Indiana Tribüne, Volume 26, Number 159, Indianapolis, Marion County, 26 February 1903 — Page 7
Cttifttaita Trtvnne, 26. Kebruar 1903.
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I Anheim. Familienroman von ftcctov M alot . 4-K-H-X-H-!-!-! X -H I 1 H-l4 (Fortsetzung.) Am feindseligsten zeigten sich die Vermiether, die Schankwirthe. die Bu denbesitzer, die alle schrieen, daß man sie zu Grunde richte. Und wie sich früher bei Gründung der Fabriken die Ackerbauer und Pächter gegen diese Betriebe aufgelehnt halten, die ihnen die Feldarbeit wegnähmen oder sie zwängen. höhere Löhne zu zahlen, gerade so hatten die kleinen Handelsleute ihre Klagen mit denen der Landwirthe vereinigt: und das wäre beareifliÄ aewea, Hauen uc man H?errn uliran, wenn er in Perrines Begleitung durch die Straften des Dorfes ging, Hohnred?n nachgerufen, als wären es Uebelthäter. War er denn noch nicht reich ge7.ua, der alte blinde Mann, hieß es, daß er nun uns arme Leute zu Grunde richten will? So hat ihm also der Tcd stines Sohnes nicht einmal ein bischen Gütc, ein bischen Mitleid in's Herz gegeben! Tie Arbeiter waren doch Dummlöpfe. nicht zu merken, daß all dies keinen anderen Zweck hat. als sie in noch engere Fesseln zu legen und ihnen mit einer Hand wieder zu nebmen, was man innen mit der anderen zu geben schien. (5s wurden Versammliingen gehalten, wo man berieth, was zu lhun sei, und wo mehr als ein Arbeiter zu beweisen suchte, daß er nicht auch ein Dummkopf sei wie so viele andere seiner Genossen. Selbst in Herrn Vulfrans nächster Umgebung, oder vielmehr in seiner Familie, hatten diese Umgestaltungen ebenso viel Besorgniß als abfällige Beuriheilung hervorgerufen. Ist er denn verrückt geworden? sagten sie. Will er sich das heißt uns ruiniren? Wäre es nicht klug, ihn entmündigen zu lassen? Offenbar war doch seine Schwachheit gegen dieses kleine Mädchen, die mit ihm machte, was sie wollte, ein Beweis von Abnahme der Geisteskrasse, und die Gerichte müßten da einschreiten. Und aller Haß hatte sich auf dieses gefährliche Bettelmädchen" gebaust, das nicht wußte, was für Unheil es anrichtete: was kümmerte auch dieses Mädchen das sinnlos hinausgeworfene Geld, das nicht ihr gehört:? Glücklicher Weise fühlte sich Perrine gegen diesen Zorn, der sich ihr jeden Augenblick mittelbar oder unmittelbar fühlbar machte, durch Freundschaften gefeit, die sie ermuthigtcn und stärkten. Talouel. wie immer ein Anbeter des Erfolgs, hatte sich auf ihre Seite gestellt: es gelang ihr ja alles, was sie uniernabm. sie konnte mit Herrn Vulfran anfangen, was sie wollte, sie war den Feindseligkeiten der Neffen ansgesetzt das war schon mehr als genug, sich offen als ihren Freund zu zeigen; im Grunde, was schadet es ihm, wenn Herr Vulfran beträchtliche Summen ausgab, die ja doch schließlich den Werth des Besitzthums erhöhten? Dieses Geld nahm man nicht ihm. während ihm höchst wahrscheinlich das Besitzthum früher oder später zufallen mußte; auch batte er. wenn er witterte, daß der Plan einer neuen Verbesserung in Arbeit war. nie die Gelegenheit versäumt, mit Herrn Vulfran zu vermuthen." daß 'der Augenblick, sie in's Werk zu setzen, günstig sei. Aber auch anderer Freundschaften, die Perrine erwünschter waren als die Talouels. durfte sie sich erfreuen. Sie wurden ihr von Doktor Ruchon. Fräulein Schönmann und Fabry entgegengebracht; auch die Arbeiter, die Herr Vulfran in den Aufsichtsrath für seine verschiedenen Gründungen hatte wählen lassen, waren ihr wohlgesinnt. Seit es dem Arzte vor Augen lag, wie das Fabrikmädchen" Herrn Vulfran die geistige und sittliche Spannkraft wiedergegeben hatte, hatte er sein Betragen gegen sie geändert, und er behandelte sie nun als eine Person von
Gewicht. Diese Kleine." sagte er, hat mcbr gethan als meine Arzneien; was ohne sie aus Herrn Vulfran geworden wäre, weiß ich wahrlich nicht." Fräulein Schönmann hatte nicht nöthig, ihr Betragen gegen sie zu andern, aber sie war stolz auf sie. und jeden Tag gab es in ihrer Stunde einige Minuten, wo sie ihren Gefühlen freien Lauf ließ, wenn sie sich auch gestehen mußte, daß ihre begeisterten Äeußerungen vielleicht nicht ganz korrekt waren von der Lehrerin zur Schülerin." Was Fabry betrifft, so war tt ZU genau in alles, was ausgeführt wurde. eingeweiht, als daß er nicht in gutem Einvernehmen mit diesem jungen Mädchen hätte stehen sollen, das er früher nicht sonderlich beachtet hatte, das aber fehr bald zu einem so großen Einfluß im Hause gelangte, daß er selbst nur ein Werkzeug in ihren Händen zu sein schicn. Hen Fabry." hieß es. Sie müssen ncich Noisiel reisen, um dort die Arbeitekhäuser zu studiren." Herr Fabry. Sie müssen nach Englind reisen, um die .Working Men's Slub Union' zu studiren." Herr Fabry. Sie müssen nach BelKen reisen, um die lrbciterhallen zu studiren." Und Fabry reiste ab. studirte. was nan ibm aufgegeben hatte, wobei er kichts Interessantes, das ihm sonst vor ?ugen kam, außer Acht ließ, und nach einer Vückkehr fanden dann .lange Bey
raiyungen mir Herrn vulfran nan, j
wurden kne Plane festgestellt, die unter seiner Leitung von dem Architekten und den Werkführern in seinem Bureau, das seit Kurzem das wichtigste im Hause war. ausgearbeitet wurden. Niemals betheiligte sich Perrine an diesen Aeratbunaen. niemals mischte sie sich mit einem Worte cm. doch war sie dabei anwesend, und cs hätte eine große Verblendung dazu gehört, nicht zu sehen, daß sie die Sachen vorbereitet hatte, daß sie dazu anfeuerte kurz, daß sie in den Geist oder das Herz des Herrn und Meisters den Samen gestreut hatte, der aufging und Früchte trug. Nickt weniger als Fabry waren Dh die von ihren Genossen in den Aufsichtsrath gewählten Arbeit:? über Perrines Rolle klar, und obwohl sich die Kleine bei ihren Verathun niemals ein Wort oder ein Zeichen erlaubt hatte, wußten sie doch den Einfluß, den s: ausübte, ganz genau zu schätzcn. und es steigert: ihr Vertrauen und ihren Stol,'. nicht wenig, daß sie früher eine der Ihrigen gewesen war: Ihr wißt ja, sie hat in der Spulerei gearbeitet." Wäre sie geworden, was sie ist, wenn sie nicht von der Arbeit hergekommen wäre?" Es wäre nicht wohlgethan gewesen, vor diesen Arbeitern von den Spöttereien zu reden, die man Perrine nachrief, wenn sie durch die Straßen fcH Dorfcs ging: beim ersten Verlauten eines HohnsZ hätten ihre Fäuste tapfer dafür g.'scrgt, daß er den Spöttern in der Kehle geblieben, wäre. Am heutigen Sonntag wurde Fabry von cir.ci Mthrtagigen Reise zurückerwartet. Herr Vulfran batte ihm eine Nachforschung aufgetragen, von der er mit Perrine nicht gesprochen hatte, und die er, wie cs schien, gelim halten wollte. Am Morgen batte Fabry von Paris aus eine Texcsche geschickt, die nur die paar Worte cntbielt: Ermittluugcn vollständig, amtlich beglaubigt, komme um zwölf Uhr." Es war schon halb Eins, und er war noch nicht da, was Herrn Vulfran ganz gegen seine Gewobnheit ungeduldig machte; er blieb sonst gelassener in so!chen Fällen. Als er dann eher als gewöhnlich mit seinem Frühstück fertig war, begab er sich mit Perrine in sein Kabinett, und da trat er alle Augenblicke an's. offene Fenster, das nach den Gärten ging, um zu horchen. Es ist doch sonderbar, daß Fabry noch nicht zurück ist." Der Zug wird sich verspätet haben." Aber er ließ diesen Grund nicht gelten und blieb am Fenster, von dem ihn Perrine gern entfernt hätte, denn es gingen in den Gärten und im Parle Dinge vor, die sie ihm verheimlichen wollte. Die Gärtner waren ungewöhnlich geschäftig, die Blumengruppen überall mit Gitterwerk zu umgeben, andere schafften die seltenen Pflanzen fort, die auf den Rasenplätzen vertheilt waren, die Eingangsthore standen weit qfen, und jenseits des Wolfsgrabens sah man die Arbeiterhalle mit Flaggen und Fahnen geschmückt, die im Winde flatterten. Plötzlich drückte Herr Vulfran auf den elektrischen Knopf für den Kammerdiener, und als dieser eintrat, sagte er ihn:, daß er Niemand empfangen könne, falls Besuche kämen. Dieser Befebl überraschte Perrine umso mehr, als Herr Vulfran des Sonntags gewöhnlich Jedermann, der ihn sprechen wollte, vor sich ließ, groß und kleiu. denn so geizig er in der Woche mit Worten war. nach dem Spruche Zeit ist Geld." so gerne plauderte er dagegen am Sonntag, wo seine und der anderen Zeit weniger kostbar war. Endlich hörte man au? der von den Torfbrüchen, das heißt von Picquigny. herbeiführenden Straße einen Wagen rollen. Da kommt Fabry." sagte er mit einer Stimme, die bewegt, ängstlich und freudig zugleich klang. Ja. es war Fabry, der raschen Schrittes in's Kavinett trat; auch er schien in einer außerordentlichen Gemüthsstimmung zu sein, und der Blick, den er schon an der Thür auf Perrine warf, verwirrte sie sie wußte nicht warum. Ein Zufall mit der Lokomotive hat meine Verspätung verursacht." sagte er. Sie sind jetzt da. das ist die Haupt fache." Meine Depesche hat Sie unterrichtet." Ibre gar zu kurze und unbestimm!? Depesche hat mir Hoffnungen oemachi; aber ich brauche Gewißheiten." Ich werde sie Ihnen geben, so vollständig, als Sie nur wünschen können." Sprechen Sie, sprechen Sie geschwind!" Tarf ich's vor dem Fräulein?" Jo. wenn Sie das bringen, was Sie versprechen." Dieses war das erste Mal. daß Fabrr, w:nn er, von einer Send?:ni' heimgekehrt, Bericht erstattete, Herrn Vulfran fragte, ob er vor Perrine reden dürfe, und bei der Verwirrung, worin sie sich schon jetzt befand, konnte diese Vorsicht Fabrys die Gemüthsbewegung, die die zwischen Herrn Vulfran und Fabry gewechselten Worte, ihre gegenseitige Aufregung, das Zittern ihrer Stimmen in ihr hervorgebracht hatten, nur noch verstärken. Ohne P'-"ine anzusehen, sagte Fabry: Wie sich's der Agent, dem Sie die Nachforschungen auftrugen, im Voraus gedacht hatte, war die Personlichkeit. deren Spur er mehrmals verloren hatte, nach Paris gekommen; dort hat man beim Nachschlagen der Sterbe-stiftn-einen Eintraa vom Wlcnni
Juni des vorigen Jahres auf den Na-
men einer Marie Doressany, Wittwe von Edmund Vulfran Paindavoine, gefunden. Hier ist eine beglaubigte Abschrift des Eintrags." Er legte Herrn Vulfran das Blatt in die zitternden Hände. Wollen Sie, daß ich es Ihnen vorlese?" Haben Sie sich von der Richtigkeit der Namen überzeugt?" ..Gewiß." Dann lesen ie jetzt nicht; daran werden wir später kommen; fahren Sie fort." Ich habe mich mit diesem Eintrage nicht zufrieden gegeben." fuhr Fabry fort, ich wollte auch den Eigentbümer des Hauses, in dem sie gestorben ist, sprechen; er heißt Pfefferkorn; ich habe auch die Leute gesprochen, die bei dem Tode und der Beerdigung der armen sungen Frau anwesend waren: es ist eine Siraßensängerin, die man Frau Gräfin nennt, und der sogenannte Vater Karpf, in aller Schuhmacher. Sie ist der Ermattung, der Schwäche, dem Elend erlegen. Dann habe ich auch den Arzt besucht, der sie behandelt hatte, den Doktor Ecndrier, der in Eharrnne in der Riblcttestraße wohnt: er wollte, daß die Kranke in's Hosvital ginge, sie hat sich aber nickt entschließen können, ihre Tochter zu verlassen. Zuletzt, um meine Erkundigungen zu vervollständiget, haben sie mich in die Ehateau-dcs-Rcntiersstraße zu einer Lumpensammlerin. genannt Hasenbluse, geschickt, die ich erst gestern in dem Augenblicke antraf, wo sie vom Lande zurückkebrtc." Jetzt machte Fabry eine Pause. wandte sich zum ersten Mal zu Perrine hin und grüßte sie mit einer Verbengung: Ich habe auch Palikar geseben, mein Fräulein es geht ihm gut!" Perrine hatte sich schon erhoben, und sie blickte beseligt in's Weite, hörte, hingerissen von Freude und Rührung, Fabrys Worte, während ein Strom von Thränen ihren Augen entfloß. Fabry fuhr fort: Da ich nun die Identität der Mutter festgestellt hatte, mußte ich mich noch erkundigen, was aus der Tochter geworden war, und das erfuhr ich durch die Hasenbluse, die mir erzählte, wie sie im Walde von Chantilly einem armen, dem Hungertode nahen Kinde begegnet sei, das ihr Esel aufgefunden hatte." Und Du," rief Herr Vulfran, der sich jetzt zu Perrine wandte, die am ganzen Leibe zitterte und bebte, Du sagst mir nicht, warum sich dieses Kind nicht zu erkennen gegeben hat? Du. die so gut die Gefühle eines Mädchens versieht, erklärst mir nicht" Sie stürzte ihm entgegen, und er rief: Warum kommt ste nicht in meine offenen Arme?" O mein Gott!" In die Arme ihres Großvaters." 40. Kapitel. abry zog sich zurück und ließ den Großvater mit seiner Enkelin allein. Sie waren aber so gerührt, daß sie noch lange, ohne sprechen zu lönnen, Hand in Hand dasaßen und nur hier und da ein Wort der Zärtlichkeit austauschten. Mein Kind meine liebe Enkelin!" Großpapa" Endlich, als sich der Sturm ihrer Gefühle ein wenig gelegt hatte, redete cr sie an: Warum hast Du Dich mir nicht zu erkennen gegeben?" Habe ich's denn nicht mehrere Male versucht? Erinnern Sie sich doch, was Sie mir eines Tages sagten, das letzte Mal, wo ich eine Hindeutung auf Mama und mich machte da sagten Sie: .Niemals mehr, hörst Du, niemals mehr sprich mir von ihr!' " Konnte ich damals obnen, daß Du meine Enkelin wärest?" Wenn sich diese Enkelin ohne Weiteres bei Ihnen eingestellt hätte, hätten Sie sie da nicht vielleicht fortgeschickt, ohne sie anhören zu wollen?" Wer weiß, was ich gethan hätte!" Damals habe ich mir fest vorgenommen, nach dem Rathe meiner Mama, mich erst zu erkennen zu geben, wenn ich mir Liebe erworben hätte." Und da hast Du so lange gewartet! Hattest Tu denn nicht jeden Augenblick Proben meiner Zuneigung?" War cs die Liebe eines Großvaters? Ich wogte es nicht zu glauben." Und so muhte ich denn, als nach schrecklichen Kämpfen des Schwankens, Hoffens. Zweifelns. die Du mir ersparen konntest, wenn Du früher gesprochen hättest, meine Vermuthungen feste Gestalt bekommen hatten mußte ich Fabry aussenden, um Dich zu vermögen, in meine Arme zu eilen!" Das Glück dieser Stunde, beweist es nicht, daß es so das Rechte war?" Nun ja. sy laß uns nicht mehr daran denken, und sage mir jetzt, was Du wir verheimlicht hast, so daß ich Nachforschungen anstellen mußte, die Du mit einem Worte hättest befriedigen können " Wenn ich mich zu erkennen gegeben hätte!" Sprich mir von Deinem Vater: wie seid Ihr nach Sarajewo gekommen? Wieso war er denn Photograph?" Wie unser Leben in Indien war. können Sie" Er unterbrach sie: Sage D u zu mir; Du sprichst ja mit Deinem Großvater, nicht mehr mit Herrn Vulfran." . . . Durch die Briefe, die Du erhalten hast, weißt Du ungefähr, wie unser Leben war; ich werde Dir später noch davon erzählen, von unserem Pflanzensammeln, unseren Jagden auf Thiere, wie groß Papas Muth war und die Tapferkeit Mamas denn ich kann
Dir nicht von ihm erzählen, ohne auch von ihr zu sprechen " Was ich vorhin von Fabry über sie gehört habe, ihre Weigerung in's Hospital zu gehen, wo sie vielleicht gerettet worden wäre, und daß sie sich nur weigerte. weil sie Dich nicht verlassen wollte glaubst Du, das habe mich nicht gerührt?" Tu wirst sie noch lieben, Du wirst sie noch lieben!" Du mußt mir später von ihr reden." (Fortsetzung folgt.)
0oo00oo00oo00oo0oocoo00 Unter I 8 schwere Verdacht 0 ' 0 o c c 8 o o Roman von g Teo von Tarn. 0c 0000 0000 oQo cOOo 0000 oCÖ (Fortsetzung.) All' das aber faßte nicht tiefer Wurzel in ihm. Er forschte und erwog nickt weiter. Noras Einfluß war so tiefgehend, daß eine persönliche Begegnung mit ihr jede Spur einer inzwischeu etwa aufgeleimten befremdenden Frage oder eines unbehaglichen Empfindens völlig verwischte. Dabei waren seine Beziehungen zu ihr nicht andere geworden als an jenem ersten Tage, da sie sich ihm anvertraut und er ihr seinen ritterlichen Beistand angeboten. Er war wunschlos zufrieden. wenn er nur in ihrer Nähe weilen durfte. Und es fiel ihm nicht einmal ein, sich das Ungewöhnliche dieses Verhältnisses zu erklären oder des Mißdeutigen darin sich bewußt zu werden. (lines Nachmittags, als sie in einer der großen Alleen des Thiergartens promenirten, kam ihm von ungefähr vielleicht war es eine Jdeenverbindung in Beobachtung eines jungen Ehepaares, das mit einem niedlichen Kindchen an der Hand vor ihnen herging der Gedanke, diese Frau an seiner Seite als sein Weib sich vorzustellen. Er lachte und auf den unwillia mißtrauischen Seitenblick seiner Begleiterin hatte er nur die Erklärung: Mir ist etwas sehr Komisches eingefallen, pardon?" Was eigentlich diese Möglichkeit so vollständig ausschloß, darüber war er sich nicht im Mindesten klar. War es das unheimliche Leiden der Frau? Kaum, denn er hatte nie wieder etwas an ihr bemerkt, das auf eine krankhafte Bcanlagung hindeutete. Es war auch zwischen ihnen nicht weiter die Rede davon gewesen. An gesellschaftliche Schwierigkeiten, an seine Zukunft und all' das andere, was sonst wohl bei Heirathsplänen in Frage kommt, dachte er nicht. Die naiven, harmlosen Beziehungen zu dieser Frau mußten also in ihr selbst begründet sein. Seelenlos! das ungefähr mochte die Kluft andeuten, welche zwischen ihnen bestand. Er, bei aller gesellschaftlichen Gewandtheit eine durchaus einsacke und wahr empfindende Natur, ein Mensch, der weder Zeit noch Neigung gehabt, der eigenen oder gar einer fremden Seele nachzuspüren, er unterlag kritik- und willenlos der zauberischen Gewalt einer rein äußeren Vollkommenheit. Wäre diese Frau nur einer einzigen weiblichen Regung fähig gewesen sei es auch nur einer minder guten hätten diese wunderbaren Augen oder ihre Lippen auch nur einmal ein inneres, warm pochendes Leben verrathen, sie hätten eine rückhaltlose, alles überwindende Leidenschaft in ihm entfacht. Die kühle, überlegene Ruhe jedoch, welche sie in Haltung, Wort und Geberde selten verließ, diese marmorene Unwandelbarkeit ihres Wesens, dazu hie und da ein herrischer, um nicht zu sagen herzloser Zug das alles hielt sie ihm fern, so wenig er anderseits ihre Nähe entbehren mochte oder konnte. Und das war um so räthselhafter. alö sie schließlich mancherlei Anliegen zum Ausdruck brachte und verfocht, die ihm ernsthast widerstrebten. So hegte sie ein seltsames Interesse für seine amtliche Thätigkeit. Aeuherlich ruhig, aber doch mit merklicher Spannung, veranlaßte sie ihn zu Mittheilungen, zu denen er sich wenn sie im Grunde auch nicht bedenklich waren sonst Niemand gegenüber verstanden hätte. Wenn er sprach, war es ihm ein wobliges Gefühl etwas zu sagen, was sie augenscheinlich interessirte. Hinterher erfaßte ihn Unbehagen und Aerger über sich selbst. Ein Weiteres, das ihm widerstrebte, dem er sich jedoch fügte, wie allen ihren Wünschen, war ihr geflissentliches Beiilühen, ihn mit Verwandten namentlich mit der Familie eines Neffen bei Frau Riemann in Berührung zu bringen. Bisher war er dem geschickt ausgewichen; schließlich hatte er auch hierin nachgegeben und eines Tages saß der Regierungsassessor Gust von Damradt an der Seite der schönen Frau in einem niedrigen, rauch- und lärmerfüllten Zimmer, in welchem eine bunte Gesellschaft kleinerer Leute bei dem Maurerpolirer Riemann Kindtaufe feierte. Woran denken Sie jetzt?" Der Assessor fuhr aus tiefem Sinnen auf und verzog sein offenes, freundliches Gesicht mit dem blonden, keck aufgebürsteten Schnurrbart M einem verlegenen Lächeln.
eyreres wicy ieoocu aisoaro einem grüblerischen Zuge, als cr aufsah und den stahlharten Blick bemerkte, der die plötzlich an ihn gerichtete Frage Noras begleitete. Es war ihm. als wäre es ein unbilliges, sinnloses Manöver at weien, iyn hierher zu zwingen. Wozu das alles? Und weshalb jetzt diese Schärfe, da er sich doch ihren Wünschen gefügt. Gedankenschnell zog die Vergangenheit an seinem geistigen Auge vorüber. Nicht ohne Opfer hatte ihm sein Vater, der invalide Hauptmann von Damradt, das Studium ermöglicht; und im Wesentlichen lebte er noch von der Güte seiner in Berlin wohnenden Tante, der verwittweten Staatsräthin von Horst-Suthmer. und von den Hoffnungen, welche die alte Dame bezüglich der Zukunft ihrer Tochter auf ihn setzte. Mancherlei Entbehrungen und innere Kämpfe hatte er ertragen, wenn er an die verwitterten und verhärmten Züge seines Vaters dachte, an das Zittern in dessen sonst so militärisch fester Stimme, wenn er sagte: Harre aus, mein Junge' Ich kann Dir nicht helfen." Und jetzt, da er es fast erreicht hatte, da er dicht an der Schwelle der so heiß ersehnten Selbstständigteit stand Woran denken Sie?" Sie wiederholte die Frage, indem sie Antwort I ei sehend ihren Oberkörper
aus der bisher lassig zurückgelehnten Haltung aufrichtete. Gust wurde aber der Antwort überhoben durch die kleinbürgerliche Liebenswürdigkeit der jungen Frau Riemann, welche die mit einem wollenen Umschlagetuch warmumhüllte Kaffeekanne über seine Schulter hinweg ihm unter die Nase hielt. Riechen Se 'mal, Herr Assessor, det is noch 'n Mokka! Den kriegen Se nirgends besser. Noch ;n Schlücksken, was?" Der Assessor bedeckte seine der silbernen Aufschrift nach dem Hausherrn" gewidmete Tasse mit beiden Händen. Nein, ich danke tausendmal! Der Kaffee ist ausgezeichnet, aber es ist mir wirklich nicht mehr möglich!" Aber doch noch 'n bißken, Herr Assessor!" Wirklich, ich" Jott nee. haben Se sich doch nich so! Et is ja noch jenug da!" Und kaum hatte er die Tasse freigegeben, kluckerte auch fchon die dampfende, schokoladefarbene Flüssigkeit in das aroßbauchiae Trinkaefaß. dasselbe so weit füllend, daß sich auf der Untertasse noch ein ansehnliches Fußbad" sammelte. So, Herr Assessor, nu drinken Se man. Kaffee hilft 'n Menschen uf de Vcene. Se sitzen mer ieberhaupt so still da." Den Herrn Assessor is blos 'n bißken iebc! von Deine Schusterbouillon, Manschen!" gröhlte der alte Maurer Grabow über den Tisch hinweg dazwischen. mir iebrijens ooch. Jieb mal ecnen aus die Kruke da neben dem Vertikow." Des Herrn Grabow stärkere Hälfte, eine kleine, dicke Frau in Lila, mit einer Riesenbrosche unter dem dreifachen Kinn, stieß ihn mit dem Ellenbogen in die Seite. Du hast ooch nich 'ne Spur von Pli, Willem; ick hab' Dir doch schon so oft jefagt, det man in 'ne feine Jesellschaft sich nischt fordern duht." Damit lehnte sie sich wieder in ihren Stuhl zurück, kreuzte die Arme unter dem kolossalen Busen und beobachtete, nach rechts und links blickend, den Eindruck der Lehre vom gesellschaftlichen Anstand. Aber weder Nora noch der Assessor, an deren Adresse sie sich wohl Hauptsäcklich gewendet, hatten das beachtet. Letzterer bröckelte an seinem Streuselkuchen, von dem ihm inzwischen noch ein Quadratfuß, ohne daß er es bemerkt hatte, aufgelegt worden, dabei lauschte er mit höflichem Interesse den Redensarten seines Nachbarn zur Rechten. eines kleinen, buckeligen Herrn, den man ihm als sozusagen einen Kollegen" vorgestellt hatte: Herr Paulus Sievers, Bureauvorsteher. Daß dieser in dem Kreise hochangesehen war, ergab sich schon aus dem Plage, den man ihm neben dem Assessvr angewiesen hatte, und aus der gleichen Tasse, die als Pendant zu der des Assessors mit der Inschrift der Hausfrau" geziert war. Von den übrigen hatte nur noch Frau Nora eine Tasse mit zugehöriger Untertasse; die anderen tranken aus Gefäßen verschiedenster Art, mit und ohne Untersatz. Noras Tante hatte sogar nur ein Emailletöpfchen erwischt, an mm sie trotz der dumpfen Hitze im Zimmer beide Hände wärmte. Eigentlich," plauderte Herr Sievers, indem er sich mit dem halben Körper zum Assessor wandte, da sein tief in den Schultern sitzender Hals eine bloße Kopfbewegung fehr erschwerte, eigentlich, sehen Sie mal, Herr Assessor, passen wir beide hier gar nich 'rein. Aber es gibt eben so Umstände, nickt wahr? Und besondere Verhältnisse na und denn, sehen Sie mal, erweitert man sich ja schließlich seinen Gesichtskreis. Die heutige Zeit " Ob ihn das Sprechen anstrengte oder ob ihm ein Kuchenkrümel in den Hals gekommen war cs unterbrach ihn ein beängstigend starker Husten, der das gebrechliche Männchen schier bersten machte. Mariechen, hau' man den Buckuwrum eins auf'n Verdruß, daß er wieder zu sich kommt." mahnte der Bierbaß des alten Grabow. Nee " keuchte der kleine 'Mann,
Mozm er noco ein paar Tlal heftig schluckte und sich die thränenden Augen an dem blauweiß karrirten Tischtuch umständlich abwischte. Ich mutz wohl hrm. irrn ein bißchen Streu, sel in die unrechte Kehle gekriegt haben hrm. aber danke, nu geht's." Da hast es. Mariechen. Deine leichte Backwaare hätte im Momang 'n Unjlück anjerichtet." lachte Grabow. ohne Rücksicht auf die Rippenstöße seiner Gattin und das verletzte Achselzucken der Gastgeberin. Nach dieser Unterbrechung widmete sich der kleine Bureaumensch einer Unterhaltung mit zwei jungen Mädchen, tie am Ende des Tisches ihm schräg gegenübcr saßen. Sie waren nett getleidet, billig und doch modern, wie man das oftbei Konfcktionsdamen findet, welche ihren Staat aus wohlfeilen Re'len geschickt selbst zusammenbauen. Der Assessor hatte wiederholt hinübergesehen und war sich nicht klar, ob sie fortwährend kicherten, weil sie sonst nichts anderes zu thun wußten, oder ob sie die ganze Festlichkeit von der spaßhaften Seite nahmen. (Fortsetzung folgt.)
KrirgshunÄc im cciitlrnni yccre. Cortdnift über die 5igeschastctt. AuSbildu iinj Ausgaben der Tlnere. Auf Befehl der Inspektion der Jäger und Schützen in der deutschen Armee ist kürzlich eine Vorschrift über die Verwendung der Kriegshunde herausgegeben worden. In der Vorschrift wird zunächst bemerkt, daß die außerordentlichen Eigenschaften des Hundes, seine Gelehrigkeit und Wachsanikeit, die Schärfe gewisser Sinne, seine Anhänglichkeit an den Menschen und seine Schnelligkeit ihn befähigen, für militärische Zwecke verwendet zu werden. Insbesondere ist der Hund im Aufklä-rungs-und Sicherheitsdienst, zum Ueberbringen von Meldungen vorgesandter Patrouillen, zur- Unterstützung der Posten, zur Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen Posten und Feldwachen, sowie zwischen anderen Theilen der Vorposten zu gebrauchen Zur Ausbildung für militärische Zwecke eignet sich in erster Linie der Aircdale-Tcrrier. Tie Versuche mil dem kurzhaarigen deutschen HühnerHund werden bis auf Weiteres fortgesetzt. Mit Strenge soll darauf geachtet werden, daß nur ganz reinrafsige Hunde von bekannter und guter Abstammung zur Verwendung kommen, alles zweifelhafte Material soll ausgeschieden werden. Von einem fertigen Krieg-hunde soll verlangt werden, daß cr die in dem Lehrgange vorgeschriebene Stubendressur gründlich durchgemacht hat und beherrscht, daß er Botengänge mit Sicherheit ausführt, d. h. von'vorgesandten Patrouillen zu den rückwärtigen Abtheilungen laust und zu ersteren wieder zurückkehrt, die Verbindungen zwischen stehenden Abtheilungen und Posten innehält, daß er sich ablegen läßt, daß er wachstam ist und die Annäherung fremder Personen an Posten diesen bemerkbar macht. Bei jeder Kompagnie sollen mindestens zwei fertige ' Kriegshunde sein, im Allgemeinen soll aber die Zahl von zwölf Hunden pro Bataillon nickt überschritten werden. ' t Kiefer des Haifisches liefern das beste Uhrmacheröl. Im Kiefer jedes Hais findet man davon etwas über Quart. Militärische Ansichtskarten. Eine bemerkenswerthe Sitte verbreitet sich im italienischen Heere immer mehr.. In jedem Regiment werden Ansichtskarten hergestellt, auf denen ein geschickter Zeichner entweder die Abzeichen des Regiments mit einem Verzeichniß der Schlachten, an denen es 'theilgenommen hat. oder auch eine Episode aus einer dieser Schlachten darstellt. Diese Karten werden in Tausenden von Excmplaren gedruckt und für ein bescheidenes Entgelt an die Offiziere und Soldaten dieser Regimenter verkauft, die sich dieser Karten zu ihren Korrespondenzen bedienen und so die Thaten des Regiments in den Kreisen ihrer Bekannten verbreiten. Nahezu 1.500,000 Sorten von Cigarren, ihrer Mischung nach verschieden, werden auf der Erde fabrizirt, doch kommen für die Deck blätter nur 150 Sorten Tabak in Frage. frecher P e a s i o n s s ch w i nd e l. Ein Insasse des Soldatenheims in Norton, Conn., Namens John Page, wurde neulich unter der Befchuldigung verhaftet, auf betrügerischern Wege eine Pension erlangt zu haben. Page, welche? bereits 65 Jalire alt ist. hat sich für seinen Vater, welcher den Bürgerkrieg im 10. Connecticuter Regiment mUn.achtt, ausgegeben. Er bezog seit zwölf Jahren feines Vaters Pension und wohnte im Soldaten-Heim. Die Sache wäre nie herausgekommen, wenn Page nicht die Kühnheit besessen hätte, um eine Erhöhung der Pension einzukommen. Drei Veteranen des 10. Eonneticute? Regiments beschworen, daß der Page, welchen sie im Bürgerkriege kannten. Musiker war und damals bereits im Alter von 45 Jahren stand, und die Regierung produzirte ein Eertifikat, daß John Page, der wirkliche Veteran, im Jahre 1881 in der Stadt New York gestorben ist. Auch eine Schwester des Angeschuldigten bezeugte, daß ihr Vater längst gestorben sei.
