Indiana Tribüne, Volume 26, Number 151, Indianapolis, Marion County, 17 February 1903 — Page 6

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Jndtana Tribüne, 17. Februar 190S '

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Euroxäische Nachrichten.

J'rsVrnz ScHresw,g-LksrlZein. Schleswig. Gastwirth Petersen wurde von der Straßenbahn überfahren und erlitt so schwere Verletzungen, daß der Tod bald danach eintrat. B o r s f l e t h. Im Alter von 83 Jahren starb hier der in weitem Umkreise bekannte Gastwirth und frühere Strandvogt Claus Thiedemann zu Jvenfleth. Bünsdorf. Zum Prediger hierselbst ist vom Konsistorium Pastor Müller auf Amcum ernannt worden. Pastor Erichsen, der bis dahin hier Geistlicher war, wurde nach Hütten rcrsetzt. Fohlfeld. Das Anwesen des Landmanns Siercks brannte nieder. Hörupphaff. Arbeiter Heß und Frau begingen ihr 65jährigesEhejubiläum. Trotz ihres Alters, der Mann ist 89 und die Frau 91 Jahre alt, sind beide Gfcleuie sehr rüstig. Karolinenkoog. Auf eine 23jährige Dienstzeit blickte der Vrückenwärter Carstens zurück. Kiel. Zum Schloßhauptmann von Kiel ist Graf 5ahn - Neuhaus, welcher seit 'dem Jahre 138? KammerHerr der Frau PrinzessrnHeinrich war, vom Kaiser ernannt worden. Graf Hahn ist der erste Schloßhauptmann Hierselbst. Arbeiter Wilhelm Arndt versuchte einen Raubmord auf den Geldbriefträger Marienthal auszuführen. Er versetzte dem Beamten, dem er in einem Hausflur aufgelauert hatte, mit einem schweren Schraubenschlüssei einen Schlag auf den Kopf. Marienthal brach blutüberströmt zusammen, hatte indessen noch die Kraft, um Hilfe zu rufen. Daraufhin ergriff der Thäter die Flucht, wurde aber bald von seinen Verfolgern ergriffen. T ö n n i n g. An Stelle des früheheren Amtsvorstehers Hönck von hier wählte man den Amtsoorsteher Hansen in Uelvesbüll in den Kreisausschuß. W e st r e. Hofbesitzer Petersen von hier fand seinen Tod, als er ?inen5inaben retten wollte; auch der Knabe ertrank. Provinz ScHrcsten. Breslau. Die Kreisärzte Medicinalrath Professor Dr. Jakobi uno Dr. Hauschild sind zum Geheimen Medizinalrath bezw. zum Medizinalrath ernannt worden. Bestätigt wurde die Berufung des Lehrers Dittrich aus Cottbus und der Lehrerin Hildegard Seiler aus Sagan an städtisch: evangelische Volksschulen in Breslau. B e u t h e n. Die feierliche Einweihung des imposanten und in ganz modernem Stile errichteten Neubaues für die hiesige Realsckiule fand statt. G l o g a u. In das hiesige Elisabeth - Krankenhaus wurde der praktische Arzt Dr. Meißner aus Kuttlau eingeliefert, der in Krochcwitz in Aus ' Übung seines Berufs verunglückt war. G ö r l i tz. Wohl der älteste Lehrer Schlesiens, wahrscheinlich auch Preußens und ganz Deutschlands, wohnt bereits seit 1878, also volle 25 Jahre, in unserer Stadt. Es ist der 96Jahre alte Cantor und Lehrer em. Jentsch aus Rengers'oorf bei Marklissa. K a t s ch e r. Bei der gerichts'ärztlichen Section des angeblich einem Raubanfalle zum Opfer gefallenen Maurers Nowak aus Dirschel hat sich herausgestellt, daß eine vorsätzlich: Tödtung ausgescklossen erscheint. K ö n i g s h ü t r e. Der Magistrat beschloß die lange gewünschte Errichtung einer Markthalle und wird ein ausgearbeitetes Projekt dafür demnächst der Stadtverordneten - Versammlung vorlegen. Die Kosten sind auf 640.000 Mark veranschlagt. L i e g n i tz. Ter Ueberfluß an Wohnungen in unserer Stadt hat gegenwärtiq eine bisher noch nicht dagewefene Höhe erreicht; trotzdem aber wird unentwegt weitergebaut. Kür -lich waren 230 Jahre verflossen, daß Herzog Georg Rudolf von Lieanik das St. Johannisstift gestiftet hat. Aus Anlaß dieser Vierteljahriausend feier ist dem Akademie- und Stiitsrcndanten Günther für langjährig'.' treue Dienste der Kronenorden vierter Klasse verliehen worden. M a l l m i tz. Einem Brande fiel das Haus des Konditors Bruckauf zum Opfer. N e i s s e. Der Ober- und Neligionslebrer am städtischen Realgymnasium Neisse. Weinrick. ist dem konialichen Gymnasium in Sagan überwiesen worden. 0 p p t 1 n. Di:rch einen Volksunterhaltungsavend ist die Volksbibliothek mit der für den Anfanq stattlichen Zahl von 1700 Bänden eröffnet worden. V o r h a u s. In einem mit Wasser gefüllten Straßenbahngraben fand man die Leicbe des Arbeiters Emil Kentsch von bier. rsvrnz 'goleri. Posen. Justizrath Lewinski ist zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt worden. In Concurs gerieth die Firma Gebrüder Cohn. Bromberq. Sein 30jähriges Amtsjubiläum feierte Gymnasiallehrer Braun. G r o ß - G l i n n o w. Im Grünen Fließ in der Nähe von Jarken wurde der Wirth Rahn von hier todt aufgefunden. 1 n o w r a z l a w. In der Stadt-verordneten-Sitzung wurden -Horn-mercienrath Gvecke zum Vorjteher und Zimmermeister Volkmann zum StellVertreter wiederaewäblt.

L i s s a. Die Stadtverordneten wählten Justizrath Wolff zum Vorsitzenden, Rechtsanwalt Roll als dessen Stellvertreter, Schneider zum Schriftführer und Scholtz als dessen StellVertreter. R a s ch k o w. In der Generalversammlung des Landwehrvereins wurde der Distriktskommissarius Niedcl zum Lorsitzenden gewählt. S a m t e r. Zum Stadtverordneten-vorst-eher ist der Rechtsanwalt Petrich gewählt worden. Schneidemüh l. Bei einem Wohnnngsbrande erlitte der 3 Jahre alte Sohn der Eheleute Krause schwere Brandwunden. S ch w e r i n a. a. W. An stelle des aus seinem Amte geschiedenen Rathsfrenn Gustav Boas wählte man Kaufmann Adolf Stargardt. T r e m e s s e n. Gerichtsschreiber u. Kasscnrendant Weppner Hierselbst ist w.'gen Verdachtes der Unterschlagung amtlicher Gelder verhaftet und in'sUntersuchungsgefängniß nach Gnesen geschafft worden. Provinz Lachsen. Magdeburg. Dem Kriminalschutzmann Adolph Rudolph, dem Schutzmann - Wachtmeister Lepke und dem Schutzmann Ehrecke wurde das allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Wegen Diebstahls verurtheilte die hiesige Strafkammer den 21 Jahre alten 'Arbeiter Wilhelm Weinholz zu 9 Monaten Gefängniß. D i t t f u r t. ' Dachdecker Marquardt aus Thale. der beim Decken des neu erbauten Kirchthurms hier beschäftigt war, stürzte von diesem herab und war sofort todt. D ü b e n. Im Anwesen des Gutsbesitzers und Gemeindevorstehers Fichtner Hierselbst entstand Feuer, dem das ganze Gehöft zum Opfer fiel. H ö t e ns l e b e n. Der langjährige Repräsentant des consolidirten Brauntohlenbergwerks Viktoria". Direktor Kreß, trat von der Leitung des Werkes zurück und in den Ruhestand. Kalbe a. S. Eheleute David Leinung feierten die goldene Hochzeit. M e i s d o r f. Ihr goldenes Ehejubiläum begingen Ferdinand Wölfert und Frau. Naumburg. Dem Senatspräsidenten Schmidt Hierselbst ist der Charakter als Geheimer Ober - Justizrath mit dem Range der Räthe 2. Klasse verliehen worden. S ch ö n e b e ck. Weichensteller i. P. Friedrich Pielert und' Frau begingen ihre goldene Hochzeit. S t a ß f u r t. An Stelle des verstorbenen Geheimen Sanitätsrathes Dr. Geiß wurde Fabrikbesitzer und Stadtverordneten - Vorsteher Sauerbrey zum Kreistags - Abgeordneten gewählt. Tornau. Wohnhaus und Stallgebäude des Besitzers Weißwane brannte nieder. W e r n i g e r o d e. Bei der Ersatzirahl eines Mitgliedes 'der Handelskammer an Stelle des freiwillig ausgeschiedenen Fabrikbesitzers Lüders wurde der Chokoladenfabrikant Ronnenberg gewählt. W i n d b e r g e. Zum fünften Male brannte das An:resen des Amtmanns Fcicke Hierselbst nieder. Vor zwei Iahren wurde bereits Amtmann Friäe unter dem Verdacht der Brandstiftung mebrere Monate in Untersuchungshaft gehalten. Bei dem eingeleiteten Verfahren stellte es sich aber heraus, daß sämmtliche Brände auf Racheakte zurückzuführen waren. xovurt Znrrcrer. Hannover. Plötzlich vom Tode ereilt wurde infolge eines Herzschlags der Stationsvorsteher der Straßencentrale Kirchrode Heinrich Wagener. Ter Verstorbene hatte erst kürzlich sein vierundvierzigstes Lebensjahr vollendet. In der Leine fand man die Leiche des Arbeiters Georg Buschmann von hier, welcher sich vor einigen Wochen ertränkt hatte. Dem Dr. Wolf Block ist der Charakter als Sanitätsrath verliehen worden. A h r b e r g e n. Von der Straßenbahn überfahren und getödtet wurde bei Sarstedt der verheirathete. etwa 33jährige Cbaussee - Aufseher Kratzböra von hier, - B e v e n s e n. Die Eheleute Altentheiler Duenüng wurden in ihren Betten überfallen, arg mißhandelt und beraubt. Die Einbrecher, zwei vermummte Männer, nahinen zweiSparkassenbücher mit Einlagen von zusammen 1300 Mark, sowie 200 Mark in Gold mit sich und verschwanden dann im Tunkel der Nacht. Trüber. Schneidergeselle Binnewies wurde, als er von seiner Braut kam. überfallen und durch Messerstiche lödtlich verletzt. Als der That drinaend verdächtig ist der Tischlergeselle Seberen, der ein Nebenbuhler des Binnewies war. verhaftet worden. G i f h o r n. Ein Stallgebäude des Besitzers Heinrich Schulze brannte nieder. G ö t t i n g e n. Ordentlicher Professor in der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität. Geheimer Bergrath Dr. von Koenen. erhielt den Rothen Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife. Der bisherige Privatdo.ent Dr. Walter Kaufmann hier ist zum- außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Unirersität Bonn ernannt worden. Königreich. Zum GemeindeVorsteher hier ist der bisherige Gemeinbevorstehe? Johann Bröhan wiedergewählt worden.

' Pirginische Küsse.

Von Julius v Ludafsy. Es war schon elf Uhr vorüber, als ich in den Zug der Staatsbahn stieg, um nach Hause zu fahren. Das Coup war, der späten Stunde entsprechend, leer. Ich war der einzige Fahrgast. So setzte ich mich denn nieder und machte es mir bequem. Zunächst knöpfte ich mir den Winterrock auf, denn die Waggons der Staatsbahn Pflegen überheizt zu sein, und man erkältet sich leicht, wenn man den Zug verläßt. Bei dieser Gelegenheit kam mir in den Sinn, daß ich eine Zeitung bei mir hatte. Ich nahm sie aus der Tasche und entfaltete sie. Die Beleuchtung war nicht gerade sonderlich. Aber ich konnte dabei immerhin lesen. Aber was? Politik? Nein! Je mehr ich mich der Mitternacht nähere, desto weniger interessirt sie mich. Theater? Kunst? Noch wemger! Ich fühle mich abgespannt, ermüdet. schläfrig. Da fiel mein Blick auf eine kleine Notiz. Virginische Küsse!" Wahrhaftig, das muß interessant sein. Eine eigene Art von Küssen . . . man macht doch immer noch neue Erfindungen. Aber es handelte sich leider nicht um neue Küsse von unerhörten Wonnen. Es handelte sich einfach um den Antrag eines Dr. Ware. Dieser wackere Mann hatte dem Repräsentantenhaus in Richmond (Virginien) den Antrag, vorgelegt, daß das Küssen ohne besonderen Gesundheitsschein, bei Strafe von fünf Dollars für den Kuß, verboten sein soll. Meine Urtheilskraft war in diesem Augenblick nicht gar zu aufgeweckt. Aber immerhin kam mir der Vorschlag ein wenig utopistisch vor. Da müßten also Bürger und Bürgerinnen von Virginien, in deen die Liebe sich regt, zum Stadtphysikat gehen. Man stelle sich nun einen Jüngling vor, der dem Beamten die Mittheilung macht: Hochlöbliche Behörde! Ich wünsche kleinem Mädchen einen Kuß zu verabreichen und bitte demzufolge ergebenst um einen Erlaubnißschein." Es wäre wohl peinlich, aber doch möglich. Allein die virginische Jungfrau? Wie brächte sie ihr Ersuchen ohne Erröthen. ohne Beben, ohne Stottern über die blühenden Lippen? Und gar, wenn es zufällig die Tochter des Beamten gerade wäre, der das wichtige Aktenstück auszustellerk hätte! Nein,, ich bin überzeugt, die Damen von Virginien werden sich das Kußprivilegium unter keiner Bedingung ertheilen lassen. Sie werden nach wie vor diese diskrete Angelegenheit im autonomen Wirkungskreis . erledigen. Allerdings, jeder Kuß kostet fünf Dollars. Das ist ziemlich theuer. Aber schließlich kann man doch dafür sorgen, daß die löbliche Polizei nicht immer die sträflichen Küsse zählt und protokollirt. Es ist hiezu nur eine kleine Vorsicht nöthig: Beamte des Staates Virginien dürfen nicht geküßt werden. Tenn wer weiß, ob nicht einer von ihnen aus der Gunst, die ihm gewährt wird, für den Staat Kapital schlägt. Ich begann die armen Beamten zu bedauern. Und während das edle Gefühl des Mitleids niein Gefühl durchwallte, fühlte ich. wie mir die Augen zufielen. Das Rollen des Zuges, die Wärme um mich her. die Stille, das Alles lullte m:ch ein ... Plötzlich bemerkte ich. daß ich nicht mehr allein sei. Mir gegenüber saß eine Dame. Im ersten Augenblick beacbtete ich sie kaum. Aber bald faßte ick sie schärfer in's Auge. Und da gewahrte ich denn, daß sie schön war. schön wie ein Traumbild. Große blaue Augen mit einem süßen, sehnsüchtigen Blick, ein rother Mund mit schwellenden Lippen, Wangen, die an die Pfirsich gemahnten, und blonde, krause, kleine Löckchen um Stirne und Schläfe. Ein großer brauner Hut und ein Pelzkragen umrahmten das entzückende Gesicht. Ich weiß nicht, wie lange mein Blick auf den lieblichen Zügen geweilt haben mag, ich weiß aber, daß mein schönes Gegenüber mich mit cinemmal ansprach. Ihre Stimme klang sehr wohllautend. Ihr Accent war etwas fremdartig. Sie sagte: Sie halten eine deutsche Zeitung in der Hand. Ich nehme also an. daß Sie ein Fremder sind, und mache Sie in Ihrer Sprache darauf aufmerksam, daß es bei uns nicht Sitte ist. eine Lady in so unverschämter Weise anzustarren." Ein Lady? Ein Fremder? Es wurde mir etwas wcrblig zu Muthe. Verzeihen Sie, mein Fräulein", entgegnete ich, nichts liegt mir ferner als die Absicht, Sie zu belästigen. Ich habe Sie auch nicht angestarrt, wie Sie vermuthen, ich habe Sie nur bewundert. Sie zu bewundern aber ist meine Pflicht und Recht. Denn Sie veranlassen mich durch Ihre Schönheit dazu. Wenn Ihnen also mein Blick unangenehm war, so haben Sie sich dies nur selbst zuzuschreiben." Die Lady schien ein wenig begütigt. Nichtsdestoweniger entgegnete sie mir in strengem Tone: ..Mein Herr, es ist bei uns nicht Sitte, daß ein Mann mit einer Dame spricht, wenn er ihr nicht vorgestellt worden ist." Es ist Niemand da, der mich Ihnen vorstellen könnte," lautete meine Antwort. Gestatten Sie daher, daß ich dies selbst besorge." Sodann nannte ich meinen Namen. Und mein Name ist Lola Madison. Dr. Lola Madison Doktor?" fragte ich. .Ja. Doktor der Medizin. Ich habe

vor drei Wochen in Charlotteville das

Doktorhütchen erlangt, bin sogleich zum städtischen Arzt in Richmond ernannt worden und reise nun nach dem Orte meiner Amtsthätigkeit." Mir wurde immer wirbliger zu Muthe. Wie? Was? Wo? Sie fahren von Charlotteville nach Richmond? Ja. entschuldigen Sie. wo sind wir denn?" Natürlich zwischen Charlotteville und Richmond, der Hauptstadt von Virginien." Nein. Fräulein Doktor, das-ist unmöglich, ganz unmöglich; ich bin doch eben ... ich kann doch nicht plötzlich nach Virginien gerathen sein?" Ein silbernes Lachen. Gewiß. Sie sind in Virginien. Sehen Sie doch zum Coupfenster hinaus. Dort liegt Nord-Carolina, hier Tennessee. weiter rückwärts Kentucky und Maryland. Und sehen Sie doch dort drüben . . . Sehen Sie das Meer nicht?" Das Meer! Was ist das für ein Meer!" Was soll es denn für ein Meer sein? Es ist der Atlantische Ocean." Nun starrte ich wirklich. Ich starrte hinaus. Da lag es vor edm Coup6fenster, breit, unendlich, gewaltig, das Meer. Ich sah es deutlich, denn der Mond schien hell. Mir war, als würde ich träumen. Ich erhob mich und trat an das entgegengesetzte Coupfenster. Was sind denn das für Berge?" Das ist der Otter-Peak, ein Gebirgszug, der bis Allegheny reicht." Seltsam der Otter-Peak überzeugte mich. Es war mir vollständig klar, daß ich mich wirklich in Virginien befand. Wieso es gekommen war das verstand kh allerdings nicht. Aber es war mir nicht unwillkommen. Ich bin immer ein wenig europamüde geWesen, iesbesondere in den letzten Iahren. Offenbar hatte ich mich nun doch entschlossen, auszuwandern und mir in der Ferne eine neue Heimath zu suchen. Ich empfand ein Gefühl, als läge ein neues Leben vor mir. und frohen Muthes wandte ich mich meiner Reisegefährtin wieder zu. Fräulein Doktor, ich bin hier, wie ich sehe, völlig fremd. Ich bedarf also dringend einer landeskundigung Fühung, um mich in die neuen Verhältnisse hineinzufinden. Wie wäre es, wenn Sie unter solchen Umständen die besondere Güte hätten, mir Ihre schöne Hand zu reichen?" Meine Hand?" Ja. Ich frage Sie, ob Sie meine Frau werden wollen. Erschrecken Sie nicht. Es muß ja nicht für's Leben sein! Ich habe mir sagen lassen, daß Mann und Weib einander hierzulande . oox dem Altare ewige Treue schwören, daß sie aber nach einiger Zeit ebenso leicht wieder auseinandergehen. Also heirathen wir immerbin ein bischen, und wenn Ihnen meine Gesellschaft auf die Dauer nicht behagt, so lassen' wir uns dann gelegentlich auch wieder ein bischen scheiden. Ich bin zwar überzeugt, daß mir in diesem Falle das Herz mitten entzweibräche. Aber ich bin Ihnen gegenüber zu jedem Opfer bereit." Sie machen mir also einen richtigen Heirathsantrag! Und so rasch?" Ja mein Fräulein, so rasch! Wir in Amerika mögen in dieser Hinsicht nicht viel Federlesens!" Aber Sie kennen mich ja noch gar nicht!" ..Das ist es eben! Einander nicht zu kennen das ist die 1 natürliche Voraussetzung für jede Ehe. Ich liebe Sie. Ist das nicht genug?" Und wenn wir einander einmal kennen was dann?" ..Dann langweilen wir einander auch und dann ist die Stunde des Abschieds gekommen , bei uns in Amerika!" ' In der That, Ihre Art zu werben ist echt amerikanisch!" ..Also abgemacht." Abgemacht!" rief Lola und streckte mir ihre kleine, behandschuhte Rechte entgegen. Ich schlug ein. Alsbald zog sie ihre Hand zurück. Nun müssen Sie aber auch ersahren, welchen Kreisen ich angehöre", saate sie. Die Madison's gehören zu den besten Familien in Virginien. Meine Mutter war sogar eine Hopkins; und die Hopkins bilden, wie Sie wissen werden, den Adel von Kentucky. Mein verstorbener Vater war ein Ingenieur. Er hat die große Eisenbahnbrücke über oeil Potomac gebaut." So!" Ja, und er hat auch eine Entdeckung gemacht." Was für eine Entdeckung?" Er hat die Entdeckung gemacht, daß meine Mutter ihn betrüge." Ei ei!" Und in Folge dessen hat er sich von seiner Brücke aus in den Strom gestürzt." In den Potomac?" In' den Potomac. Mein erster Stiefvater besaß ausgedehnte Ländereien am Appomator, nächst der Chej sapeakbai, und eine Walzmühle am Rappahannok. Auf fernen Gutem erzeugte er die vorzüglichsten Bataten von Nordamerika. Sehr erfreut!" Er hatte auch große Forste von Hickorybäumen und weite Pine-Ba-rens voll von Jaguaren, Wölfen und Klapperschlangen." Das mutz ja reizend sein!" Freilich, aber er wurde doch seines Lebens nicht froh; er erschoß sich eineK

TageS auf der Jagd, als er bemerkte, daß meine Mutter . . Was? Schon wieder?" . Mein dritter Stiefvater . . Pardon, verehrtes Fräulein, Sie haben einen Stiefvater ausgelassen." Ach Gott ja, ich bitte Sie. ein Komiker vom Jefferson - Theater. Und ein solcher sollte nicht ausgelassen sein? Der Mann war übrigens nur vier Wochen lang mein Stiefvater. Er ist erstochen worden. Reden wir nicht weiter von ihm. Mein dritter Stiefvater also besaß eine große Cigarrenfabrik am Shenandoah. Aber auch bei ihm konnte ich nicht tange bleiben. Denn ihn traf eines Tages der Schlag, als es ihm klar wurde . . . Lola, ich bitteSie, lassen wir Ihre Familie, lassen wir sie ruhen", sagte ich. Und vergessen Sie nicht, daß Sie mir einen Kuß schulden." Einen Kuß?" Gewiß den Verlobungskuß! AH ritfht haben Sie einen Gesundheitsattest?" Nein." Ohne Gesundheitsattesf gibt es aber bei uns keine Küsse, das sollten Sie schon wissen." Ist denn dieses abscheuliche Gesetz schon in Kraft?" Seit zwei Wochen." Lola?" flötete ich mit meiner süßesten Stimme Lola, ich bitte Sie. ich beschwöre Sie, seien Sie doch nicht so grausam!" Nein, mein Theurer, von dieser Formalität kann ich Sie nicht dispensiren ich am allerwenigsten, denn ich bin städtischer Arzt in Richmond; mein Amt ist es, oerade solche Atteste auszustellen. Erführe man je. daß ich in eigener Angelegenheit meine Pflicht vernachlässigt, ja daß ich ihr entgegengehandelt hätte, ich würde sofort meiner Stelle enthoben werden." Aber Lola!" rief ich. Wenn Sie mir ein solches Attest ausstellen können warum thun Sie es nicht?" Im Grunde haben Hie Recht", versetzte Lola. Und flugs entnahm sie ihrem zierlichen Handtäschchen ein Formular, eine Füllfeder, einen Amtsstempel einige Hantirungcn. und sie überreichte mir das gewünschte Aktenstück. Zwanzig Dollars, mein Herr!" Schon gut," sagte ich lachend und wollte Lola an mich ziehen. Zwanzig Dollars, wenn ich bitten darf! Mein 5)erz ist zwar Ihr Herz, aber mein Geschäft darum noch lange nicht das Ihre. Und wenn Sie mich heirathen wollen, damit ich Sie am Ende unentgeltlich behandle, dann haben Sie die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Denn vergebens stehe ich Ihnen meinetwegen mit meiner Kunst bei umsonst nicht!" Stumm zog ich meine Brieftasche. Ich öffnete sie. Ich fand hundert Gulden zweihundert Kronen fand ich in ihr. Und ich reichte diese Summe mit königlicher Geberde dem habsüchtigen Weibe. Lola nahm, sie nahm die hunder5 Gulden, diese zweihundert Kronen. Dann näherte sie sich mir. dann spitzte sie den rosigen Mund; sie war reizend in diesem Augenblicks dennoch fühlte ich. daß ich sie hassen könnte. O, Fräulein Doktor", rief ich, Sie vergessen sich ja!" Wie meinen Sie das?" Ganz einfach! Ich habe das vorschriftmäßige Gesundheitsattest; aber wie steht es in dieser Hinsicht mit Ihnen?" Unbesorgt! Ich habe mein Zeugniß bei mir." Für alle Fälle, nicht wahr?" Allerdings, für alle Fälle", antwortete sie schnippisch. Und haben Sie sich den Gesundheitsschein selbst ausgestellt?" Nein da wäre er ja ungiltig; ein College hat ihn mir unterfertigt, ein College in Charlotteville." Was haben Sie ihm denn bezahlt, wenn ich fragen darf? Wohl das. was ich Ihnen gegeben habe." Nein, mein Herr, 'das, was ich Ihnen geben soll." Als Lola diese Worte gesprochen hatte, fühlte ich. daß eine rasende Eifersucht mich erfaßte. Ich riß den Revolver aus meinem Gürtel und schoß ihn auf meine Braut ah. Der Knall war so stark, daß ich sofort erwachte.

LAKE ERIE & WESTERN R, R. .... Fahrzeit der Züge. . . . Abfahrt nkunft koledo, Sdicago und Vkichigan frvxti... ' 10 85 Toledo, Detroit und Chicago Um . . . 12 20 f 3.iö Mich'gan Eity, Muncie u LasayetteLpl.. 7 tio.ib täglich f ausgenommen Sonntags. Dr. j. A. Sutcliffe, Wund -Arzt, Geschlechts-, Urin und Rectum Krankheiten. Office : 155 Oft MarketStt. 2L 941 0 ftce-Stunden : 9 bis 10 Udr m. ; 8 M 4 Ubr Dr. L. A. Greiner, empfiehlt sich für die Verpflegung kanker Thiere. Kranke Pferde werden entgegengenommen nd erhalten bessere bmanung al ,n ihrer eigene rallung. IS bis 24 Süd Ost trabe. Telephon 905. Wohnung 17V.