Indiana Tribüne, Volume 26, Number 160, Indianapolis, Marion County, 27 February 1903 — Page 7

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i Anheim. Familienroman von Hector Malst. t fHHr414 (Fortsetzung.) Ja. Du sollst sie durch mich kennen lernen, sollst sie durch mich lieben lerneu. Ich will aber weiter erzählen. Wir hatren Indien verlassen, um nach Frankreich zu reisen, da verlor Papa, als wir in Suez ankamen, das Geld, das er mitgebracht hatte. Es wurde ihm von Geschäftsleuten gestohlen. Ich weiß nickt wie." .verr Vulfran mackte eine Handbeweßung, die zu sagen schien, daß er gar wohl wisse, wie. Da wir nun kein Geld mehr hatten, muhten wir. anstatt zu Schiff nach Frankreich zu kommen, unseren Weg durch Griechenland nehmen, weil diese Reise billiger war. In Athen machte Papa, der einen photographischen Apparat besaß, Aufnahmen von Personen, und davon lebten wir. Dann kaufte er einen Rollwagen und einen Esel, den Palikar, der mir das Leben gerettet hat, und wollte auf dem Landwege nach Frankreich kommen, indem er überall unterloegs Porträle aufnahm. Aber wenig hatten wir aufzunehmen, leider! und wie waren die Wege über's Gebirge so rauh! Wir konnten uns sehr oft nur auf schlechten Fußpfaden, wo Palikar leicht zwanzigmal des Tages hätte verunglücken können, fortschleppen. Ich habe Dir vorgelesen, wie Papa in Busowatscha krank geworden ist. Laß mich Dir nicht heute erzählen, wie er gestorben ist ich könnte es nicht. Als er nicht mehr bei uns war, mußten wir unsere Reise fortsetzen. Wenn wir schon vorher, als er selbst noch den Leuten Lust machen konnte, sich photographiren zu lassen, wenig verdienten, UM wie viel weniger nahmen wir ein. als wir allein waren! Später werde ich Dir auch diese jammervollen Wanderzüge schildern, die einen harten Winter hindurch vom November bis zum Mai dauerten, wo wir endlich nach Palil kamen. Von Herrn Fabry hast Du vorhin gehört, daß Mama bei Pfefferkorn gestorben ist, und von dem Hinscheiden und den letzten Worten Mamas, die mich hierher wiesen, werde ich Dir auch späier sprechen." Während Perrine erzählte, hörte man von den Gärten her verworrenes Stimmengeräusch. Was bedeutet das?" fragte Herr Vulfran. Perrine trat an's Fenster; die Rasenplätze und Baumgänge waren ganz schwarz von sonntäglich gekleideten Arbeitern, Männern, Frauen, Kindern, über deren Köpfen Fahnen und Banner wehten, und von dieser gedrängten Menschenmasse, die sechs- bis siebentausend Köpfe zählte, und die sich noch außerhalb des Parks über den Garten der Arbeiterhalle, die Straße und die Wiesen verbreitete, ging dieses Stimmengeräusch aus, das Herrn Vulfran in Verwunderung gesetzt und seine Aufmerksamkeit von Perrines Geschichte, so groß sein Interesse dafür war, abgejenkt hatte. Was ist das nur?" fragte er noch einmal. Heute ist Dein Geburtstag." sagte sie, und die Arbeiter aller Fabriken baben beschlossen, ihn zu feiern, um Dir für alles, was Du für sie gethan hast, zu danken." Ah wirklich! Ah wirklich!" Er ging an's Fenster, als ob er sie sehen könnte, und wurde erkannt, und gleich darauf ging es wie e;n Lauffeuer von Gruppe zu Gruppe, und es erhob sich ein Stimmengetöse, das sich weithin fortpflanzte und beinahe furchtbar klang. Mein Gott, wie schrecklich könnten sie sein, wenn sie gegen uns wären!" murmelte er, während er zum ersten Mal die gewaltige Stärke der Massen, die er befehligte, inne ward. Ja, aber sie sind für uns, weil wir für sie sind," versetzte Perrine. Und Tu bist es. der man das schuldig ist, kleines Mädchen; wie weit ab liegt uns nun jener zum Andenken Teines Voters gefeierte Gottesdienst in unserer leeren Kirche!" Höre jetzt das Programm, das von dem Aafsichtsrathe gutgeheißen wurde: Ich werdi' Dich Punkt zwei Uhr auf die Freitreppe führen; dort wirst Du zu Häupten der Menge stehen, und alle werden Dich sehen können; ein Arbeiter aus jedem der Dörfer, wo Fabriken sind, wird auf die Treppe kommen, und im Namen aller wird der alte Vater Gathoye eine kleine Rede an Dich halten." In diesem Augenblicke schlug 'die Swtzuhr zwei. Willst Du mir die Hand geben?" sagte sie. Sie kamen auf die Treppe hinaus, und es ertönte ein ungeheures Freudengeschrei; dann stiegen, wie es verabredet war. die Abgeordneten die Stufen hinauf, und der Vater Gathoye, ein alter Hanfhechler. trat einige Schritte von seinen Genossen vor, um seine feierliche Rede herzusagen, die man ihn schon wenigstens zehnmal am Morgen hatte wiedtrholen lassen. Herr Vulfran," begann er, wir Wollen unsern Glückwunsch darbringen, und wir wollen unsern Glückwunsch darbringen, unb " Aber er stockte, während er lebhafte eweaunaen mit den Armen machte.

und die versammelte Menge, die diese sprechenden Gesten sah, glaubte, daß er seine Rede hersage. Nach einigen- Sekunden vergeblicher ?lnstrengung. wobei er sich einige Strähnen feiner weihen Haare ausraufte, an denen er berunterftrick. als ob er seinen Hans kämmte, sagte er: Die Sache ist die: ich hätte Ihnen eine schöne Nede halten sollen, aber es fällt mir kein Wort mehr davon ein, und das thut mir sehr leid für Sie; kurz, es handelt sich darum, Ihnen zu gratuliren und Ihnen zu danken, im Namen von allen, und das von ganzem HerM."

Er erhob feierlich die Hand: Ich, j Gathoye, schwör' es, auf Ehrenwort: So unzusammenhängend diese Rede auch war, so sehr rührte sie Herrn Vulfran, der sich schon vorher in einer Ge1 . r rr r . r i I lnulysversanung oefano, wo man mzqi aus schöne Worte hält; die Hand noch immer auf Perrines Schulter gestützt. trat er bis an's Treppengeländer vor und stand so im Angesicht der Menge, wie auf einer Tribüne: Meine Freunde," sprach er mit lauter Stimme, die Versicherung Eurer Anhänglichkeit gewährt mir um so größere Freude, als Ihr sie mir in der schönsten Stunde meines Lebens darbringt, in der Stunde, wo ich das Glück hatte, meine Enkelin wiederzufinden, die Tochter des Sohnes, den ich verloren habe! Ihr kennt sie fchcn, Ihr habt sie unter Euch bei der Arbeit gesehen: seid überzeugt, daß sie so fortfahren wird, wie sie angefangen hat, daß sie das, was wir gemeinschaftlich begonnen haben, hinausführen wird, und freut Euch mit mir, daß Eure und Eurer Kinder Zukunft in s? guten Händen liegt." sln diesen Worten beugte er sich zu Perrine hinab, und ehe sie es wehren konnte, nahm er sie in seine noch traftigen Arme, hob sie in die Höhe, und indem er sie der Vcenge zeigte, umarmte und küßte er sie. Da brauste ein Freuden- und Bei fallssturm los ohnegleichen! Mehrere Minuten lang wiederholten sich die Iubelrufe der tausend und tausend Manner, Frauen und Kinder; da aber die estordnung genau eingehalten werden muf.te, setzten sich jetzt die Arbeiter in Bewegung und zogen, einer nach dem anderen, vor dem alten Herrn und seiner Enkelin grüßend vorüber. Wenn Du die guten Gesichter sehen könntest!" sagte Perrine. Und doch gab es einige darunter, die nich: eben strahlten: die der Neffen; als die Feierlichkeit zu Ende war, kamen sie herbei, um ihrer Kousine" zu gratuliren. Was mich betrifft," sagte Talouel, der es sich nicht 'versagen konnte, sich ihnen anzuschließen, außerdem nicht versäumen wollte, der Erbin der Fabriten seine Aufwartung zu machen was mich betrifft, ich habe die Sache immer vermuthet." Aufregungen dieser Art konnten freilich derGesundheit Herrn Vulfrans nicht frommen. Am Tage vor seinem Geburtsfeste befand er sich besser als je in letzter Zeij : kein Husten und keine Athmungsbeschwerden meldeten sich, das Essen schmeckte ihm und er hatte einen ruhigen Schlaf; aber am Tage nachher stellten sich alle diese Uebel so beftig wieder ein, daß alles, was mit so ängstlicher Sorgfalt gewonnen war. oon Neuem verloren schien. Sofort wurde der Doktor Ruchon gerufen: Sie können sich denlen," sagte Herr Vulfran zu ihm, daß es mich herzlich danach verlangt, meine Enkelin zu sehen, Sie müssen mich deshalb sobald als möglich in Stand setzen, die Operation aushalten 5 können." Nun, das könnte sich inachen," erwiderte der Arzt; vor allem bleiben Sie hübsch zu Hause, begnügen sich mit Milchtost, halten sich ruhig, sprechen wenig und ick verbürg' es Ihnen, daß bei dem schönen Wetter, das wir jetzt haben, die Athemnoth, das Herzklopfen und der Husten verschwinden werden und sich dann die Operation mit aller Aussicht auf guten Erfolg vornehmen läßt." Die Prophezeiung Doktor Ruchons erfüllte sich, und einen Monat nach dem Geburtstage erklärten zwei aus Paris gerufene Aerzte das Allgemeinbefinden Herrn Vulfrans für so günstig, daß zu? Operation geschritten werden könne; zwar lasse sich das sichere linken nicht vorhersagen, doch spräcken gewichtige und zahlreiche Gründe dafür. Als sie in einem dunklen Zimmer die Augen untersuchten, stellte sich'S heraus, daß sich bei Herrn Vulfran die Empfindunosfähigkeit der Netzhaut erhalten hatte, was eine Grundbedingung für die Operation war. und man beschloß, sie durch Ausschneiden eines Theils der Iris verzu.nehmen. Als man ihn betäuben wollte, wehrte er es ab: Nein," sagte er, aber ich bitte meine Enkelin, den Muth zu haben, mir die Hand zu halten; Sie werden sehen, daß mir das Kraft geben wird. Ist es sehr schmerzhaft?" Durch Kokain wird der Schmerz gemildert werden." Als die Operation beendet war, hatte Herr Vulfran noch nicht gleich sein Augenlicht wieder; fünf oder sechs Tage vergingen, ehe sich die Zusammenziehung der Wunden seiner Augen, die mit einer Binde bedeckt waren, vollzogen hatte. Wie langsam vergingen diese Tage der Erwartung dem Großvater und seinem Enkelkinde trotz der günstigen Äersickerungen des Augenarztes, der im Schlosse geblieben war, um eigenbändig die nöthigen Verbände anzu-

legen! Aber das Urtheil des Augenarztes war nicht allein maßgebend: was würde geschehen, wenn ein erneu-

ter Anfall der gefurchtsten Bronanns einträte? ein heftiaer Husten, ein star- j kes Niesen? Konnten dadurch nicht wieder alle Hoffnungen vernichtet wer(Schluß folgt.) g0o 0OO0 0OO0 0OO0 0OO0 0OO0 00g Unter schwerem Verdacht. 8 0 Roman von Tco von Torn. o 800 0OO0 0OO0 0OO0 0OO0 0OO0 od3 (Fortsetzung.) Er selbst nahm sie, nachdem er sich einigermaßen hineingefunden, durchaus nicht tragisch. Peinlich war ihm nur. daß Nora sich von alledem verletzt fühlen mußte in seiner Gegenwart. Selten hatte er sie so wortkarg und na-, mcntlick auch zerstreut gesehen. Es schien, als erwarte sie Jemand obet etwas. Sie blickte viel nach der Thür. Meist aber starrte sie vor sich hin. Nur wenn ein besonders gewagter Scherz des alten Grabow ihr Ohr traf, zuckte sie zusammen wie unter einer schmerzhaften Berührung; dann richtete sie einen harten Blick auf ihre Tante, der diese stets in große Unruhe und Verlegenheit zu setzen schien. Inzwischen hatte sich der buckelige Schreiber an dem Inhalt der nun freigegebenen Kruke mit selbstgezogenem Kirfch schnell und gründlich übernommen. Zum höchsten Ergötzen des alten Grabow trieb er allerhand kindischen Unfug und gebärdete sich ganz unsinnig, wenn die Mädchen seinen plumpen Zärtlichkeiten zuerst lachend, schließlich aber energisch abwehrten. Das is doch kein Vergnügen mehr!" schrie er wüthend, wenn man als gebildeter Mensch nicht mal 'nen Kuß kriegen kann!" Er fuhr sich mit dem Taschentuch über die rothe, von großen Schweißtropfen beperlte Stirn und ließ einen herausfordernden Blick aus seinen blöden, verquollenen Augen über die Gesellschaft schweifen. Ganz unvermittelt wandte er sich in seiner Trunkenheit an Nora. Is Ihnen vielleicht ein Kuß gefällig, schöne Frau?" quäkte er dann, indem er sein Gesicht dem ihrigen näherte. Dem Assessor entfiel ob dieser UnVerschämtheit die Eiaarrette. Dabei aver lam ilrn jonderoarerweile nicht einmal der Trieb, den Frechen zurückzustoßen. Ein Weib wie Nora schützte sich selbst. Sie blieb vollkommen ruhig. Sie beugte nicht einmal den Kops zurück, um dem dunstigen Athem des Trunkenen auszuweichen. Kaum merklich bewegten sich ihre Lippen. Aber was sie, nur dem Schreiber verständlich, sagte, war von furchtbarer Wirkung. Wie vom Blitz getroffen, prallte er" zurück; sein noch wenige Sekunden vorher dunkelgcröthetes Gesicht überzog sich mit einer grauen Blässe. Siehste. Buckulorum," johlte Grabow, nu hat se Dich die Näs' abiebissen, sowat kommt von sowat. Na nu seien Se man wieder verjniecht und halten Se uns 'ne schöne Rede, so wie Bebel, mit'n langen Arm und'n Zeijesinger. Denn kriejen Se och 'n Kuß un dei von mir!" Während der Alte sein Glas zum soundscvielien Male hinter die Binde goß, verzog der Schreiber sein spitzes Gesicht zu einem stumpfsinnigen Lächeln, das seine tödtliche Verlegenheit und Angst verstecken sollte, sie aber noch deutlicher ausprägte. Nach einer steinen Weile erhob er sich schwerfällig und verließ das Zimmer. Die alte Frau Riemann folgte ihm wie der Assessor zu bemerken glaubte, auf einen Win! Noras. Letztere wandte sich nun lächelnd und herzlicher, als sie sich heute den ganzen Abend über gezeigt hatte, an Gust. Es ist nun wohl Zeit. Sie zu erlöfen," sagte sie, indem sie einen vollen, schimmernden Blick auf ihn richtete. Sie haben übrigens bewunderungswürdig ausgehalten." Sie wollen mich fortschicken?" Nicht doch, wer spricht davon. Ich gebe Ihnen nur die Freiheit, die Gesellschaft zu verlassen, wenn es Ihnen beliebt. Mein Zweck ist ohnehin erreicht." Ihr Zweck?" Der Assessor konnte sich den leisen Spott dieser Frage nicht versagen. Jawohl,- erwiderte sie mit Nachdruck, der Zweck, Sie mit einem Kreise bekannt zu machen, dem ich durch verwandtschaftliche Beziehungen und nun ja, durch den Druck der Verhältnisse angehöre. Diesen Kreis dem Freunde zu verbergen, wäre unvernünftig und kleingeistig." Unter dem seltsamen Blicke, mit dem sie namentlich das Wort Freund b?tonte, erröthete der Assessor und beeilte sich, durch eine kurze Verbeugung eine Zustimmung auszudrücken, die ihm nicht sehr von Herzen kam. Ich will ja nur," fügte sie z?gernd hinzu, Ihre mir so lieb gewordene Gesellschaft nicht missen auch wenn es mir demnächst nicht mehr möglich sein wird, Sie bei mir zu empfangen." Der Assessor sah Gcirascht auf. Sie werden meinem Wunsche folgen," sagte sie leiser und mit einem hinreißendem Lächeln; Ihre Freundschuft ist mir zu werth und unentbehrlick. um sie den Mißdeutungen meine?

nemvurgerltchen Nachbarschaft auszusetzen." Ich wäre unglücklich," stotterte der Assessor bestürzt, wenn ich die Ursache " Bitte, nein nichts dergleichen! Meine Matznahmen sind vorbeugend. Wir werden uns hier sehen, und öfter noch als bisher, wenn Sie Werth darauf legen. Ich gebe Ihnen Nachricht. Nun aber beurlaube ich Sie wirklich. Gehen Sie jetzt, Herr Assessor." Allein? Sie können doch unmöglich hier noch verweilen wollen " Nicht mehr lange." Nun, so warte ich!" ..Ich wünsche aber, daß Sie jetzt aeben." Das klang zwar ruhig und noch wie eine Bitte, aber doch schon mit einer so unverkennbaren Beimischung von Ungeduld, daß der Assessor sich wortlos erhob. Sie reichte ihm die Hand. Es ist besser so. Wir wohnen ja nicht weit von hier, und meine Tante begleitet mich. Nochmals Dank und aus Wiedersehen." Damit war er verabschiedet; nach seinem eigenen Gefühl wie ein Schulknabe. den man nothgedrungen in eine unpassende Gesellschaft hatte mitnehmen müssen, und den man verabschiedete, sobald es sich irgend machen ließ. Mit einem leisen Fluch quittirte er sich selbst diese Erkenntniß, während er auf dem dunklen Flur nach dem Treppengeländer tastete. Niemand hatte es für nöthig gehalten, ihn zu begleiten oder ihm wenigstens ein paar Stufen weit zu leuchten. Völlig unvertraut mit der Oertlichkeit, mußte er auf der schmalen und ziemlich steilen Treppe einen Fehltritt befürchten. Er suchte daher in der Tasche nach seiner Streichholzbüchse. Als das Hölzchen aufflammte, sah er sich dicht vor einer der Riemann'schen Wohnung gegenüberliegenden Thür. Auf einer in einm kleinen Meiallrah? men steckenden Karte las er: Viktor Srebro, Ingenieur." Im Begriffe, sich abzuwenden und mit Hilfe eines neuen Zündholzes die Treppe zu finden, hörte er hinter dieser Thür eine Männerstimme, die in einem eiaenthümlichen. fremdländischen Ton-

fall ungeduldig und scheltend auf Jemand einsprach. Dieser Jemand schien sehr zerknirscht zu sein. Er versuchte vergeblich, sich zu verantworten. Es waren aber nur abgebrochene Laute zu vernehmen. Erst als die Vorwürfe für einen Moment aussetzten, hörte der Assessor deutlich: Ich habe es doch nicht gewußt wie konnte ich ahnen " Der Rest war undeutlich. Gust von Damradt tastete sich die dunkle Stiege hinab. Ein unHeimliches Gefühl beengte sein Herz und hielt seine Sinne peinvoll gefangen. Die klagende Stimme soeben war die des buckeligen Schreibers gewesen, den die seltsame Frau mit einem einzigen, kaum hörbar geflüsterten Worte von sich gewiesen, einen völlig Trunken nen ernüchtert und außer Fassung gebracht hatte. Es regnete wieder. Zuerst vereinzelte, große Tropfen, dann aber prasselte es und rauschte hernieder, daß die Wasser von dem seuchtblanken Trottoir wieder aufsprühten und bald auch gurgelnd und schäumend in breiten Strahlen aus den Dachrinnen sich ergosscN. Ein kleiner Junge lief jauchzend, mit eingezogenem Kopfe und fuchtelnden Armen über den Fahrdamm und verschwand in dem Keller eines Budikers. Mit hochaufgenommenen Röcken hasteten ein paar Arbeiterfrauen einher und machten sich gegenseitig aufmerksam auf den komischen Kerl," welcher im strömenden Regen an einer Laterne lehnte und unverwandt zu den Fenstern eines gegenüberliegenden Hauses emporstarrte. Der Assessor wußte selbst nicht, was ihn bewogen hatte, sich hier aufzustellen. Aber als er an einem der Fenster die unverkennbaren Umrisse Noras erkannt hatte, harrte er wie festgewurzelt aus. Das Fenster konnte unmöglich zu der Wohnung der Riemanns gehören. Nora war im Zimmer des Ingenieurs Srebrv. 3. Kapitel. er Fünf Uhr-Thee der StaatsJ räthin von Horst-Suthmer KJZ war für die Bekannte.-, des Hauses von großer Anziehungskraft. Er unterschied sich von anderen geselligen Veranstaltungen dieser Art schon durch eine Art patriarchalischer Einrichtung. Man nahm nicht Platz, wo man wollte, sondern setzte sich genau nach der Reihenfolge des Eintreffens um einen großen Tisch, an dessen oberem Ende die Staatsräthin präsidirte. Der Tisch selbst war mit ungezählten Kristallschalen und Schüsselchen bestellt, die ebensoviele gute Dinge enthielten, von denen man nahm oder sich reichen ließ, was einem beliebte. Für hungrige Leute war stets auch ein warmer Gang vorhanden, den die Staatsräthin mit ihren weißen, runden H'ändchen auf einem Rost gleich am Tische bereitete. Und das ging alles so schnell, so natürlich und ohne alle Apparate." daß die kleine, korpulente Dame dabei nie den Faden der UnterHaltung verlor. Die Tafelrunde hatte sich heute bemts vorzeitig ausgelöst. Im Palais der jugendlichsten und tanzlustigsten Excellenz der Reichshauptstadt, der Gemahlin des Gesandten von Hainerle, war Probe zu der ersten Kostüm-Qua-drille d Saison. In Rücksicht dar-

aus hatten namentlich die jüngeren Damen sich früher als sonst verabschiedet, nachdem sie wie der Oberstaatsanwalt Kessel, ein launiger alter Junggeselle, der Staatsräthin bemerkte ihre Ungeduld mühsam mit der ErWartung besiegt. Ader das ist doch nur natürlich!" erwiderte Frau von Horst, indem ein kurzes, herzliches Auflochen ihre runden Formen erschütterte. Uebrigens sehen Sie, Agnes Folkingen hält

Stand." Ehe sie noch den dritten Teller Marmelade genossen hat, wird auch sie geben." Und er hatte richtig prophezeit. Komteß Folkingen, welche sich mit Eli von Horst unaufhörlich unterhalten und ebenso unaufhörlich dabei gegessen hatte, schob ihren Teller auf den Tisch und fuhr sich mit ihrem winzigen Batisttüchelchen hastig über die frischen, ewig plaudernden Lippen. Nun wird's aber Zeit, Liebste! Ich muß noch zur Blandfield wegen der rosa Schleifen und der Watteaufalte! Kannst Du Dir vorstellen, daß die Blandfield keine Ahnung von einer richtigen Watteaufalte hat? Mama läßt ihre neuen Soirec-Toiletten deshalb auch direkt von Paris kommen." Aufgeregt rückte sie an ihrem Hütchen und eilte auf die Staatsräthin zu. um ihr die Hand zu küssen. Adieu und tausend Dank, gnädige Frau! Es war wieder wunderschön bei Ihnen." Deshalb haben Sie es auch so eilig, Komteß," warf Kessel ein, indem er das quecksilberne Fräulein aus seinen jovialen, von tausend Fältchen umspielten Augen anzwinkerte. Gott nein" schmollte die Kleine, Frau Räthin wissen doch, daß ich muß! Eli hat's gut, die braucht nur über die Straße zu gehen. Ich aber muß noch zur Blandfield. Uebrigens habe ich neulich Ihren Neffen, den Herrn Assessor von Damradt gesehen er ist jetzt selten bei Ihnen anzutrcsfen, fällt mir eben ein!" Der Oberstaatsanwalt, welcher wieder eine scherzhafte Bemerkung auf der Zunge gehabt, unterdrückte dieselbe und ließ nachdenklich eines der silbernen Löffelchen auf der Spitze seines Zeigefingers balanziren. Auch die Staatsräthin schwieg einen Augenblick. Dann aber schaute sie mit der Beherrschung der Weltdame freundlich auf. Er ist im Examen, Komteß. Also amüsiren Sie sich gut! Viele Grüße an Mama und tausend Dank, daß Ihr Euch Elis so freundlich annehmt. Das arme Wurm käme gar nicht heraus, wenn es auf meine Ballmutterschaft angewiesen wäre." Nun, viel scheint sie sich aus der ganzen Geschichte nicht zu machen," rief die Komteß im Abgehcn, indem sie ihren Arm in den der Freundin schob. Draußen strich sie eilig die Handschuhe über die Finger und zog ihren Schirm aus dem Ständer. Du, Eli" flüsterte sie dabei, was ich noch sagen wollte er war übrigens nicht allein, als ich ihn traf " ..Wer wen meinst Du?" fragte das junge Mädchen in ihrer stillen Art. Gleichzeitig aber erröthete sie bis unter die seidenweichen, blonden Härchen, welche dem sonst glatten Scheitel widerstrebten und sich über der Stirn kräuselten. Komteß Agnes Folkingen verzog denn auch fast entrüstet das Mäulchen und sah die Freundin von der Seite an. Na weißt Du wen soll ich denn meinen! Uebrigens brauchst Du nichts Schlimmes von ihm zu denken. Die Dame, mit der ich ihn sah, ist zwar unvernünftig hübsch dos ist richtig, aber sie gehört zur Gesellschaft, verlasse Dich darauf. Ich habe einen untrüglichen Blick dafür. Außerdem erinnere ich mich dunkel, ihr schon in unseren Kreisen begegnet zu sein wart 'mal, wo war es doch gleich" Trotzdem sie es so eilig hatte, legte sie einen Finger an das keck aufgesetzte Naschen und dachte nach. Aber sie kam nicht darauf. Sie schnalzte mit den Fingern und stampfte mit dem Fuße ruf. Es will mir im Augenblick nicht einfallen! Na, später, Liebste! Heute Abend vielleicht! Ich habe jetzt auch keine S ekunde mehr Zeit adieu! Und komm nicht so spät, hörst Du? Wir erwarte 1 Dich Schlag sieben im rothen Zimmer, rechts vom Eingang. Adieu !" Damit drückte die kleine Komteß der Freundin einen herzhaften Kuß auf die Wange und huschte davon. An den Kandelaber der Treppe gelehnt, sah Eli ihr nach, bis das zierliehe Fi,;ü'rchen. welches in lebhafter Hast immer ein oder zwei der teppichbelegten Stufen übersprang, im unteren Flur verschwunden war. Dann trat sie langsam in das Vorzimmer zurück. In ihrem Gesicht, das für die schlanke Vollreife der Figur fast zu kindlich war, malt sich ein leidender, träumerischer Zug. Für einen Moment schlössen sich auch die Lippen fest aufeinander und es schien, als ob du blauen, von dunklen Wimpern beschatteten Augen von einem feuchten Schleier getrübt würden. Gleich darauf aber machte sie eine kurze, fast heftige Beweguruz, wie Jemand, der gewaltsam eine Stimmung von sich abschüttelt. und lächelte. . In dem Zimmer, welches von dem Gesellschaftssalon nur durch eine Portiere getrennt war, trat sie mechanisck vor den Spiegel und ordnete an ihren Haar. Plötzlich erstarrte sie, btc schlanken, ringlosen Hände an dem Knoten ikres Blondhaares, au völliger

Regungslosigkeit. Ihre Augen erwnterten sich, und das Gesicht nahm einen gespannten Ausdruck an ein angstvolles, athemloses Lauschen. Und je mehr sie hörte von dem, w2s Oberstaatsanwalt Kessel mit ihrer Mutter besprach, desto merklicher theilte sich die Spannung ihrem ganzen Körper mit. Es war, als wenn jede Muskel an ihr fieberte. Langsam, ganz langsam ließ sie die Arme sinken, und gleichzeitig

senkte sich auch das Haupt tief auf die in verhaltenem Athem bebende Brust. So stand sie und lauschte. (Fortsetzung folgt.) D e r Doktor-Titel kam im 12. Jahrhundert auf und wurde zum ersten Mal dem berühmten Juristen Jrnerius von der Universität Boloana verliefen. Feuer - Signale. 4 Pennsylv nd Wartet 5 English's Opern Hau 6 East und New York 7 Rodle und Michigan g N. Jeriey u. Mass Ave 9 Pine und Norch 10 Startet und Pine 11 Vermont nahe Cast 12 91c.. 8 Spritzenhaus Mass. ve nahe floH 13 Delware und Walnut 14 R. Jersey u Centra! A. 15 Wasi. uud kornell Av : Ash und II. Straße 17 Part v und 12 Str .3 Columbia undH,llfld 19 Highland Ave u. Pro 21 Illinois und St. I 23 Pennsyl. und Pratt 24 Meridian und 11. Ett 25 No. 5 Spritzenhaus 15. nahe Jllino 2 Senate Ave u. StClair 27 Illinois und Michigan 2 Pesylvania und 14. LS Senate Ave. und 13. 31 No. I Spritzenhaus Jnd Ave nahkichigan 32 Meridian und Walnut Z4 California u Vmsnt 35 Blake d New Dor z 3ni v. u. St Glair 37 Sith Hospital 38 matt und Norty 39 Michigan und Agnes 41 No. S Spritzenhaus Washington nahe West 42 G4,sendorf u Wash. 43 Missouri u New Hort 45 Meridian u Wash 46 Illinois und Oyio 47 Tapitol v. u Wash 48 Kmgan'ö Porkhaus 49 Srraßenbahn Stalle W. Washington Str 51 R. 10 Spritzenhaus Illinois u Merrill 52 Illinois u Louisiana 53 Wett und South 54 West und McCarth 6 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Rav 58 No. 4 Spritzenhaus Madlson Av. u Mor.is 5 Madison Av. u Tunlop 61 5lo 2 Haken Leiterhau South nahe Delawar 62 Penn, u Merrill 63 Delaware u. McSartY 54 Saft und VirLarw 6 New Jersey u. Merrill 7 Birg. Av. u Bradsha 68 Sast und Prospect 9 Buti".g und High 71 No. 11 Epritzcnhau Bir Ave. nahe Huron 72 East und Seorgia 78 eda? und Elm 74 Davidson u Georgia 75 Englisy Av. u Pine 76 Ebetöy und Bäte 7k No. 3 SpritzenbauL Prospect nahe Shelby 79 Flktcha Av. u Sbelby i Market v New Jersey 82 Delaware und Wash. M East u Washington 34 New York u. Davids 85 Taubstummen Anstalt 86 er. Staaten Arsenal 87 Onental und ash. 89 Frauen-Resormat. 91 No. 13 Spritzenbaus ardland nah Mer. 92 Meridian u. Scorqia. !3 Meridian und South 94 Pennsylv u. Louisiana 95 Virginia Ave u. Alah. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Ave und Ohis .23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und 15. 126 Landes und 15. 127 Brookside und Jupiter 128 Central Ave nd 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellefontaine und W. 134 College Ave und öS. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und Rorth 137 Newmann und IS. 138 College Ave und 14. 13 Cornell Ave und 13. 141 Yandes und IS. 142 Highland Ave und 19. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey und 22. 14 Alvord und 17. 147 No. 2 Spnymbauz Hillfide Ave und 16. 14S College Ave und 22. 149 College Av und 7. 152 Part ve und 22. 155 LEU. W Bahn u. 2. 154 Ramset) Ave und i. 156 Stoughton u Neman 157 Atlas und Pike. 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Varhlanl, 413 Misjouri und Ol?io 415 Capital Ave u fteorgic 416 Missour,:: AentuckyA 417 Senate Ave u. 421 P und E Nunr'aus W. Washington. 423 Jrrrn-Hospital. 424 Mi.ey Ave u. I D u2 425 Wash. und HarriS 426 Ro. 1 Spritzenhaus R. Sasdmgton 427 Oliver und Birch 28 Oliver und OSgvod 429 Nordyke und York 424 Hadlcy Ave u. Vor. 432 River Ave u. MorriS 4 A River Ave und Ray 435 Hai'ng . Big 4 R ? 436 Hare.ng und Ollvn 437 No. 19 SpritzenhaZ Morris und Harduia, 438 Hotsard latdß&atf 499 Skokvrds 451 Reisn und Milk 452 Howard und Lee 453 Morr und iraptzS 56 Lamvat und Beir..N 457 Nordyke ve u. War tnon Worts 512 Wes: und Ray 513 Kcntuckv Av u. MerrS 014 Meridian und Morris 516 Illinois nd Kansas 517 Morrts und Dakota 618 MorriS und Cburch 519 Capital A. u McCarty 521 Meridian und Palmen 523 Pine un Lord 624 Madisor Ave u kincot 26 Meridian uud Belt NR 27 Carlos und Ray 628 Meridian und Aripma 529 Meridian . Raymond 631 Meridian u. McCarttz 5ZL No. 17 Spritzenhaus RorrtS nahe Wesi tli McKernanund Dough. 613 East u. Lincoln L 614 East und Brecher 615 Wnqht und Sander 617 McCarry und Beaty 18 Rkw Jersey u ir Av, 71 Epruce und Prospect 713 glish Ar, u. Laurel 714 Etate Ave u. Belt A A 715 Eyriby und Bercher 716 State Ave nd Orang 718 Orange und Laurel 7 Shklby u. Cwaa Avt 711 Lerington A.u LaureV 713 Flacher Ave u. Spru 714 State Ave u Pleasant 725 Prospt und "UfJ 726 Orange und Harla? 718 Liberty und Meet 729 Nv'l! UNd South 811 No. 15 Spritzenhaus Ost ashrngton Stt 13 Market und Noble 814 Ohio u Highland 1 815 Michigan u. Highlanl 816 Marft u Arsenal Av 17 Ost S Clair und Union ahn leise. 821 Pan Handle EhsxZ 823 Vermont und Walcott 824 Wash. und State Atz: 8 Vden'sLouge JalX 2 Tueker und Dorey 827 Wash. und Biue Ve 829 Ro. 1t Spritzenhau Beville nah M,aga, 831 Southeaster Ave und Woodfide. 2 Wash. und Darbor 834 Sontbeastern und Arsenal Ares, New Wort uud Tempi 112 JllinoiS und Maryl. tl Illinois und Starlet 14 Pen. und ostz. 915 TÄawark nd Tpezial-Signale. Ersten 2 Schlage, zweiter Alarm. Zweite i Schläge, dritter Alm. Dritte 2 Schläge, viert Alarm. 1-A-i, Feuer au und Schlauch ausaero. 3 Schlag,. Wasserdruck ab. 12 Schlage, l Uhr WlUags. Die so bezeichneten Signale werden nur vom Thür, lvächter angegeben da au den betretenden öuacs krruAunge ne AlarmUstn anae bracht ftnd.