Indiana Tribüne, Volume 26, Number 146, Indianapolis, Marion County, 11 February 1903 — Page 1
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SVksSS?? Ca$e und Cclgc- und roniita$sbIatt lOc-vcr Woche. Sormtaqsbsatt 74 lOo per Woche. I '&9i Erscheint feden Nachmittag. Jahrgang 26 Indianapolis, Ind., Mittwock, 11. Februar lf)03 No. 146.
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Wm. F. Piel Tr. i
Ter angesehene Industrielle heute Morgen aus dem eben geschieden. In seiner Wohnung an der Ost Washington Str. ist heute Margen Herr Wm. F. Piel Sr., einer unserer geachtetsten deutschen Bürger im hohen Alter von 80 Jahren aus dem Leben geschieden. Er war seit langer Zeit kränklich gewesen und während der letzten Monate nahezu erblindet. Herr Wilhelm Friedrich Piel wurde am 23. April 1823 zu Dankersen bei Pceusch-Minden in Deutschland geboren. Sein Vater, Heinrich Piel, war Besitzer der Kolonieoder Bauernhofes mit 60 Acker Land. Die Familie bestand aus 6 Söhnen und 2 Töchtern. Er besuchte vom 7. bis zum 14. Lebensjähre die Schulen. Im Jahre 1835 übernahm sein ältester Bruder Heinrich den Bauernhof. Bei diesem arbeitete Wilhelm, nachdem er aus der Schule kam. als Knecht drei Jahre. Im Alter von 17 Jahren wollte Wilhelm das Küferhandwerk lernen. Drei Jahre lang mußte er in die Lehre gehen, da er aber in den ersten zwei Jahren kein Stück Kleidung erhielt und ganz abgeriffen war, ging er fort und erhielt Arbeit bei einem Meister, der ihm einen anständigen Lohn gab. Im Jahre 1846 verkaufte sein Bruder Heinrich den Bauenthof, er wollte nach Amerika auswandern und rodete Wilhelm zu, mitzugehen. Am 15. Mai 1846 verließen sie Deutschland. Die Fahrt dauerte 17 Wochen in einem Segelschiff auf dem Ocean, und zu Lande von Baltimore bis Jndianapolis. wohin noch keine Bahn gmg. Den größeren Theil der Strecke von Baltimore hierher legte er zu Fuß und in einem Kanalboot auf dem Ohio River zurück. Im September 1846 langte er in Indianapolis an. Indianapolis hatte zu jeuer Zeit ungefähr 3000 Einwohner. E? gab hier eine große Armuth zu jener Zeit. Arbeit war schwer erhältlich und es cirkulirte nur wenig Geld. Alles wurde in Trade" bezahlt. Die LebensMittel waren ungemein billig. Weizen kostete 25 Cents das Bushel, Eier 1 bis 2 Cents per Dutzend u. s. w. Zwei Wochen nach seiner Ankunft erhielt Piel Arbeit in der Küferwerkstatte von Etölting, woselbst er drei Jahre lang sehr anstrengend, täglich bis Mitternacht, arbeiten und in der Werkftätte schlafen mußte. Der Wind blies durch die Werkstätte und er mutzte im Winter oft frieren, auch war er daselbst oft eingeschneit. Trotzdem er damals schon 25 Jahre alt war, ging er nach der englischen Sonntagsschule, da es andere freie Schulen nicht gab, um das Englische zu erlernen. Am 29. Januar 1849 verheirathet: er sich mit Eleonore Wischmeyer, die am 1. Juli 1830 in Frille, bei PreuschMinden, geboren wurde und im Alter von 13 Jahren mit ihren Eltern hierher auswanderte. In den ersten drei Jahren nach der Verheirathung hatte Wilhelm mit allerlei Widerwärtigkeiten zu kämpfen. Er hatte sich eine Farm in Gemeinscha't mit seinem Schwager Christ. Wischmeyer gekauft und darauf eine Anzahlung geleistet. Dann verlor er seinen Arbeitsplatz, seine Frau war krank und der Wolf stand vor der Thüre. In seiner Noth legte er die Farm aus und verkaufte sie. Er behielt sur stch 2 ots unv lern cymager baute ihm ein kleines Haus mit Werkstatte darauf. Er machte nun Bar rels für eigene Rechnung. Aber bald war all sein Geld in Barrels angelegt, ohne daß er im Stande gewesen wäre letztere zu verkaufen. Und jetzt begann abermals eine Periode des Drangsals für ihn, bis er endlich in Blythe'S PorlhauS Arbeit erhielt. Da arbeitete er sich fast zu Tode, täglich 15 bis 20 Stunden und verdiente blos 5 bis 8 Dollars wöchentlich. Er wurde schließlich so nervös, daß er das Küfergeschäft aufgeben Mußte und Jliff's General Store an Oft Washington Str. übernahm.
Dieses Geschäft führte er zuerst mit seinem Jruder Ernst, dann mit W. F. Rosener zwölf Jahre long, dann mußte er es aus Gesundheitsrücksichten an den Letzteren verkaufen. Er ging dann in das Fabriksgeschäft, formirte mit Edward Mueller, H. Burker und C. F. Wischmeyer eine Kompagnie und baute im Jahre 1867 die Stärkefabrik östlich an Pogues Wim. Die Fabrik war im Januar 1868 fertig, im October brannte sie ab. Dann wurde sie neu aufgebaut. Im Jahre 1872 begannen die Oftseite Grundbesitzer einen Prozeß gegen die Gesellschaft wegen öffentlichen Gemeinschadens. Piel kaufte die Autheile
feiner Partner für $30,000, da aber das Gericht gegen die Fabrik entschied, mußte der Betrieb im April 1873 ein gestellt werden. Piel baute dann mit Andrem Erken breche? aus Cincinnati die jetzige Fabrik der National Starch Co. deren Kosten auf 560,000 verans t,lagt waren, doch kostete der Bau, als er fertig eingerichtet war, $160,000. Piel konnte seine alte Fabrik nicht verkaufen und er mußte seinen Antheil an dem neuen Gebäude borgen, so daß er $75,000 Schulden machte. Er hat aber unermüdlich gearbeitet und feit 1874 Erfolg gehabt, so daß er die Schulden nach und nach abbezahlen konnte. Am 20. Mai v. I. zog er sich aus dem Geschäfte, dessen Betriebsleiter er bis dahin gewesen war, zurück. Der Verblichene gehörte dem Directorium der Jndiana Trust Co. an. Kein Base-Vall-Spiel am Sonntag. Der Senat hat heute Nachmittag mit 24 gegen 23 Stimmen die Base-Ball-Bill auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Senatoren Burns und Mat thems waren abwesend und Senator O'Brien weigerte sich zu stimmen, und zwar weil er seiner Frau, welche eine gute Methodistin ist. versprochen hatte, seine Stimme nicht für hie Bill abzu geben. John S. McDonald's Resignation vom Gouverneur verlangt. Gouverneur Durbin hat Joyn S. McDonald von New Albany, Mitglied der Jeffersonville Reformatoriums Behörde aufgefordert, seine Re , signation einzureichen. Derselbe wird jedoch, wie es heißt der Aufforderung nicht ohne Weiteres nachkommen. Burger - Versammlung auf der Südseite. Im O. P. Morton Club sindet morgen, Donnerstag, Abend eine Bürgerversammlung statt. In derselden soll über den projectirten Nordseite Boulevard und über Verbesserungen der Straßen der Südseite debattirt werden. Der Mayor und der Vorsitzende d?s Finanz-Comite's des Stadtraths sind aufgefordert worden, der Versammlung beizuwohnen und den Bewohnern der Südseite zu erklären, woher es kommt, dc.ß die Straßen nicht verbessert werden können, während doch anscheinend 100,000 für einen Boulevard vorhanden sind. Das Kegel-Turnier. An dem großen National-Keael-Tur i nier werden sich im Ganzen 80 Teams von fünf und 150 Teams von zwei detheiligen; ferner haben sich 250 Kegelritter für Einzelkegeln angemeldet. Der Gesammtbetrag der Anmeldungen beläuft sich auf $4775; davon wer den 34358.75 an Preisen vertheilt werden. Unabhängiger Turn Bcrcin Heute Abend 8 Nhr regclmäßige Geschäfts-Versamm-lung. Jsseph Keller, 1. Sprecher. Adam Grohkopf, 1. Schriftwart.
Der Dr. AlexanderProzeß. Am Freitag oder Samstag wird ein Wahrspruch erwartet.
Plaidoyer des taatsan walts. Staatsanwalt Ruckelshaus eröffnete heute die Plaidoyers und zwar vor einem vollen Hause, denn rioch nie seit Beginn des sensationellen Prozesses waren der Gerichtssaal und die Gallerien von einer solch zahlreichen Menschenmenge besetzt, als wie heute. Der Staatsanwalt sprach nahezu den ganzen Vormittag. Er sagte u. A., daß er mit Dr. Alexander als Mensch sympathisire. aber als Gesetzverletzer hätte er nicht mehr Sympathie mit ihm, als mit einem !Mensch?n, welcher stiehlt oder einen Mord begeht. Er forderte die Geschworenen auf, vorsichtig zu Werke zu gehen. Sie sollten sich nicht von derThatsache beeinflussen lassen, daß der Angeklagte ein Arzt und einflußreich ist, bis dahin eine geachtete Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft einnahm, und im Stande ist, sich von den gewiegtesten und er. fahrenften Criminal - Anwälten des Staates zu umgeben ; wenn die Entjcheidung in diesem Falle nur von brillanten Reden abhänge, so könne er, der Staatsanwalt, schon gleich am Anfange seine Argumente schließen, denn er sei überzeugt, daß Herr Spaan eine Rede halten werde, wie sie brillanter noch nie zuvor von ihm gehalten wurde. Der Staatsanwalt sagte, daß Alles, was er beabsichtige, sei, den Geschmorenen beizustehen, die nackte Thatsache. um welche es sich in diesem Falle handelt, zu erkennen und festzuhalten, denn wenn die Zeit in der Geschichte der Jurisprudenz käme, daß em Mann ein Verbrechen begehen und entlassen werden kann, weil er ein Arzt ist, weil er Mitteln aenua besitzt, solche Anwälte zu engagiren, wie es in diesem Falle der Fall ist, weil er Einfluß besitzt, wenn ein Mann angesichts des überzeugendsten Beweismaterials wie es in diesem Falle vorgebracht worden ist, frei ausgehen kann, dann ist die Zeit gekommen, wo der arme Mann seine Stimme erheben und gebieterisch verlangen kann, daß der Reiche nach denselben Satzungen der Gerechtigkeit prozhssirt wird wie der Arme. Hierauf kam der St aaesanwalt auf die Natur des Verbrechens zu sprechen, wessen sich Dr. Alexander schuldig gemacht hat. Betreffs Cantrell's Cha racter und Moral sei er mit Herrn Spaan jedenfalls einer Meinung und derselbe würde von ihm nicht anders behandelt werden, als wie der Doctor. Aber die Beweise waren geliefert worden, daß derselbe der Anstifter der Grabschändungen, das Gehirn" der Leichenräuber-Bande war. Die Far bigen waren,seine Wertzeuge, für ihre Handlungen war er verantwortlich. Der Staatsanwalt war mit Spaan derselben Ansicht, daß Cantrell ein moralisches Ungeheuer" sei. Aber gerade eines solchen Monstrums bedürfte der Doctor zur Ausführung seines abscheulichen Geschäftes. Monate lang war es dem Doctor trotz seiner Stellung, seines Einflusses und des Rückhalts, welchen er an dem hervorragendsten medicinischen College des Staates hatte, nicht möglich gewesen, Leichen für Secirungszwecke auf legitimem Wege zu erlangen. Da fand die Verbindung mitCantrell statt und was ihm. dem einflußreichen Arzt nicht möglich gewesen war, das brachte dieser hierauf mit bewunderungsmürdiger Fixigkeit fertig. In verhälwißmäßig kurzer Zeit wurden nicht weniger als sieben Leichen im Eollege abgeliefert und der Doctor bezahlte dafür, denn er war ja, wie die Vertheidiger es plausibel machen wollten, fest überzeugt, daß Cantrell die Leichen auf legitimem Wege erlangt hätte. Als aber die eiserne Hand des Gesetzes sich bleischwer auf die Schulter des Angeklagten niederließ, als Leichen im College als gestohlen identisizirt
wurden, da hörte plötzlich die Intimität mit Cantrell auf und um sich vor weiteren Entdeckungen zu schützen, wurden andere gestohlene von Cantrell abgelieferte und von Dr. Alexander in Empfang genommene Leichen in Dry Goods Kisten gepackt und auf die Straße geworfen. Und einem solchen Mann wollen Sie erlauben, daß er dem Arm der Ge rechtigkeit entschlüpft, nur weil das, was er that, im Dienste der Wissenschaft geschah ? Verschaffen Sie denjegigen, welche ihre dahingeschiedenen Lieben auf den Friedhöfen in der Nähe itHer Farmen begraben, die Be ruhigung, daß die Ruhe der Gräber nicht mehr gestört werden wird, und die Schuldigen wie Dr. Alexander, ihrer Ärafe nicht entgehen. Dieses wird geschehen, wenn Sie Ihre Pflicht
ttzin." Mach dem Staatsanwalt sprach der Vertheidiger Martin Hugg. Morgen Nachmittag geht der Fall an die Geschworenen. Au s d e r g e st r i g e n N a ch m i t - t a g s s i tz u n g. Am 27. Juni v. I. wurde der Tocior für das Amt eines Directors des anatomischen Laboratoriums ernannt. Zu seinen Pflichten gehörte u. A. auch, das Material für Secirungszwecke zu beschaffen. Gewöhnlich wurden zehn bis zwölf Leichen während der Saison verbraucht. Auf die Frage, was ihm für die Le' ehe bezahlt wurde, gab er die Erklärung ab, daß sechs Studenten, welche über denselben Gegenstand unterrichtet wurden, je $5 bezahlten; das College erlaubte ihm $30 für jede Leiche. An Zeit, Arbeit und Geld kam ihm die Prüfervirung einer Leiche auf $12.50 zu stehen. Mit Cantrell traf er zuerst im Juni v. I. zusammen. Derselbe suchte ihn auf und sagte, daß er in verschiedenen Colleges gearbeitet hätte, und daß er Beschäftigung wünsche. Im alten CollcgeGebäude befand sich damals eine Anzahl Skelette, welche der Reinigung bedurften. Der Doctor sagte ihm. er solle in einigen Tagen wieder kommen. Er besprach die Sache mit mehreren Mit gliedern der Facultät und das Ergebniß war, daß er Cantrell, welchen er damals nur als Wm. Rufus kannte, für $25 engagirte, um die Skelette zu reinigen, nnge A,age spater tone er den Anzug, welchen Cantrell bei Medias verfetzt hatte, aus. Im Juli erzählte ihm Cantrell eines Tages, daß er für verschiedene Colleges Leichen verschafft hatte, daß er mit den städtischen und County-Beam-ten gut bekannt wäre , und tiele Leichen von ihnen erhalten hätte. Er sagte, daß er im Stande sei. auf legitimen Wege Leichen von dem Jrren-Jsyl und dem Stadt Hospital zu erhalten. Seine Arrangements seien bereits getroffen. Cantrell sagte, daß er $30 für jede Leiche, welche er ablieferte, bekommen bütte. Der Doctor erklärte hierauf dem Cantrell. daß wenn er das College mit Leichen auf seine eigenen Kosten versehen würde, er $30 von demselben erhalten solle. Der Doctor gab zu, der Office des Gesundheitsbeamten häusige Besuche abgestattet und die Todtenschein durchstudirt zu haben. Das geschah aber nicht, um eine Liste der zuletzt beerdigten Leichen zu erhalten, um dieselbe Cantrell zu übergeben. sondern er wollte aussinden, welche Todesfälle in den Hospitälern und anderen Instituten vorgekommen waren. Er sagte, daß er sich häusig beim Superintendenten des Hospitals beschwert hatte, daß das College nicht den Anthe!l von unreclamirten Leichen erhalte, welcher ihm zukomme. Cantrell brachte seine erste Leiche im Juli. Es war diejenige einer Frau und er sagte, er wisse nicht, wer sie war. Als Cantrell einige Tage später seine Bezah lung verlangte, zog er $5 ab, welche er dem Leihftallbesitzer Case für ein Fuhrwerk bezahlt hatte, welches Cantrell benutzt hatte. Der Doctor leugnete auf das Entschiedenfte, Schaufeln oder andere
Werkzeuge, Revolver . für Cantrell gekauft zu haben. Auch hätte er nicht gewußt, daß Cantrell ein Grabschander war, und daß die sieben Leichen, mit welchen er im Ganzen das Hosvital versorgt, gestohlen waren. Erst am 25. September machte er diese Endeckung, als die Leiche der Frau Rosa Neidlinger im Hospitale von ihrem Manne identificirt wurde. Die letzte Leiche, welche Cantrell ablieferte, war die der Ctella Middleton, welche 2 Wochen später von ihrer Schwester identisicirt wurde. Der Doctor sagte, daß er nie vorher das Todtenhemd der Frau Döhring. deren Leiche ebenfalls im Central-Col-lege gefunden wurde, gesehen hätte. Niemals hätte er auf kincm Kirchhofe mit Cantrell eine Zusammenkunft gehabt. Einmal habe er einem Farbigen, Walter Daniels, 59 ausbezahlt, und zwar aus eine Anweisung, welche Cantrell ausgestellt hatte. Er zog sie dann Letzterem von dessen Lohn ab. Zum Schlüsse sagte der Doctor, daß er seine Praxis in Folge der Notorität, welche er durch die GradschändungsScandale erlangte, fast vollständig verloren hätte. Im Kreuzverhör leugnete er abermals auf das Entschiedenste, einen Contract mit Cantrell betreffs Lieferung abgeschlossen und gewußt zu haden, daß die Leichen gestohlen waren. Auch sei er niemals mit Cantrell in v scf.rjc.vfi. , ri. . r je. . . r r a
oem iseimuji von aoicy gewesen. s war bekanntlich ausgesagt worden, daß er an einem August Abend im Gesell-schafts-Anzug dort vorgesprochen hätte. Die junge Frau des Angeklagten wurde hierauf auf den Zeugenftand gerufen. Sie sagte, daß ihr Gatte nur zweimal seinen Gesellschafts-Anzug während der letzten sieben Monate benutzt hatte und zwar am 27. Juni und am 7. September, an welchen Abenden i die Freimaurer Loge, zu welcher ihr Gatte gehörte, Banquets im Denison Hotel abgehalten hatte. Damit war das Zeugenverhör geschloffen. Die Geschworenen mußten sich zurückziehen, da die Vertheidiger den Antrag stellten, nur die Beschuldigung in der allgemeinen Anklage stehen zu lassen, welche sich auf die Leiche der Frau Neidlinger bezieht, da der Staat versäumt hatte, betreffs der anderen sechs Leichen nachzuweisen, daß dieselden ohne Wissen und Genehmigung der nächsten Verwandten fortgenommen wurden. Ueber diesen Antrag wurde fast den ganzen Nachmittag debattirt. Schließ lich gab der Richter eine Entscheidung insofern zu Gunsten des Staates ab. als er bestimmte, daß nur die drei Leieben, welche vom Mt. Jackson Kirchhofe gestohlen wurden, nicht weiter in Betracht kommen sollten. E. G. Goth, Osteopath, 163 Lemcke, L ocomotor Ataxia Spezialw. Bedeutende Besserung In der Blattern'Situation. Von Montag Abend bis gestern 'Ibend brauchten von der Gesundheitsbehörde nur 6 neue Blattern-Patienten in Obhut genommen zu werden. All'rdings ist dadurch die Zahl der Blatternfälle seit Jahres.Anfang auf 343 (gegen 337 am Montag Abend) gestiegen, doch befinden sich gegenwärtig nur 141 Patienten theilmeise im Blatternhospitale. theilweise in ihren Wohnungen unter Pflege. Heute, morgen und am Samstag wird, wie bereits angekündigt, die freie Impfung auf städtische Kosten an den bekannten Plätzen Abends von 6 bis 9 Uhr fortgesetzt, und erwartet die Stadt Verwaltung, daß sich alle bisher noch nicht geimpften Einwohner der Stadt jetzt die Gelegenheit zu Nutze machen, um durch allgemeine Impfung den Blattern den Garaus zu machen. Südseite Turnverein. Großer Maskenball heute bend.
Nachrichten aus Jndiana.
Ein Kind verbrannt. K o k o m o. Dem dreijühr. Söhnchen des Newton Whitaker von Greentown siel unglücklicher Weise, als er sich allein im Zimmer befand, eine Schachtel mit Streichhölzern in die Hand. Natürlich öffnete der Kleine dieselbe. Er setzte die Dinger in Brand und bald darauf standen seine Kleider in lichten Flammen. Als auf sein Hülfegeschrei seine Mutter herbeigeeilt kam und die Flammen erstickte, war es bereits zu spät. Der Kleine hatte derartige Brandmunden erlitten, daß er bald darauf starb. Mord. C o l u m b u s. Vor etwa einer Woche begab sich Jason Hall während des Gottesdienstes in die Kirche zu Elkinsville, Brown County und versetzte dem 19jährigen ahnungslosen Wm. Sherrill mit einem Schlagring mehrere Schlüge auf den Kopf. Sherrill sank bewußtlos zu Boden und die ärztliche Untersuchung ergab, daß der Schädel zertrümmert war. Am Die.istag erlag er seinen Wunden. Hall, gegen welche die Anklage des Mordes erhoben worden ist, hat sich seiner VerHaftung durch die Flucht entzogen. E x-C o n g r e ß-R e p r. C o w g i l l. f W a b a s h. Ex-Congreß-Reprä-sentant Calvin Cowgill ist am Dienstag im Alter von 84 Jahren in seiner hiesigen Wohnung einem Nierenleiden erle gen. Er war seit 1846 im hiesigen County ansässig. Obgleich Advocat von Beruf, widmete er doch seine meiste Zeit der Verwaltung seiner ausgedehnten am Eel River belegenen Farmen. Er diente zwei Termine in der StaatsLegislatur und wurde 1876 in den Congreß gewählt. Nach Ablauf seines Termines lehnte er eineWiederwahl ab. Unter dem Kriegs-Gouverneur Morton. war er Provoft-Marschall dieses Districts. Er war der erste Präsident der Cincinnati, Wabash & Michigan Bahn.Gesellschaft, für deren Zustande kommen er außerordentlich gearbeitet hatte. Gas abgedreht. K o k o m o. Die Gas-Gesellschaft hat am Dienstag in einem Dutzend Gefchäftshäuscr und etwa hundert Privat Häusern das Gas abgedreht, nachdem sie sich zuvor überzeugt hatte, daß in denselben keine Mixer waren. Zu den Plätzen, welche so schnöde von der Gesellschast behandelt wurden, gehört auch die Halle der Frauen Christlichen Tem-perenz-Union. Banquet in Anderson. g Anderson. Der Anderson Commercial Clnb und die KaufleuteVereinigung veranstalten am 24. Febr. ihr jährliches Banquet. G. F. McCulloch ist Toastmeister und Reden wer den von folgenden Herren gehalten wer den: Senator Foraker von Ohio, Senatoren Fairhanks und Beveridge von Jndiana, Henry Waterfon von Louisville, S. E. Morß von Jndiana polis, G. E. Clingman von Chicago, Gouverneur Turbin, C. L. Henry, I. L. Forkner, H. I. Stein, M. A. Chipman, W. S. Ellis und I. W. Lovett von hier. $30,000 Su bsidien. G o s h e n Elkhart Township wiro der Goshen & Ft. Wayne Electrische Bahn - Gesellschaft" $30.000 Subsidien bewilligen. Dieselbe soll $25,000 erhalten, wenn di: Bahn bis Wawasee noch in diesem Jahre in Betrieb gesetzt wird ; der Rest von $5000 wird ausbezahlt, wenn im Jahre 1904 die ganze Strecke bis nach Ft. Wayne fertiggestellt wird. Deutscher Pionier-Lerein. Das mit den Borbereitungen für die Jahresfeier des deutschen Pionier-Ver eins am nächsten Sonntag in der Ger mania Halle betraute Comite, hielt gestern Abend' wieder eine Sitzung ab, um dafür zu sorgen, daß die Feier in jeder Hinsicht eine deutsch-gemüthliche werden wird. Die Sänger des Jndpls. Liederkranz werden dabei arch mithelfen.
