Indiana Tribüne, Volume 26, Number 142, Indianapolis, Marion County, 6 February 1903 — Page 7

Februar 1903

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Anheim. Familienroman von Hector Malot. .. ...-. ttt. tt z . . .......r.".!''. (Fortsetzung.) Jede Tag in der Frühstücksstunde ging Perrine von der Fabrik in's Haus der Mutter Francoise, um sich nach Nosalie zu erkundigen; einmal konnte sie etwas erfahren, ein anderes Mal nicht, je nachdem sie der Großmutter oder der Tante begegnete. Unterwegs blieb sie, seit sie der Plan mit dem Hemde befchäftia.te. öfters vor einem kleinen Laden stehen, dessen Ausläge zwei Abtheilungen hatte: auf der einen Seite lagen Journale, Bilder, Liederterte, auf der anderen Leinwand, Schiriina, Kattun und Kurzwaaren. Sie stellte sich zwischen die beiden Jenster. so bafe es aussah, als ob sie die Journale betrachtete oder die Lieder lese, aber eigentlich bewunderte sie die S:offe. Wie schätzte sie die Frauensleute glücklich, die die Schwelle dieses verführerischen Lädchens überschreiten und sich, so viel sie nur wollten, von diesen Zeugen abschneiden lassen kannten! Während ihres langen Stehenbleiöens vor dem Laden hatte sie öfters Fabrikarbeiterinnen hineingehen sehen, . 4 r v .-. l i - m Vs tit Vv ri t -

L'ic rnii Ui.yiaiiy in -fuf'ici ytiuiuci' ten Waaren, die sie fest an sich drückten, wieder herauskamen; sie sagte sich dann, daß diese Freuden ihr versagt seien wenigstens für die nächste Zeit. Aber heute konnte sie diese Schwelle überschreiten, wenn es ihr beliebte, denn drei blanke Münzen glänzten in ihrer Hand, und sie überschritt sie auch mit grcszer innerer Bewegung. Sie wünschen, Fräulein?" fragte eine kleine alte Frau mit höflicher Stimme und einem wohlwollenden Lächeln. Wie lange war es I;er, seit man sie ' nicht mehr mit solcher Güte angesprochen hatte? Sie nahm sich ein Herz und fragte: Bitte, wie viel kostet Ihr Schirting der billigste?" Ich habe schon welchen zu vierzig Centimes den Meter." Perrine seufzte erleichtert auf.

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mm "V w - fc V t V. m -mm-mr m w abschneiden?" Wissen Sie, dieser ist gerade nicht sehr dauerhaft, während der zu sechzig Centimes" Ter zu vierzig Centimes genügt - mir." Wie Sie wollen; ich sagte es Ihnen v ü : uiiu-

Nlll, uuiiiu die uiu iuuciyci teiln l t Vorwürfe machen können." r, ich werde Ihnen keine machen, Madame!" Tie Verkäuferin hatte den Schirting zu vierzig Centimes herbeigeholt, und Perrine bemerkte wohl, daß er weder so weiß noch so glänzend war wie der in der Auslage von ihr bewunderte. ,.3ont noch etwas?" fragte die Frau, als sie den Schirting mit einem scharfen Laut herunterriß. ffcA möchte aern noch Srnirn baben.m Knauel, ein Strängchen, eine wlle?" Ten billigsten.Hier ist ein Knäuel für zehn Cen4 times; das macht nun zusammen achtzehn Sous." Jetzt war die Reihe an Perrine, vergnüat aus diesem Laden herauszutre-

ten, mit ihren zwei Metern Schirting, die sie, in ein alles, unverkauftes Journa! gewickelt, an sich drückte. Sie hatte nun von ihren drei Francs erst achtzebn Sous ausgegeben, es blieben also noch Zweiundvierzig bis nächsten Sonnabend übrig, das heißt nach Abzug der achtundzwanzig Sous, die sie für ihr wöchentliches Brod brauchte, besaß sie für einen Nothfall oder als Ersparniß noch ein Kapital von vierzehn Sous, daß sie ja keine Herberge mehr zu bezahlen hatte. Mit schnellen Füßen lief sie den Weg, der sie nach ihrer Insel brachte, und kam ganz außer Athem in ihrer Hütte an; aber das hielt sie nicht ab, sich auf der Stelle an die Arbeit zu machen, denn über die Form, die sie ihrem Hemde geben wollte, war sie nach langem tteberlegen nicht mehr im Zweifel: es sol.te einen Einschlag zum Zusammenzuhen bekommen; emmal weil dies für sie, die noch nie ein Hcmd zugeschnitten hatte und nicht einmal eine Scheere. besaß, die allcreinfachste und am leichtesten auszuführende Art war. . und dann, weil sie die Litze ihres alten Hemdes zu dem neuen verwenden konnte. So lange sich's nur um das Zusammennähen handelte, ging alles nach Wunsch, und wenn sie auch von ihrer Arbeit nicht gerade entzückt war. schien sie ihr doch gut genug, sie nicht wieder von vorn anfangen zu müssen. Aber die eigentliche Schwierigkeit und Verantwortlichkeit begann erst, als der Augenblick kam. wo die Ausschnitte für den Kopf und die Arme gemacht werden sollten; diese Aufgabe erschien Perrine mit ihrem Messer und dem Holzblock als einzigen Handwerkszeug so bedenklich, daß sie sich nicht ohne einiges Zittern den Schirting auszuschneiden entschloß. Endlich brachte sie aber auch dieses fertig, und am Dienstagmorgen konnte sie mit einem durch ihrer Hänx Arbeit verdienten, selvftverfertigten Hemde bekleidet in die Fa4 brik gehen.

An demselben Tage begab sie sich zur

Mutter Francoise, und da kam ihr Rosalie, den Arm in der Binde, entgegen. Genesen?" rief Perrine. Nein, noch nicht ganz, aber man hat mir erlaubt, aufzustehen und in ven Hcf zu gehen." In der Freude des Wiedersehens stellte )c 55?age auf Irage an yiojaüe, die aler nur gezwungen und zurückhaltend antwortete. Was hatte sie nur? Zuletzt klärte ein Wort von Nosalie Perrine auf: Wo wohnst Du denn jetzt?" fragte sie. Perrine wagte nicht die Wahrheit zu sagen und erwiderte ausweichend: Cs war hier zu theuer für mich es blieb mir nickt genug für Nahrung und Kleidung übrig." Bist Du irgendwo anders billiger uniergekommen?" Ich brauche gar nichts zu bezahlen." .Ah so!" Sie schwieg einen Augenblick, dann konnte sie aber der Neugicrde nicht widerstehen und fragte: Bei wem?" So gerade gefragt tonnte sich Perrinc der Antwort nicht entziehcn. Ich werd' es Ihnen später sagen." Wann Tu willst; nur laß Dir rathen, wenn Du im Hofe oder an der Thür Tante Zenobia zu fehen bekommst, lieber nicht einzuneten: sie hat etwas auf Dich; komm lieber Abends, wenn sie beschäftigt ist." Perrine kam sehr betrübt über diesen Empfang in der Fabrik an. Welchcs Vergehens hatte sie sich denn damit schuldig gemacht, daß sie die Kammer der Mutter Francoise nicht länger bewohnen konnte? Den ganzen Tag wurde sie den üblen Eindruck nicht los,' ja sie fühlte ihn noch in verstärk lem Maße, als sie sich am Abend allein in ihrer VogelHütte befand, wo sie zum ersten Mal seit acht Tagen nichts zu arbeiten hatte. Um sich etwas zu zerstreuen, bekam sie Lust, auf den Wiesen, die die Insel umgaben, ein wenig spazieren zu gehen, wozu sie bis jetzt noch keine Zen gehabt hatte. Es war ein herrlicher Abend, nicht so blendend, wie sie sich's von den 00mmerabenden ihres Geburtslandes, wo sie ihre Kindheit verlebt hatte, erinncrte, nicht glühend unler einem indigoblauen Himmel, sondern mild und von einer lichten Klarheit, die die Wipfel der Bäume wie in einem Schimmer blassen Goldes gebadet zeigte. Dat Gras, das noch nicht reif für die Sense war, dessen Blumen aber schon zu verblühen anfingen, entsandte tausend Wohlgerüche, die sich zu einem wahrhafi betäubenden Dufte vereinigten. Als sie ihre Insel verlassen hatte, ging sie am Rande des Weihers im hohen Grase hin. das seit seinem ersten Aufkeimen im Frühling noch von Niemand betreten worden war. Von Zeit zu Zeit drehte sie sich um und sah durch den Schilfstand der Böschung ihr Hüttchen so natürlich zwischen die Stämme und Zweige der Weiden eingeschichtet, daß das wilde Geflügel sicher nicht argwohnen mochte, es sei ein Werk von Menschenhänden, hinter Um sich Leute mit Flinten auf die Lauer stellen könnten. In dem Augenblick, wo sie nach einem solchen Stillstehen in das Schilfimd Binsengebüsch hinabgestiegen und im Begriff war. die Böschung wieder hinaufzugehen, ließ sich vom Boden her ein Geräusch hören, vor dem sie zurückfuhr, und aufgeschreckt stürzte sich eine Wildente, Rettung suchend, in's Wasser. Dann sah sich Perrine nach der Stelle um, von wo die Ente aufgcflogen war, und erblickte ein aus GraöHalmen und Federn gemachtes Nest, worin zehn Eier von schmutzig weißer Farbe mit kleinen, haselnußbraunen Flecken lagen. Dieses Nest haftete nicht an der Erde zwischen dem Grase, sondern es schwamm auf dem Wasser. Sie besah es sich einige Minuten lang, doch ohne es zu berühren, und fand es in einer Weise gebaut, daß es sich je nach dem Fallen oder Steigen des Wassers heben oder senken konnte, und so dicht vom Schilf umgeben, daß es weder die Strömung, falls das Steigen des Wassers eine hervorbrachte. rs der Wind es fortführen konnte. . Aus Vesorgniß. die Entcnmutter zu beunruhigen, begab sich Perrine an eine etwas entfernte Stelle und blieb da. ohne sich zu rühren. Versteckt in den hohen Gräsern, in denen sie beim Niederkauern verschwand, wartete sie, um zu beobachten, ob die Ente wieder zu ihrem Neste zurückkehren würde; aber daraus, daß das Thierchen nicht wieder erschien, schloß sie. daß es nicht brütete und daß die Eier frisch gelczt waren. Sc.ann fetzte sie ihren Spaziergan fort und sah wiederum andere, durch das Rauschen ihres Kleides auf den dürren Blättern aufgeschreckte Vögel das Weite suchen: Wasserhühner.' die so behende in ihrer Flucht waren, dag sie über die schwimmenden Blätter der Wasserlilien huschten, ohne sie niederzudrüclen; Rallen mit rothen Schnäbeln; trippelnde Bachstelzen; endlich Schwärme von Sperlingen, die im Augenblick ihres Nächtigens aufgestört wurden und Perrine mit rhreni Geschrei verfolgten. Als sie so auf Entdeckungen ausging, kam sie bald am Ende ihres Weihers an und bemerkte, daß ein anderer, viel längerer und breiterer, daran grenzte, nur war er aus diesem Grunde viel weniger bebuscht; auch zeigte sich's, als sie auf der Wiese an einem der Ufer eine Weile hingegangen war. daß es hier viel weniger Vögel gab. Ihr eigener Teich war es, mit seinen dickt belaubten Bäumen, seinen arcfc

üppigen Schilfständen, seinen das Wasser wie ein grüner lebendiger Teppich überziehenden Sumpfpflanzen, den sich das geflügelte Volk erwählt hatte, weil es hier neben reichlicher Nahrung auch ungestörte Sicherheit fand, und als Perrine eine Stunde später dahin zurückkam. sah sie die Insel halb eingetaucht in die Schatten der Nacht, so still, so grün, so traulich daliegen, daß sie dachte, sie hätte ebenso viel Klugheit bewiesen wie diese Thierchen, indem sie diesen Erdenwinkel zu ihrem Neste auserkor. 21. Kapitel.

ei Perrine waren es häufig die Ereignisse des verflossenen Tages, die sich in ihren Träumen fortspannen, darum hatten auch in den letzten Monaten, die von Schmerz und Trauer erfüllt waren, ihre Träume einen leidvollen Inhalt wie ihr Leben. Wie oft war sie, seit das Unglück über sie hereingebrochen war, vom Schlafe erwacht, in Schweiß gebadet, fast erdrückt von geträumten Schreckbildern, die den Jammer des Tages fortsetzten! Nun aber, seit ihrer Ankunft in Maraucourt, hatten jene schrecklichen Träume unter dem Einfluß der hoffnungsvollen Gedanken, die wieder in ihr aufgelebt waren, wie auch dcr Befriedigung durch die Arbeit, sie weniger häufig, weniger peinigend heimgesucht; ihr Druck lag nicht mehr so schwer auf ihr, ihr eiserner Finger hatte sie nie mehr so fest an der Kehle gepackt. Wenn sie sich jetzt zur Ruhe legte, dachte sie vor dem Einschlafen an den nächsten Morgen, an einen gesicherten Tag entweder an die Fabrik oder an ihre Insel, oder auch an das, was sie unternommen hatte oder noch unternehmen wollte, um ihren Zustand zu verbessern, an ihre Espadrillen. ihr Hemd, ihre Bluse, ihr Röckchen. Und dann setzte ihr Traum, als gehorchte er einer geheimnißvollen Eingebung, den Gcgenstand, den sie mit ihren Gedanken festzuhalten gesucht hatte, in ein lebendiges Spiel um: bald war's ein Arbeitssaal, wo der Zauberstab einer Fee anstatt des Stelzfußes von Vater Holzbein die Maschinen in Bewegung setzte. ohne daß sich die Kinder, die sie bedienten. im Geringsten anzustrengen brauchten; bald war's ein herrlicher Tag voll allgemeiner Festfreude; ein andermal zauberte der Traum eine neue Insel von überirdischer Schönheit hervor, mit phantastisch gestalteten Landschaften und Thieren, wie sie eben nur ein Traum erschafft; oder es bewegte sich ihr Traum mehr auf dem Boden des Alltagslebens, ließ sie wundervolle Snefelchen nähen, die an Stelle der Espadrillen traten, oder unglaublich schöne Gewänder, von Genien in Höhlen aus Diamanten und Rubinen gewoben, und diese Kleider sollten im gegebenen Augenblick die Bluse und den Rock aus Kattun, die sie sich wünschte, ersetzen. Freilich war das Wirken dieser Eingebung nicht unfehlbar, und Perrines unbewußte Phantasie gehorchte ihr wedcr so willig noch so stetig, daß sie im Augenblick, wo sie die Äugen schloß, mit Sicherheit hätte darauf rechnen können, es würden iich in ihren Nacktgedanten ihre Taggedanken oder ihre Vorstellungen beim Einschlafen weiterspinnen; bisweilen kam aber diese Verkettung itzns Traumlebens mit dem wachen Leben doch zu Stande, und solche glückliche Nächte verschafften ihr dann eine körperliche und geistige Erfrischung, die ihren Lebensmuth hoben. Ehe Pe "ine am heutigen Abend in ihrer wcc.oerschlossenen Hütte einschlief, schwebte an ihren schlummertrunkenen Augen noch ein Bild vorüber, eine Erinnerung an ihre Entdeckungsreise in der Umgebung der Insel. Doch träumte sie eigentlich nicht von der Reise, sondern von Zurüstungen zu Schmausereien. In einer geräumigen, wie eine Kathedrale hochgewölbten Küche tummelte sich ein ganzer Schwärm weißer Männchen mit gnomenhaften Gesichtern und Bewegungen um mächtige Tische mit brodelnden Kasserollen: einige von ihnen zerbrachen Eier, andere schlugen das Eiweiß zu Schaum, der immer höher stieg wie flockiger Schnee, und aus allen diesen Eiern, einige so groß wie Melonen. andere kaum erbsengroß, stellten sie die außerordentlichsten Gerichte her, in solcher Mannigfaltigkeit, daß es ihre Absicht zu sein schien, diese Menge von Eiern nach allen bekannten Rezepten zu verarbeiten, ohne daß ein einziges vergessen blieb. Da gab es weichgekochte Eier mit Käse, mit brauner Butter, Eier mit Tomatentunke, Rühreier, Spiegeleier, Eier mit Sahne, aufgezogenk Eier, die verschiedensten Omeletten mit Schinken, mit Speck, mit Kartoffeln, mit Nieren; dann Omeletten mit Eingemachtem, oder solche mit Rum, auf denen eine helle Flamme loderte; und außer den Küchenjungen rührten sich noch andere Gnomen, die offenbar Küchenmeister waren, ihre Eier mit Teigen an, um Pasteten, Puddings und Aufläufe davon zu machen. Jedesmal, wenn Perrine halb erwachte. wollte sie diesen dummen Traum abschütteln, aber immer nahm er sie wieder gefangen, und die Gnomen, die sie nicht losließen, setzten ihre phantastische Arbeit so emsig fort, daß sie in dem Augenblick, wo die Fabrikpfeife sie aufweckte, eben noch der Bereitung eines Chokoladecremes zuschaute, dessen Wohlgeschmack sie auf der Zunge spürte. Und hernach, als ein helles Bewußtsein in ihr Köpfchen einzukehren begann. verstand sie erst, daß das, was ibr vorzugsweise bei ihrem Spazier-

gange Eindruck gemacht Yatle, nicht ver Reiz, die Schönheit, die Ruhe ihrer Insel war, sondern daß es ganz einfach die Eier der Wildente waren; diese ließen es ihren Magen wissen, daß sie ihm fast feit vierzehn Tagen nichts mehr gegeben habe als trockenes Brod und Wasser. Ja es waren jene Eier, die ihren Traum angesponnen hatten und ihr alle die kleinen Kochkünstler in ihrer Zauberlüche zeigten; er hatte Hunger nach den guten Sachen, dieser Magen, und er beklagte sich in seiner Weise, indem er diese Gesichte hervorrief, die thatsächlich nichts anderes als Klagen waren. Warum hatte sie nur diese Enteneier oder wenigstens einige davon nicht aus dem Neste genommen? Sie gehörten doch Niemand, da der Vogel, der sie gelegt hatie. ein wildes Geschöpf war? Freilich hätte sie sich, da sie weder Pfanne noch 2opf noch sonst ein Küchengeräth besaß, keines der Gerichte zubereiten können, die vorhin an ihren Augen vorübergezogen waren, immer eins verlockender und kunstfertiger zubereitet als das andere; aber das ist ja gerade der Vorzug der Eier, daß sie keine kunstgerechte Zubereitung nöthig haben: ein Streichholz, um ein wenig dürres Reisig, das sie in dem Gehölz sammeln könnte, anzuzünden, wäre alles, was sie brauchte; unter der glühenden Asche könnte sie die Eier ganz nach ihrem Geschmack kochen lassen, weich oder hart, und das würde genügen, ois sie im Stande wäre, sich einen Kochropf oder eine Pfanne zu kaufen. Und wenn sich diese Mahlzeit auch nicht mit dem Küchenzauber vergleichen ließe, den ihr Traum heraufbeschworen hatte, so wäre es doch ein nicht zu verachtender Schmaus. Mehr als einmal kam ihr während ihrer Arbeit dieses warum nicht?" in den Sinn, und wenn sie der Gedanke auch nicht im Banne hatte wie ihr Traum, so erfüllte er sie doch mit einem lebhaften Verlangen, das sie bestimmte, sich am Feierabend eine Schachtel Streichhölzchen und für einen Sou Salz zu kaufen. Als diese Einkäufe gemacht waren, eilte sie rasch an ihren Weiher zurück. Sie hatte die Stelle, wo sich das Nest befand, gut im Gedächtniß behalten, so daß sie es sofort wieder auffand; aber an diesem Abrnd saß die Entenmutter nicht darauf. Doch mußte sie im Laufe des Tages einmal dagewesen sein, denn statt zehn lagen nun elf Eier im Neste, ein Beweis, daß sie noch nicht aufgehört hatte zu legen und noch nicht brütete. Das traf sich sehr glücklich! Erstens weil die Eier demnach frisch sein mutzten, sodann, weil die Ente, die ja nicht zählen konnte, es nicht merlen würde. wenn man ihr fünf oder sechs Eier wegnähme. Früher wäre Perrine nicht so gewissenhaft gewesen und hätte ohne Beden-

ten das Nest vollständig geleert, aber der viele Kummer, deu sie erlebt hatte, hatte ihr ein warmes Mitgefühl für den Kummer Anderer zurückgelassen; ebenso hatte ihr ihre Anrnglichkeit an Palikar für alle Thiere eine Theilnahme eingeflößt, die ihr in ihrer Kindheit fremd geblieben war. Und war diese Wildente nicht auch eine Kameradin von ihr. oder vielmehr, um ihr Spiel fortzusetzen, eine Untenhanin? Wenn aber die Könige das Recht haben, ihre Unterthanen zu besteuern und von der Steuer zu leben, haben sie da nicht auch gewisse Rücksichten gegen sie zu beobachten? Als sie sich zu der Eierjagd entschloß, machte sie sich zu gleicher Zeit über die Art, die Eier zu kochen, ihren Plan; es verstand sich von selbst, daß dies nicht in der Vogelhütte geschehen durfte, denn das leiseste Rauchwölkchen konnte denen, die es etwa bemerkten, ihr Asyl verrathen; aber in einem Steinbruch des Gehölzes, wo sich öfters fahrendes Volk, das durch's Dorf gekommen war, lagerte, ließ sich ein Feuer anmachen, das keinem Menschen als etwas Ungewöhnlichcs auffallen konnte. Geschwind suchte sie sich einen Armvoll dürres Holz zusammen, und bald hatte sie glühende Kohlen und Asche, worin sie eines ihrer Eier gar werden ließ, während sie zwischen zwei geeigneten, sehr glatten Kieselsteinen eine Prise Salz zerrieb, damit es sich schneller auflöste. Zwar fehlte es ihr an einem Eierbecher, das ist aber ein leicht entbehrliches Gefäß und nur für den von Werth, der im Ueberfluß lebt. Ein kleines Loch, in ihr Stück Brod gemacht, entsprach ihrem Wunsche vollkommen. Und bald hatte sie die Genugthuung, ein Schnittchen Brod in ihr weiches Ei tauchen zu können. Beim ersten Bissen schien es ihr, als hätte sie noch nie etwas so Gutes gegessen, und sie dachte, selbst die Köche ihres Traumes, wenn sie leibten und lebten, könnten unmöglich eine Speise bereiten, die mit diesem unter der heißen Asche wachsweich gekochten Wildentenei den Vergleich aushielte. Da sie am Abend zuvor noch auf ihr trockenes Stück Brod angewiesen war und sich nicht einbildete, vor Wochen, ja vielleicht Monaten etwas anderes hinzufügen zu können, hätte dieses Nachtessen eigentlich ihren Appetit und die Ansprüche ihres Magens befriedigen sollen. Das war aber nicht der Fall, und sie hatte kaum ihr Ei gegessen, als sie schon überlegte, ob sie nicht die übrigen Eier und auch die, die sie sich, durch neue Funde bereichert, noch für die Zukunft versprach, auf eine andere Art zubereiten könnte. Gut, sehr gut war das weiche Ei, aber gut wäre auch eine . ? , ! Jtl.l. ' warme, mir emem isrgeiv angericoiere Suppe! Diese Vorstellung einer Suppe warbr mit dem lebhaften Bedauern.

j Wttde gesund und bleibe gesund j 4 Leberkrankheiten, Villiöfität, I L durch die Anwendung von 255? I Tr. Angnft König's WÖIL 2 loS wirst, sie reguliren und reinigen. 7 evrauche St. JakobS Otl gegro r , r V

auf die Ausführung verzichten zu müssen, durch den Kopf gegangen. Wohl hatte ihr die Herstellung der Schuhe uno des Hemdes ein gewisses Selbstvertrauen eingeflößt, indem sie ihr den Beweis lieferte, was man mit Ausdauer zu Stande bringen kann; aber dieses Vertrauen ging nicht so weit, daß sie sich einbildete, jemals eine Suppenkasserolle aus Ton oder Eisenblech verfertigen zu können, ebenso wenig einen Löffel aus Metall oder wenigstens aus Holz, um die Suppe damit zu essen. lffcrtsetzung folgt.) Loyar Dcutl'ch-Amcrikanrr. BemerkenSw,'le Rede des Repräsentant Batholdt von Missouri. Bei der Beratbung der Bewilligungsbill für den ijtrikt Columbia im Repräsentanlenhause benutzte Repräsentant Banholdt von Missouri neulich die Gelegenheit zu einer persönlichen Bemerkung. Es sei, sagte er. berichtet worden, daß er beabsichtige, eine Versammlung deutsch-amerita-nische? Bürger einzuberufen, um gegen übel berathene Aeußerungen gegen Deutschland Protest zu erheben. Er hege eine solche Absicht nicht, aber er habe eine Anzahl Briefe von DeutschAmerikanern erhalten, worin eine solche Konferenz zu dem Zwecke vorgeschlagen werde, um zu betonen, daß die althergebrachte Freundschaft zwischen den Ver. Staaten und Teutschland jedem Deutschen im Lande, am Herzen liege. Bartholdt zog die AnDeutung in's Lächerliche, als könnte es in Zukunft einmal zwischen Teutschland und den Ver. Staaten zum Kriege kommen, wovon Anglo-Ameri-kaner redeten. Die Freundschaft zwischen diesen beiden Ländern sei eine traditionelle. Während des Bürgerkrieges," so führte der Redner wörtlich aus, war Bismarck der einzige Freund, welchen die Bundesregierung in Europa hatte. Als Gladstyne erklärte, die Südstaaten würden Erfolg haben, rieth Bismarck den Bankiers in Berlin und Frankfurt zu dem Kauf von amerikanischen Regierungsbonds. Davon steht nichts in den amerikanischen Schulbüchern, aber eine Thatfache ist es nichtsdestoweniger. Tie Deutsch-Amerikaner haben keine andere Flagge als das glorreiche Sie?nenbanner. Sie differiren zuweilen in Fragen der öffentlichen Politik von anderen amerikanischen Bürgern. Sie sind gegen Prohibiiion, weil sie UNdurchführbar und ein Humbug ist; sie sind gegen radikale Einwanderungsgesetze, weil sie nicht wünschen, Andere in fremden Ländern daran zu hindern, daß sie sich der Privilegien erfreuen, deren sie selbst theilhaftig werden; sie sind für gutes Geld und Einer wie der Andere ist für die Fortdauer der historischen Freundschaft zwischen Deutschland und den Ver. Staaten. Im Frieden und im Kriege sind sie Amerikaner, und ihr Geschick ist, wie dasjenige jedes andern amerikanischen Bürgers untrennbar und für immer mit dem der amerikanischen Republik verkettet." Geborstenes Geschütz. Während einer Schießprobe mit Granaten, die mit starken Explosivstoffen geladen waren, explodirte jüngst auf dem Schießplatze von Sandy Hook, N. I)., eine zwölfzöllige Kanone. Es wurde Niemand verletzt, da Jedermann sich vorher unter Deckung gcbracht hatte. Die zerstörte Kanone war eine alte, die man zwei Meilen von den anderen Geschützen entfernt hatte, um im Falle einer Erplosion diese nicht zu beschädigen. Die Kanone explodirte beim zweiten Schuß und wurde in Stücke zerrissen; die Lafette würd? über eine halbe Meile weit fortgefchleudert und die Geleise auf der nahen Eisenbahn wurden aufgerissen und die Telegraphenleitungen zerstört. T ö d t l i ch e r Biß. In einem Hospital zu Brooklyn. N. F.. starb dieser Tage der Polizist I. Collins an den Folgen einer Blutvergiftung, die er sich durch einen Biß von einem Arrestanten zugezogen hatte. Collins verhaftete vor einigen Monaten einen Mann, als dieser in einen Stall einzubrechen versuchte. Der Gefangene wehrte sich gegen die Gefangennahme und biß dabei den Beamten in eine Hand. Seit jener Zeit war Collins oft krank und vermochte nicht, feinen Dienst zu verrichten. Seine Arme begannen zu schwellen und der Unglückliche hatte große Schmerzen zu erdulden. Endlich entschloß er sich, das Hospital aufzusuchen, das er nicht mehr lebend verlassen sollte.

Feuer - Signale.

Pennsylv und Market 5 English's Opern-HauK 6 Eastund NkVork 7 Noble und Michigan 8 N. Jnlky u. Maff 2ü 9 Pme und North ia Market und Pine II Vermont nah East ?2 9lo,. 8 Spritzenhaus Aa. Ave nahe Nob!e IS Devawarc und Walnut 14 R.Jerscy u Sentral A. 15 Masi, und kornell Äv ,6 Ash und 11. Straße .7 Paik Ave und 12 Ctr .s Columbia undHillfid 19 High land Ave u. Pratt kl Illinois und Et. Joe 22 Pennsylv. und Pratt 24 Meridian und 11. Str N No. 5 Spritzenhaus 15. nahe Illinois 26 Senate Ave u. StClatr 27 Illinois und Michigan ?P Pe sylvania und 14. Senate Ave. und lt. 31 No. l Spritzenhaus rnd ölve naheMichigan 32 Meridian und Walnut 34 California u Vermont 35 Blake und New Aork M Ind. Av. u. St tflc 37 City Hospital 38 Blake und Norty 39 Michigan und Azne 41 No. Spritzenhaus Washington nahe West 42 sendorf u Wash. 43 Missouri u New Kor! 45 Meridian u Wash 4 Jllmois und Qhio 47 Capitol Av. u Wash 48 Kmgan'ö PorthauS 4S Straßenbahn Stülle W. Washington Str 51 N. 1 Spritzenhaus Illinois u MerrUl 52 Illinois u Louisiana 53 Weit und South 54 West und Wcarth 5 Senste Ave. u Henry 57 Meridian und Rav 58 No. 4 EpritzenhaliS Madison Av. u Mor-.-5 Madison Av.u Tunlop 61 No 2 Haken LeiterhauS South nahe Delawar 2 Penn, u Merrill 2 Delaware u. McCarth 4 an und McSsrtY 5 New Jersey u. Merrill 7 Birg. Av. u Bradshaw 8 Saft und Prospekt 69 Bicking und High 71 Sio. 11 Spritzenhaus ir Ave. nahe Huron 72 East und Georgia 73 Eedar und Elm 74 Davidson u Georgi 75 Cnglish Av. u Pine 7 Ehelby und Bäte 7? No. 3 Spritzenbauk Prospcct nahe Sbelby 79 Fletcher Av. u Ehelby 81 Market u. New Jersey 32 Delaware und Wash. 33 Cast u Washington 84 New York u. Davidsor 86 Taubstummen Anstalt 8 Bcr. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 89 Frauen-Reformat. 91 No. 13 Spritzen bauS Maryland nahe Mer. 92 Meridian u. Scraia. 93 Meridian und South 9t Pennsylv u. Lonifiana 95 Virginia Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 ffrand Hotel. 98 Capital Ave und Obio .23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Av und 15. 126 ?)rnd und 15. 127 Brookside und Jupiter 123 Central Ave und V. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellefontaine und U. 134 College Ave und 20. 135 Delawar und 18. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 138 College Av und 14. 13? Cornell Av und 18. 141 Dandes und 12. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey und 22. 146 Alvord und 17. 147 No. i Spritzenhaus Hilistde Ave und 16. 148 College Ave und 22. 149 College Ave und 27. 152 Park Ave und 2. 15? L S u. W Bahn u. 22. 154 Namfey und 10. 156 Stoughton u Rewnmn 157 Zltlas und Pike. 158 Blcöb und PawXkw. 159 Ro. 21 Spritzenhaus Brightwood 12 Ar den und Depot 1)3 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. evfton 167 Arsenal Ave und 23. 163 Bi 'Iefontame und 58. 169 Park Ave und l. 12 Capital Ave und 17. 213 Pennsylv. u. Michigan 14 Illinois und 0. 15 Senate Ave und kl. 16 Pennsvlvania und 28, 217 Meridian ,nd 1. 18 Capital Ave und 26, 219 Broadway und 10. 231 Illinois und Mcean 34 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 50. 235 Jil'.nois und 53. 2-30 Annetta und 30. 237 No. ?. Epritzenhiu, Udell und Raoer 33 UdeU Ladder Worl 239 Hab! und 27. 41 M:ridian und 24. 42 Illinois u Et. Q-Ut'Si 243 Cldrioge und 3. 812 Wst und Walnut 513 West und 12. 814 Howard und 16. 815 Torbet und Po. 816 Capital Ave und 10. 817 Northwestern Ave u; 818 Gent und 18. 819 Canal und 10. 824 Cerealine Worts 324 Vermont und Lvnn 825 Bismarck u Yrankwie 826 No. 2 Spr-.tzenhauS Haughville. 827 Michigan u. HolmeS. 328 Michigan u. Concord S41 West und AcJntpn 412 Missouri u. Maryland 413 Mil'vuri und Ohi 415 Capital Ave u Heorgia 416 Missouri u cntutky A 417 Senate Ave u. Was. 41 P und C ii!u4 23. Wasbing. 423 Jrren-HospUal. 424 Mi.ey Ave u. I D u S 425 Wash. und HarriS 42 No. 13 Spritzenhaus W. Washington 427 Oliver und Birch 4&8 Oliver und Osgood 429 NortyZe und fort 431 Hadlcy Ave u. Morri 432 Rwer Ave u. MorriS VA River Ave und Rah 435 Harding u. Big 4 R 436 Harding und Oliv 457 Ro. 19 Spritzenha Morris und Harbins, 4 Howard und WllwoB 439 Liockvarvs 4öi Reisn und Miller 452 Howard und Lee 458 AomS und JtaftwS 456 Lambert und Belrnl 457 Nordykr . Va rncn WorkS 612 West und Ray 613 cnwcky Ave u.Verrc. 14 Meridian und MorriS 516 JllinoiS und ansa 17 MorriS und Dakota 518 MorriS und Eburch 619 Capital A. u McCartp 621 Meridian und Palm 623 Pme un', Lord 624 Madisor Ave u kmcoln 26 Meridian und Belt A 627 CarloS und Ray 628 Meridian und Arizna 629 Meridian u. Raymond 531 Meridian u. McCarttz 632 No. 17 Spritzenhaus Morri nah ist 1 McKcrnan und Dough, 618 East u. Lincoln Ln 614 East und Beecher 15 Wright und Sander 17 McCarty und Beat? 18 Rew Jersey u ir Ave 71 Spruce und Prospe 715 Engufh Ar, u. Laurtl 714 State Ave u. Belt R R 715 Shelby und Bch 716 State Av und Orange 713 Orange und Laurel 71 Sheldy u. Ct. .tage Avt 721 Lrmgton A.u Lau? 728 FlchAvu.Spr, 724 State Ave u. Pleasant 725 Prospitt und leafani 72 Orange und Haila? 728 Liberty und Veek 729 Role und South 612 Ro. 1 Spritzenhaus Ost Washington SU 15 Market und Noble 814 Ohio u. Hghland Av 815 Michigan u. Highlant 816 Market u Arsenal Av, 17 Oft S. Clair und Union Bahn Geleite. 8! Pan Hand' Sbp? 8U Vermont und Walcott 824 Wash. und State fc. 826 S adden ' 4 Lunge Aab. 826 Mucker und Dorsey 827 Wash. und Bevillt I 829 No. 12 Spritzenhaus Bevilie nahe Richiga, 851 Southeaslern Ape und Woodsioe. 52 Wash. und Dearbor 54 Coutheastern und Arsenl S. 855 Rew Aork md Templ 9ik JllinoiS und Marhl. i JllinoiS nd Market. 914 Penn, nd Wostz. 915' Telawsre nnd Spezial.Gizuale. Ersten , Schlag, zweiter Alm, Zweit 2 Schlage, dritter Alarm, Dritten 2 Schlag, vierter Alarm. l--l, Feuer aus und Schlauch aufgerollt. Schlag, Wasserdruck ad. 12 Schlag,, 1 Uhr Mittags. Die Zo bezeichneten Signale werden nur vom Vptxm Wachter angegeben da an den betreffende Strato krutzunge fön Alarmküsten angebracht Hd,