückhaltend, obwohl ich gestehen muß, daß ich im Hinblick aus den vorliegenden Fall eine andere Herkunft des Geldes im Interesse des Herrn Hauptmanns lieber gesehen hätte." Das verstehe ich nicht." Ich meine es ist nicht sehr glücklich, daß die Unterstützungen von einer Seite kommen, welche, nach meinen Feststellungen, gewine Beziehungen zu der Strafthat erkennen läßt." So lassen Sie mich Ihnen rund erklären, Herr Kollege, daß Sie da auf dem Holzwege sind. Eben diese Ausdehnung des Verdachts nach allen Seiten hin ist das Merkmal der Nervosität, von der ich sprach. Es ist doch nicht angängig, aus Verwandtschaftlichen Beziehungen und damit zusammenhängenden Einzelheiten Leute mit einem Verdacht zu belasten, welcher sich in einem schreienden Widerspruch zu ihrem Vorleben, ihrer gesellschaftlichen Stellung und zu allem bewegt, was man sonst von ihnen weißl" Ich weiß von den Herrschaften nichts, Herr Oberstaatsanwalt," wandte Herr Kleinschmidt ein, indem er aufmerksam den Brand seiner Cigarrette befrachtete. Dann sah er plötzlich auf, und der kluge Blick heftete sich hinter den blitzenden Brillengläsern sest auf das Antlitz seines Gegenübers, nichts, als was ich im Laufe der Untersuchung festgestellt habe. Das mag die Verschiedenheit unserer Auffassungen erklären, Herr Overstaatsanwalt. Wenn man alle die Personen, mit denen wir amtlich zu thun bekommen. aus eigener, längerer Beobachtung näher kennen würde, so würde wohl mancher Verdacht hinfällig erscheinen. Das gebe ich ohne Weiteres zu. Ob das gut wäre, das ist eine andere Frage. Ferner stehe ich nach meinen Erfahrungen auf dem Standpunkte, Vorleben und gesellschaftliche Stellung nur sehr nebenbei zu betrachten. Wollte man dem Einen besonderen Einfluß einräumen, so dürften wir die Schuld des Assessors von Damradt nicht für so klar erwiesen vetrachten, als das wohl mit Ausnahme der Angehörigen allerseits geschieht und angesichts des Beweismaterials geschehen muß." Das war der Punkt, welcher den Oberstaatsanwalt wieder beschäftigte, seit der Verdacht gegen die beiden Frauen geäußert worden war ein Verdacht, dessen harmlose Ursache und völlige Haltlosigkeit er kannte. Wie nun, wenn es mit dem Assessor ähnlich lag? Wenn
Hallen !L?:e die Schuld des Asselsors von Damradt wirklich für so klar erwiesen?" rief er laut und mit einem Ausdruck, welcher seinen inneren Zweifel verrieth. Jawobl, Herr Oberstaatsanwalt," erwiderte der Andere trocken, indem er sich erhob. ..cb balte ibn für sckuldio und für überführt. Aber wollen Sie nun gr.:!gst Verfügung treffen, was mit Fräulein von Horst geschehen soll. Ich halte meinen Antrag auf sofortigt Verhaftung aufrecht." Der Oberstaatsanwalt fühlte, daß er in gereizter Stimmung war. Ei schwieg einen Moment dann setzte er sich an seinen Schreibtisch, als wenn ei r.un die dort aufgehäuften Eingänge durchsehen wollte. Ich halte die Verdachtsgründe itczn die junge narrte nicht sur zurlhend toaif er kurz hin. Aber auch für den Fall, daß &ie noch etwas feststellen, so liegt meines Erachtens lein Fluchtverdacht vor. Haben Sie die Freundlichkeit, Fräulein von Horst sofort zu entlassen." Herr Oberstaatsanwalt " Ich bitte darum!" rief Kessel, indein cr das Nächstliegende Telegramm öffnete. So bleibt mir nichts übrig, Herr Oberstaatsanwalt, als meine Vorbehalte zu Protokoll zu geben." Damit verneigt: er sich und ging. Aber er hatte die Thür noch nicht ceschlössen, als ein lebhafter Ausruf Kesc!8 ihn an der Schwelle festhielt. Ter Oberstaatsanwalt reichte ihm ein Telegramm hin. Er trat näher und nachdem er einen Blick in das Schriftstück geworfen, eilte er mit demselben zum Fenster, um es deutlicher lesen zu tonnen: Staatsanwaltschaft Berlin! Assessor Damradt ist unschuldig. Beweis wird gegeben, wenn Beamte sich heute von vier Uhr Nachmittag ab unauffällig im Zimmer 6 der Pension Holm am Schiffbauerdamm aufhalten. Zu frühes Eingreifen würde alles in Frage stellen. Stelle mich der Behörde selbst. N o r a B l a n c. " Nun?" fragte der Oberstaatsanwalt, nachdem der Untersuchungsrichter die Hand mit dem Telegramm hatte sinken lassen und unter scharfem Nachdenken zum Fenster hinausschaute. Was meinen Sie dazu?" Ich überlege, was hiermit beabsichtigt sein könnte, finde jedoch vorläufig keinen Anhalt. Ich möchte also immerhin empfehlen, auf oie Mittheilung einzugehen und zwar in der Weise, daß die Bahnhöfe beobachtet werden und die Person, wenn sie wirklich eintreffen sollte, unverzüglich verhaftet wird." Erlauben Sie wann ist denn das Telegram.n aufgegeben um halb elf Uhr in Stendal. Bahnhof. Jetzt haben wir halb zwei Uhr die Absenderin kann also bereits vor einer Viertelstunde eingetroffen sein. Die Besetzung der Bahnhöfe wäre nutzlos." Unter diesen Umständen alleroings. Ich bin jedoch erstaunt über die starke Verspätung, mit der das Telegramm in unsere 5ände gelangt ist. Wir hätten dasselbe dcch spätestens um 12 Uhr zur Kenntniß haben müssen." Es ist nöglich, daß die Depesche schon einige Zeit hier liegt, Herr Amtsrichter. Wäre ich nicht wirklich anderweit sehr in Anspruch genommen gewesen, so würde ich mich Ihnen gegenüber ob derVersäumniß entschuldigen," bemerkte der Oberstaatsanwalt sarkastisch. In sachlicherem Tone fuhr er dann Ich glaube nicht, daß wir etwas versäumt haben. Eine Jrreführung kann durch das Telegramm nicht beabsichtigt sein was sollte wohl eine solche der Absenderin, was dem Angeklagten nützen! Ich glaube vielmehr, daß wir wirklich Eröffnungen zu erwarten haben, welche zum mindesten für die Geschichte des Verrathes von Wichtigkeit sind. Mit Rücksicht darauf dürfte es geboten sein, daß Sie sich mir heute anschließen." Ter Oberstaatsanwalt entlieh den Richter mit einer Verbeugung und vetrat dann lebhaft sein Sekretariatsbu reau. Verständigen Sie sofort das Ministerium, daß die Akten kontra Damradt und Genossen in zwingender Veranlassung heute nicht entbehrt werden können. Alsdann bitten Sie den Kriminalkommissär von Wengern zu mir." Die Pension Holm am Schiffbauerdämm hatte für die Nachmittagsstunden desselben Tages ihren Portier und ihre Hausdiener gewechselt. Von den letzteren bewachten je zwei unauffällig die beiden Ausgänge, während der Portier, die gyldgeränderte Mütze in's Genick gerückt, am Haupteingang lehnte und sich zu langweilen schien. Der Betrieb des kleinen Hotels war um diese Zeit ohnehin nicht sehr rege. Seit 'auf Nr. 6 drei Herren sich einlogirt hatten, war der Verkehr derart abgeschnitten, daß auch die wenigen Gäste nicht das Haus verließen. Einige Worte des Portiers machten erstaunte beziehungsweise erschrockene Gesichter und scheuchten die Betreffenden in ihre Gemächer zurück. Hinein durfte alles nur vorläufig Niemand hinaus. Auf Nr. 6 wurde eine halblaute Unterhaltung geführt. Wenn der Hausdiener, welcher in Aermelweste und blauer Schürze auf dem schmalen Korridor die blanken Metalltheile der Klin ken und Schlösser putzte, sich ein Lau'schen gestattet hätte, so wäre unschwer auch eine weibliche Stimme zu unterscheiden gewesen. Das hörte gegen vier Uhr auf. Die Verbindungsthür zwischen den Zimmern 5 und 6 wurde geschlossen. In vorsichtiger Entfernung von dem Fen-
ster vertieften sich Oberstaatsanwalt Kessel und der Untersuchungsrichter in das Studium einer Anzahl Papiere in französischer Sprache, welche man ihnen soeben übergeben hatte. Die Schriftstücke trugen den weichen Duft von Lavendel und ihr Inhalt schien derart interessant, daß die Herren nicht einen Augenblick sich in der Lektüre unterbrachen. (Fortsetzung folgt.)
F o 0000 0000 0000 0Q0 000 OQ j; V Brod odcrTodlß o o o o Sizilianischcr Roman o o o ... 8 111 o l d c rn a r Krban. 800 0OO0 0000 0000 0000 0000 00 1. Kapitel. Aalermo die Glückliche! So nennen die Sizilianer mit Cy Stolz ihre Hauptstadt. Die Stadt könnte wohl glücklich sein wie wenige aus der Welt, wenn ein heiter strahlender Himmel, ein gesundes, Herrlichcs Klima und eine märchenhaft schöne landschaftliche Lage das Glück einer Stadt ausmachen würden. Alle:das hat Palermo, aber es hat auch eine zügellos leidenschaftliche Bevölkerung, eine Geschichte, die, älter als die römische und griechische, bis in's graueste Alterthum zurückreicht und von Wuth und Verbrechen, von wilden Empörungen und Blutthaten unerhörtester Art wimmelt. Vom Untergang der athenischen Heere bei Syrakus bis auf die bekannte Sizilianische Vesper, ja bis in die neueste Zeit hinein, bis zu dem abenteuerlichen Zug der Tausend unter Garibaldi, der die herrliche Insel für immer von der Fremdherrschaft befreite, ist die sizilianische Geschichte eine Kette von Ueberraschungen, von verblüffenden Ausbrüchen einer heißblütigen Volkskraft. Und wie im Großen, so im Kleinen. Bis in unsere Tage hinein ziehen sich die befremdlichen Erscheinungen des öffentlichen und bürgerlichen Lebens der Sizilianer. Geheime Vereinigungen, die dem Verbrechen und dem politischen Leben in gleicher Weise dienen, Familienzwiste, die sich von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzen, ein herrischer Adel, der neun Zehntel des Grundbesitzes unnachsichllich als sein ererbtes Recht ansieht, ein durch jährhundertelange Knechtschaft verarmtes, vernachlässigtes Volk, ohne jeden nennenswerthen Mittelstand das ist der Boden, auf dem das heutige Sizilien lebt und dem jene unheimlichen, lodernden Fanale der menschlichen Leidenschaft entsprossen, wie sie immer und immer wieder die gesittetere neue Zeit erschrecken. Ein solches Ereigniß, dem damals nicht nur Palermo, sondern auch weitere Kreise mit gespannter Aufmerksamkeit folgten, war der Prozeß gegen Baron Gualtieri Buonanima. Dem Prozeß lag folgender Thatbestand zu Grunde. Ein junger Offizier, ein Piemontese Namens Eesare Lombi, hatte sich in die ältere Schwester des Barons Gualtieri verliebt, und diese Liebe schien auch von der Baroncssa Verenice erwidert worden zu sein. Wenigstens ging aus den Prozeßverhandlüngen hervor, daß zwischen den Beiden geheime Zusammenkünfte stattgefunden hatten. Das Verhältniß hatte aber nicht den Aeifall des Barons Gualtieri, angeblich weil der Offizier arm war. Baron Gualtieri, der die Verwaltung der sehr bedeutenden Hinterlassenschaft seines Vaters auch für seine Schwestern und seine Mutter führte, wollte keinen armen Schwager und besonders auch keinen Fremden in der Familie, denn er sah den Piemontesen, wie jeden NichtSizilianer, als einen Fremden an, der sich an der fetten Mitgift seiner Schwester bereichern wollte. Aus diesem Grunde entstand die Heimlichkeit des Verhältnisses zwischen Lombi und der Baronessa Berenice, deren Zusammenkünfte im Park der Villa Buonanima, die außerhalb Palermos in der Gegend von Aquasanta lag, stattfanden. Und zwar hatten die Liebenden ein Zeichen verabredet. War die Luft rein, so stand an einem bestimmten Fenster der Villa ein Licht, und Lombi konnte als sicher annehmen, daß er in solchem Falle ungestört in den Park eintreten und an bestimmter Stelle mit Berenice zusammentreffen könne. Eines Abends stand nun wieder das Licht im Fenster. Lombi trat ein, und am nächsten Morgen fand man im Garten seine Leiche mit durchschossenem Kopf. Ein abgeschossener Revolver lag dabei. Das Räthsel löste sich wenigstens für diejenigen, die die sizilianischen Gepflogenheiten kennen sehr rasch. Es wurde zwar ausgesprengt, der Offizier habe sich wegen verschmähter Liebe selbst getödtet, aber für die Wissenden war es ein öffentliches Geheimniß, daß hier ein Mord vorlag. Als Thäter oder doch als Anstifter wurde ob mit Recht oder Unrecht konnte freilich Niemand sagen Baron Gualtieri selbst bezeichnet. Die Staatsanwaltschaft konnte nicht anders, als eine Untersuchung einzuleiten und den Baron Gualtieri in Haft zu nehmen. Nun sind die gerichtlichen Untersuchungen in Sizilien, besonders wenn sie sich gegen einflußreiche Persönlichleiten richten, nicht nur eine sehr schwierige, sondern auch gefährliche
oaeve. )er staatsanwalt Ve iuca, der die Untersuchung führte, verhehlte sich das durchaus nicht. Er wußte, daß cr nach tern Prozeß, er konme ausgehen wi? cr wollte, weiir nioMs zu thun hatte, als die Insel schleunigst zu verlasen und, um seine Versekuna einzukommen, wenn ihm sein Leben lieb war. Die Untersuchung dauerte über ein Jahr. Eine Menge Zeugen wurden vecnommen, aber statt klarer, wurde die Sache immer verworrener, und vor dem Geschworenengericht, wo der ProZeh schließlich zur Verhandlung kam. erfolgte die Freisprechung des Barons Gualtieri, weil sich die Herren Geschworenen nicht von seiner Schuld überzeugen konnten oder wollten. VmH war Vio (crfi und her junge, kaum dreißigjährige Baron kehrte stolz und hocherhovenen Hauptes unter seine Mitbürger, unter seine Freunde und in seine Familie zurück. Barcn Gualtieri war ein hübscher Mann, der Typus eines echten Sizilianers. die Augen schwarz und lebhaft, das dichte, weit in den Nacken hineinreichende Haar, ebenfalls schwarz und leicht gekräuselt, kurz geschoren, der Teint kräftig bräunlich, etwas in's Grünliche spielend, wie man es häufig bei Leuten arabischer oder sarazenischer Abstammung in Sizilien und Unteritalien sieht, in seinem Wesen stolz, herrisch, kurz angebunden, von bestimmte? Eigenart, durch die nicht selten eine verächtliche Ueberlegenheit und Ueberbebung spielte, von tadelloser Eleganz In seinem Aeußeren. Auch während seiner Untersuchungshaft mußte sein Diener jeden Morgen mit frischer Wäsche und anderer Garderobe erscheinen. Nicht eine Stunde "vernachlässigte er seine äußere Erscheinung als Edelmann und vielfacher Millionär. Wir haben das Unsere gethan, Herr Baron," sagte sein Vertheidiger zu ihm, als sie über die Piazza Marina schritten. Und ich werde das Meine thun. Don Lorenzo," erwiderte Baron Gualtieri fest und bestimmt. Das ist ja selbstverständlich. Ich vergesse nichts und Niemand. Ich vergesse weder meine Freunde noch meine Feinde. Sie sollen es erleben." Lernn etwas vertraulicher und leiser setzte er flüchtig und kurz hinzu: Kommen Sie morgen zu mir." Auf der anderen Seite der Piazza Marina standen einige Droschken, und als Baron Gualtieri mit seinen Freunden sich dorthin verfügte, um nach Hause zu fahren, drängte sich ein armes Bettelweib, das von Santa Maria dei Miracoli herkam, zu ihm durch. Sie hatte ein Kind auf dem Arm. zwei andere, die schon laufen konnten, zerrte sie an den Röcken hinter sich her. Hunger und Elend sahen aus ihren vor der Zeit verfallenen Zügen, hilflos und erbärmlich war ihre ganze Erscheinung, schmutzig, verkommen, zerlumpt. ..Bei der heiligen Mutter Gottes, schenken Sie mir einen Soldo zu Brod für meine armen Kinder." bettelte sie. wir haben den ganzen Tag noch keinen Bissen gegessen und sterben vor Hun- ,. . ii ger. Baron Gualtieri wandte sich unwillig über die Störung ihr flüchtig zu. Geh zum Teufel!" wies er die Frau kurz und verächtlich ab. Die Frau blieb vor Schreck wie angewurzelt stehen. Zum Teufel?" wiedcrholte sie mit tiefem Ernst. O nein! Ich gehe in's Paradies." Der Baron blieb stehen und sah sie lachend an. Es amüsirte ihn offenbar, daß die Frau eine etwas grobe, aber doch immerhin nicht ungewöhnliche Abweisung so ernsthaft, für baare Münze annahm. In's Paradies?" fragte er belustigt. Und weshalb?" Weil ich arm bin," erwiderte die Frau noch immer sehr ernst und fast stolz. Ah, weil Du arm bist. Alle Armen gehen also in's Paradies?" Natürlich. Weshalb wären wir's sonst?" Eine Droschke fuhr vor. Die Frau ist verrückt," sagte Jemand, und der Herr Baron stieg ein. Sckon im Wagen sitzend verabschiedete er sich von seinen Begleitern, nur ein junger Mei'.sch. ein Gentleman zweite? oder dritter Klasse, das heißt ein Kerl in einem Anzug, der vor Jahren einmal elegant gewesen sein mochte, jetzt aber einen trübseligen Eindruck macbte, blieb bei ihm und kletterte zum Kutscher auf den Bock. Sie fuhren am Hafen hin, und da die Sonne gerade am Untergehen war. so glänzte das Meer in den herrlichsten Farben. Baron Gualtieri saß, den Kopf nachdenklich gesenkt, den Blick fest und drobend auf's Meer hinous gerichtet, in seinem Wagen und dachte daran, wie ihn seine Mutter und besonders seine ältere Schwester Lercnice empfangen würden. E3 war Niemand von deiner Familie in der V:rHandlung gewesen. Er harte sich wcchl umgesehen, aber Niemand bemerkt, nicht einmal Lydia, f:ine jüngere Schwester. Wo waren si: alle? Hatten sie kein Interesse an seinem Schicksal? Wäre es ihnen v'.elleicht gar M gewesen, wenn er verurtheilt und durch der Verwaltung der Güter seiner Familie verlustig gegangen wäre? Auch Ghela war nicht dagewesen, während er ihren Vater, den alten Irancesco dei Falconari, im Zuschauerräum wohl bemerkt hatte. Bei dem Gedanken an die schöne, stolze und reiche Ghela dei Falconari stieß Baron Gualtieri unwillkürlich einen wilden Fluch aus und murmelte leise: Sie sollen mir das Jahr be-
zaylen: Wenn sie mtr mit ihrer albernen Justiz nicht dazwischen gekommen wären, wäre Ghela heute meine Frau." Dieser Staatsanwalt De Luca! grübelte Gualtieri weiter vor sich hin. Was konnte einen Menschen mit fünftausend Lire Gehalt wenn es wirklich so viel war veranlassen, gegen ihn, den Baron Gualtieri Buonanima, in so hartnäckig feindseliger Weise aufzutreten? Was maßten sich diese hergelaufenen Beamten an? Muhte der Mensch sich nicht glücklich schätzen. wenn Ulan ihn anzusehen würdigte' Und auf Befehl dieses Menschen tvar er eingesteckt worden, über ein Jahr, fast vierzehn Monate, war gegenüber seiner Familie, seinen Standesgenossen. seinen Freunden und Mitbürgern des Mordes bezichtigt worden! In der Verhandlung hatte sich staatsanwalt De Luca zu Aeutzerungen verstiegen, die für einen Fremden in Sizilien eigentlich schon an und für sich ein Todesoerbrechen sind. Die geHeime Verschwörerbande der Mafia so hatte er qesaqt spiele ihr verbrecherisches Spiel bis m die Gerichtshöfe hinein und bis auf die Bänke der Geschworenen. Tiese Macht, die ein Ueberbleibsel aus den finsteren Zeiten des Barbarismus sei und die sich heute noch der modernen Gesittung, dem Rechtsgefühl und Pflichtbewußtsein einer neuen Zeit entgegenstelle, müsse gebrochen werden, damit Sizilien der neuen Kultur theilhaftig werde. Und dann war als Antwort auf die schönen Redensarten des gelehrten Juristen Gualtieri von den Geschworenen freigesprochen worden, allerdings nur mit einer Stimme Mehrheit. Aber er brauchte nicht mehr. Ueber seine Lippen zuckte ein verächtliches Lächeln, und mit maßloser Ueberhebung dachte er an die schöne, nutzlose Rede des Staatsanwalts. Wenn man nun morgen oder bei irgend welcher Gelegenheit ein Loch in ihn machen würde," wie der Kunstausdruck lautete, grübelte Gualtieri weiter, und wenn es nur sieben bis acht Millimeter groß war, das würde genügen, um den Mann für immer still zu machen und allen Anderen, die Sizilien ebenfalls mit einer angeblichen Kultur beglücken wollten, von der das Land nichts wissen wollte, zu zeigen, wer und was ein echter Sizilianer ist. Wie, fragte sich Gualtieri mit dem ganzen Stolz des sich allmächtig und unverantwortlich dünkenden Landbarons, war Sizilien im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtaufende von den fremden Gewalthabern noch nicht genügend ausgesaugt, geknechtet und unterdrückt worden? Sollte das alte Spiel von Neuem losgehen? Was wollten die Soldaten, die Richter und Beamten, die nach Sizilien kamen in ganzen Schaaren und den izilianern das Brod wegaßen? Was fällten die lächerlichen Redensarten von einer neuen Zeit und Kultur, von Pflicht und modernem Rechtsbewußtsein bedeuten? Sizilien brauchte das alles nicht und wollte es auch nicht. Die sizilianische Kultur war älter als irgend eine andere, und die Idee, daß der ganze Schwärm der Eindringlinge mit ihrem Geschwätz nur ein neuer Kniff sei, um sich des Landes und feiner Reichthümer allmälig zu bemächtigen, war nicht nur die Idee des Barons Gualtieri, sondern spukte in vielen Köpfen seiner Landsleute. Der Kampf des Alten mit dem Neuen gestaltete sich zu einem Jnteressenkampf wildester und verschlagenster Art, der an der anerzogenen Unabhängigkeit und Herrschsucht des Landadels, wie an dem Haß des Fremden und der Vorliebe für GeHeimbündelei und verbrecherische Umtriebe des niederen Volkes gefährliche Helfershelfer fand. Jedenfalls war Baron Gualtieri nicht der Mann, der sich auch nur ein Titelchen seiner Herrschaft und seines Einflusses ohne den heftigsten und giftigsten Kampf nehmen ließ. Wenn der todte Eesare Lombi hätte sprechen können, würie er davon wohl manches zu erzählen gewußt haben. Jetzt zum ersten Male fiel dem Varon ein, daß von dieser Anklage auch nach erfolgte? Freisprechung etwas hängen bleiben dürfte. Wenn Ghela oder, was noch wahrscheinlicher war, seine Schwester Berenice auf den. Einfall geriethen, daß die Geschworenen oder die Zeugen gekauft oder eingeschüchtert worden waren, was machte er dann vor ihnen für eine Figur? Ein Mörder oder doch ein unheimlicher, bedrohlicher Mensch, den Man in der eigenen Familie floh und. mißtraute, statt, wie er hoffen mußte, entgegenkam und liebte. Konnte ihm das nicht alle seine Pläne durchkreuzen und das ganze Leben verbittern? Welche fürchterliche Situationen mußten da entstehen? Frauen sind hier wie dort ahnungsvolle, furchtsame Geschöpfe, und Baron Gualtieri hatte immer, sein ganzes Leben lang, mit Frauen zu thun. Pcppo!" rief er den Mann auf dem Bock laut und heftig an, worauf dieser Edle sich in den Wagen zurückbog und fragte, was der Herr Baron befehle. Warum war meine Mutter heute nicht im Tribunal?" Die Frau Baronin ist krank." erwiderte Pepo. Hast Du sie heute gesehen?" Nein. Ich hörte es von dem Gärtner in der Villa Buonanima." Baron Gualtieri fragte nichts weiter, obwohl er noch manches auf dem Herzen hatte, besonders in Bezug auf seine Schwester Berenice. Er wußte von seinem Vertheidiger, daß Baronessa Berenice ebenfalls bezüglich mehrerer Punkte, die in seinem Prozeß wesentlich erschienen, vernommen wor-
ueu war. Aus oie sraae, oo ne oas Licht, das Lombi veranlaßt, in di, Villa einzutreten, in das Fenster gestellt hatte, hatte sie mit nein" geantwortet. wollte auch an jenem Abend keine Veranlassung gegeben haben, obwohl sie einräumte, früher ihr Kammermädchen beauftragt zu haben, das Zeichen zu geben. Auf die weitere Frage, wer denn an jenem Unglücksabend das Zeichen für Lombi gegeben habe, erklärte sie. es nicht zu wissen, und erst als ihr der Vertheidiger, in die Enge getrieben, bedeutet, daß sie ihr Zeugniß verweigern könne, wenn ste wolle, hatte sie die Beantwortung weiterer ??raaen abaelebnt, (Fortsetzung folgt.) tzyamp.riatn unv ott UnvcrsöyN' Ucker die Veschwech, welefa die von Dcwet und ort;oa aoiübrto Deputation d'.'r .Unversöhnlichen Bloemfontein dein Xlolonialminiftcr vorgetragen hat, berichten englische Blätter: crrn (5lximberlain wuroe eine von Nichter Herzog und Herrn Richard cntmorfcnc Vetitu über. reicht. Tiesc Petition stellte tolgenoe Klagen und Forderungen der Buren lest: 1) Die Friedenobenimmungen hüt ten niemals' gesetzliche trait zuerkannt erhalten. In Zusammenhang mit dieser Beschwerde wurde ein Fall beschrieben, in welchem der Gerichtshof einen Prozeß auf Grund der Frie densbeminmungeu nicht zuließ. 2) Die Friedencbestlnnnttttgcn seien dadurch verlem worden, daß man ge wissen Burgberu die Rückkehr vervo ten habe. 3) Die Verwaltung de Erzic bungs -und Eisenbahnwesens sei in Tranc-vaal in englischer Hand centra lisirt worden. A) Unter Verletzung der Friedeils bestimmungen seien Nebellen trotz ak lcr Vorstellungen der tapkolonie nicht amnenirt worden. 5) kS müsse eine Untersilchling an gestellt werden über die Verurthei lung gewisser Burgherr während de5 Kriege? zu Gesängnißstrasen von ver schiedener Länge. 6) Alle von der früberen Negie rung auegeit.'llten Schuldscheine muß ten bezahlt werden. 7) Entschädigungsansprüche gemäß der Proklamation des Lord Noberto vom 29. Juli 19: 0 müßten befriedig: werden. 8) Die Schuldscheine müßten so bald wie möglich eingelöst werden. 9) Es sei ein großes Unrecht, daß Burgners, die nach dem 15. September 1901 auf Kommando gewesen seien, noch verpflichtet sein sollten, für den Unterhalt ibrer Familien in den Konzentrationslagern zu zahlen. 10) Tic Burghers, deren Eigentbum vor Abschluß des Friedens be setzt worden sei, müßten entschädigt werden. Die Petition fuhr fort, daß die Potenten vorläufig mir die brennend steil Punkte zur Sprach? bringen woll ten, ohne sich cnir ewreämna and rer sehr wichtiger Punkte, die sich auf das Wohlbefinden und daß Gedeihen des Landes bezögen, einzulassen. Die ungenügenden Vorbereitungen für eine ordentliche Erziehung der Buren finden hätten einen tiefen Eindruck genwcht. und man befürchte, daß die Regierung des Landes eine große fi nauzielle Bürde im Ge'olge haben werde. Man empfinde, daß die Re gierung kein Milgeiübl besitze, da sie die Verwaltung ausschließlich in Hän de von Lntten gelegt habe, die 5pn die, Sitten und Gewohnheiten deVolkes ich! verftändeii. WaS die Lösung der Arbeiterfragen anbelange, so gebe man sich in dieser Beziehung den ernstesten Befürchtungen din und bitte, die vorgetragenen Beschwerden eingehendster Erwägung zu unter ziehen.
Der König Ehulaiong, Zorn von Siam hat noch 45 andere Namen. Gemüthlich. Ter jetzige König vo-n Sachsen besuchte einmal als Thronfolger mit seinem Adjutanten eine Kaferne. Als er diese verließ, wollte er sich im Korridor eine Cigarre anzünden. Dort prangten aber Plakate mit der Inschrift: Rauchen untersagt, und dem Posten war streng eingeschärft, jede Uebertretung dieses Verbots zu verhindern. Der arme Teufel von Soldat war einen Augenblick in scheußlicher Verlegenheit, als er sah. daß sich der Prinz von seinem B:gleiter Feuer reichen ließ. Dann trat er entschlossen heran, präsentirte das Gewehr, neigte feinen Kopf dem Prinzen zu und fagte mit halblauter Stimme: Geenikliche Hoheet, eegentlich darf hier nich geroocht wer'n!" Warnung vor Wurft. Ein Mann in Moskau, Rußland. fi:l letzthin ii's Wasser und wurde noch im letzten Ai -genblicke von einem alten Schwimmer gerettet. Aus Dankbarkeit überreichte er seinem Lebensretter einen vollen Geldbeutel. Ich habe nur meine Pflicht gethan und kann eine Geldbelohuung nicht annehmen!" sagte der Retter. Dann will ich Ihnen wenigstens einen gute Rath lzeben: Essen Sie in Ihrem Leben niemals Wurst!" Wie kommen Sie zu dieser sonderbaren Warnung?" Mit vor Kälte zit. ternder Stimme sagte der Gerettete: .Ich bin Wurstmacher!"
