Indiana Tribüne, Volume 26, Number 141, Indianapolis, Marion County, 5 February 1903 — Page 7
Jndiana Trivnne, 5 . Februar 1903 .
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Anheim. "" i Familienroman von Hoctor atst. .?-.' . .t....f ..???. .i , 1 . ..r... -r . (Fortsetzung.) Während sie langsam ihr Brod verzehrte, das sie, aus Furcht es zu zerkrümeln, in kleine Stückchen zerschnitt, machte sie kein Geräusch mehr, und nun kam die Bevölkerung des Weihers beruhigt zurück, ihr Nest für die Nacht aufzusuchen. Jeden Augenblick strichen Flüge durch das Gold der Abendsonne, oder zeigten sich Wasservögel, die behütsam aus dem Röhricht herausschlüpften und dann leise mit vorgestrecktem Halse und horchendem Kopfe, um die Sicherheit zu prüfen, dahinschwammen. Wie das Erwachen der Thiere sie am Morgen erfreut hatte, so entzückte sie jetzt ihr Schlafengehen. Als sie mit ihrem Brode fertig war. was nicht viel Zeit kostete, obgleich sie, um den Genuß zu verlängern, die Stückchen kleiner und kleiner zertheilte, bemerkte sie, daß das Wasier des Weihers, das vor ein paar Minuten noch wie ein Spiegel geglänzt hatte, dunkler geworden war, und daß der Himmel seine blendenden Flammen gelöscht hatte; bald mußte die Nacht auf die Erde herabsinken die Stunde der Rube hatte geschlagen. Aber ehe sie ihre Thür zuschloß und sich auf ihrem Blätterbett ausstreckte, gedachte sie eine letzte Vorsicht zu cjtbrauchen: sie wollte die Brücke, die über den Graben gelegt war. wegnehmen. Sie fühlte sich ja in völliger Sicherheit in der Vogclhüttc, wo sie gewiß kein Mensch stören würde, auch konnte schlimmstenfalls Niemand herankommen, ohne daß die Bewohner des WeiHers, die feine Ohren hatten, sie durch ihr Geschrei aufgeweckt hätten; aber demungeachtet war das Entfernen der Brücke, wenn ausführbar, eine gute Vorkehrung. Und dieses Wegschaffen der Brücke war nicht blos eine Frage der Sicherheit, sondern auch des Vergnügens: war es nicht ein hübscher Gedanke, ganz abgetrennt vom Festlande zu sein, auf einer wirklichen Insel, von der sie Besitz ergriffen hatte? Wie schade, daß sie nicht eine Fahne aufpflanzen und eine Kanone abfeuern konnte, wie das in Reisebeschreibungen erzählt wird! Eifrig machte sie sich an's Werk, und nachdem sie mit ihrem Besenstiel die Erde an jedem Ende des Weidenstam mes, der als Brücke diente, aufgelockert hatte, konnte sie ihn auf ihr User herüberleben. Und jetzt war sie wirklich zu Hause, trat Herrscherin in ihrem Reiche, Königin ihrer Insel, die sie nun auch taufen wollte, wie es die großen Reisenden machen; um den Namen gerieth sie keineu Augenblick in Verlegenheit oder Zireifel: was konnte sie für einen besteren. ihrer gegenwärtigen Lage entsprechenderen finden, als: Gute Hoffnung? Es gab freilich schon das Kap der guten Hoffnung; aber man kann ein Kap nicht mi: einer Insel verwechseln. 19. Kapitel. s ist freilich sehr angenehm. Kömgm zu sein, besonders wenn man keine Unterthanen und keine Nachbarn hat, aber dann muß man auch nichts zu thun haben, als von Fest zu Fest durch seine Staaten spazieren zu fahren. Perrine war aber just noch nicht an diesem glücklichen Seitpunkt der Feste und Spazierfahrten angelangt. Auch am anderen Morgen, als bei Tagesanbruch das geflügelte Völkchen des Weihers ste durch sein Morgenständchen weckte und ein Sonnenstrahl, der durch eines der Gucklöcher des Häuschats eindrang, auf ihrem Gesichte spielte, dachte ste gleich daran, daß sie nicht in den Tag hinein weiterschlafen, sondern nur ganz leicht schlummern dürfe, um bei der Hand zu sein, sobald der erste Pfiff da? Zeichen gäbe. Aber kernfesteste Schlaf ist ja nicht immer der feste, vielmehr der ist's, der den Faden abbricht, wieder aufnimmt, noch einmal abbricht und einem so das Bewußtsein eines Traumes gibt, der sich fortsetzt und verkettet. Und Perrine träumte nur von angenehmen, fröhlichen Dingen; im Schlaf war ihre Müdigkeit von gestern so vollständig vergangen, daß sie sich ihrer nicht einmal mehr erinnerte; ihr Bett war weich, warm, wohlriechend; die Luft, die sie athmete, war von den verwelkten Pflanzen balsamisch durchwürzt; die Vögel schläferten sie mit ihrem jubelnden Gesang ein, und die Tbautropfen, die sich auf den Weidenblättern gesammelt hatten. fielen in's Wasser und gaben einen Klang wie Glasmusik. Als das Pfeifen aus der Fabrik die ländliche Stille gewaltsam unterbrach, war Perrine schnell auf den Füßen, und nachdem sie sich sorgfältig angezogen und am Rande des Weihers gewaschen hatte, machte sie sich zum Aufbruch bereit. Aber es gefiel ihr nicht, beim Verlassen ihrer Insel die Brücke wieder an die alte Stelle zu bringen. Abgesehen von der Gewöhnlichkeit dieser Einrichtung, schien ihr auch eine Gefahr darin zu liegen, solchen Leuten, die etwa in ihre Hütte eindringen wollten, falls je einer vor dem Winter die unwahrscheinliche Absicht hätte, den Uebergang zu erleichtern.
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Sie blieb vor dem Graben stehen und sann darüber nach, ob sie nicht durch einen Sprung die andere Seite erreichen könnte, als ihr eine große Stange, die die Hütte auf der Seite, wo die Weiden fehlten, stützen sollte, in die Auen fiel; sie ncchm ste weg und bediente sich ihrer, um den Graben damit zu überspringund das war für ste, d an diele oft geübte Handhabung gewöhnt war, nur ein Spaß. Wohl mochte es kein sehr vornehmer Brauch sein, ihr Königreich auf diese Weise zu verlassen, da es aber Niemand gesehen hatte, schadete es im. Grunde wenig; überdies müssen sich junge Königinnen Dinge erlauben dürfen, die den alten verboten sind. Nachdem sie ihre Stange im Grase des Weidengebüsches versteckt hatte, damit sie sie bei der Rückkehr am Abend gewiß wiederfände, machte sie sich auf den Weg und kam dann als eine der ersten bei der Fabrik an. Als ste wartend dasaß, sah sie, wie sich Gruppen von Arbeitern bildeten, die sich mit einer Leidenschaftlichkeit, die sie am Abend vorher nicht an ihnen bemerkt hatte, über eine Sache unterhielten. Was ging nur hier vor? Durch einige Worte, die sie zufällig hörte, erfuhr sie es: Arm'.s Mädchen!" ..Man hat ihr den Finger abgenommen." Den kleinen Finger?" Ja. den kleinen." Und den anderen?" Den hat man nicht abgenommen." ,Hat sie arg geschrieen?" Ja, sie that Schreie, daß Alle weinen mußten, die es hörten." Perrine hatte nicht nöthig zu fragen.
wem man den Finger abgenommen hatte, und nach dem ersten Schrecken zog sich ibr das Herz zusammen: freilich kannte sie das Mädchen erst seit zwei Tagen, aber sie, die ttjr bei ihrer Ankunft zuerst begegnet war. die sie begleitet und als Kameradin behandelt hatte, sie war die Arme, die nun verstümmclt blieb. Ganz verzweifelt versenkte ste sich in diese Gedanken, als sie, unwillkürlich aufblickend. Herrn Bendit einherkommen sah; da erhob sie sich und ging ihm entgegen, ohne recht zu wissen, was sie that, und ohne sich davon Rechenschaft zu geben, welche Freiheit sie sich bei ihrer untergeordneten Stellung herausnahm, einen Mann von solcher Bedeutung anzuspreckcn. Mein Herr," sagte sie auf englisÄ. erla iben Sie mir. Sie zu fragen, wenn Sie es wissen wie geht es Rosalie?" Wunderbarer Weise würdigte er sie. die Augen auf sie zu richten und ihr zu antworten: Ich habe heute Morgen rhrc Großmutter gesehen, die mir gesagt hat, sie habe gut geschlafen. O. mein Herr, ich danke Ihnen!" Aber Herr Bendit. der sich in seinem ganzen Leben noch bei Niemand bedankt hc tte, fühlte nicht alles, was an Gemütbsbewegung und herzlicher Erkenntlichkeit in diesen Worten lag. Ich bin sehr froh darüber." sagte sie, indem er feinen Weg fortsetzte. Während des ganzen Vormittags dachte sie an nichts als an Rosalie, und sie konnte sich diesen Vorstellungen umso freier bingeb.'n, als ste schon ganz mit ihrer Arbeit vertraut war, die keine besondere Aufmerksamkeit mehr erforderte. In der Feierstunde eilte sie in das Haus der Acutter Francoise; da sie aber das Mißgeschick hatte, auf Tante Zencbia zu stoßen, kam sie nicht weiter als bis zur Thürschwelle. Rosalie besuchen? Wozu denn? Der Arzt hat gesagt, man dürfe sie nicht aufregen. Wenn sie wieder auf ist. loird sie Dir schon erzählen, wie ste stch hat verstümmeln lassen, das einfältige Ding!" Du Art. wie sie am Morgen empfangen worden war. hielt sie ab, am Abend wiederzukommen, denn man würde ihr gewiß noch viel weniger freundlich begegnen; somit hatte ste keine Wahl, als auf ihre Insel zurückzukehren, die ste je eher je lieber wieversehen wollte. Sie fand alles dort, wie sie es verlassen hatte, und da heute nichts Haushälterisches zu thun war. konnte sie gleich zu Abend essen. Sie hatte sich vorgenommen, dieses Abendessen recht in die Länge zu ziehen; aber so klein sie auch die Stückchen Brod schnitt, sie konnte sie doch nicht in's Unendliche verkleinern, und als sie nur noch ein Restchen übrig hatte, stand die Snne noch hcch am Honzcnt. Da setzte sie sich bei offener Thür in den Hintergrund der Hütte auf den Holzblock, hatte den Weiter vor sich, in der Ferne zwischen einem Gitter von Bäumen hindurch die Wiefen, und sann darüber nach, wie sie sich künftig einrichten wollte. Für ihren leiblichen Bedarf stellten sich ihr drei Punkte von ganz besonderer Wichüffkeit dar: Wohnung, Nahruna. Kleidung. Tie Wohnung war ihr dank dem glücklichen Zufall, der sie die Insel hatte entdecken lassen, wenigstens bis in den Oktober hinein gesichert und kostete sie nichts. Aber über die Nahrungs- und Kleidungöfrage war nicht mit derselben Leickr?akeit weaukommen. Konnte ste stech wohl mit einem Pfund Brod täglich auf Monate und Monate hinaus genügend ernähren und die Kräfte, die sie bei der Arbeit verbrauchte, damit ersetzen? Sie wußte es nicht zu beurtheilen, da sie bis yu diesem Zeitpunkte noch nie so angestrengt gearbeitet hatte; Mühsale, Strapazen, Entbehrungen, ja, die kannte sie, nur waren es immer besvndere Umstände aewejen. die ein paar
so schlimme Tage im Gefolge hatten, während dann wieder andere kamen, die alle Sorgen verwischten; doch von unablässigem, fortgesetztem Arbeiten hatte sie ebenso wenig einen Begriff, als sie die Ausgaben berechnen konnte, die eine lange Reibe von Tagen erforderte. Sie .mußte sich gestehen, daß in den zwei vergangenen ihre Mahlzeiten etwas kümmerlich waren; doch kam d2s für sie, die tödtliche Hungerqualen erlebt hatte, eigentlich nur auf eine kleine Verdrießlichkeit hinaus; daß ihr Appetit nicht gestillt wurde, hatte nichts zu bedeuten, wenn ste nur ihre Gesundheit und Kraft mcut einrußte. Uebrigens würde ste ja bald ihre Mahlzeiten etwas ausgiebiger machen und dem Brode noch Butter und ein Stückchen Käse zusetzen können; es galt also nur zu warten, einige Tage mehr oder weniger, ja noch wochenlang das hatte nichts zu sagen. Dagegen war ihr Anzug, wenigstens stellenweise, in einem Zustande des Zerfalls, der ihr ein schnelles Handeln auferlegte, denn die Flickerei, die sie während ihres Aufenthalts bei der Hafenbluse vorgenommen hatte, hielt nicht mehr aus. Besonders waren ihre Schuhe so abgetragen, daß sich die Sohle unter den Fingern bog, wenn sie sie befühlte: man konnte leicht den Augenblick voraussetzen, wo sie sich vom Oberleder ablösen würde, und das mußte umso früher geschehen, als der Weg, auf dem sie ihr Wägelchen zu führen hatte, frisch mit Kies beschüttet war, was das Schuhwcrk rasch abnutzte. Wenn es so weit gekommen wäre, was sollte sie dann thun? Es blieb nichts übrig, als neue Schuhe zu kaufen; aber sollen und können ist zweierlei: woher das Geld nehmen zu einer solchen Ausgabe? Das Nöthigste und Dringendste war also, stch ein paar Schuhe zu verfertigen; allein die Ausführung dieses Vorsatzes stellte ihr bei näherer Ucberlegung Schwierigkeiten in den Weg, die ste gleich von vornherein entmuthigten. Noch nie hatte ste daran gedacht, sich zu fragen, was ein Schuh sei. und als ste jetzt einen vom Fuße nahm und bei genauer Betrachtung sah, wie das Oberleder an die Sohle genäht war. wie das Hinterblatt mit dem Vorderblatt zusammenhing, und wie stch der Absatz an das Ganze fügte, da begriff sie. daß dies eine Arbeit war. die ihre Kräfte und ihren guten Willen überstieg, und die ihr nur Achtung vor der Kunst des Schuhmachers einflößen konnte. In einem Stück aus Holz geschnitzt, so wäre wohl ein Holzschuh leichter zu verfertigen; aber wie sollte sie ihn aushöhlen, da sie als einziges Handwerkzeug nur ihr Messer hatte? Betrübt sann sie über diese Unmöglichkeiten nach, als ihr Auge, ziellos über den Weiher und seine Ufer schweifend, an einer Schilfstaude haften blieb: die Stengel dieses Schilfs waren stark, hoch, dicht, und zwischen den neuen Schossen vom Frühjahr gab es noch welche vom vorigen Jahre, die in's Wasser gesunken waren, aber noch nicht
verfault -schienen. Bei diesem Anblick tauchte eine Idee in ihrem Geiste auf: die Fußbekleidung, dachte sie, besteht nicht immer aus Leder und Holz, es gibt auch Schuhe aus Zeug mit Sohlen aus geflochtenen Pflanzenfasern, sögenannte Espadrillen. Warum sollte ste nicht einen Versuch machen, Sohlen aus diesem Schilfe zu flechten, das, wie es schien, eigens zu ihrem Gebrauch hier wuchs, wenn ste nur die Geschicklichkeit dazu aufbringen konnte? Sogleich verlieh ste ihre Insel und ging am Ufer hin, bis sie an eine Schilfstaude kam, wo sie sah, daß sie nur einen Armvoll von den besten Stengeln, das heißt von solchen, die schon ausgetrocknet und doch noch biegsam und fest genug waren, zu nehmen brauchte. Sie schnitt rasch ein tüchtiges Bündel ab und trug es eilends in ihre Hütte, wo sie sich sofort an die Arbeit machte. Aber nachdem sie einen nahezu meterlangen Zopf geflochten hatte, wurde ihr klar, daß eine Sohle davon zu locker würde, darum nicht genug Festigkeit bekäme, und daß das Schilf vor dem Flechten zugerichtet werden mußte, indem man die Fasern trennte und in eine grobe Art Hanf verwandelte. Dies Geschäft konnte ste nicht abschrecken: ste hatte ja einen Holzblock, auf dem ste das Schilf klopfen konnte, es fehlte ihr nur an einem Klöpfel oder Hammer; aber ein runder Kiesel, den ste sich von der Straße holte, bot Ersatz dafür, und sogleich begann sie die Stengel zu klopfen, doch ohne sie durcheinanderzubringen. Die Schatten der Nacht überraschten sie bei ihrer Arbeit; da legte sie sich schlafen und träumte von den schönen Espadrillen mit blauen Bändern, die sie bald an den Füßen haben würde, denn sie zweifelte gar nicht, daß sie ihr gelingen würden, wenn auch nicht beim ersten oder zweiten, jedoch gewiß beim dritten oder zehnten Versuch. Aber es sollte nicht so lange währen. Schon am nächsten Abend hatte sie so viele Zöpfe geflochten, daß sie an ihren Sohlen beginnen konnte, und am übernächsten Tage, nachdem sie eine Ahle gekauft hatte, die sie einen Sou kostete, einen Knäuel Zwirn, auch für einen Sou, ein Endchen blaues Baumwollenband zu demselben Preise, zwanzig Centimeter groben Drilch um vier Sous, alles zusammen also zu sieben Sou was auch das höchste war, das sie ausgeben konnte, ohne sich das Brod für den Sonnabend zu schmälern, probirte sie es, nach dem Muster ihres Sckubs eine Sohle zu formen. Die
erste gerieth aber nahezu rund, und das ist nicht so ganz die Form des Fußes; die zweite, mehr ausgedachte, hatte gar keine Gestalt; die dritte fiel kaum besser aus; aber endlich die vierte, gut eingezogen in der Mitte, verbreitert an den Zehen, verkürzt am Absatz, die konnte für eine Sohle gelten. Welche Freude! Wieder einmal war die Probe gemacht, daß mit gutem Willen und Beharrlichkeit erreichbar ist, was man ernstlich anstrebt, wenn es auch anfangs unmöglich scheint und man keine Hilfsmittel dazu hat als ein rn nin ff t( iri-itnnänif"-DaS Geräth, das ihr besonders fehNe, um ihre Espadrillen zu vollenden, war eine Schecre. Da aber diese Anschaffung eine zu kostspielige Sache war. mußte sie darauf verzichten. Zum Glück hatte sie ihr Messer, und mit Hilfe eines Schleifsteins, den sie sich im lunbett suchte, konnte sie es so scharf machen, daß es den Drilch, den sie über den Block spannte, durchschnitt. Beim Zuschneiden dieser Zeugstücke ging es auch nicht ohne wiederholtes Hin und Herprobiren ab; endlich kam ste aber doch damit zurecht, und am Sonnabendmorgen hatte sie die Genugthuung, mit schönen, neuen Schuhen von grauer Farbe, die sich durch ein blaues, über dem Reihen gekreuztes Band fest an den Fuß anschlössen, ausgehen zu können. Während dieser Arbeit, die ste vier Abende und drei Morgen vom ersten Tageslicht bis zur Fabrikstunde gerechnet gekostet hatte, hatte ste manchmal überlegt, was sie mit ihren alten Schuhen anfangen solle, wenn sie die Hütte verließe. Sie hatte ja nicht zu fürchien. daß sie von Leuten, die sie in der Vogelhütte fänden, gestohlen würden, da gewiß kein Mensch hierher käme. Aber könnten ste nicht von den Ratten zernagt werden? Wenn das geschähe, welcher Unstern! Um dieser Gefahr zu entgehen, war es nöthig, sie an einem Orte aufzubewahren, wo sie die Ratten, die ja überall hinkommen, nicht erreichen könnten; und da sie weder Kommode noch Schachtel noch sonst etwas Verschließbares hatte, fand sie's am Gerathensten. die Schuhe mit einer Weidenruthe an die Decke zu knüpfen. 20. Kapitel. "i'TVenn Perrine stolz auf ihre Fußbekleidung war. se machte sie sich doch auck) Sorge darüber, wie sich die Schuhe wohl bei der Arbeit anließen: würde sich die Sohle nicht erweitern? und würde sich der Drilch nicht ausdehnen und alle Form verlieren? Darum blickte sie sogar beim Beladen oder Weiterschieben ihres Wägelchens häufig auf ihre Füße. Bis ient batte sich das Kunstwerk aut acyaiten, aber ov dies auf die )auer oe? Fall wäre? Ihre Bewegungen hatten wahrscheinlich die Aufmerksamkeit einer ihrer Mitarbeiterinnen erregt, die, als sie die Schilfschuhe betrachtete, Geschmack daran fand und Perrine sagte, wie sehr sie ihr gefielen. Wo hast Du diese Pantoffeln gekauft?" fragte ste. Es sind keine Pantoffeln, es sind Espadrillen." Sie sind aber doch hübsch; sind sie theuer?" Ich habe sie selbst gemacht aus geflochtenem Schilf und Drilch für vier Sous." O das ist hübsch!" Dieser Erfolg bestimmte ste, eine andere Arbeit vorzunehmen, eine viel schwierigere, an die ste oft gedacht, die sie aber immer wieder verschoben hatte, nicht allein wegen der Unkosten, sondern weil stch der Ausführung auch sonst noch Schwierigkeiten aller Art entgegenstellten. Sie wollte stch nämlich ein Hemd machen, es zuschneiden und nähen, um das einzige, ds ste besaß und am Leibe trug, deshalb auch nicht ausziehen und waschen konnte, zu ersetzen. Wie viel würden wohl zwei Meter Schirting, die dazu nöthig wären, kosten? Sie wußte es nicht. Wie sollte sie den Stoff zuschneiden, wenn sie ihn hätte? Sie wußte es ebenso wenig. Und so stiegen ihr noch manche andere Fragen auf, die ihr Kopfzerbrechen machten, ganz abgesehen von der Erwögung, ob es nicht klüger wäre, zuerst ein Mieder und einen Rock aus Kattun zu machen, um ihre Jacke und ihren Rock zu ersetzen, die stch umsomehr abtrugen, ils ste genöthigt war, ste über Nacht anzubehalten. Der ZeitPunkt, wo ihr Anzug ganz und gar unbrauchbar geworden sein müßte, war leicht zu berechnen. Wie sollte ste sich dann sehen lassen? Und doch durfte sie, um zu leben, zur Gewinnung ihres täglichen Brodes, ebenso zum Gedeihen ihrer 'Zukunftspläne ihrer Stellung in der Fabrik nicht verlustig gehen. Als sie jedoch am Sonnabendabend die drei Francs, die sie in der Woche verdient hatte, in der Hand hielt, konnte sie der Versuchung, mit dem Hemde Ernst zu machen, nicht widerstehen. Das Mieder und der Rock hatten in ihren Augen natürlich nichts von ihrer Zweckmäßigkeit verloren; aber das Hemd war auch unumgänglich nöthig, und außerdem drängten sich ihr noch andere Rücksichten auf: die Gewöhnheit der Sauberkeit, in der sie auferzogen worden war, die Achtung vor sich selbst und durch diese Gründe ließ sie sich schließlich bestimmen. Das alte Jäckchen und den Rock wollte sie noch einmal gründlich herausflicken, und da ste aus solidem Stoffe gemacht waren, vertrugen sie gewiß och einige neue Ausbesserunaen. (Fortsetzung folgt.)
St. Zskobs
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Das beste Heilmittel in der Wel. In 25 uö S0 ?in unheimlichcS Gesünik lastet auf vielen fürstlichen Familien Europas; besonders auf den österreichischen. Eine Krisis ist ausgebrochen. wie sie noch nicht 'da war, eine Krisis, die allmählich beginnt, um den Gang der hohen Politik und die Verhältnissc der Völker unter einander zu beeinflussen. Das begann vor L0Jahren in Oesterreich mit dem eklatanten Fall des Prinzcn Rudolf, fccr auf die östcrrcichifche Kaiserkrone, die Sif phanskronc und die Wenzelskronc, eincs Weibcs wegen, verzichtete und in ! den Armen dieses Weibes in einer wusten Nacht gräßlich endete. Dann folgte die ebenfalls österreichische Affaire dcs Erzherzogs Johann Salvator, der eines kleinen Mädchens halber auf alle Rechte feinerGeburt verzichtete und als Johann Orth in die Fremde zog. wo er spurlos verschollen ist. Seit der Zet haben ähnliche Fälle stch unglaublich gehäuft, ohne freilich jemals die dunkle Tragik dieser beiden Ereignisse erreicht zu haben. Es ist, als sei eine Manie, eine Panik, unter diesen ErzHerzogen und Großfürsten ausgebrochen; es steht aus wie das Hasten ängstlicher Leute, die aus alten, baufälligen Häusern flüchten. Nennen wir nur den Fall der Erzherzogin Siephanio, die ebenfalls auf alle Rechte verzicht tete." den Fall der schönen Grohherzogin von Hessen, die sogar von ihreir Throne herunterstieg, und aus dem wenig durchsichtigen russischen Hofle ben den Fall d-s Großfürsten Paul Alerandrowitsch. Und nun gar die beiden Ereignisse der jüngsten Tage, diese Kronprinzessin und dieser E' ',- herzog, die nicht schnell genug über die Grenze fliehen konnten, die mit beinahe wilder Freude erklären, nie wieder in ihr Fürstentum zurückkehren zu wollen. Es läßt sich nicht leugnen, daß das alles den Völkern einiges zu denken giebt. Das monarchische Prinzip erfordert hervorragende, repräsentativ? Personlichkeiten und es erfordert die Gewißheit sicherer Erbfolge von Sohn zu Sohn in derselben alteingesessenen Familie. Dies ist wenigstens eine Förderung moderner Zeiten, wo die Völker mitsprechen und sich nicht mehr wie Erbgut von einer Familie zur andern schieben lassen, wo k als selbstverständlich erscheint, daß nur ein im Lande geborener Fürst der Repräsen tant der Nation sein kann. Die Deutschen und Preußen haben deshalb allen Grund, sich der Gesundheit und Kraft ihres führenden Fürstenhauseß zu erfreuen, das von ungesunden Abenteuern verschont blieb und dessen frisches Weiterwachsen für absehbare Zeit gesichert erscheint. Aus st erbende RaubVögel. Aus Thüringen wird gemeldet, daß im Nordwesten des Thuringerwaldes Steinadler, Uhu und Milan fast nicht mehr anzutreffen sind, während der Habicht noch nicht ganz verschwunden ist. Am häufigsten kommen noch Bussard und Waldkauz vor. Wie sehr die Zahl der RaubVögel in den letzten 100 Jahren zurückgegangen, ersieht man aus den Angaben, die vermelden, daß von 1748 bis 1756 in sämmtlichen gothaischen Aemtern 5163 Raubvögel getödtet und amtlich gemeldet wurden, wobei dann noch eine sicherlich auch nicht unbedeutende Zahl geschossen worden, die nicht zur Kenntniß der Behörden kam. Immer Protz. ..Ich denke. Sie wollten aus Gesundheitsrücksichten Vegetarianer werden. Herr Maier?" Protz: Das geht jetzt doch nicht. Da würden die Leute denken, ich sei wegen der theuren Fleischpreise Vegetarier geworden !" Ao Salsmsnilciies Zrdheet. Herr Schneck der hadde wieder 'ma Mit feiner iverdhe Frau Skandal. Bei'n Friedensrichder leeft er hin Un spricht: Ich will geschieden sin 5 WaS sie is, die iS einverstanden !" Nn, sin denn Ginderchen vorhanden?" Gewiß, drei Stick. Un seit vier Wochen Hirnii, mir den Gasus dorchgesvrochen. Zwee Mädchen Hammer nn an' Knawen. Un jed's will zwee bei'n Dheelen Hamen!" Ter Richder reischbert sich: So. so," Dann spricht er, wie ö Salomo: a zieh'n Se doch die Sache hin. Solange bis eS viere sin, TaS sieht selbst Adam Niese ein, Dann difidirt stch' bester 'nein. Zwee ganse Jahre die vergeh, Herr Echneck läßt sich nich wieder sehn. Da äiittkS DaflS, herrcheemerschn. Begegnen sich ämal die rroee. .Na." flistert ihn der Richder zu, Wie steht denn mit der Scheidnngk im?" Herr Schneck der lächelt sanersiß: Die Sache die is Widder mie; Jetzt sin, er fimse." Also doch? Na, wisse .1 Se. da wart' wer nzch!" Edwin Vorntann.
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Schmerzen, wie Etablirt feit 50 Jahren. Gents GrSßen. Feuer - Signale. 4 Pennsylv und Wartet 6 Englist'SOpern-HauS 6 CastundRew York 7 Noble und Michigan 8 N. Jersey u. Maff Ave 9 Pine und North 10 Maet und Pine 11 Vermont nabe Eaft 12 Rz. 8 Spritzenhaus Maff. Ave nahe Noble !3 Dcaware und Walnut 14 N.Jerskv u Eenttal A. 16 Maff. und Conteli 21c Ash und 11. Straße 7 Park Ave und 12 Str Golurnlui undHillfid 10 High land Ave u. P,att 11 JNinoiS und St. Joe 23 Pennsylv. und Pratt 24 Äidian und ll. Str 25 No. 5 Spritzenhaus 15. nahe Illinois 26 Senate Aveu. StLIa 27 Illinois und Michigan 29 Pesvlvania und 14. 29 Senate Ave. und 13. 21 No. 1 Spritzenhaus Ind Ave naheRichigan 32 Meridian und Walnut 34 California u Vermont ä5 Blake und New York 3 Ind. Av. u. St. lair 37 Cliv Hospital 33 Blake und Norty 39 Michigan und A'neS 41 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West 42 Gsendorf u Wash. 43 Missouri u New Kork 45 Meridian u Wash 4 Jllmois und Oyio 47 Capitol Av. u Wash 43 kmgan'S Porkhaus 49 Straßenbahn Ställe W. Washington Str 51 No. l Spritzenhaus Illinois u Merrill 52 Illinois u Louisiana 53 Wen und Eoutt) 64 West und McCarty 5 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Ray 68 No. 4 Spritzenhaus MadisonAv.uRor.-iS 69 Madison Av. u Tuniop 61 No 2 Haken LeitcrhauS South nahe Delawar, 2 Penn, u Merrill 63 Delawan u. McEarty 64 East und McSany 6 New Jersey u. Merrill 67 Birg. Av. u Bradshaw 68 Saft und Prospect 69 Bikking und High 71 No. ll Spritzenhaus ir Ave. nch Huron 72 East und Georgia 73 edar und Elm 74 Davidson u Georgia 75 önglish Av. u Pine 7 Chclby und BateS 73 No. 3 Spritzenhaus Prospect nahe Shelby 79 Fletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Jersey 82 Delaware und Wash. 83 ?ast u Washington 84 New Fork u. Davidsor 85 Taubstummen Anstalt 36 er. Staaten Arsenal 87 Oriental und Wash. 89 Fraucn-Resormat. 91 No. 13 Spritzenhaus Marvland nahe Mer. 92 Meridian u. G:rgia. 93 Meridian und South 94 Pennsylv u. Louisiana 95 Virginia Ave u. Alab. 06 Hauptquartier. 97 Srand Hotel. 98 Capital Ave und Obig 23 No. 16 Spritzenhau 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und Ib. 126 ?)andeS und 15. ,27 Brookside und Jupiter 123 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und ll. M Bellefontaine und .V. 134 College Ave und 2. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und Rorth 137 Newmann und 19. 138 College Ave und 14. 13j Cornell Ave und 15. 141 HandeS und IS. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumfeh und 16. 145 New Jersey nd 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 SpritMhauS Hiltside Ave und 16. 149 College Ave und 22. 149 College Ave und 27. 152 Park Ave und 22. 15? L E u. W Bahn u. 22. l54 Ramsey Ave und 10. 156 Stoughton u Newman 157 Atlas und Pike. 158 Bloyd und Pateyaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood 12 Arven und Depot 163 Brightwood und 26. 164 Rural und Bloyd 165 St. Llair u. Jtarftont 167 Arsenal Ave und 23. iss Bellcfonlame und 8. 169 Park Ave und 10. 212 Capital Ave und 17. 213 Pennsylv. u. Michigan 214 Illinois und 2. 2)5 Senate Ave und 1. 216 Pennsylvania und 22, 217 Meridian nd 16. 218 Capital Ave und 26. 219 Broadway und 1. L3l Jllino, und Mcean 224 No. 14 Spritzenhaus Aenwood u.d 36. 235 Illinois und 33. 2-36 Annctta und 30. 237 No. 9. Spritzenhaus Udell und Raoer 238 Udell Ladder WorlS 239 Jabe! und 7. 241 Meridian und 24. 242 Jliu'.ois u Et. lax, 243 Eldrioge und 23. 812 Weft uud Walnut 313 cft und 12. 314 Howard ?-.d 16. 315 Torbct und Paca 316 Capital Ave und l. 317 Northwestern Ave uI 313 Gent und 18. 3 Canal und 10. 324 Cerealine WorkS 324 Vermont und Lynn 825 Bismarä u ?rankvie 326 No. 29 Spritzenhaus Hauqhmlle. 327 Michigan u. HolmeS, S28 Michigan u, Concrrd S41 Weft und McJntyn 412 Miffcur: u. Maryland 413 Mlsiouri und Ohio 415 Capital Aveu Georgia 416 W.ffourl u cntukky A 417 Senate Ave u. Wasy. 421 P und NlHliUU W. Washington. 423 Jrr?n-Hospital. 424 Müey Ave u. I D u SB 425 Wash. und HarriS 426 No. 18 Crntzenhaul 23. Washington 427 Dlitocr und Birch 28 Oliver und Osgood 429 Nordyke und Dort 431 Hadley Ave u. Morri 32 River Ave u. Morrig 4 Rwer Ave und Ray 435 Harding u. Big 4 436 Harding und Olwa 437 No. 19 Spritzenbsz Morris und Harding, 88 Howard udWaB 39 Stocky 51 Reisn und MiUe? 52 Howard und dee 53 Morris und am? 56 Lambert und Beintt 457 Nordyke Ave . htax msn Works 812 West und Ray 613 entucky Ave u. Verrv 814 Merü)ian und MorrW 616 JllinoiS nd anjaS 17 Morris und Dakota 518 Morris und Church 51 Capital A. u VcCarw 521 MerUnan und Palmer 523 Pine un', Lord 624 Madlsor Ave u kincol .26 Meridian und Lelt RR 527 CarloS und Ray 626 Meridian und Arizona 829 Meridian u. Raymond 531 Meridian u. McSarty 632 No. 17 Spritzenhaus Morrii nahe Weft 612 Mlernan und Dough. 613 Saft u. Lincoln L 614 Cast und Beecher 615 Wrght und Sander 617 McCarty und Beaty 18 New Jersey u ir V, 712 Spruce und Prospect 713 Engllsb Are. . Laure 714 State Ave u. Belt R A 716 Shelby und Bcecher 716 Statt Ave nd Orang, 718 Orange und Lurel 71 Shelby u. Ci.aae Av 721 LeringtonA.u LaurW 723 Flacher Aveu. Syrue, 724 State Aveu. Pttasant 725 Prospck und "leasa: 726 Orange und HarlaV 728 Liberty und Meek 729 Rblc nd Soth 12 No. 16 Spritzenhaus Ost Washington Stt 813 Market und Noble 814 Ohio u. High land 15 Michigan u. 16 Market u Arsenal Oft 817 Oft S.'Clair und Union Bahn Geleise. . 821 Pan Handle EbcpZ 3 Vermont und Walcott 824 Wasb. und Statt fcfc. 825 addm'SougJd. 82 Tucker und Dorsey 27 ash. und Bevillt M 829 Ro. 1 EpritzenbauS Beville nahe Nichiga 831 Soutbeastcrn Ave und Woodside. 852 Wash. und Desrbor 834 Eoutheaftern und Arsenal AveS. 6 New Kork und Tempk 12 JllinoiS und Maryl. 13 JllinoiS und Markt. 14 Penn, nd Stasi 915 Telavare und e Spezial-Tignale. Ersten 2 Schlage, zweiter Alarm. Awetttu 5 Schlage, dritter Alarm, Drittem 2 Schlag, vierter Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch ausgerollt, 3 Schlag, Wafferdruck ab. 18 Schläge. 18 Uhr Mittag. Die 'fi bezeichneten Signale werben nur dorn Dhurt Wächter angegeben da an den betreffend eZtnches
