Indiana Tribüne, Volume 26, Number 173, Indianapolis, Marion County, 14 March 1903 — Page 5

Jndiem Tridnue. 14. März löost.

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T r un k e n b o l d , sprich! Das Trunkenheitsgesetz, das in England mit dem neuen Jahre in Kraft getreten ist und nach welchem Berauschte mit Gefängniß bestraft werden, erweckt die Frage: Ja, wer ist eigentlich betrunken? Was sind die Kennzeichen?" In Schottland, wo die Autoritäten eine gewisse Erfahrung auf diesem Gebiet besitzen, gilt ein Schibbolety als Probe. Die Glasgower Polizei verlangt von dem verdächtigen Individuum die sliefcenbe Aussprache der Worte: Shoss ond socks shock Susan" (Schuhe und Cocken schokiren Susanne). In Edinbürg wird Burgetz' fish sauce shop" lBürger's Fischsauceladen) gefordert. In anderen Theilen Englands gilt die Geschichte des distelsiebenden" Weibes, die da lautet: A woman had six sieves of sifted thistles and six sieves of unsifted thistles." (Eine Frau hatte sechs Siebe mit gesiebten Disteln und sechs Siebe mit ungesiebten Disteln.) Bekanntlich haben sich in jüngster Zeit auch die österreichischen maßgebenden Kreise mit dem Trunkenheitsgesetz beschäftigt. Wir würden der geschätzten Wiener Polizei folgende Losungsworte betreffs Agnoscirung der Betrunkenen empfehlen: Kleine Kinder können kein? Kirschenkerne knacken." Der Postkutscher putzt den Postkutschkasten." Fischers Fritze fischte frische Fische." Der empfindliche Neger. Aus Wien berichtet das Wiener Extrablatt": Während kürzlich der Strafrichter der Leopoldstadt die VerHandlungen leitete, wurde die Thür geöffnet und ein Neger betrat den Saal. Mit einem höflichen Good morning, Sir" trat er auf den Richter zu und hielt ihm ein Schriftstück hin. Richter: Sie sind der Alexander Solbers und sind vorgeladen, hier ein dreitägige Arreststrafe zu verbüßen." Neger: Well, Sir!" Richter: Nun, dann gehen Sie hinunter iir4 Gefangenenhaus und melden Sie sich beim Aufseher." Neger: Ick nicht wollen sitzen of the Gefängniß, ick wollen lieber sein Modells Richter: Daß Sie nicht gerne sitzen wollen, glaube ich Ihnen, aber wenn Sie sich ordentlich verhalten hätten, müßten Sie nickt in den Arrest. Sie sind zu drei Tagen Arrests verurtheilt worden, weil Sie eine Frau mißhandelt haben. Neger: Sir, ick sein Nigger, aber was können ick davor, daß ich sein schwarz i.n Gesicht und nicht weiß, wie Wiener? Die Menschen ladien deshalb und ick müssen mich schämen." Richter: Da haben Sie also eine Frau geprügelt, die Sie ausgelacht hat?" Neger: Yes, Sir." Richter: Also, wann kommen Sie, die Strafe anzutreten?" Neger: Ick sein Modell rf the Akademie und bis.. Montag sein Bild fertig und ich dann kommen." Richter: Aber bestimmt, sonst laß ich Sie vorführen." Neger: Sir. ick komme bestimmt, ick sein ehrlicher Nigaer." Eine Spionage-Affaire. 3 Wiener Landesgerichte befindet sich tin Mann in Haft, der beschuldigt ist, na einem General eine Erpressung v:rsucht zu haben. Der Verhaftete ist der ehemalige Oberleutnant Paul Bartmann, der im Jahre 1897 der Ang?klagte in einem Sensationsprozeß war. Er stand damals mit dem Hauptmann Joses Waniczek wegen Hochverraths und Spionage vor dem Schwurgericht. Die beiden Angeklagten waren beschuldigt, an Rußland militärische Geheimnisse verkauft zu haben. Vom Hochvrrath wurden beide freigesprochen, wegen Spionage jedoch abgeurtheilt. Bartmann erhielt fünf Jahre schweren Kerkers, über Waniczek wurde eine zweijährige Kerkerstrafe verhängt, die er jedoch nicht ganz abbüßte. Er starb im Kerker. Bartmann wurde in eine Strafanstalt gebracht und ist erst vor vier Monaten aus derselben entlassen worden. Er begab sich zu seiner Gattin nach Veldes und lebte dort auf großem Fuße. Er verfügte über reichliche Geldmittel und führte eine sehr große Korrespondenz. Vor dicr Wochen kam Bartmann nach Wien und miethete sich in einem Hotel im Stadtbezirke ein. -Gr lebte sehr zurückgezogen, verließ stets Vormittags das Hotel und kehrte erst spät Abends zurück. Briefe empfing er nicht, nur solche von seiner Gattin, die in Veldes zurückgebli?bm war. Die Behörden erfuhren seine Änkunst in Wien und benutzten diese Gelegenheit, um in seiner Wohnung in Veldes eine Hausdurchsuchung vornehmen zu lassen. Bartmann war nämlich seit seiner EntHaftung bewacht worden, umsomehr. als er sofort wieder über ziemlich beträchtliche Geldsummen verfügte, deren Provenienz zumindest sehr verdächtig erschien. Die unmittelbare Veranlassung zu seiner Verhaftung bot ein von ihm an einen kommandirenden General gerichteter Brief, dessen Inhalt das Verbrechen der versuchten Erpressung involvirte. Die Hausdurchsuchung in Veldes soll jedoch ergeben haben, daß Bartmann auch jetzt wieder mit einer fremden Macht BeZiehungen anzuknüpfen suchte. Am 18. v. M. Vormittags wurde er in dem Hotel, in dem er wohnte, von Polizeiagenten gesucht. Er war nicht anwesend und kam erst spät Nachts zurück. Als er das Hotel betreten wollte, wurde er festgenommen und sofort dem Landesgerichte überstellt. Landesgerichts rath Hanusch führt die Untersuchung. Ueber die Affaire wird im Landesgerichte jtrenges Stillschweigen beobach-

tet. Die Gattin Vartmanis wußte nichto von der Verhaftung, drnn vor cm paar Tagen traf an das Wiener Hotel ein Telegramm ein, in d:m sie fragt, cb Paul V.irlmann noch dort wohne. Wie es heißt, sind unter den Arresten, die der Verkästet? in semer i"""''-"?U7 j8tiit,ftIrtflii k'. ein groß? Anzahl gradirender Schriftstücke Qt funden worden. Bartmann ist ein außerstintelligenter Mensch, der über bedeutendes militärisches Wissen verfügt. Die militärische Karriere mußte er vor dreizehn Jahren wegen einer schmutzigen Geldaffaire aufgeben. K i v i t o k. Mit diesem Namen bezeichnet der Grönländer einen bösen Geist, der sich besonders in heftigen Windstößen den Menschen offenbart und ihnen Schaden zuzufügen sucht. Ein Teilnehmer der von dänischer Seite unternommenen grönländischen literarischen Expedition, die stch seit dem Spätsommer des vorigen Jahres in Grönland befindet, berichtet darüber jetzt der Umschau ausführlich. Bekanntlich ist die Westküste Grönlands von tiefen Buchten eingeschnitten, während das Ufer hohe steilabfallende Felsen bilden. Ost fahren die Estimos bei schönstem Sonnenschein zum Fischfang aus, und plötzlich bricht ein Sturm los. der das Meer zu weißem Schaume peitscht und die Kajaks umwirft. Doch halten die Windstöße selten länger als eine halbe Stunde and lassen die See bald wieder spiegelglatt liegen, als sei nichts geschehen. Gar mancher Eskimo hat da sein Le-

oen lassen müssen, fecvuiv an oem Sturm und dem Unglück aber hat der Kivitok. Er ist jedoch nicht als Geist ZU denken, sondern ist. entsprechend dem geringen Vorstellungsoermögen der Leute, ein Mensch, ein lebendiger, richtiger Mensch wie die Eskimos selbst und geht logar aus ihnen hervor. Wenn dem einen oder anderen seine Mitmenschen oder das ganze Dasein zuwider ist, so geht er hinauf in die iöerge und lebt in einer Höhle als Einsiedler, von der ganzen Gegend gefürchter, da man ihm einen Pakt mit dem Teufel zuschreibt. Wahrscheinlich handelt es sich aber meist um Leute, die plötzlich umgekommen sind und in der Phantasie noch als lebend betrachtet werden. Treibt ein Leichnam im Wasser mit gefalteten Händen und dem Gesicht nach Osten, so nimmt man an. daß es ein Kivitok war, der als Christ gestorben ist; die anderen sind aber vom Teufel besessen und werden so böse, daß sie überhaupt nicht sterben können und nach Norden wandern, wo sich in ewiger Finsterniß alle Bergmenschen versammeln. So weit der dänische Bericht, der ein Zusammentreffen mit einem Kivitok dramatisch schildert, wobei es sich um einen Sturm handelt, der pfeift Und heult und schreit, fast wie ein Mensch. Die moderne Meteorologie denkt nun etwas nüchterner und kann leicht eine Erklärung für die Sturmstöße geben. Das Innere Grönlands ist ein Hochplateau von 1500 2500 M. Höhe und liegt unter ewigem Eise begraben. Die Lufttemperatur ist sehr niedrig, und bei windstillem Wctter lagert hier oben über dem Eise eine Schicht kalter, schwerer Luft. Kommt diese Luft nun durch irgend eine Urfache, z. B. dadurch, daß ein im Westen vorbeiziehendes Gebiet niedrigen Luftdruckes sie aus den Fjorden gewissermaßen heraussaugt, in Bewegung, so muß sie gemäß ihrer Schwere herabstürzen und wird in den sich nach unten verengenden Buchten in starken Sturmesstößen auftreten. Wir haben es also mit einem Fallwind zu thun, wie er an der dalmatinischen Küste als Bora und an der französischen Riviera als Mistral wohlbekannt und gefürchtet ist. Besteht zwischen unten und oben kein wesentlicher Temperaturunterschied und stürzt der Wind aus großer Höhe herab, so erwärmt er sich unterwegs und tritt unten als Föhn auf. Umpflanzung von alten Bäumen im alten Rom. Die Alten verstanden es noch nicht, starke, schattenspendende Bäume zu verpflanzen und so in kurzer Zeit weite Gartengelande und große Parks wie aus der Erde hervorzuzaubern. Für sie galt im Allgemeinen das Wort Virgils Georgica II, 58, daß der Baum, der aus gestreutem Samen emporwächst. langsam wächst und Schatten verleiht erst svätern Enkeln". Aber die Wohl-

that großer Bäume, die den erwünschten Schatten geben, wußten sie wohl zu schätzen, auf ihre Pflege verwandten sie große Sorge. Aus dem 12. Briefe des Seneca fehen wir, daß sie überall, wo es gerathen schien, die Erde um den Stamm berum lockerten und sorgfältig begossen. Dagegen lernten sie frühzeitig junge Fruchtbäume zu verpflanzen und dabei ähnlich zu versahren, wie der heutige Stand der Gartenbaukunde vorschreibt. Seneca erzählt in seinem 86. Briefe, er sei durch eine Oelpflanzung gegangen und habe mit Staunen gesehen, daß ältere Oelbäume verpflanzt werden könnten Der Besitzer des Oelgariens. unzufrieden mit den Früchten, versetzte im Herbst drei- und vierjährige Bäume auf besseren Boden. Bon der Rindenborke großer Stämme schabte er nahe der Wurzel etwas ab, damit aus jeder Stelle, an der das Holz von oer Rinde entblößt war, neue Wurzelfafern hervordringen konnten. Die Zweige stutzte er bis auf die Länge eines Fußes ab, ebenso schnitt er die Wurzelenden ab und ließ nur die Köpfe mit den Wurzelknoten übrig. Dann tauchte er die Wurzel in Dünger und

! versenkte den Baum in die Grube. 1 schüttete Erde hinein und trat sie fest.

Dabei belehrte er den Seneca, daß dieses Festtreten von großer Bedeutun,; sei, weil dadurch die Kälte abgehalten werde, während der Baum zugleich dem Winde stärkeren Widerstand leisi" 'irr"K ;p- wen''""' Hr und bernMüttelt würde. Die ftolae davo'ji I, oan rne reimenden Wurzeln ruhig entwickeln und am Boden festsaugen sonnten. Der Stamm aber durfte nicht mehr als 3 oder 4 Fuß über die Erde hervordringen, damit er sich gleich von unten auf mit Zweigen bedecken könne. Seneca erzählt, daß er auch alte Weinstöcke verpflanzen sah; das sei im Februar geschehen und schon Ende März hätten sie nahe stehende Ulmen erfaßt und umklammert. D i e Bismarcksäule in Heidelberg, die durch eine gemcinsame Sammlung der Heidelbergcr Studenten- und Bürgerschaft errichtet wurde, konnte dieser Tage dank der allseitig bewiesenen Opferwilligseit ihrer Bestimmung feierlich übergeben werden. Der mächtige, aus rothem Sandstein erbaute Thurm erhebt sich auf der halben Höhe des Heiligenberges, über dem bekannten Philosophenwc?gc auf dem rechten Neckarufer, und der Standort ist so glücklich geWählt, daß sein Feuerzeichen sowohl nach der Rheinebene, als auch nach dem Odenwald und Ncckartbalc leuchtet und auf eine große Entfernung gesehen wird. Eröffnet wurde die Feier durch einen Fackelzug der Studentenschaft, der sich durch die Hauptstraße, über die neue Neckarbrücke nach dem Philosophenwege hin bewegte, wo die Theilnehmer unterhalb des Thurmes während der Einweihungsfeicr Stellung nahmen. Infolge des beschränk--ten Raumes am Fuße der Säule selbst war zu dem Festakte der Uebergabe der Säule seitens des Kommittees an den Ausschuß der Studentenschaft nur eine kleinere Zahl von Personen zugelassen worden. Erschienen waren die Herren vom Kommittee, der Ausschuß der Studentenschaft sowie Vertreter der einzelnen Korporationen mit den Fahncn, welche sich rings um den Thurm aufstellten, ferner Vertreter der Civilund Militärbehörden. Professoren der

Universität und andere Eingeladene. Um 6 Uhr ertönten alle Glocken der Stadt, und während des Geläutes und der Böllerschüsse flammte zum ersten Male das Fuer auf der Spitze der

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äule helllodernd auf. Nachdem der

Choral Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" verklungen war, übergab Bürgermeister Dr. Walz nach einer patriotischen Ansprache die Säule dem Vorsitzenden des Ausschusses der Stadentenschaft. der sie unter dem Gelöbnis, stets das Vorbild des verewigten Kanzlers vor Augen zu haben, übernahm und dem Oberbürgermeister Dr. sJilckens in die Obhut der Stadt Heidelberg übergab. Der letztere schloß die einfache und würdige Feier mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland, dem der gemeinsame Gesang Deutschland, Deutschland über alles" folgte. Längs des Neckars wo die V.riegervereine Aufstellung genommen hatten brannten große Pechfeuer. Der Fackelzug der Studentenschaft löste sich bei der Universität vor dem Reiterstandbild Kaiser Wilhelms L auf, wo unter den Klängen des Gaureamus" die Fackeln zusammengeworfen wurden. Abends fand ein großer Kommers statt, bei dem der Historiker und bekannte Biograph Wilhelms I., Geheimer Hofrath Erich Marcks, die Gcdächtnißrede hielt. Ein Millionenschivindel beschäftigte die vierteStrafkammer des Berliner Landgerichts I unter dem Worfle des Landarichtsrnths Baun. Der aus der Untersuchungshaft vorge.suvrie ck'jahrige frühere Pnvattörtter Alfred Henig ist der Sohn eines vermögenslosen Lehrers zu Herzberge a. Elbe. Er soll von Jugend auf ein zu Phantasterei neigender Mensch gewesen sein. Mehrcrc Jahre lang stand er in den Diensten des Herzogs von Sachsen-Altenburg. Nach dessen Tode verlor er jeden Halt und betrat die Bahn des Verbrechens. Er gab in Rasicnburg einen Geldbricf an die Dresdener Bank auf, der angeblich 78,000 Mark enthalten sollte. Am Vestimmungsorte stellte sich heraus, daß der Brief nur Papierschnitzel enthielt. Der Angeklagte hatte die Post für den annebttchen Verlust haftbar machen wo'len. Dieser Betrug brachte ihm ei c zweijährige Gofangnißstrafe ein. Im September 1891 hatte er diese Str.-f. verbüßt. Er war natürlich mittellos und als geradezu räthselhaft bezeichncte es der Vorsitzende, daß es dem Angeklagten gelang, bald darauf als Eigenthümer eines Gutes in Mecklenbürg eingetragen zu werden. Von jc'j; ab lebte der Angeklagte als Rittergutsbesitzer" in einem Hotel in Berlin. Es gelang ihm, Schulden über Schulden zu machen. Im verflossenen Herbst setzte er einen argen Schwindel in Sene. Der Ingenieur Pampe zu Hambürg hatte eine Erfindung auf dttn Ge. biete der Spiritusverwerthung gemacht und sich dicfe patentiren lassen. Henig. der ihn kennen gelernt hatte, erbot sich, ihm beimVerkauf dcsPatents behilflich zu fein. Er ließ durchblicken, daß er zu hochstehenden Personen in Beziehungen stehe und eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung und einem Einlagekapital von 2 Millionen zu gründen vermöge. Pampe nahm das Anerbieten an und versprach ihm eine Provision von 10 v. H. des Kapitals. Nun

trat der Angeklagte mit zwei größeren Industriellen in Verbindung und such, te sie für das neue Unternehmen zu erwärmen. Es gelang ihm dies auch dadurch, daß er einen Brief fälschte, der die Unterschrift des Grafen SolmsBaruth trug und worin dieser in Aussicht stellte, daß er sich mit einer Million Antheilscheinen an dem Unternehmen betheiligen würde, wenn dieGründung bis zum 1. April 1903 perfekt geworden sei. Inzwischen hatte der Angeklagte die Industriellen fortwährend um Vorschüsse bedrängt, und dies hatte Verdacht erregt. Eine direkte Anfrage bei dem Grasen Solms ergab, daß dessen Name gemißbraucht worden sei. Der Angeklagte wurde in Haft genommen und wegen Urkundenfälschung in drei Fällen zur Verantwortung gezogen. Das Verfahren wegen verschiedener Betrugsfälle ist noch in der Schwebe. Im Termine bestritt der Angeklagte, daß er es auf emat Betrug abgesehen habe; er habe gehofft, daß das Unternehmen zu Stande komme und allen Betheiligten Glück bringen würde. Gerichtsphystkus Dr. Puppe wurde über den Geisteszustand des Angeklagten vernommen. Er begutachtete, daß derselbe zwar erblich belastet und geistig minderwerthig sei, indessen könne keine Rede davon sein, daß seine freie Willcnsbestimmung bei der Begehung der strafbaren Handlungen ausgeschlossen gewesen sei. Der Staatsanwalt beantragte, den Angeklagten wegen schwerer Nrkundenfälschung in drei Fällen mit zwei Jahren Zuchthaus und dreijährigem Ehrverlust zu belegen. Der Gerichtshof verurtheilte ihn unter Zubilligung von mildernden Umständen zu drei Jahren Gefängniß. Das N o t h s i g n a l ! Am 18. Januar machte zwischcn Perroy und Rolle der um 11 Uhr 20 Minuten von Lausanne abgegangene Bahnzug plötzlich Halt, da das Alarmsignal ergangen war. Alles geräth in Aufregung. Passagiere und Zugpersonal forschen beunruhigt nach einer Erklärung. Da sieht man einen Herrn vom Zuge absteigen, nothdürftig bekleidet, als wenn er durch Zufall mitten im Toilettemachen gestört worden wäre. Man fragt ihn. Er giebt eine etwas verworrene Antwort, durch die man aber doch den Sachverhalt erfährt: Er hatte sich an einen heimlichen Ort zurückgezogen. Dort passirt ihm das Malheur, daß ihm durch denAbzugskanal" eine Portefeuille mit wichtigen Papieren entschlüpfte. Damit diese nicht verloren gingen oder Unberufenen in die Hände gcriethen, habe er zum einzigen Mittel gegriffen, sich sofort wieder in den Besitz der kostbaren Papiere zu setzen, nämlich zum Nothsignal. Die Brieftasche fand sich wirklich nicht weit von b$r Haltestelle entfernt. Einige Blätter waren auf die Schienen gefallen und von den Rädern ein wenig zerquetscht und zerknittert worden: andere waren an den Gebüschen hängen geblieben und wurden ebenfalls wieder aufgenommen. Der Fremde zeigte sich in der Freude über den glücklichen Uusgang des Abenteuers freigebig und schenkte dem in der Nähe stationirten Bahnwärter 100 Francs. Es scheint, daß er ein Abgesandter des sächsischen Hofes und mit einer Mission bei der Kronprinzessin oder deren Anwalt betraut war. Wenn er sich in seinem Gesandtschaftsbericht der vorgeschriebenen Genauigkeit befleißigte, hat er auch dieses in den Annalen der Diplomatie und der Eisenbahnen gewiß seltenen Zwischenfalles Erwähnung gethan und damit trotz allem andern am heimischen Hofe einen Heiterkeitserfolg erzielt. Weib, Frau, Gemahlin. Ueber die drei Begriffe machte David Strauß folgende Bemerkung : Wenn ran aus Liebe heirathet. wird man Mann und Weib; heirathet man aus Bequemlichkei Herr und Frau; aus materiellen Rücksichten, Gemahl und Gemahlin. Man wird geliebt von feincm Weibe, geschont von seiner Frau. geduldet von seiner Gemahlin. Die Wirthschaft besorgt das Weib, das Haus die Frau, den Ton die Gemahlin. Den kranken Mann pflegt das Weib, ihn besucht die Frau und nach seinem Befinden erkundigt sich die Gemahlin. Man geht spazieren mit seinem Weibe, fährt aus mit seiner Frau i'nd macht Partien mit seiner Gemah!in. Sind wir todt, so beweint uns das Weib, beklagt uns unsere Frau und geht in Trauer unsere Gemah'in. Gipfel der Geschmackl o s i g k e i t. In Queensland, Australicn, sind vor einiger Zeit zwei Brüder Namens Kennisf wegen zweier Mordthaten in Verbindung mit verschiedenen räuberischen Ueberfällen zum Tode verurtheilt worden und dieses Urtheil hat auch die Bestätigung von Seiten des Appellationsgerichtes gefunden. Es sollte nunmehr an die letzte Instanz, den englischen Geheimen Rath, appellirt werden, was aber, wie sich denken läßt, viel Geld erfordert. Um dieses Geld herbeizuschaffen, verfiel man auf den Gedanken, ein großes Venefiz-Konzert zu veranstalten, das wirklich letzthin in Brisbane stattfand. Zum Schlüsse der Veranstaltung wurden der Vater, eine Schwester und ein Bruder der Verurtheilten in feierlichem Geleit auf das Podium geführt und von dem Auditorium mit lautem Beifall begrüßt. Dies mußte um so auffälliger berühren, als nach dem Ergebniß der Gerichtsverhandlungen alle Zweifel an der Schuld der beiden Bruder ausgeschlossen sind.

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