Indiana Tribüne, Volume 26, Number 152, Indianapolis, Marion County, 18 February 1903 — Page 6

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Europäische Nachrichten

Provinz Hannover. M e l l e. Im Mühlenbache ertranken die 65jährige verwittwete Frau Rentmeister Frestel und deren 30jährige Tochter. M i s b u r g. Tcn Tod durch Ersticken fand Wr 860 Jahre alte Arbeiter (fngelhardt. der Morgens todt in seinem Bette gefunden winde. N e n n d o r f. Hier starb die Witt--we Margaretha Slsabea Fleeth, geb. v. Essen, im fast vollendeten 1Ö2. Lebensjahre. N i e n b u r g. Kaufmann Diedrich Draeger stellte seine Zahlungen ein. O e s s e l s e e. Tie Scheune des Landwirths Hennics ging in Flammen auf. Otiernhagen. Sein 5Ojhriges Dienstjubiläum feierte der Kantor und Lehrer Frömling. P e i n e. Pantinenmacher Otto Lenge hier machte seinem Leben durch Erhängen ein Ende. R e h b u r g. Eine Feuersdrunst vernichtete hier 14 Häuser und 4Scheunen. Frovtz Westsren. M ü n st e r. Professor Tr. Schro?der, Rektor der Universität Hierselbst, wird dem an ihn ergangenen Rufe an die neue theologische Fakultät in Straßburg Folge geben. Dem Amtsgerichtsrath Erzleben wurde der Titel Geheimer Justizrath", dem Landgerichtsrath Koppers der Rothe Adlerorden dritter und dem Amtsgerichtsrath Bucholtz derselbe Orden vierter Klasse perliehen. Tie genannten waren sämmtlich seit mehr als 20 Jahren hier als Richter thätig und traten in den Ruhestand. A r n s b e r g. Negierungs - Präsident 'Dr. Renoers hicrselbst wird als Landesdirektor in den rheinischen Provinzialdienst treten. Als sein Nachfolqer gilt Landrath Dr. 5)ammerschmidt in Gelsenkircben. B r a k e l. Dem Polizeidiener Johann Lippcnmeyer wurde das AlZgemeine Ehrenzeichen verlieben. Das Haus des Landwirths Miskus brannte nieder. B ü r e n. Hier fand die Einlührunq des neuen Bürgermeisters Äonnähme statt in Gegenwart d?s Landraths von Savigny. des Stadtvercrdneten - Kollegiums uno der städtischen Beamten. D i n k e r. Hofbesitzer Diedrich Annecke, genannt Wietkamp. erhielt den Kronenorden rierter Klasse. G r ö n e b a ch. Eheleute GastWirth Lichte feierten die goldene Hochzeit. Aus diesem Anlaß wurde dem aare die Ehejubiläumsmedaille rerliehen. Hennen. Sparkassen - Rendant und Gemeinde - ipfänger Friedich Braß wurde auf Anweisung der Aufsichtsbchörde verhaftet und iuefc, Jferlohn ins Untcrfuchungsgefängniß gebracht. Es handelt sich um bedeutende Unregelmäßigkeiten in der Sparkosten - Verwaltung, man spricht von 20,0(0 Mark. Herford. Verliehen wurde das Allgemeine Ehrenzeichen dem Eomptoirboten Heinrich Eate von hier. Hüffen. Landwirth Sündermann von hier, welcher jagte, kam bei der Verfolgung eines Wildes zu Fall, wobei sich das 'Gewehr entlud und die Ladung seinen fast 30jährigen Sohn tödtlich traf. I s e r l o h n. Amtsgerichtsrath I. Sasse konnte auf eine LZjährige Thätigkeit als Amtsrichter zurückblicken. L ö 1 s e l. Das Zlnwesen des LandWirtbs Rinke brannte nieder. P e ck e l s h e i m. Arbeiter 5)ermann Kon?e. der über 50 Jahre auf dem Gute des Bentzers tern beschäftiqt ist. erhielt das Allgemeine Ehrenzcickcn. Kheinprovtnz. Köln. Der Kaiser hat dem GeHeimen Sanitätsrath Dr. Lent und dem Bildhauer Wilhelm Albermann den Professortitel verliehen. Deiorationsmaler Martin Schaefer und die Firma I. Oppenhzimer jr. stellten ihre Zahlungen ein. Bonn. Geheimer Justizrath Profcssor Tr. Hermann Seuffert ist hier gestorben. B o p p a r d. Hier starb nach langem Leiden der frühere naSauische Generalsuperintendent Tr. theol. Earl Ernst im 69. Lebensjahre. Duisburg. Als Rechtsanwalt Künemann in der Nacht heimkehrte, nahm er einen scharfen Gasgeruch wahr. Beim Betreten des Badezimmers gewahrte er am Boden liegend seine Frau als Leiche. Künemann stürzte gleichfalls zu Boden; zugleich erfolgte eine Erplosion. die ihn schwer verletzte. Nur durch die Dazwischenkunft Anderer wurde Künemann gerettet. Der betrunken heimkehrende Fabrikarbeiter Schultze wurde von stiner Ehefrau erwürgt. Er hinterläßt zehn Kinder. Düsseldorf. Das Ritterkreuz erster Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen erhielten: Oberbürgermeister a. D. Friedrich Haumann, Beigeordnete? Dr. E. Wilms und Ingenieur E. Dücker. Dr. Jsraelski von hier wurde wegen Sittlichkeitsverbrechens verhaftet. In Concurs geriethen der Schuhwaarenhändler Peter Emmerich, Kaufmann Hugo Holzapfel und Kurzwaarenhändler Moses Berger. E s ch w e i l e r. Bei der Stadtver

ordnetenwabl für die dritte Abtdeilun

siegten die zur Wiederwahl stehenden Christian Vaksen und Wilh. Kieselstein sowie der neugewählte Stadtverordnete Metzgermeister Hubert Niehaus. Die Wahl der zweiten Abtheilung ergab die Wiederwahl der ausscheidenden Wilhelm Corsten und Peter Vogel. ' Esse n. Architekt Samuel Mar hier erhielt den Cöarakier Laurath. Hilden. Fabrikbesitzer Wilhelm Herminghaus ist als unbefoldeter Beigeordneter auf secks Jahre bestätigt wcrdcn. O h l i g s. Arbeiter Hugo Kran?n blickte auf eine 25jährige Thätigkeit bei der Firma Nippes und Plümacher hier zuriuZ. Solingen. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten Eduard Sonnenschein und Frau und die Eheleute Wasserlocs. Bahnmeister Arnolds von hier wird nach Hochdahl versetzt. Zfrcvttiz jßfen gialjau. Kassel. Ten praktischen Aerzten Dr. Eysell. Dr. Menche und Dr. Pfanntuch Hierselbst, ist der Charakter als Sanitätsrath verliehen worden. Beim Rangiren wurde dem Bremser H. Jüngling von hier die rechte Hand abgefahren. Militärpfarrer Dr. Jsekc hier ist zum Militäroberpfarrer in Saarbrücken ernannt worden. Ä s b a ch. Eheleute A. Brei! fcier ten die goldene Hochzeit. Frankfurt. Der vor Kurzem verstorbene Rentner Franz Anton Ge ring hat der Stadt 100,000 Mark zur Gründung eines Heims für alleinstehende, unbescholteneMädchen vermacht. Ueberfahren und schwer verletzt wurde der 4 Jahre alte Sohn desGastwirths Fudes. In Concurs geriethen der Pferdemakler Meier Meier und der Möbelhändler Adam Jost. Ter etwa zwanzigjährige Ferdinand Stumpf, der beim 80. Jnfanterie-Re-giment in Wiesbaden diente und die Weihnachtsfeiertage hier bei seinen Große Rittergasse 93 wohnenden Eltern verbracht hatte, wurde im Keller des Hauses Dreieichstraße 7 mit zerschmetterte? Schläfe todt aufgefunden. Fulda. Provinzial - Rabbiner Dr. Cohn hier konnre auf eine 2öjährige Amtsthätigkeit zurückblicken. Hanau. Dem Baurath Wohlfarth hier ist der Rothe Adler-Orden vierter Klasse verliehen worden. H o m b e r g. Redakteur Friedrich Reucker von hier erhielt den KronenOrden vierter Klasse. AIitterdetscl)e Staaten. A l t e n b u r g. Hier starb. 55 Jahre alt, der Commerzienrath Stephan Geibel, Inhaber der seinen Namen tragenden Verlagsbuchhandlung und Mitbesitzer oer Piercr'schen Hofbuchdruckerei Hierselbst. A l l r o d e. Der bisherige Gemeindevorsteher Lerche wurde für die nächften 6 Jahre wiedergewählt. Bernburg. Im Alter von 76 Jahren und 72 Jahren feierten hier die Sckuhmachermeister August Meyerchen Eheleute das Fest der goldenen Hochzeit. Oberpostkassen - Buchhalter Miehe ist als Ober - PostkastenKassierer und Postsekretär Trebitz als Ober - Postkassen - Buchhalter angestellt worden. Durch einen abstürzenoenBalken wurde der Zimmermann Friedrich Walkemer,er schwer verletzt. Förster a. D. Gustav v. Seidlitz feierte seinen 80. Geburtstag. Regent Prinz Albrecht hat das Gnadengesuch des wegen Ermordung der Dienstmagd Dora Voges zum Tode verurtheil'ten Dienstknechtes Heinrich Stoltze abgelehnt. B ü ck e b u r g. Im Schloßgraben ertrank der schon bejahrte Kutscher Rügge von hier Vorschullehrer Karl Gaul erhielt aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums das Tcnkzeichen für fünfzigjährige Diensttreue. Schneidermeister Adolf Najorek stellte seine Zahlungen ein. Harzburg. Bade - Commissär Major a. D. Kalbe ist hier an seinem 686. Geburtstage plötzlich am Herzschlag gestorben. Holz miNden. Postdire!tor Kesting hier wird nach Darmstadt versetzt. Privat - Sekretär und Auktionator Heinrich Bost von hier wurde in dem Augenblick verhaftet, als er am Schreibtische saß, um Abschiedsbriefe zu schreiben, da er sich erschießen wollte. Bost hat bedeutende Unterschlagungen verübt. Jena. Ter Senior der hiesigen medizinischen Fakultät, Gynäkologe Professor B. 'S. Schulze, feierte einen 75. Geburtstag. K o b u r g. ' Der bekannte ehemaliqe Intendant des hiesigen Hoftheaters, Konstantin v. Rekoiwsky, ist in Nizza gestorben. Er leitete die Geschäfte des Hoftheaters vomJahre 1887 bis 1894. K ö n i gs l u t t e r. Hier starb an einem schweren Gehirnleiden Dr. Albrecbt Graf v. d. Schulenburg, Pro fess?r an der Universität Göttingen. . K r e i e n s e n. Der Vorsteher der hienaenGüterabfertigungsstelle, Kappler. ist zum Stationsvorsteher beföv dert und nachHerzberg versetzt worden. K o s w i g. Die im ununterbrochenen Besitze einer Familie befindliche irma Aug. Opitz. Nutzholzhandlung, Dampfsäge- und Hobelwerke, Ziegelei, feierte da Jubiläum ihres 50jährigen Bestehens. L e h e st e n. Ein Brand äscherte hier den Weber'schen Gasthof und drei nebenanliegende Anwesen ein. - Bei den Löscharbeiten wurde der Feuerwehrmann Dressel von einem herabstürzenden ?al!?u aet'dtet.

Wie sich unsere Lotte verloöte

Von Margarete Stadler. Unsere Lotte ist die jüngste von fünf Geschwistern, der Liebling Aller, das ! Nesthäkchen. Aber man darf stch dr - halb nicht etwa ein überartes. verwöhntes Dingelchen vorstellen, ganz im Gegentheil. Sie ist ein großes, zwar schlankes, aber kräftiges Mädel mit einem dicken, braunen Defreggerzopf. großen, schwarzbraunen Augen und einem kecken Stumpfnäschen im W?iß und Roth ihres hübschen Gesichts. Sie ist immer luftig und immer auf den Leinen, in aller Morgenfrühe mit der Mutter in Küche und Milchkeller oder mit dem Vater auf den Feldern oder auf der Jagd. Natürlich beherrscht sie das ganze Haus, seit die beiden Schwestern an Gutsnachbarn verheirathet sind. Den Vater nennt sie Chef", zu seinem größten Gaudium, und die Mutter Kleinchen". Und wenn die beiden Brüder, zwei stattliche Gardeleutnants, zum Besuch kommen, heißt os: Nun sind unsere drei Junaens wieder mal beisammen." Denn von klein auf hat sich unsere Lotte mehr zu den Jungens wie zu den Mädchen gehalten.' Ihre Puppen saßen nothdürftig bekleidet alle mit- und durcheinander im Puppenwagen, wobei das Bby" gewöhnlich die Braut" auf dem Sckoohe hielt. Lotte aber tobte mit den beiden Brüdern Fritz und Karl und Oberförster Hausdorfs Gustav im Hof und Garten umher, und die ganze .ckelfamilie schloß sich mit jauchzendem Gebell an. Wenn die Lotte las oder lernte, that sie das am liebsten in luftiger Höhe, und man mußte noch Gott danken, wenn sie einem nicht plötzlich aus den Zweigen der großen Linde vor dem Haus, wo ste sich gern aufhielt, auf die Nase fiel. Doch diese Sturm- und Drangperiode" ging glücklich vorüber; Fiitz und Karl kamen nach Lichterfelde in die Kadettenfabrik", wie Lotte sagte. und Oberförsters Gustav wurde nach Berlin aufs Gymnasium geschickt. Damals hatte Lotte einen halben Tag bitterlich schluchzend auf der Lind? .ugcbracht, dann war sie wieder die Alte, wenn sie auch erklärte: Ohne die Jungs ist es bloß ein halbes Leben!" Aber auch das halbe Leben" machte ihr unglaublichen Spaß, da ste die seltene Gabe besaß. Menschen und Thüre mit warmer Zärtlichkeit zu lieben und allen Situationen die heiterste Seite abzugewinnen. Um so mehr mußte es uns auffallen, daß sie plötzlich, ohne besonderen Grund, anfing, stiller und gesetzter zu werden. Das früher mit schweigendem, aber leidenschaftlichem Haß behandelte Klavier wurde jetzt plötzlich als ..Lieblingsmöbel" behacktet, und ihre hübsche Stimme klang, wenn sie uns Abends all' die alten Volkslied?: sang, die wir so liebten, ordentlich zi Herzen gehend. Diese Veränderung datirte seit Helenes und Marth-as, ihre, älteren Schwestern, Doppelhochzeit. Was da eigentlich daran schuld war. läßt stch schwer sagen. Es war eine vergnügte Hochzeit; ich sehe noch den stattlichen Brautzug durch den sommerlichen Park zur geschmückten, kleinen Dorfkirche wandern. Voran die beiden strahlenden Brautpaare, dann unsere schmucken Husarenleutnants mit ihren Damen, den zwei Oberförsterstöchtern, hierauf Gustav in der kleidsamen Uniform des Forstreferendars mit der schönen Schwester von Helenes Bräutigams Hans Rudhardt. die noch dazu nicht nur über den poetischen- Namen Jnes" verfügte, sondern gleichzeitig die seltene Eigenschaft besaß, wienerisch zu sprechen, was ihr in den Augen unserer Jungen einen großen Reiz verlieh. Den Schluß des Zuges machte Lotte, ein eben ausgewachsener" reizender 16jähriger Backfisch, mit Georg Heller, dem Bruder von Marthas Bräutigam. Sie sah allerliebst aus im duftigen, weißen Kleid dem ersten wirklich langen! und einem Kränzchen von Äioosrosen im Kraushaar, und ich für meinen Theil fand sie viel schöner als die vielgepriesene Jnes. Aber eine Großmutter wie ich ist nicht unparteiisch im Urtheil, und da meine beiden Enkelsöhne sie für ein geradezu verführerisches Weib" erklärten, diesen weltmännischen Ausdruck waren ste dem Berliner Leben und ihrer Würd? schuldig! und versicherten. Gustav sei ebenfalls direkt weg", mußte ich mich bescheiden. Und als sie sagten: Ne, Großmutter, sei nicht böse, aber von Frauenreizen verstehst Du nickt die Bohne!" schwieg ich in meines Nickte durchbohrendem Gefühl. Auf. die unruhvollen Wochen, welch' der Hochzeit vorangingen, folgten um so stillere, und wenn ich auch meine Beobachtungen für mich behielt, so wa: ich doch überzeugt, die Lotte hatte irgend etwas". Nicht etwa, daß si sauertöpfisch war, o nein! Aber s' konnte stundenlang bei einer Näharbe sitzen, auch waren selten einmal i ' . gewohnten Schelmenstre che zu vr zeichnen. Und als im Winter die Bäl' kamen, tanzte sie zwar flott, versichr. aber offen: Lieber ist mir's schcr wenn ich nicht zu gehen brauche; es g. fällt mir nicht!" Dabei wurde ihre Stimme imm schöner, und wenn ste Sonntags in d .'tirche fang, so lauschte 'nicht nur t alte Kantor, ihr Lehrer, und wir, sodern die ganze Gemeinde mit innige Entzücken. So vergingen zwei Iah in den üblichen kleinen Leiden

Freuden des Alltags, die man auf einem großen Gut noch mehr empfindet als in der Stadt. Tages Arbeit. Abends Gäste. Saure Wochen, frohe

I Feste" stand nicht umsonst in Holzvrandarbeit über der Thu? unseres Eßzimmers. Im eigentlichen Familienleben hatt: sich nichts geändert, außer daß bei Rudhardts und Hellers dje Babies anlangten, welche Lottie mit Begerfterung hegen und pflegen half. Hausdorfs waren unsere häufigeli Gäste, und wir waren auch oft in der gemütblichen Oberförsterei, wo es. seit Gustav als Assessor dort zeitweise thätig war. noch hübscher war als vorher, wenn auch das jur?ge Volk den alten harmlosen Ton aus der Kinderzeit gar nicht so recht wiederfinden sonnte. Aber noch ein anderer war es, der jetzt unseren Kreis häufig ergänzte, und zwar der neue, junge Pfarrer Namens Neubert. Es war ein lieber, schlichter Mann, der Sonntags mit verklärtem Gesicht auf Lottes Gesailg lauschte und in der Woche endlose Konferenzen über den Kindergottesdienst, den ste leitete, und die von ihr treulich gepflegten Dorfarmen mit ihr führte. Natürlich dachte ich mir mein Theil, aber weder mein Sohn noch dieSchwiegertochter glaubten meinen Prophezeiungen. Bald aber kam. wie Fritz Reuter sagt, de Sak taum 'Swur". Es war ein schöner Sommerabend, nnd gerade fing es an, dämmerig zu werden. Ich saß mit meinem Strickzeug allein in meinem netten Stübchen auf dem Fenstertritt, von wo ich meine ganze Welt, in der ich jung gewesen und alt geworden war. überschauen konnte: den Garten, Gutshof und drüben am Walde ein Stückchen Gottesacker. Da klopfte es, und die Lotte kam herein. Großmutter," fing sie an und sah ganz bekümmert aus, denk Dir. ist das nicht schrecklich? Pastor Neubert hat um mich angehalten! Und Papa ist so unzufrieden, daß ich nicht Ja" sagen will." Ich streichelte ihr beruhigend die heißen Wangen. Und warum willst Du denn nicht, Kind? Hast Du ihn nicht gern?" Riesig gern sogar, Großmutter, das ist es ja eben! Es wird mir furchtbar schwer, ihm weh zu thun, aber richtig lieben thue ich ihn nicht, nicht mit der großen Liebe", weißt Tu. Und Papa sagt, das schadet nichts." Ja, Lotte, das ist eine schlimme Sache. Die große Liebe begegnet nicht Jedem. Und dann ist ste nickt immer glücklich und wenn man seinen Erwählten wirklich bekommt, dann hält sie nicht immer vor im Treiben und Sorgen des Alltags." . Aber ich möchte wenigstens ncch daran glaäben können, Großmutter." sagte ste und sah mich bittend mit den aroken. schwarzbraunen Auaen an. und ich kann mir auch nicht denrctl, i daß sie bei mir nicht vorhielte!" Da war ich nun geschlagen, denn das konnte ich mir auch nicht denken. Und so sagte ich nur: Wüßtest Du denn einen anderen, Lotte?" Da sagte sie nichts, sondern wurde dunkelroth, faßte mich um und gab mir einen langen Kuß. Er will mich aber nicht haben, Großmuttel," flüsterte sie ganz leise dann war sie fort. Der arme Pastor Neubert aber bekam in aller Freundschaft den Absagebrief, so schonend wie möglich. Sechs Wochen später stand bei uns wieder einmal das Haus auf dem Kopf, und es waren alle Hände voll zu thun zur Jagd, bei welcher Gelegenheit gewöhnlich viele Gäste kamen. Mariechen, meine Schwiegertochter, und LotU bereiteten riesige Schusseln Weißiauer. ! die Mamsell arbeitete von früh bis spät , mit dem Schweinemetzger, und durch das ganze Haus zog em köstlicher )un von frischem Kuchen. Fritz und Karl waren gekommen, und noch viel Besuch wurde erwartet, wofür es viel Arbeit gab. so daß man wirklich froh war, Abends bei einem Gläschen Punsch, den die Leutnants gemeinschaftlich mit ihrem altenFreund Gustav gebraut hatten, behaglich beisammensitzen zu können. Es war ein hübsches Bild, an welchem ich alte Frau meine Freude hatte. Die Oberförsterin und Mariechen saßen ' auf dem Sopha. und Flosste. die Teckelmutter. lag auf ihrem Schooß. mit den klugen Augen sinnend von einem zum anderen schauend, so daß sie interessirt dem Gespräch zu folgen schien. Der Oberförster und mein Sohn spielten Schach, und die jungen Leute ..machten Unstnn". und das helle, fröhliche Gelächter hörte nicht auf. Ueber Allem lag der milde Schein eines großen, zum Kerzenkronleuchter umgemodelten Hirschgeweihs, der so viel freundlicher ist. als das grelle Glühlicht. Auch meines lieben seligen Manes großes Oelbild war voll und warm beleuchtet, und er schien mit theilzunehmen an unserer Freude. Na, Kinder, jetzt laßt mal was Vernünftiges hören!" rief mein Sohn und klappte das Schachbrett zu. Lotte! Singen! Mir ist's liederlich" zu Muthe!" Es ist eine von Lottes guten Eigenschaften, daß sie sich nicht ziert, und i erklang denn bald eines unserer Lic. lingslicder nach dem andern. Aber jetzt habe ich eine große Bi' te," sagte , der Oberförster plötzl' ..die heimliche Liebe. Lottchcn!" U dann fing er selbst mit seinem dr nenden Baß an: Kein Feuer, sei Kohle " Lotte behauptete, die Noten vr'. zu haben und das Lied nicht ausw

big zu wissen aber die Brüder brachten cs im Triumph herbei, so daß keine Ausred' galt und die lielde. alte Weise durch's Zimmer zog. Ich weiß nicht, ich velfteb ja nichts davon und will gern glauben, daß Schubert und Schumann und Brahms und wie sie alle heißrn. viel schönere Sachen geschrieben Haben. Ader wenn sie jeßt so thun, als hatte man früher noch gar nichts getennt, das macht mich oröentlich böse '. Tie KlugschmöKer hätten nur einmal die Lotte boren sollen, reit sie die heimliche Liebe" 'sang ! Als sie geendet hatte, seufzte unsor Karl klaftertief". um mich seines eigenen Ausdrucks zu bedienen, und wiederholte mit unbeschreiblichem Ausdruck: Ach ja-a-a, von der nie-himand nichts weiß!" Die Mädchen kicherten, Lotte machte ein unglaublich unbefangenes Gesicht nnd Oberförsters Gustav hob mit großer Umständlichkeit eine Walnuß auf. die ihm entfallen war. Am andern Tage erschienen db übrigen Gäste, und das Mittagsessen zog sich bis lang in den Abend hin. Zu später Stunde wurde plötzlich ein Päckchen für Lotte abgegeben, und alö sie gar nicht damit erschien, trieb mich die Neugier zu ihr hinein. Sie stand mitten in ihrem kleinen, niedlichen Mädchenstübchen, das außcr Blumen und Kanarienvogel wenig Ueberflüssiges enthält, am Tisch und hielt

I etwas in der Hand, auf das sie mit , verklärtem Lächeln herabblickte und das stch bei näherer Prüfung als ein Pfefferkuchenherz erwies! Großmuttel, Du!" sagte ste leise, und dann fiel sie mir plötzlich um den Hals und weinte. Aber ich merkte es wohl, diese Thränen thaten ihr nicht w'h. Dann gab sie mir das merkwürdige Herz in die Hand. Es war ein recht gesckmackloes Ding, um der Wahrheit die Ehre zu geben. In weißer Zuckerschrift auf rothem Untergrund stand das ganze Lu'd von der heimlichen Liebe" darauf, von Kein Feuer, leine Kohle" bis wie treu ich es mein'" und Gustav" stand darunter. Ich schüttelte den Kopf, sagt.' aber kein Wort, um ihr die Freude nicht zu verderben. Lieber Gott, es ist nun einmal so! Wenn der Geliebte einen Petersilienstrautz sendete, um seine Gefühle zu erklären, so würde auch der freudige Gefühle hervorrufen; und sehr viel geschmackvoller fand ich das Herz auch nicht. Da aber stürmte jemand die Treppe herauf, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, und natürlich war das der Herr Forstassessor. In der Hand trug er ebenfalls so ein kleines, roth und weißes Ungeheuer. Lote" unterzeichnet, so viel ich sthen konnte. Lotte, hast Du mir das Pfefferkuchenherz geschickt?" hörte ich ihn noch lagen, dann gtng ich eilig zu den ndc ren hinüber, denn ich wußte, die Beiden hatten einander viel zu sagen. Gleichzeitig kam mir Aitzartig die Erkenntniß des näheren ZusammenHangs; ich ging also ins Wobnzimmer und kaufte" mir mein Enkelsöhnchen ' Karl. Es ist schade, mein Junge, daß Du keinen Pfeil und Bogen trägst oder ein Paar Flügel, sagte ich, i,o sanst ich konnte. Wie meinst Du das. Großmutter?" fragte er und versuchte kindlich-lieblich auszusehen. O, nur so." versetzte ich, es würde so gut zu Dir passen! Denn der andere Amor zielt doch nicht auf Pfefserkuchenherzen, so viel ich weiß." Großmutter, Du bist ein famoser Kerl!" sagte er anerkennend. Daß Du so schnell den gütigen Wohlthäter erkannt hast! Natürlich bin ich es. der das Herrliche vollendet! Kannst Du Dir denken, daß dieser Mensch, der Gustav, bis über die Ohren in Lotte verliebt ist und trotzdem warten wollte, bis er selbst genug hätte, um eine Frau zu ernähren?! Als Forstassessor! Aber zum Glück bin ich auch noch oa," fügte er voll Stolz hinzu, und reckte seine schlanke Gestalt hoch auf. Die zwei Scheusäler sind natürlich von mir. und nun wird die Jagd erst Spaß machen, weil er uns nicht immer die besten Prachtstücke vor der Nase wegschießen wird; Bräutigams treffen nie e?was! Aber ich muß gehen und den Alten vorbereiten." Währenddessen kamen sie denn auch an, glückselig und verlegen, die beiden Liebenden, um mit der Mutter zusammen. der sie inzwischen gebeichtet hatten. Papas Erlaubniß einzuholen. Natürlich wurde der dritte Sohn des Hauses" gern empfange, während Oberförsters strahlend die erwünschte Schwiegertochter umarmten. Und dann war der llgemeine Jubel groß, und als wir wieder alle um den runden Tisch im Wohzimmer saßen, auf welchem die große Punschbowle dampfte, erhob sich der Kantor und sagte: Ein volles Glas gebührt diesmal der Frau Musica und gnz besonders ihrem Diener, dessen Namen man nicht mehr weiß, der uns die schöne Weise erfand von der heimlichen Liebe"." Und unter all den Hochrufen, d?' nun folgten, merkte es niemand, daß Gustav und Lotte sich ganz ungennt einen Kuß gaben. Karl aber sah am Klavier und sana aus voller Kehle das alte Schnadahüpfl: Was braucht denn ein Jäger? Ein Jäger braucht nix Als ein schwarzbraunes Madel, Einen Hund und 'ne Bücks!

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