Indiana Tribüne, Volume 26, Number 171, Indianapolis, Marion County, 12 March 1903 — Page 7

12. März 1903,

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Unter schwerem Verdacht. Viornan von Teo von Torn. o O 8 o o 8 o o 8 o o COo oOOo cOO o oOOo cQQo oOOo ocS (Fortsetzung.) irr nahm lief) leltsam aus. d ane :rr, in dem ausgewachsenen Frackanzuge. Die Beinkleider reichten nicht ganz auf die großen, in derben, roßledernen Stiefeln steckenden Füße. Der Hosengurt war unter der kurzen Weste sichtbar, und die Hinteren Enden der schwarzen Kravattc ragten mit dem Anbänaer des Wracks über den Kraaen tnnaus. i-tne korntsctje Figur uns doch so Herzergreifend ernst, daß Frau von Horst nicht ein Wort herausbrachte. Eli bemühte sich um den Oheim und brachte in Ordnung, was irgend zu machen war. .Den Hut kannst Du nicht tragen, Onkel," sagte sie, indem sie ihm in den Mantel half. Setze Deinen auf und taufe Dir unterwegs einen passenden Cylinder." Herrje natürlich, mein Fifchchen! Das ist ja das Einfachste. So einfach, daß ich gar nicht darauf gekommen wäre. Man wird alt und zerfahren. Also auf Wiedersehen, meine Herrschaften " Ich wollte mich eben verabschieden. Herr Hauptmann." sagte Kessel; wenn d Ihnen recht ist " Aber bitte sehr! Ich habe es nur etwas eiliger wie Sie, Herr Oberstaatsanmalt. Es handelt sich nämlich um meinen Sohn. Ich möchte in seiner Angelegenheit mal mit dem Herrn Minist Rücksprache nehmen. Ein Vetter von Excellenz war Regimentskamerad von mir bei den vierten Dragonern ein prächtiger Mensch, mit dem ich später auf der Reitschule zusammen war jedenfalls hoffe ich, keinen vergeblichen Gang zu thun. Auf Wiedersehen also." 10. Kapitel. as Labyrinth von Gängen im Kriminalgebäude von Moabit lag noch in Ruh und Schweigen. Erst zwischen acht und neun Uhr wird hier das Leben wach der geräuschvolle, bienenemsige Betrieb der Gerechtigkeit. Es war kurz nach sieben Uhr. Ein unfreundlicher, regnerischer Morgen. Die hohen Bogenfenster waren beschlagen, verweint," wie man sagt, und legten eine schläfrige Dämmerung in die graue Eintönigkeit dieser weiten Hallen und Flure. Hier und da der Schritt eines Kasiellans, das Klirren von Schlüsseln. Dann wieder lange Stille, in welcher man das Aufklatschen von Regentropfen auf den Fenfterblechen unterscheidet wie von weit, weit her die dumpfen, im Mauerwerk nachzitternden Geräusche der Straße. Endlich ein fester, hallender Schritt; die Treppe zum ersten Stock hinauf, dann d:n langen Gang links hinab. Eine Thür wird geöffnet und zugeschlagen. Das Echo dröhnt in allen Winkeln des Korridors nach. So gehen hier nur Beamte. Der Untersuchungsrichter Kleinschmidt ist in sein Amtszimmer getreten. Ehe er noch die elegante, gelblederne Aktenmappe aus der Hand legt und den hochgeschlagenen Kragen seines Paletots niederklappt, prüft er das Stellrad der Luftheizung. Bei diesem unsicheren Frühlingswetter kann man nicht vorsichtig genug sein. Besonders wenn man ohnehin etwas asthmatisch bcanlagt ist. Dann erst schält sich der kleine, rundliche Herr, dessen ernste, kluge Augen noch etwas verschlafen blicken, aus dem Ueberrock. Er bleibt einige Augenblicke am Fenster stehen, wo man den nüchternen Hof des Untersuchungsgefängnisses übersieht. Zwei der grünen Wagen stehen dort abgesckirrt. ordentlich blank und lackirt von der Nässe. Sonst sieht man nichts als drei geschlossene Fronten vergitterter, zum Theil auch noch mit Brettern verkleideter Fenster. Während des Ausblicks hatte der Untersuchungsrichter mit zwei Bürstchen sein Haar geordnet. Nun strich er noch flüchtiq über den kurzgehaltenen, starken Scknurrbart. welcher nicht recht in das runde Gesicht paßte, da er der Mundpartie etwas Hervortretendes gab, und schritt dann rasch zu dem grünen Tische, an dem er mit energischen Bewegungen Platz nahm. Er öffnete seine Mappe. Ehe er noch die Akten herausgeholt und geordnet, drückte er auf einen Knopf an dem Tische. Ein Glockenzeichen in einem entfernteren Zimrner ward durch die Stille bis higher vernehmbar. Gleich darauf gingen Thüren. Schritte wurden laut, und ein älterer Gerichtsschreiber trat ein. Na, Herr Mohr ich fürchtete schon, Sie wären noch gar nicht da," bemerkte der Richter auf den Gruß des Beamten mit einem freundlichen Aufblick. Ein bischen früh heute. Aber was hilft's. Der Herr Minister wünscht bereits um elf Uhr die Akten zur Einsicht. Unser Präsident glaubte mir das gestern Abend gegen neun Ubr noch durch eine Rohrpostmittheilung einschärfen zu müssen. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Vortrag bei Majestät. Also die Ohren steif halten, Herr Mohr sonst kriegen wir Beide eine Nase, an der wir lange was bctn."

Sehr wohl," erwiderte der Beamte, indem er sein Schreibwerk ordnete. Dann strich er sich mit der behaarten Rechten von hinten herauf über die a la Sardellen bröochcn auf der Glatze arrangirten Haarsträhne und sagte: Ich habe den Untersuchungsgefange nen von Tamradt bereus in die artezelle führen lassen." Nee, mein Lieber wir müssen -,u-nächst noch einmal den Diätar 6tacttl vernehmen und ihn dann dem Ankeren gegenüberstellen. Dieser bestriitet bekanntlich. ihn überhaupt zu kennen. Laff Sie also den Siewers vorfübren." Sehr wohl." Einen Moment!" rief der Richter dem bereits in der Thür Stehenden nach. Damradt kann in der Warte zolle bleiben. Wer ist denn bei ihm?" Der Aufseher Unkrodt." Schön, T soll sich mit ihm einschließen. Viewers wird direkt hierhergebracht." Der Gerichtsschreiber verschwand und der Untersuchungsrichter widmetk sich dem Studium seiner Akten. Von Zeit zu Zeit schrieb er eine Notiz auf ein Blatt Papier oder griff nach einem anderen Bündel, um zu vergleichen. Plötzlich erhob er sich und ging nachdenklich und vor sich hinmurmelnd als wollte er noch einmal alles soeben Gelesene abhören zu dem Kleiderständer, entnahm dem Ucberzicber eink Eigarrette und setzte sie in Brand. Dik kräftigen Züge, welche er tief in sich sog und erst nach längerer Zeit durch die geblähten Nasenflügel ausstieß, lietzen erkennen, daß ihm das Rauchen Bedürfniß war. Er blieb in der Ecke, in der Nähe des Kleiderständers, sieben, bis er Schritte hörte. Nach einem letzten Zuge warf er den Rest der Eigarrette fort und trat ihn aus. Als Paulus Siewers hereingeführt wurde, saß der Richter hinter seinem Tische. An dem kleinen Schreiber war keine sonderliche Veränderung bemerkbar. Ter Kopf stak vielleicht noch etwas tiefer zwischen den Schullern, und die zwerghafte, verkümmerte Gestalt erschien daher noch etwas kleiner als früher. Sonst war er äußerlich derselbe. Nur sein Blick war ganz blöde. Treten Sie 'mal hier heran, Siewers." sagte der Untersuchungsrichter, indem der Sekretär Platz nahm und auch seinerseits den Schreiber, welcher in seiner Abtheilung beschäftigt gewesen war, musterte: Sie haben gestern und vorgestern ausgesagt und daran festgehalten, daß Ihnen der Assessor von Damradt persönlich bekannt sei. Bei Ihrer ersten Vernehmung behaupteten Sie sogar, Sie kennen den Asses sor ,sehr gut.' Was verstehen Sie darunter?" Ru " stieß der Buckelige kurzathmig hervor, ich habe doch mit ihm

mehrere Stunden auf einer Gesellschaft zusammengesessen." Das war damals auf der Kindtaufe bei dem Maurerpolirer Riemann?" Jawohl." Sonst sind Sie ihm nicht begcgnct?" Nur:, sonst nicht." Da können Sie doch aber nickt sagen, Sie könnten den Assessor ,fe$l gut;' das setzt doch einen intimeren Verkehr voraus. Hat sich Herr von Damradt damals überhaupt mi Ihnen unterhalten?" Ja, sehr viel." Und worüber?" Nu was man so spricht, wenn man bei Tisch nebeneinander sitzt." Einiger Einzelheiten können Sie sich nicht entsinnen?" Nein." Nun nehmen Sie 'mal Ihre Gedanken zusammen, Siewers, und überlegen Sie genau: Hat Herr von Damradt mit Ihnen über die Verratbsangelegenheit gesprochen, oder haben Sie aus irgend welchen Andeutungen, Anzeichen oder sonstigen Umständen den Eindruck gewonnen, daß Herr von Damradt zu den Ihrigen gehörte?" Ich weiß nicht." Aber lieber Mann, so was muß einem doch erinnerlich sein. Entweder haben Sie von der Mitschuld des Assessors schon vorher gewußt, dann konnte es allerdings Ihnen nicht sonderlich auffallen, wenn er über dergleichen Dinge zu Ihnen sprach. Für diesen Fall aber würde Ihr Gcständniß. welches Sie als ein umfassendes hinstellen, eine klaffende Lücke aufweisen. Haben Sie dagegen keine Ahnung gehabt von den geheimen Beziehungen zu Ihrem Tischnachbar, so mußte auch die leiseste Andeutung Sie stutzig machen. Ist etwas dergleichen gefallen? Haben Sie mit Schreck oder Ueberraschung plötzlich das Gefühl gehabt: Um Himmels willen, Du bist unter Wissenden?" Hmallerdings. So etwas kam wohl vor. Mir ist so. Ich kann das nur nicht mehr ganz zusammcntriegen. Der Untersuchungsrichter wandte sich mit einem bedeutsamen Blicke zu dem Protokollführer. Nehmen Sie das Folgende stenographisch auf." sagte er halblaut. Dann wieder zu dem Gefangenen. welcher ihn stumpfsinnig anglotzte: Denken Sie scharf nach, Siewers. Unter welchen Umständen machte sich das?" Ich weiß nicht. Ich bin auch betrunken gewesen damals." Aber etwas wird Ihnen doch noch gegenwärtig sein! Uebcrraschungen solcher Art gehen nicht so spurlos an einem vorüber, nicht wahr?"

Ter Athem des Krüppels ging schwer, er schien sich thatsächlich Mühe zu geben, die Ereignisse in seine Erinnerung zurückzurufen. Er sah eine Weile zu Boden, dann zum Fenster und schließlich mit stumpfer Hilflosigkeit auf den Richter, welcher ihn schweigend beobachtete. Also wiederholen wir noch einmal," sagte Letzterer nach längerer Pause ungeduldig. Wie saßen Sie am Tische links von Ihnen der Assessor von Damradt" Jawohl." ..Und rechts?" Ein junges Mädchen." Stimmt. Hat nun also dieses junge Mädchen Sie zu jener Erkenntniß gebracht?" Nein." mf)Yxr der alteNiemann. beiehungswme Die Frau (srarow, welche Ihnen gegenüber saßen?" Ganz gewiß nicht." Also welche Möglichkeit bleibt da nur noch. Viewers?" Ich weiß nicht." ..Jene Ueberraschunz kann Ihnen docü nur von links her gekommen sein!" Das kann schon sein." Von dem Assessor von Damradt?" Möglich." Das ist keine Antwort. Es liegt in Ihrem eigensten Interesse, sich vollkommen klar auszudrücken. Es hängt vieles davon ab, daß Sie sich gerade dieser Situation möglichst genau entsinnen. Vielleicht kommen Sie besser darauf, wenn Sie sich vergegenwärtigen, was im Anschluß daran geschah. Nachdem die Aeußerung oder die Andeutung gefallen wr, blieben Sie sitzen oder standen Sie auf?" Wahrscheinlich stand ich auf." Was empfanden Sie dabei?" Anast " Wovor?" Daß da noch Jemand war und daß gerade nun weiß ich es! Daß es die Gräfin war. mit der ich dort zusammensaß." Hier ging eine lebhafte Beränderung mit dem Krüppel vor. Seine Augen wurden rund und blank, und auf den Wangen malten sich rothe Flecke. Der Untersuchungsrichter sah verdrießlich in seine Akten. Es ging ihm sehr gegen den Strich, daß der Häftling wieder auf jene Frau kam. Der Schreiber pflegte im Allgemeinen zusammenhängende Antworten zu geben; aber es war mit ihm nichts aufzustellen, sobald die Vernehmung sich auf jene Gräfin" bezog. Er wurde derart verworren, daß schon eine ärztliche Beobachtung in's Auge gefaßt war. Ihre Ueberraschung und Ihre Angst bestand also dann, daß Sie es mit der , Gräfin' zu thun hatten. Wer hat Ihnen das aber gesteckt?" Niemand. Mit einem Male wußte ich es. Und mir wurde heiß und kalt dabei. Nachher sprach, ich sie noch " fügte er verzückt hinzu. Das war im Zimmer des Herrn Srebro-Brodowin. mit dem Sie es bis dahin allein zu thun hatten. Das wissen wir schon, Siewers. Sie haben auch ausgesagt, daß Herr von Damradt bei jener Unterredung nicht zugegen war. Stimmt das?" Jawohl; er war nicht zugegen." Jba Sie das so bestimmt wissen, müssen Sie sich doch auch erinnern können, ob der Assessor Ihnen verrathen hat, daß Sie es in jener Dame mit der ,Gräfin' zu thun hatten, welche nach den Andeutungen, die SrebroBrodowin Ihnen gemacht, die Leiterin der ganzen Spionagebewegung war!" Dessen erinnere ich mich nicht." Aber wer soll es denn gewesen sein? Denken Sie nach! Es gibt doch gar keine andere Möglichkeit. Es ist festgestellt, daß die Riemanns mit der ganzen Geschichte nichts weiter zu thun gehabt haben, als daß sie an den Rufsen ein Zimmer vermiethet hatten. Dasselbe gilt von der Frau Riemann in der Schmidtstraße. Diese beschränkte Person hat sich von ihrer Mietherin als Tante herausstellen lassen, um des guten Preises willen, welchen jene zahlte. Sie will auch gedacht haben, daß es sich um eine Art Deckung der Polizei gegenüber handelte wegen des häufigen Herrenbesuches, den die junge Dame empfing. Letztere hatte es auch bald heraus, daß ihre .Tante' schon einmal wegen Kuppelei bestraft war und eine unsinnige Angst vor dem Gericht hatte. Das nutzte sie aus und machte die alte Frau zu einem willenlosen Werkzeuge. Sonst aber liegt gar nichts gegen die Leute vor nicht die Spur eines Verdachtes wenigstens, daß sie von der Komplottirerei gewußt haben. Sie selbst sind mit den Leuten aus Ihrer früheren Stellung bei Justizrath Paetzold bekannt gewesen und wurden von ibnen als eine Art Wohlthäter betrachtet, weil Sie den splendiden Miether. Herrn Srebro-Brodowin, beschafft hatten und Rathschläge in den kleinen Geldangclegenheiten der Familie ertheilten. Die GrabowZ sind ganz unverdächtig. Die beiden kleinen Konfektioneusen desgleichen; es sind Nachbarskinder und Schulfreundinnen der jungen Frau Riemann. Was bleibt denn nun noch! Es kann doch nur Herr von Damradt gewesen sein! Meinen Sie nicht auch. Siewers? Denken Sie 'mal genau nach." Aber der Kleine war augenscheinlich nicht im Geringsten bei der Sache. Mit einem kindlich glückseligen Ausdruck in dem kranken, spitzen Gesichte schaute er in's Leere. Das erste helle Licht brach eben durch die Wolken und in's Fenster, und dahin wendete er den Blick. Wie die Sonne." murmelte er

schlafen Sie nicht. Herr!" fuhr

ihn der Richter an. Haben Sie derstanden, was ich Sie gefragt habe?" Nein. Das ist auch alles lächerlich. Es hat alles keinen Zweck und keinen Sinn. Sie werden das Gcheimniß des Himmels nickt ergründen auch wenn Sie noch so viele Menschen fragen. was sie darüber denken vnd wie es wohl sein könnte." Wi: beißen Sie?" Paulus Siewers, Manieuffelstraße 18, vier Treppen." Schön. Also Sie kennen sich doch noch. Und wer bin ich?" Sie sind der Herr Untersuchung richte:." )"?. rreinen N:inch wissen Sie Mllio nicket?" Nein. Das ist Luch gleichgiltig." Allerdinos. Sefc,m Sie 'mal an. was Sie für vernünftige Ansichten yaben." Es ist eben alles gleichgiltig, denn wir sind Beide nichts. Man denkt, man kann etwas und ist etwas Äis eine höhere Gewalt kommt und uns lehrt, daß man ein Nichts ist." Welche höhere Gewalt meinen Sie den. -.1" Bei dem Einen zeigt sie sich so, bei dem Anderen anders. Sie müssen wisrn, für mich war's die Sonne. Ich hatke es immer finster. Sehen Sie mich nur an. so werden Sie das glauben. Und das geht, so lange man nichts anderes kennt. Das Auge gewohnt sich schließlich an die ewige Dunlelbcit. Man tappt herum, ergreift das Falsche oder das Rechte, je nachdem man unterscheiden kann. Das ist dann so ein Leben. Wenn ein bischen Haß nicht wäre gegen die Anderen, gegen die mit den graden Gliedern, dann wüßte man gar nicht, daß man überhaupt lebte. Biä dann 'mal die Sonne kommt und Licht macht in einem. Mit einem einzigen warmen Blick, wissen Sie. Das ist dann eine andere Welt und ein neni's Leben! Und neue Gesetze, Herr ganz neue Gesell Was glauben Sie wohl, weshalb Sie da sitzen! Das ist doch alles nur Einbildüng. Wenn Sie die höhere Gewalt überkommt, werden Sie einsehen, wie nichtig das ist." Der stumpfe Ausdruck im Gesichte des Krüppels war zuletzt einer Art Verklärung gewichen. Er hielt das Gesicht dem Fenster zugewandt, und die fieberblanken Augen sahen unverwandt in das einbrechende Licht. Er bemerkte es gar nicht, daß der Richter den elektrischen Knopf berührt hatte und der Aufseher eingetreten war. Erst als dieser seinen Arm berührte, schrak er zusammen und machte eine Bewegung, als wolle er sich widersetzen. Er stieß mit dem Ellenbogen wie ein ungezogenes Kind. Gleich darauf aber wurde sein Gesicht wieder fahl und seine Haltung schlaff. Auf einen Wink des Richters führte ihn der Aufseh?r in den Hintergrund des Zimmers, wo ihm ein Stuhl angewiesen wurde. Dort nahm er Platz die Hände auf den Knieen, die kurzen Beine, welche den Fußboden nicht erreichten, in einer leise baumelnden Bewegung. Der Untersuchungsrichter Kleinschmidt musterte den Kleinen noch einen Augenblick durch seine Brillengläser. Dann winkte er den Aufseher heran. ..Sie führen den Mann nachher in irie Krankenabtheilung und lassen mich sofort von der Anwesenheit des Herrn Sanitätsraths verständigen. Unkrodt soll jetzt den Untersuchungsgefangenen von Tamradt vorführen." . Ich möchte Sie zunächst darauf aufmciksam machen, Herr von Damradt, daß die heutige Vernehmung das Material abschließen soll, auf Grund dessen das Gericht sich über die Erhebung der Anklage wegen Verraths, verbunden mit Diebstahl, beziehungsweise Beihilfe entscheiden wird. Sie haben bisher jede Betheiligung an dem Berbrechen geleugnet, obwohl Sie mir felber zugegeben haben, daß die Gesammtheit der vorliegenden VerdachtsMomente geeignet erscheint, Sie auf das Schwerste zu belasten Das habe ich in dieser Form nicht zugegeben." unterbrach Gust von Damradt den Untersuchungsrichter mit einer energischen Handbewegung. Er reckte sich in der Brust, um besser Athem holen zu können, und sagte fest und bestimmt: Die Verdachtsmomente sind nur dann belastend, wenn sie für sich allein betrachtet werden und wenn man den Erklärungen, welche ich ihnen gegeben, keinen Glauben jchenkt. Werden aber meine Angaben vorurtheilsfrei nachgeprüft wie ich das im Hinblick auf meine tadellose Vergangenheit und berufliche Führung wohl verlangen kann so muß sich ohne Weiteres ergeben, daß das Verdachtsmaterial im Einzelnen sowie als Ganzes aus einer Reihe unglücklicher Fügungen besteht. Nichts weiter." Herr von Damradt, Sie sind in der Hauptsache Verwaltungsbeamter " entgegnete der Untersuchungsrichter eindringlich, indem er wiederum den kurzen Oberkörper so weit als möglich vorbeugte und die gefalteten Hände auf die Akten drückte, ich meine aber, daß Sie doch noch genügend Jurist sind, um einzusehen, daß man aus seelischen Vorgängen eine Thatsache ihrem innersten Wesen uno ihrem Ursprung nach wohl erklären, nicht aber widerlegen kann. Und hier handelt es sich doch um vollkommen feststehende Thatfachen!" Das eben bestreite ich. Es handelt sich um Dinge, welche nur in der Auslegung für mich belastend sind." Der Untersuchungsrichter lehnte sich

mit einem leichten Seufzer in setnen Stuhl zurück, wie rathlos gegenüber einer solchen hartnäckigen Unvernunft und Einsichtslosigkeit. Dann raffte er sich zusammen und fragte geschäftsmäßig: Sie haben mir 'so keinerlei Eröffnungen zu machen ' Keine." Ueberlegen Sie wohl. Sie haben, wie schon gesagt, heute voraussichtlich die letzte Vernehmung. Ein offenes Geständniß würde die Sachlage sehr zu Ihren Gunsten beeinflussen." Ich habe nichts zu gestehen. Ich bin völlig unschuldig und kann nur immer wieder bitten, daß mn meine Angaben und Erklärungen nackvrüft." Das ist selbstverständlich geschehen,' bemerkte d?r Richter. Wir werden also den ganzen Thatbestand noch einmal durchsehen. (Fortsetzung folgt.)

Telephon und Chirurgie. Galvanische Auffindung von etallgegen ständen im menschlieu Körper. In Londoner Krankenhäusern wird seit einiger Zeit der Fernsprecher als Hilfsmittel beim Sondiren von Kugeln oder sonstigen metallischen Gegenständen im menschlichen Körper benutzt. Das Verfahren ist folgendes: Mit einem Fernhörer sind durch Drähte einerseits eine Metallplatte, andererseits eine Sonde verbunden. Die Platte wird an den Körper des Patienten angelegt; zur Herstellung einer innigen Verbindung legt man einen nasien Schwamm oder mit Salzwasser getränltes Fließpapier unter. Der Arzt nimmt den Fernhörer an's Ohr, der zweckmäßig durch einen Bügel oder eine andere selbstthätige Vorrichtung am Kopfe festgehalten wird. Führt man nun die Sonde in die Wunde ein. so ist der Stromkreis geschlossen. Ein Strom entsteht aber erst, wenn die Sonde den in der Wunde befindlichen metallischen Körper berührt. Sie vibrirt dann, und in dem Fernhörer ist ein Summen vernehmbar. Der Vorgang ist eine Wiederholung der Efperimente des 1798 verstorbenen Mediziners und Naturforschers Galvani, der bekanntlich als Erster fand, daß bei der Berührung verschiedenartiger Metalle, besonders unter Hi',utritt von Flüssigkeit. ein elektrischer Strom entsteht. In London sind Nadeln, Kugeln, Schrotkörner. Bruchstücke von Kupfer und Stahl durch das Verfahren leicht und sicher ermittelt worden. Die Methode versagt nur dann, wenn die Fremdkörper aus demselben Metall bestehen wie die Sonde; für solche Fälle müssen Sonden aus verschiedenartigem Metall bereitgehalten werden. Die Versuche sind auch von deutschen Aerzten mit Interesse verfolgt worden, und man dürfte deshalb auch von derartigen chirurgischen Behandlungen hören. Tie Hutschachtel deö Präsidenten." Der neue östliche Flügel des Weißen Hasses in Washington, D. C., ist scherzhafter Weise Die Hutschachtel des Präsidenten" genannt worden und dürfte diesen Namen wohl auch behalten. Der 170 Fuß lange und ein Stockwerk hohe Anau stellt hier das architektonische Gleichgewicht gegen das Geschäftsbureau und die Terrasse an der westlichen Seite her und dient als Annex für qesellschaftliche Veranstaltungen. Alle eingeladenen Gäste müssen diesen Anbau durchschreite? und ihre Mäntel, Ueberschuhe und Hüte dort lassen. Als Quittung empfängt jeder Gast oder jede Besucherin eine Messingmarke, deren 2417 eigens für die Hutschachtel" angefertigt wurden, entsprechend einer gleichen Zahl Fächer. Wie diese, so sind auch die Marken mit fortlaufenden Nummern versehen. Bei großen Empfängen, wie sie fast jede Woche im Weißen Hause stattfinden, walten hier etwa 20 GarderokEdiener und -Dienerinnen ihres Amtes; sie sind flink, für ihren Dienst speziell geschult, und der Besucher braucht keine Minute zu warten, bevor seine Sachen in einem Fache untergebracht sind und er seine Marke in Händen hat. Die Hutschachtel" befreit das Weiße Haus von dem unangenehmsten Theile gesellschaftlicher Unterhaltungen. Nicht länger ist dort mehr am Ende solcher Veranstaltungen ein wildes Reißen und Balgen um Hüte und Oberkleider mit den unvermeidlichen Verlusten und Vertauschungen zu finden. Versunkener Schatz. Die griechische Regierung hat kürzlich der Gesellschaft, der sie die Erlaubniß ertheilt hatte, den Meeresgrund am Orte der Schlacht bei Navarin, wo im Jahre 1827 die egyptisch-türkische Flotte von der vereinigten englisch-französisch-russischen Flotte vernichtet wurde. durch Taucher nach der Kriegskasse der versunkenen egyptisch-türkischen Flotte absuchen zu lassen, die Erlaubniß auf ein Jahr verlängert. Es ist eigentlich wunderbar, daß die Leute, nachdem sie während der guten Jahreszeit gearbeitet haben, ohne etwas Erhebliches zu finden, noch nicht den Muth verloren haben und von Neuem Geld in das Unternehmen steilen. Aber vielleicht ist das Glück ihnen hold; wollte doch Schliemann auch Mykcne verlassen, weil er nichts von dem gefunden hatte, was er geträumt, und hatte schon den Tag seiner Abreise angesetzt, als er am Vorabend der Abreise den reichen Goldschatz fand.

Feuer - Signale.

4 Pnmsylv und startet 6 Engllsh'S Opern Hau 6 East und Ae Dort 7 Noble und Michlgan 5 N. Jersey u. Mafs Afce 9 Pme und North 10 Startet und Pine 11 Vermont nahe East 12 91$,. 8 EpritzenhauS OTaff. Ave nahe Noble 13 Deaware und Walnut 14 R. Jersey u Centra!. 15 Mass. und kornell Av Ash und II. Strafte i7 Bart Ave und 12 Etr .6 Columbia und Hillflde 19 Higbland Ave u. Pitt 1 JUi,ui und t. Joe 23 Pennsylv. und Pratt 24 Meridian und 11. Str 25 No. 5 -pr,yenbauS 16. nahe JllinmS 26 Senate Ave u. StLlair 27 Jllinoi und Michigan 28 Pk tfylvania und 14. 29 Senate Ave. und 13. 31 No. I Spritzenbaus Jndvenah4ichigan 22 Meridian und Walnut 34 Ealifornia u Bonnern 35 Blake und New Kort 3 Ind. 31. u. Et. !lair Z? Sity Hospital 28 Blake und Norty 29 Michigan und ane 41 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West 42 Gsendorf u Wash. 43 Missouri u New Dort 45 Meridian u Wash 46 JllinoiS und Odw 47 Capitol v. u Wash 48 lngan'S PortbauS 49 Straßenbahn Stalle W. Washington Etr 51 No. 1 Spritzenhaus Illinois u Merrill 52 JllinoiS u Louisiana 53 West und South 54 West und McCarty 56 Sene Ave. u Henry 57 Meridian und Rav 58 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Morvi 59 Madijon Av.uDunlop 1 No 2 Haken Leiterbau South nahe Telawar 2 Pcnn. u Merrill 63 Telawarc u. McCarty 4 oft und Mvkarty 5 New Jersey u. Merrill 67 Birg. Av. u Bradshaw 68 Säst und Prospekt 69 Bickinz und High 71 Ro. 11 Spritzenhaus Lir Ave. nahe Huron 72 East und Georgia 73 Eeda und Elm 74 Davidson u Georgia 75 English Av. u Pine 76 Shelby und BateS 78 No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Sbelby 7d Fletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. 82 East u Wasbinaton 4 New York u. Davidsoe 85 Taubstummen Anstalt 86 Bcr. Staaten Arsenal 87 Oriental und Wash. 89 Frauen-Resormat. 9t No. 13 Spritzenhaus Marvland naht Mer. 92 Meridian u. (Jargta. 93 Meridian und South 94 Pennsylv u. Louisiana 95 Virini? Ave u. Alab. 9 Hauptc?uartier. 97 rand Hotel. 98 Capital Ave und Ohis ,23 No, 1 Svi -.tzenhauS 16. und Ash. 124 Alabama und 1. 125 Ccntral Ave und 15. 126 ?)andeS und 15. 127 Brookside und Jupiter 128 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 3l Alabama und 11. 132 Bellesontaink und W. 134 College A und 2S. 125 Delaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann nd 19. 138 College Ave und 14. 139 Corncll Ave und 13. 141 Jandes und 1?. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey nd 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus HtLsidC Av und 16. 148 College Ave und 22. 149 College Ave und 27. 152 Part Ave und 2. 15. L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey Are und 1. 15 Stoughton u Newman 157 Atlas und Pike. 158 Bloyd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood l2 rden und Depot 162 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. eyston i7 Arsenal Ave und 23. 168 Bellefontaine und 28. 169 Park Ave und 10 212 Capital Ave und 17. 213 Pennsylv. i. 214 JllinoiS und 20. 215 Senate Ave und N. 216 Pennsvlvania und U 217 Meridian nd 1. 218 Capital Ave und 2. 21 Broadwav und 10. 231 Jllir. und VlcLea 234 No. M Spritzenhaus Aenwsd und 30. 235 JllinoiZ und 35. 236 Annctta ,md 3. 237 No. 9. ExriyenhiuS Udell und 9iautx 238 Udkil iahbtr Worts 239 Jfodel und 7. 241 Mendian und 24. 242 JUlnoiS u St. X, 243 Eldridge und fc3. 312 West uud Walnut 313 West und 12. 814 Howard und 1. 15 Dorbet und Paca 316 Capital Ave und 1. 317 Northwestern Ave u 313 Gent und 18. l Kanal und 10. 324 ?erealin Wor 324 Vermont nd Lltz 325 BiSmarck u SrandVieW 326 No, 2 Sprttzenyau Haugbvillk. 8.27 Michigan u. HolmeS, 328 Michigan u, Concorb 341 West und VcJntyr, 412 Missouri u. Varyland S13 Missouri und Ohio 415 Capital Ave u Seorgia 416 Missouri u entucky 417 Senate Ave n. asy. 421 P und Rundi-mS 23. Wasbina. 423 Irrcn-Hospitat. 424 Mi.ky Stve u.52)uj 425 Wash. und HarriS 426 No. 18 Spritzenhaus W, Washington 427 Oliver und Birch 28 Oliver und OSgood 429 Nordyke und Aort 431 Hadley Sve u. MorviS 432 River Ave u. Marrüi tS4 River Ave und Nay 425 Harbins u. Big 4 A 9 436 Harding und Oliva 437 No. 19 Spntzenya j Morris und Harding, 438 Howard und KUkcanß 439 StmtvardS 451 ReiSner und Mille, 452 Howard und ktt 453 MorviS und ap 456 Lamvert und 9dxjmi 457 Nordyke Ave u. uar tuen WortS 612 West und Rah 513 Aentucky Ave u. NerrN 514 Meridian und Morrht 516 JllinoiS und ansaS 517 Morr und Takota 518 Morris und Church 51 Capital A. u McCarty 521 Meridian und Palme, 523 Pine un' Lord 524 Madlsor Ave u Lincoln 26 Mmdic.n udBelt R K27 EarloS und Ray 528 Meridian und Arizona b29 Meridian u. Raymond 531 Meridian u. cCarttz 522 No. 17 Spritzenhaus Morris nahe Wetzt . McKernanund Douch 613 Gast u. Lincoln m 614 East und Beecher 615 Wrlght und Sanders 617 McCarty und Beaty 18 New Jersey ulkSw 712 Spruce und Prospekt 713 Emglish Are. u. Loire) 714 Ctatt Ave u. elt R 715 Stzeldy und Beecher 716 Statt Ave und Orange 718 Orange und Laurel 7 Shelby u. Gx-LOfit Wti 7i Lerington A.u Laurtf 7U ZItchcr AvkU. Cproti 74 State Ave u. Pleasa 726 Prospitt und rUfttfa:J 726 Orange und Haila 728 Liberty und Meet 72 RolK und South 81 No. ib Spritzenhaus Ost Washington Str 81? Market und Noble 814 Ohio u. hghland 9 815 Michigan u. Hiahlanl 816 Market u Arsenal Av 817 Ost S Cla und Union Bahn eleis. 821 Pan Handle Syepl 823 Vermont und Walcov 824 Wash. und State . 826 Madden'siounge Fad. 82 Duck und Torsetz 827 Wash. und BeriKe Av, 82 No. 1 Spritzenhaus Beville nahe MiaaaA 831 Toutheastern A und Woodside. 832 Wash. und Dcarbo 834 Southeastern und Arsenal tveS. 835 New ork und DempK 12 JllinoiS und Raryl. i Illinois und artet. 14 Penn. Nd 94r& 1: Delaware und Spezial-Giznale. lkrsten , Echlöqe, zwei' Alarm, Zweite Schlagt, dritter Alarm, Dritten 2 Schlage, vierter lärm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch ausgerollt. 3 Schlage, Wasserdruck ab. 12 Schlage, 12 Uhr Mittag. 0 Die rfi bezeichneten Signale werden nur vom Dbur, wacht angegeben da an den betreffenden Straß kreuHunge keine ätlarmfJKter anae bracht sind. Chicago und der grotze Nordwefte via fi ? c)) (JCMn tnumtfw 4-tVttri U1 UlaSka Hawaii Pbllldv'ne Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. ET" Bon der Monon 47. Str. 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