Indiana Tribüne, Volume 26, Number 165, Indianapolis, Marion County, 5 March 1903 — Page 7
Jndiana Tribne, S. März 1903.
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' ' ' 8 c üoman von g eo von Torn. 800 oOOo oOOo oOOo oooo oOOo oC (Fortsetzung.) jDcr Schreiber zerrte ein Kouvert aus der Tasche und legte es dicht vor Nora auf den Tisch. Sie ergriff dasselbe, kniff es flüchtig einmal zusamrr.cn und barg es in dem Täschchen, welches sie unter dem Reisemantel an einem Riemen trug. Dann sah sie befremdet auf der Mensch stand immer noch vor ihr. Er sch'en etwas sagen zu wollen, doch machte ihn ihr Blick ganz befangen, so daß er einen Augenblick zögerte. Der Kopf und der unförmliche Oberkörper bewegten sich bei jedem der pfeifenden Athemzüge, und jedes Wort, das er nun leise hervorstieß, holte er aus der Tiefe der kranken Brust. Herr von Brodowin, der in großer Erregung der Mittheilung zuhörte, erhob sich jäh. Eine graue Blässe bedeckte sein Gesicht, und er griff nach dem Hut. der über ihm hing. Dann nahm er hastig eine Banknote aus der Tasche und warf sie auf den Tisch. Auch Nora hatte unter dem ersten Eindrucke der Worte des Buckligen sich erhoben, aber schon in der nächsten Sekunde war sie vollkommen gefaßt. Ihr Antlitz hatte wieder den Ausdruck eisiger Ruhe. Viel langsamer als vorhin streifte sie das weiche, dänische Leder über die Hände und verfolgte dabei mit scheinbarem Interesse, was der Kellner dem Russen auf die Banknote herausgab. Nur ganz beiläufig ein flüchtige? Blick nach der Thür, die in das Hotel-Jnnere führte, und ein zweiter nach dem hohen, offenen Portal, an dem das Getriebe der Friedrichstraße vorüberfluthete. Es war, als ob sie die Entfernung bis dahin berechnete. Aber kein Zucken der Wimper, keine unruhige Bewegung verrieth, was in ihr vorging. Mit einem leichten Neigen des Kopfes erwiderte sie den unterthönigen Gruß des Kellners, raffte ihr Kleid auf und schritt durch den LichtHof zum Portal. Herr von Brodowin folgte ihr auf dem Fuße; fast hätte er sich an ihr vorbeigedrängt, um so schnell als möglich das Freie zu gewinnen, aber Nora ließ ihn nicht vorbei, sondern ging im ruhigen Schritt weiter. Draußen stürzte er sich auf eine vorüberfahrende Droschke und sprang hinein, ehe das Gefährt noch hielt. Als er sich nach Nora umsah, war sie verschwunden. Einen Augenblick schwankte er, ob er sich allein in Sicherheit bringen sollte dann sprang er aus dem Wagen und mischte sich suchend in das Gewühl der Straße. Inzwischen hatte Nora bereits die Dorotheenstraße erreicht und dort eine Droschke nach dem Thiergarten genommen. Gleich hinter dem Brandcnburger Thore ließ sie halten und eilte die Königgrätzer Straße entlang. Dort kam ihr im Schritt ein einfaches, vornehmes Gefährt entgegen, dessen dunkel livrirter Kutscher sofort hielt, als er Noras ansichtig wurde. In ehrerbietigster Haltung nahm er ihr: Befehle entgegen, die sie ihm in Kürze, aber mit besonderem Nachdruck einschärfte. Gleich l.arauf sch'ug blt Thür, deren geschliffenes Fenster mit einer lilaseidenen Gardine dicht verhängt war, zu und in schärfster Fahrt rollte der Wagen davon, einer der kleinen. außerhalb des Weichbildes von Berlin belegenen Bahnstationen entgegen. Minutenlang verharrte die schöne Frau regungslos. Nur ihre Brust arbeitete stürmisch und verrieth, daß die Ereignisse der letzten Stunde nicht so eindruckt'los an ihr vorübergeaangei' waren, als sie sich den Anschein gegeben. Und seltsamer Weise beschäftigte sie nicht das wahnwitzige Spiel mit der Gefahr, das sie getrieben und das eben seinen Höhepunkt erreicht; sie dachte nicht daran, daß ihr Fluchtplan noch in letz.er Stunde mißglücken könnte, da man ihr doch auf den Fersen war. Was ihr in dieser fürchterlichen Stunde durch den Sinn ging, war etwas ganz, ganz anderes. Mit allem hatte sie gerechnet, und auf alles war sie vorbereitet gewesen auch auf das Schlimmste. Die Hand tastete nach der kleinen Waffe in der Manteltasche; die war für das Aeußerste, und mit diesem Abschluß ihres wildbewegten Lebens hatte sie sich schon ziemlich vertraut gemacht. Nur an das eine, die Liebe, daran hatte sie nicht gedacht, weil sie es nicht gekannt hatte. Und jetzt war es gekommen. Wohl hatte sie nie ihren Plan außer Acht gelassen, mit dem sie sich einst Damradt genähert hatte, wohl hatte sie ihn mit aller Energie im Interesse ihrer Pariser Auftraggeber auszunutzen und auszuforschen gesucht; aber im Laufe der letzten Monate war noch etwas anderes hinzugekommen, das ihr seine Gesellschaft so erwünscht machte. Der gerade, vornehme Eharakter, die männliche, elegante Erscheinung, sein freundliches Wesen und seine Besorgtheit um ihre Person hatten sie immer mehr und mehr, fast unbewußt, zu ihm hingezogen und hatte ihr es in der letzten Zeit immer schwe-
rer gemacht, ihre Rolle mit Erfolg durchzuführen. Schon vor einigen Wochen war- sie zur Erkenntniß gekommen, wie sehr sie sein Vertrauen getäuscht, und bittere Selbstanklagen waren damals durch ihr Herz gezogen. Das war es auch was ihrem Handeln in der letzten Zeit die sonst coch so außerordentlich kühle und klare UeberlegunJ entzog, und deshalb hatten auch vorhin Brodowins bittere Worte sie so getroffen. Gerade an diesen hatten sie erkannt, wie nahe ihr Gust von Damradt stand. Und gerade jetzt, jetzt war es zu spät. Sie konnte sich nicht mehr frei machen von der Liebe zu ihm, und ebenso wenig konnte sie aufhalten oder abwenden das. wodurch jener Mann rettungslos hingeopfert werden mußte. Er war verloren, unabwendbar verloren für sich und seine Welt und auch für sie. Aus dem dichten Gewebe von Verdacht und Täuschung, in das sie ihn eingesponnen, gab es keine Vefreiung mehr so wenig wie sür ein argloses Insekt, das sich im Netze der Spinne gefangen. Und wenn sie ihn warnte! Viel-
leicht war doch noch eine Hilfe möglich. Ganz aufgeregt von diesem Gedanken hatte sie die Kordel ergriffen, um den Wagen halten zu lassen. Aber dann ließ sie die Schnur fallen und sank wieder in die Polster zurück. Was hätte sie ihm sagen können oder erklären! Nichts, das ihn nicht veranlaßt hätte, sich mit Entsetzen und Verachtung von ihr abzuwenden. Es war nichts mehr aufzuhalten oder gutzumachen. Das furchtbare Spiel, welches sie eingefädelt, ging nun über sie hinweg über ihren Willen und ihre Kraft; es war stärker als sie geworden. Der Wagen rollte fast lautlos dahin; nur das scharfe Getrappel der Pferde und ein einförmiges, federndes Wiegen verriethen, daß sie in schneller Fahrt ihrem Ziele sich näherte. In nicht viel mehr als einer Stunde mußte sie an Ort und Stelle sein. Das brachte sie wieder zur Erkenntniß ihrer eigenen Lage und zu deren nächsten Auforderungcn. Es war längst überlegt und vorbereitet, was geschehen mußte. Wäre das nicht gewesen, so hätte sie vielleicht nichts gethan, denn ihr war alles, was da kommen möge, jetzt so gleichgiltig, ihr war alles so einerlei. Was hatte sie noch zu hoffen und zu fürchten von diesem Leben. Mit müden, mechanischen Bewegungen zog sie die seidenen Fenstervorhänge des Wagens fester zu. Dann ;og sie die Nadeln aus dem Haar. welche den Hut hielten, und nahm diesen ab. Mit ein paar Griffen löste sie die blonden Haarmassen und steckte sie anders auf straffer, einfacher. Darauf entledigte sie sich ihres Mantels, sowie aller irgendwie auffälligen Gegenstände ihrer Toilette, des Gürtels mit der goldenen, edelsteingeschmückten Schnalle und der kostbaren Uhr. Unter dem aufklappbaren Sitze zog sie eine größere, ziemlich altväterliche Reisetasche hervor; ein schwarzes Jackett und einen einfachen Hut. der sich in der Form von dem anderen sehr wesentlich unterschied und ihr ein total verändertes Aussehen gab. Auch die Handschuhe wechselte sie. So mechanisch und gedankenlos sich auch diese äußere Wandelung vollzogen hatte als die abgelegten Gegenstände unter dem Sitze geborgen waren und Nora die große Handtasche auf bin Schooß genommen hatte, sah da nicht mehr die glänzende, elegante Frau, sondern die hübsche Zofe eines Herrschaftlichen Hauses. Diese schob die Gardinen von .den Wagensenstern zurück und sah gleichmüthig auf die herbstliche Landschaft. Hier und da überholten die ausgreifenden Hochtraber einen schwerfälligen Planwagen, der wohl von den Markthallen der Residenz heimkehrte; auch Radfabrer sausten vorbei. Von den Kartoffelftldern heimkehrende Dörsler, mit Säcken und Kiepen beladen oder hinter Schubkarren keuchend, blieben stehen, um dem auf lautlosen Gummirädern dahingleitenden Gefährt nachzusehen Ja, ja, die Reichen wer das so haben kvnnie. Herr von Brodowin wer die Friedrichstraße bis zu den Linden hinabge eilt. Der um die Mittagsstunde hier wogende Verkehr hatte ihm das Vordringen und den Ausblick sehr erschwert. Auf den Fahrdamm zu treten, wo er trotz des starken Wagenverkehrs schneller von der Stelle gekommen wäre, vermied er geflissentlich. Es war besser, sich im dichtesten Gewühl zu halten. Vielleicht suchte ihn die Polizei noch nicht. Die Nachforschung des Krimina! - Kommissärs im Eentralhotel konnte nur der Gräfin Sublinska gegölten haben; er wohnte dort nicht, und es war überhaupt das erste Mal gewesen, daß er das Hotel betreten. Eine unmittelbare Gefahr bestand also nicht für ihn. Was man will und wünscht, glaubt man gern. So stützte er sich 'denn auf diese Hoffnung, wenn ihn auch unablässig die Gedanken beschäftigten, was wohl inzwischen in der Wohnung in der Schmidtstraße, die er unter dem Namen des Ingenieurs Viktor Srebro gemiethet hatte und in der vornehmen Pension, wo er unter seinem richtigen Namen wohnte, vorgefallen sein mochte. Es berührte ihn Jemand, doch er merkte es nicht; beim zweiten Male
zuckte er zusammen daß die Schutz
stauge des Schaufensters, vor dem er sich gerade hingestellt hatte, erzitterte, so fest klammerte er sich an ste an, dann wandte er sich um. Er sah in das Gesicht des Schreibers, der mit seinem blöden Lächeln zu ihm aufschaute. Mit einem Schlage fühlte sich Herr von Brodowin unendlich beruhigt so, daß es ihm feucht in die Augen stieg und er den Kleinen am liebsten zu sich emporgerissen und an sich gepreßt hätte. Jetzt, wo dieser Mensch da frei und lächelnd neben ihm stand, lachte er fast über seine Angst. Die Schwäche war fofort einem übermüthigen Kraftgefühl gewichen. Der gebrechliche Schreiber verzog schmerzhaft das Gesicht unter dem festen Griff, mit dem der Russe ihn an der Schulter packte und nach der anderen Seite der Linden zog. Erst als sie sich in das Gewühl der Passage gemischt hatten, gab Herr von Brodowin den Kleinen frei und fragte hastig: Wie sind Sie fortgekommen?" Von wo?" fragte der Schreiber mißmuthig und außer Athem, indem er die schmerzende Schulter befühlte. Aber fragen Sie doch nicht so dumm. Mensch! Aus dem CentralHotel!" Ich bin Ihnen gefolgt." ..Und man hat Sie nicht aufgehalten?" Nein." Der Russe athmete auf. Dann fragte er weiter: Wie erfuhren Sie von der Sache?" Paul Siewers verzog ungeduldig fein Gesicht, als wenn ihm die Fragerei sehr lästig wäre oder als ob er sie im Augenblick für überflüssig hielte. Nach einer kleinen Pause antwortete er aber doch: Ich hatte die Frau Gräfin in ihren Zimmern nicht angetroffen und erfuhr von einem Hausmädchen, daß die Frau Gräfin unten frühstücke. Im Flur überlegte ich einen Augenblick, ob ich warten oder Frau Gräfin im Speisesaal aufsuchen solle. Da fuhr der Kriminalkommissär Wehrend vor, und ich hörte, wie er hastig den Portier nach dem Zimmer der Gräfin fragte." Valerie Sublinska?" Paulus Siewers nickte. Weiter fraqte er nichts?" Nein ich habe nichts mehr gehört. Ich mußte es ja auch der Gräfin schnell mittheilen und auch dafür sorgen, daß der Kriminalkommissär mich nicht sah. Er kennt mich." Verwünscht! Und Sie sind sicher, daß er Sie nicht gesehen hat?" Ja, ich glaub's wenigstens. ES war aber nur ein Glück, daß Sie im Lichthofe saßen, der einen besonderen Ausgang nach der Straße zu hat. Aber, Herr von Brodowin, das ist ja nun vorbei, wie steht's mit?" Ach so, ja " sagte der Russe ziemlich verächtlich. Sie wollen Geld. Der Dienst, den Sie uns geleistet haben, ist sehr groß ich weiß nicht, ob ich äugenblicklich in der Lage bin, Sie in verdientem Maße zu entschädigen. Aber treten wir in das Passagekafe." Nein, da gehe ich nicht mit hin," erwiderte der Kleine schroff, es ist besser für Sie und mich, wenn wir uns trennen. Und dann wollte ich Ihnen nur noch sagen, daß ich seit der Riemann'schen Visite in Dienst bei der Gräfin bin und darum wissen muß, ob sie in Sicherheit ist. Wo ist sie denn geblieben?" Dem Russen war dieser Ton des einst so dienstwilligen Mannes nicht mehr fremd. Zuerst hatte der Mensch nur schüchtern zu widerstehen gewagt; aber je mehr Nora auf eigene Hand gearbeitet, desto ausschließlicher hatte der Kleine sich ihr gewidmet und Brodowins Wünsche und Befehle zum Theil unumwunden zurückgewiesen. Dieser elende Schreiber war in der Hauptsache schuld an den wahnwitzigen Thorheiten der letzten Zeit. So glaubte der Russe wenigstens. Aber wie die Dinge lagen, gab es 'für ihn kein Mittel, sich Respekt oder auch nur Geltung zu verschaffen. Und welchen Zweck hätte es gehabt, wenn er jetzt dieser eitlen Krüppel verletzte? Er gebrauchtk ihn. Ob die Gräfin in Sicherheit ist. kann ich nicht sagen, mein Lieber," erwiderte er gelassen. Nachdem wir aus der Thür getreten, war sie verschwunden; ich war auf der Suche, als Sie mir begegneten." Um Gottes willen " keuchte der Kleine, indem er mit beiden Händen den Arm seines Begleiters ergriff und letzteren für einen Moment zwang, stehen zu bleiben. ..Sie wissen nicht, wo die Gräfin sich befindet?" Herr von Brodowin machte sich mit einer ärgerlichen Bewegung los und stieß zwischen dgn Zähnen hervor: Sind Sie verrückt? Sie werden kein Aufsehen machen, zum Henker! Ich weiß das nicht; aker wir brauchen nach der Richtung hin wohl keine Sorge zu hegen. Die Frau sorgt für sich selbst und vielleicht mehr, als uns lieb ist." Das verstehe ich nicht." Sie verstehen manches nicht, mein Bester." sagte der R.usse ironisch. Vielleicht werden Sie versieben, wenn ich Ihnen sage, daß die Gräfin Sublinska in diesem Augenblick vielleicht bei dem hübschen, blonden Assessor weilt." Nun wohl, so wird sie ihre Gründe haben, obgleich das entsetzlich gewagt wäre." Natürlich hat sie ihre Gründe! Und was wagt eine Frau wie die Gräfin nicht, wenn sie ihr Herz entdeckt hat!"
Der Verwachsene sah mit offenem
Munde und weit aufgerissenen Augen zu dem Russen empor. Er wurde leichenblaß und ging langsamer, um desser aufsehen zu können. Die Menge stieß und drängte ihn beiseite, so daß er mit einem Male völlig von seinem Begleiter getrennt wurde; aber er drängte sich sofort wieder vor und ließ keinen Blick von dem spöttisch verzogenen Gesicht des Russen. Endlich sah er fort und fing an, laut zu lachen. Es klang wie ein Meckern. Das kommt Ihnen spaßig vor. nicht wahr?" fragte der Russe gereizt. Sehr." So. Nun im Grunde kann ich Ihnen das nicht verdenken. Würde mir vielleicht auch so gehen, wenn ich meiner Sache nicht so sicher wäre." Zu solchen dummen Bemerkungen ist doch wohl keine Zeit. Herr von Brodowin. Sie können nicht verantworten. was Sie reden. Lassen Sie mich damit in Ruhe. Ich will's nicht hören und mag's nicht hören. Was fällt Ihnen denn eigentlich ein! Ich laß mich nicht mehr so behandeln. Merken Sie sich das. Ich habe Sie früher bedient und Sie haben mich bezahlt und sind nicht schlecht dabei weggekommen. Aber jetzt ist Schluß. Ihr Geld kann mir gestöhlen bleiben. Herr von Brodowin! Ja, die Gräfin! Die Gräfin kann von mir verlangen, was s will, für die gehe ich durch's Feuer, und sie braucht mir nichts zu bezahlen, ich thu's umsonst." Er hörte plötzlich auf, zog den Kopf noch tiefer in den mißgestalteten Oberkörper hinein und drängte, ohne weiter ein Wort zu sagen oder auch nur aufzusehen, nach dem auf die Friedrichstraße mündenden Ausgange der Passage. Dort verschwand er. Herr von Brodowin sah ihn erst wieder, als er die Straße hinüber gegangen war. Er wollte hinter ihm Herrn der nächsten Sekunde aber zuckte er zurück und trat dicht an die Auslage eines Handschuhladens. Mit zitternden Händen zog er den Hut in die Stirn und blickte dann verstohlen auf die Straße. Zwei Herren hatten Siewers in ihre Mitte genommen und stiegen mit ihm in eine Droschke. Herr von Brodowin konnte sehen, daß es Kriminalschutzleute waren. 6. K a p i t e l. ie helle Morgensonne lugte schräg in das von dem Regies rungsassessor Gust von Damradt bewohnte Parterre. Im Wohnzimmer, dessen Vorhänge nicht zugezogen waren, beleuchtete sie die Unordnung eines Junggesellenheims nach einer durchschwärmten Nacht. Zwei Schubladen der Kommode waren noch aufgezogen von gestern Abend her, da Gust zu dem Kostümfest sich angekleidet. Kleidungsstücke und Wäschegegenstände waren achtlos auf den Sesseln und Stühlen umhergeworfen; allerhand Schuhwerk lag auf dem verschobenen, an einer Ecke umgeklappten Teppich, dazwischen ein Handschuhkästen und dessen verstreuter Inhalt. Auf dem großen, ovalen Sophatische war das Durcheinander ganz besonders bunt. Neben der Lampe, deren Cylinder stark angeblakt war und deren grüner Schirm eine schadhafte Stelle der Glocke verbarg, stand ein silbernes Theegeschirr mit halbgefüllter Tasse. Daneben in wirrem Durcheinander Kragen, Manfchetten, Schlipse in allen Faröen und Formen, eine Flasche mit kölnischem Wasser, Bürsten und Rasirzeug. Ein kleiner Spiegel stand an den Fuß der Lampe gelehnt, und die Taschenuhr des Assessors ruhte einträchtig neben einigen Butterbrodschnitten und einem Cigarrenstuminel auf einem Kuchenteller. Ueber alledem lagerte die schlechte, schwere Luft vom Tage vorher Lampengeruch und kalter Tabaksrauch, vermischt mit den Ausdünstungen von durchschwitzten Wäsche- und Kleidungsstücken. Der Assessor war in Schweiß gebadet gewesen, als er vor ein paar Stunden nach der planlosen, nächtlichen Irrfahrt heimgekehrt war. Seine Füße hatten in den knappen Lackschuhen gebrannt, daß er säurn noch aufzutreten vermochte; aber zunächst hatte er den schlaffen, feuchten Hemdkragen abgerissen, der war ihm besonders unangenehm. Er mochte während des ganzen Abends kaum ein Glas Wein zu sich' genommen haben uns doch war seine Haltung uno sein Aussehen gleich dem eines Trunkenen. Ganz schlaff und mit wüstem Kopfe hatte er sich auf sein Bett geworfen, aber Schlaf konnte er nicht finden. Als die Aufwartefrau, welche Herrn Kunze und seinem möblirten Herrn" die Wirthschaft besorgte, das Wohnzimmer des Assessors betrat, lag dieser noch vollkommen wach. Er hörte, wie die Alte über die Unordnung im Zimmer brummte und dann geschäftig herumwirthschaftete. Die Fenster wurden geöffnet, und die Geräusche der Straße, sowie ein frischer Luftzug drangen durch die halb geöffnete Thür bis in das Schlafzimmer. Da auch die Thür, welche von der Wohnstube auf den Flur führte, offen stand, vernahm Gust jeden Gruß und jedes halblaute Wort, das die Aufwärterin mit vorübergehenden Dienstboten und anderen weiblichen Bewohnern des Hauses wechselte so. wie eben ältere Frauen schwatzen. All das klang dem Assessor deutlich an's Ohr, aber er hörte nicht darauf. Erst als er die heisere, kurzathmige Stimme seines Wirthes unterschied, fing er an aufzu-passen.
:m er schon da?" fraate dieser ziem-
lich ungenirt. Die Aufwärterin antwortete nicht. sondern hantirte hörbar weiter. Aber sie mußte Herrn Kunze einen Wink gegeben haben; denn er dämpfte seine Stimme sehr bedeutend. Was das jetzt immer für 'ne Zucht ist " brummte er halblaut, das ist schon nicht mehr'schön! Schläft er denn noch?" Es hat sich noch nischt jerührt," erwiderte die Frau leise. Aber die Wirthschaft hätten Sie sich hier ansehcn sollen. Herr Kunze rein weg, als wenn sechs betrunkene Studenten jehaust hätten. Nee, wie sich 'n Mensch verändern kann!" Nicht wahr? Der ist gar nicht mehr wiederzuerkennen. Immer weg und dann thut er doch auch eigentlich nichts mehr. Na, so lange es mit dem Berappen nicht hapert, kann es mir ja egal sein. Wenn blos die Schererei mit den Weibsleuten nicht wäre. Gestern hat wieder eine Dame zweimal nach ihm gefragt erst gegen acht und dann hat sie mich noch einmal kurz vor zehn rausaeklovft " (Fortsetzung folgt.) Die Roth der nouandifchc Llrdeitcr. Holland in Noth" der alte Weherus der Küstenbewohner Nkdlands, wenn die Nordseefluthen den Deich durchbrachen und meilenweit das Marschland überschwemmten, alle Werke menschlichen Fleißes jäh ocrnichtend , das alte Wort gilt auch heute noch für einen großcn und nicht den schlechtesten Theil des Volkes von Nieverland. Geradezu grauenhafte Zustände in der Lebenshaltung der holländischcn Arbeiterbevölkerung werden jetzt aus Anlaß der Streiks der Amsterdamer Transportarbeiter über Hollands Grenzen hinaus bekonnt. Im Nreuwe Dagblad voor Overyssel en Gelderland" lesen wir. daß in der holländischen Papierfabrikindustrie Arbeitszeiten von 12 bis 14 Stunden täglich an der Tagesordnung sind, bei Stundenlöhnen von 8k Cents für Männer und 4 Cents für Frauen! Dabei ist das Leben in Holland keinesWegs billig. Zur Illustration der holländischen Arbeiterverhältnisse lassen wir hier einige Mittheilungen folgen. Man schreibt aus Hattem am 9. Februar:' ( Ich bin seit Juli vorigen Jahres hier und kenne genau die Verhältnisse. Der Streik des ganzen Eisenbahnpersonals scheint heute enorme Dimensionen angenommen zu haben, denn soeben Sonntag. 12 Uhr Mittags, mußte die Polizei die Reserden des Militärs einberufen, die schon Nackmittags nach Amsterdam fahren sollen: Es ist nämlich in Amsterdam auch der Streik der Polizeibeamtcn ausgebrochen. 1300 Beamte an der Zahl haben sich geweigert, bei dem bishcriqen Lohne zu dienen. Veranlassung des allgemeinen Streiks ist. daß man in der That das arme Volk, die arbeitenden Klassen, nichtswürdig ausnutzt! Wenn man beruckfichttgt. daß man in Holland bei den theueren Lebenspreisen genau dasselbe für einen Gulden erhalt wie für eine Mark in Deutschland, dann wird man zugeben müssen, daß das arbeitende Volk allen Grund hat, sich zu wehren. Ein Zugführer auf der Lokalbahn von Apel doorn nach Zwolle, welche Strecke ich fast täglich fahre, versichert mir. daß er nur ein Gehalt von Einem Gulden 30 Cents erhalte, dabei aber oft Dienst zu thun habe von Morgens sechs bis Abends neun Uhr! Das Gehalt kommt also im Verhältniß zu deutschem Einkommen, in Anbetracht des Werthes eines Guldens hier, einem Gehalt .von 1.50 Mark pro Tag gleich! Ich selbst, der ich noch vor wenigen Monaten eine Fabrik hier leitete und auskrat wegen Vergewaltigung des Deutschen und Ausnutzung dur die Fabrikbesitzer. kann nur constatiren. daß man hier im Gelderlanden guten A:beitern auf den Fabriken nur einen Lohn von sage und schreibe 80 bis zu 60 Cents pro Tag giebt. Jugendliche Arbeiter aber verdienen an 25 Cents pro 10 Stunden Arbeitszeit! Dabei erwähne ich. daß man hier auf dem Lande den Arbeitern im Winter, im Bewußtsein. diß dieselben leine andere Arbeit finden. 10 bis 20 Cents am Lohne abzieht, obwohl sie dieselbe Arbeit wie im Sommer verrichten müssen. Hervorheben will ich noch, daß es bier im reichen Holland, wie man dasselbe immer bezeichnen hört, keine Krankenkassen für die Arbeiter giebt, auch nicht ein Jnvaliditätsgesen wie in Deutschland! Der Arbeiter ist daher. wenn er abgenutzt ist, einfach dem Elende verfallen. Man spricht hier so viel in abfälliger Weise über den Polizeistaat Deutschland. Aber die hiesigen Verhältnisse sind weiß Gott nicht derart, daß man sich glücklich schätzen sollte, in Holland zu wohnen. Es ist doch wohl ein Unikum, daß die Polizisten streiken und daher das Militär aufgeboten werden muß! Etzvare Kastanien erzeugt Frankreich jahrlich für $12,500,000. Italien für $20,000,000. . I u st 600 Quarts Thran hat man gelegentlich nur aus der Leber eines Riesenwalfisches gewonnen. Die Brandschäden in den Ver. Staaten beliefen sich im Jahre 1901 zusammen auf den Werth von 9170,000.000.
Seuer - Signale.
I Pennsylv nd artet 6 English'i Opxrn HsuS 6 ast und Re York 7 Noble und Mchigan 8 91. Jersey u. Mass Ave 9 Pme und Norch 169 Part ve und !0 212 Capital Ave und 17. 213 Pennsylv. u. ichig, 14 Illinois und 20. 215 Senate Av und 21. 216 Pennsvlvana und 22. 217 Meridian nd 16. 916 Eavital Ave und 26. 219 Broadway und 10. 231 JllinoiS und McLe 234 Ro. 14 Spritzenhaus Acnwoad und 30. 235 JllinoiS und 25. 2-36 Annetta und 50. 37 Ro. 9. Epritzenhiul Udell und Siaer 258 Udell Ladder Wor 239 Aadel und 7. 2ti Meridian und 24. 24 JllinoiS u St. tlax, 245 Eldrioge und 25. 312 Best uud Walnut 313 West und 1. 514 Howard und 1. 815 Torbet nd Paea 816 Capital Ave und 10. 317 Northwestern Av u 518 Gent und 18. 51 Canal und i. 3H Cerealine Work 524 Vermont und Lyn 325 Bismaku Srandie 326 No. 2 Spritzenhan Haugbmlle. 327 ichigan u. HolmeS, 323 M,chigan u. Concord 341 Weft und McJntyn 412 Miffoun u. Maryiand 413 Missouri und Obio 415 Capital Ave u eorgic, 416 Missouri u Kcntucky A 417 Senate Ave n. asy. 421 P und E Rund!ui 53. Washington. 423 Irren-Hospital. 424 Mi.ey u.J DuZ2 425 Wah. und HarriS 426 No. 18 Cpritzcnhaitz W. Washington 427 Cliver und Birch 428 Oliver und Osgood 429 Nordvke und Kort 431 Hadlev Ave u. Morvt 432 River ve u. RorriZ 4 River Ave und Ray 435 Harding u. Big 4 R ? 456 Harding und Oliv 457 No. 19 Sxritzknho: Morris und Harding, 8 Howard nftBOtaa 439 SkockvardS 461 Reisner ck Rilkr 452 Howard und fttt 453 Storni und tapK 56 Lambert und Betont 457 Rordyke Ave u. fccu mon Works 512 West uud Ray 513 entucky Ave u. MerrtC 614 Meridian und Morryk 51 JllinoiS nd ansaS 617 orr und Dakota 518 Morris und Church 519 Caritzl A. u McCarty 521 Meridian und Palme, 25 Pine un' Lord 624 Mattier Ave u kmcol 2 Meridian und Blt RR 527 Carlo und Ray 528 Meridian und Arizona 529 Meridian u. Raymond 631 Meridian u. McCarty 632 Ro. 17 Spritzenhaus MorriS nahe West 12 WcLernan und Dougt) 615 Last u. Lincoln 614 East und Brecher 615 Wnght und Sander 17 McCarty und Beaty 618 New Jersey u ir 712 Sxruce und Proipea 713 English Are. u. Laurl 714 Stat Ave u. Blt R 716 Shelby und Beecher 716 State Ave nd Orangi 718 Orange nd Laurel 719 Shlby u. Ci,.ag Av 721 Lexington A. u Laur 723 Flcher Aveu. Oprua 724 State Av u. Pleasant 726 Prospit und "leasar 726 Orange und Harla 728 Liberty und Mee 729 Noble und South 812 No. 15 Spritzenhau Ost Washington Stt 15 Market und Noble 814 Ohio u. Highland 815 Richigan . Higblanl 816 Market u Arsenal A 817 Oft S Clair und Union Bahn leise. 821 Pan Handl Ehe? 823 Vermont und Walcett 24 Wash. und Etat Atz 825 Madven' koung Kad. 826 Tucker und Dorsey 827 Wash. und Beville Ave 829 Ro. 1 Spritzendau Beville nahe ioaa, 881 Southeastern Ave und oodside. 3 Wash. und Deark, 834 Southeastern und Arsenal ve. 836 Rkw Hork und Tempk 12 Illinois und Maryl. JllinoiS und Market 14 Beim, nd Safe 915 Delaware und ia Mavket und ?ine 11 Vermont nahe East 1 . 8 Spritzenhaus Waff. v nahe Noble 15 Dawäre und Walnut 14 R. Jersey u Centra! L. 16 Mass. und ornell Av 1 Ash und li. Straße 17 Park Ave und 12 Str .6 Columbia undHillfkd 19 Highland v u. Ptt kl Illinois und St. I 25 Pennsylv. und Pratt 24 Mcndian und 11. Eir 25 No. 6 Spritzenhaus 16. nahe Jllino 26 Senate Ave u. StSIair 27 Illinois und Michigan 28 Pe tsylvania und 14. 29 Senate Ave. und 13. 31 No. 1 Spritzenhaus Jnd Ave nal?ichigan 32 Meridian und Walnut 34 California u emwnt 35 Blake und New Kork 3 Ind. Av. u. St. Elmx 37 Sity Hospital 58 Blake und NortH 39 Michigan und AgmS 41 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West 42 sendorf u Wash. 45 Missouri u New York 45 Meridian u Wash 46 Jlltnois und Ohio 47 Eapitol Av. u Wash 48 lnga'S PorkbauS 49 Straßenbahn Ställe W. Washington Str öl N. i Spritzenhaus JllinoiS u Merrill KL JllinoiS u Louisiana 55 Weit und South 54 West und McCarty 56 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Ray 58 No. 4 SpritzenhauL Madison Av. u Mor. 59 Madison Slv. u Dunlop 1 No 2 Haken LeiterhauS South nahe Telawar 2 Penn, u Merrill 63 Delaware u. McCarty 4 Saft und McCarty 5 New Jersey u. Merrili 67 Birg. Av. u Bredsha 68 Saft und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. li Spritzenhaus ir Ave. nh Huron 72 East und Georgia 75 Ceda und Clm 74 Davidson u Georgt 75 bnglish Av. u Pine 7 Shelöy und Bäte 7 No, 3 Spritzenhau Prospect nahe Chelby 74 Fletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Jersey 82 Delaware und Wash. 83 East u Washington 84 New York u. Davids 85 Taubstumm Anstalt 86 Ber. Staaten Arsenal 87 Criernal und Wash. 89 Frauen-Resormat. 91 No. 13 Spritzenhaus Marvland nahe Mer. 92 Meridian u. Vcorqia. 93 Meridian und South 94 Pennsylv u. Louistana 95 Biiftim? Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Ave und Ohis .23 No. 16 Spritzenhau 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Eentral Ave und 15. 126 HandeS und 15. 127 Brookside und Jupiter 128 Central Ave und 17. 129 Delaware und is. 131 Alabama und 11. 132 Bellefontain und. 134 College Ave und 29. 155 Delaware und 15. 136 Alabama und Rorth 137 Rewmann und 19. 133 College Ave und 14. 135 Cornell Av und 13. 141 Bandes und 10. 142 Highland Ave und 10. 143 Tccumseh und 10. 145 New Jersey und 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhau HiLside Av und 16. 148 College Ave und 22. 149 College Ave und 7. 152 Park Av und 2. 1 L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey Av und 1. 156 Stoughton u Newman 157 AtlaS und Pik. 153 Bloyd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhau Brightwood 12 Arden und Depot 163 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. eyftone 167 Arsenal Ave und 33. 168 Bellefontaine und 28. Spezial-Signale. Ersten Z Schlag, zweiter Alarm, Zweiten 2 Schlage, dritter Alarm, Dritten 2 Schlag, vierter Alarm. i--i. Feuer aus und Schlauch ausgerollt. 5 Schlag, Wasserdruck ab. 12 Schlage, 1 Uhr Mittag. 2He 'fi bezeichneten Signal werden nur ' wacht angegkben da an den betreffenden Straß krcuHUNge kine AlarmtVten angebracht find. Chicago und der grotze Nordwefte via 4 f ))s laöka 5awan Pdillvvine Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. Bon der Monon 47. Str. Station, Chicago, ind'S nur ö Minuten mittelst elektrischer Ear nach den Union Biehdöfen French Lick Springs, in dem Orange Eountu Hochland. Kamilien-Hotel anter neuer Keschäftsleituna. Pluto. Proserpine md Bowle Quellen. Bestes Mineralwaffer der Welt. Zwei Züge täglich via Sree.icastle. liSet-Offlcen : Union Station. Massachusetts ve. ind 26 West Washington Straße. R. P. l g e o. Distrikt Baff. Agent, Indianapolis, Ind. .H.McDoel, k. H. o ek ell. Vrs. und en. gr. Betriebst ,ter Frank I. Red. en. Paff. Agent, kbicago. III.
