Indiana Tribüne, Volume 26, Number 158, Indianapolis, Marion County, 25 February 1903 — Page 7
Jndiana Trtdnne, Februar 1903
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I Anheim. r.iromaii von fjcctor 2$X st l a t. f i..i.i,mTiiiiTi-?-r."'- ' ' 1 ' (Fortsetzung.) 'l'cetn Jrauletn," jagte er, ich komme, Sie um einen Dienst zu bitten, in meinem eigenen Namen und in dem unserer ganzen Bevölkerung um einen bedeutenden Dienst, von einer außerordentlichen Wichtigkeit durch den 6e gen, den er stiften kann: aber ich ltkenn? es. der von Ihrer Seite auch eb. bedeutendes Opser fordert. Hören Sie, um was es sich handelt." (5s handelte sich darum, daß sie ihre Entlassung nehmen solle, um den fünf Krippen, die er zw gründen beabsich -tigte, vorzustehen, Er habe überall umhcrgedacht, aber nirgends einerau gefunden. W wie sie. mit ihrer Einsicht, ibrer Thatkraft, ihrem Herzen, einer so schwierigen Aufgabe gewachsen wäre. Wenn die Krippen eröffnet seien, wolle er sie den Gemeinden von Maraucourt. Saint-Pipou, Herchcur, Bacourt und Frlerelle übergeben, mit einem genügenden Kapital, ihre Unterhaltung für alle 3eit damit zu bestreite.i. und er knüpfe an sein? chcn'ung nur die eine Bedingung, daß man sich verpflichte, als Vorsteherin eine Persönlichkeit zu behalten, zu der n das feste Vertrauen habe, daß durch sie der Erfolg und die Dauer seines Werkes gesichert sei. Ein: auf diese Art vorgetragene Bitte konnte nicht abgeschlagen werden, aber cö ging bei der Lehrerin nicht ohne inneren Kampf ab, denn das Opfer, wie Herr Vulfran sagte, das sie bringen sollt?, war wirtlich bedeutend. D mein Herr." rief sie aus, Sie wien nicht, waö für eine Befriedigung im Unterlichten liegt!" Den Geist der Kinder zu pflegen, ist viel, ich weiß es, aber ihnen das Leben, di: Gesundheit schenken, das ist auch etwas, und das wird Ihre Aufgäbe sein; sie ist so schön, daß Sie sie nicht zurückweisen können." Ich wäre ja Ihrer Wahl nicht würdig, wenn ich auf meine persönlichen Neigungen hören wollte. Schließlich werde ich mich selbst in die Schule nehmen und so viel zu lernen haben, daß mein Bedürfniß, zu lehren, ein weites Feld finden wird. Ich nehme Ihr Ancrbieten an, von ganzem Herzen, und dies Herz ist so gcrührt, so erfüllt von Dankbarkeit und Bewunderung, daß es nicht in Worten zu sagen ist." Wenn Sie von Dankbarkeit reden, so bin nicht ich es, an den Sie sie zu riehten haben, sondern Ihre Schülerin Cir mein Fräulein; denn sie hat in meinem Herzen durch ihre Reden, ihre Winke Empfindungen erweckt, die mir bis dahin fremd geblieben waren, und hat micb auf einen Weg gewiesen, auf dem ich bis jetzt nur einige Schritte gemacht habe; nicht viel bedeutende im Hinblick auf die Bahn, die ich noch zu durchlaufcn habe." O Herr," rief Perrine, kühn gemacht durch ihre Freude, ihren Stolz, wenn Sie noch einen Schritt machen wollten!" Um wohin zu gehen?" An einen Ort, zu dem ich Sie heute Abend führen möchte." Sieh einmal. Du zweifelst an nichts." O. als ob ich an nichts zweifelte!" Zweifelst Du an mir?" Wein, Herr, an mir, an mir allein. Aber das hat nichts mit meiner Bitte, meinem Vorschlage zu thun, Sie heute Abend irgendwohin zu führen." Aber "wohin willst Du mich denn führen?" An einen Ort, wo Ihre Gegenwart, wenn sie auch nur einige Minuten dauert, qnz außerordentlichen Nutzen stiften kann." Und Tu kannst mir wirklich nicht sagen, was für ein gehcimnißvoller Ort das ist?" Wenn ich's Ihnen sagte, so würde die Wirkung, die ich von unserm Besuch erwarte, ausbleiben. Es wird hübsch warm sein heute Abend, da haden Sie nicht zu befürchten, daß Sie sich erkälten lassen -ie sich überreden." Ich glaube, daß man Vertrauen zu ihr haben kann," sagte Fräulein Schönmann, obwohl sich ihr Vorschlag ein bischen wunderlich ausnimmt recht kindlich." Nun also, cs geschehe, wie Du willst, ich werde Dich heute Abend begleiten. Auf welche Stunde bestimmst Du unsere .Expedition?' " Je später es sein wird, desto beer." Als es Abend wurde, sprach er mehrmals von dieser Expedition." aber ohne daß er Perrine dazu gebracht hätte, eine Erklärung zu aeben. Weißt Du. daß es Dir gelungen ist, meine Neugierde aufzustacheln?" Wenn ich auch nur das erreich! hätte, wäre es schon etwas. Ist es Ihnen nicht zuträglicher, wenn Sie davon träumen, was sich heute oder morgen ereignen könnte, als wenn Sie sich in Trauer um das verzehren, was sie gestern hofften?" Es wäre freilich zuträglicher, w?nn es nur jetzt ein Morgen für mich gäbe; aber von was für einer Zukunft willst Du. daß ich träume? Sie ist noch viel trauriger als die Vergangenheit, weil sie leer ist." O nein. Herr, sie ist nicht leer, wenn Sie an die Zukunft Ihrer Nebenmenschen oenken. In der Kindheit, wenn
man iich n:cht glücklich fühlt, nichk wahr, da denkt man an all das, was man sich von einem allmächtigen Zauderer wünschen möchte, von einem Magier, der einem begegnete und nur seinen Zauberstab zu beben brauchte, um uns alle unsere Wünsche ?u erfüllen
aoer wenn man nun jeicn em Meyer Zaubere? ist, sollte man da nicht manchmal daran denken, was man thun könnte, um die glücklich zu machen, die , es nickit sind, ob sie nun Kinder seien ! 4 ' t r cm ti-- i l ? ooer ntems nm man oie 30071 in H 'in den hat, wäre es da nicht vergnüglich, sich ihrer zu bedienen? Ich sage Der gnüglich, weil wir i ns i:u Feenreiche befindenfür die Wirklichkeit miißic man ein anderes Wort gebrauchen." Unter solchen Gesprächen verging der Abend: mehrmals fragte Herr Aulfran. ob der Augenblick zum Ausgehen neco nicht gekommen sei. aber sie verzögere ihn, so lange sie konnte. Endlich kündigte sie ihm an, daß sie sich auf den Weg machen wollten: Die Nackt war warm, wie sie es vorausgesetzt hatte, ohne Wind, ohne Nebel, aber mit häufigem Weiterleuchten, das den dunkeln Himmel durchflammte. AI 5 sie in's Dorf kamen, fanden sie es in tiefem Schlafe, kein einziges Licht schien durch die geschlossenen Fenster, keinerlei Geräusch war zu hören, außer dem des Wassers, das über das Äehr des Flusses rauschte. Wie alle Blinden konnte sich .fterr Hieran iedr gut in der Nacht zurecylfinden, und seit ihrem Weggange vom Schlosse hatte er seinen Weg so sicher gemacht, als wenn er sehend wäre. Nun sind wir vor Francoises Haus," sagte er in einem gewissen Auzenklick. Ja. da wollen wir gerade hineingehen. Jetzt, wenn cs Ihnen recht ist. wollen wir ganz still sein; ich führe Sie an der Hand. Ich sage Ihnen im Voraus, daß wir eine Treppe hinaufsteigen müssen; sie ist aber bequem und gerade; oben an dieser Treppe werde ich eine Thür öffnen und wir werden eintreten; wir werden aber an dem Orte nur k lange bleiben, als es Jhncn recht ist, eine Minute oder zwei." JjkA willst Tu. daß ich da sagen soll, da ich doch nicht sehen kann?" Sie brauchen auch gar nicht zu sehen." Aber warum dann dort hineingehen?" Um da gewesen zu sein. Ich vergaß Ihnen zu sagen, daß es nichts ausmacht, wcnn wir beim Hinaufsteigen etwas Lär:n machen." Alles ging so, wie sie es vorausgesagt hatte, und als sie in den inneren Hof gekommen waren, zeigte ihr . ein Blitz den Eingang zu der Treppe. Sie stiegen hinauf, Perrine. öffnete die Thür, von der sie gesprochen hatte, zog Herrn Bulsran sanft hinein und machte sie wieder hinker ihm zu. Und nun fanden sie sich umhüllt von einer heißen, scharsriechenden, erstickenden Luft. Eine lallende Stimme sagte: Wer ist denn da?" Ein Druck ihrer Hand verständigte Herrn Vulsran. nicht zu antworten. Dieselbe Stimme fuhr fort: Bleib doch liegen, la Novelle!" Diesmal gab Herrn Vulfrans Hand Perrine zu verstehen, daß er fortgehen wolle. Sie öffnete die Thür, und sie stiegen wieder hinab, während sich hinter ihnen ein Murmeln von Stimmen vcrnebmen ließ. Erst, als sie wieder auf der Straße waren, nahm Herr Vulfran das Wort. Du wolltest mich gewiß mit der Kammer bekannt machen, worin Du in der ersten Nacht nach Deiner Ankunft geschlafen hast?" Ja, ich wollte, daß Sie eine der vielen Schlafstellen in Maraucourt und den anderen Dörfern kennen lernten, in denen eine so große Zahl Ihrer Arbeiter tt Nächte verbringen müssen, Männer, Frauen, Kinder. Ich dachte, wenn Sie selbst auch nur eine Minute lang diese verpestete Luft eingeatbmet hätten, ließen Sie vielleicht ermitteln, wie viele Kiefer armen Leute daran zu C runde gehen." 30. Kapitel. s Waran nun cu den Tag hin dreizehn Senate vergangen, seit perrine eines Sonnte, bei herrlichem Wetter in Maraueourt angekommen war. hilflos, hoffnungslos, außer Stande zu wissen, was aus ihr werden sollte. Das Wetter war jetzt ebenso straftIend schön, aber Perrine und das Dorf hatten teine Aehnlichkeit mehr mit dem Aussehen, das sie im vergangenen Jahre gehabt hatten. An dem Platze, wo Perrine damals ihren ersten bend zubrachte, wo si? traurig am Rande des Wäldchens, das den Hügel krönt, dasaß und sich' das Bild des Torfes und der unterhalb im Thale ausgebreiteten Fabriken klar zu machen suchte, wurden jetzt große Eebäude aufgeführt: ein Hospital in gefundcr Luft, mit schöner Aussicht, das die ganz? Gegend beherrschen und die kranken Arbeiter der Fabriken des Herrn vulfran aufnehmen wird, ob sie in Maraucourt wohn:n oder nicht. Von hier aus kann man am besten die Veränderungen in der Gegend überblicken, ganz außerordentliche, wenn man oie kurze Zeit bedenkt, in der sie entbanden sind. In den Fabriken selbst haben sich nicht eben auffallende Wandlungen vollzogen; was sie waren, das sind sie noch jetzt, als brauchten sie, nachdem sie zu vollständiger Entwicklung gelangt waren, nur ihren vorgezeichneten Gang in de? alten strengen Regelmäßigkeit weiterzugeben. Aber eine kleine StrcÄvon ihrem
Haupteingange entfernt, da wo früher zur Kinderbewahrung zwei elende, baufällige Hütten standen, vom Schlage der vor einigen Monaten niedergebrannten der Tiburce sah man jetzt das ziegelrothe Dach und die halb rosa, halb blau gestreifte Fassade der Krippe schimmern, die Herr Vulfran an Stelle jener alten Baracken hatte bauen lassen. Die Art und Weise, wie er mit den Besitzerinnen verhandelte, war ebenso bündig als rücksichtsvoll. Er ließ sie zu sich kommen und machte ihnen klar, wie er nicht langer zugeoen könne, daß die Kinder seiner Arbeiter und Arbeiterinnen der Gefahr des Verbrennens oder aller möglichen Krankheiten, die aus unzulänglicher Pflege hervorgingen. ausgefetzt blieben, er wolle darum eine Krippe bauen lassen, wo diese kleinen Kinder umsonst aufgenommen, genährt und gepflegt, und bis zum Alter von drei Jahren aufgezogen würden. Zwischen seiner Krippe und ihren Ziehanstalten könne es keine Streitigkeiten geben. Wollten sie ihre Häuschen vertaufen, so sei er bereit, sie ihnen abzukaufe, gegen eine bestimmte. Barsumme und eine lebenslängliche Rente. Wenn ihnen das nicht recht wäre, sollten sie ihre Häuschen nur behalten, er sei um einen Bauplatz nicht verlegen. Bis Zum nächsten Morgen um elf Ufa . outen ue Vecenrzetl yaoen, aoer um zwölf Uhr käme ibre Antwort schon zu spät.Im Mittelpunkte des Dorfes erheben sich andere, bedeutend höhere, längere und stattlichere rothe Dächer; sie gehören zu einer Gruppe eben erst vollenbete Gebäude mit getrennten Wohnungen. Speise- und Lesesälen, Nestaurationen, Kaffee- und Bierhallen, Niederlagen von Nahrungsmitteln für die unverheiratheien Arbeiter. Männer und Frauen. Bei diesen Bauten hatte Vulfran dasselbe Erncignungsverfahren angewandt, wie bei der Krippe. Es standen da vorher etliche kleine Häuser, mehr oder weniger gut, beim Licht besehen möglichst schlecht zur
Kammer- und Zimmervermiethung an Arbeiter geeignet. Er ließ die Eigenthümec dieser Häuser zu sich kommcn und hielt ihnen eine Nede, ungefähr wie die an die Frauen gehaltene: Seit lange schon," sagte er, Geklagt man sich beftig übe? die Kammern, worin Ihr meine Arbeiter beherbergt, und man schreibt der Übeln Besoffenheit dieser Wohnräume die Brustirankheiten und Nervenfieber zu. denen so viele unterliegen. Das kann ich nicht länger dulden. Ich habe mich varum entschlossen, zwei große Gasthäuser zu bauen, worin ich meinen ledigen Arbeitern, Männern wie Frauen, jedem eine getrennte Stube für sich allein zu drei Francs monatlich überladen werde. Zu gleicher Zeit werde ich in den Erdgeschossen Speisefäle und Restaurationen einrichten lassen, wo ein Mittagsessen, bestehend in Suppe, Braten. Brod und Most, um siebzig Centimes verabfolgt werden wird. Wollt Ihr mir nun Eure Hauer verkaufen, gut, dann werde ich meine Gasthäuser auf ihrer Bodenfläche errichten; wollt Ihr nicht, fo behaltet sie. Meine Berechnung ist aber in Euerm Interesse, denn es fehlt mir anderweitig nicht au Plätzen, wo mich meine Bauten bedeutend wohlfeiler zu stehen kämen. Ihr habt bis morgen früh elf Uhr Bedenkzeit; um zwölf Uhr käme eine Antwort schon zu spät." Auf diesen etwas verzettelten BauPlätzen sah man andere neue Ziegeldächer; diese waren alle klein und stachen durch ihre Sauberkeit und ihren rothen Glanz auffallend von den alten, mit Moos und Scdum bedeckten Dächern ab. Es sind die Dächer von Arbeiterwohnungen, die man erst seit Kurzem zu bauen angefangen hat, und die inmitten eines Gärtchens liegen oder zu liegen kommen, worin die nöthigen Gemüse zur Ernährung der Familie gezogen werden können, so daß bei einer jährlichen Miethe von hunveri Francs für das leibliche Wohl wie für die Genugthuung, am eigenen Herde zu wohnen, Sorge getragen ist. Aber es gab noch andere Umgestaltungen, die sicherlich den, der ein Jahr votiMaraucourt entfernt gewesen wäre, bei seiner Rückkehr lebhaft 'überrascht, ja starr vor Erstaunen gemacht hätten. Sie betrafen den Park des Herrn Vulsran selbst, der, nun verlängert, mit seinen Rasenplätzen bis zu den Torfbrüchen hinabr:ichte und in diese überging. Tiefte tiefere, bis jetzt fast ganz im Naturzustand gelassene Theil des Parks war von dem weren Theile durch eine Art Wolfsaraben abgetrennt worden, und jetzt erhob sich in seinem Mittelvunkte ein großes Schweizerhaus aus Holz mit anderen Hütten oder lcichtgebauten Kiosken zur Seite, was dem Ganzen das Aussehen eines öffentlichen Gartens gab. Dieser Eindruck wurde durch alle Arten von Spielen noch verstärkt. Es fanden sich da: Karusselle mit hölzernen Pferden, Schau keln, Turngeräthe, Kugelspiele, Kegelspiele, Schießstände für Bogen, Armbrüst, Büchse und Muskete, Klettermäste, große Plätze zum Ballspielen, Bahnen zum Radfahren, ein Marionettentheater und eine Musiktribüne. Und es war auch in der That ein öffentlicher Garten, der den Arbeitern aller Fabriken offenstand. Wenn Her: Bulfran für jedes der anderen Dörfer, für Hercheu?, Saint-Pipov, Bacourt. Flerelles dieselben Einrichtungen wie die in Maraucourt geplant hätte, dann wäre unterblieben, was er so besonders wünschte, daß nämlich für alle seine Arbeiter zusammen nur ein einziger Vereinigungs- und Vergnügungsori bestehen sollte, damit sie in nähere Beziehungen zu einander träten und allmälig von einem gemeinsamen Bande
umschlungen würden. Und statt der einfachen Bibliothek, die er anfangs zu stiften im Sinne hatte, war nun, ohne daß er hätte sagen können, unter welchem Einfluß, dieser großartige Gar-
ten entstanden. Um das große Schwei-! zerhaus in der Mute, das die Leseund VersammlunassZle enthält, haben sich die verschiedenen Spiele in einer Ausdehnung gruppirt, daß sie einen Theil des Privatparks in Anspruch nahmen: so schützt nun die ArbeiterHalle das Schloß, und dem Neide ist sein Stachel genommen. Die Schnelligkeit, womit diese Umwälzungen geplant und ausgeführt wurden, konnte nicht verfehlen, die Bewohncr des Fabrikbezirks in lebhafte Aufregung zu versetzen, ja eine gewisse Gährung unter den Massen zu erregen. (Fortsetzung folgt.) 0ooG0ooG0ooC0oo00oo0oo0g unter g ww w g I schwerem verdacht. Vornan von Teo von Torn. 8 o o ÜOooQQooCOooQOooQOcoccooqS (Fortsetzung.) Sonst nicht besonders zuvorkommend, empfing er seinen Miether heute schon auf dem unteren Treppenflur. Schönen guten Tag, Herr Assessor! Da sind wir ja endlich! Sind schmerzlich erwartet worden," fügte er mit einem vertraulich listigen Augenzwinkern biniu. Erwartet? Bon wem denn? War etwa meine Tante V Schöne Tante, diese Tante " schmunzelte der alte Herr, indem er dem Assessor seinen dicken, mit einem mächtigen Siegelring behafteten Zeigefinger schäkernd in die Seite bohrte. Zum Donnerwetter," polterte Gust heraus, so sagen Sie endlich, was Ihnen auf oer Seele liegt! Ich habe keine Zeit!" Herr Kunze, so hieß der Alte, wies mit dem Daumen über seine Schulter hinweg nach den Zimmern des Assessors und nickte ihm bedeutungsvoll zu. Da drinnen" sagte er dann: schauen Sie 'mal nach, Sie Schwerenöther. Seit vierzehn Tagen fragt sie nach Ihnen. Nach Ihrem vorgestrigen Telegramm sagte ich ihr, daß Sie heute kommen würden. Sitzt nun seit zehr. Uhr proppenfest." Damit ging er lachend in seine Thür. Verdrehter Kerl!" brummte Gusl ärgerlich und betrat mit der Last von zwei Koffern und einer Hutschachtel seine Wohnung. Kaum aber hatte er einen Blick in das erste Zimmer gethan, als er sein Reisegepäck fallen ließ und in seiner Verblüffung sogar vergaß, den Hut vom Kopfe zu nehmen. In der Sophaecke saß sein Gespenst." Nicht bleich und starr wie damals und tausendmal schöner. Das aschblonde Haar war unter dem koketten Hütchen in einen schweren Knoten aufgesteckt, und das einfache, aber geschmackvolle Wollkleid ließ jetzt, da sie sich erhob, die schlanke Gestalt in ihrer vollendeten, ebenmäßigen Grazie erkennen. Wangen und Ohren waren leicht gcröthet und färbten sich noch tiefer bei seinem Eintritt. Das war aber auch das einzige Merkmal irgend einer Verlegenheit an thr. Ihre Augen waren groß und fest auf ihn gerichtet; vollkommen ruhig im Ausdruck nur ein sehr scharfer Beobachter hätte eine ängstliche oder minbestens besorgte Frage aus ihnen gelesen. Gust von Damradt sah nichts als diese Augen selbst. Achnliche hatte er nie gesehen. Und doch das Bild einer venetianischen Patrizierin von Makart sah mit denselben räthselhaften Augen auf den Beschauer. Die im Grunde tiefblaue Iris erschien wie mit goldig braunen und grünen Lichtern durchsetzt. ,,Jch komme Ihnen ungelegen, Herr Ajessor," sagte sie einfach und artig. indem sich ihre Pupillen abermals wie fragend erweiterten; es drängt mich jedoch, Ihnen Aufklärung zu geben über einen ebenso ungewöhnlichen, wie peinlichen Vorfall, der, wie ich später hörte, auch für Sie bedauerliche Folgen gehabt hat." O bitte, mein gnädiges Fräulein!" Gust riß seinen Hut vom Kopfe und wies auf den Sitz, von dem die Fremde sich soeben erhoben hatte. Aber wollen Sie nicht Platz behalten, bitte?" Danke, nein." Mit einem kaum merklichen, überlegenen und befriedigten Lächeln beobachtete sie die befangene Hast des jungen Mannes. Ich möchte Sie nicht mehr als nöthig beunruhigen," fügte sie leiser und zögernd hinzu. Vorerst ich bin nicht Fräulein, sondern Wittwe, die Wiitwe eines vor zwei Jahren in Tonking verstorbenen französischen Kapitäns Blanc. Seit dem plötzlichen Tode meines Mannes bin ich einem Leiden verfallen, das mich oft fchon in schwere Gefahren gebracht hat. Einen dieser Anfälle haben Sie in seinen peinlichen Wirkungen beobachtet. Als ich in jener Nacht wieder merkte, wie das Entsetzliche mir an's Herz griff, die Lider, trotz meines vollen Bewußtseins, bleischwer sich über meine Augen senkten und ich meinen Körper erstarren füllte erfaßte ich eine Kerze und schlevvte
mich bis zur nächsten Thür. Das ändere ist Ihnen bekannt." Das alles erzählte sie ohne Er reaung. wie etwas oft Erzähltes, je Beiläufiges, das nun mit der einfacher Darlegung des Sachverhalts völlig erledigt'ist. Der Assessor hielt das für einen Ausdruck jenes klaglosen Verzicht welchen man bei Schwerkranken, die sich unrettbar wissen, vielfach beobacht tcl. Er war tief erschüttert und dot der Fremden in einer aufwallenden, herzlichen Empfindung die Hand. Wie furchtbar!" rief er aus. Könnte ich Ihnen doch helfen; aber Sie haben gewiß Verwandte, die sich Ihrer annehmen, nicht wahr?" Nora Blanc nickte und erwiderte leise seinen Händedruck. Allerdings, ich wohne bei Verwandten kleinen Leuten, die sehr freundlich sich um mich bemühen, bis es mir gelingt, die äußeren Schwierigkeiien zu überwinden, weiche sich meiner Aufnahme in die Klinik des Doktor Merker in Charlottenburg noch entgegenstellen. Ich danke Ihnen, Herr Assessor," fügte sie mit einem großen, sprechenden Blick ihrer goldig aufleuchtenden Auaen hinzu: ..leben Sie wohl
und erinnern Sie sich von nun an mtl minder unheimlichen Empfindungen einer armen Frau, die Ihnen das Unglück ihres Lebens rückhaltlos anvertraut." Gust führte ihr Händchen an seine Lippen, und sie duldete, daß letztere länger darauf verweilten, als für einen Ausdruck von Theilnahme und Ehrerbietung nöthig war. Sie würden mich glücklich machen." sagte er dann, sonderbar erregt und verwirrt zugleich, wenn Sie mir die Möglichkeit geben wollten, Sie wiederzusehen und Ihnen meine Dienste widmen 'zu können, wo Sie deren nur irgend benöthigen." Wäre er minder blind und hingerissen gewesen von der berückenden Schönheit dieser Frau das seltsame Läckeln hätte ibn zurückaesckreckt. 00 ader iah er nur das leuchte, bejahende Neigen ihres Hauptes; und die wenigen Worte, welche es begleiteten, weiteten ihm das Herz in heiß aufwallender Freude. Ich werde Ihnen schreiben. Auf Wiedersehen also." Damit verließ sie ihn. Ein starker Lavendelduft umnebelte wohlig und weich seine Sinne, und eine Müdigkeit, die er vorher nicht gefühlt, zwang ihn, sich niederzusetzen. Nachdem er die Augen geschlossen, fühlte er wieder den leuchtenden Blick der Fremden auf sich gerichtet. Als er erwachte, war es später Nachmittag. Die Laterne vor dem Hause war bereits angezündet und malte ihr unruhiges Licht an die Decke des Zimmers. Gust schreckte empor. Die Glieder waren ihm schwer, und sein Kovf schmerzte. Das Denken verursachte ihm Anstrengung. Wieder war er im Zweifel, ob all' das Wirklichkeit gewesen. oder ob ein holder Spuk ihn genarrt. Aber dort neben der Thür lagen seine Gepäckstücke, die er hatte fallen lassen. Es war also kein Traum. Und sie hatte versprochen, ihm zu schreiben. Mit pochendem Herzen erinnerte er sich dessen. Dann warf er einen Blick auf die Uhr. Zehn Minuten nach sechs. Um drei Uhr spätestens hätte er im Ministerium sein müssen. Er wunderte sich selbst darüber, wie wenig ihn dies eigentlich doch unerhörte Versäumniß berührte. 2. Kapitel. fahrend der nächsten Tage peinigte Gust von Damradt eine fieberhafte Unruhe. Die Arbeit war ihm lediglich ein Mittel, um leichter über die Zeit und über sein sehnsuchtsvolles Warten hinwegzukommen. Seine Mußestunden verbrachte er zwischen Enttäuschung und neuer Hoffnung, von einer Poststunde zur anderen. Endlich am fünften Tage brachte ihm der Briefträger ein winziges Kouvert. Derselbe perlgraue Umschlag und die gleich spitzige, aller Grundzüge entbehrende Schrift wie damals. In ganz kurzen, aber freundlichen Worten stellte sie ihm anheim, sie Abends in die Oper zu begleiten. Und diese Begegnung, so unromantisch sie auch verlaufen, war trotzdem entscheidend für Gust von Damradt. Seit diesem Tage sah er Nora Blanc fast in jeder Woche; auch öfter. Als der Frühling über Land gekommen, begleitete er sie auf Ausflügen und Spaziergängern Ja, es hatte sich auch schließlich so gemacht, daß er ihr in dem kleinen Stübchen gegenübersstzen durfte, welches sie bei ihrer Tante, einer verschlossenen, vierschrötigen Person, im dritten Stock eines Hauses in der Schmidtstrahe bewohnte. Das Zimmer war seiner ganzen Einrichtung nach, zum Vermiethen eingerichtet. Es hatte einen besonderen Eingang vom Treppenflur; die nach den von der Tonte bewohnten Zimmern führende Thür war mit einem Kleiderschrank verstellt. An der linken Wand, vollständig verborgen hinter einem verschlissenen, grünen Bettschirm, stand das Bett. Vor dem Schirm ein hochbeiniger, kleiner Tisch, an denen Schiebladenknopf der Assessor einmal einen kleinen Revolver mit elfenöeinernem Griff gesehen zu haben wähnte. Bei späteren Besuchen bemerkte er ihn sifrA rrtfhr
Ein Svpha mit geschwungener Lehne, ein ovaler Tisch davor, in der Ecke zwischen dem Bettschirm und dem Ofen eine mit defektem Gardinenstoff und blauen Bändchen geschmacklos aufgeputzte Waschtoilette und schließlich ein paar Stühle vervollständigten die Einrichtung, deren stumpfe Aermlichkni von der vornehmen Erscheinung der Bewohnerin dieses Zimmers seitsam abstach. Nirgend eine Spur jenes weiblichen Waltens, das auch in der bescheidensten Umgebung Schönheitssinn erkennen läßt und Behaglichkeit verbreitet. Das Feingefühl des Assessors lehnte sich dagegen auf; auch vermochte er die vornehme Art dieser Frau nicht in Einklang zu bringen mit noch vielem anderen, das sich seiner Beobachtung aufdrängte. So jene schweigsame Person mit den arbcitsharten Händen, die bei seinem ersten Besuche als Tante Riemann vorgestellt wurde, und die er seither noch nicht wieder gesehen. Als er der robusten Berlinerin die Hand geboten, hatte diese die ihrige erst an der groben, blauen Schürze gesäubert und ihn mit einer bei diesem Volksschlag ungewöhnlich verlegenen Zurückhaltung begrüßt. (Fortsetzung folgt.)
Madrider L).Usabschnciöcr. Wie die Psandleider in der spanischen Haupt jtaDt Geschäfte machen. Mächtige Förderer der in Madrid grassirenden Spielwuth sind diePfandund Leihhäuser, die in geradezu unglaublicher Zahl m der spanischen Hauptstadt ihr Leben fristen oder, richliger ausgedrückt, ein sehr auskömmliches Dasein führen. Viele von ihnen, nämlich nicht weniger als 76, liegen in der näheren Umgebung der Puerto de! Sol. im Mittelpunkt der Stadt, wo sie am Tage durch die weithin sichtbare Aufschrift: Geld für Schmucksachen und Effekten" uno am Abend bis weit nach Mitternacht durch grell leuchtende Lichter das Publikum anzulocken suchen. Sie sind die Geschäfte, die am spätesten geschlossen werden, was sich, nur daraus erklärt, daß sie eben vielfach vom Spiel leben, da demjenigen, der im Laufe des Abends in seinem Klub oder tn einer der zahllosen Spielhöllen verloren hat, durcq Versetzung irgend welcher Gegenstände noch Gclegenheit geboten werden soll, sein Glück von Neuen: zu versuchen und das Verlyrene, wenn möglich, lvieverzugewinnen. Alle diese Geschäfte sind mit Schaufenstern versehen, wo die verschiedenartigsten Dinge, sofern sie nur einen gewissen Werth haben, bunt durcheinander liegen: Skulpturen und Manilatücher, wissenschaftliche Jnstrumente und Vorstecknadeln. Revolver und alte Münzen. Uhren und Ringe, Guitarren und Stiefel, hohe Orden und Kruzifixe, goldene Lorbeerkränzc, die einst eine Dichterstirn gekrönt, neden Bettzeug und Wäsche. Manchen Sachen sieht man es sofort an, daß sie alte Familienstücke sind, die vielleicht eine lange Leidensgeschichte zu erzählen haben, aber wohl noch häufiger von unerhörtem Leichtsinn und unverantwortlicher Vergnügungssucht. Denn sobald ein festliches Ereigniß naht, hebt sich der Verkehr in diesen Anstalten" außerordentlich, steht aber gar das Auftreten eines berühmten Stierkämpfers bevor, dann treten alle Gewifsensbedenken zurück, und selbst sonst ganz vernünftige Leute vermögen nicht der Versuchung zu widerstehen und zu Hause zu bleiben, weil ihr Geldbeutel ihnen die Ausgabe nicht gestattet. Sie eilen dann zum Pfandhaus, das ihnen die Erfüllung ihres Wunsches ermöglicht. Denn sie verstehen ja meist nicht zu rechnen und machen sich gar nicht klar, in welch' ungeheuerliche? Weise sie dort übervortheitt werden, indem sie Wucherzinsen von 100 Prozent aufwärts zu zahlen haben. Man wird fragen, ob es gegen diese Halsabschneiderei, worunter ja auch der wirklich Bedürftige zu leiden hat. denn nicht wenigstens insofern ein Mittel gibt, als ein amtliches Versatzamt mit annehmbarcn Bedingungen besteht. In der That, es gibt ein solches: den Monte de Piedad; aber dieses beleiht die betreffenden Sachen entsprechend niedriger, während es den Leuten meist darauf ankommt, möglichst viel Geld auf einmal zu erhalten. Nur wer über einundzwanzig Jahre alt i st. kann nach einem neuen Erlasse de? KriegsMinisters für's reguläre Heer anaeworden werden . neuartige M n d'c - p t st. Der berüumte Berliner Bakteriologe Prof. Robert Kock hat sich nach Südafrika begeben, un. dort eine neue Art Rinderpest, welche den Bestand des Rindviehs in Südafrika gänzlich zu vernichten dioht, zu studiren und zu bekämpfen. Bemerkenswerth ist es. daß diese Krankheit erst nach der Beendigung des Burenkrieges auftauchtc. Aus Egvpten. Australien und Südamerika importiru Rinder, welche als immun galten, verendeten kurz nach der Anfunft in Südafrika prrnzoncrztclzul,.,. Hofmeister: Können mir Hcheit sagen, wie die mohammedanische Zeitrechnung genannt wird?" (Prinz niest). Ganz richtig Hedsa) ra!" Der Sclnridncr. Bekannter: Jetzt werden Sie sich auch bald eine neue Frau suchen?" W i t t w e r : Wo denken S?e hin. ich bin ja die erste noch dem HeirathsVermittler schuldig
