Indiana Tribüne, Volume 26, Number 157, Indianapolis, Marion County, 24 February 1903 — Page 7

inötawo rrttmne, SU Februar 1903.

W"l-!-I-:-H-i Anheim, f Familienroman von fjector Malst. wHiW'fHm i hh (Fortsetzung.) Aber jetzt schienen Gehör. Gesichtszüge, Bewegungen alles schien ver steinert, erstarrt zu sein, als ob er eine Statue wäre. Dies war für Perrine so ergreifend, dah sie in tödtlicher Stille ein Grausen ankam, das sie ganz vernichtete. Auf ein7.:al drückte er seine beiden Hände vor's Gesicht, und mit lauter Stimme, im Glauben allein zu sein, oder vielmehr chne Bewußtsein von dem Orte, wo er sich befand, oder von einer lebendigen Seele, die ihn hörcn könnte, rief cr aus: Mein Gott, mein Gott, Tu hast Tich von mir gewendet! Was habe ich gethan, daß Du mich verlassen hast?" I Nun blieb es wieder still, und das Schweigen legte sich noch düsterer, noch grausiger über Pcrrine, dir dieser Aufschrei fast zu Bden geworfen hatte, obwchl sie den ganzen Umfang, die gane Tiefe der Ver,??iflung. die er derricch. nicht ermessen kennte. Ja. Herr Vulfran hatte sich durch die großen Reichthümer, die er erworden hatte, durch die glänzende Stclluna, die cr einnahm, zu oem Glauben verleiten lassen, daß er ein bevorzugtes Wesen, gewlfferumhe ein Auserwählter fei. dessen sich die Vorsehung bt--lier.e, um Die Äelt zu regieren. Wie hät.'e e? sonst so tief von unten herauf so Koch sieig'n können, einzig und allein au eigenem Kraft? Eine allmächtige Hand hatte ihn also aus der Menge heroorgzzoer;, um große Tinge mit ihm zu thun, hatte ihn in seinem späteren Leoen so sicher geführt, daß er bei seinen Entwürfen einer höheren Eingebung, bei feinen Ausführungen einer unfehlbaren Weisung gehorchte; was er wünschte, war ihm immer zu theil geworden; aus feinen Kämpfen war er immer als Sieger hervorgegangen, und seine Gegner waren unterlegen. Aber siehe da. auf einmal kam es anders: was er sich am sehnlichsten wünschte, was er schon zu besitzen glaubte, blieb ihm versagt! Er hatte seinen Sohn erwartet, halte bestimmt gepußt, daß cr ihn werde heimkehren scheu, hatte seither sein ganzes Leben auf dieses Wiedersehen eingerichtet, und sein Sohn war todt! . Was sollte nun werden? Er hatte kein Verständniß dafür, weder für die Gegenwart, noch für die Vergangenheit. Was war er für ein Mann gewesen! Was war cr jetzt? Und wenn er wirklich das gewesen war, was er seit vierzig Jahren zu sein glaubte, warum war er es jetzt nicht mehr? 38. Kapitel, iese völlige Gebrochcnheit dauerte 31 an, und seine Gesundheit litt schwer darunter: die Bronckitis, das. Herzklopfen vcrschlimmerten sich, es stellte sich sogar ein Blutandrang gegen die Lunge ein, so daß Herr Vulfran eine Woche lang an's Zimmer gefesselt blieb, was dem triumphirencen Talouel die ganze Leitung der Fabriken in die Hand gab. Uebrigens besserten sich die körperlichen Leiden allmälig, nur von der tiefen Niedergeschlagenheit des Gemüths konnte er sich nicht aufrichten, und sie war es schließlich allein, die der Ar,t bedenklich nahm. Mehrere Male hatte Perrine Fragen an den Doktor zu richten versucht, er hatte ihr aber kaum geantwortet, denn Herr Ruchon war nickt der Mann, die Neugierde von Fabrikmädchen zu befriedigen; zum Glück zeigte er sich weniger abstoßend gegen Bastien und Fräulein Schönmann, mit der er haufig bei seinem Abendbesuch zusammentraf, so daß sie dank den Mittheilungen des alten Kammerdieners und der Lehrerin ibrer Angst nicht gänzlich überlassen blieb. Es hat keine Gefahr für sein LeUn" sagte Bastien, aber Herr Ruchon möcote den Herrn wieder an der Arbeit sehen." Fräulein Schönmann war aussührlicher. und als sie einmal in's Schloß kam. um. ihre Stunde zu geben, und mit dem Arzle geplauoert hatte, wiederholte sie ihrer Schülerin aus freien Stücken seinen Ausspruch, der übrigens stets auf das gleiche hinauslief: Eine starke Erregung wäre nöthig, eine Erschütterung, die die erschlaffte Spannkraft seines Gemüths wieder belebte; immerhin scheine der Lebensnerv noch unverletzt zu sein." Geraume Zeit her hatte, man eine solche Aufregung gefürchtet, ja aus Besoranih. sie möchte unversehens eintreten," hatte man die Staroperation, die das Allgemeinbefinden zu erlauben schien, mehrmal- verschoben. Und jetzt Wünschte man sie herbei. Sobalö Herr Vulfran, durch eine Nervenerschülte ?ung aufgerüttelt, wieder ein Interesse n seinen Geschäften nähme, an der Vrbeit, an allem, was fein Leben ausmachte, könnte man vielleicht schon in naher Zukunft zu einer Operation schreiten, und um so mehr mit günsr.gem Erfolge, als man nun die heftigen Aufregungen eines Wiedersehens, eines Todesfalls nicht mehr zu gewärtigen hätte, was beides, einzig vom Gesichtspunkte der Operation aus betrachtet, gleich gefährlich erscheinen mußte.

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Aber wie sollte man diese heilsame Erschütterung herbeiführen? Das gab viel zu denken, und man konnte keine Antwort auf die wichtige Frage finden, denn Herr Vulfran schien der Außenwelt völlig entfremdet. In fcer Zeit, die er im Zimmer zubringen mußte, lieh er weder Talouc! noch seine Neffen vor sich, und dem Direkter, der sich zwei Mal des Tags, am Morgen und am Abend, ehrerbietig zu Befehl stellie. gab er immer nur durch Bastien die Weisung: Entscheiden Sie nach Ihrer Einsicht." Und als er das Bett verlassen konnte und wieder in sein Äureau kam, ließ er sich nur oberflächlich von dem. was Talouel mittlerweile entschieden hatte. Bericht erstatten Talouel, der so geschickt, gewandt und klug zu Werke ging, daß er keine Verfügung traf, die der Prinzipal nicht selbst auch getroffen hätte. Unachtct dieser stumpfen Fühllosigkeit mußte ihn Perrine, wie ehc mals, in die verschiedenen Fabriken fahren, nur wurde unterwegs nicht-' gesprochen, und höchst selten gab er ih: auf die Bemerkungen, die sie hin und wieder an ihn richtete, eine Antwort; in den Fabriken selbst lieh er den Mcldüngen der Direktoren kaum sein Ohr. Tas Beste ist," sagte er gewöhnlich, wenn Sie sich mit Talouel verstänöigen." Wie lauge sollte dieser Zustand noch dauern? Eines Nachmittags, als sie von dem Umgang durch die Fabriken zurücklehrten und sich Maraucourt im schläft rigen Trotte des alten Pferdes wieder näherten, hörten sie ein Trompetensignal, das ihnen der Wind zutrug. Halt an," sagte Herr Lulfran, es scheint das Fcuerjignal zusein." 2tx Wag hielt an, man hörte

lie Trompete deutlicher. brennt," sagte Herr Vulfran, siehst Du etwas?" !ine große schwarze Rauchwolke." In welcher Richtung?" Hinter den Pappeln, die die Auslicht vereaen; ich konn mich nicht zurechtfinden." Rechts oder links?" Mehr lint's." Links, da lag die Fabrik. Soll ich Goco in Galopp setzen?" fragte sie. Nein, aber fahre rasch zu." Beim Näherkommen hörten sie die Signale immer deutlicher, aber da die von Pappeln besäumte Straße wundcrliche Weisungen durch die Torfbrüche machte, konnte Perrine noch i:::rner nicht genau angeben, von wo der Rauch aufstieg; es schien von der Mitte des Dorfes und nicht von der Fabrik. Sie sagte das zu Herrn Vulfran, der aber nichts darauf erwiderte. In ihrer Meinung wurde sie noch bestärkt, als man das Trompeten jetzt entschieden von links, das heißt aus der Umgebung der Fabrik hörte. Man trompetet nicht da, wo das Feuer ist," sagte sie. iin ganz richtiges Urtheil," erwiderte Herr Vulfran. Er gab aber diefe Antwort in einem fast gleichgilligen Tone, als ob es für ihn kein besonderes Interesse hätte, zu wissen, wo es eigentlich brennte. inst beim Einfahren in s Dorf erhiel'.cn sie Gewißheit. Beeilen Sie sich nicht, Herr Vulfran," rief ihnen ein Landmann zu, es brennt nicht bei J'hnen, das Haus der Tiburce brennt." Tie Tiburce war eine alte, dem Trunk ergebene Frau, die kleine Kinder in Pflege hatte, die noch zu jung waren, um in ein Kinderasyl aufgenommen zu werden: sie bewohnte eine elende, baufällige Hütte hinten in einem Hofe, in der Nähe des Schulhauses. Gehen wir hin." sagte Herr Vulfran. Man brauchte nur dem Menschenström zu folgen; und jetzt sah man den Rauch und die Flammen in Wirbeln über dem Hause aufsteigen, und man athmete Brandgeruch. Ehe sie an die Brandstätte gelangten, mußten sie anhalten, um die Neugierigen, die sich um nichts auf der Welt stören ließen, nicht zu überfahren. Da stieg Herr Vulfran aus und schritt, von Perrine geführt, durch die Menge. Als sie sich dem Haui'eingang näherten, kam ihnen Fabry. den Feuerhelm auf dem Kopfe, denn cr war Kommandant der Fabrikfeuerwehr. entgegen: Wir sind des Feuers Meiner," sagte er, aber dos Haus ist vollständig arsgebrannt. und was das Schlimmste ist. es sind mehrere Kinder fünf oder sechs vielleicht, umgekommen; eins ist unter den Trümmern begraben, zwei sind erstickt, von den drei anderen weiß man nichts." Wie ist das Feuer ausgebrochen?" Die Tiburee ist , betrunken eingeschlafen sie ist es noch immer die größeren Kinder haben mit Streichhölzern gespielt; als schon alles in Flammen stand, haben sie sich gerettet, die sinnlose Tiburce that das gleiche und vergaß die Kleinen in der Wiege." Ein Wehklagen kam aus dem Hofe, von lauten Ausrufungen begleitet; Herr Vulfran wollte sich nach dieser Seite hinbegeben. Gehen Sie nicht dorthin," sagte Fabry, es sind die beiden Mütter der erstickten Kinder, die so jammern." Wer sind sie?" Arbeiterinnen aus der Fabrik." Ich muß mit ihnen reden." Er stützte sich mit der Hand auf Perrines Schulter, um ihr zu bedeuten. daß sie ihn leiten solle. Hinter Fabry her, der ihnen Platz machen ließ, traten sie in den Hof. wo die Spritzenleute die Trümmer des

Haufes. von dem nur die vier Umfassungsmauern stehen geblieben waren. löschten, und unter den Wasserstrahlen loderten Flammcnwirbel prasselnd von diesem Feuerherde auf. In einem entgegengesetzten Winkel hatten sich Weiber zusammengedrängt, aus deren Mitte das Wehgeschrei kam, das sie gehört hatten. Fabry theilte den Haufen auseinander, und Herr Vulfran, von Perrine geleitet, trat zu den beiden Müttern, die ihre Kinder auf dem Schooße hielten, hin. Eine von ihnen, die am lautesten jammerte, mochte glauben, es nahe sich eine übernvtjche'Htlte; als ne aver erkannte, daß der Erscheinende nur der FabrikHerr war, streckte sie ihm drohend einen Arm entgegen: Wollt Ihr sehen, was man mit unseren Kindern anstellt, während man sich für Euch abschindet? Könnt Ihr ihnen vielleicht das Leben wiedergeben? O mein armes Kleines!" Und sich über ihr Kind niederbeu' gend, stieß sie entsetzliche Jammertönc aus. Einen Augenblick blieb Herr Vulfran unentschlossen stehen, dann sagte er zu Fabry: Sie hatten recht; wir wollen weitergehen." Sie kehrten zu den Bureaus zurück, und nun war von der Feuers brunst nicht mehr die Rede, bis zu dem Augenblickc, wo Talouel kam, um Herrn Vulfran mitzutheilen, daß sich von den sechs Kindern, die man todt geglaubt, drei woul und gesund wiederaer'mden hätten, und zwar bei Nachbarsleuten, zu denen man sie in der ersten sinnlosen Verwirrung gebracht hatte; so waren es also thatsächlich nur drei Opfer, die übermorgen begraben werden sollten. Als sich Talouel entfernt hatte, entschloß sich Perrine, die seit der Rückkehr in die Fabrik tief in Gedanken versunken gewefen war. das Wort an Herrn Vulfran zu richten. Werden Sie nicht vielleicht diesem Begräbniß beiwohnen?" fragte sie mit einem Beben der Stimme, das ihre Gemüthsbewegung verrieth. Warum sollte ich das?" Weil es Ihre Antwort wäre die edelste, die Sie aeben könnten auf die Anklagen jenes armen Weibes." Sind meine Arbeiter zur Trauerfeier meines Sohnes gekommen?" Sie haben nicht an Ihrem Schmerze teilgenommen, wenn aber Sie ihnen. Theilnahme bei dem Leide zeigen, das auf sie hereingebrochen ist. so ist dies auch eine Antwort, und eine, die man verstehen wird." Du weißt nicht, wie undankbar der Arbeiter ist." Nicht wahr, der Arbeiter soSte dankbar sein für den empfangenen Lohn? Ja, da mag es oft am Danke fehlen, und das kommt vielleicht daher, daß der Arbeiter das empfangene Geld mit ganz anderen Augen ansieht als der. der es ihm gibt; er denkt, er habe ein Recht auf das Geld, das er mit seinen Händen verdient hat. Diese Undankbarkeit besteht vielleicht, wie Sie

meinen. Aber rncht dankbar sein für ein Zeichen von Theilnahme, für freundschaftlichen Beistand glauben Sie, damit verhalte sich's ebenso? Freundschaft erzeugt Freundschaft. Man liebt die, von denen man sich geliebt fühlt; und mir scheint es, wenn wir uns zu Freunden der Anderen machcn. so machen wir diese Anderen auch uns zu Freunden. Es ist verdienstlich, das Elend der Unglücklichen zu lindern, aber noch viel verdienstlicher ist es. ihren Schmerz zu lindern. ze hätte, wie ihr deuchte, noch vieles in diesem Sinne sagen können, doch da Herr Vulfran nichts erwiderte, ja nicht einmal zuzuhören schien, wagte sie nicht fortzufahren. Später ließe sich vielleicht der Faden wieder anknüpfen, dachte sie. Als sie an Talouels Veranda vorüberkamen, um in's Schloß zurückzukehren, blieb Herr Vulfran bei dem Direktor stehen und sagte: Lassen Sie den Pfarrer wissen, daß ich die Beerdigungskosten für die Kinder übernehme. Er möge eine würdige Trauerfeier anordnen; ich werde ihr auch anwohnen." Talouel schnellte in die Höhe vor Erstaunen. Lassen Sie anschlagen," fuhr Herr Vulfran fort, daß alle die, die sich morgen in die Kirche begeben wollen, frei haben: es ist ein großes Unglück, diese Feuersbrunst." Wir sind aber nicht verantwortlich dafür." Unmittelbar nicht." Die war nicht die einzige Ueberraschung für Perrine; am anderen Morgen, nach Abhörung der Korrespondcnz und nach der Besprechung mit den Direktoren, hielt .Herr Vulfran Fabry zurück. Sie haben gerade nichts Dringendes im Werk, denke ich?" Nein, mein Herr." Nun, dann machen Sie sich auf die Reise nach Rouen. Ich habe erfahren, daß man dort eine Musterkrippe, eine Kleinkinderbewahranstalt, gebaut und sich dcrbei die zweckmäßigsten Einrichtungen von anderwärts zu Nutze gemacht hat; nicht die Stadt hat diese Anstalt errichtet, sondern ein Privat mann als wohlthätige Stiftung zu einem theuren Gedächtniß. Studiren Sie diese Krippe in allen Einzelheiten: Bauart, Heizung, Lüftung, Herstellungskosten und Unterhaltungskosten. Dann erkundigen Sie sich bei ihrem Erbauer, welche Krippen er sich zum Vorbild genommen hat. Diese studiren Sie auch und kommen so schnell als möglich wieder zurück. Wir müsscn, ehe drei Monate vergangen sind, solche Krippen am Eingang aller mei-

ner Fabriken eröffnet haben; ich will

Nlcht, daß sich etn solches Unalück wie das vorgestrige wiederhole. Ich rechne auf Sie. Wir wollen keine solche Verantwortung mehr auf uns laden." Am Abend wurde die Unterrichtsstunde, die Fräulein Schönmann Perrine gab, die diese erstaunliche Neuigkeit der begeisterten Lehrerin erzählt hatte, durch Herrn Vulfrans Eintritt in die Bibliothek unterbrochen. '(Fortsetzung folgt.) gOo 0OO0 0OO0 0OO0 oQQo 0QO0 0g Unter O 0 8 schwerem Verdacht, i o o O ,, o g li0:nan von g UM von Teo von Torn. Qo 0OO0 0OO0 0000 0OO0 0OO0 oc8 1. K a p i t e l. (jl chon vor einigen Minuten hatte es halb Eins geschlagen, als (Z der Regierungsafsessor Gust oon Damrstadt, aufgeräumt wie selten, quer über den Marktplatz seinem Hotel zustrebte. . Ein stark in die Länge gezogener bcndschoppen heute. Aber was sollte Flau sonst auch anfangen in dem weltverlorenen Neste der deutschen Ostmark. Wenn, wie heute einmal, drei Menschen usammentrafen, die richtig deutsch prachen. so war das ein Fest und Hefte müssen eben gefeiert werden. Der Assessor hatte den Paletot nur Über die Schulter geworfen und trälierte lustig vor sich hin. Nachdem er aber das Kopernikusdenkmal umschritten, unterbrach er seinen Singsang und stutzte. Mit etwas unsicher tastenden Bewegungen zerrte er sein Augenglas hervor und musterte die Fensterreihe im zweiten Stock des nun vor ihm liegenden Hotels. Dort rechts waren seine Zimmer; vier Fenster nach dem Markte zu. Zwei davon waren erleuchtet besonders hell das äußerste, gegenüber der Flurthür gelegene. Komisch. Und das Licht veränderte sich nicht. Er sah sich um, ob vielleicht der Widerschein des Mondes oder die erleuchteten Fenster des Rathhauses sich in den seinen widerspiegelten. Nichts. Der Himmel war hell gestirnt, aber Der Himmel war hell gestirnt, aber der Mond nicht zu sehen, und die hohen Fenster des Rathhauses schauten leer und düster auf ihn herab. Ach was" brummte der Assessor vor sich hin, natürlich ist Janek, das Kameel, noch oben gewesen und hat die Kerzen brennen lassen. Wer sollte sonst auch! Ich selbst war seit Mittag, nicht zu House. Werde dem Janek morgen die Ohren schrauben." Damit pfiff er sich eins und lautete den Portier heraus, der ihn nach ein paar Minuten grämlich und verschlafen einliest. War Jemand bei mir oben?" Nein, Herr Assessor." Bleiben Sie nur hier," wehrte Gust von Tamradt den Mann ab, welcher sich anschickte, ihm in seinen gestrickten Unterhosen und grostmächtigen FilzParisern voranzuschlürfen. Ich finde mich schon zurecht. Morgen wecken, wie immer. Gute Nacht." Dobra noc, panie u (Gute Nacht, Herr) knurrte der Portier in seiner Verschlafenheit polnisch und zog sich hüstelnd in seine neben dem Bureau des Hotels gelegene Loge zurück. Der Assessor stieg die zwei mit zerschlissenen rothen Läufern ausgelegten Treppen empor und passirte ziemlich geräuschlos den von einer einzigen Gasflamme spärlich erleuchteten Korridor. An die Beobachtung von vorhin dachte er schon so wenig, daß ihn die . n ev i x . .. I vor den yuren ausgeneuien cyuqund Stiefelpaare interessirten elegante und grobgenagelte, leichte und massive, vierschrötige Ehausseetreter und Alle Wetter, sind das Schühchen'." Dieser Ausruf galt einem Paar Schuhe, die vor einer Thür nahe der feinigen standen. Emsache Damenschuhe von feinem braunem Cbevreau, schmucklos, aber winzig wie für ein Kind. Er nahm einen derselben leise auf und betrachtete ihn kopfschüttelnd. Ein Lavendelduft ging von dem Sckuh aus ein Geruch, der ihm sonst nicht gerade sympathisch war, in diesem Moment aber seine Sinne in ganz eigenthümlicher Weise gefangen nahm. Er stellte den Schuh vorsichtig wieder neben den anderen und wandte sich seiner Thür zu. Etwas wie Unbehagen überkam ihn. als er den Schlüssel nicht an dem bestimmten Nagel vorfand, sondern ihn im Schloß stecken sah. In der geöffneten Thür prallte er wie von einem Schlage getroffen zurück. Dort auf feinem Sopha faß eine weibliche Gestalt. Vor ihr auf dem Tische ein tief herabgebranntes Licht, dessen lebhaftes Flackern gespenstische Schatten über das wachsbleiche Gesicht und die geschlossenen Augen warf. Sie schlief nicht. Ihre Haltung war aufrecht, ohne Anlehnung an die Kissen des Sophas, regungslos und wie aus Marmor gemeißelt. Der Assessor führte beide Hände an die Stirn. Träumte er? Oder hatte er so des Guten zu viel gethan heute, daßEr wachte er war nüchtern. Gir.

fühlte den Pfosten der Thur, an den i er sich jetzt mit der Rechten stützte; die I

Lmke war kalt von Schweiß, welcher in grcßen Tropfen ihm auf die Stirn nal. Er wollte rufen, aber die Kehle war ihm wie mit eisernen Klammern zugedrückt. In den eisigen Schreck, der ihn durchrieselte, mischte sich halb unbewußt Bewunderung und Staunen über die Schönheit dieses Wesens, das dort im weißen Nachtgewand, mit lang herabwallendem, aschblondem Haar in seinem Zimmer saß. Die dunklen Wimpern warfen tiefe, bewegliche Schatten auf die Wangen, und wenn das Licht aus dem letzten zerfließenden Neste der Kerze aufflackerte, dann schimmerte das Blut rosa durch die feinaeformten Nasenflügel und das ihm zugewandte kleine Ohr. Jede Linie des Antlitzes war selbst in dieser Erstarrung von berückender Schönheit. Ein weites, weißes Batistnachtgewand, bis an den Hals geschlossen, verrieth in seinen weichen Falten ein wundervolles Ebenmaß der Glieder. Unter dem spitzenbesetzten Saume waren die rosigen Zehen eines nackten Füchens sichtbar. Aber nur die im Schooße gefalteten Hände verriethen Leben; da er mit wirren Augen auf sie blickte, schienen sie sich fester zu schließen. Er mochte wohl ein. zwei Minuten so gestanden haben, als sein Fuß, den er leise erhob, gegen die Schwelle stieß. Die Gestalt erhob sich richtete sich auf; immer mit geschlossenen Augen und ohne daß ein Athemzug ihre Brust merkbar hob ging sie langsam zum Fenster. Sie erhob den Arm, so daß der weite Aermel bis zur Schulter zurückfiel, und öffnete den Riegel. Ein kalter Luftstrom machte ihr Haar aufflattern und verlöschte die Kerze. Es war dunkel, nur vom Korridor her malte sich ein matter Lichtstreif, so weit es die Thüröffnung zuließ, auf der seitlichen Wand. Die Gestalt stand oben auf dem schmalen Fensterstms noch eine Sekunde dann Mit einem unbewußten Schreckensruf stürzte der Assessor auf ste zu, riß ste in's Zimmer zurück und brach dann bewußtlos zusammen. Das Letzte, was er wahrnahm, war ein starker Duft von Lavendel. Als Gust von Damradt erwachte, war es Tag, und er fand sich in seinem Bette. Sein erstes Empfinden war neben leichten Kopfschmerzen Aerger über sich selbst, auch einige Besorgniß. Ein gesunder Mensch, alter Korpsstudent, modern und aufgeklärt und folche verrückten Phantasien! Das war entweder lachhaft oder bedenklich. Gleich darauf trat der Kellner ein, welcher ihn Morgens stets bediente. Wie befinden stch der Herr Assessor?" fragte er, ihn thcilnchmend und neugierig zugleich musternd. Wieso befinden?" Nun, der Herr Assessor waren doch nicht wohl heute Nacht. Der Janek fand Sie dort auf dem Teppich, lang ausgestreckt, und Fenster und Thür offen" Herr von Damradt fuhr jäh empor. Mensch, was was sagst Du? Fenster und dann hätte ich also nicht geträumt?" Ter Kellner wich vor dem verstörten Gesichte ängstlich zurück. Der Herr sind noch nicht ganz " stotterte er und schob sich vorsichtig zur Thür. Als er schon die Klinke in der Hand hatte, warf er einen Brief auf das Bett. Das sollte ich abgeben von der Dame auf Nr. 14, die heute früh mit bern ersten Zuge abgereist ist." Sprach's und drückte, sich mit einer Geschwindigkeit aus der Thür, welche diesem slavischen Burschen sonst nicht eigen war. Der Anessor riß den länglich geformten, perlgrauen Umschlag von dem Billet und las: Mein Herr! Eine Begegnung heute wäre mir peinlich. Sie werden das begreisen. Ich reise daher mit einem früheren Zuge, als ich beabsichtigte. Aber danken möchte ich meinem Retter doch. Sobald Sie in Berlin sind, werden Sie hören von Nora B la nc." . Noch etwa vierzehn Tage war Gust von Damradt nach dieser denkwürdigen Nacht in der westpreußischen Festungsstadt beschäftigt. Ohne irgend eine vorgefaßte Absicht, sprach der Assessor zu Niemandem über den Vorfall. Und ein paar Tage fpäter dachte er kaum noch daran. Es ging ihm wie allen ernst und angestrengt beschäftigten Menschen. Ereignisse auch von tieferer seelischer Wirkung verlieren sich bald in planmäßiger Thätigkeit. Drängen sie sich dann in Mußestunden der Erinnerung wieder auf, so sind sie abgeblaßt und weichen alsbald den durch den lebendigen Tag gegebenen Vorstellungen, Plänen, Hoffnungen und Erwartungen. Gust von Damradt !raf in Berlin ein, ohne im Geringsten an die Begegnung mit der geheimnißvollen Unbekannten nd an deren briefliches Versprechen zu denken. Der ihm vorgesetzte Landrab hatte z?l ixiin Ms Hieve sevr oerznco ferne Anerkennung sgesprochen. Die Arbeit sei so glänzend erledigt, daß er an den Lerrn Qbervrädttiten und hitftr

an den Minister in Berlin entspr.-chend berichtet habe. Der Assessor war also in gehobener, erwartungsfrohe? Stimmung, als ihn eine schnelle Droschke vom Schlestschen Bahnhofe nach seiner Wohnung brachte Es war ihm aufgegeben worden, sich gleich am Tage seiner Ankunft im Ministerium des Innern zu melden. Und er knüpfte daran die besten Erwartungen Seit Jahren schon wohnte er in einem Hause der Wallner-Theater-straße, bei einem angejahrten Junggesellen. der durch verfehlte Bauspekulationen den größten Theil seines einst beträchtlichen Vermögens eingebüßt hatte und nun als Sechsdreierrentier" von schmalen Zinsen und der Monatsmiethe seines mvblirten Assessors" lebte. (Fortsetzung folgt.)

Feuer - Signale. i Pnmsylv nd artet 6 English' Oy-Hau 6 East und Ne Fort 7 Noble und Mchlgan 8 N. Jrrlky u. Mass Äd 9 Pme und Norch 10 Market und Pin? 11 Vermont nah East 12 Nz. 8 EpritzenhcuS Maff. nay Noble !Z TZwarc und Walnut 14 R. Jersey Central. 16 Waff. und ÄorncU Av :e Asb und ,i. Straße .7 Var! Ave und 12 Etr .8 Columbia und Hillftd 19 Higbland Av u. P,att tl Illinois und St. I S3 Pennsylv. und Pratt U Mendian und 11. Str 15 No. 5 SprizenhauS 15. nahe JllinoiS 26 Senate Ave u. LtLlar? 27 Illinois und Michigan 2 Pksvlvania und 14. 10 Senate Av. und 13. 31 No. i Spritzenhaus JndAvenabKizem 32 Meridian und Wlnut 34 California u Vmnont 35 Blake nd Ne York 36 )nd. Av. u. St, 6 lau 37 City Hospital 38 Blake und Norty 39 Michigan und Azne tl No. Spritzenhaus Washington nahe West. 2 Gsendors u Wash. 43 Missouri u New Kort 5 Meridian u Wash 46 JllinoiS und Obio 47 Capitel Av. u Dasl) 48 Kmgan'S PorkhauS 49 Straßenbahn Stalle W. Washington Str 51 No. 10 Spritzenhaus Illinois u MerrUl 52 Jl?invtS u Louisiana 53 Wett und South 54 West und McCartp 56 Senate Av. u Henry 57 Meridian und Rav 58 No. 4 Spritzenhaus Msdison Av. u Rorri 55 Madison Av.u Tunloy 61 No 2 Haken Leitrrhaus South nahe Dklawar, 6 Penn, u Merrill 63 Delaware u. McCarty 4 ast und Sfcferty 65 New Jersey u. RerriN 67 Birg. Av. u Bradsha 68 East und Prospekt 69 Bicking und High 71 Ro. ll Spritzenhaus Bir Ave. nahe Huron 72 East und Georgia 73 Cedar und Etat 74 Davidson u Seorgia 7$ Englifh Av. u Pin 7 Shelöy und Batet 78 No. 3 CpritzenbauS Prosvect nahe Sbelby 79 Fletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Jersey 82 Delaware und Wash. 83 Eatt u Washington 84 New York u. Tavidsor 85 Taubstummen Anstalt 86 Ber. Staaten Arsenal 7 Qriental und Wash. 9 Fraucn-Resormat. 91 No. 13 Spritzenhaus Mary land nal Mer. 92 Meridian u. Vcorqia. 93 Meridian und South 94 Penni'ylv u. Lomfiana 95 Birgini, Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 rand Hotel. 98 Capital Ave und Obio .23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ast). 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und 15. 126 ?)nds und 15. 127 Brooksid und Jupiter 128 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 1,31 Alabama und 11. 132 Bellesontaine und V. 134 College A und 20. 135 DIawar und iZ. 136 Alabama und Rorth 137 Newmann und 19. 133 Collkge Ave und 14. 13s Ecrncll Av und 13. 141 Aandes und IS. 142 Highland Ave und ifl. 143 Decumseh und io. 145 New Jersey und 2. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus HiLstd Ave uno 16. 148 College Ave und 22. 149 College Ave und 27. 152 Park Av und 2. 15 L E u. W Bahn u. 22. l54 Ramsey Ave und io. 156 Stoughton u Newman 157 AtlaS und Pike. i Bloyd und Pawyaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood 12 Ar den und Depot 163 Biightwood nd 2b. 164 Nural und Bloyd 165 St. Clair u. eyfton 167 Arsenal Av und 23. 168 Bellesontaine und 28, 169 Park Ave und 10. 212 Capital Ave und 7. 213 Pennsylv. u. Ruhigau 214 Jllinors und 2. 215 Senate Ave und 21. 216 Pennsvlvania und 22. 217 Meridian nd 16. 218 Capital Av und 26. 219 Broadway und 10. 231 ilinos und McLm 234 Ro. 14 Spritzenhaus Krnwcod und 30. 235 Illinois und 35. Annetta und 3. 237 No. 9. SprrgenhZUS Udeli und Raoer 238 Udell Ladd-r Worls 239 Jabel und 7. 241 Meridian ur.d 24. 24 i JllmviS u St. Utl 243 Cldrioae und 23. 312 West uud Walnut 313 West und 12. S14 Howmd nd 16. 315 Terbet und Pakt. 316 Capital Av und 10 317 Northwestern Ave u: 818 Gent und 18. 81 Sana! und 10. 524 Cerealine Works 324 Vermont nd tinr 325 Bismarck u GrandNlNr 326 Ro. 2 SvritzenyaS Haughvis'. 327 Michigar. u. Holm'S. 525 Michigan u. C-ncork S41 West '.nd 'tvr? 412 Missouri u. Marvlan! 413 Misiouri und rti 415 Csipitc! :'.vku Seorgu 416 WsHoN u Kentulkv .8 417 Senate Ave u. Wa'o. 4L1 P und S Runt'-uS W. WasbmgHoit. 423 Jrrm-Hosxital. 424 M'..ey v, n. I D u I 425 Wash. w; Harris 426 Ro. 18 Scritzenhau? ?3. Washington 427 Oliver und Birch 423 Oliver und Osgood 429 Nordyke und ?)ork 431 Hadley Ave u. Worrt 432 River Are u. Mornö A River A und Ray 435 Hardtng u. Big 4Ü3 436 Härtung und Olwn 437 No. 19 Sprttzenht,? Morris und Hardins. 48 Howard ucoBUUaa 499 StotvdS 451 Reisn und Miller 452 Howard nd Lee 453 MorriS und PW5 456 Lambert nd Beionl 457 Nordyke Ave u. !uax mon WorkS 512 West ud Ray 513 Aentucky Ave u. VerriS 614 Meridian und MorrtzS 516 JllinorS nd ansaS 17 Morris und Dakota 518 MorriS und E durch 519 Capital TL. u McCarty 621 Meridian und Palme 623 Pine im" Lord 624 Madlsor Avu kincol 26 Meridic.it und Belt A 627 CarloS und Ray 628 Meridian und Arizona 629 Meridian u. Raymond 631 Meridian u. McCarty 632 Ro. 17 Spritzenhaus Morris nahe Wett lt McKernanund DouA 613 East u. Lincoln n 14 Eatt und Beecher 616 Wnght und Sander 17 McCarty und Beary SIS New Jersey u Bir 712 Spruce und Prosvect -715 English Ar.. Lanrel 714 Statt Au. 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Die V bezeichneten Siana'e werden nur am Tyurn, Wächter tagcgcdcn da an den betreffenden SuahO kreuzunaen KW Alcn-mtttter angebracht sind.